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Die Renaissance des Trolleybusses – oder: wie Batteriebusse mit

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Magazin 1 / 2013
Liebe Leserin und Leser,
das vorliegende Energiewendemagazin deckt wieder
eine breite Palette von Energiethemen ab. Diese reichen
von elektrisch betriebenen
Bussen über CO2 neutrale- Unternehmen bis hin zu
einer Kritik an den hochbürokratischen KfW-Förderbedingungen zur energetischen
Gebäudesanierung. Daneben informieren wir über
die neuen Einspeisvergütungshöhen für Solaranlagen, die Finanzströme zwischen den Bundesländern aufgrund unterschiedlicher starken Ausbaus
der erneuerbaren Energien und stellen die Jahresstatistiken zu Sonne und Wind für das abgelaufene
Jahr vor. Hier zeigt sich, dass der Ausbau von Photovoltaik und Wind schnell vorankommt. Der Grund
dafür ist aber weniger die erfolgreiche Umsetzung
der Energiewende durch die Bundesregierung als
vielmehr das genaue Gegenteil. Durch Stichtagsregelungen, Deckelungen und permanente Diskussion über weitere Gesetzesänderungen werden die
Projektentwickler zu einer eher panikartigen Abwicklung ihrer Projekte veranlasst. Die anstehende
Bundestagswahl im September wird wohl noch für
weitere Zubaurekorde sorgen, bis dann hoffentlich
eine neue Bundesregierung wieder für ruhigeres
Fahrwasser für die Erneuerbaren sorgen wird. Dass
auch beim Thema Energieeffizienz bzw. –einsparung einiges im Argen liegt und hier die praktischen
Erfahrungen bei Änderungen an Regeln und Gesetzen stärker miteinbezogen werden sollten, zeigt der
Beitrag des Energieberaters Reinhard Schneeweiß
auf. EW-Mitglied Jan Messerschmidt wiederum
macht deutlich, dass auch ein saarländisches Informatikunternehmen einen Beitrag zur Energiewende
leisten kann, in dem es die Einsatzfähigkeit von EBussen deutlich verbessert.
Voraussichtlich am 24. April wird die EW eine Mitgliederversammlung mit Vorstandswahl durchführen und wir haben als Gastredner Dieter Majer
angefragt, der von Seiten der saarländischen Landesregierung den Stresstest für Cattenom begleitet hat. Eine eigene Einladung dazu erhalten die
Mitglieder auf dem Postweg, ansonsten werden wir
die Veranstaltung über die Medien bewerben.
Geplant ist darüber hinaus ein Energiestammtisch,
der regelmäßig Energiethemen aufgreifen wird. Und
zu guter letzt: aufgrund knapper Kassen muss das
nächste Energiewendemagazin leider ausfallen, wir
werden erst im September wieder als Beilage im
Umweltmagazin hier zu lesen sein.
Viel Spaß wünscht
Christian Bersin
Die Renaissance des Trolleybusses – oder: wie Batteriebusse mit
heute verfügbaren Batterien funktionieren können
von: Jan Messerschmidt
Im Folgenden wird ein Projekt vorgestellt, mit dem
das für seine technisch hochwertigen IT-Lösungen,
aber auch für seine Fahrrad-Affinität bekannte
Saarbrücker Softwarehaus DIaLOGIKa GmbH (u.a.
„Fahrradfreundlichster Arbeitgeber“ Deutschlands
2012) einen wichtigen Beitrag zur Elektromobilität
im Bereich des ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) liefert. Ausgangspunkt der Aktivitäten der
DIaLOGIKa war die Beobachtung, dass es mit dem
Oberleitungsbus eigentlich schon eine bewährte
und umweltfreundliche Möglichkeit gibt, zumindest
im städtischen Raum elektrisch mobil zu sein. Der
Obus, der im Saarland auch Trolleybus genannt wird
bzw. wurde, hatte in Deutschland im Zuge der Erdölknappheit in den 1940er und 1950er Jahren eine
Energiewende Saarland e.V.
Blüte. Später wurde er
aber fast überall (wieder) durch Dieselbusse ersetzt, nachdem
durch das dann billige
und wieder reichlich
verfügbare Erdöl der
ökonomische Vorteil
weitgehend
aufgezehrt war. Letztlich
sprach die größere
Einfachheit für die Dieselvariante, die niedrigeren Verbrauchskosten beim Obus werden
Historischer Drollybus in
Eberswalde
Magazin 1 - März 2013
1
in etwa durch die höheren Infrastrukturkosten kompensiert. So gibt es heute in Deutschland nur noch
drei Städte mit Obuslinien, nämlich Eberswalde (40
km nordöstlich von Berlin), Esslingen (bei Stuttgart)
und Solingen im Bergischen Land. Im benachbarten
Frankreich gibt es immerhin noch 4 Trolleybus-Städte
(Limoges, Lyon, Nancy und St. Etienne). Dort waren
es mal 28 Städte, bei uns in Deutschland sogar 69,
davon alleine 3 im Saarland, nämlich Saarbrücken
(bis 1964), Neunkirchen (auch bis 1964) und Völklingen (bis 1967). Allerdings gibt es Länder, in denen
auch heute noch Trolleybusse weit verbreitet sind,
ganz besonders die kleine Schweiz, die aktuell über
13 Obus-Städte verfügt. Aber auch in Osteuropa
setzt man nach wie vor in großem Umfang auf diese bewährte Form der Elektromobilität, allen voran in
der russischen Hauptstadt Moskau, in der allein es 97
Trolleybuslinien gibt (alle Angaben gemäß der WebSeite http://www.trolleymotion.ch von trolley:motion,
einer internationalen Lobby-Gruppe zugunsten des
Trolleybusses).
