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1 1. Einleitung Journalismus - Wie schafft man den Einstieg? Was

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1. Einleitung
Journalismus - Wie schafft man den Einstieg? Was sind die genauen
Tätigkeitsfelder eines Journalisten? Wie sind die Zukunftsaussichten in
diesem Berufszweig?
Diese und andere Fragen bewegten uns dazu das Thema „Journalismus“ als
den Inhalt unserer Arbeit zu wählen. Hierzu haben wir uns als erstes eine
breite
theoretische
Grundlage
geschaffen.
Persönliche
Gespräche,
Recherchen im Internet, der Bibliothek oder in Zeitungen, bildeten die
elementare Basis.
Durch ein anschließendes Interview mit einem Journalisten einer kleinen
regionalen Zeitung wurde der Beitrag ergänzt und vervollständigt. Da der
Zeitungsjournalismus ein breitgefächertes Feld an Berufsvariationen bietet,
stellte
der
tiefere
Einblick
in
jenen
Bereich
eine
aufschlussreiche
Repräsentation der Thematik sowie unserer theoretischen Ergebnisse dar.
Es wurden viele Fragen geklärt, Möglichkeiten entdeckt und neue
Perspektiven geschaffen…
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Begriffsdefinition
Am Anfang unserer Recherche fiel uns auf, dass die Ausdrücke
„Journalismus“ und „Journalist“ in ihrer sprachlichen Anwendung inhaltlich
oftmals voneinander abweichen. Deswegen hielten wir es für sinnvoll, diese
Begriffe zunächst einmal einer grundlegenden Definition zuzuordnen, bevor
wir das Berufsfeld näher analysierten.
Nach der Definition des Deutschen Journalisten Verbandes ist ein Journalist,
wer hauptberuflich an der Verbreitung von Informationen, Meinungen und
Unterhaltung durch Massenmedien beteiligt ist. Journalisten ermöglichen mit
ihrer Arbeit öffentliche Diskussionen über aktuelle Themen und tragen somit
zur Meinungsbildung bei.
Ein Grund, warum die Begrifflichkeit des Journalismus häufig von
unterschiedlichem Gehalt ist, liegt unter anderem an den immer spezieller
werdenden Tätigkeitsfeldern der Journalisten. Man kann jedoch nach Hans
Wagner vier grundlegende Merkmale bestimmen, die den Journalisten als
solchen kennzeichnen:
1
1. „Der Journalist ist ein Nachrichtenarbeiter“1
2. „Der Journalist verrichtet Nachrichtenarbeit über räumliche Distanz“2
3. „Der
Journalist
betreibt
Vermittlungsoptimierung
gegenüber
der
Öffentlichkeit“3
4. „Der Journalist agiert nach dem Prinzip der Unparteilichkeit“4
2.2. Pressefreiheit
Die Unparteilichkeit der Journalisten soll durch die Pressefreiheit ermöglicht
werden. Diese ist im Artikel fünf des Grundgesetztes verankert und besagt:
„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern
und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen zu
unterrichten...Eine Zensur findet nicht statt.“
Trotzdem sind der Pressefreiheit Grenzen gesetzt. So dürfen vertrauliche
Informationen nicht weitergegeben werden, die Jugend soll geschützt und die
persönliche Ehre einer jeden Person gewährleistet sein. Viele dieser
Einschränkungen sind im Pressekodex festgelegt.
Diese Regelungen beeinflussen die Arbeit eines Journalisten maßgeblich.
Einerseits schränkt das Gesetz die Arbeit
und Vorgehensweisen ein,
andererseits garantiert es ebenso den Erhalt von Informationen.
2.3. Idealbild und Wirklichkeit
Trotz der Pressefreiheit bleibt der unparteiliche, neutrale Journalist als „Hüter
des Gemeinwohls“5 oft eine abstrakte Wunschvorstellung. Denn auch
Medienunternehmen arbeiten nach dem Prinzip der Marktwirtschaft.
