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Deutschland besitzt wie kein ande- res Land ein in 3 Bereiche

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H.-U. Krüger
Rehabilitation in der Onkologie
Deutschland besitzt wie kein anderes Land ein in 3 Bereiche gegliedertes Gesundheitssystem. Neben
der ambulanten Versorgung durch
niedergelassene Ärzte und die
stationäre Versorgung in Krankenhäusern stehen für die Rehabilitation über 1000 spezialisierte Rehabilitations-Fachkliniken zur Verfügung. Der Aufbau ambulanter
Reha-Strukturen, den die Politik
Mitte der 90-er Jahre unter dem
Motto „Ambulant vor stationär“
forderte, konnte in der angestrebten Form nicht umgesetzt werden
und blieb weit hinter den Erwartungen und Zielsetzungen zurück.
Gliederung des Gesundheitssystems und Aufgaben der Rehabilitation wurden auch im 2001 verabschiedeten Sozialgesetzbuch SGB
IX nochmals festgeschrieben.
11. Onkologisches Symposium
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Eine Übernahme von Rehabilitationsaufgaben durch die
Krankenhäuser der stationären Akutversorgung, wie sie von
manchen Krankenhausverwaltungen überlegt wird, steht in
Widerspruch mit den geltenden Gesetzen!
14. Januar 2006
Universitätsklinikum Regensburg
H.-U. Krüger
Rehabilitation in der Onkologie
Auch heute sind, wie in den vergangenen Jahrzehnten, die tragenden Säulen, auf die sich die
Krebstherapie stützt:
- Tumorchirurgie
- Strahlentherapie
- Medikamentöse Tumortherapie.
Bei den Medikamenten werden
nach wie vor überwiegend zytostatische Chemotherapeutika und
Hormontherapeutika
eingesetzt
neben wenigen neueren Präparaten (Antikörper, Zytokine, Inhibitoren spezifischer Signalprozesse in
Tumorzellen u. a.).
Viele Fortschritte in der Krebstherapie beruhen auf der Kombination
der verschiedenen Therapieformen und immer mehr Patienten
werden heute nicht nur operiert,
sondern zusätzlich bestrahlt und
medikamentös behandelt.
Die aggressiven Tumortherapiemaßnahmen führen zu typischen
chronischen Folgestörungen. Die
Behandlung dieser Folgeprobleme, die psychosoziale Betreuung,
Reintegration in Alltag und Beruf
sind die Hauptaufgaben der Rehabilitation. Hierzu stehen neben
medizinischen und pflegerischen
Maßnahmen ein breites Spektrum
von Behandlungsformen und ein
interdisziplinäres, multiprofessionelles Therapie-TEAM zur Verfügung:
Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Psychologen, Neuropsychologen, Fachpflegekräfte (incl. Stomatherapie), Dipl. Sozialpädagogen, Physiotherapeuten, Masseure, physikalische Therapieformen,
Inhalation, Elektrotherapie, Sporttherapie, medizinische Trainingstherapie,
Ernährungsberatung,
Logopädie (Sprachtherapie), Ergotherapie,
Hilfsmittelversorgung,
Modellarbeitsplätze.
11. Onkologisches Symposium
14. Januar 2006
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H.-U. Krüger
Rehabilitation in der Onkologie
Typische
Folgeprobleme
von
Krebspatienten nach Tumortherapiemaßnahmen sind in den nebenstehenden beiden Abbildungen
aufgeführt.
Das SGB IX hat Inhalte, Anspruch,
Vorgehensweisen bezüglich Rehabilitationsund
TeilhabeMaßnahmen genau geregelt. Leider wird dieses 2001 erlassene
Gesetz nur sehr zurückhaltend
oder teilweise gar nicht umgesetzt!
Ausdrücklich hingewiesen werden
muss auch darauf, dass der Leistungsempfänger
einer
RehaMaßnahme bei der Klinikwahl ein
Mitspracherecht hat!
Die Verkürzung der KrankenhausLiegezeiten führt dazu, dass Patienten immer früher zur Anschlussheilbehandlung in die Reha-Klinik
übernommen werden müssen. Die
Anzahl von Patienten mit hohem
medizinischem und pflegerischem
Aufwand nimmt kontinuierlich zu.
