close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Innovation für meine Druckerei? Na klar – aber, wie mache ich das?

EinbettenHerunterladen
BETRIEB & MANAGEMENT
Innovation für meine Druckerei?
Na klar – aber, wie mache ich das?
MARKETING IN DER DRUCKINDUSTRIE (24) ó Wenn ich bei meinen Druckerei-Kunden das Thema Innovation
anspreche, stoße ich meist auf offene Ohren. Viele denken sofort an schöne neue Maschinen und neue Technik.
Druckunternehmer beschäftigen sich sehr gerne damit.
ó Umso größer ist dann die Enttäuschung, wenn
ich eröffne, dass ich gar nicht neue Technik meine. Mal ehrlich: Wenn Sie an Innovation denken – woran denken Sie dann selbst zuerst? Neue,
schnellere Maschinen, bessere Leitstandtechnik,
Vernetzung per JDF, intelligentere Verarbeitung
– oder? Deshalb gehen Sie doch auch auf diverse Messen oder besuchen Maschinenhersteller –
um sich auf dem Laufenden zu halten. Selbstverständlich sind das alles technische Innovationen. Es gibt aber eine viel größere Bandbreite
von Innovationen.
In der Druckindustrie wird bei Innovation bis
heute vornehmlich an technische Innovation
gedacht. Und so ist es nicht verwunderlich, dass
dieses Feld über Jahrzehnte den großen Maschinenherstellern quasi komplett überlassen wurde. Man war innovativ – technisch innovativ wenn man die neueste Druckmaschine oder das
neueste Vorstufenaggregat oder die neueste Verarbeitungsmaschine kaufte und einsetzte. Mit
jeder neuen technischen Innovation konnte man
mehr, besser, schneller produzieren. Weiter musste man gar nicht denken. Nur das war wichtig –
die Kunden kamen zu Zeiten ja offensichtlich
von allein. Ganz anders ist es heute. Wir alle wissen, dass das Volumen gedruckter Kommunikation sehr stark schrumpft. Unterschiedlichste
Ausgabemedien stehen heute zur Verfügung.
Manche Dinge sind online einfach praktischer
oder schneller. In manchen Bereichen punktet
aber auch eindeutig die gedruckte Kommunikation. In einem immer unübersichtlicher werdenden Umfeld wird es lediglich schwerer, zu erken-
Man muss sich mit seinen Kunden beschäftigen, um Innovation „einzufangen“.
nen, was sich wofür besonders gut eignet und in
der Folge auch, wo sich echte und interessante
Nischen für die Druckbetriebe von heute finden.
Da wird es zunehmend wichtig, sein eigenes
Unternehmen als einzigartig zu positionieren.
INNOVATIONS-KATEGORIEN. Mit dem Ge-
Der Autor Michael Hack ist
geschäftsführender Gesellschafter der Münchner
Unternehmensberatung
Estampado GmbH mit den
Schwerpunkten Strategie,
Marketing, Kommunikation und Verkaufsförderung
für Druckereien. Er zeichnet
am Entrepreneurship-Center der Hochschule
München verantwortlich für die strategische
Entwicklung, fördert junge, innovative, interdisziplinäre Start-up-Unternehmen und hält einen
Lehrauftrag für Gründungsmanagement an der
Hochschule.
≥ michael.hack@druckereimarketing.de
Deutscher Drucker | Nr. 8 | 17.4.2013
schäftsmodell einer Druckerei, die alles anbietet
was andere auch anbieten, werden sie nicht mehr
überleben können.
Innovation kommt aus dem lateinischen und
bedeutet im Wortsinn „Neuerung“ oder auch
„Erneuerung“. Meist wird das Wort recht unspezifisch eingesetzt und bezeichnet „Ideen“ oder
„Erfindungen“ und deren wirtschaftliche Umsetzung. In der Wirtschaftswissenschaft wird der
Begriff schon sehr lange eingesetzt. Einer der großen Theoretiker der Wirtschaftswissenschaft,
Joseph Schumpeter hat ihn vor über 100 Jahren
geprägt. Er definierte zum Beispiel Innovationszyklen und brachte auch gleichzeitig die Verbindung zu gesellschaftlichen Themen auf den Tisch.
