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Bericht über einen Segeltörn in die Karibik Wie alles begann

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mundung durch verschiedene Kolonialvölker
haben. Wir sollten aber nicht verallgemeinern;
denn die überwiegende Mehrzahl der Inselbewohner ist unkompliziert, heiter und freundlich, liebenswert, gastfreundlich und spontan
hilfsbereit.
Bericht über einen Segeltörn in die Karibik
von Martinique zu den Los Testigos und zurück
auf einem Kreuzerkatamaran (Venezia 42)
vom 8. bis 29. März 1997
Von Karin Brose & Manfred H. Wucherpfennig
Wie alles begann
Irgendwann im Herbst 1996 war unser
Vorsitzender, Harald, doch mal auf dem Donnerstags-Treff der Wurzelsegler im Restaurant
Dionysos. Bei dieser Gelegenheit kam die Rede auf einen geplanten Karibik-Törn im Frühjahr 1997. Da blieb bei dem Gedanken an unser Traumrevier nicht viel zu überlegen, wir
heuerten an. Geplant war eine 96-er Beneteau
50, doch es kam anders. Beim ersten TörnTreff im Carib, auf dem wir auch unsere Mitsegler Christian, Florian, Hannelore, Heike,
Herbert, Martin und Martina kennenlernten,
druckste Harald dann heraus, unser vorgesehenes Schiff sei nicht da, wir könnten aber
einen Kat bekommen. Anfangs gingen die
Meinungen hin und her, von schwimmender
Badeplattform bis warum nicht! Aber die Vorfreude auf Sonne, Palmenbuchten, Sandstrände wie Puderzucker, stetig wehenden
Passat, frisch gepreßte Fruchtsäfte mit einem
Schuß Rum, also den Bestandteilen des Caribic-Cocktails aller West-Indies-Segler, gewann bei allen die Überhand.
Ein paar Worte vorneweg
Für uns Touristen verheißen die palmenbestandenen Küsten der Karibischen Inseln im allgemeinen heitere, unbeschwerte
Ferientage mit viel Sonne, blauem Himmel,
romantischen Erlebnissen, raggae-music und
rum-punch. Dennoch hat jede einzelne Antilleninsel ihren eigenen Charakter, ihre Besonderheiten und ihre eigene, zumeist bewegte
Geschichte, die von grausamen Eroberern,
Piraten, schwarzen Sklaven, fremder Kolonialherrschaft und blutigen Unabhängigkeitskämpfen erzählt. Die Menschen, die wir auf
den Inseln kennenlernen, haben meist eine
dunkle Hautfarbe, oft typische Rasta-Frisuren,
und sind in den letzten Jahren sehr eigenständig und selbstbewußt geworden. Manchmal
begegnen sie uns mit Mißtrauen, Ablehnung
und vorgefaßten Meinungen, die ihren Ursprung in einer jahrhundertelangen Bevor-
Das Klima ist tropisch warm, das ganze Jahr über betragen die Temperaturen
ziemlich gleichmäßig 25 ° bis 30° C. Geprägt
wird das Wetter von den Passatwinden, die
hier überwiegend aus östlichen bis nordöstlichen Richtungen, im Süden allerdings auch
aus wechselnden Richtungen kommen. Der
westindische Frühling mit viel Regen dauert
nur ca. drei Wochen im April und Mai, dann
kommt der tropische Sommer bis Ende August, gefolgt von der gefürchteten Hurrican-Zeit
bis Ende Oktober. Danach von November bis
April ist dann wieder unsere Zeit, wenn auch
dann und wann ein paar Wolken oder ein Regenschauer eher eine Erfrischung bringen.
Jetzt steht die Sonne mittags im Zenit und ist
besonders gefährlich, geben doch erfrischende
Winde das trügerische Gefühl, die Sonnenstrahlung sei gar nicht so stark. Und schon ist
es passiert !
Auf fast allen Inseln bestand die Pflanzenwelt ursprünglich aus tropischen Urwäldwern, sie sind jedoch von Kulturpflanzen der
europäischen Siedler verdrängt worden. Palmen, die schönsten der Welt, gibt es überall,
sowie einen überschwenglichen Reichtum an
exotischen Blüten und auf einigen Inseln Gewürzbäume und -sträucher aller Art. Ebenso
vielfältig ist auch die Tierwelt, von Affen bis
Ziegen, darunter Eidechsen, Insekten, Frösche, Schmetterlinge, bis zu 320 Arten Kolibris
usw.