Journalisten müssen bestimmte Zielgruppen ansprechen, Informationen
gezielt auswählen und dann als aktuell und bedeutsam präsentieren, um
wirtschaftlich konkurrenzfähig zu sein.
1
Dagmar Lorenz „Journalismus“, Seite 168
Dagmar Lorenz „Journalismus“, Seite 168
3
Dagmar Lorenz „Journalismus“, Seite 168
4
Dagmar Lorenz „Journalismus“, Seite 168
5
Dagmar Lorenz „Journalismus“, Seite 170
2
2
2.4. Tätigkeitsfelder eines Journalisten:
Obwohl die Tätigkeitsfelder eines Journalisten sehr unterschiedlich und
vielseitig angelegt sind, gibt es bestimmte feststehende Aufgaben, die den
Kern der journalistischen Arbeit bilden. Diese setzen sich aus der
Beschaffung und Verarbeitung von Nachrichten, der Übung von Kritik bzw.
Stellungnahme, der Beeinflussung der öffentlichen Meinungsbildung und
dem Beitrag zur Bildung zusammen.
Journalisten arbeiten hauptsächlich für privatwirtschaftliche Unternehmen wie
z.B. Zeitungen, Zeitschriften, Pressebüros, den kommerziellen Rundfunk und
das Fernsehen. Im Innendienst sind sie unter dem Namen „Redakteure“, im
Außendienst jedoch eher als „Reporter“ bekannt.
Journalistische
Arbeit
zeitungsbezogenen
besteht
Schreiben.
aus
weitaus
Journalisten
mehr
sind
als
auch
„nur“
in
dem
Behörden,
Interessenverbänden oder öffentlich-rechtlichen Anstalten angestellt.
2.5. Spezialisierungen des Journalismus
Innerhalb des Tätigkeitsfeldes der Presse, gibt es verschiedene Positionen,
die ein Journalist haben kann.
Beginnend mit dem Beruf des Leitartiklers ermöglicht diese Funktion eine
meinungsäußernde, journalistische
Darstellungsform, die eine deutliche
Wertung einnimmt. Leitartikler besitzen eine „Richtlinienkompetenz“6, da sie
die politische Ausrichtung einer Zeitung widerspiegeln.
Eine weitere Beschäftigung ist die des Korrespondenten. Dieser auswärtige
Berichterstatter
informiert
über
Ereignisse,
die
in
seinen
Zuständigkeitsbereich fallen. Idealerweise sollte er die Sprache des
Gastlandes beherrschen; ein Punkt, der gerade für Anglistikstudierende von
Interesse sein könnte. Der Beruf des Korrespondenten gestattet kaum einen
sofortigen Einstieg, er entwickelt sich vielmehr aus einer langjährigen
beruflichen Tätigkeit, die es ermöglicht entsprechende Kompetenzen
vorzuweisen.
Weiterhin gibt es die Stelle des Kolumnisten, der regelmäßig an gleich
bleibender Stelle für eine Zeitung einen Meinungsbeitrag leistet. Kolumnisten
6
Dagmar Lorenz „Journalismus“, Seite 171
3
geben die persönliche Meinung des Verfassers wider, wobei die Kolumne oft
als Stellungnahme zu aktuellen Ereignissen verwendet wird.
Ein Redakteur ist für das inhaltliche und stilistische Format einer Zeitung
oder Sendung zuständig, indem er Material überarbeitet, ergänzt und kürzt.
Er wird oft auch als Schriftleiter bezeichnet, was allerdings lediglich ein
Synonym des Begriffes darstellt. Redakteure können haupt- aber auch
nebenberuflich beschäftigt sein und sie haben ein festes Aufgabengebiet.
Ressortleiter und Chefredakteure sind die Vorgesetzten und Höhergestellten
dieser Berufsgruppe und für die gesamte Abwicklung verantwortlich.
Um eine Zeitschrift bzw. Zeitung visuell ansprechend zu gestalten, produziert
der Bildjournalist, oder auch Fotoreporter genannt, Fotos und Bildberichte.
Dieses
journalistische
Tätigkeitsfeld
gehört
zu
den
gestalterisch
anspruchsvolleren in dieser Branche.