Die Wirtschaft und auch die Gesellschaft wandeln
sich, wenn Produktionsfaktoren auf eine neuartige Weise kombiniert werden. Neu kann nach
Schumpeter eine echte Weltneuheit sein oder
auch aus Sicht eines einzelnen Unternehmens,
Mitarbeiters etc. eine Neuheit bedeuten. Daraus
ergibt sich dann auch, dass es völlig unterschiedliche Kategorien von Innovation gibt. Um nur
einige zu nennen, da wäre natürlich die schon
besprochene technische Innovation, diese steht
meist im Vordergrund, weil man etwas technisch
neues sehr schnell erkennen kann. Es gibt aber
auch Service-Innovation, die GeschäftsmodellInnovation oder auch die Design-Innovation,
soziale Innovation, Produkt-Innovation oder Prozess- Innovation. Ich könnte die Liste noch beliebig verlängern. Wichtig ist auch, dass in den letzten Jahren immer mehr zwischen „geschlossener Innovation“ und „offener Innovation“ unterschieden wird. Bei der geschlossenen Innovation
befinden sich die Innovatoren ausschließlich
innerhalb einer Organisation, bei der offenen
Innovation nutzt man verstärkt externe Informationen und Kompetenzen und muss sich nicht
auf seine eigene Innovationskraft verlassen.
INNOVATION IM NETZWERK. Das entspricht
dann auch stark dem neuzeitigen Ansatz, dass
Informationen (vor allem über die sozialen Netzwerke und das Internet) geteilt werden. Dieser
33
BETRIEB & MANAGEMENT
Ansatz hat speziell für unsere sehr klein- mittelständische Druckindustrie sehr viele Vorteile. Damit
kommt dann auch der Netzwerkgedanke – weg
vom Einzelkämpfer, hin zur Kooperation – mit
ins Gespräch. Das ist meiner Meinung nach ein
Punkt, der künftig überlebenswichtig für Druckereien sein wird. Innovation – zum Beispiel von
Ihrem Maschinenhersteller ist meist als geschlossene Innovation zu sehen. Man versuchte Entwicklungen quasi „im stillen Kämmerchen“ voranzutreiben um dem Wettbewerber gegenüber einen
Zeitvorteil zu haben. Erst in den letzten Jahren
ergeben sich – marktgetrieben – zunehmend strategische Allianzen und Kooperationen auch bei
den großen Herstellern.
Eine unbestrittene Tatsache ist, dass nur Unternehmen langfristig überleben, die innovativ sind.
34
Was liegt also näher, als einmal zu betrachten, in
welchen Bereichen man als Druckerei innovativ
sein kann. Um darzustellen, wie einfach Innovation geschehen kann, zu Anfang vielleicht das
aktuelle Beispiel Apple und sein i-Phone. Sie werden mir rechtgeben, dass es schon lange vor dem
i-Phone Mobiltelefone gab. Auch internetfähige
Mobiltelefone. Und natürlich auch MP3-Player.
Soweit war das i-Phone also nichts Neues. Warum
hat dieses Gerät dann aber einen derart großen
Zuspruch bekommen? Warum sieht man heute
bei fast jedem zweiten Smartphone-Nutzer das iPhone? Das liegt daran, dass Apple das Thema
Innovation richtig verstanden und auch richtig
umgesetzt hat. Abgesehen von dem legendären
Steve Jobs, der die Marketingkanäle virtuos bespielte, war und ist das i-Phone vor allem eine gelun-
gene Kombination verschiedener Ebenen von
Innovation. Apple brachte mit diesem Gerät eine
Kombination aus Produkt-Innovation, ServiceInnovation, aber auch aus Geschäftsmodell-Innovation auf den Markt. Und das in einem unverwechselbaren Design. So, dass man es einfach
haben muss.
BESSERES DESIGN. Was hat das mit Ihrer Druckerei zu tun? In meinen letzten Artikeln hatte
ich Ihnen immer wieder geraten, sich über den
Tellerrand hinaus zu informieren. Sich über die
Branchen Ihrer Kunden zu informieren. Daraus
kann sich dann die eine oder andere Beobachtung ergeben. Irgendetwas, was derzeit nicht so
gut gelöst ist. Was Sie besser lösen können. Dann
sind wir schon beim Thema Innovation. Wenn
Deutscher Drucker | Nr. 8 | 17.4.2013
BETRIEB & MANAGEMENT
Sie jetzt nicht gleich Ihr Portemonnaie zücken um
eine neue Druckmaschine für einen 7-stelligen
Betrag zu kaufen, sondern sich zunächst einmal Zeit
nehmen, um selbst nachzudenken – ist das der
erste Schritt. Dann vielleicht einen 5-stelligen
Betrag in die Hand nehmen um zu forschen: an
einem interessanten Thema für Ihren Kunden zu
forschen und Lösungen zu finden. Schon sind Sie
beim Thema Innovation für Druckereien. Das
kann, wenn Sie mit designaffinen Kunden zusammenarbeiten z.B. auch eine Designinnovation sein.