Noch vielfältiger ist jedoch das Leben
unter Wasser. In dem meist kristallklaren
Wasser kann man bizarre Korallenformationen,
unzählige farbenprächtige Fische und , mit
etwas Glück Muscheln, Schildkröten und Langusten entdecken. Eine Vielzahl von Großfischen, wie Schwertfisch, Golddorade, Barracuda, Thunfisch, Seeteufel u.ä. bereichern
oft die Speisekarte.
Die meisten karibischen Inseln waren
vor der europäischen Entdeckung von Indianern besiedelt. Später vertrieben kriegerischen
Kariben die Arawaken von den Antillen. Die
Kariben kämpften dann selbst über zweihundert Jahre lang gegen die europäische Kolonialisierung; heute leben Nachkommen von
ihnen nur noch im Carib Territory an der Ostküste der Insel Dominica. Am 12.Oktober 1492
betritt Christoph Kolumbus erstmals die Bahamas und glaubt, in „Westindien“ zu sein.
Es geht los
Am Samstag, dem 8.3.1997 war es
endlich soweit, dem Winter in Berlin Tschüss
zu sagen. Über Paris, mit einer ersten Verspätung flogen wir nach Fort de France auf
Martinique. Der Transferbus brachte uns um
21.30 Uhr nach Le Marin im Süden der Insel.
Da sahen wir sie nun zum ersten Mal, unsere
Galapaga, 12,60 m lang und 7 m breit!
Unsere Galapaga
Beeindruckend ! Rasch waren die Kojen beschlagnahmt, die ersten Sachen verstaut und
wir nahmen in Karibik-Ölzeug, d.h. unserer
fortan Dauerbekleidung Shorts und T-Shirt, im
einem der Restaurants am Hafen noch einen
als AbsakImbiß und das erste Bier von
ker zu uns. Bei freundlichen 26° und natürlich
Sonne (die scheint laut Christian auch wenn
man angezogen ist) wurde am nächsten Morgen alles gründlich klariert, noch ein „Lkw“ voll
Proviant, fest und flüssig, gebunkert und dann
gab es von Harald und dem Vercharterer eine
sehr gründliche Einweisung mit den ersten
kleinen Reparaturen.
Leinen los hieß es endlich am
Sonntag um 16.50 Uhr für unseren ersten
Schlag in südlicher Richtung nach Rodney
Bay, St. Lucia, wo wir gegen 21.15 Uhr bei
völliger Finsternis das Eisen im Wasser versenkten. Zur Belohnung gab es im Key Largo
eine karibische Riesen-Pizza. Weiter ging´s an
den nächsten beiden Tagen über die Admirality Bay (Bequia), Union Island , vorbei an
den markanten Sisters nach St. Georges auf
der Gewürzinsel Grenada, die Kolumbus lange
vor uns, auf seiner dritten Reise am 15. August 1498 entdeckte. Inzwischen hatten wir uns
mit dem doch recht gutmütigen Segelverhalten
und der unproblematischen Fahrt unter Maschine, d.h. je Schwimmer 28 PS in der Eisernen Genua, vertraut gemacht und bereiteten
uns auf die lange Nachtfahrt zu den Los Testigos vor. Da wir zurecht von begrenzten
Versorgungsmöglichkeiten an der venezolea-
nischen Küste ausgingen, mußte unser Dinghi
wieder Schwerstarbeit leisten, um Kisten Bier,
Wein, Säfte und Wasser aber auch Brot, Gemüse usw. an Bord zu bringen. Nach einem
karibischen Essen im Restaurant Nutmeg direkt an der Hafenpier und Wacheinteilung
warfen wir gegen 0.00 Uhr die Leinen los.
Unterwegs nach Venezuela
Auf dem von unserem Skipper Harald
ausgerechneten Kurs von zunächst 245 ° fuhren wir hinaus in die Nacht. Vor uns lagen rd.
