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Leben dank Spende: Wie am UKL Organe transplantiert werden

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GESUNDHEIT
UND MEHR...
19/08 DAS PATIENTENMAGAZIN DES
UNIVERSITÄTSKLINIKUMS LEIPZIG
Vorsorge:
Gesundheit startet
im Mund …8
Leben dank Spende:
Wie am UKL Organe
transplantiert werden
Seiten 4 und 5
IHR
PER
SÖN
GRA
LICH
TISES
EXE
MPL
AR
Foto: dpa
Auszeichnungen:
Namhafte Preise
für Uni-Mediziner …3
2
MELDUNGEN | KOPF DER WOCHE
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
INHALT
KOPF DER WOCHE
Ben Bernanke, US-Notenbankchef
ieder musste Ben Bernanke
zu Hilfe eilen, diesmal dem
ins Trudeln geratenen USVersicherungsriesen AIG. Viel Zeit
zur Vorbereitung auf den Job als
Feuerwehrmann an der Finanzkrisen-Front hatte er nicht: Gerade
eineinhalb Jahre waren seit seinem
Amtsantritt als neuer Chef der USNotenbank vergangen, da brach im
Sommer 2007 die Immobilien- und
Kreditkrise erst über die USA und
dann über den Rest der Welt hinein.
W
Klinikum intern
Neues aus der
Uniklinik Leipzig . . . . . . . . . 3
Report
Weiterleben
dank Organspende . . . . . . . 4/5
Klinikum 2008
Wo kranke Kinder
lernen dürfen . . . . . . . . . . . . 6
Anfangs von der Wall Street wegen
angeblich zu träger Reaktion heftig
gescholten, zog der frühere Wirtschaftsprofessor inzwischen alle Register, senkte rapide den Leitzins
und setzte ein Füllhorn neuer, maßgeschneiderter Instrumentarien ins
Werk, damit die größte Volkswirtschaft der Welt nicht in den Abgrund schlittert. Zwar sind die Turbulenzen nicht ausgestanden, doch
zollt ihm die Fachwelt Respekt.
Klinikum 2008
Mangel an Zuwendung
macht Kinder krank . . . . . . . . 7
Klinikum 2008
So bleibt der Mund gesund . 8
Ratgeber
Wäsche mit
Effizienz trocknen . . . . . . . . 9
Politik I Wirtschaft
Wächterhäuser machen
bundesweit Schule . . . . . . . 10
Foto: AFP
Reise
Italien . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Kultur
Anne-Sophie Mutter
im Interview . . . . . . . . . . . . . . 12
Unterhaltung
Die Auflagen-Königin
aus Sachsen . . . . . . . . . . . . . . 13
Prävention
Rheumaliga bietet
Hilfe für Betroffene . . . . . . . . . 14
Wellness & Beauty
Entspannen leicht gemacht. . 15
Kinderseite
Fässchen voller Vitamine . . 16
Jugend
Musik: Newcomer Sina im
Interview . . . . . . . . . . . . . . . 17
Ihr Geld, ihr Recht
Aus Freibetrag
wird Pauschbetrag . . . . . . . . 18
Soziales
Generationen: Nicht mehr
länger allein . . . . . . . . . . . . . . 19
MELDUNGEN
Großdemo für Krankenhäuser
as „Aktionsbündnis zur Rettung der Krankenhäuser“ erwartet zur
Großdemonstration der Krankenhaus-Beschäftigten in Berlin rund
60 000 Teilnehmer. Die Kundgebung am Brandenburger Tor am 25.
September werde damit die größte Demo der Krankenhäuser in der Geschichte der Bundesrepublik, sagte Ellen Paschke von der Gewerkschaft
ver.di. Das Aktionsbündnis fordert erneut von Bund und Ländern mehr
Geld für die Kliniken. Die von der Bundesregierung für 2009 angekündigten drei Milliarden Euro zusätzlich für die Krankenhäuser entsprächen der Summe, die den Kliniken ohnehin gesetzlich zustünden. Es bestehe aber eine Finanzierungslücke von 6,7 Milliarden Euro, so Georg
Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft.
Den Gesetzentwurf, den Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt
(SPD) zur neuen Krankenhausfinanzierung ab 2009 vorgelegt hat, bezeichnete der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich
Montgomery, als „Schamlappen“ für das Versagen der Politik.
epd
D
Mangel an Blutprodukten wird größer
inen immensen Mangel an Blutprodukten zur Patientenversorgung befürchten Transfusionsmediziner in den nächsten Jahren. Laut einer
E
Studie von Wissenschaftlern der Universität Greifswald fehlen in etwa fünf
Jahren rund 40 Prozent des benötigten Blutes, hieß es zu Beginn der Jahrestagung Europäischer Transfusionsmediziner. Dem wegen der zunehmenden Alterung der Gesellschaft enorm ansteigenden Blutbedarf stehe
eine stark sinkende Spendenbereitschaft jüngerer Menschen gegenüber,
erklärte Kongress-Präsident Rüdiger E. Scharf, Direktor des Instituts für
Transfusionsmedizin der Universität Düsseldorf. Um die Blutversorgung
zu verbessern, sprach sich der Transfusionsmediziner für eine Lockerung
des jetzt auf 68 Jahre festgelegten Spender-Höchstalters aus.
dpa
Sport
Der neue Schumi
heißt Vettel . . . . . . . . . . . . 20/21
Tumor-Beratungsstelle zieht um
Rätselseite . . . . . . . . . . . . 22
lichkeiten in der Philipp-Rosenthal-Straße 55 (alte Frauenklinik) um.
Während des Umzugs ist die Beratungsstelle geschlossen. Ab dem 22.
September stehen die Mitarbeiter den Patienten und Angehörigen zu
den gewohnten Öffnungszeiten (Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 16
Uhr) wieder zur Verfügung. Die Telefonnummern ändern sich nicht. ukl
Veranstaltungshinweise |
TV-Tipps . . . . . . . . . . . . . . 23
ie Beratungsstelle für Tumorpatienten und Angehörige der Abteilung Sozialmedizin am Universitätsklinikum Leipzig zieht seit dem
D
15. September und noch bis zum 21. September in ihre neuen Räum-
Bernanke wurde am 13. Dezember
1953 in Augusta (Georgia) geboren.
