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Aufgereiht wie Perlen an einer Kette - Zürcher Unterländer

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REISEN 13
ZÜRCHER UNTERLÄNDER
SAMSTAG, 6. AUGUST 2011
Aufgereiht
wie Perlen an einer Kette
ITALIEN. Das Unesco-Weltkulturerbe Cinque Terre ist ein
abgelegenes, aber keineswegs
einsames Reiseziel.
GABRIELE SPILLER
Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore – schon
die Namen der fünf Dörfer am Mittelmeer verheissen Italianità vom Feinsten.
Bilder von bunten Häuschen, die an Felsen kleben, kommen auf. Darunter ebenso farbige Fischerboote und kleine Strände. Abgeschieden von der Welt, scheint
hier die Zeit stehen geblieben zu sein.
Aber die «wilde Romantik» der Cinque
Terre ist schon lange kein Geheimtipp
mehr.
Kräftezehrende Tour
Auf einer anspruchsvollen Ganztageswanderung kann man die fünf Orte besuchen. Aufgereiht wie die sprichwörtlichen Perlen einer Kette, sind sie durch
den zwölf Kilometer langen «Sentiero
Azzurro» verbunden. Was nach einer gemütlichen Nachmittagswanderung entlang der Küste klingt, ist eine kräftezehrende Tour, auf der zu jedem Zeitpunkt
Trittsicherheit gefragt ist. Da die beliebte Route in diesem Jahr zwischen Corniglia und Manarola geschlossen ist,
muss ein Umweg über das höher gelegene Volastra gemacht werden. Genusswanderer sollten die Strecke aufteilen
und nur zwei oder drei Dörfer an einem
Tag in Angriff nehmen. Dies hat auch
den Vorteil, öfter innehalten zu können,
um die atemberaubenden Ausblicke aufs
Meer zu geniessen und nicht durch die
Dörfer rennen zu müssen. Jedes hat seine reizvolle Altstadt und einen Hafen.
Die Cinque Terre haben sich bestens
auf den Besucheransturm eingerichtet;
zahlreiche Lokale, Läden und Galerien
sind jeden Tag geöffnet. Ruhe und Romantik kehren hier erst ein, wenn die
Tageswanderer wieder abgereist sind,
aber es bleiben kleine Orte, die vom Tourismus dominiert sind. Die italienische
Bahn fährt jedes Dorf ungefähr im Stundentakt an. Die Orte sind autofreie
Zone, von Zubringerfahrzeugen abgesehen. Wichtig: Wer mit Trenitalia anreist,
darf nicht vergessen, das am Schalter
oder Automat gekaufte Billett am gelben
Stempelkasten zu entwerten. Bei der
Kontrolle im Zug werden sonst bis zu
50 Euro Busse fällig.
Das Wandern kostet Eintritt
Viele Wanderer beginnen den Tag in
Monterosso und nehmen sich das populärste, weil schönste Teilstück nach Vernazza vor. Zunächst passiert man die
Strandpromenade und den KapuzinerKonvent, in dessen Kirche eine Kreuzigungsszene von Van Dyck zu bewundern
ist. Dann beginnt der steile Aufstieg,
der nicht in der Mittagshitze erklommen
Ein atemberaubender Ausblick auf Vernazza – hier ist Schwindelfreiheit gefragt. Bilder: Gabriele Spiller
werden sollte. Hinter dem mittelalterlichen Wachturm liegt die erste Mautstation: Die Cinque Terre sind ein Nationalpark, und der Eintritt kostet an Werktagen fünf Euro, an Samstagen sechs
Euro und an Sonn- und Feiertagen sieben Euro. Dabei sollte man nach der
Wanderwegekarte fragen, die inklusive
ist, aber nicht automatisch ausgehändigt
wird.
Wo die Oliven blühen
Auf der Strecke begegnen einem trotz
Warnschilder viele Spaziergänger mit
völlig inadäquatem Schuhwerk. Die
Wege sind schmal und meist ungesichert.
Ein kurzer, starker Regenguss, wie er an
der Küste ausserhalb der Hochsommermonate öfter vorkommt, macht die ausgetretenen Steine sofort spiegelglatt. Dafür wird der Wanderer mit reicher Vegetation belohnt. Landhäuschen der ansässigen Bauern säumen den Weg; ihre
meist älteren Inhaber sind im Obst- und
Gemüsegarten beschäftigt oder pflegen
die Reben. Die Weinterrassen ziehen
sich den Hang hinab Richtung Meer. Für
die unmittelbare Erfrischung wartet an
der nächsten Ecke schon eine Landfrau,
die Zitronen presst und dem Besucher
den Saft – mit oder ohne Zucker – zu
zwei Euro das Glas anbietet.
Nach anderthalb bis zwei Stunden ist
die erste Etappe geschafft, und der Wanderer steigt beglückt nach Vernazza hin-
Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore sind durch den
neun Kilometer langen «Sentiero Azzurro» verbunden. Bild: pd
Zitronen und Mohn – die Vegetation in den Cinque Terre ist üppig.
Im winzigen Hafen von Riomaggiore.
ab. Der Weg nach Corniglia ist etwas
länger, aber weniger steil; landschaftlich
lieblicher und durch den Olivenanbau
geprägt. Um die Bäume sind grüne Netze geknüpft, die ausgebreitet werden, sobald die Oliven vom Baum geschlagen
werden. Nach der weissen Olivenblüte
im Mai wirft der Baum die meisten Blüten ab, da er nicht so viele Früchte tragen
kann. Die ausgereiften schwarzen Oliven
feinen Oliven in Salzlake, «olive in salamoia», die zum Apéro gereicht werden,
legt man in Fässer ein. Der richtige Salzgehalt ist erreicht, wenn eine rohe Kartoffel an die Oberfläche steigt.
werden nach der Sammlung zur Ölmühle gebracht, wo sie «extra vergine», kalt
gepresst werden. Kalt gepresst bedeutet,
dass der Ölgewinnungsprozess 27 Grad
nicht übersteigen darf. Mit heissem Wasserdampf könnten die Ölzellen schneller
aufgeschlossen werden, doch stattdessen
werden die Früchte samt ihrer Kerne gemahlen und ruhen, bis sich Wasser und
Öl in zwei Schichten ausscheiden. Die
Der grösste Strand der Cinque Terre liegt in Monterosso al Mare.
Würziger Duft liegt in der Luft
Ab Vernazza folgt ein weiterer harter
Aufstieg, um die Höhenroute zu erreichen, die zurzeit die einzige Verbindung
nach Manarola ist. Hier ist es ruhiger;
Eidechsen und Blindschleichen huschen
über den Weg. Würzige Düfte, die von
der Hitze gelösten Öle von Thymian,
Rosmarin und Lavendel, aromatisieren
die Luft. Die Strecke führt durch Volastra und von dort steil bergab, bis wieder
die Küste erreicht wird.
Das letzte Stück, die Via dell’ Amore
nach Riomaggiore, ist nur mehr ein Tunnel und eine Galerie. Der betonierte Weg
ist etwas desillusionierend, wenn man
sich unter der Via dell’ Amore einen verträumten Pfad vorgestellt hat. Immerhin
zeugen Dutzende von Vorhängeschlössern am Eingangstor davon, dass Liebespaare aus aller Welt hierher gefunden
haben. Sie haben traditionell ihre Verbindung «beschlossen» – und den Schlüssel an diesem einst abgelegenen Ort
gleich ins Meer geworfen, auf dass niemand sie auseinanderbringe.
Weitere Infos: www.cinqueterre.eu.com/de/wan
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