95 Seemeilen mit achterlichem Ostwind zwischen 4 und 6 Beaufort. Bereits nach etwa
einer Stunde flüsterte unser privater GPS, daß
wir anfingen, aus der Kurslinie zu laufen. Harald ließ sich aber von dem neumodischen
elektronischen Kram nicht beeindrucken, der
Kurs blieb. Karin und ich hatten erst später
Wache, also legten wir uns in die Koje. Inzwischen stellte sich durch die regelmäßigen
Standorteintragungen (auch vom GPS!) heraus, daß unser Schiff lt. Logbuch einen halbkreisförmigen Bogen fuhr, was Harald mit dem
Spruch : Es muß doch möglich sein, diese
kleine Scheiß-Wasserwüste zu überqueren ...
und einer Kurskorrektur quittierte. Auch nachts
gibt es Hunger, also die Frage : Sind die Paprikaschoten eingeplant oder sind sie frei ? Antwort aus der Dunkelheit: Ich glaube, sie sind
frei. Darauf der Skipper: Oh, ich möchte frei
sein, frei wie eine Paprika ...! Aber auch die
Langeweile plagt, also überlegen wir uns was:
Ein Wort mit ganz vielen „ a “. Im Logbuch
steht
das
Ergebnis:
„Panamakanalaalkatenkatasteramtmannsfahrradnabe..“
Gegen 6.00 Uhr ging hinter uns die
Sonne auf, aber wir hatten erst die Hälfte unserer Strecke hinter uns. Doch irgendwann kamen Los Testigos in Sicht und gegen 12.30
Uhr lagen wir mit Buganker vor Isla Iguana,
um bei der Gurdia de la Costa einzuklarieren.
Mangels venezoleanischer Flagge, die war in
Grenada nicht zu bekommen, hatten wir das
gelbe „ Q“ unter der Steuerbordsaling. Trotz
Befürchtung war das aber kein Problem. Die
Dhingi-Überfahrt von Florian, Harald und Martin begann beim Anlanden mit einem Chaos,
nämlich Martin im Wasser und Wasser im
Dinghi. Die Folge war ein nicht zu übersehender See unter Martins Stuhl bei der
Coast Guard und nasse Papiere ! Wir hatten
Harald vorher extra noch auf die im Hafenhandbuch zitierte ordentliche Kleidung hingewiesen, was er bei der feuchten Rückkehr und
Blick auf die zuvor weißen Jeans mit: Und wie
seh´ ich jetzt aus ? und Bloß hoch das Dinghi
und nie wieder runter..! quittierte. Etwas später
stattete uns die Coast Guard noch einen Kon-
trollbesuch ab und entließ uns in unsere nächste Ankerbucht vor Playa Tamarinda.
Bei der kurzen Überfahrt hatte jedoch
jemand vergessen, eines der recht tief gelegenen „Sightseeing-Fenster“ auf einem der
Klo´s zu schließen und es gab eine Überschwemmung ! Woraufhin Harald uns belehrte:
Wenn die Wellen an der Bordwand zerschellen, steigen sie ins Klo ! Also brauchen wir
Klofensterbeauftragte: Heike für Steuer- , Christian für Backbord. Als wir später auf dem
Echtblumengesteck auf dem Salontisch Läuse
entdecken,
wird
Florian
noch
Läusebeauftragter. Beim Zubereiten des Abendessens hat Christian schon Hunger, darauf
Harald: So´n Hunger kannst Du gar nicht haben, Du hast ja heute noch gar nicht gekotzt...!
Zu den an Bord unserer Galapaga in der *****Kombüse von uns allen, überwiegend abwechselnd, kreierten Gerichten wird einfach auf die
diesem Bericht beigefügte sehenswerte Menükarte verwiesen.
Allerdings hat Manfred erstmals eine
Danksagung für seine Brotvariationen und die
Versuche, die Crew satt zu kriegen, was ihm
wohl auch meist gelungen ist, erhalten. Demnach wäre der Törn sonst ein Überlebenskampf geworden und der Kannibalismus an
Bord sei erfolgreich verhindert worden.
Den nächsten Tag begingen wir teils
faul mit baden und sonnen, teils, d.h. Harald,
Martin und Manfred mit einem schweißtreibenden Aufstieg zum höchsten Leuchtfeuer
der Inselgruppe. Schon von Bord aus hieß es :
So ihr Abenteurer, seht Euch mal die Kaktüsser an! Harald meinte dazu nur : Die können
mich mal am Hobel blasen ! während ihn jemand warnte: Wünsch Dir das lieber nicht! Ein
langer Aufstieg über Stock und Stein und viele
eklige Kakteen wurde belohnt von einer herrlichen Rundsicht über das gesamte Archipel
und einem kühlen Wind, wir bereuten jedoch,
nicht mal eine Selter mitgenommen zu haben.