Auf der Habensseite kann der Trolleybus eine niedrigere Geräuschentwicklung für sich verbuchen, er
erzeugt keine Abgase und ist leistungsstärker, was
ihn für bergige Gegenden prädestiniert, wo auch seine Möglichkeit zur Rückspeisung von Bremsenergie
ins Netz noch stärker als sonst zum Tragen kommt.
Im Vergleich zum Bus mit Verbrennungsmotor stehen
den Vorteilen leider auch einige Nachteile gegenüber.
Darunter ist zuvorderst die mangelnde Flexibilität zu
nennen, die sich durch die starre Bindung an die
Oberleitung ergibt. Diese aufzubrechen, und damit
dem Trolleybus hierzulande wieder wieder eine reale
Chance zu geben, war das Ziel der Entwicklung, die
bei DIaLOGIKa Anfang 2010 begann und den Namen
LibroDuct erhielt. Kernpunkt der Entwicklung ist ein
Verfahren, das es gestattet, das Andrahten zu automatisieren, also das Verbinden der beiden Stangenstromabnehmer mit den beiden Drähten der Oberleitung. Dadurch kann der Bus zwischen Abschnitten
mit und ohne Fahrdraht beliebig wechseln. Wenn
dabei der Fahrdraht nicht nur für eine kurze Strecke,
wie z. B. zum Umfahren einer Baustelle oder eines
Unfalls, verlassen wird, sondern der Bus sich auf langen Abschnitten ohne Fahrdrahtkontakt bewegt und
z. B. nur im Bereich von Haltestellen oder auf Steigungsstrecken andrahtet, dann haben wir es eher
mit einem Batteriebus zu tun, wodurch mit LibroDuct
dann zusätzlich auch diese aktuelle Form der Elektromobilität adressiert wird, wie wir weiter unten noch
genauer ausführen werden.
Zurück zu den eigentlichen Trolleybussen. Diese werden traditionell manuell angedrahtet, d. h. der Fahrer
steigt aus und bugsiert mit einer weiteren Stange
oder über ein am Stromabnehmer befestigtes Seil
diesen bzw. genauer: den Schleifschuh des Stangenstromabnehmers exakt unter und dann an die Oberleitung. Das ist nicht nur (zeit-) aufwendig, sondern
auch gefährlich. Eine Verbesserung brachte da schon
das halbautomatische Andrahten, das aber erfordert,
Energiewende Saarland e.V.
dass der Bus exakt unter eine als Trichter bezeichnete
mechanische Andrahthilfe positioniert wird. Diese leitet dann den mittels Federkraft permanent nach oben
gedrückten Stromabnehmer zur Oberleitung hin. Die
Wegstrecke bis
zur
nächsten
Stelle mit Trichter muss der
Bus allerdings
mithilfe
einer
anderen Energiequelle
zurücklegen, was
entweder
ein Trichter zum halbautomatischen Andrahten
Hilfs-Dieselmotor, ein großer elektrischer Kondensator (SuperCap)
oder eine Batterie sein kann. Da das halbautomatische Andrahten jedoch auch ziemlich fehleranfällig
ist und zudem die Trichter optisch noch deutlich mehr
als die Fahrleitung selbst stören, ist das halbautomatische Andrahten nur als eine Behelfslösung anzusehen.Völlig anders ist hier der Ansatz von LibroDuct:
Die hier gleichfalls vorhandenen Aktoren, mit denen
die Stangenstromabnehmer aktiv und kontrolliert bewegt werden können, werden über eine Regelung
gesteuert, die kontinuierlich die Position der Stangen
und der Oberleitungsdrähte erfasst und die Bewegung der Stangen so steuert, dass sie genau unter
ihren jeweiligen Oberleitungsdrähten positioniert werden und schließlich an die Drähte andrahten. Dies erfordert Maßarbeit, da jeder der beiden Schleifschuhe
eine noch nicht einmal 3 cm breite Rinne besitzt, die
„seinen“ immerhin 12 mm dicken und bis zu 4100 mm
über dem Busdach verlaufenden Fahrdraht „fangen“
muss. Dies wird insofern noch erschwert, da, zumindest während der Bus fährt, auch die jeweiligen vertikalen und horizontalen Positionen der Fahrdrähte
aus der Sicht des Busses sich permanent ändern. Es
muss also regelmäßig nachgesteuert werden, damit
die Schleifschuhe die Fahrdrähte treffen können. Die
Positionen von Schleifschuh und Fahrdraht werden
bei LibroDuct dazu stereo-optisch, also mit 2 elektronischen Kameras, erfasst („räumliches Sehen“).