Doch auch Rundfunk und Fernsehen gehören in den Bereich des
Journalismus. Dort kann man als Rundfunk- und Fernsehredakteur agieren,
eine bekanntere Bezeichnung ist die des Moderators. Dieser leitet
Diskussionen, bzw. eine Radio- oder Fernsehshow und greift lenkend in
Kommunikationen ein. Auch das An- und Abmoderieren von Beiträgen, sowie
das Vermitteln zwischen Konfliktparteien gehört zu seinen Aufgaben.
Zusätzlich gibt es die Funktion des Nachrichtensprechers, der Meldungstexte
größtenteils live präsentiert. Vorraussetzung für diesen Beruf ist unter
anderem eine gute Allgemeinbildung; in vielen Redaktionen ist allerdings
auch
ein
abgeschlossenes
Hochschulstudium
in
einer
geisteswissenschaftlichen Disziplin erwünscht.
Die neuartigste Form von Beschäftigung ist die des Online-Redakteurs.
Jener ist für die mediengerechte Umsetzung und Veröffentlichung im Internet
zuständig. Die meisten Verlage und Zeitungen stellen ihre Produkte online
zur Verfügung, ein Aufgabengebiet der Online-Redakteure. Sie müssen
Informationen zügig und den Erwartungen der Zielgruppe entsprechend
aufbereiten. Fundamentale Vorraussetzungen für diesen Beruf sind HTMLund Internetkenntnisse.
4
2.6. Wege zum Journalismus
Da die Berufsbezeichnung „Journalist“ rechtlich nicht geschützt ist, existiert
demnach auch kein verbindlicher Ausbildungsgang. Deshalb haben sich im
Laufe der Zeit verschiedene Wege herausgebildet, in das breite Feld des
Journalismus einzusteigen.
„Ein klassischer Weg ist der des Quereinstiegs“7, wobei man über eine
Hochschulbildung in einem beliebigen Spezialfach verfügen sollte. Jedoch
sinken die Berufschancen der Quereinsteiger zusehends.
Ein weiterer Weg ist das „duale Modell“8. Hierbei absolviert man nach einem
abgeschlossenen Studium ein Volontariat bei einem Presse-Unternehmen.
Zusätzlich bieten Journalistenschulen und Medienakademien journalistische
Ausbildungen an. Auch an Universitäten und Fachhochschulen können
Studiengänge wie Publizistik oder Journalistik absolviert werden.
Generell gilt das meist zweijährige Volontariat als Hauptzugangsweg zum
Journalismus, jedoch reicht ein abgeschlossenes Studium inzwischen nicht
mehr aus, einen der begehrten Plätze zu bekommen. Äußerst wichtig ist die
Praxiserfahrung, die durch möglichst zahlreiche Praktika, Hospitanzen oder
freie Mitarbeit belegt werden muss. Grundsätzlich gilt nach Hans-Joachim
Lang, einem Redakteur des Schwäbischen Tagblatts: „Journalismus gleich
Studium egal, plus Praxis hoch zwei!“9. Zusätzlich lassen sich während eines
Praktikums auch wertvolle Beziehungen und Verbindungen knüpfen, durch
die man später einen Job erhalten kann. Die studierte Fächerkombination ist
generell
nicht
von
Bedeutung
und
sollte
den
eigenen
Interessen
entsprechen. Allerdings muss beachtet werden, dass in Zukunft wohl stärker
die
Fähigkeit
wirtschaftliche
gefragt
oder
sein
wird
juristische
naturwissenschaftliche,
Zusammenhänge
politische,
verständlich
zu
präsentieren. Außerdem sollten Journalisten über einige elementare
Schlüsselqualifikationen
verfügen. Nach Georg Freud sind die zwei
wichtigsten Kompetenzen Schnelligkeit des Auffassens, Urteilens und
7
Dagmar Lorenz „Journalismus“, Seite 174
Dagmar Lorenz „Journalismus“, Seite 174
9
http://www.uni-tuebingen.de/kultur/03-stu/ss04/Homepage/jobguide%20medien.htm
8
5
Formulierens, und eine ausgeprägte Vermittlungsgabe, um schwierige
Sachverhalte klar und leicht verständlich zu machen. Des Weiteren sind
neben Arbeitsdisziplin und Selbstvertrauen Neugier, vielfältige Interessen,
Kontaktfreudigkeit und die Fähigkeit, das Bemerkenswerte im Alltag zu
sehen, besonders gefragt.
