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Handout Dr. Harald Geiger - Netzwerk Familie

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Muss ich zum Kinderarzt?
... was unsere Kinder krank macht
und wie man sich verhalten soll
Dr. Harald Geiger, Kinderarzt
Ist mein Kind krank?
Die meisten Eltern erkennen rasch, wenn ihre Kinder krank sind:
• Sie verhalten sich anders, sind weinerlicher, anhänglicher und müder als sonst.
• Sie sehen anders aus, haben z. B. glasige Augen oder dunkle Ringe unter den
Augen, sie sind blasser als sonst oder es zeigt sich ein Hautausschlag.
• Sie beklagen sich über etwas, das sie stört, z. B. Bauchweh, Schluckbeschwerden
oder Ohrenschmerzen.
• Sie fallen durch bestimmte Krankheitszeichen auf wie Fieber, Erbrechen,
Durchfall, Husten, Heiserkeit oder Schnupfen
Was Besonderes – kleine Kinder
Krankheiten bei Säuglingen sind manchmal schwerer »abzulesen«: Sie sind einfach
unleidlich, weinen viel, kommen schlecht zur Ruhe und trinken entweder weniger oder
auch hektischer und spucken mehr.
Auch Kleinkinder sind manchmal nicht ganz einfach zu verstehen, da sie den Schmerz
oft nicht richtig lokalisieren können. Haben sie z. B. Ohrenschmerzen, so deuten sie auf
den Bauch, wenn man sie fragt, wo es wehtut. Der gestreckte, auf den Nabel zeigende
Finger kann aber auch Kopfweh, einen wunden Po und Schluckbeschwerden bedeuten –
oder eben doch Bauchweh.
Was sind die Auslöser?
Fast immer Virusinfektionen (Schnupfen, Bronchitis): Antibiotika helfen nicht und sind
meist nicht nötig.
Seltener: bakterielle Infektion (Angina, Lungenentzündung, Mittelohrentzündung).
Antibiotika helfen meist.
Fieber
Bedrohlich ist in aller Regel nicht das Fieber, sondern die Krankheit, die der Körper
durch Fieber bekämpfen will!
Die Höhe des Fiebers sagt wenig über die Gefährlichkeit der zugrunde liegenden
Erkrankung aus. Deshalb ist die Angabe genauer Grenzwerte (etwa »zum Kinderarzt ab
39 °C Fieber«) schwierig. Achten Sie eher auf die Zeichen der Krankheit als auf die Höhe
des Fiebers.
Hausmittel (Essigwickel): nur bei warmen Beinen und Füßen.
Hohes Fieber: Geben sie am besten ein Fiebermittel, bevor sie zum Arzt gehen – das
Kindes lässt sich besser beurteilen.
Fiebersenkung:
Mexalen, Benuron: Dosierungsvorschriften beachten!
Nureflex (ab 6 Monate)
Parkemed
Husten
Husten bei Infekten (Schnupfen, Halsentzündung) ist normal!
Husten mit Erbrechen bei Schleimbildung kommt vor.
Ständiges, ununterbrochenes Husten, besonders beim Säugling, muß abgeklärt werden:
Keuchhusten?!
Husten und hohes Fieber muß abgeklärt werden: Lungenentzündung!?
Bauchweh
Bauchweh bei Durchfall/Erbrechen ist normal – Besserung nach Stuhlgang oder
Erbrechen.
Ständiges, an- und abschwellendes Bauchweh ist nicht normal: Gefahr der
Darmverschlingung: Invagination?!
Druckempfindlicher, gespannter Bauch, Druckschmerz im rechten Unterbauch ist nicht
normal: Blinddarmentzündung?!
Durchfall
Je kleiner das Kind und je heftiger die Durchfälle sind, umso eher muß das Kind zum
Kinderarzt, insbesondere, wenn Erbrechen und Fieber mit dabei sind: Gefahr des
Flüssigkeitsverlustes!
Durchfall bei sonst munterem Kind: kein unbedingter Grund zur Vorstellung, besonders,
wenn das Kind gut trinkt und isst.
Blutige Durchfälle: immer abklären lassen!
