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LERNLUST STATT LERNFRUST – WIE - Karg-Stiftung

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LERNLUST STATT LERNFRUST – WIE LERNERFAHRUNGEN HOCHBEGABTER
KINDER UND JUGENDLICHER GELINGEN KÖNNEN
Zukunftswerkstatt:
„Wie gelingen Lernerfahrungen hochbegabter Kinder und Jugendlicher?“
Workshop 4: Außerschulisches – Impuls
Caroline Fischer: Fachberaterin für Hochbegabung, Landratsamt Konstanz/Schulamt/
Geschäftsführerin der Kinder- und Jugendakademie KonstanzBodensee
Wie ermögliche ich positive Lernerfahrungen hochbegabter Kinder und Jugendlicher?
Außerschulische und schulische Lernrealitäten
Bereits vor Beginn des Kindergartenbesuchs und der Grundschule machen Kinder Lernerfahrungen im Elternhaus und in ihrem Lebensumfeld. Sie „wachsen“ in die Lernumgebungen
hinein, die im Elternhaus vorhanden sind, beziehungsweise die dort auch aktiv gestaltet werden. Ein aufgeschlossenes Elternhaus wird des Weiteren dem Kind das Umfeld und die
Möglichkeiten bereitstellen, die der Entwicklung des Kindes und seiner Interessen förderlich
sind. Das gilt übrigens für jedes Kind, egal ob hochbegabt oder nicht. Das Kind erlebt Verstärkung und Förderung, die sich weder an Checklisten noch an Bildungsstandards orientieren oder sich zielgerichtet auf Kompetenzprüfungen und so genannte „Diagnostische Vergleichsarbeiten“ hin ausrichten.
Ein gut gefördertes hochbegabtes Kind erlebt eine freie Lernrealität, in der es seine Aktivitäten nicht als zweckgebundene, zeit- und zielorientierte Arbeit erfährt, sondern als Sinn gebendes Spiel im Flow. Es identifiziert sich mit seinem Tun, kann sich selbst genügen und hat
somit die Grundvoraussetzung, sich zu einem autonomen Lerner zu entwickeln. Mit Beginn
seiner Schulzeit spätestens wird das hochbegabte Kind mit einer weiteren, neuen Lernrealität konfrontiert, der schulischen Lernrealität, die sich zielorientiert auf fest gelegte Bildungsstandards und Grundkompetenzen ausrichtet, und dies dazu noch mit Zeitvorgaben und in
dem heterogenen „Begabungs - Lernumfeld“ des Klassenverbandes.
Dank der Binnendifferenzierung und der Individualisierung des Unterrichts, dank der Freiarbeit im Sinne Freinets, Montessoris, der Methode des „Forschenden Lernens“ und anderer
integrativer Förderansätze für den Unterricht im heterogenen Klassenverband, ist es möglich
geworden, Begabungen im so genannten „Regelunterricht“ zu fördern, also auch die hochbegabter Kinder. Dasselbe gilt für das SEM -Modell nach Renzulli. Es ist möglich geworden,
was nicht heißt, dass es auch immer so ist. So sehe ich die nach den Bildungsstandards
regelmäßig stattfindenden Kompetenzprüfungen, die ja eigentlich einer schulischen Qualitätssicherung und deren Evaluation dienen sollen, als kontraproduktiv für eine individualisierte differenzierende Begabungsförderung im „Regelunterricht“ an:
1. Lehrkräfte laufen Gefahr, sich und ihren Unterricht an den standardisierten
Vergleichsarbeiten auszurichten und nicht mehr am individuellen Förderbedarf.
2. Mit Hervorhebung der Teamfähigkeits-Kompetenz ist , quasi durch die Hintertüre, das
„alte“ sozial-integrative Bildungsmodell der 70ger Jahre zurückgekehrt, das der Mehrzahl
der unterrichtenden Lehrkräfte noch aus ihrer beruflichen Anfangszeit vertraut ist.