Zerstochen von unzähligen Stacheln kehrten
wir, mit einem erfrischenden Drink begrüßt,
zurück und handelten bei abends heimkehrenden Fischern für 5 US $ eine Pütz voll unbekannter, aber frischer Fische ein, die abends
über Holzkohle auf dem Bordgrill zu einem
köstlichen Mahl verwandelt wurden.
Weiter ging unser Törn in südlicher
Richtung , teilweise begleitet von einer Schar
spielender Delphine, an die Küste Venezuelas,
die wir nach 56 sm in San Juan de Unare
erreichten. Die Überfahrt, wie auch einige andere, bescherte uns kleine Überraschungen in
Form gerissener Keilriemen, mal des Kühlschrankgenerators, mal der Wasserpumpe,
piepender Öldruckanzeige u.ä.. Wohlweislich
hatte uns der Vercharterer mit einem mittleren
Sortiment an Keilriemen ausgestattet, so daß
wir diese fast routinemäßig ersetzen konnten.
In unserer Ankerbucht wurden wir der vor sich
hin dieselnden Guardia Costa begrüßt, die uns
längsseits bat und unsere Galapaga mal wieder kontrollierte. Einer vorher durchsuchten
amerikanischen Yacht wurde eine Schrotflinte
und Munition abgenommen. Deswegen ! Angesicht des noch Stunden dieselnden Kriegsschiffes forderte Heike: Harald, tu was !
Andere nutzten die Zeit zum Landgang mit
einem erfrischenden Bad und großer Wäsche
in einer der sprudelnden Süßwasserquellen.
Bei mit uns in der Bucht ankernden Fischern
erstanden wir für 10 US $ etwa 10 kg fangfrischen Thunfisch, der uns gleich noch zerlegt
wurde, und wir hatten wieder zwei Essen. Umkreist wurden wir dabei von zahllosen eleganten Fregattvögeln, die sich ebenfalls ihr
Abendbrot holten.
Das Abendbrot naht...
Entlang der Küste Venezuelas weiter westlich,
mit einem Aufenthalt in der San Francisco
Bay liefen wir dann nach Sicht in den Golf
von Paria ein. Hier ließen wir bei achterlichem
Wind erstmals unseren Spi aus dem Sack,
sprich Bergeschlauch. So was von einfach auf
einem Kat, kein Baum, einfach nur die Schoten
durch je eine Umlenkrolle am Bug der
Schwimmer, und fertig! Gezogen von einer
bunten Blase sahen wir Trinidad und Tobago
backbord voraus im Dunst, und legten uns in
Puerto Cristobal Colon (ja, auch hier war
Kolumbus schon vor 500 Jahren) - von den
Einwohnern fröhlich beobachtet - längsseits an
eine kleine Pier, um einige Einkäufe vorzunehmen. Hier erstanden wir u.a. die wohl teuersten Zwiebeln unseres Lebens, wir redeten
sie später mit „Sie“ an.
Zurück in die Windwards
In der kommenden Nacht hieß es dann
schon leider an den Rückweg zu denken und
wir holten um 0.30 Uhr den Anker auf und legten nach kurzer Sichtfahrt nördlichen Kurs auf
Grenada an. Über 70 sm konnten wir mit
Wachwechsel unter Segel laufen, erst am
nächsten Vormittag verließ uns der Wind und
wir steuerten unter Motor und nach Sicht gegen 14.30 Uhr wieder The Lagoon in Grenada´s Hauptstadt St. Georges an. Hier
gönnten wir uns einen Hafentag. Den nutzten
wir u.a. mit einer interessanten Inselrundfahrt
im Minibus zum höchsten Wasserfall Grenadas, dem Concorde Waterfall Resort, einer
Spice-factory - oder dem, was noch davon
übrig war - und ließen uns von den Düften der
Gewürze Grenadas berauschen. Hier gedeiht
aber auch fast alles : die berühmte nutmeg
(also die Muskatnuß), cloves (Nelken : for your
hot-wine), Kakao, Safran (hier aber nur Gelbwurz), Lorbeer, Bananen u.v.m. Unsere Fahrt
führte uns auch in eine halbverrottete Rumdestillerie und an die Carib ´s Leap genannte
Steilküste von Morne des Sauteurs, von der
sich 1651 vierzig unbeugsame Indianer lieber
ins Meer stürzten, als sich den Franzosen zu
unterwerfen, sowie an den Grand Etang, einem
Kratersee in 600 m Höhe, der Grenada mir
reichlich Süßwasser versorgt. Für den Abend
hatten wir uns einen Besuch im legendären
Mama´s Restaurant & Bar vorgenommen und
wurden dann auch an einem fast brechenden
Tisch mit über 20 verschieden Spezialitäten
der karibischen Küche, wie Lobstersalat, Curryziege, Opossum, Turtle, Polenta, Kingfisch
und div. anderen Fisch-, Fleisch- und Gemüsegerichten verwöhnt. Das alles hatte auch seinen Preis, immerhin mußten wir anschließend
für uns 10 Personen rund 800 US $ auf den
Tisch legen. Zurück an Bord wollte Heike dann
von den 10 Pina Colada gern 4 mit Rum und
10 ohne Rum, sie hat ihr Problem aber inzwischen erkannt und arbeitet daran.