Die Kameras leiten den Strom ihrer „Video“-Signale
an einen Steuerrechner, der mittels modernsten Methoden der rechnergestützten Bildverarbeitung aus
der Vielzahl der Details auf den einzelnen Bildern
die relevanten Informationen extrahiert. Und dies
viele Male pro Sekunde. Aus den Bilddaten werden
dann Steuersignale generiert, die an die Stellmotoren
weitergeleitet werden. Diese wiederum sorgen dafür,
dass die Stromabnehmer, wesentlich exakter als ein
Mensch das könnte, an die Oberleitung herangeführt
werden. Und dies nicht nur im Stand, sondern auch
während der Fahrt, so dass durch das An- und Abdrahten, das natürlich auch automatisch erfolgt, keine Zeit verloren geht.
Keine Frage, schlechte Sichtverhältnisse (tiefstehende Sonne, dichtes Schneetreiben etc.) und unebene
oder stark kurvige Wegstrecken stellen dabei HerMagazin 1 - März 2013
2
ausforderungen dar, die durch „ausgefuchste“ Informatik-Verfahren und die Kombination verschiedener
Ansätze aber weitgehend ihre Schrecken verlieren
sollten. „Sollten“, weil: Noch ist LibroDuct in einer frühen Entwicklungsphase, ein produktiver Einsatz ist
nicht vor 2015 zu erwarten. Aber die Entwickler von
DIaLOGIKa sind
zuversichtlich,
das gesteckte Ziel
auch zu erreichen.
Die Fachwelt wartet derweil gespannt auf die
ersten
Muster,
da gerade für die
Prinzip der stereo-optischen
Realisierung des
Mustererkennung
Batteriebusses
unbedingt eine Technologie gebraucht wird, die es
den Bussen ermöglicht, unterwegs neue Energie zu
„tanken“. Aufgrund des schlechten Verhältnisses von
Gewicht zu gespeicherter Energie selbst in modernsten Batterien, ist es nicht praktikabel, die Energie für
einen ganzen Tagesbedarf für große Stadtbusse zu
speichern: Aktuell sind (mit Lithium-Ionen-Batterien)
max. 160 Wh pro kg Batterie speicherbar, was bei
einer Tagesstrecke von 300 km und 2 kWh pro km ein
Batteriegewicht von 3,75 to erfordert. Zum Vergleich:
die 180 Ltr. Treibstoff, mit denen ein entsprechend
großer Diesel-Bus auch 300 km weit kommt, wiegen
inkl. Tank weniger als 200 kg. Die sich ergebende Differenz von gut 3,5 to kann aber nur auf einen Bus
draufgepackt werden, wenn an anderer Stelle Gewicht eingespart wird, d.h. die Beförderungskapazität
Infrastruktur gespart: Im Begegnungsverkehr bei
gemeinsamer Oberleitung: drahtet einer der Busse
kurz ab
sinkt dramatisch und damit die Wirtschaftlichkeit (von
den horrenden Kosten entsprechend großer Batterien mal abgesehen). Wenn hingegen nur 10, 20 oder
30 km weit gefahren werden muss, bevor die Batterie
wieder aufgeladen werden kann, sieht die Welt schon
ganz anders aus. Dann rechnet sich auf einmal auch
ein Batteriebus. Und wenn man das Nachladen wie
mit LibroDuct sogar quasi en passant erledigen kann,
dann sind dafür noch nicht einmal Stillstandszeiten
einzuplanen, die unangenehme Zwangspunkte in einem Fahrplan darstellen würden.
Und neben den Initiativen für Batteriebusse gibt auch
mehrere Städte, die gerne (wieder) den Trolleybus
einführen (z. B. Osnabrück und Leipzig) oder Strecken erweitern möchten (Solingen und Esslingen),
dazu aber das automatische Andrahten benötigen,
weil die Oberleitung nicht durchgehend an den (neuen) Strecken angebracht werden soll.
Fazit: Die Renaissance der Elektromobilität im innerstädtischen ÖPNV scheint, wenn die Entwicklungen
zu LibroDuct den gewünschten Erfolg haben, nur
noch eine Frage der Zeit zu sein.
CO2-neutrale Unternehmen und Organisationen
Klimaschutz ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Generation. Studien zeigen, dass Nachhaltigkeit und Klimaschutz immer weiter an Relevanz
gewinnen. Aber Grün ist nicht gleich Grün, und Klimaschutzmaßnahmen sind immer nur so gut, wie
die Menschen diese akzeptieren und verstehen.
Was ist aber ein CO2-neutrales Unternehmen
und wie ist hier die Vorgehensweise?
Zunächst wird die CO2-Bilanz (Corporate Carbon
Footprint) berechnet. Wichtig hierbei ist ein ganzheitlicher Ansatz, der alle relevanten Treibhausgas-Emissionen , die von dem Unternehmen oder
Organisation verursacht werden, erfasst, wie z.B.
