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Damals wie heute lebensrettend - Universitätsklinikum Tübingen

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Zeitung des Universitätsklinikums Tübingen • Nummer 2 • Juni 2010 • Jahrgang 14
KLINIKFORUM
Unabhängige
Patientenberatung
Die Pilzsaison
naht
Einfühlungsvermögen
gefragt
Unsere Patientenfürsprecher sind für Sie da!
Bei Pilzvergiftungen keine Zeit verlieren!
Angehende Ärzte lernen, wie es ist, blind zu sein.
Seite 5
Seite 6
Seite 7
Herzchirurgie
Damals wie heute lebensrettend
Seit 40 Jahren wird am Tübinger Universitätsklinikum am offenen Herzen operiert
30. Juni 1970: Prof. Hans-Eberhard Hoffmeister
führt die erste Operation am offenen Herzen in
Tübingen durch. Ein sechsjähriger Junge mit einem
Vorhof-Scheidewand-Defekt ist der erste Patient,
der unter diesen Bedingungen operiert wird. Die
damals neue Operationsmethode ist auch heute
noch für viele Patienten lebensrettend.
Herzlungemaschine aus dem Jahr 1970. Zur Vorfüllung des Systems und der Schläuche waren bis
zu 15 Liter Fremdblut notwendig.
Im Gegensatz zu Operationen an den Herzkranzgefäßen, wie beispielsweise Bypass-Operationen,
wird bei Eingriffen am offenen Herzen entweder
ein Vorhof oder eine Kammer des Herzens eröffnet. Dies war zu den Anfängen der Herzchirurgie
nicht allein ein medizinisches, sondern durchaus
auch ein emotional besetztes Thema. Der Mythos
vom Herzen als Sitz der Seele sorgte für ernsthafte Debatten um die Statthaftigkeit solcher
Eingriffe.
Die Voraussetzung dafür, dass überhaupt am
offenen Herzen operiert werden konnte, war die
Erfindung der Herz-Lungen-Maschine. Sie übernimmt während des Eingriffs die Pumpfunktion
für den Blutkreislauf und reichert das Blut mit dem
benötigten Sauerstoff an, während das Herz für
die Dauer der Operation stillgelegt wird. In Marburg wurde bereits 1958 die erste Herzoperation
in Deutschland unter Einsatz einer Herz-LungenMaschine durchgeführt. Doch die Technik und die
Operationsmethoden bargen ein hohes Risiko: So
verstarben viele der ersten Patienten schon während oder unmittelbar nach der Operation.
Als die Methode zwölf Jahre später in Tübingen
erstmals angewandt wurde, waren die Erfolgsaussichten bereits wesentlich besser, allerdings
lag die Todesfallrate während und unmittelbar
nach solchen Eingriffen immer noch bei gut 50
Prozent. „Es war damals üblich, dass Patienten
vor der Operation die letzte Ölung erhielten“,
weiß Prof. Ulrich Stock, der kommissarische
Ärztliche Direktor der Tübinger Universitätsklinik
für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. Lediglich
Röntgen- oder Kontrastmitteluntersuchungen
standen den damaligen Herzchirurgen zur Verfügung, um vor der Operation Informationen
über die Erkrankung des Patienten zu gewinnen.
Ultraschall oder gar Kernspintomografie, Grundlagen der heutigen Medizin, waren längst noch
nicht verfügbar.
Auch sonst lässt sich die moderne Herzchirurgie
kaum noch mit den Anfängen vergleichen. Während früher eine Herz-Lungen-Maschine mit bis zu
zehn Litern Fremdblut vorbefüllt werden musste,
finden in Tübingen heute 80 Prozent aller Operationen am offenen Herzen ohne jeglichen Einsatz
von Fremdblut statt. An der Weiterentwicklung
der Herz-Lungen-Maschinen, die dies ermöglichen – wie beispielsweise Geräte der Firma
Maquet aus Hechingen – hat das UKT maßgeblich mitgearbeitet. „Die Herz-Lungen-Maschine
in ihrer früheren Form war ein Koloss und barg
erhebliche Nebenwirkungen wie Blutungskomplikationen und Stoffwechselveränderungen.
Moderne Herzlungenmaschine der neusten
Generation.
40 Jahre nach der ersten Operation am offenen Herzen in Tübingen ist die Komplexität der Eingriffe
am Universitätsklinikum Tübingen deutlich gestiegen.
So verzichteten einige Herzchirurgen auf den
Einsatz der Herz-Lungen-Maschine und führten
Operationen wie Herzkranzgefäßoperationen am
schlagenden Herzen durch“, berichtet Prof. Ulrich
Stock. Dank des technischen Fortschritts und
aufgrund der Schwierigkeiten, feinste Eingriffe
an einem pulsierenden Organ durchführen zu
müssen, kehrt man heute zu den Verfahren mit
deutlich verbesserten Herz-Lungen-Maschinen
zurück.
Auch die Operationstechniken haben sich enorm
verbessert: Während früher bei Operationen am
offenen Herzen das Brustbein der Patienten durchtrennt werden musste und große Operationsnarben zurück blieben, finden die Eingriffe heute
minimal-invasiv statt. Wenige Zentimeter große
Schnitte unterhalb der Brustwarze genügen für
den Einsatz der Präzisionsinstrumente.
Ebenfalls stark gewandelt hat sich das Alter der
Patienten. Ursprünglich wurden Operation am offenen Herzen vorwiegend bei kleinen Kindern, die
mit Defekten an der Vorhof- oder Kammerscheidewand zur Welt gekommen waren, vorgenommen.
Sehr bald schon wurden auch Säuglinge operiert.
Während die kleinen Patienten und deren Eltern
zuvor an die wenigen Zentren für Herzchirurgie
nach Marburg, Göttingen oder München geschickt
werden mussten, konnten sie ab den 1970er-Jah-
ren endlich in der Region versorgt werden. Heute
werden in Tübingen vom Neugeborenen bis zum
90-Jährigen alle Patienten operiert. Auch im hohen Alter kann eine Operation am Herzen noch
viele zusätzliche Jahre bei hoher Lebensqualität
schenken, wenn die Patienten ansonsten eine gute
gesundheitliche Konstitution mitbringen.