Höchste akademische Ehren pflastern den Lebensweg des Sohnes eines Apothekers und einer Lehrerin.
Das Wirtschaftsstudium an der Harvard-Universität schloss er mit Bestnote ab, vier Jahre später hatte er
seinen Doktortitel am renommierten Massachusetts Institute of Technology in der Tasche.
Fast 20 Jahre lehrte und forschte
Bernanke dann an der nicht minder berühmten Princeton-Universität, bevor er zur Federal Reserve
(Fed) wechselte. Der Wirtschaftswissenschaftler beschäftige sich vor
allem mit Geldpolitik. Zudem
schrieb er mehrere Bücher über
Makroökonomie und war mehrfach
Mitglied in Wirtschaftsgremien der
Regierung.
Entsprechend gab es reichlich Vorschusslorbeeren, als Präsident
George W. Bush Bernanke als Nachfolger des Fed-Chefs Alan Greenspan nominierte, aber nicht jeder
dürfte ihn beneidet haben. Von
übergroßen Fußstapfen war da die
Rede. Die Skeptiker sind inzwischen
verstummt. Mit Bernanke, wird erzählt, sei auch ein neuer Stil in die
ehrwürdige Federal Reserve eingezogen.
Spontaner als unter Greenspan seien Fed-Sitzungen nun, es gebe
mehr Gelegenheit zum Austausch.
Anders als sein Vorgänger isst der
Baseball-Fan auch mal gerne in der
Caféteria der Notenbank zu Mittag
und plauscht dabei mit jüngeren
Ökonomen und Verwaltungsmitarbeitern. Angesichts der Finanzkrise
dürfte es für den Vater zweier Kinder in jüngster Zeit vermutlich dafür
aber kaum Gelegenheit gegeben haben.
dpa/frs
REIZTHEMA
Sind Raucher alles Kranke?
ie Bundesärztekammer fordert die Anerkennung von
Tabakabhängigkeit
als
Krankheit. Eine Bewertung als
Lifestyle-Problem, das durch reine Willensanstrengungen oder
Gruppengespräche zu beheben
wäre, werde dem Problem nicht
gerecht, zitieren die Dortmunder
Ruhr Nachrichten aus einer Stellungnahme zur Expertenanhörung der Bundesregierung zum
Thema Tabak- und Alkoholprävention.
D
Demnach fordert die Ärztekammer den Gemeinsamen Bundesausschuss auf, Tabakabhängigkeit als Krankheit anzuerkennen
und entsprechende vergütungsrechtliche Rahmenbedingungen
für eine Behandlung zu schaffen.
Bei der Mehrzahl der Raucher
handle es sich um „Abhängigkeiterkrankte“, was verkannt werde.
Die Bundesärztekammer kritisierte Vorschläge des Drogenund Suchtrates, wonach Ärzte
Patienten lediglich gezielt auf
Nichtraucherkurse ansprechen
sollen. Solche Kurse seien „regional kaum verfügbar“ und erreichten „überwiegend Versicherte
mittlerer und höherer Schichten“, in denen es weniger Raucher gebe, heißt es in der dem
Blatt vorliegenden Stellungnahme. „Besonders großen Hand-
lungsbedarf“ sehen die Ärzte
demnach bei der Prävention an
Haupt- und Berufsschulen.
Die Forderung der Bundesärztekammer stößt beim Spitzenverband der Krankenkassen auf Ablehnung. „Wir sehen hier keinen
besonderen Vergütungsbedarf“,
sagte Verbandssprecher Florian
Lanz der Frankfurter Rundschau.
Beratungsgespräche rund ums
Rauchen gehörten „selbstverständlich zu den Kernaufgaben
insbesondere der Hausärzte“ und
würden innerhalb bestehender
Pauschalen vergütet. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung,
Sabine Bätzing (SPD), äußerte
sich zurückhaltend.
Lanz verwies darauf, dass die
Kassen sich bereits sehr engagierten, indem sie Gesundheitschecks und Spezialprogramme
zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes
finanzierten. Bätzing sagte, es sei
schwierig, Raucher als krank
oder süchtig einzustufen. Dazu
sei eine genaue Differenzierung
notwendig. Mit dem Vorschlag
der Bundesärztekammer müsse
man sich nun auseinandersetzen.
Sie sprach sich dafür aus, zunächst bestehende Tabak-Entwöhnungsprogramme besser zu
verbreiten und besser darüber zu
informieren.
dpa/afp
KLINIKUM INTERN
3
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
AUSZEICHNUNG I
EDITORIAL
Hohe Ehrung für UKL-Kinderärztin
berärztin Dr. Antje
Körner aus der
Universitätsklinik
für Kinder und Jugendliche des Universitätsklinikums Leipzig erhielt den
renommierten AdalbertCzerny-Preis der Deutschen Gesellschaft für
Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ). Er
wurde 1963 anlässlich
des 100. Todestages
Adalberts Czernys, eines
der Begründer der modernen Kinderheilkunde,
gestiftet. Mit dem Adalbert-Czerny-Preis werden besondere wissenschaftliche
Leistungen
auf dem Gebiet der gesamten Kinderheilkunde
ausgezeichnet.
O
Dr. Antje Körner, die
die Ehrung auf der
diesjährigen Jahrestagung der Gesellschaft
am 11. September in
München
entgegennahm, erhielt den Preis
vor allem für ihre wissenschaftliche
Arbeit
auf dem Gebiet der Adipositas, für die die Klinik eine spezielle Expertise entwickelt hat.
Sie untersucht die Entstehung von Adipositas
und deren Folgeerkrankungen bei Kindern
und die Rolle des Fett-
„Ich bin sehr glücklich,
dass die Jury meine Arbeit unter den zahlreichen Bewerbern ausgewählt hat“, freut sich die
Dr. Antje Körner erhält in München den Adalbert-Czerny-Preis der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ).
Foto: Michael Wölke, DGKJ.
gewebes selbst hierbei,
in einem Ansatz, der
klinische Studien, experimentelle Forschung
und genetische Assoziationsstudien vereint.