Sandy Island in der Bucht vor Hillsborough auf Carriacou im Bereich der südlichen Grenadinen erreichen wir als nächstes
und liegen schließlich auf N 12° 32,6' und W
61° 23,7' nordöstlich vor Petit St. Vincent vor
wohl einer der kleinsten Karibik-Inseln, Mopion, vor Anker. Von der 1. Reihe, das ist einer
der Vorteile des geringen Tiefgangs eines
Kats, genossen wir den Neid-PostkartenAnblick von ca. 50m weißem Sand (im Durchmesser !) und dem auffälligsten Bauwerk, einem mit Palmenwedeln gedeckten Sonnenschirm.
Mopion
Hoch soll er leben ...
Wegen des auffrischenden Windes,
doch etwas unsicherem Ankergrund und in der
Nähe sichtbarer Riffe verholten wir uns zur
Nacht vor Anker nach Petit St. Vincent. Hier
begannen heimlich Vorbereitungen , wie Kuchenbacken usw. für den nächsten Tag, nämlich Haralds 55. Geburtstag.
Zum festlichen Sektfrühstück fuhren wir schnell zurück nach Mopion
und überraschten den verschlafenen Harald im
dekorierten Salon mit Ständchen und vielen
Geschenken. Dabei hieß es wieder einmal:
Worauf trinken wir ? Auf nüchternen Magen !
Bei nostalgischer Musik sang Manfred später
mit: Wenn bei Capri der letzte Fischer im Meer
versinkt... während Christian mit einem Blick
auf den vollen Tisch meinte : Über Reste reden
wir erst, wenn das Essen vorbei ist. Gegen
Mittag wurden Segel gesetzt und wir nahmen
Kurs auf die Tobago Cays. In der Einfahrt zum
sehr treffend benannten Horse- shoe Reef rief
Harald vom Ruder aus in den Salon: Nimm
doch mal den Safran von der Karte, ich seh`
nichts ! Die Cays sind doch immer wieder ein
traumhaft schönes Fleckchen, kristallklares
türkisfarbenes Wasser auf 2 - 3 m Tiefe, kleine
Palmeninseln, Korallen zum Schnorcheln... Vor
Anker vor Baradal orderten wir bei einem der
alles Mögliche anbietenden Rasta-Man zur
Krönung der Geburtstagsfeier 5 Lobster, die
auch pünktlich abgekocht längsseits kamen
und an Bord geholt wurden. Wenig später
schon wurden sie mit frischen Salaten, Brot
und Wein im Anblick der untergehenden Sonne
verschnasselt.
Ankerwinsch an Brücke: Ich klemme.
Brücke an Ankerwinsch: Halt die Klappe! tönte
es gegen 8.45 Uhr über die Galapaga, bevor
wir fast genau nördlich ausliefen, in angenehmer Fahrt unter Segel nach St. Vincent
rauschten und am frühen Nachmittag in Chateaubelair wieder vor Anker gingen. Weiter
ging es vorbei an den Pitons in die Marigot
Bay (St. Lucia), einem traumhaften, ge-
schützten Hurrican-Hole, mit einem großen
Moorings-Stützpunkt, dem filmberühmten Doolittle, süffigen Rumpunchs und einem der kitschig-schönsten Sonnenuntergänge, die wir
dort je erlebt haben.
Nun hieß es leider schon, den letzten
Schlag anzutreten, wir mußten zurück nach
Martinique. Vor uns lagen nochmals 30 Seemeilen Segeln und eine letzte Badepause vor
Pte. Borgnesse bevor wir die Galapaga in Le
Marin wieder in der heimatlichen Box von
Bamboo Yachting parkten. Es begann das
übliche, mit Wehmut verbundene Packen der
Seesäcke und Taschen und ein letztes Großreinemachen, bevor wir uns zur Henkersmahlzeit in eines der idyllischen Strandrestaurants
auf den Weg machten.