40 Jahre nach der ersten Operation am offenen
Herzen in Tübingen ist die Komplexität der Eingriffe – gerade an einem Universitätsklinikum
wie Tübingen – deutlich gestiegen. „Wir haben
zunehmend Patienten, bei denen zum Beispiel eine parallele Operation an den Herzkranzgefäßen,
den Herzklappen und an der Halsschlagader
erforderlich ist oder bei denen weitere schwere
Begleiterkrankungen zu behandeln sind“, berichtet Prof. Ulrich Stock. Dennoch überleben 97 Prozent der Patienten den Eingriff. „Operationen am
offenen Herzen sind heute zwar noch immer keine
Routine, aber die Risiken sind beherrschbar und
einschätzbar“, erläutert Prof. Ulrich Stock. Auch
die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus
ist erheblich kürzer geworden. Die Pionierleistung
von Prof. Hans-Eberhard Hoffmeister, der heute
82-jährig seinen Ruhestand in Tübingen genießt,
war übrigens ebenfalls von Erfolg gekrönt: Die
Operation am offenen Herzen des kleinen Jungen
rettete dessen Leben.
KLINIKFORUM
02
Die UKT„Herzprofessoren“
Prof. Dr. med. Ulrich Stock,
kommissarischer Ärztlicher Direktor
der Universitätsklinik für Thorax-,
Herz- und Gefäßchirugie
Erstmals in Baden-Württemberg
Kinderkardiologen des Tübinger Universitätsklinikums ersetzten Pulmonalklappe
über die Leistenvene
Die Korrektur einer ganzen Reihe angeborener
Herzfehler bei Kindern erfordert eine operative
Erweiterung der Lungenschlagaderklappe, die
zu einer gewissen Undichtigkeit dieser Herzklappe führt. Obwohl die Kinder nach einer
derartigen Operation im Alltagsleben zunächst
gut belastbar und beschwerdefrei sind, bedeutet
eine undichte Klappe, dass Blut aus der rechten
Herzkammer – anstatt über die Lungenarterie
in die Lunge – zum Teil wieder in die rechte
Herzkammer zurückströmt. Das Herz muss
infolgedessen mehr pumpen und der Herzmuskel wird belastet. Um eine chronische
Überlastung des Herzens zu vermeiden
erhalten diese Patienten meist im Schulkindesalter eine biologische Spenderklappe.
Kinder mit ausgeprägt undichter Klappe, die
frühzeitig mit einer biologischen Spenderklappe
versorgt werden mussten, leiden aber durchschnittlich zehn Jahre später wieder unter einer
zunehmenden Undichtigkeit der Klappe, die zu
einer neuerlichen Dauerbelastung des Herzens
führt und – bisher – mit
einer weiteren großen Operation am offenen
Herzen korrigiert werden musste.
Die Kinderkardiologen am UKT haben jetzt als
erstes Ärzteteam in Baden-Württemberg ein
neues Verfahren angewandt, das es erlaubt, die
erforderliche neue Pulmonalklappe mit einem
Herzkatheter über die Leistenvene einzuführen.
Dabei dient die erste Herzklappe als Widerlager für die Verankerung der neuen Klappe.
Das neue, schonende Verfahren erspart den
betroffenen Jugendlichen damit eine
weitere große Herzoperation.
Winziger
Clip hilft
schwachem
Herz
Prof. Dr. med. Meinrad Gawaz,
Ärztlicher Direktor der Medizinischen Universitätsklinik,
Kardiologie und Kreislauferkrankungen
Prof. Dr. med. Gerhard Ziemer,
Ärztlicher Direktor der UniversitätsKinderklinik, Chirurgie der angeborenen
Herzfehler und Kinderherzchirurgie
Prof. Dr. med. Michael Hofbeck,
Ärztlicher Direktor der Universitäts-Kinderklinik, Kardiologie,
Intensivmedizin, Pulmologie
Eine kleine Klammer
verbindet die Mitralklappensegel neu
und lindert
Herzschwäche
Wenn Patienten mit
dem Befund „Herzschwäche“ an das
Uniklinikum kommen, kann eine
mögliche Ursache für
dieses häufige Leiden
eine undichte Mitralklappe
sein. Die Mitralklappe bildet ein Ventil,
das den Rückfluss des Blutes aus der
linken Herzkammer in den Vorhof
und die Lungenstrombahn verhindert.
Schließt die Klappe nicht mehr richtig,
kann dies zu Atemnot führen. Für diese
Patienten können die Herzspezialisten
des UKT nun eine schonende Behandlung mit
Kathetertechnik anbieten: Eine kleine Klammer
verbindet die Mitralklappensegel. Die beiden
Segel werden dabei durch einen neuartigen
Clip zusammengehalten. Diese (noch) geöffnete Klammer wird mittels eines Herzkatheters
über die Leistenvene positioniert und umgreift beide Segel der Klappe. Damit kann sie
sich wieder „vorschriftsmäßig“ schließen, ihre
Funktion ist wiederhergestellt.
Der Sitz des geschlossenen Clips wird mittels
Ultraschall kontrolliert. Bei optimaler Position
und verbesserter Funktion der Klappe wird
der Clip freigesetzt. Manchmal kann dadurch
sogar eine anstehende, große Herzoperation
mit Eröffnung des Brustkorbes und Einsatz der
Herz-Lungen-Maschine vermieden werden.
„Der Clip ist eine sinnvolle Ergänzung unserer
heutigen, sehr guten operativen Möglichkeiten
zur Behandlung der Mitralinsuffizienz“, so
Prof. Andreas May. Welche Behandlungsform
sich für den jeweiligen Patienten und sein
Krankheitsbild am besten eignet, wird von
den Kardiologen in enger Zusammenarbeit mit
den Herzchirurgen des Uniklinikums individuell
abgestimmt.
Robotorgestütztes Herzkathetersystem im Einsatz
Tübinger Kardiologen behandeln komplexe
Rhythmusstörungen mit innovativem Verfahren
Die Kardiologen des Tübinger Uniklinikums behandeln seit kurzem komplexe Herzrhythmusstörungen mit Hilfe eines Robotor-gestützten
Herzkathetersystems. Das innovative Verfahren
macht es möglich, Patienten mit Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern genauer, wirkungsvoller und strahlungsärmer zu therapieren.
Die herkömmliche Therapie von Herzrhythmusstörungen stellt auch für den erfahrenen Kardiologen eine handwerkliche Herausforderung
dar. Mit dem Katheter muss er die für die
Rhythmusstörungen ursächlichen Herzmuskelfasern im schlagenden Herzen lokalisieren und
veröden, was man in der Medizin als „Ablation“
bezeichnet. Für eine erfolgreiche Ablation ist viel
Erfahrung nötig, denn nur ein stabiler Kontakt
zwischen Katheterspitze und der Innenseite des
schlagenden Herzens führt zu optimalen Ergebnissen für die Patienten.