Wissenschaftlerin
und
Oberärztin. „Das ist eine
schöne Bestätigung für
unsere
Forschungsarbeit, die mir unheimlich
Spaß macht, die aber
AUSZEICHNUNG II
Drachter-Preis an
Uni-Mediziner
er höchste Preis der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie, der RichardDrachter-Preis, geht in diesem
Jahr nach Leipzig. Dr. Roman
Metzger aus der
Klinik für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums
Leipzig erhielt die
Ehrung auf der
Jahrestagung der
Gesellschaft
in
München.
Der
Preis wird alle
zwei Jahre für herausragende wissenschaftliche
Leistungen
auf
dem Gebiet der
Kinderchirurgie
verliehen.
D
auch sehr aufwändig
und manchmal mühsam
ist.“ Der Direktor der Klinik, Prof. Dr. Wieland
Kiess, bekräftigt: „Frau
will er die Tür für medikamentöse Behandlungen bei Störungen
des Harntransports öffnen, die
die häufigste Ursache für Nierenfunktionsstörungen und Niereninsuffizienz bei
Kindern sind. Im
Rahmen
seiner
Forschungsarbeit
konnte er nicht
nur das Vorkommen des Rezeptors und erste
Funktionsmechanismen beschreiben, sondern entdeckte auch neue,
bisher völlig unbekannte Zelltypen.
Richard Drachter,
nach dem der
Preis benannt ist,
lebte von 1883 bis
Metzger
erhielt Dr. Roman Metzger
ihn für seine imFoto: ukl 1936 und war einer der bedeumunhistologische
und molekularbiologische For- tendsten Kinderchirurgen Euschung zum c-kit-Rezeptor im ropas. Der Preis wurde erstoberen Harntrakt, die ursprüng- mals 1974 vergeben. Bisher
lich der Frage nachging, wie der gibt es 16 Preisträger, unter ihHarn im Harntrakt transportiert nen auch Prof. Dr. Holger Till,
wird und welche Rezeptoren Direktor der Kinderchirurgie
und Erreger daran beteiligt des Universitätsklinikums Leipukl
sind. Mit seinen Forschungen zig.
Dr. Körner ist eine hervorragende Mitarbeiterin, der ich diese Anerkennung ihrer langjährigen Arbeit von Herzen
gönne.“
Für den Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Jürgen Meixensberger, ist die Auszeichnung Ausdruck der Leistungsfähigkeit der Arbeiten auf dem Gebiet der
Adipositas an der Medizinischen Fakultät und der
Universitätskinderklinik
Leipzig: „Die Auszeichnung ist ein weiterer Beweis dafür, dass an der
Fakultät mit der Adipositasforschung neue, erfolgversprechende Wege verfolgt werden.“
Auch Klinikumsvorstand
Matthias Wokittel gratuliert zur Auszeichnung:
„Eine Aufgabe universitärer Medizin ist es, die
Grenzen des Wissens immer weiter auszudehnen. Es ist wichtig, dass
Wissenschaftler und Ärzte diese Forschung maßgeblich gestalten. Frau
Dr. Körner hat gezeigt,
dass sie zu den besten
gehört – eine Auszeichnung für sie persönlich,
für die Kinderklinik und
letztendlich auch für die
Universitätsmedizin
Leipzig.“
Heiko Leske
AUSZEICHNUNG III
HNO-Oberarzt holt
Medaille und Tagung
r. Michael Fuchs, Ober- auch klinischen Schwerpunkt
arzt an der HNO-Klinik auf der Kinder- und Jugenddes Universitätsklini- stimme hat, organisiert inkums Leipzig und Leiter der zwischen zum siebten Mal
Abteilung
Stimm-/Sprach- das internationale Symposium Kinder- und
und HörstörunJugendstimme.
gen, erhielt auf
Er betreut als
der diesjähriArzt zahlreiche
gen JahrestaChöre, Sänger
gung der Deutund Schauspieschen
Geselller.
schaft für Phoniatrie
und
Die Gehard-KitPädaudiologie
tel-Medaille
(DGPP) die Gerwird in zweihard-Kittel-Mejährigem Turdaille.
Übernus von der
reicht
wurde
DGPP an diejedie
Medaille
nigen Wissenvon DGPP-Präschaftler verliesidentin Profeshen, die über
sor Antoinette
mehrere Jahre
am Zehnhoffhinweg
die
Dinnesen. Dr. Dr. Michael Fuchs
Fuchs
erhielt
Foto: ukl E n t w i c k l u n g
des Faches wedie Ehrung in
Würdigung seiner wissen- sentlich gefördert haben.
schaftlichen Arbeiten zur
Entwicklung der Kinder- und Fuchs ist es zudem gelungen,
die 26. Jahrestagung der
Jugendstimme.
Deutschen Gesellschaft für
Fuchs, der als ehemaliges Phoniatrie und Pädaudiologie
Mitglied des Thomanerchors (10. bis 13. September 2009)
ukl
einen wissenschaftlichen und nach Leipzig zu holen.
D
ehr geehrte Leserinnen,
sehr geehrte Leser!
S
Der Monat September ist in der Medizin traditionell der Monat großer
Kongresse und Fachtagungen. Ärzte
und Wissenschaftler treffen sich
zum Erfahrungsaustausch, stellen
neue Forschungsergebnisse vor und
diskutieren über aktuelle Entwicklungen in Diagnostik, Therapie, Nachsorge und auch der Gesundheitspolitik. Und sie nutzen diese Zusammenkünfte auch zum Leistungsvergleich, indem sie Preise ausloben,
mit denen sie die besten Teilnehmer
an wissenschaftlichen Wettbewerben auszeichnen.
Die ersten großen Kongresse und
Jahrestagungen des Septembers
2008 liegen inzwischen hinter uns
und die Universitätsmedizin Leipzig
konnte einige der begehrten Preise
holen. Von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
erhielt Oberärztin Dr. Antje Körner
aus der Kinderklinik den AdalbertCzerny-Preis, die höchste Auszeichnung, die die Gesellschaft vergibt.