Irgendetwas, was es so noch nicht gab und weswegen Ihre Designkunden so gerne bei Ihnen bestellen.
Ich sehe wenn ich auf Tagungen von Werbeagenturen bin, sehr oft die gleiche VisitenkartenBox einer Online-Druckerei. Ich glaube nicht, dass
die Werbeagenturen bei genau dieser Online-Druckerei bestellen, weil sie so besonders billig ist: das
sind sie nämlich alle! Es scheint also offensichtlich
um etwas zu gehen, was Werbern besonders gut
gefällt. Eine Design-Innovation also. Deshalb bestellen sie alle bei der gleichen Online-Druckerei. Vermeintliche Kleinigkeiten können zur Kaufentscheidung führen. Wenn wir wissen, zu wie viel Prozent der Mensch rational und zu wie viel Prozent
er emotional entscheidet (nämlich zu 70%), dann
steckt im Thema Design-Innovation noch eine
ganze Menge Potenzial.
BESSERER SERVICE. Aber auch beim Thema Service-Innnovation sehe ich für Druckereien noch
sehr viele Möglichkeiten. Die allermeisten Druckereien sprechen in ihrer Werbung wohl von
individueller persönlicher Beratung, wenn man
aber genauer hinschaut, ist es damit nicht allzu
weit her. Wer möchte als erste Druckerei Deutschlands (das meine ich ernst) sich einmal mit dem
Thema Service beschäftigen? Sich Service-Modelle anderer Branchen anschauen und prüfen, was
für die eigene Druckerei und die eigenen Kunden
möglich ist und Sinn macht? In Zusammenarbeit
mit den eigenen Kunden Servicemodelle erarbeiten, die keine Wünsche offen lassen? Auch Dinge
denken, die bis heute unmöglich scheinen? Das
wäre ein spannendes Feld. Diese Druckerei würde
ich gerne auf ihrem Weg begleiten!
BESSERES GESCHÄFTSMODELL. Natürlich gilt
das gleiche auch für Geschäftsmodell-Innovation: Wenn zum Beispiel nur mit dem Thema Bezahlsystem neu umgegangen würde, könnte sich schon
eine ganze Menge für Sie, Ihr Unternehmen und
Ihre Kunden ändern. Mit diesen Gedankenanstößen oben haben Sie noch überhaupt nichts an
Ihren Druckmaschinen geändert. Sie mussten noch
nicht in Offsetmaschinen oder Digitalmaschinen
investieren. Die Technik, mit denen Sie produzieren ist Ihrem Kunden meist auch weitgehend egal.
Aber Sie könnten echte Vorteile für Ihre Kunden
herausarbeiten. Einzigartig für Ihren Kunden werden, obwohl Sie die gleichen Druckmaschinen
wie Ihr Wettbewerber haben. Trotzdem würde Ihr
Kunde lieber bei Ihnen bestellen, weil? Genau das
wünsche ich Ihnen, dass Sie diesen Grund für sich,
Ihr Unternehmen und Ihre Kunden herausfinden.
Damit hätten Sie eine echte Innovation für Ihr
Druckunternehmen geschaffen. Ihr Michael Hack
Deutscher Drucker | Nr. 1 | 10.1.2013
∂ RECHT
Alterdiskriminierung
im Trainee-Programm?
ó Eine Versicherungsgesellschaft, die ein TraineeProgramm für Berufseinsteiger ausschreibt, kann
als Anforderungskriterium einen höchstens ein
Jahr zurückliegenden Studienabschluss fordern,
ohne dass dadurch andere Bewerber wegen ihres
Alters diskriminiert werden. Diese Beschränkung
ist laut einem Urteil des Landesarbeitsgerichts
Hessen sogar erforderlich: Denn nur wenn tatsächlich alle Einzustellenden in gleicher Weise unerfahren seien und frisch von der Universität
kämem, sei das beabsichtigte Ziel, erste berufliche
Einstiegschancen im Rahmen eines einjährigen
Trainee-Programms anzubieten, tatsächlich
gewährleistet.
≈ Landesarbeitsgericht Hessen,
Az.: 7 Sa 615/11
35
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
3
Dateigröße
202 KB
Tags
1/--Seiten
melden