2.7. Berufsaussichten
Die Berufsaussichten im Journalismus werden im Allgemeinen als sehr
schlecht beschrieben. Aufgrund der bestehenden Medienkrise seit 2001,
dem darauffolgenden Zusammenbruch des neuen Marktes und die damit
verbundenen
zurückgehenden
Werbeeinnahmen,
ist
die
Zahl
der
arbeitslosen ausgebildeten deutschen Journalisten auf rund zehntausend
angestiegen10 . Laut des Deutschen Journalisten Verbandes baute jeder
zweite Verlag zwischen 2002 und 2003 Stellen ab, davon 80 Prozent in den
Redaktionen. Außerdem werden immer weniger Journalisten fest angestellt.
Die Redaktionen beschäftigen immer häufiger freie Mitarbeiter, da diese
kostengünstiger und flexibler einsetzbar sind. Laut einer Studie der
Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Bonn waren 2003 nur 65 Prozent der
Journalisten fest angestellt, während es 1997 noch 72 Prozent waren. Auch
einem Volontariat geht häufig eine mehrjährige Beschäftigung als freier
Mitarbeiter voraus.
Allein der Online-Journalismus hat aufgrund des schnellwachsenden und
schnelllebigen
Internets
mit
seinen
noch
nicht
ausgeschöpften
Nutzungsmöglichkeiten viel versprechende Berufsaussichten.
3. Die „Schaumburger Zeitung“ als Institution
Die frühere arbeitgebende Institution unseres Interviewpartners Herrn Z. ist
die
„Schaumburger
Zeitung“.
Dieser
Name
steht
für
eine
Reihe
verschiedener Zeitungstitel, die im Raum von Hameln bis Hildesheim
vergeben werden. Das Unternehmen wird von der Verlagsgruppe DWZ
(Deister- und Weserzeitung) in Hameln geführt.
Die „Schaumburger Zeitung“ hat die Sitze ihrer Lokalredaktionen in
Bückeburg und Rinteln. Kleinere Orte, (Obernkirchen, Auetal usw.) werden
10
http://capella.hooffacker.de/~j-digital/oj12arche/e2dd20040625fres2.html
6
der letzteren Geschäftsstelle zugeordnet. Nichtlokale Themen, wie Politik
und Wirtschaft, werden bei allen Zeitungen der DWZ in identischer Weise
veröffentlicht.
Da sich in kleinen Städten kaum noch Zeitungen niederlassen, unterliegt
diese Branche auch nahezu keinem Wettbewerbskampf. Im Fall der
„Schaumburger Zeitung“ stellten die „Schaumburger Nachrichten“, ein
Unternehmen der HAZ (Hannoversche Allgemeine Zeitung), einige Jahre
lang eine starke Konkurrenz dar. Ab 2002 wurde jedoch in Kooperation mit
der Gegenpartei gearbeitet. Lokale Artikel sind nun übereinstimmend und
gehen einheitlich in Druck.
Die Zielgruppe der „Schaumburger Zeitung“ sind alle Einwohner der
betreffenden Städte und Ortschaften, in der Realität sind die Leser aber in
der Altersgruppe der über 40jährigen zu finden.
Mit einer Auflage von 65.000 Zeitungen kann das Unternehmen einen hohen
Umsatz verzeichnen. Die Tageszeitung erscheint täglich, außer an Sonnund Feiertagen.