Dr. Roman Metzger aus der Klinik für
Kinderchirurgie erhielt den RichardDrachter-Preis der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie. Auch dies
ist der höchste Preis für wissenschaftliche Arbeit, den die Kinderchirurgen vergeben. Die Gerhard-KittelMedaille der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie ging in diesem Jahr an Oberarzt
Dr. Michael Fuchs aus der HNO-Klinik für seine wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Kinderund Jugendstimme. Dr. Fuchs gelang
es außerdem, die nächste Fachtagung nach Leipzig zu holen.
Gratulation und Glückwünsche allen
Preisträgern!
Diese zahlreichen Ehrungen sind ein
deutlicher Beleg für die hohe wissenschaftliche Kompetenz der Leipziger
Universitätsmedizin und das Engagement der hier tätigen Mediziner.
Ihr
Matthias Wokittel
Medizinischer Vorstand
4
REPORT
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
Weiterleben dank einer Spende … –
or etwa 50 Jahren wurde
das erste Mal in der Geschichte erfolgreich eine
Niere von Mensch zu Mensch
transplantiert. Bis heute hat
sich die Transplantationsmedizin rasant weiterentwickelt,
mittlerweile können Nierentransplantationen via Internet
und TV live verfolgt werden
und gelten nicht mehr als
spektakuläre Eingriffe am Patienten. Neben dem erfolgreichen Verlauf der Operation
spielen Vor- und Nachsorge
bei einer Nierentransplantation eine immer wichtigere Rolle. Die größte Herausforderung für die Ärzte besteht darin, die Langzeitprognose der
transplantierten Patienten zu
verbessern.
V
Professor Tom Lindner leitet
die Sektion Nephrologie am
Leipziger Uniklinikum, er betreut dort Nierenpatienten vor
und nach einer Transplantation. Viele seiner Patienten mit
chronischem Nierenversagen
entscheiden sich nach oft jahrelanger künstlicher Blutwäsche, die dreimal wöchentlich
durchgeführt werden muss,
für die Nierentransplantation.
Meist haben sie einen vorgeschädigten Organismus, denn
nierenkranke Patienten entwickeln erhebliche Stoffwechselstörungen, die durch die Dialyse nur bedingt kompensiert
und zum Teil sogar noch verstärkt werden. So sind zum
Beispiel
Gefäßverkalkungen
häufige Folgeerscheinungen.
Die Einpflanzung einer neuen
Niere kann daher für diese Patientengruppe teilweise hohe
Risiken bergen. Trotzdem ist
die Lebenserwartung nierentransplantierter Patienten in
der Regel höher als bei Patienten, die lebenslang dialysiert
werden. Professor Lindner erklärt, warum: „Mit der Dialyse
werden nur maximal zehn
Prozent der normalen Nierenleistung ersetzt. Das heißt,
trotz der Dialyse sind die Patienten chronisch vergiftet.
Aber wegen der Dialyse können sie überleben. Selbst eine
transplantierte Niere, die nicht
voll funktionstüchtig ist, sondern nur gut funktioniert,
bringt noch immer eine bessere Leistung als die Dialyse,
weil sie kontinuierlich entgiftet
und Stoffwechselprozesse ersetzt, die über die Dialyse gar
nicht gewährleistet werden
können.“
Patienten, die transplantiert
werden wollen, müssen zunächst eine Reihe von Untersuchungen absolvieren, die ihre Eignung für eine Transplantation abklären. Im positiven
Fall werden die Patienten auf
eine Warteliste der Organisation Eurotransplant gesetzt, die
in
den
Benelux-Ländern,
Deutschland, Österreich, Slo-
wenien und Kroatien die Vermittlung von Spenderorganen
von Verstorbenen koordiniert.
In Deutschland arbeitet Eurotransplant eng mit der Deut-
plantation nicht mehr beeinflussen können.
Erfüllt die Niere alle Voraussetzungen für eine Verpflan-
den. So mancher Patient wurde schon zur Transplantation
eingeflogen“, berichtet Lindner. „In der Regel stehen die
Patienten aber Gewehr bei
Prof. Dr. Tom Lindner mit seinem Team bei der Visite auf der Dialyse-Station.
Fuß, vor allem, wenn sie schon
jahrelang auf eine passende
Niere warten. Meist kommt
der Anruf nachts. Trotz guter
Vorbereitung sind die Patienten dann doch sehr aufgeregt,
wenn es soweit ist.“
schen Stiftung Organtransplantation (DSO) zusammen.
Lebendspenden, also freiwillige Nierenspenden von Angehörigen, sind relativ selten,
weshalb die meisten Patienten
die Niere eines Verstorbenen
erhalten. Vereinfacht bedeutet
das: Irgendwo in Europa passiert ein tödlicher Unfall, die
Daten der Niere des Organspenders werden an Eurotransplant gesendet, wo dann
aus dem Warteregister der
passende Empfänger ausgesucht wird. Das geschieht nach
verschiedenen Kriterien, bei
denen unter anderem die Wartezeit einen gewichtigen Punkt
darstellt. Eurotransplant informiert anschließend die chirurgische Klinik der Universität
Leipzig, diese übernimmt zusammen mit dem DSO-Koordinator die weitere Logistik.
In der Regel übermittelt Eurotransplant gleich Eckdaten des
zur Verfügung stehenden Organs, die vom chirurgischen
Organentnahmeteam erstellt
werden, und des Spenders, damit die Transplantationschirurgen die Organqualität einschätzen können. Bereits an
dieser Stelle kann ein problematisches
„Organangebot“
noch abgelehnt werden. Durch
den Lebensstil der Menschen,
vor allem durch Übergewicht,
wenig Bewegung und falsche
Ernährung,
verlieren
die
Spenderorgane im Durchschnitt immer mehr an Qualität. Somit ist meist auch ihr
Überleben im neuen Organismus verkürzt – ein Problem,
das die Ärzte bei einer Trans-
Fotos: ukl
Die Position der Spenderniere
im Kleinen Becken.