Emissionen aus Strom, Wärme, Geschäftsfahrten,
Flügen, Hotelübernachtungen, Kantine, Papierverbrauch, Kühlmittel etc. Maßgeblich hierfür ist die
ISO 14064.
Gemeinsam mit den Unternehmen, Vereinen und
anderen Organisationen sowie namhaften KoopeEnergiewende Saarland e.V.
von Dietmar Schorr
rationspartnern wie Klimainvest, Klimaktiv oder IfAS
wird danach eine lösungs- und umsetzungsorientierte Klimaschutzstrategien zur Vermeidung und
Einsparung von Energie und damit CO2 und Kosten
gebildet.
Für nicht vermeidbare CO2 Emissionen besteht die
Möglichkeit, diese durch Unterstützung hochwertiger
Klimaschutzprojekte auszugleichen und so Verantwortung für diese zu übernehmen.
Wichtig hierbei ist laut Ökoinstitut und Stiftung Warentest, dass Maßnahmen zur CO2-Vermeidung und
Reduzierung vorrangig gegenüber Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt werden sollen.
Wie funktionieren Ausgleichsmaßnahmen?
Treibhausemissionen wirken global. Für das Weltklima ist es nicht entscheidend, an welchem Ort Emissionen entstehen oder eingespart werden, sondern
dass weltweit möglichst wenig emittiert wird. Können Emissionen von einem Unternehmen oder einer
Magazin 1 - März 2013
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Kommune nicht vermieden oder wirtschaftlich vermindert werden, können sie an einer anderen Stelle
der Erde durch Investitionen in zusätzlichen Klimaschutzmaßnahmen ausgeglichen werden.
Klimaschutzprojekte wie beispielsweise Kochöfen
für Uganda helfen - unabhängig davon, wo sie
durchgeführt werden - dabei, den Klimawandel zu
bekämpfen. Jede Tonne Treibhausgas, die durch
solche Projekte nachweisbar eingespart wird, kann
als Emissionsminderungszertifikat zertifiziert und
verkauft werden und sichert so den Projektentwicklern die notwendige Projektfinanzierung. Man kann
somit genau die Menge an Treibhausgasen ausgleichen, die in einer bestimmten Zeit emittiert wurde
Wichtig ist, dass neben der präzisen Berechnung
der CO2-Emissionen zum Ausgleich der Emissionen ausschließlich Klimaschutzprojekte verwendet
werden, die dem vom WWF mitentwickelten Gold
Standard oder auf Wunsch vergleichbaren Standards entsprechen und neben dem Umweltnutzen
die sozialen Verhältnisse vor Ort verbessern.
Klimaneutrale Produkte
Analog der CO2-Bilanzierung für Unternehmen besteht auch die Möglichkeit, die CO2-Bilanz für Produkte zu erstellen (Product Carbon Footprint) und
auszugleichen.
Beispiele für klimaneutrale Produkte sind u.a. Go
Green von der Deutschen Post, klimaneutrale
Bahnfahrten oder auch Ökogas von Lichtblick.
Über uns
Volverde ist eine Beratungsgesellschaft zur Förderung des Klimaschutzes mit dem Schwerpunkt
der Bewusstseinsbildung zum Klimaschutz sowie
der kompetenten Unterstützung zur Erfassung
und Reduzierung des CO2-Fußabdruckes (Carbon
Footprint) von Privatpersonen, Unternehmen, Kommunen und anderen Organisationen.
Der Inhaber Dietmar Schorr
studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt
Umweltplanung am Umweltcampus Birkenfeld, ist
Mitgründer und ehemaliger
Vorstand des Vereins Bürgerkraftwerke und einer der
Preisträger des Sustainability
Award 2009 für die Erfindung
von Ökogas, das unter anderem auch von Lichtblick
angeboten wird.
Weitere Informationen unter info@volverde.de oder
0681-94588031
Warum die KFW-Förderung zur energetischen Gebäudesanierung
nicht funktioniert
von Reinhard Schneeweiß Energieberater
Seit Jahren wird beobachtet und beklagt, dass die
Sanierungsquote im Gebäudebestand viel zu gering ist. Trotz werbewirksam propagierter Förderprogramme der Bundesregierung lässt sich der
Häuslebesitzer nicht zu großen Investitionen verleiten. Nachfolgende Grafik und der dazugehörige
Kommentar verdeutlichen die Situation eindrücklich
„Ein genauer Blick ... zeigt, dass vorrangig Einzelmaßnahmen bei Modernisierungen durchgeführt
werden. Im Zeitraum 2005 bis 2010 wurde bei 3,2
Prozent des Gebäudebestandes bis 2004 entweder
eine der vier oben genannten Dämmmaßnahmen
oder eine Heizungsmodernisierung vorgenommen
– zwei Maßnahmen gleichzeitig jedoch nur noch bei
1,0 Prozent. Alle fünf Maßnahmen werden schließlich nur noch von jährlich 0,1 Prozent der Eigentümer durchgeführt. Das zeigt, dass Teilsanierungen
die Regel sind. Hauptgrund hierfür dürfte neben Gebäudeanforderungen die mangelnde Liquidität der
Eigentümer sein.“ (Quelle: http://www.iwkoeln.de/de/
infodienste/Immobilien-Monitor/beitrag/energetischesanierung-quote-ohne-aussagekraft-69302)
Die Grafik zeigt, dass die Förderprogramme nur einen
bescheidenen Anteil an den energetischen Sanierungen hatten. Vor diesem Hintergrund veranlassen die
geplanten Neuregelungen der KfW zum 1. März 2013
zu großer Sorge.