Das hochbegabte Kind wird vermehrt mit Gruppenaktivitäten konfrontiert, und dies oftmals in
einer Gruppenzusammensetzung, die für das Kind nicht als „kompatibel“ zu bezeichnen ist.
Oftmals werden dann weder seine Bedürfnisse noch sein Leidensdruck wahrgenommen,
dafür aber - ohne die Ursachen zu hinterfragen - seine abwehrende Verweigerung, sein
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Rückzug, sein Ungehaltensein als “mangelnde Teamkompetenz“ gewertet. Vorhandene
Kompetenzen und Fähigkeiten, die im Kanon der Bildungsstandards nicht aufgeführt sind,
bleiben somit leider im Unterricht unberücksichtigt und werden nicht gefördert.
Forderungen an außerschulische Förderangebote für hochbegabte Kinder und Jugendliche
Außerschulische Förderangebote für hochbegabte Kinder und Jugendliche werden dann
umso wichtiger, je weniger Schule bereit oder imstande ist, den besonderen Bedürfnissen
hochbegabter Kinder und Jugendlicher angemessen gerecht zu werden. Der Markt der Möglichkeiten ist auf diesem Sektor inzwischen groß: angefangen von privatwirtschaftlichen Institutionen, über die von Wirtschaftsunternehmen gesponserten Schülerlabore, die Schülerforschungszentren, MINT, Science Days, die Sommerakademien bis hin zu Kinder- und Jugendakademien, Kinderuniversitäten und dem Einzelcoaching an Universitäten. Auf sie detailliert einzugehen, ist bei der hier gestellten Frage „ Wie ermögliche ich positive Lernerfahrungen hochbegabter Kinder und Jugendlicher“ nicht relevant. Das gemeinsame Ziel, das sie
alle verfolgen, ist die Förderung und Herausforderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher. Die einen Förderangebote sind mehr wissenschaftlich-fachspezifisch ausgerichtet,
andere betonen ein eher ganzheitliches Förderkonzept.
Das Auswahlverfahren und die Zugangskriterien sind ebenso vielfältig wie die Förderangebote selber. Geschieht der Zugang ausschließlich über einen Intelligenz -Test und berücksichtigt nicht noch andere Faktoren und Zusatzkriterien, so bleibt ein außerschulisches Förderangebot so manchem Underachiever z.B. verschlossen; wobei es für ihn vielleicht gerade
eine Chance gewesen wäre, erneut „zu starten“. Ebenso vermindert sich die Chance einer
Teilnahme hochbegabter Kinder aus nicht muttersprachlich deutschen Familien, in denen die
Eltern oftmals noch nie eine vorhandene Hochbegabung bei ihrem Kind vermuteten. Steht
andererseits der Zugang zu einem für Hochbegabte ausgewiesenen außerschulischen Fördeprogramm „allen interessierten Kindern“ offen, so stellt sich die Frage, ob und inwieweit
es sich dann tatsächlich noch um ein Angebot für Hochbegabte handeln kann. Aus Gründen
der Chancengleichheit sollte eine außerschulische Begabtenförderung für die Teilnehmenden weitestgehend Kosten neutral sein, damit diese allen hochbegabten Kindern und Jugendlichen zugänglich sein kann, unabhängig von sozialer Schichtzugehörigkeit und ökonomischem Hintergrund des jeweiligen Kindes oder Jugendlichen.
Grundkriterien für positive Lernerfahrungen in der außerschulischen Begabungsförderung
Außerschulische Förderung sollte hochbegabten Kindern und Jugendlichen eine Lernumgebung ermöglichen, die mehrere Aspekte miteinander verbindet, wie zum Beispiel:
a) Die kindliche „Erst - Erfahrung“ autonomen Lernens nutzen im Sinne einer „Reaktivierung“ selbstbestimmten Lernens und Arbeitens.
b) Die vorhandenen Ressourcen ermitteln, fördern und herausfordern.
c) Arbeiten, Austausch und Selbsterfahrung in einer begabungshomogenen Gruppe
ermöglichen.
d) Ausbau, Weiterentwicklung und Vertiefung bereits vorhandener Fachkompetenzen
anbieten und unterstützen.
e) Neue Lernorte erschließen.
f) So genannte co-kognitive Begabungsmerkmale fördern und trainieren im Hinblick auf
ein förderndes und tragendes Selbstkonzept.