zung, wird der Patient angerufen, um abzuklären, ob er momentan gesund und damit
transplantierbar ist. Der Anruf
der Klinik kann praktisch zu
jeder Tages- und Nachtzeit
kommen. Manchmal passiert
es, dass der Patient gar nicht
zu Hause ist, sondern zum Beispiel im Urlaub. Dann hat der
Arzt die Möglichkeit, Polizei,
Presse und ADAC zu informieren, um den Patienten so
schnell wie möglich ausfindig
zu machen. „Das kann mitunter recht abenteuerlich wer-
Nun schließt sich ein schwieriges Prozedere an. „Die Spenderniere muss oft kilometerweit transportiert werden –
von der Organentnahme bis
zur Neueinpflanzung kann so
eine lange Zeit vergehen. Je
länger die Niere außerhalb des
Organismus ist, desto größer
ist die Gefahr permanenter
Schäden, was wiederum einer
der Gründe dafür sein kann,
dass Leichennieren anfangs
weniger gut funktionieren als
die Nieren eines Lebendspenders, welche nur eine kurze
Transportzeit von einem OPTisch zum anderen haben. Allerdings muss ein langer
Transport nicht zwangsläufig
zum Versagen der Niere führen. Auch eine Niere, die 20
Stunden außerhalb des Körpers war, kann nach der
Transplantation sofort wieder
anspringen. „Das ist aber von
mehreren Parametern abhängig und damit leider nicht vorhersagbar“, erklärt Tom Lindner.
Wenige Stunden vor dem Eingriff wird der Patient durch eine letzte eingehende körperliche Untersuchung auf die
Transplantation
vorbereitet.
„Die Transplantationschirurgen schauen, ob offene Wunden da sind oder irgendwelche
Anzeichen für Infekte bestehen
und fertigen in einigen Fällen
noch einmal eine Beckenübersichtsaufnahme an, um den
Gefäßstatus für den Anschluss
der Spenderniere zu sehen“,
beschreibt der Oberarzt den
chronologischen Ablauf. Die
Untersuchung auf Infektionen
ist deshalb so wichtig, weil der
Patient bereits vor der Transplantation Medikamente bekommt, die seine Immunabwehr unterdrücken, damit das
Organ nicht gleich wieder abgestoßen wird. Diese Immunsuppressiva – Kortison, Antikörper und weitere Substanzen – können einen schon geschwächten
Patienten
gefährden, da sich das Immunsystem nicht mehr gegen jegliche Keime zur Wehr setzen
kann. War beim Gesundheitscheck alles in Ordnung, wird
noch ein so genannter „Crossmatch-Test“ durchgeführt. Damit wird überprüft, ob die
Spenderniere und der Empfänger zueinander passen. Hat ein
Empfänger in seinem Blut Antikörper, die gegen die Zellen
des Spenderorgans gerichtet
sind, darf die Transplantation
nicht durchgeführt werden.
Natürlich wird hierfür nicht
das Spenderorgan selbst benutzt, sondern in der Regel
Blut und Milzstückchen des
Spenders. Fällt auch dieser
Test zugunsten einer Transplantation aus, ist der umfangreiche OP-Vorbereitungs-Prozess abgeschlossen.
Die eigentliche Operation ist
für den Patienten meist das
zentrale Ereignis der Behandlung, gerade weil er sie unbewusst erlebt. Professor Lindner hingegen sieht in der erfolgreichen Nachsorge den
schwierigsten Bereich der
Transplantationsmedizin. „Die
Nierentransplantation
wird
heute in ihrer Gesamtheit nach
außen oft als Routine verkauft,
das ist sie aber nicht. Sicher
erfolgt die Operation routinemäßig. Aber nach der Transplantation kann es zu schweren Infektionssituationen kommen, meist ausgelöst durch die
Unterdrückung der Immunabwehr. Vor allem im ersten Jahr
nach der Transplantation ist
das Risiko für den Patienten,
an postoperativen beziehungsweise
immunsuppressiven
Komplikationen zu sterben,
viel höher als wenn der Patient
zum Beispiel an der Dialyse
bleibt. Hat er diese schwierige
Zeit gut überstanden, wird
über die Jahre hinweg sein Leben und Überleben deutlich
verbessert.
Einschränkend
muss aber darauf hingewiesen
werden, dass die immunsuppressiven Medikamente selbst
das Spenderorgan schädigen,
was leider kaum verhinderbar
ist, und außerdem über zehn
bis fünfzehn Jahre das Krebsrisiko erhöhen.“
5
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
… was vor und nach einer Nierentransplantation passiert
Auch die Leiterin der Transplantationsambulanz, Dr. Antje
Weimann, sieht beide Seiten
der Medaille. „Die Erfolgsquote
bei Transplantationen am Uniklinikum liegt sehr hoch – über
95 Prozent. 611 Nieren wurden hier bis zum heutigen Tag
transplantiert. Allerdings muss
auch gesagt werden, dass Patienten selbst nach zehn Jahren guter Verträglichkeit ihr
Transplantat wieder verlieren
können. Deshalb sollte jeder
Transplantierte schon bei geringsten Anzeichen von Beschwerden zu uns kommen
und sich durchchecken lassen.
In der Nachsorge haben wir
insgesamt ungefähr 500 Patienten, von denen manche nur
einmal pro Jahr kommen müssen, andere dagegen fast monatlich.“
Alle transplantierten Patienten
müssen ihr Leben lang Medikamente nehmen. Mittlerweile
kann das Kortison in der Regel
nach einem halben Jahr abgesetzt werden, so dass die Patienten mit einer Kombination aus
zwei Immunsuppressiva auskommen. Trotzdem schädigt die
Langzeiteinnahme der Medikamente zwangsläufig wieder die
transplantierten Nieren. Diesen
Teufelskreis versucht man zurzeit
in Studien zu durchbrechen. Die
Ziele der Forschung liegen vor allem darin, die Risiken der Immunsuppression zu senken und
auf lange Sicht zu erreichen, dass
die Patienten nach der Transplantation irgendwann ganz ohne Medikamente leben können.
Ob und wie intensiv die Transplantierten auf ihre Ernährung
achten müssen, hängt von der
Funktionstüchtigkeit der neuen
Niere ab. Ist diese geschwächt,
muss der Patient wie bei einer
chronischen Nierenerkrankung
möglichst salz- und eiweißarm
ten Infektionsschutz zu achten,
weshalb sie in der kalten Jahreszeit große Menschenansammlungen meiden sollten.
Die Gefahr einer Ansteckung
dürfe nicht unterschätzt werden, mahnt Professor Lindner.