Ein externer Sachverständiger soll nun neben der
fachlichen Richtigkeit der Maßnahme zusätzlich die
Bestätigung der förderfähigen Kosten und die Bestätigung über sonstige Fördergelder rechtsverantwortlich unterschreiben. Die Folgen:
Energiewende Saarland e.V.
Magazin 1 - März 2013
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1. Das Verhältnis zwischen Bauherr und Energiebe-
rater ändert sich: War der Energieberater bisher
der technische Sachwalter des Bauherrn wird
er nun zum Kontrolleur. Er soll prüfen, ob dieser
auch steuerlich und fördertechnisch alles richtig macht und nicht 1 € zu viel kassiert. Welcher
Bauherr möchte den Energieberater für diezusätzliche Augabe auch bezahlen? Und welcher
Energieberater möchte zum Kontrolleur seines
Bauherrn werden?
2. Die Berufshaftpflicht-Versicherungen lehnen den
Versicherungsschutz für genau diese Tätigkeit
ab. Angesichts des strafrechtlich und zivilrechtlich hohen Risikos (hinsichtlich Subventionsbetrug) bleibt die Frage, welche Energieberater
eine solche Unterschrift auf eigenes Risiko noch
leisten wollen?
Dass durch diese beabsichtigte Änderung der KfWFörderregularien die geförderten Maßnahmen zurückgehen ist mehr als wahrscheinlich. Ob die
Bundesregierung nach der Änderung der Förderbedingungen überhaupt noch Sanierungsmaßnahmen
initiieren kann, bleibt abzuwarten. Ein nützlicher Beitrag zur Energiewende ist diese Neuregelung der
KfW mit Sicherheit nicht.
Doch auch vor dieser letzten Änderung war nicht alles
rosig. Die Förderung basiert auf einem gesetzlichen
Irrsinn, der beispielhaft an den zahlreichen Änderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) seit 2002
zu erkennen ist. Seit 2002 gab es 4 Veränderungen,
geplant waren sogar 5. Zusätzlich kam noch u.a. ein
für den Neubau relevantes Gesetz, das Erneuerbare
Energien Wärme Gesetz (EEWärmG), das parallel
zur EnEV gilt. Diese hektischen Änderungen führten
in der baulichen Realität zu Verwirrung und Desinteresse. Gleichzeitig wurde hinsichtlich der Umsetzung
und Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben kein funktionierendes Kontroll-Instrumentarium aufgebaut. Die
Regelungen der EnEV bleiben damit insbesondere
bei der Bestandssanierung wirkungslos, da sie keiner
umsetzen will und es auch keiner kontrolliert. Bereits
in der EnEV 2002 wurde gefordert, dass zugängliche
ungedämmte Heizungs- und Warmwasserrohre inkl.
Armaturen gedämmt werden müssen. Dies ist eine
sehr kostengünstige und effiziente Maßnahme. Dass
dies trotzdem in vielen Häusern heute noch nicht
passiert ist, ist ein offenes Geheimnis.
Ein Grundproblem der Förderung von AltbausanieImpressum
Hrsg: Energiewende Saarland e.V.
Postfach 10 04 10, 66004 Saarbrücken
email: ew-saar@web.de
Bankverbindung:
Bank 1 Saar eG, BLZ 591 900 00,
Kto.Nr. 658 990 00
Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht
notwendigerweise
die Meinung der Redaktion wieder.
Energiewende Saarland e.V.
rungen durch die KfW ist die Orientierung am Neubaustandard: Die Berechnungen hierfür und die korrekte Umsetzung sind sehr kompliziert. Für größere
Projekte und bei professionellen Bauherren mag die
Akzeptanz dieser zusätzlichen Berechnungen und
Planungen mit den dazugehörigen Kosten größer
sein. Im Verhältnis zum Gesamtprojekt fällt hier der
Mehraufwand auch nicht wirklich ins Gewicht. Bei
kleinen Bauten ist der Aufwand im Verhältnis zur Bausumme allerdings relativ groß. Und die Akzeptanz
solcher Kosten beim Bauherrn geht gegen Null.
Dies sei am Beispiel der Wärmebrückenberechnung
erläutert. Die Anzahl der Wärmebrücken ist bei einem
kleinen Einfamilienhaus (EFH) nahezu gleich wie bei
einem großen Wohngebäude (MFH). Beispielsweise
kostet bei einem MFH die Wärmebrückenberechung
1500,- € bei einer Investitionssumme von 700 000,€, bei einem EFH dagegen 1200,- € bei einer Investitionssumme von 200 000,- €. D. h, dass diese Regelung private Bauherrn bzw. Sanierer deutlich stärker
trifft als die großen Investoren.