Die Lokalredaktion Rinteln hat acht Personen als Festangestellte zur
Verfügung. Daneben gibt es eine kleine Anzahl von ‚festen’ freien
Mitarbeitern, ohne die ein regelmäßiges Erscheinen der Zeitung nahezu
unmöglich wäre. Zusätzlich ist die Zeitung z.B. im Bereich Lokalsport auf
Mithelfer angewiesen, die über anliegende Wettkämpfe und Turniere
berichten. Häufig werden diese Artikel von den Sportlern selbst verfasst.
Demnach beruft sich die Zahl der gesamten freien Mitarbeiter auf ungefähr
30.
Bei den Angestellten und freien Mitarbeitern ist eine hohe Männerdominanz
zu verzeichnen. Paradoxerweise bewerben sich bei der „Schaumburger
Zeitung“ fast ausschließlich Frauen um einen Praktikumsplatz; auch der
Wunsch ein journalistisches Berufsziel anzustreben, ist erfahrungsgemäß
unter Frauen weitaus mehr vertreten.
Ein absolviertes Studium spielt in einer kleinen Lokalredaktion eine nur
nebensächliche Rolle. Natürlich wird ein dementsprechender Abschluss nicht
abgelehnt,
doch
praxisnahe
Kompetenzen
sind
ein
wichtigeres
Einstellungskriterium. Die Redakteure der „Schaumburger Zeitung“ sind
durchgehend Quereinsteiger und haben in ihrer früheren Laufbahn keine
7
themenspezifischen Ausbildungen genossen. Die Berufschancen sind sehr
schwierig,
weil
die
Branche
nahezu
überlaufen
ist.
Jedoch
sind
geisteswissenschaftliche- oder naturwissenschaftliche Studien sinnvoller als
eine rein journalistische bzw. publizistische Lehre. Es ist von Vorteil sich auf
ein gewisses Fach zu spezialisieren, als nur eine theoretische Ahnung zu
haben.
4. Interview mit einem Zeitungsjournalisten
4.1. Berufliche Laufbahn & Aufgabengebiete
Der von uns befragte Herr Z. hat seine journalistische Berufslaufbahn als
Praktikant begonnen. Danach ist er noch während seiner Schulzeit als freier
Mitarbeiter bei der „Schaumburger Zeitung“ tätig geblieben und wurde
schließlich als ‚fester’ freier Beschäftigter immer mehr in den Betrieb
eingebunden. Dadurch wurde Herr Z. zu einem elementaren Arbeitnehmer,
auf den die Redaktion angewiesen war, um die vielen Termine, vom
Kaninchenzüchter bis hin zu diversen Kulturveranstaltungen, bewältigen zu
können. Er gehörte zu den stets einsatzbereiten Hilfskräften, die eine
Lokalredaktion für die täglich anfallenden Aufgaben benötigt. Kurz nach dem
Abitur war Herr Z. für den Lokalteil Obernkirchen zuständig und
verantwortlich.
Nebenbei
arbeitete
er
mit
einer
Kollegin
in
der
Jugendredaktion der „Schaumburger Zeitung“. Diese Redaktion publizierte
das Blatt „Unkraut“, eine Beilage, die einmal im Monat erschien. Im Jahre
2002 wurde Herrn Z. eine Volontariatsstelle angeboten. Während dieser Zeit
war er überwiegend für den lokalen Teil zuständig, betreffend Lokalpolitik,
Wirtschaft und Kultur.
Der normale Tagesablauf ist aufgeteilt in Büroarbeit und terminliche
Verpflichtungen. Arbeitsbeginn ist um 10.00 Uhr. In der ersten Tageshälfte
werden Mitarbeiter für verschiedene Aufgaben eingeteilt, Interviews geführt,
Ideen gesammelt und die verschiedenen Abläufe organisiert. Der Nachmittag
ist für das Verfassen von Artikeln vorgesehen, für Textüberarbeitung und
Fotoauswahl - „das Produkt wird fertig gestellt.“ (Natürlich gibt es ebenso
Redakteure, die nur für Textkorrektur und Seitenlayout zuständig sind und
somit keinen Außenmeetings nachgehen.) Redaktionsschluss ist um 21.00
8
Uhr. Zusätzlich können aber noch Abendveranstaltungen anfallen, denen
ebenso nachgegangen werden muss.