Auch wenn die Versorgung dieser
Patienten eigentlich nicht die Aufgabe der Reha-Kliniken darstellt,
müssen wir sie leisten, um am
Markt bestehen zu können.
Beispielhaft aufgeführt werden
typische und häufige Folgeprobleme und Therapieansätze für
Patientinnen nach Brustkrebserkrankung (Mamma-Ca, häufigste
Krebserkrankung der Frau)
11. Onkologisches Symposium
14. Januar 2006
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H.-U. Krüger
Rehabilitation in der Onkologie
und für
Patienten nach ProstatakrebsErkrankung (häufigste Krebserkrankung des Mannes). Besonders erwähnt werden muss, dass
Patienten mit Harninkontinenz
nach radikaler Prostata-Operation
ein spezielles Kontinenztraining
benötigen, das den erhaltenen und
willkürlich zugänglichen externen
Sphincter trainiert und sich von der
Beckenbodengymnastik für Frauen unterscheidet!
Auch das schwer zu behandelnde
Tumor-Fatigue-Syndrom ist am
ehesten einem breiten interdisziplinären und multiprofessionellen
Therapieansatz zugänglich. Wichtig ist, den betroffenen Patienten
eine möglichst breite Palette körperlicher Trainingsmaßnahmen mit
begleitender Leistungsdiagnostik
anzubieten, aus der dann ein geeignetes individuelles Trainingsprogramm erstellt werden kann.
Bei den passiven Therapieformen
haben sich nach unseren Erfahrungen vor allem Fußreflexzonenmassagen bewährt. Eine psychologische und ggf. neuropsychologische Begleitung und Behandlung dürfen nicht fehlen.
11. Onkologisches Symposium
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H.-U. Krüger
Rehabilitation in der Onkologie
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Auch die Beseitigung häufig noch
vorhandener Informationsdefizite
zu Tumortherapie und Nachsorge
sowie eine begründete Antwort auf
die Frage vieler Krebspatienten
„Was kann ich zusätzlich noch
tun?“ gehört zu den Aufgaben der
onkologischen Rehabilitation.
In meinem Handmodell steht die
rechte Hand „Äußerer Arzt“ für die
schulmedizinische Krebstherapie,
die es optimal zu nutzen gilt.
Die linke Hand „Innerer Arzt“ steht
für Möglichkeiten zusätzlich selbst
etwas für die Wiedergesundung
und Funktion der Selbstheilungskräfte zu tun. Hier gibt es eine
Vielzahl von Wegen und Ansätzen
im körperlichen, seelischen, mitmenschlichen und auch spirituellen Bereich, aus denen sich jeder
die für ihn relevanten Punkte heraussuchen und sein individuelles
Programm erstellen kann.
Zusammenfassung
Für Krebspatienten steht in Deutschland ein breites und bewährtes AHB- und Reha-Angebot in
spezialisierten Rehabilitations-Fachkliniken zur Verfügung. Etwa ein Drittel der Patienten nutzt
dieses Angebot weit überwiegend im Rahmen stationärer onkologische Reha-Maßnahmen. Teilstationäre und ambulante onkologische Reha-Maßnahmen in diesen Einrichtungen sind die
Ausnahme. Daneben sind in Deutschland kaum ambulante strukturierte Angebote vorhanden.
Schwerpunkte der AHB- und Reha-Maßnahmen sind die Behandlung von Krankheits- und Therapiefolgen mit Einbeziehung psychosozialer Aspekte und weiterer vorliegender Erkrankungen
im Sinne eines ganzheitlichen, bio-psycho-sozialen Ansatzes. Dabei kann auf ein interdisziplinäres, multiprofessionelles Behandlungs-TEAM und ein breites Spektrum an Therapieformen zugegriffen werden. Kostenträger onkologischer Reha-Maßnahmen sind oft die Rentenversicherungsträger (85 %) neben den Krankenkassen (15 %). Krebspatienten haben nach dem geltenden Sozialgesetz und den aktuellen Onkologievereinbarungen einen Anspruch auf AHB- und
Reha-Maßnahmen.
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