„Infekte bei Transplantierten
tödlich verlaufen kann, wenn
man nicht rechtzeitig darauf
reagiert.“
Große Angst haben viele Patienten
immer noch davor, dass es zu einer Abstoßung der neuen Niere
kommt. Je nach Schweregrad der
Transplantation einer Spenderniere am Universitätsklinikum Leipzig.
essen. Bei einem guten Zustand
des eingepflanzten Organs kann
er eigentlich alles essen, was er
möchte. Meist darf auch jede Art
von Sport getrieben werden, die
Patienten sollten dabei aber
mehr trinken als nichttransplantierte Freizeitsportler.
Besonders wichtig ist es für
Transplantierte, auf einen gu-
sind für uns immer Notfälle.
Wenn die Patienten merken,
dass sie Fieber haben, sollten
sie keinesfalls erst ein paar Tage abwarten, sondern sofort die
Trans p lantati ons amb u lanz
kontaktieren. Das Fieber hängt
möglicherweise mit der Immunsuppression zusammen –
die Patienten können eine Lungenentzündung entwickeln, die
Foto: ukl
Abstoßungsreaktion können die
Ärzte mittlerweile in den meisten
Fällen das transplantierte Organ
erhalten. Nach den Erfahrungen
Lindners in der Nephrologie der
Uniklinik steht die Abstoßung
nicht mehr an erster Stelle der lebensbedrohlichen Risiken nach einer Transplantation. „In den letzten Jahren ist aufgrund der guten
Immunsuppression die Rate der
schweren Abstoßungen stark zurückgegangen, leichtere bekommt
man heutzutage mit Kortison gut
in den Griff. Jemand, der sich
transplantieren lassen will, muss
sich also nicht mehr wie vor zehn
Jahren vor einer Abstoßung fürchten“, so der Mediziner. „Was der
Patient wirklich nicht unterschätzen darf, sind die Komplikationen,
die aufgrund der gewollten Unterdrückung der Immunabwehr
durch die Medikamente auftreten
können. Keime, die gesunden
Menschen nichts ausmachen, sind
plötzlich für den Organismus des
Transplantierten sehr gefährlich.
Das Bewusstsein ist trotz permanenter Warnungen aller am Transplantationsmanagement beteiligten Ärzte bisher bei einigen Patienten in dieser Richtung nur ungenügend geschärft.“ Was die
Transplantierten nach Ansicht des
Mediziners tun können, um Verantwortung für das neue Organ zu
übernehmen, ist vor allem die genaue Beobachtung des eigenen
Körpers. Am Urin können bereits
kleinste Krankheitsanzeichen abgelesen werden – schäumt und
stinkt er, weist das oft auf einen
Harnwegsinfekt hin, der relativ
schnell zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung führen kann.
Fängt die Gegend über dem transplantierten Organ an zu schmerzen und verringert sich die Urinausscheidung drastisch ohne erkennbare Ursache, ist eine Abstoßung wahrscheinlich. Für den
erfolgreichen Verlauf einer Transplantation sind also unter dem
Strich sowohl der Arzt als auch
der Patient verantwortlich.
Bettina Hennebach
Dr. Peter Fellmer: „An erster Stelle steht die Gesundheit des Organspenders“
m 18. September macht sich Dr.
Peter Fellmer, Facharzt für Chirurgie an der Klinik für Visceral-,
Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Leipzig, auf nach Boston.
Dort, an der Harvard Medical
School, wird er ein Projekt anschieben, das am Ende zeigen soll, wie
gut oder wie schlecht eine Nierenspende gesundheitlich verkraftet
wird. „Auch wenn eine Lebendspende wichtig für die Gesundheit oder
gar das Leben des Empfängers ist:
Die Gesundheit des Spenders steht
an erster Stelle. Vielleicht kann diese Studie manche Vorbehalte beseitigen und die Organspende mehr in
den Blickpunkt rücken“, so Dr. Fellmer im Interview.
A
Frage: Warum untersuchen Sie Organspender in Boston? Ist dort das
Wetter besser als in Leipzig?
Dr. Fellmer: Wie das Wetter in Boston ist, darüber werde ich mich kurz
vor der Abreise informieren. Schirm
und Pullover oder Sandalen und
Shorts – das kann ja entscheidend
sein. Aber im Ernst: An der Harvard
Medical School in Boston wurde
1958 die weltweit erste Nieren-
transplantation vorgenommen. Das
war vor 50 Jahren nur unter Zwillingen möglich, heute spielt nicht einmal mehr die Blutgruppe eine entscheidende Rolle. In Boston gibt es
damit das am längsten zurückreichende Archiv und die entsprechenden Patienten. Damit kann man
dort am besten einen Rückblick machen: Wie geht es den Spendern
heute? Schließlich will der Spender
von heute wissen, ob er gesundheitlich einen Preis dafür zahlen muss,
dass er eine Niere hergab. Auch
wenn eine Lebendspende wichtig für
die Gesundheit oder gar das Leben
des Empfängers ist: Die Gesundheit
des Spenders steht an erster Stelle.
Vielleicht kann diese Studie manche
Vorbehalte beseitigen und die Organspende mehr in den Blickpunkt
rücken.
Wenn heute nicht einmal die Blutgruppe wichtig ist, müsste es doch
genügend Spender geben…
Müsste, könnte, hätte, sollte. Fakt
ist: Heute warten die Patienten fünf
bis sieben Jahre auf eine neue Niere. Medizinisch wurden die Chancen, die sich durch eine Transplantation eröffnen, vergrößert. Gerade
in den letzten drei Jahren gab es
große Fortschritte, so dass jetzt
über die Blutgruppengrenze hinaus transplantiert
werden
kann.
Grundvoraussetzung ist
heute nur noch eine komplette Gesundheit des
Spenders. Und dennoch
gibt es zu wenige Spender.
Meist haben Schwerverletzte doch
keinen Organspenderausweis dabei.
