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ÖKONOMISCH GESEHEN…
7. No vem b er 2014
TR OTZ N U L L Z IN S:
D E R D E U TSC H E SP A R T– U N D D A S IST A U C H G U T SO!
Von Dr. Jörn Quitzau, Berenberg Volkswirt
Die Bundesbank sorgt sich angesichts der Nullzinsen um die
deutsche Sparkultur. Presseberichten zufolge soll sogar eine deutsche Bank empfohlen haben, weniger zu sparen. Eine Geschäftsbank, die ihre Kunden zum Ausgeben statt zum Sparen aufruft –
wir leben in wahrhaft ungewöhnlichen Zeiten.
schuldungen sind in einem deflationären Umfeld leichter möglich. Aber eine sich selbst verstärkende deflationäre Abwärtsspirale, weil die Konsumenten sinkende Preise erwarten und deshalb
nicht kaufen, ist offenbar nicht sehr wahrscheinlich.
Abbildung 1: Realzins und Sparverhalten
Hintergrund: Nullzins und Deflationsangst
1. Der Realzins hat sich bei Null Prozent eingerichtet, klassisches Sparen lohnt sich also nicht mehr.
2. Die Inflation ist trotz der extrem expansiven Geldpolitik so
niedrig, dass die Notenbanken einen Teufelskreis aus Deflation (also sinkendem Preisniveau) und Konsumzurückhaltung fürchten. Die Sorge der Geldhüter: Weil die Verbraucher sinkende Preise erwarten, verschieben sie ihre Käufe in
die Zukunft.
Das Lehrbuch irrt
Tatsächlich verhalten sich Verbraucher und Sparer in beiden
Fällen allerdings nicht so, wie es das Lehrbuch erwarten lässt.
Sinkende Zinsen reduzieren laut Lehrbuch den Anreiz zu sparen.
Tatsächlich reagieren die deutschen Sparer aber kaum auf den
gesunkenen (bzw. verschwundenen) Zins. Mitte der neunziger
Jahre lag der Realzins (also Nominalzins abzüglich Inflationsrate)
für zehnjährige Bundesanleihen noch bei 5 Prozent; heute liegt er
bei 0. Abbildung 1 zeigt, dass die Haushaltsersparnisse im gleichen Zeitraum zwar leicht schwankten, im Gegensatz zum Zins
ist die Sparquote im Trend aber nicht gesunken. Die Sorge der
Bundesbank um die deutsche Sparkultur ist also noch unbegrü ndet.
Auch halten sich die Verbraucher bei sinkenden Preisen offenbar
weit weniger zurück, als es das Lehrbuch befürchten lässt. Für
eine aktuelle Studie untersuchte das Institut für Weltwirtschaft
das Konsumverhalten anhand einer Reihe von Konsumgütern,
deren Preise über mehrere Jahre gesunken sind. 1 Das Ergebnis:
Der zu befürchtende Konsumstau ist weitgehend ausgeblieben.
Nun ist eine Deflation deswegen nicht gleich unschädlich, denn
sinkende Preise erhöhen den realen Wert von Schulden. ÜberVgl. Klodt, Henning und Anna Hartmann, Deflation und Konsumstau: Mikroökonomische Evidenz, Kiel Working Papers No.
1935, Juli 2014, Institut für Weltwirtschaft.
1
Quelle: Bloomberg
Sparen und Demographie
Dass die Sparer nur begrenzt auf Zinsänderungen reagieren,
dürfte mit der demographischen Situation zu tun haben. Die
Jahrgänge des Baby-Booms sind ihr ganzes Berufsleben von der
Gewissheit begleitet worden, dass die gesetzliche Rente bei einer
schrumpfenden Erwerbsbevölkerung für den Lebensabend nicht
ausreichen wird. Private Vorsorge wurde quasi zur Bürgerpflicht. 2
Vorsorge für den Lebensabend ist ein sehr starkes Sparmotiv,
stärker noch als der jeweils erzielbare Zinsgewinn. Eigentlich
müsste die Sparquote derzeit sogar erhöht werden, wenn der
beabsichtigte Lebensstandard tatsächlich erreicht werden soll,
weil dem Sparer momentan ja der Zinseszinseffekt abhanden
gekommen ist.
Wenn die Deutschen nun sparen, um sich für die Zeit nach dem
Renteneintritt abzusichern, dann verschieben sie ihren Konsum
lediglich in die Zukunft. Dies gilt für den Einzelnen, es gilt aber
auch für die deutsche Gesellschaft insgesamt. Wir arbeiten als
Einzelner und als Gesellschaft heute mehr, als wir es für die
2
Staatlich gefördert zum Beispiel durch die „Riester-Rente“.
ÖKONOMISCH GESEHEN…
7. No vem b er 2014 ∙ Seit e 2
Finanzierung unseres aktuellen Lebensstandards müssten. In
einigen Jahren werden wir unsere Ersparnisse im Gegenzug auflösen, um mehr ausgeben zu können, als wir dann selbst noch
erwirtschaften können.
Die Diskussion über den – angeblich untragbaren – deutschen
Leistungsbilanzüberschuss, die insbesondere im Ausland geführt
wird, übersieht diese demographische Komponente. Deutschland
lebt nicht „unter seinen Verhältnissen“, sondern mit Blick auf die
alternde Gesellschaft schlichtweg nachhaltig.
Wichtige Hinw eise: Dieses Dokument stellt keine Finanzanalyse im Sinne des § 34b WpHG , keine Anlageberatung,
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