Aber gerade im Altbaubereich sollten vor allem Einund Zweifamilienhäuser – also relativ kleine Objekte
– Ziel der Sanierungsbemühungen der Bundesregierung sein, da hier das größte Einsparpotential ruht.
(vgl. Weiß/Vogenpohl: Politische Instrumente zur Erhöhung der energetischen Sanierungsquote bei Eigenheimen)
Daraus ergeben sich grundlegende Forderungen an
Gesetzgebung und Förderinstituten:
• Vereinfachung der Berechnungsmethodik, um
die Nebenkosten der Förderung zu vermindern
• Differenzierung der Berechnungsmethodik zwischen kleinen und größeren Bauvorhaben mit
dem Ziel den zusätzlichen Planungs- und Verwaltungsaufwand für kleine Objekte zu reduzieren
• langfristig verlässliche Gesetzgebung und Zusammenführung der verschiedenen parallel existierenden Gesetze
• Einführung flächendeckender Kontrollmechanismen in Form eines Marktwächters Energie der
Verbraucherzentralen zum Nutzen der Endverbraucher und als Evaluationsinstrument der Gesetzgebung.
Energiewende kann nur mit dem Bürger und nicht gegen ihn funktionieren.
SCHNEEWEISS ARCHITEKTEN, Saaruferstraße 11,
66117 Saarbrücken
Kontaktadressen:
Fotovoltaik: Christian Bersin, Tel. 0681-473546,
Mail: ChrisBersin@web.de
Windkraft, Beteiligungsmodelle:
Mail: Thomas.naegler@oekostrom-saar.de
Energieeinsparung und -effizienz,
Erneuerbare Energien:
Peter Wünsch, Tel.06897-7789312,
Mail: peter.wuensch1@gmx.net
Finanzen, Mitgliederverwaltung: Vera Kubitscheck-Nägler, Tel. 06861-75986,
Mail: nägler@schlau.com naegler
Magazin 1 - März 2013
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Strompreis paradox
Für den Durchschnittshaushalt in Deutschland kostet der Strom inzwischen 27 Cent je Kilowattstunde (kWh). Gleichzeitig ist der Börsenstrompreis mit
4 Cent je kWh so günstig wie seit zig Jahren nicht
mehr. Wie geht das zusammen? Im folgenden will
ich die wichtigsten Gründe für dieses Paradoxon erläutern.
Einer der Gründe liegt im geringen Wechselwillen
der deutschen Stromverbraucher. Weil diese zu selten den Stromversorger wechseln, kommt der Markt
nicht richtig in Gang. Mit bis zu 2 Cent je Kilowattstunde schlägt sich das in den genannten 27 Cent
nieder.
Die sogenannte EEG-Umlage, die in 2013 auf 5,27
Cent (nach 3,59 Cent in 2012) erhöht wurde wiederum besteht nur zum geringeren Teil aus der tatsächlichen Förderung der Erneuerbaren Energien.
Denn die reinen Förderkosten belaufen sich auf
2,29 Cent. 0,85 Cent resultieren daraus dass der
Börsenstrompreis gesunken ist und die Umlage, die
aus der Differenz der Einspeisevergütung und dem
Börsenstrompreis berechnet wird, steigt.
Folgendes Rechenexempel soll das verklaren.
Wenn z.B. in 2012 die durchschnittliche Vergütung
aller Windkraftanlagen je kWh 8,5 Cent betragen
hätte und in 2013 8,3 Cent, wird der in 2013 erzeugte Windstrom bei gleicher Menge zwar günstiger, aber weil gleichzeitig der Strompreis an der
Börse um 0,8 Cent gesunken ist, steigt der Förderbedarf je kWh Windstrom um 0,6 Cent.
0,67 Cent (von 5,27 Cent) zahlen wir, weil im vorigen Jahr die tatsächlich eingespeiste erneuerbare Strommenge höher als die in die EEG Umlage
2012 eingerechnete Menge war. Dieser Posten wird
deshalb „Nachholung aus 2012“ genannt. Zusammen 0,23 Cent je kWh dienen als Sicherheitspolster
(Liquiditätsreserve) und sollen Anreize für die Vermarktung des Ökostroms schaffen (Marktprämie).
von Christian Bersin
1,22 Cent zahlen wir über die EEG Umlage als „Industrieprivileg“ an die großen Stromverbraucher.
Diese werden von der Bundesregierung großzügig
von der EEG Umlage befreit und profitieren dann
doppelt, denn der direkt von ihnen an der Börse
eingekaufte Strom hat sich ja beträchtlich verbilligt,
und zwar weil die erneuerbaren Energien dort für
ein Überangebot sorgen.
Außer bei der EEG-Umlage profitieren die Großverbraucher auch von einem weiteren neuen Subventionstatbestand, den das FDP Wirtschaftministerium
ins Leben gerufen hat. Sie werden von den Netzkosten entlastet. Auch das müssen die Kleinverbraucher per Umlage mitschultern.