Zuerst einmal gilt: Jeder
Patient wird mit allen
Möglichkeiten, die die
Medizin bietet, versorgt,
und sei sein Zustand
noch so schlimm. Wenn
sich der Zustand dennoch weiter verschlechtern sollte und von eiWas ist denn unter „komnem Hirntod ausgeganpletter Gesundheit“ zu
gen werden kann, werverstehen?
den externe Ärzte den
Dr. Peter Fellmer
Voraussetzung ist, dass
Foto: ukl Patienten hinzugezogen,
um den Hirntod des pokeine Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen, ebenso keine tenziellen Organspenders festzuNierenerkrankungen und eine kör- stellen. Dann kommen die Transperliche Fitness. Es gibt nicht ein- plantationsbeauftragten, die es in
mal eine Altersgrenze. Im vergange- allen Kliniken gibt, zum Tragen. Sie
nen Jahr hatten wir an der Leipziger suchen das Gespräch mit den AngeUniklinik acht Lebendspenden und hörigen, um die Möglichkeiten einer
60 postmortale Spenden. An die- Organspende auszuloten. Dabei
sen Zahlen ist zu sehen, dass die geht es nicht darum, ob die AngehöLebendspende leider eine sehr ge- rigen mit einer Organspende einverringe Rolle spielt. Dabei ist sie sehr standen sind. Sondern es geht um
sicher – für Empfänger wie Spender den mutmaßlichen Willen des potenziellen Spenders. Im Extremfall
gleichermaßen.
kann das heißen: Die Ehefrau ist
Sie sprachen die postmortalen prinzipiell gegen Organspenden, gibt
Spenden an. Wie entstehen die? aber zu, dass sich ihr Mann für eine
solche Spende ausgesprochen hat.
Dann zählt der Wille des Mannes.
Zurück zu Ihrer Studie in Boston.
Was wird da konkret untersucht?
Wir bestellen alle Spender der vergangenen 50 Jahre ein und untersuchen
sie. Dann werden die erhobenen Daten ausgewertet. Das Ganze wird etwa anderthalb Jahre dauern. Mit meinem zweimonatigen Forschungsaufenthalt – der übrigens zum großen
Teil von einem Preis der Akademie für
Transplantationsimmunologie, den
ich erhielt, finanziert wird – kann ich
die Studie also nur anschieben. Die
Ärzte der Harvard Medical School
werden die Untersuchung der größten
Serie von Lebendspendern dann fortsetzen und mir die Ergebnisse übermitteln. Es gibt natürlich noch weitere
internationale wissenschaftliche Kooperationen, zum Beispiel mit der University of South Carolina. Da wollen
wir gemeinsam untersuchen, welche
Gene für Abstoßung beziehungsweise
Akzeptanz eines Organs verantwortlich sind. Dafür bauen wir ein „Mäusemodell“ auf, weil Mäuse die einzige
Spezies sind, bei der bestimmte Gene auszuschalten sind.
Interview: Uwe Niemann
6
KLINIKUM 2008
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
KLINIKSCHULE
Wo kranke Kinder lernen dürfen
ie meisten Schulkinder sind
sicher froh, wenn sie mal
ein paar Tage schulfrei haben. Vielen Kindern, die einen
Schnupfen haben und krank zu
Hause bleiben müssen, ist die
Zwangspause von der Penne meist
eine willkommene Nebenwirkung.
Die Hausaufgaben bringt – wenn
nötig – der beste Freund, und allzu
viel Lernstoff wird man schon
nicht verpassen. Schwieriger wird
es, wenn Kinder über einen längeren Zeitraum im Krankenhaus behandelt werden müssen und so
wochen- oder gar monatelang
nicht zur Schule gehen können.
Dann kann die Abwesenheit vom
Unterricht im Ernstfall Grund für’s
Sitzenbleiben sein. Damit das
nicht passieren muss, gibt es am
Universitätsklinikum die Krankenhausschule „Dr. Georg Sacke“.
D
Lernen trotz langer Krankheit – in der Klinikschule Dr. Georg Sacke.
Bis zu 125 Kinder und Jugendliche
können hier unterrichtet werden.
Schulleiterin Cornelia Heilmann
erzählt: „Wir unterrichten zum einen in Gruppen von bis zu sechs
Schülern. Meistens sind diese
Gruppen natürlich altersgemischt,
weil es nur ganz selten passiert,
dass wir genau sechs Schüler haben die gleichalt sind. Häufig bekommen unsere Schüler aber
auch Einzelunterricht, und der findet dann normalerweise direkt am
Krankenbett statt.“ Der Klinikschule stehen wie jeder anderen
Schule auch modern ausgestattete
Unterrichtsräume zur Verfügung.
Diese sind nicht nur im Gebäude
des neuen Frauen- und Kinderzentrums untergebracht. Einen
großen Anteil der Schülerschaft
machen inzwischen junge Patienten aus, die sich im Parkkrankenhaus Leipzig in stationärer psychiatrischer Behandlung befinden.
Auch im Städtischen Klinikum St.
Georg trifft man von Zeit zu Zeit
Lehrer der Klinikschule. Die pädagogische Arbeit mit kranken Kindern verlangt besonders viel Einfühlungsvermögen und vor allem
Fachkompetenz. Beinah jeder der
14 Klinikpädagogen verfügt deshalb über eine besondere Ausbildung, weiß Heilmann: „Die meisten Kollegen hier sind spezialisiert
auf Verhaltensgeschädigten- oder
Körperbehinderten-Pädagogik,
oder sie sind für die Arbeit mit
lernbehinderten Kindern besonders qualifiziert.“
Das Team um Cornelia Heilmann
unterricht seine Schützlinge vor allem in den so genannten Kernfächern Mathematik und Deutsch.
Dort, so Heilmann, sei es am wichtigsten, dass die Schüler den Anschluss nicht verlieren. Ab Klasse
3 wird zusätzlich Englisch angeboten. Hat ein Schüler in einem anderen Fach Nachholbedarf, wird
in Ausnahmefällen auch mal eine
Stunde Geschichte oder Physik gepaukt. Prinzipiell unterrichtet die
Schule nicht nur altersstufenübergreifend, sondern auch Schüler
sämtlicher Schulformen. Vom
Grundschüler bis zum Abiturienten ist alles vertreten, weiß die
Schulleiterin zu berichten. Ihr Job
ist eine besondere Herausforderung, denn im Gegensatz zu einer
„ganz normalen“ Regelschule verlangt der Alltag in der Klinikschule
immer wieder eine flexible Planung. Welcher Lehrer unterrichtet
wann wo wen in welchem Fach?