Bei dem neuen Robotik-gestützten Verfahren
führt der Arzt den Katheter nicht mehr direkt
mit seinen Händen, sondern steuert ihn per
Computer im Herzen des Patienten. „Die Verfeinerung der Handbewegungen des Operateurs
durch das System ermöglicht eine äußerst exakte
Bewegung des Katheters“, erklärt Prof. Meinrad
Gawaz. Dabei teilt das System dem Arzt durch
Vibration den Anpressdruck des Katheters mit.
Das eröffnet dem Kardiologen die Möglichkeit,
bei der kardialen Ablation noch feiner und
damit auch präziser zu arbeiten. Priv.-Doz. Dr.
Jürgen Schreieck: „Das Verfahren ist ideal. Es
ist genauer, sicherer und damit schonender für
den Patienten.“
KLINIKFORUM
03
Medizinische Genetik
Lokalfernsehen
Ramses wartet noch
UKT-Gesundheitsmagazin
auf RTF.1
Tübinger Molekulargenetiker entlockt ägyptischen Pharaonen-Mumien ihre Geheimnisse
Der Ansturm der Medien war gewaltig, als im
Februar eine Forschergruppe die Ergebnisse
ihrer Genanalysen an der Mumie des Pharaos
Tutanchamun und seiner Familie veröffentlichte.
Mittendrin war Dr. Carsten Pusch vom Tübinger Institut für Humangenetik. Zusammen mit
Albert Zink von der Europäischen Akademie in
Bozen, der auch schon der als „Ötzi“ bekannt
gewordenen Gletschermumie zu Leibe gerückt
war, und ägyptischen Wissenschaftlern arbei-
tete Pusch in einem Forschungsprojekt an der
Aufklärung der Verwandtschaftsverhältnisse in
Tutanchamuns Sippe.
Zwei eigens in Kairo gebaute Labore, modernste
Methoden der DNA-Analyse und die Begeisterung der Forscher führten zu spektakulären Erkenntnissen: Tutanchamun konnte als Sohn von
„Ketzer-Pharao“ Echnaton identifiziert werden,
seine Mutter war gleichzeitig seine Tante, die
so genannte „jüngere Dame aus Grab KV35“
– und wohl nicht die legendäre
Nofretete, wie bislang vielfach
vermutet. So konnte zum ersten Mal ein Fünf-GenerationenStammbaum für diesen Teil der
Dynastie aufgestellt werden.
Die Ergebnisse der Genetiker
widersprechen zudem der These, dass Tutanchamun einem
Mord zum Opfer gefallen sei.
Sie wiesen den Erreger der
schwersten Form der Malaria
an der Mumie ebenso nach wie
eine schwere Knochenkrankheit am linken Fuß.
„Es gibt zeitgenössische Papyri
Die Anleitung einheimischer Wissenschaftler gehörte zu den Aufgaben
mit Rezepten für Substanzen
von Dr. Carsten Pusch in Kairo. Dr. Somaia Ismail (links) und Amal
gegen Schmerzen und Fieber,
Ahmed (rechts) sind immer noch dort tätig, Rabab Khairat (Zweite von
in denen genau die Samenarten
links) arbeitet derzeit vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst
finanziert im Labor der Tübinger Molekulargenetiker.
genannt werden, von denen
allein 44 Körbe in Tutanchamuns Grabkammer
gefunden wurden“, schlägt Pusch den Bogen zu
Fragestellungen benachbarter Disziplinen. Auch
dass Tutanchamun auf vielen Abbildungen im
Sitzen dargestellt wird, kann Pusch erklären. Ein
Klumpfuß und fehlende Zehen in Kombination
mit der Knochennekrose dürften seiner Erscheinung wenig Majestätisches verliehen haben. „Er
hat sich wohl kaum öffentlich auf zwei Beinen
gezeigt“, interpretiert Pusch die Ergebnisse.
Die überraschend gut erhaltenen Erbinformationen eröffneten ganz neue Ansätze in der
Erforschung von Krankheitserregern, ist der Privatdozent überzeugt. Aber auch Pharao-Folgegenerationen bis zu Ramses II. harren noch
der genetischen Untersuchung. Für Letzteren
begeistert sich Pusch besonders: „Seine Mumie
ist nach so langer Zeit immer noch vornehm
und kraftstrotzend zugleich anzusehen“, erzählt
er fasziniert. Zudem interessiert er sich für die
Konstitution des Königs, der mit 90 Jahren ein
für die damalige Zeit nahezu unvorstellbares
Alter erreichte.
In Ägypten hat der Kult um die modernen Mumienforscher inzwischen Paparazzi-Dimensionen
erlangt. Carsten Pusch ist es beinahe etwas
unheimlich, wenn er von begeisterten Ägyptern
Handküsse entgegennehmen darf. „Eigentlich
bin ich eher eine Laborratte, die gar nicht so
gerne in der Öffentlichkeit steht.“
Seit März gibt es das neue Gesundheitsmagazin
des UKT im Lokalsender RTF.1, das im Gebiet
Tübingen, Reutlingen und Zollernalb ausgestrahlt
wird. Einmal im Monat – sonntags direkt nach den
RTF.1-Nachrichten – sprechen Professoren des
Universitätsklinikums Tübingen über spannende
Medizinthemen und lassen Sie einen Blick hinter
die Kulissen des Krankenhauses werfen. Strahlentherapie, Geburtshilfe und Prostata waren
die ersten Themen. Schauen Sie mal rein! Unter
www.rtf1.de/programm/ werden die aktuellen
Sendungen jeweils angekündigt.
Falls Sie zu einem bestimmten Thema Fragen an
unsere Experten haben, können Sie eine E-Mail an
ukt-gesundheitsmagazin@rtf1.de schicken.
Sie haben eine Sendung verpasst? Im InternetPatientenportal des UKT (www.medizin.uni-tuebingen.de/Patienten/Wissenswert_von_A_bis_Z)
können sie die bisherigen Folgen in der Rubrik
„Fernsehbeiträge ansehen“ nachholen.
Moderatorin Olga Krämer mit Prof. Bamberg.
Taxiunternehmen F. Tolon
Wilhelmstr. 3, 72074 Tübingen
Krankenfahrten für alle Kassen
Dialysefahrten · Kindersitze auch für Babies
Vorbestellungen · Flughafentransfer
6-Sitzer Großraumtaxi
Kurierfahrten, Klimaanlage
Tolon
� (0 70 71) 143 86 02
Michael Haußmann
Im Hofstrütle 23
72074 Tübingen (Pfrondorf)
Telefon 0 70 71/8 38 44
Telefax 0 70 71/98 08 45
Elektroinstallationen
Beleuchtungstechnik
EDV-Netzwerktechnik
KLINIKFORUM
04
Kooperationsprojekt
Ein Gewinn für alle Seiten
Menschen mit Behinderung sorgen in der Medizinischen Klinik für frisch bezogene Betten
Gut gelaunte Mitarbeiter, die ihre Aufgaben
zuverlässig erledigen und sich jeden Tag aufs
Neue auf ihre Arbeit freuen – ein Idealfall. Bei
einem Integrationsprojekt an der Medizinischen
Klinik steckt noch viel mehr dahinter.
