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Ledig, weiblich, jung sucht... Klingt wie der Anfang - Ina-Maria Enn

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Ledig, weiblich, jung sucht...
Klingt wie der Anfang einer Heiratsannonce. Nur, wenn man genau hinschaut, ist
alles ganz anders. - Na ja, nicht alles: Weiblich stimmt. Sehr sogar. Sehr weiblich,
meine ich. Wer? Na, ich natürlich! Jung? Klar, wenn’s mir gut geht vor allem. Sonst
sehe ich manchmal ganz schön alt aus.
Ledig? - Ist eine Frage der Definition. Eigentlich bin ich nämlich geschieden.
Zweimal, um genau zu sein. Von verschiedenen Männern. Ich erwähne das nur,
damit keine Missverständnisse entstehen. Je nach Zuhörerkreis stelle ich mich
manchmal mit den Worten vor: „Zum zweiten Mal glücklich geschieden...“
Damit hab ich vorigen Sommer im Mütterkurheim meine Mitmütter geschockt.
Wollte ich gar nicht. Hab ich auch zuerst überhaupt nicht gecheckt, dass sie
geschockt waren. Es war nur, weil die meisten in der Vorstellungsrunde so ihr
glückliches Familienleben rauskehrten. Und ich konnte nicht mal die Spur von einem
Mann vorweisen. Dabei wollte ich doch auch so gerne glücklich sein, wie die
anderen... Oder wenigstens scheinen. Muss ja nicht gleich jede wissen, wie mir
zumute ist, oder?! Es war eben meine erste Mütterkur, sonst hätte ich mir das vielleicht geschenkt. Nach
knapp zwei Wochen wusste nämlich doch jede von jeder, wie ihr zumute war. Und
wie glücklich sie wirklich waren, die Anderen.
Im Vergleich zu einigen meiner Mitmütter war ich noch gut dran.
Hätte ich nicht gedacht. Wo ich mich doch seit meiner Scheidung vor sieben Jahren
meistens ziemlich unglücklich fühlte. So ohne Mann, meine ich.
Ja, ja, ich weiß schon, so was zuzugeben, ist heute nicht mehr in.
Ich erzähl´s deshalb auch nicht allen. Also wirklich „sucht“? - Kommt drauf an, was – oder wen...
Aber, wenn ich ehrlich sein soll, suche ich gar nicht. Nicht mehr jedenfalls. In den
vergangenen Jahren habe ich nämlich mit schöner Regelmäßigkeit meine
Frühlingsgefühle in die Formulierung von Bekanntschaftsanzeigen oder Antworten
auf solche investiert. Leider erfolglos. Leider? Kommt drauf an! Erfolglos? Wie man
´s nimmt: einen Mann für Tisch und Bett habe ich auf diese Weise nicht gefunden.
Allerdings habe ich so jede Menge interessanter Erfahrungen gemacht.
Doch vielleicht sollte ich der Reihe nach erzählen!
Es begann mit meiner Scheidung vor sieben Jahren. Oder nein, eigentlich begann es
schon drei Jahre früher, als mein Herr Gemahl von der Kur zurückkam:
1986
„Ich hab dir eine Freundin mitgebracht.“
Das war doch mal was Neues! Nicht immer diese üblichen Andenken, die dann
irgendwo als Staubfänger den Frust beim Wohnung putzen erhöhen. So eine
Freundin wäscht sich selber und blockiert auch keinen Platz im Schrank. Jedenfalls
nicht, wenn man sie offiziell vorstellt, dachte ich.
Trotzdem war ich zuerst etwas überrascht. Schließlich hatte ich noch nie ‘ne
Freundin einfach so geschenkt gekriegt. Natürlich hatte die Sache einen Haken, denn
Johanna, so hieß sie, war erstmal zu ihrem Mann und ihren beiden Kindern
heimgekehrt.
Zum Glück war Berlin damals noch nicht so groß und so konnte ich schon nach
wenigen Tagen meine neue Freundin in Augenschein nehmen. Das heißt, zur
Begrüßung nahm sie mich erstmal. In den Arm. Wie unter Freundinnen so üblich.
Dann küsste sie mich. Wie unter Freundinnen so üblich.
Anschließend küsste sie Meinhard, meinen Mann.
Nee, so was von Aufmerksamkeit aber auch! Irgendwie musste Johanna es gespürt
haben, dass sie nur solange meine Freundin würde sein können, wie Meinhard
unserer Freundschaft wohlgesonnen war. Immerhin hatte er mir in den bereits
vergangenen zwölf Jahren unseres Zusammen- und Ehelebens noch jede Freundin
abgewöhnt. Schließlich war er elf Jahre älter als ich und wusste am besten, was für
mich wirklich gut war.
Johanna war es. Ganz offensichtlich.
Johanna war so alt wie ich und hatte ansonsten alles, was ich mir gewünscht hätte:
eine tolle Figur, Naturlocken, Superklamotten.
Völlig klar, dass Meinhard sie nicht nur als Freundin, sondern auch als Vorbild für
mich auserwählt hatte. Deshalb hatte er für zu Hause Diätpläne mitgebracht und
Johanna meldete mich bei IHREM Friseur an. Es war natürlich DER Starfriseur von
Berlin – Hauptstadt der DDR.
Natürlich! Sie waren ja so besorgt um mich, mein Mann und meine Freundin! Die
Dauerwelle, die Jhonny bei mir zelebrierte, hielt zwar nicht, aber dafür konnte ich
überall rumerzählen, dass ich nun Kundin in dem berühmten Salon war. Schließlich
nahmen die da nicht jede!
Bei uns zu Hause begann sich alles nur noch um Johanna zu drehen. Unsere vier
Kinder wurden mit Johannas beiden zwangsangefreundet. Weil es gut für sie war. Na, zumindest erweiterte es ihren Horizont. Als Kinder eines Offiziers hätten sie
sonst wohl kaum in der Praxis überprüfen können, wie der Klassenfeind schon die
Kleinsten mit solchen Sachen, wie Playmobil und Barbypuppen manipuliert. Und wie
herrlich ein Kinderzimmer sein kann, in dem in trauter Gemeinsamkeit auf dem
Fußboden die vollgepinkelte Bettwäsche von Johannas Neunjährigem neben
Büchern, einer vollklimatisierten Ritterburg, diversen Computerspielen, Haargummis
und Millionen von Katzenhaaren eine zehn Zentimeter hohe Schutzschicht über den
teuren Wollteppichen bildete, die wir uns, schon wegen unserer vier Kinder, sowieso
nicht leisten konnten.
Auch meinem Meinhard tat die Erweiterung seines Horizonts sichtlich gut. Lebte er
doch spürbar auf, wenn wir zu Johanna fuhren.
Noch mehr, wenn sie zu uns kam. Dann kam sie nämlich allein.
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