Ohren- und Halsweh
Leichte Ohren- und Halsschmerzen bei Schnupfen, Husten sind normal.
Bei Fieber und starken Schmerzen (und kleinem Kind): Vorstellung beim Kinderarzt zur
Klärung, ob Antibiotikum notwendig ist: Mittelohrentzündung?!
Immer zuvor Schmerzmittel geben!
Kopfweh
Leichte Kopfschmerzen bei Schnupfen, Husten sind normal.
Bei Fieber und starken Schmerzen (und kleinem Kind): Vorstellung beim Kinderarzt zur
Klärung, ob noch etwas anderes vorliegt : Meningitis = Hirnhautentzündung?!
Immer zuvor Schmerzmittel geben!
Was ist eine Verschlechterung?
Das Fieber lässt sich nicht mehr gut senken, die Fieberschübe werden heftiger und
höher.
Trotz Medikamente gibt es keine Phasen mehr, in denen das Kind spielt oder etwas
essen/trinken möchte.
Das Kind interessiert sich nicht mehr für seine Umgebung und wirkt apathisch/
teilnahmslos.
Ständiges Wimmern / Jammern, „Schmerzweinen“, Schwierigkeiten beim Atmen:
„Einziehungen“ am Hals, Brustkorb, gepresstes Atmen, Blauverfärbung der Lippen/des
Gesichtes ( = Alarmzeichen!)
Was ist gefährlich?
Bei einer Hirnhautentzündung (= Meningitis) haben Erreger die unmittelbar an Gehirn
und Rückenmark grenzenden Hirnhäute befallen und zu einer Entzündung geführt
Während die virale Hirnhautentzündung bei Kindern meist mild verläuft, ist die
bakterielle Hirnhautentzündung eine zwar seltene, aber lebensbedrohliche
Erkrankung mit hohem Risiko bleibender Schäden
„Wasserglastest“: Die Flecken (der Ausschlag) lassen sich durch Aufdrücken eines
Glases nicht zum Verschwinden bringen. Lebensgefahr durch Gerinnungsstörung,
meist infolge schwerster Infektionen –Notarzt rufen oder sofort ins Krankenhaus!
In die Praxis oder gleich ins Krankenhaus?
Unter der Woche: zu ihrem Kinderarzt – vereinbaren sie einen Termin. Vermeiden sie
eine übertriebene Schilderung (besonders vor dem Kind!).
Außerhalb der Ordinationszeiten:
• bei „normalen“ Infekten zum diensthabenden praktischen Arzt.
• bei schweren Erkrankungen: in die Kinderambulanz (nach Möglichkeit vor
Mitternacht)
• bei Notfällen: 144
Ungut: bei Bagatellen ins Krankenhaus (hat einen wunden Po, hustet seit 3 Wochen etc.)
oder weil der Kinderarzt erst am Nachmittag einen Termin gegeben hat.
Ein paar Regeln:
Regel 1:
Säuglinge, die Ihnen irgendwie nicht geheuer sind, sollen Sie lieber gleich zum
Kinderarzt bringen – verlassen sie sich auf ihr Bauchgefühl!
Regel 2:
Alle »echt kranken« Kinder gehören zum Kinderarzt. Betrachten Sie Ihr Kind immer
dann als »echt krank«, wenn Ihnen der Zustand Ihres Kindes ernsthaft Sorgen macht
Regel 3:
Sprechen Sie immer dann mit dem Kinderarzt, wenn Sie sich auf eine Krankheit keinen
Reim machen können, z. B. hohes Fieber ohne den sonst üblichen Schnupfen. Oder wenn
das Kind nicht auf Medikamente reagiert.
Regel 4:
Immer, wenn eine Krankheit einfach nicht besser werden will oder sich trotz
Behandlung zu Hause verschlechtert, sollte man sich mit dem Kinderarzt besprechen.
Die Ratschläge geben die persönliche Meinung des Verfassers wieder – sie können
nur ein Anhalt für eigenes Verhalten im Erkrankungsfall sein.
Haftung ausgeschlossen.
Dornbirn, 08.04.2013
Dr. Harald Geiger
http://www.gesundheitfuerkinder.de
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Gesundheitswesen
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