Vor fast genau einem Jahr startete die
Kooperation zwischen der Medizinischen Klinik
und dem Freundeskreis für Menschen mit
Behinderungen. Thomas Leibssle, Technischer
Leiter beim Gomaringer Freundeskreis, hat das
Projekt damals in enger Zusammenarbeit mit der
Pflegedienstleitung der Uni-Klinik angestoßen.
Heute sind die Mitarbeiter aus dem Freundeskreis
– Menschen mit geistiger Behinderung – aus
dem Arbeitsalltag an der „Med“ nicht mehr
wegzudenken. Bis zu acht Mitarbeiter sorgen
dafür, dass es auf den Stationen immer frisch
bezogene Betten gibt. Sie suchen selbstständig nach benutzten Betten auf den Gängen,
ziehen diese ab und bringen sie zur zentralen
Reinigungsstelle. Dazu müssen sie die Routen
über Gänge und Stockwerke genau kennen.
Außerdem sind sie in Hygiene und Arbeitsschutz
geschult. Ein Arbeitserzieher koordiniert die
Einsätze vor Ort und leitet die Helfer an, die
meistens in Zweierteams unterwegs sind.
Bis zu 100 Betten pro Tag sind zu machen, bis zu
Sichtlich mit Spaß bei ihrer Arbeit: Wolfgang Heiss (links) und Daniel Neu.
zehn Kilometer Laufwege kommen da schon mal
zusammen. Die gute Laune bleibt dabei nicht auf
der Strecke – im Gegenteil. Obwohl sie Tag für
Tag ein großes Pensum zu erledigen haben, sind
die Freundeskreis-Helfer immer mit Begeisterung
bei der Sache.
Kein Wunder also, dass Thomas Leibssle nach
einem Jahr ein mehr als positives Fazit zieht. „Das
Projekt ist ein großer Gewinn für alle Seiten“, sagt
er. In erster Linie für die Klienten des Gomaringer
Freundeskreises, für die der Außenarbeitsplatz in
einem richtigen Unternehmen ein großer Schritt
nach vorne ist: „Sie werden gebraucht und
das steigert das Selbstbewusstsein enorm.“ Die
Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal, das
durch den Einsatz der Helfer spürbar entlastet
wird, klappt hervorragend. Von dem Projekt
profitieren aber auch die Patienten: Die Zeit, die
die Pflegekräfte früher für das „Bettenmachen“
aufbringen mussten, können sie nun für die
Betreuung der Patienten einsetzen.
Strahlentherapie
Schmerzbehandlung
Wohnortnahe Versorgung für
Patienten in Sigmaringen
Das eigene Empfinden zählt
Die Uniklinik für Radioonkologie hat eine Bestrahlungseinheit im Krankenhaus in Sigmaringen
eröffnet. Damit wird die wohnortnahe Versorgung von Krebspatienten aus dieser Region
ermöglicht.
Die Strahlentherapie wird in erster Linie zur
gezielten Bekämpfung von Krebserkrankungen
eingesetzt, mit dem Ziel der Heilung oder zur
Linderung von tumorbedingten Beschwerden.
Prof. Michael Bamberg, Ärztlicher Direktor der
Tübinger Strahlentherapie: „Die Behandlungen
in Sigmaringen werden mit modernsten Geräten
nach dem neuesten Stand der universitären Wissenschaft durchgeführt.“ Prof. Rainer Souchon
und sein Stellvertreter, Privatdozent Dr. Christian
Weißenberger, leiten die Sigmaringer Zweigstelle
Starke Schmerzen werden von schwer kranken berkurve, die der behandelnde Arzt bei der Visite
Patienten als existenzielle Bedrohung wahr- sofort im Blick hat und in der Therapie berücksichgenommen. Sie gehen an die Substanz – im tigen kann“, erläutert Dr. Barbara Schlisio. Steigt
übertragenen wie im wörtlichen
der Schmerz auf der Skala über
Sinne. Denn inzwischen ist wiseinen festgelegten Wert, dann
senschaftlich belegt, dass sie die
ist eine zusätzliche so genannte
Komplikationsrate zum Beispiel
Bedarfsmedikation angezeigt. Sie
nach Operationen erhöhen könist bereits im Stufenschema ärztnen. Der Vorstand des Tübinger
lich festgelegt und darf innerhalb
Universitätsklinikums hat deshalb
bestimmter Grenzen selbständig
das Klinik übergreifende Projekt
durch die Pflegemitarbeiter ver„Schmerzmanagement am UKT“
abreicht werden. Plötzlich verins Leben gerufen, das derzeit Zug
stärkte Schmerzen treten zumeist
um Zug auf allen UKT-Stationen
am Abend und in der Nacht auf.
umgesetzt wird.
Verzögerungen, die bisher durch
„Das Ziel ist, dass künftig kein
die Konsultation des Dienstarztes
Patient mehr aus dem Aufwach- Dr. Barbara Schlisio
entstanden, entfallen nun.
raum kommt, ohne dass ein StuLeitlinien und Behandlungsgrundfenschema für seine postoperative Schmerzthe- sätze zu den modernen Schmerztherapieverfahren
rapie bestimmt ist“, sagt Dr. Barbara Schlisio. sind Teil des Skriptes „Schmerzmanagment am
Die Oberärztin leitet seit Oktober vergangenen UKT“, das von einer interdisziplinären ArbeitsJahres den Bereich Schmerztherapie an der Klinik gruppe erarbeitet wurde. Die darin enthaltenen
für Anästhesiologie und Intensivmedizin am UKT. Vorgaben sind für alle UKT-Stationen verbindlich.
Zuvor war sie am Schmerz- und Palliativzentrum Auf das laufend aktualisierte Skript können alle
der Berliner Charité tätig.