Und weil man den für die offshore-Windparks in der
Nordsee zuständige Übertragungsnetzbetreiber
tennet nicht verstaatlichen wollte, dieser aber mangels eigenem Kapital auch nicht seine Verpflichtungen gegenüber den Windparkbetreibern auf Netzanschluss einhalten kann, hat die Bundesregierung
uns alle jetzt mit in die Haftung genommen. Denn ab
einer gewissen Schadenshöhe für den nicht rechtzeitig hergestellten Netzanschluss zahlen wir den
Schaden über eine weitere Umlage, die „OffshoreHaftungsumlage“.
Alles in allem spiegelt der aktuelle Strompreis das
Politikversagen der Bundesregierung wieder, die
unter dem Deckmantel der Energiewende neue
Subventionstatbestände für die Industrie geschaffen hat.
Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE)
fordert deshalb eine grundlegend neue Berechnung
der EEG Umlage und greift auf einen Vorschlag des
Saarbrücker Instituts für ZukunftsEnergieSysteme
(IZES) zurück. Dieser sollte als Basis für die politische Diskussion dienen statt wie aktuell Altmayer
und Rösler permanent neue Ideen zu gebären, die
das Kind Energiewende gleich mit dem Bade ausschütten.
Finanzströme zwischen Bundesländern teilweise gegenläufig
Während Bayern und Hessen gegen den Länderfinanzausgleich vor Gericht ziehen, profitiert vor allem Bayern durch die vom Erneuerbare Energien
Gesetz (EEG) ausgelösten Zahlungsströme.
So hat der Länderfinanzausgleich z.B. Bayern 2012
mit ca. 3,9 Milliarden belastet und dem Saarland 92
Mio. € an Zahlungen gebracht. Diese Mittel fließen
direkt zwischen den öffentlichen Haushalten.
Aber daneben gibt es Finanzströme, die durch die
Vergütungspflicht für erneuerbaren Strom im EEG
ausgelöst werden. Jeder Stromverbraucher (mit
Ausnahme der wachsenden Zahl von freigestellten
Energiewende Saarland e.V.
von Christian Bersin
Großverbrauchern) zahlt mit seiner Stromrechnung
eine EEG Zulage, die u.a. zur Vergütung der eingespeisten erneuerbaren Strommengen genutzt
wird. Da die EEG-Erzeuger aber räumlich anders
verteilt sind als die Stromverbraucher ergibt sich ein
Finanzstrom zwischen den Bundesländern, der mittelbar über höhere Steuern auch wieder die Haushalte der Länder erreicht.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat nun diese Zahlungsströme
berechnet und herausgefunden, dass Bayern mit
einem Zustrom von 1,23 Milliarden € in 2012 der
Magazin 1 - März 2013
6
größte Profiteur des EEGs ist, während das Saarland
144 Mio. € über die Landesgrenze überwiesen hat.
Dies hängt mit dem überproportional starken Photovoltaik- und Biogasausbau in Bayern zusammen, die
aufgrund hoher Einspeisevergütungen weit stärker
bemerkbar machen als z.B. der Ausbau der Windenergie. Hätten die SaarländerInnen demnach in der
Vergangenheit mehr Solar- oder Biogaskraftwerke
errichtet, hätte dies jetzt verstärkte Mittelzuflüsse aus
den anderen Ländern an saarländische Kraftwerksbetreiber und damit eine verbesserte Wirtschaftsleistung im Saarland zur Folge.
Solarstromvergütung von im März und April 2013 ans Netz gehender
Anlagen sinkt
von Christian Bersin
Inzwischen wird die Solarstromvergütung durch die Bundesnetzagentur jeweils für die kommenden drei
Inbetriebnahmemonate festgelegt. Die Degression richtet sich dabei nach dem erfolgten Zubau in einem
gewissen Zeitraum vorher. Am 31. Januar hat die Bundesnetzagentur die Vergütungshöhe für die Monate
Februar bis April 2013 festgelegt, die um 2,2 % pro Monat sinken. Für alle die eine Anlage bauen wollen
haben wir in der folgenden Tabelle die geltenden Vergütungssätze dargestellt. Für Mai und Folgemonate
wird die neue Vergütungshöhe am 30.4. festgelegt.
Anlagenkategorie
Bis 10 kWp
Bis 40 kWp
Bis 1 MWp
Bis 10 MWp
Bis 10 MWp
Dach
Freifläche
ab 01.03.2013 (Cent)
16,2815,4413,7711,2711,27
Degression
2,2% ab 01.04.2013
(Cent)15,9215,1013,4711,0211,02
Aufnahmeantrag
Ich möchte / Wir möchten die Arbeit der Energiewende Saarland e.V. unterstützen und zukünftig das
Energiewende-Magazin als Beihefter zum vierteljährlich erscheinenden Umweltmagazin Saar des BUND
beziehen:
O
1. im Rahmen einer einfachen Mitgliedschaft „Light“ für 15,- Euro pro Jahr.
O
2.im Rahmen einer Mitgliedschaft „Standard“ von 20,- Euro pro Jahr
O
3. im Rahmen einer Fördermitgliedschaft „Soli“ .......... Euro (mind. 50,- Euro) pro Jahr
O
usätzlich möchte ich / möchten wir kostenlos das Energiewende-Magazin per E-Mail als
Z
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Ich möchte / Wir möchten nicht Mitglied werden, sondern nur das Energiewende-Magazin
O
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Name .............................................Vorname ............................................ Straße ............................................