Teamarbeit ist bei einer Zeitung unerlässlich. Man ist auf die Kollegen
angewiesen. Die Arbeit funktioniert nur, wenn ein gemeinschaftliches
Miteinander stattfindet.
Der Verdienst eines Journalisten spielt sich statistisch gesehen, „im oberen
Drittel“ ab. Selbst freie Mitarbeiter, die regelmäßig arbeiten, können von
ihrem
Lohn
gut
leben.
Ferner
gibt
es
für
Journalisten
eigene
Versicherungsfonds.
Um eine journalistische Tätigkeit ausüben zu können, sollte man mehrere
fachliche Kompetenzen mitbringen: Eine sprachliche Begabung, das heißt
ein gutes Sprachvermögen, ist von allergrößter Bedeutung. Daneben
benötigt ein Journalist in jedem Fall eine Leidenschaft für das Genre des
Schreibens. Weitere überfachliche Schlüsselqualifikationen sind nach Herrn
Z. Offenheit und eine extrovertierte Persönlichkeit. „Alles was ein Journalist
schreibt, erfährt er von anderen Menschen. Daher muss man auf sie
zugehen können, andernfalls sind die befragten Personen oft nicht bereit,
Dinge preiszugeben.“ Außerdem ist Flexibilität eine vorteilhafte Eigenschaft.
Der Beruf eines Journalisten bedeutet einen immensen Zeitaufwand. 10 – 12
Stunden am Tag sind der Durchschnitt eines Volontärs oder eines niedrigen
Lokalredakteurs. Das beinhaltet eine Sechs-Tage-Woche, einschließlich
Sonntagsdienst. „Das Arbeiten in einer Redaktion heißt auch, dass man nicht
um Punkt acht Uhr den Stift fallen lässt und nach Hause gehen kann, man
bleibt, bis alles fertig ist.“ Dieser zeitintensive Beruf ist mit viel Kopfarbeit
verbunden, was ein sofortiges Abschalten nach Feierabend schier unmöglich
macht. Nach Herrn Z. ist die Beschäftigung bei einer Zeitung eine der
stressigsten Anstellungen.
Man muss sich der Hektik des Berufs bewusst werden und ebenso bereit
sein, das Privatleben völlig hinten anzustellen, weil die berufliche Karriere in
einem journalistischen Fachgebiet ansonsten nicht gelingt. „Familie und
Freunde unterzubringen war kaum noch ausführbar. Viele Leute sagten mir,
ich hätte mich negativ verändert. Und das hatte ich! Der tägliche Kampf führt
9
zu einem Abstumpfen;
man entwickelt tatsächlich
eine Form von
Abgebrühtheit.“ Zwar sind viele Redakteure verheiratet und haben Kinder,
doch solch eine Beziehung basiert auf großer Toleranz. Die jeweiligen
Partner bringen oft nur das nötige Verständnis auf, wenn sie beruflich ebenso
eingespannt sind. Die einzige Möglichkeit dem arbeitsbedingten Stress etwas
zu entkommen, ist eine leitende Position, da die Arbeitszeiten dann
geregelter ablaufen.