Mitarbeiter jederzeit über die Wissensdatenbank
Kernstück des Tübinger Projekts ist die Erfassung zugreifen. Eine besondere Einrichtung am UKT ist
und „Messung“ von Schmerzen, und zwar bei auch der „Rund-um-die-Uhr-Schmerzdienst“. Ausallen Patienten am UKT. „Schmerz ist immer gebildete Schmerzschwestern und ein ärztlicher
subjektiv und wird deshalb unterschiedlich wahr- Dienst sind über Funk erreichbar und versorgen
genommen“, so Dr. Schlisio. Deshalb werden die Patienten, die zum Beispiel mit einer SchmerzpumPatienten gebeten, ihr aktuelles Schmerzempfin- pe behandelt werden. Sie suchen diese Patienten
den auf einer Skala von null bis zehn anzugeben. zweimal täglich auf und stehen zur Beratung
Nicht alle Patienten können sich verbal äußern: zusätzlich zur Verfügung. Schmerznotfälle und
Für intubierte Patienten, kognitiv eingeschränkte Tumorschmerzpatienten können so kompetent
Personen oder Kleinkinder werden deshalb beob- rund um die Uhr versorgt werden.
achtende Verfahren angewandt, die Rückschlüsse Schmerzfreiheit kann auch das Schmerzmanageauf das Schmerzempfinden zulassen. Dazu zählen ment-Projekt des UKT den Patienten nicht garandie Kommunikation über Gestik und Mimik, der tieren, aber: „Es gibt grundsätzlich für jede Art
Muskeltonus, aber auch die nonverbale Abwehr akuter Schmerzen eine Therapie. Unser Ziel ist
von Pflegemaßnahmen.
ein möglichst schmerzarmer Klinikaufenthalt“,
„So erhalten wir Messreihen wie bei einer Fie- verspricht Dr. Barbara Schlisio.
und bieten eine enge Kooperation mit den zuweisenden Ärzten und den medizinischen Abteilungen in Sigmaringen und Tübingen an.
Patienten, deren Erkrankung eine Strahlentherapie erfordert, stellen sich in den Ambulanzsprechstunden der Klinik für Radioonkologie in
Tübingen vor. Hier erfolgen im Anschluss an die
detaillierten Untersuchungen die Planung und die
weiteren Vorbereitungen für die Bestrahlungsbehandlungen, die dann vor Ort in Sigmaringen
durchgeführt werden. Bei den sich oft über einen
längeren Zeitraum erstreckenden Bestrahlungen
erspart dies den Patienten lange Wege und Fahrtzeiten. Die nach Abschluss der Bestrahlungsbehandlung erforderlichen Untersuchungen werden
wieder am Uniklinikum Tübingen durchgeführt.
Kathrin Jacobi (MTA), Juliane Schmidt (MTA), Physiker Jussi Moog, Prof. Michael Bamberg, Prof. Rainer
Souchon und Privatdozent Dr. Christian Weißenberger sind für die Patienten in Sigmaringen und deren
Sorgen und Wünsche da.
UKT-Projekt sorgt für schnelle Reaktion bei akuten
Schmerzen
KLINIKFORUM
05
Freudenstadt
ist Lehrkrankenhaus
Neu am UKT: Unabhängige Patientenfürsprecher
Wir sind für Sie da!
Haben Sie ein Problem auf der Station? Sind Sie sich
über Ihre Rechte als Patient im Unklaren? Haben Sie
Wünsche, Verbesserungsvorschläge oder Grund zur
Beschwerde? Oder wollen Sie Lob und Anerkennung
weitergeben? Für all diese Anliegen stehen den
Patienten des UKT seit Februar dieses Jahres drei ehrenamtliche Patientenfürsprecher der Unabhängigen
Patientenberatung zur Verfügung. Sie helfen schnell,
unbürokratisch und unterliegen der Schweigepflicht.
Kontakt:
Crona Kliniken, Raum 129
(neben dem Andachtsraum)
Dienstag
von 11 bis 13 Uhr
Donnerstag von 16 bis 18 Uhr
oder nach Vereinbarung
Telefon 0 70 71 / 29-8 73 79
E-Mail: patientenberatung-tue@gmx.de
Porte-parole des patients
‫ﻣﻤﺜﻞ ﺍﻟﻤﺮﺿﻰ‬
Intercesor del paciente
Συνήγορος των
ασθενών
Perkrahesi i pacienteve
9^ZZ]gZcVbia^X]Zc
EVi^ZciZc[“ghegZX]Zg
]VWZc^bbZgZ^c
d[[ZcZhD]g[“g
Y^ZHdg\ZcdYZg
6cgZ\jc\Zckdc
EVi^ZciZc#Kdca^c`h/
9g#9dg^h7VgiZai"Gjio!
@a^c^`hZZahdg\Zg^#G#
EZiZg=~j›Zg!9g#Gji]
=“X`Za"LZc\#
Zaštitnik prava pacijenata
Hasta temsilcisi
Conciliatore
Patient ombudsperson
Mit einem Festakt unterzeichneten Geschäftsführer Rainer Schmidhuber und Dekan Prof.
Ingo Autenrieth im Februar den Vertrag mit den
Kliniken des Landkreises Freudenstadt (KLF) als
Akademisches
Lehrkrankenhaus der Universität Tübingen.
In Zukunft werden sich Tübinger Medizinstudenten auch
dort auf ihre
Zeit als Assistenzärzte vorbereiten können. Das
Praktische Jahr ist das letzte Jahr des Medizinstudiums und durch eine hohe Praxisausrichtung gekennzeichnet. Neben der Gewinnung
ärztlichen Nachwuchses spielt der medizinische
Nutzen, der der Bevölkerung zu Gute kommt,
eine herausragende Rolle in der Aufgabe als
Akademisches Lehrkrankenhaus. Prof. Michael Bamberg: „Zum einen wird universitäres
Know-how bei der Behandlung von normalen
Erkrankungsfällen die optimale Patientenversorgung vor Ort unterstützen. Komplexe, schwierige
und seltene Erkrankungen werden am Tübinger Universitätsklinikum versorgt werden können“, so der Vorstandsvorsitzende des UKT. Die
Landkreis-eigenen Krankenhäuser sind damit für
eine wohnortnahe Krankenversorgung bestens
gerüstet.
Durch ein spezielles Vorsorgeprogramm schließt das
Versorgungswerk Lücken in der sozialen Absicherung
der selbstständigen Handwerksmeister, ihrer Arbeitnehmer, Lehrlinge und Angehörigen.
KLINIKFORUM
06
Transplantation
Der Professor rät...
Eine neue Niere für Christian
Was tun bei einer
Pilzvergiftung?
Neue Behandlungsmethode erstmals gezielt eingesetzt
Dr. Joachim Riethmüller ist Facharzt
für Pädiatrie, Intensivmediziner, Lungenspezialist und zugleich passionierter
Pilzsammler. Zu Beginn der Sammel- Dr. med. Joachim
saison gibt er Tipps Riethmüller
zur Vermeidung und
Behandlung von Pilzvergiftungen.
