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Genauso wie Bär und Wolf wurde auch der Luchs Lynx lynx in

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©Österreichischer Naturschutzbund; download unter www.biologiezentrum.at
L u c h sk in d e r a u f Er­
k u n d u n g s to u r im
F re ig e h e g e des N a ­
tio n a lp a rk s B a y e ri­
sch e r W a ld
© v.l. Georg Pauluhn_Piclease;
Helmut Heimpel
Genauso wie Bär und Wolf wurde auch der Luchs Lynx lynx in weiten Teilen Europas
ausgerottet. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts begann der Mensch mit einer
Wiedergutmachung und siedelte Luchse in Mitteleuropa wieder an. Der Platz dafür ist
vorhanden. Das größte Problem für den Luchs heute sind die Lebensraumzerschnei­
dung und die illegale Jagd.
n Österreich hinterlässt Meister Pinselohr Spu­
ren in den Alpen, im Mühl- und Waldviertel so­
wie im Böhmerwald, wo es - als einzigem G e­
biet Ö sterreichs - auch regelm äßig H inw eise
Jungluchse gibt. Sind Naturfreunde von der Rück­
kehr der größten europäischen Katze in ihre ange­
stammte Heimat fasziniert und begeistert, teilen diese
Auffassung aber nicht alle. Vor allem die Konkurrenz
um das Hauptbeutetier Reh bringt seit Anbeginn tieri­
sche und menschliche Jäger immer wieder auf Kon­
frontationskurs. Die Presse steuert von Zeit zu Zeit
ihren A nteil m it polarisierenden A rtikeln bei und
schon ist aus einem freudigen Ereignis ein Problem
geworden.
I
Ein L u c h sw e ib ­
chen b e /c o m m f
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g e im M a i o d e r
Ju n i nach e in e r
T ra g e ze it von
ze h n W ochen.
HANDLUNGSBEDARF ist also gegeben. Sowohl auf
jagdlicher als auch auf naturschutzfachlicher Seite
finden sich aber auch Menschen, die an einem m ög­
lichst objektiven U m gang m it dem Them a Luchs
interessiert sind. Gerade Monitoring, Öffentlichkeits­
au
f
arbeit
und Schulungen innerhalb der Jägerschaften
entpuppten sich in der Vergangenheit als wichtige
Säulen für ein zukunftsorientiertes Luchsm anage­
ment, bei dem Naturschutz und Jagd gleichermaßen
Verantwortung übernehmen.
DAS GRÖßTE PROBLEM für den Luchs liegt heute
in der Zerschneidung seiner Lebensräume und der il­
legalen Jagd. Auch wenn der Luchs gesetzlich streng
geschützt ist, nur vereinzelt vorkommt und noch viel
potenzieller Lebensraum vorhanden ist, fühlen sich
einzelne Jäger in ihren Revieren vom Luchs beein­
trächtigt oder w ollen das Tier „nutzen“ . D iesen
W iderspruch gilt es aufzulösen. Die Hinweise auf il-
© Helmut Heimpel
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H e rb s th e ft
N A T U R & L a n d 9 4 . JG . - H e ft 3 / 4 - 2 0 0 8
©Österreichischer Naturschutzbund; download unter www.biologiezentrum.at
L u c h s
legale Bejagung sind seit vielen Jahren in ganz Mitteleu­
ropa immanent. Findet sie tatsächlich in dem hohen Aus­
maß statt, dann ist sie der limitierende Faktor, der eine
Ausbreitung heute begrenzt. Um Luchspopulationen über
ganz Europa zu vernetzen und vital zu halten, braucht es
unbedingt m ehr W anderkorridore m it Grünbrücken.
DIE KONKURRENZ um das Hauptbeutetier Reh, in den
Alpen auch um die Gams, wird in der Luchsdiskussion
sehr oft thematisiert und teilweise auch überbetont. Zahl­
reiche Untersuchungen ergaben eine durchschnittliche
Reviergröße eines Luchses von 100 km2 und einen Jah­
resbedarf an ca. 55 Rehen. Das ergibt eine Luchsjagd­
strecke von ca. einem halben (0,55) Reh pro 100 ha. Die
durchschnittliche Jagdstrecke des Menschen lag im Jagd­
jahr 2007/08 vergleichsweise bei 5,5 Rehen pro 100 ha
(Bezirk Rohrbach, Mühlviertel), im Jagdjahr 2006/07 bei
6,0 Rehen pro 100 ha. Hinzu kommen noch durch Auto
und M ähwerk getötete Rehe.
NACH MEHR ALS 100 JAHREN Abwesenheit muss
der U m gang m it dem Luchs vom m itteleuropäischen
Menschen erst wieder erlernt werden. Dies stellt sich als
langwieriger und mühsam er Prozess heraus, dauert er
doch schon 20 Jahre an. Hier könn(t)en wir viel von den
Karpatenländem lernen, wo die „großen Drei“ nie ausge­
rottet wurden und bis heute selbstverständlicher Teil der
Natur sind. In der Vergangenheit hat sich die Wissenschaft
vor allem auf die Erforschung von biologischen und öko­
logischen Faktoren großer Beutegreifer konzentriert. Ge­
rade in jüngster Zeit wird aber immer klarer, dass der
M ensch stärker eingebunden gehört. Zu erreichen sind
Akzeptanz und Verständnis für den Luchs nur mit konse­
quenter W issensverm ittlung vor Ort. Eine dauerhafte
friedliche Koexistenz von Luchs & Mensch ist das oberste
Ziel aller Luchsinitiativen Europas. Das ist keine naturro­
mantische Idee einiger weniger, sondern eine ökologische
Notwendigkeit mit klarem gesetzlichem Auftrag.
Text: M a g . Thom as E ngleder, ö n j-H a s la c h u n d NATU R ­
S C H U T Z B U N D O Ö , Ö k o lo g ie , N a tu r- u. A rte n h ilfs p ro je k ­
te - M ü h lv ie rte l/B ö h m e rw a ld , 4 1 7 0 H a sla ch a. d. M ü h l,
T 0 0 4 3 /( 0 ) 7 2 8 9 /7 3 0 3 8 , th o .m a s @ g m x .a t
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w w w ./c o ra .c h : D o k u m e n ta tio n zum Luchs
H e rb s th e ft
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HansGlader Pidease
DER LETZTLICH BESTIMMENDE FAKTOR ist der Zu­
gang des einzelnen M enschen zur Natur. Ist dieser ein
gleichberechtigter, partnerschaftlicher, dann ist auch die
Akzeptanz für den Luchs in der Regel eine hohe. N ur In­
formation und persönliches Betroffensein können den
Weg zur Toleranz ebnen. Es liegt also an uns. Ein Europa
ohne Luchs, Bär und W olf wäre schließlich wie ein Afri­
ka ohne Löwe, Elefant und Nashorn - unvorstellbar und
um vieles ärmer!
©
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