Auch darf die Tatsache, dass Publikationen in einer Tageszeitung eine sehr
kurzlebige Angelegenheit sind, in ihren Konsequenzen nicht unterschätzt
werden. Für Herrn Z. stellte diese Gegebenheit eine regelrechte psychische
Belastung dar:
„Jeden Tag müssen die leeren Seiten auf dem Computer erneut gefüllt
werden - ein arbeitsaufwendiges Unterfangen, immer wieder aufs Neue. Und
am nächsten Morgen, wenn dieselbe Aufgabe wieder auf dich wartet, wurde
die Zeitung schon gelesen und wieder vergessen. Man bekommt nur wenig
Resonanz. Die Arbeit für ein größeres Wochenmagazin ruft wahrscheinlich
ein besseres Gefühl hervor, weil die Berichte bei den Lesern eine Reaktion
hervorrufen. Dort weiß man, dass man nicht für den Papierkorb schreibt.“
4.2 Persönliches Resumé des Interviewpartners
Es gab keine bestimmten Schlüsselerlebnisse, die Herrn Z. dazu bewegten,
einer journalistischen Beschäftigung nachzugehen. „Jedoch dachte ich
während meiner Zeit als Praktikant, dass die Tätigkeit eines Redakteurs mein
absoluter Traumberuf ist.“
Die Tatsache, dass er nun in einem völlig anderen Berufsfeld wirkt, mag
daher seltsam klingen. Doch die Gründe, warum Herr Z. sein Volontariat
abbrach, klingen einleuchtend. „Es ging heiß her!“ Mit diesem Satz eröffnete
er uns einen kritischen Eindruck in die reale Arbeitswelt einer Zeitung und
demonstrierte uns die Schattenseiten, von denen dieses Berufsfeld
beeinträchtigt wird. „Leitende Lokaljournalisten sind in der Stadt sehr
bekannt, haben ein gewisses Ansehen und folglich auch viel Macht, die sie
oftmals ausnutzen. Sie können beispielsweise durch veröffentlichte Kritiken
Veranstaltungen niedermachen und dadurch die Leser negativ beeinflussen.
Wenn man als Mitarbeiter eine andere Meinung vertritt und sich für diese
10
versucht einzusetzen, ist man den „Mächtigen“ ausgeliefert. Es entwickelt
sich ein schlechtes Arbeitsklima. Daher gehörte Mobbing fast zum
Arbeitsalltag und damit konnte ich einfach nicht mehr leben. Die
darauffolgenden
Beanstandungen
an
meinen
Arbeiten
lösten
große
Selbstzweifel und Skepsis in mir aus. Ich konnte nicht mehr einschätzen, ob
die Kritik an meinen Artikeln objektiv ist oder vorurteilsbelastet.“ Der Ausstieg
Herrn Z.s hatte also weniger mit dem Beruf an sich zu tun als mit den
gegebenen Umständen.
Gegenwärtig ist er sein eigener Chef im Fachbereich für Altbausanierungen
und denkmalgeschützte Häuser. Diese Aufgabe kommt seinem eigentlichen
Traumberuf, dem des Architekten, sehr nahe. Auch hier fand ein
sogenannter Quereinstieg statt.
Die zukünftigen Ziele von Herrn Z. sind noch immer von seiner Zeit als
Journalist geprägt: „Ich möchte finanziell abgesichert sein, ohne dass mein
Dasein nur aus Arbeit besteht. Ich möchte weiterhin einer Arbeit nachgehen,
die mir Spaß bereitet, jedoch soll sie nur einen geringen Teil meines Lebens
einnehmen. Bei meiner Redaktionstätigkeit sind die Jahre einfach an mir
vorbeigezogen, ich habe kaum private Erinnerungen. Diese Erkenntnis habe
ich heute noch und so soll es nie wieder sein!“11
5. Gruppenreflexion
Nach abgeschlossener Recherche und der Beendigung unseres Berichtes
können wir nun ein abschließendes Fazit ziehen – welche Fragen konnten
wir für uns klären? Welche Perspektiven haben sich uns eröffnet? Welche
Möglichkeiten sehen wir für uns?
Unsere theoretische Arbeit hat uns zuerst einmal einen interessanten,
vielseitigen und reizvollen Einblick in das Berufsumfeld des Journalismus
geboten. Im Interview jedoch eröffnete sich uns über dies hinaus eine weitere
Dimension. Zwar bestätigte das Gespräch unsere theoretischen Resultate,
stellte aber auch die harte Realität des Berufes in den Vordergrund. Aspekte
wie Druck, ein hoher Stressfaktor oder extreme Abhängigkeit vom
Vorgesetzten, der mit seiner persönlichen Meinung entscheidet, ob der
Artikel gedruckt wird oder nicht, kamen ans Licht. Außerdem wurde uns erst
11
Die Inhalte des Interviews, sowie alle enthaltenen Zitate, stammen von Herrn Volker Z.