Anfang März erhielt der sechsjährige
ma, ein Plan ausgearbeitet, um den
Christian am Tübinger Universitätsnierenzerstörenden Faktor im Blut
klinikum endlich eine neue Niere.
genau zu bestimmen und diesen mit
Was für die Transplantationsmedizin
einem Antikörper gezielt auszuschalinzwischen ein alltäglicher Vorgang
ten. Christian bekam drei Wochen
ist, bedeutete für ihn ein neues Lelang das Medikament als Heilversuch,
ben. Rund fünf Jahre wartete er auf
dann setzten ihn die Transplantatiseine Nierentransplantation. Nicht,
onsexperten des Uniklinikums auf
weil es keine für ihn gegeben hätte,
die Warteliste für eine Nierentranssondern weil er seit seinem neunten
plantation.
Lebensmonat an einer Krankheit litt,
Am 8. März war es soweit. Christian
die jede neue Niere sofort wieder
erhielt in einer sechsstündigen Operazerstört hätte. Parallel kam der kleition unter der Leitung von Prof. Alfred
ne Körper mit der jahrelangen DialyKönigsrainer, Ärztlicher Direktor der
se immer schlechter zurecht.
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und
Experten der Tübinger Uni-KinderTransplantationschirurgie die Nieklinik wandten bei Christian jetzt
re eines 23-Jährigen. Der erfahrene
Auf der Kinderstation war der Nintendo sein liebstes Spielzeug. „Wenn ich
erstmals gezielt ein Verfahren an, nach Hause darf“, so Christian damals, „wird es eine Party geben!“
Tübinger Transplantations-Chirurg
dass bisher weltweit nur in vier Notmusste dabei die im Verhältnis große
fällen bei Patienten mit drohendem
Niere in dem kleinen Kinderbauch
Nierentransplantatverlust zum Zuge kam: Mit Blut wandern über das Bauchfell in die Spüllö- unterbringen und den Harnleiter an der wineinem Antikörper blockierten die Ärzte den nie- sung, die dann regelmäßig gewechselt werden zigen, bisher nie genutzten, walnussgroßen
renzerstörenden Faktor in seinem Blut und er- muss. Bauchschmerzen und Entzündungen waren Blase anschließen. Die neue Niere nahm nach der
möglichten ihm Anfang März die lebensrettende an der Tagesordnung, so dass die Kindernephro- Operation ihre Funktion problemlos auf. Einige
Transplantation. Alle 14 Tage muss er wahrschein- logen auf die normale Dialyse umstellen mussten. Tage später konnte der kleine Patient bereits
lich lebenslang dieses – bisher dazu noch nicht Auch hier waren der ärztlichen Kunst, möglicher- wieder auf die Normalstation verlegt werden.
zugelassene – Medikament nehmen. Inzwischen weise auch bedingt durch die Bluterkrankung, Jetzt musste Christian lernen, auf normalem
ist Christian wohlauf und wieder zuhause.
bald Grenzen gesetzt: Die für die Dialysezugänge Weg „Pipi“ zu machen, und die Blase, die nach
18 Kilo wog der Sechsjährige, als die Tübinger erforderlichen Venen wurden nach und nach der Transplantation erst fünf Milliliter fasste,
Ärzte sich zu dem ungewöhnlichen Vorgehen unbrauchbar, Thrombosen traten auf. Christian vergrößerte sich langsam wieder.
entschlossen. Die Lage hatte sich nach fünf musste wieder zur Bauchfelldialyse zurückkehren, Heute kann Christian ein fast normales Leben
führen. Oberarzt Dr. Oliver Amon und Dr. MarJahren Dialyse zugespitzt. Am Anfang setzten die er nach wie vor schlecht vertrug.
die Ärzte auf die Bauchfelldialyse, die der Kleine In dieser außergewöhnlichen Situation wurde, cus Weitz, die behandelnden Ärzte von der Uniaber schlecht vertrug. Bei der Bauchfelldialyse zusammen mit den Kinder-Hämatologen der Kinderklinik, freuen sich über die Fortschritte
wird eine Flüssigkeit über einen Dauerkatheter Tübinger Uni-Kinderklinik, einem Speziallabor ihres kleinen Patienten, der regelmäßig zur
im Bauchraum platziert, die Giftstoffe aus dem für Blutuntersuchungen und der Herstellerfir- Kontrolle kommt.
Zentrum für seltene Erkrankungen
Vom Rand in den Mittelpunkt
HSP-Patient befasst sich seit einigen Jahren intensiv mit der Erkrankung
Die schwierigsten Skipisten sind mit schwarzen
Symbolen markiert. Für Rudolf Kleinsorge konnten die Abfahrten nicht schwarz genug sein. Der
sportliche Bauingenieur stand mit beiden Beinen
im Beruf und hatte seinen Lebensweg klar vor
Augen. Praktisch mit seinem 30. Geburtstag
begann sich alles zu ändern. Die Kontrolle über
seine Beine fiel immer schwerer, irgendwann
stellte er notgedrungen alle sportlichen Aktivitäten ein. Mit 45 Jahren musste er schließlich
seinen Beruf aufgeben, weil Baustellenbesuche
unmöglich geworden waren.
Was Rudolf Kleinsorge allmählich um seine
Beweglichkeit brachte, konnte ihm niemand
sagen. Von Arzt zu Arzt, auch im Ausland, war
er auf der Suche nach Hilfe gelaufen, insgesamt
zwölf lange Jahre. Dann stand die Diagnose endlich fest: Hereditäre Spastische Spinalparalyse,
kurz HSP, eine genetisch bedingte Erkrankung,
die bestimmte Nervenzellen im Rückenmark
degenerieren lässt. Heute benutzt Kleinsorge
zwei Krücken, für längere Strecken manchmal
auch einen Rollstuhl.
Dass es wichtig ist, offen mit der Erkrankung
umzugehen und sich mit anderen Betroffenen
auszutauschen, hat Kleinsorge dazu bewogen,
2004 Gründungsmitglied der „HSP-Selbsthilfegruppe Deutschland e.V.“ zu werden, deren
Vorsitzender er heute ist. Die HSP zählt zu
den so genannten „seltenen Erkranmotiviert und sehr kompetent“ auf
kungen“, an denen laut Definition
diesem Gebiet: „Gerade bei den
weniger als fünf von 10 000 Menseltenen Krankheiten können sich
schen leiden. 8 000 seltene KrankForscher recht schnell einen Namen
heiten werden heute diagnostiziert,
machen und Forschungsergebnisse
bis zu vier Millionen Menschen sind
liefern, die wegweisend sind.“
allein in Deutschland von einer solSein Verein arbeitet bereits seit
chen Erkrankung betroffen. Viele
geraumer Zeit mit den UKT-Spezisind noch kaum erforscht.
alisten zusammen – zum gegenIm Januar wurde am Universitätsseitigen Nutzen. „Wir tragen dazu
Rudolf
Kleinsorge
klinikum Tübingen das bundesweit
bei, dass sich genügend Patienten
erste Behandlungs- und Forschungsfinden, die an Studien teilnehmen“,
zentrum für seltene Erkrankungen (ZSE) gegrün- nennt er ein Beispiel. Auch finanziell unterstützt
det. Unter den Gästen der Eröffnungsfeier waren die HSP-Selbsthilfegruppe die Entwicklung neuer
Eva Luise Köhler, Ehefrau des Bundespräsi- diagnostischer und therapeutischer Möglichdenten, und der Patientenbeauftragte der Bun- keiten. Er meint: „Gemeinsam können wir Wege
desregierung, Wolfgang Zöller. „In der Summe finden, die Forschung weiter nach vorne zu
sind die Krankheiten äußerst relevant“, betonte bringen und den Menschen in den Mittelpunkt
Prof. Olaf Riess, Vorstandssprecher des ZSE. zu stellen“.