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Außerschulische Förderung für hochbegabte Kinder und Jugendliche sollte Zielgruppen orientiert sein. Voraussetzung dafür ist daher zumindest ein Basiswissen über Hochbegabung
und Hochbegabte bei all denen, welche die Förderangebote anbieten und durchführen. Dazu
gehören unabdingbar Kenntnisse darüber, worin sich hochbegabte Kinder und Jugendliche
von anderen unterscheiden, wie zum Beispiel in der Komplexität ihrer Gedankengänge, in
der raschen Verknüpfung neuer Informationen mit bereits Bekanntem zu weiterreichenden
Folgerungen. Einen weiteren wichtigen methodischen Aspekt , sowohl in der schulischen
wie auch außerschulischen Begabten- und Begabungsförderung, stellt die Handhabung einer adäquaten Verstärkung durch „richtiges Loben“ hochbegabter Kinder und Jugendlicher
dar (-> z.B. A. Ziegler, R. Grassinger, H. Stöger „Die Rolle des Lobs in der Förderung Begabter“). Schließlich sollte im Sinne einer Qualitätssicherung und Zielgruppenausrichtung ein
außerschulisches Förderprogramm regelmäßig evaluiert werden und gegebenenfalls nachgebessert werden.
Klaus K. Urban benennt 1997 „Zehn Qualitätskriterien für einen Begabung entwickelnden
offenen Unterricht“. Anhand dieser Kriterien kann eine Lernumwelt geschaffen werden, die
auch oder gerade hochbegabten Kindern und Jugendlichen positive Lernerfahrungen ermöglicht, sowohl im schulischen wie auch im außerschulischen Bereich.
Außerschulische Förderangebote sollten nach den individuellen Bedürfnissen des Kindes
oder des Jugendlichen und gemäß dem jeweils individuellen Herausforderungsniveau ausgewählt werden ( am besten von ihm selber ) und nicht danach, ob Eltern oder Lehrkräfte
das Angebot/Thema so toll finden. Hilfreiche Informationen für eine unterstützende „Förderberatung“ liefern Portfolios und Fragebögen.
Die Nachhaltigkeit einer außerschulischen Fördermaßnahme lässt sich z. B. durch schulische Feedbacks ermitteln. Voraussetzung dafür ist eine kooperative Lernlandschaft, das
heißt, wenn außerschulische Förderangebote auch in den schulischen Alltag des hochbegabten Kindes oder Jugendlichen hineinwirken können.
Die Notwendigkeit eines kooperativen Fördersystems
Außerschulische Begabtenförderung sollte darum ein „Baustein“ in einem Fördersystem
sein, das sowohl das Elternhaus, wie auch Kindergarten oder Schule und außerschulische
Partner mit einander vernetzt und das Kind in den Mittelpunkt stellt. Außerschulische Förderung kann und darf nicht zur Alibifunktion für die Schule werden, dahin gehend, selber nichts
(mehr) für ein hochbegabtes Kind tun zu müssen. Ebenso ist außerschulische Begabtenförderung wenig sinnvoll, wenn sie „hinterm Rücken“ der Schule stattfindet. Nur im gegenseitigen Austausch können wir den speziellen Bedürfnissen hochbegabter Kinder und Jugendlicher gerecht werden und ihre Stärken fördern. In Kooperation können wir aber auch gemeinsam eventuellen „ausbremsenden“ Defiziten und Nöten rechtzeitig kompensierend und unterstützend begegnen. Und dies im Sinne einer ganzheitlichen positiven Lernerfahrung, welche sowohl die Neugierde wie auch die Begeisterung an lebenslangem Lernen wach hält.
C. Fischer
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