11
durch das Interview bewusst, wie stark das Privatleben durch die Hektik und
die ungeregelten Arbeitszeiten des Berufes, eingeschränkt wird. So bleibt für
Freunde, Partner, Familie und auch für sich selbst kaum Zeit. Im Falle
unseres Interviewpartners ging die Beeinflussung durch den Berufsalltag
sogar so weit, dass er sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen musste, sich
negativ verändert zu haben. Über diese drastischen Auswirkungen waren wir
uns vorher nicht im Klaren. Auch wenn uns dieses eher abschreckte,
wussten wir Herrn Z.s Offenheit sehr zu schätzen. Seine Aussagen führten in
unserer Gruppe zu Diskussionen, die unterschiedliche Vorstellungen
hervorbrachten. Während einige von uns sich vorstellen können, ihre
gesamte Freizeit dem Beruf zu widmen, war es für andere wichtig, ihre Arbeit
mit Familie und Freunden zu vereinbaren. Weiterhin fragten wir uns, ob wir
mit dem hohen Stressfaktor zu Recht kämen und inwiefern uns unser
Studium auf diese Anforderungen vorbereitet. Wir kamen zu dem Schluss,
dass man als Journalist unter konstantem Zeitdruck arbeiten muss und somit
ständigem Stress ausgesetzt ist. An der Universität hingegen tritt dieser nur
phasenweise auf (wie z.B. Klausuren, Hausarbeiten etc.). Außerdem muss
ein Journalist produktiv bzw. kreativ arbeiten, während im Anglistikstudium
häufig die reproduktive Abfrage von Wissen im Vordergrund steht.
Andererseits erlernt man in unserem Studiengang einige grundlegende
Schlüsselkompetenzen, die auch im Journalismus gefragt sind. Hierzu
gehören unter anderem Teamfähigkeit und Flexibilität, welche speziell bei
Gruppenarbeiten trainiert werden.
Unsere
eigene
Gruppenarbeit
verlief
im
Allgemeinen
zu
unserer
Zufriedenheit. Dies lag vor allem daran, dass wir uns bereits in der ersten
Sitzung einen Zeitplan erstellt haben, den wir im Großen und Ganzen auch
einhalten konnten. Hilfreich erwiesen sich im Nachhinein auch die
Gruppenkurzberichte, die wir zu Anfang jeder Stunde abgeben mussten. Sie
verschafften uns einen Überblick über bereits erledigte und noch
ausstehende Aufgaben. Außerdem haben alle Mitglieder der Gruppe zügig
und selbstständig gearbeitet. Es gab niemanden, der versucht hat, seine
Aufgaben auf andere abzuwälzen. Die Ergebnisse der einzelnen Personen
wurden in der Gruppe vorgestellt und gemeinsam überarbeitet. Positiv zu
12
werten war hierbei, dass Kritik freundlich geäußert und gut aufgenommen
wurde.
Natürlich sind uns auch einige negative Punkte während unserer
Gruppenarbeit aufgefallen. Aufgrund der späten Uhrzeit, zu der das Seminar
stattfand, kam es zu Konzentrationsschwierigkeiten. Diese konnten wir
jedoch abschwächen, indem wir viel selbstständig zu Hause gearbeitet
haben und abends in der Gruppe nur noch die Ergebnisse vorgestellt und
diskutiert haben. Des Weiteren haben wir uns zusätzlich zu früheren
Uhrzeiten getroffen. Jedoch stellte sich dies oft als problematisch heraus, da
es kompliziert ist, fünf verschiedene Stundenpläne zu kombinieren.
Zu
Beginn
unserer
Gruppenarbeit
befürchteten
wir,
dass
es
zu
Unstimmigkeiten kommen könnte, da nur eine Person aus der Gruppe
benotet wird und diese zudem den Rest der Gruppe noch nicht kannte. Dies
stellte letztendlich jedoch kein großes Problem dar, da alle Mitglieder gut
mitarbeiteten und sich gleichermaßen einbringen konnten. Somit herrschte
ein harmonisches Arbeitsklima.
Anzahl der Wörter: 3248
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