Behandlung, Therapie und Forschung verlangen
die enge Zusammenarbeit von Spezialisten vieler Weitere Informationen zur HSP-SelbsthilfegrupFachrichtungen. So ist auch die Spezialambulanz pe Deutschland gibt es unter www.hsp-verein.
für Hereditäre Spastische Spinalparalysen unter de. Dort sind auch ein Buch und eine DVD
Leitung von Prof. Ludger Schöls in der Neurologie über die Erkrankung und ihre Behandlungsmögin dieses Zentrum eingebunden.
lichkeiten erhältlich. Informationen über die
„Häufig wird geglaubt, dass seltene Erkran- Spezialambulanz für Spastische Spinalparalysen
kungen Stiefkinder der medizinischen Forschung am ZSE erhalten sie über Telefon 0 70 71 / 29sind“, sagt Rudolf Kleinsorge. Er selbst bezeichnet 8 51 65 oder E-Mail an rebecca.schuele-freyer@
die Wissenschaftler hierzulande als „hochgradig uni-tuebingen.de.
Was sollten Pilzsammler beachten, um
sich gar nicht erst in gefährliche Situationen zu bringen?
Noch häufiger als der Verzehr von Giftpilzen
sind Magenprobleme wegen der Verwendung
von zu alten oder falsch gelagerten Exemplaren, bei denen sich das Eiweiß zersetzt hat.
Deshalb sollten Pilze immer kühl und luftig
aufbewahrt und frisch zubereitet werden.
Außerdem sollten Sammler immer nur solche
Pilzsorten essen, die sie zweifelsfrei identifizieren können. Für Anfänger gilt: Keine
Lamellenpilze sammeln, sondern nur Röhrenpilze. Unter diesen gibt es lediglich zwei
giftige, aber nicht lebensbedrohliche Sorten.
Und wenn doch der Verdacht auf eine
Pilzvergiftung besteht?
Zunächst einmal gilt es, keine Zeit zu verlieren. Die Symptome einer Pilzvergiftung
treten frühzeitig genug auf, um entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten, im
Extremfall einer Knollenblätterpilzvergiftung
zum Beispiel eine Art Blutwäsche. Vergeht
aber zu viel Zeit, können Leber oder Niere
unwiederbringlich geschädigt werden. Bei
entsprechendem Verdacht sollte also sofort
ein Arzt oder eine Notfallambulanz aufgesucht werden. Auf keinen Fall sollte man sich
darauf verlassen, dass eine Vergiftung nach
einmaligem Erbrechen oder Durchfall ausgestanden ist. Besondere Eile ist bei Störungen
des vegetativen Nervensystems geboten.
Wie können die Pilze und damit das Gift
nachträglich identifiziert werden?
Anhand der Sporen, mit denen Pilze sich
vermehren, können Pilzsachverständige oder
Botaniker die Gattung sehr schnell feststellen. Deshalb sollten Reste, die beim Putzen
und Zubereiten von Pilzen anfallen, noch ein
paar Tage aufbewahrt werden. Zudem sind
die Symptome in der Regel recht typisch für
bestimmte Giftpilze, so dass Experten rasch
die richtige Therapie veranlassen können.
In Zweifelsfällen bringen laborchemische
Untersuchungen Klarheit.
Welches sind die häufigsten Verursacher von Pilzvergiftungen?
Überdurchschnittlich häufig betroffen sind
Spätaussiedlerfamilien aus den früheren
Sowjetrepubliken. Sie kennen sich in der
Regel sehr gut mit Pilzen aus. Ausgerechnet
der gefährlichste unter den hiesigen Giftpilzen, der Knollenblätterpilz, kommt aber in
ihrer früheren Heimat nicht vor und kann
mit Champignons oder Täublingen verwechselt werden. Kein Problem ist es übrigens
entgegen einer weit verbreiteten Meinung,
ein Pilzgericht wieder aufzuwärmen – vorausgesetzt, es wurde gut durchgekocht und
es stand nicht länger als zwei Tage im
Kühlschrank.
KLINIKFORUM
07
Ausbildung
Krebs-Hotline
Mit Maske und Langstock
Offenes Ohr und
schnelle Information
für Patienten
Ein besonderer Unterricht in der Sehbehindertenambulanz des Klinikums
Leise klackert der lange weiße Stock auf dem Boden, während sich die junge Frau mit der schwarzen Augenmaske vorsichtig den Weg die Treppe
hinunter ertastet. Ein junger Mann begleitet sie,
der sie leise auf die eine oder andere Unebenheit
vor ihr aufmerksam macht. Die beiden sind Studenten, die gerade im Unterricht von Professor Susanne Trauzettel-Klosinski (im Bild rechts) üben,
wie sie Blinden und Menschen mit hochgradiger
Sehbehinderung im Alltag helfen können. „Mit
diesen Übungen möchte ich das Bewusstsein
der Studenten für die Situation sehbehinderter
Menschen wecken“, erklärt Trauzettel-Klosinski,
die Leiterin der Sehbehindertenambulanz und des
Low Vision Forschungslabors am UKT ist.
Ein normal Sehender könne nicht nachfühlen, wie
Sehbehinderte und Blinde ihren Alltag erleben,
denn sie kennen deren unterschiedliche Einschränkungen nicht. „Bei dem einen ist die Lesefähigkeit
verloren, aber er kann sich soweit recht gut alleine
zurechtfinden. Beim anderen ist dagegen die
Orientierung stark eingeschränkt“, erläutert Trauzettel-Klosinski. Um dies am eigenen Leib nachfühlen zu können, üben die Studenten auch mit
so genannten Simulationsbrillen, mithilfe derer
die verschiedenen Gesichtsfeldeinschränkungen
nachgeahmt werden. „Diese Brillen dürfen auch
die Angehörigen von Sehbehinderten aufsetzen,
für die es ebenfalls sehr hilfreich ist, zu wissen,
was ihren Familienmitgliedern möglich
ist und was nicht“,
sagt die Oberärztin.