Letzte Gedanken
Hier zogen wir nach rund 650 Seemeilen ein erstes Resümee unseres Törns.
Immerhin, es hatte einige Mängel gegeben :
eine Toilette war undicht, beim Backofen war
der Thermostat hin, eine Vorschiffs-Luke war
zu Martinas Leid undicht, der Druckminderer
der Gasanlage streikte, der AnkerwinschDruckschalter war undicht und - wie schon
früher berichtet - mußten zahlreiche Keilriemen
montiert werden. Andererseits war das Platzangebot überwältigend, überall gute Stehhöhe
und wo können tatsächlich alle 10 Mitsegler
relativ
bequem
im
Salon
und
im
Cockpit am Tisch sitzen und essen, ja sogar
tanzen ? Gut, das eigentliche Segelfeeling
eines auf die Backe gehenden Einrümpfers
erlebten wir nicht , aber dafür konnte auch fast
alles auf dem Tisch oder der Pantry stehen
bleiben. Wenn dann, wie auf unserem Törn,
noch Wind und Wetter und die Stimmung mitspielten, hieß es abschließend selbst bei den
anfangs eher kritischen Teilnehmern, aber
auch alten Salzbuckeln:
Das machen wir bestimmt nochmal !
PS Wie auch von allen unseren früheren Segel-Törns gibt es natürlich auch von
dieser erlebnisreichen Reise auf den Spuren
von Kolumbus ein etwa 2½-stündiges VHSVideo, das bei uns oder in der WurzelBbliothek für lange und kalte Winterabende
ausgeliehen werden kann. Ein Anruf unter
711 15 07 oder Besuch unseres DonnerstagsTreff genügen.
Aber Vorsicht, es animiert zum Nacheifern !
Karin
&
Manfred
MENÜKARTE
für den Törn
Windward-Inseln - Los Testigos
auf Kreuzerkatamaran Galapaga
vom 8. bis 29. März 1997
Samstag
8.3.
Sonntag
9.3.
Montag
10.3.
Dienstag 11.3.
Mittwoch 12.3.
Donnerstag 13.3.
Freitag
14.3.
Samstag 15.3.
Sonntag
16.3.
Montag
17.3.
Dienstag 18.3.
Mittwoch 19.3.
Donnerstag 20.3.
Freitag
21.3.
Samstag 22.3.
Sonntag
23.3.
Montag
24.3.
Dienstag
25.3.
Mittwoch 26.3.
Donnerstag 27.3.
Freitag
28.3.
Martinique, Le Marin
Marinabar
Imbiß
St. Lucia, Rodney Bay
Key Largo
Pizza carib
Bequia, Admirality Bay Galapaga
Kaßler mit Sauerkraut
Grenada, St. Georges,
Galapaga
Chili con Carne á la drama
Grenada, St. Georges
Nutmegá la carte
Los Testigos
Galapaga
Spirelli mit sauce ailloli
Los Testigos
Galapaga
Fische vom Grill, Salat
Los Testigos
Galapaga
Labskaus
San Juan de Unare
Galapaga
Nasi Goreng
San Francisco Bay
Galapaga
Nudelauflauf
San Francisco Bay
Galapaga
Bouillabaisse, ged. Thunfisch
Macuro, Cristobal Colon
Galapaga
Thunfisch vom Grill, Salat
Ensenada Cariaquita
Galapaga
Senatsreserve á la creole,
Grenada, St. Georges
Galapaga
Risotto mit Gemüse
Grenada, St. Georges
Mama´s
Karibisches Menü
Sandy Island
Galapaga
Königsberger Klopse
Mopion
Galapaga
Eierkuchen mit Früchten,
Spagetti m. Tunfisch
Tobago Cays
Galapaga
Geburtstagsessen:
Lobster mit frischem Salat
St. Vincent, Chateaubelair
Galapaga
Reis mit Gemüse chinoise
St. Lucia, Marigot Bay
Galapaga
Hühnerkeulen vom Grill,
Mangochutney
Martinique, Le Marin
Le Cayali
á la Carte
Zu den Gerichten wird auf Wunsch frisch gebackenes Fladen- oder Kraftprotzbrot aus der
bordeigenen Galapaga-Bäckerei gereicht.
Und zum Nachtisch empfehlen wir Vanille- oder Schokoladenpudding und frisches Obst.
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