PLZ, Ort ............................................. E-Mail..................................................................................................................... Datum ............................................Unterschrift ........................................ Einzugsermächtigung
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Datum .......................................................Unterschrift ....................................................
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Energiewende Saarland e.V.
Magazin 1 - März 2013
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Rekordjahr für Solaranlagen im Bund und im Saarland
Fast 184 300 Solarkraftwerke sind im Jahr 2012 in
Deutschland nach dem Solaranlagenregister der
Bundesnetzagentur neu dazu gekommen. Die neuinstallierte Leistung all dieser Kraftwerke summiert
sich auf 7.600 Megawatt (MW), die in einem normalen Solarjahr fast 1,5 % des deutschen Stroms liefern können. Die Gesamtleistung aller Photovoltaikanlagen betrug zum 31.12.12 inzwischen 32.389
MW Leistung, die aufs Jahr betrachtet zusammen
ca. 6 % des deutschen Stroms liefern können.
Auch im Saarland hat die Solarenergie in 2012 einen neuen Zubaurekord gebracht. Ca. 2800 neue
Anlagen mit einer Leistung von 91,2 MW wurden
hier errichtet. Im Jahr 2011 waren es nur 60,8 MW.
Alle PV-Kraftwerke im Saarland haben inzwischen
Windausbau beschleunigt
Die durch die Katastrophe von Fukushima und den
anschließend beschlossenen Atomausstieg angekurbelte Energiewende zeigt auch beim Windkraftausbau im vergangenen Jahr seine Folgen.
Nach den von der Deutschen WindGuard vorgelegten Zahlen wurden insgesamt 1008 Windkraftanlagen mit einer summierten Leistung von 2440 MW
neu errichtet. Im Vorjahr waren es nur ca. 2000 MW.
Lediglich 16 Anlagen mit zusammen 80 MW davon
wurden offshore, d.h. vor der Küste in der Nordsee
errichtet. Immerhin ein Sechstel der neu installierten Leistung - 431 MW bei 161 Anlagen - wurden
durch Repowering (der Ersatz von alten durch leistungsstärkere neue Anlagen) beigetragen. Dafür
wurden 252 Anlagen mit 178 MW abgebaut.
Insgesamt waren am 31.12.2012 in Deutschland
ca. 23.000 Windkraftanlagen mit einer Leistung von
31.332 MW am Netz. Davon waren 68 Anlagen mit
280 MW offshore in Nord- und Ostsee errichtet.
Der stärkste Zubau erfolgte in Niedersachsen
und Schleswig-Holstein, aber unser Nachbarland
Rheinland-Pfalz belegte mit 100 Anlagen und einer
Leistung von 287 MW Platz 4 im Bundesländerranking.
In diesem Ranking liegt das Saarland im letzten
Jahr auf Platz 11 und damit noch vor den deutlich
größeren Ländern Sachsen und Baden-Württemberg. Dazu beigetragen haben 15 neue Anlagen
mit 31,6 MW Leistung. Insgesamt waren damit am
31.12. 105 Windkraftanlagen mit einer Leistung von
158,2 MW im Saarland am Netz.
Auch im laufenden Jahr 2013 zeichnet sich in
Bund und Land ein starker Boom von Windprojekten ab. Ursache hierfür ist die durch die Politik der
Energiewende Saarland e.V.
von Christian Bersin
eine Anschlussleistung von ca. 315 MW. Dies übertrifft die Anschlussleistung von Block 2 des Steinkohlekraftwerks ins Ensdorf, der 310 MW hat und
inzwischen von Saarstahl und VSE betrieben wird.
Ca. 4 % des saarländischen Stroms können heute
mit der Kraft der Sonne erzeugt werden.
Ursache für die neuen Rekorde in 2012 sind die
Eingriffe der Politik. Durch erneute Änderungen im
Erneuerbaren Energien Gesetz wurden so genannte Stichtagsfieber ausgelöst, da insbesondere für
Großanlagen zum 30.6. und zum 30.9. Fristen abliefen, die für die Existenz vieler Projekte entscheidend waren. Zum Jahresende hat sich der Zubau
dann deutlich verlangsamt.
von Christian Bersin
Bundesregierung ausgelöste Verunsicherung der
Branche. Die dauernden Generalangriffe des FDP
Wirtschaftsministers auf das Erneuerbare Energien
Gesetz (EEG) und die Debatte des Umweltministers Altmaier über eine erneute Reform des EEG
lassen die Branche um ihre Projekte fürchten, die
üblicherweise einen jahrelangen Vorlauf haben und
erhebliche Kosten im Vorfeld verursachen. Deshalb
geben alle Gas, um möglichst viele Projekte noch
verwirklichen zu können, bevor eine Verschlechterung der Rechtslage deren Umsetzung gefährdet.
Windpark Freisen, Foto Ökostrom Saar GmbH
Magazin 1 - März 2013
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Seele and Geist
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