Wie führe ich einen sehbehinderten
Menschen sicher und
ohne dass es theatralisch aussieht;
wie spreche ich ihn
richtig an; woran
erkenne ich, ob er
tatsächlich Hilfe benötigt; was bedeutet
es, sich einem Fremden anzuvertrauen:
„All das sind Dinge,
die die Studierenden
ohne viele Worte
sehr eindrucksvoll
lernen – sie machen
hier eine Erfahrung
fürs Leben, die sie
nicht mehr vergessen“, sagt die Professorin. Und sie lernen auch,
dass andere Sinne wie das Hören und Fühlen
eingesetzt werden können, um trotz Sehbehinderung eine gewisse räumliche Vorstellung zu
gewinnen.
Die künftigen Ärzte sind mit Spaß bei der Sache.
Und dass diese Schulung tatsächlich einen Unterschied im Umgang miteinander mache, zeige
auch die Rückmeldung seitens der Patienten der
Sehambulanz, die durchweg positiv sei.
Wer kennt das nicht? Man braucht eine
Auskunft und greift zum Hörer. Aber dann
hängt man in der Leitung, wird x-mal weiter
verbunden und spricht am Ende mit dem Anrufbeantworter. Das ist ärgerlich, wenn es um
den neuen Telefonanschluss geht, aber bitter,
wenn es um etwas so Einschneidendes und
Bedrohliches wie eine Krebserkrankung geht.
Am Tübinger Universitätsklinikum haben es
Ratsuchende in Sachen Krebs jetzt besser.
Sie können sich an den „Krebswegweiser
Tübingen“ wenden. Diese Hotline des Tübinger Tumorzentrums ist ein Service sowohl für
Patienten als auch für Ärzte und hilft, schneller
und direkter an die gewünschte Information
über ein bestimmtes Behandlungsverfahren
oder den kompetenten Gesprächspartner für
eine Zweitmeinungsanfrage zu kommen.
„Der Krebswegweiser soll eine Art Lotse sein“,
erläutert Prof. Diethelm Wallwiener, Direktor
des Tübinger Tumorzentrums. „Wichtig ist
uns, dass Ratsuchende von einer kompetenten Vermittlungsstelle gleich ans richtige
Ziel geleitet werden oder die Information bekommen, die nötig ist, damit sie den nächsten
Schritt tun können. Das erspart den Anrufern
Frust, und wir hoffen, dass auch Klinikabläufe
effizienter werden.“
Kontakt zum Krebswegweiser:
Telefon 0 70 71 / 29-8 70 00
krebswegweiser@med.uni-tuebingen.de
50 05 35
Fa. Holzinger
Kornhausstraße 6
72070 Tübingen
(0 70 71) 2 49 02
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Tel. 0 70 71-6 88 66
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www.rosecatering.de
KLINIKFORUM
08
Wer ist eigentlich...
Norbert Schwabbauer?
Impressum
Herausgeber:
Universitätsklinikum Tübingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Calwerstraße 7/1, 72076 Tübingen
klinikforum@med.uni-tuebingen.de
Redaktion und Gestaltung:
UHLAND2 – Agentur für PR,
Werbung und Neue Medien GmbH,
Uhlandstraße 2, 72072 Tübingen
Fotos: FotoReproGrafik (frg), iStockphoto,
Marie-Luise Koschowsky, Jakov (Wikipedia)
Texte: UHLAND2, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Universitätsklinikum Tübingen
Anzeigen: Wolfgang Dieter
Telefon 07071/934190, dieter@tagblatt.de
Druck: Deile Druck GmbH,
Sindelfinger Straße 5/2, 72070 Tübingen
Atmen ist lebensnotwendig – normalerweise eine
automatische körperliche Funktion. Nicht für jeden. Die Zahl an chronischen Lungenerkrankungen
(COPD) nimmt ständig zu – nicht zuletzt als Folge
des ausgeprägten Zigarettenkonsums in den vergangenen Jahrzehnten. Akute Verschlechterungen
mit zunehmender Atemnot können bei COPDPatienten eine Beatmungstherapie auf der Intensivstation notwendig machen. Um Infektionen
oder Komplikationen zu vermeiden, ist es aber
wichtig, diese Patienten so schnell wie möglich
wieder von der Beatmung wegzubekommen. Eine
zeitaufwändige Aufgabe, die zunehmend nach
Spezialisten verlangt. Einem Spezialisten wie Norbert Schwabbauer: Als langjähriger und erfahrener
Intensivpfleger entschloss er sich vor zwei Jahren
zu einer qualifizierenden Weiterbildung, seit 2009
ist er auf der Intensivstation der Medizinischen
Klinik als Atmungstherapeut im Einsatz – als bisher
einziger am UKT.
Sein Hauptaufgabenfeld umfasst alle Aspekte
der Beatmung und Beatmungsentwöhnung, dazu
kommen die medikamentöse Therapie, Sekretmanagement und Inhalationstherapie. „Meine Arbeit
auf der Intensivstation sehe ich im unterstützenden
Einsatz“, sagt Schwabbauer – quasi in einer
Schnittstellenfunktion zwischen Patient, Arzt und
Pflegepersonal. Die Kollegen der Pflege führen die
Beatmung in Zusammenarbeit mit dem ärztlichen
Team durch. Vor allem aber, wenn es um schwierige
Beatmungssituationen geht, ist das Spezialwissen
des Atmungstherapeuten gefragt. Bei Bedarf kann
er spezielle Beatmungsmanöver einleiten und somit das Team entlasten. Auch auf der Normalstation – mit Patienten, die nicht akut lebensbedrohlich
erkrankt sind – ist Norbert Schwabbauer tätig. Sein
umfangreiches Know-how kommt den Patienten
zugute. „Ich bin wieder leistungsfähiger“ oder
„ich habe keine Kopfschmerzen mehr“ – so oder
ähnlich lauten die Rückmeldungen, über sie sich
der Atmungstherapeut natürlich freut.
Neben seinem Einsatz auf der Intensivstation des
UKT unterrichtet der 43-Jährige in der Fachweiterbildung des UKT, hält Vorträge und hat ein Buch
herausgegeben. Bleibt dabei noch Zeit für ein Hobby? „Ja, für meine Familie!“ sagt der zweifache
Vater. Und im Urlaub sucht er den Ausgleich in der
Natur – dann geht’s in die Berge.
In unseren neu gestalteten
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