Diese Frage muss Heilmann im-
Fotos: Anke Peters
mer wieder neu stellen und die
Schulpläne daran anpassen. Sie
selbst sieht das unterdessen gelassen: „An anderen Schulen müssen
die Lehrer zusätzlich zum Unterricht Elternveranstaltungen organisieren oder auf Klassenfahrt gehen. So etwas gibt es bei uns eben
nicht, dafür den größeren Planungsaufwand.“ Allein die Anzahl
der zu unterrichtenden Schüler
kann beinah täglich variieren.
Wann ein Schüler die Krankenhausschule besuchen darf, entscheidet stets der behandelnde
Arzt. Gemeinsam mit den Kran-
Die Geschichte der Klinikschule Dr. Georg Sacke
ine Klinikschule gibt es an der Universität Leipzig
bereits seit fast 100 Jahren. In der Leipziger Gräfestraße gab es zu dieser Zeit das zur Universitätsklinik gehörende „Humanitas“-Heim für gebrechliche
Kinder. 1909 begann eine als Lehrerin ausgebildete
Krankenschwester dort, orthopädisch behandlungsbedürftige Kinder in Handarbeit und Handgeschicklichkeit zu unterweisen.
E
Ab 1910 wurden dann von einem weiteren Pädagogen
Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. Über die
Jahre entwickelte sich aus diesen pädagogischen Bemühungen eine Schule, die zunächst ausschließlich für
körperbehinderte Kinder und Jugendliche bestimmt
war. In einem neu eröffneten Heim- und Schulgebäude
in der Preußenstraße 37 (heute Prager Straße 224) gab
es im Jahr 1929 immerhin fünf Klassenzimmer für
mehr als 100 Schüler.
Den Namen „Dr. Georg Sacke“ erhielt die Schule 1949
nach einem einstmals im Heim tätigen Antifaschisten.
Im Laufe der Jahre wurden verschiedene Außenstellen
der Klinikschule in Leipzig etabliert. Aufgrund einer Änderung des Schulgesetzes wurde es ab 1997 notwendig, eine Krankenhausschule zu schaffen, in der nur
stationär zu behandelnde Kinder und Jugendliche unterrichtet wurden. Alle körperbehinderten Schüler mussten damit umgeschult werden. Die umstrukturierte Klinikschule wurde ebenfalls 1997 durch den Schulbereich im Parkkrankenhaus erweitert.
ap
kenhauslehrern wird dann geklärt, in welchem Umfang dem
Kranken Unterricht erteilt werden
kann. An das normale Pensum eines gesunden Schülers reicht das
jedoch keinesfalls heran – im
Höchstfall müssen die kranken
Kinder und Jugendlichen 12 Stunden pro Woche büffeln. Die Klinikschule ist dabei auch dafür verantwortlich, möglichst den Kontakt
zur jeweiligen Heimatschule des
Kindes zu halten, um zum Beispiel
Absprachen zum Unterrichtsstoff
zu treffen. „Genauso wichtig ist
aber auch die Rücksprache mit
den Ärzten und Pflegern“, fügt
Heilmann hinzu: „Im Rahmen der
so genannten Therapiebesprechungen tauschen wir uns mit den
Medizinern aus: Wie sieht der Gesundheitszustand des Kindes aktuell aus, worauf müssen wir Lehrer
vielleicht auch besondere Rücksicht nehmen? Solche Fragen werden dann geklärt. Manchmal fallen
uns auch Besonderheiten am Verhalten der Kinder auf, die wir
dann in den Besprechungen an die
Ärzte weitergeben.“ Gelegentlich
kommt es vor, dass Kinder immer
wieder Schüler der Krankenhausschule sind, beispielsweise wenn
sie langwierig erkrankt sind und in
regelmäßigen Abständen in der
Klinik behandelt werden müssen.
Dann wechseln sich Heimatschule
und Kliniklehrer manchmal wochenweise ab. Am meisten freut
sich die Schulleiterin jedoch, wenn
sie nach dem Wochenende plötzlich einen Schüler weniger hat,
weil ein Kind gesund entlassen
werden konnte.
Übrigens: Auch am Ende des
Schulbesuchs in der Klinikschule
gibt es „Giftblätter“. Mit Zustimmung der Ärzte dürfen die Kliniklehrer nämlich Noten erteilen, die
dann gemeinsam mit einer ausführlichen Beurteilung der Heimatschule zugesandt werden. Und
dass das für manchen Schüler sogar gut ist, zeigt sich immer wieder: Viele Kinder profitieren vom
Unterricht in den Kleingruppen so
enorm, dass sie manchmal bessere Zensuren erzielen, als wenn sie
gesund in ihre normale Schule gehen würden.
Anke Peters
KLINIKUM 2008
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Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
KINDERPSYCHIATRIE
AM RANDE
Mangelnde Zuwendung macht Kinder krank
psychischen Problemen kann
die Folge sein.
aut der aktuellen Studie
des Robert Koch-Instituts
(Bella-Studie, KiGGS) zeigen bis zu 11,5 Prozent aller
Mädchen und 17,8 Prozent aller
Jungen im Alter von 3 bis 17
Jahren psychische Verhaltensauffälligkeiten. Dazu kommen
bei 15,2 Prozent der Jungen
und 21,9 Prozent der Mädchen
Essstörungen und bei knapp
zehn Prozent der Jugendlichen
Suchtmittelmissbrauch.
L
Für Kinder mit sehr schweren
Störungen oder solche Familien, die einem Kind wenig Unterstützung bieten können, werden Behandlungen in der kinder- und jugendpsychiatrischen
Klinik oder Tagesklinik angeboten. Hierbei geht es darum, ein
umfassendes Hilfsangebot zu
erarbeiten, welches meist eine
intensive Unterstützung und
Beratung der Eltern, eine Psychotherapie des Kindes und eine angemessene fachgerechte
Pädagogik und Pflege beinhaltet. Manchmal sind auch medikamentöse Behandlungen notwendig. Die Pädagogen und
Krankenschwestern bieten den
Kindern rund um die Uhr eine
„heilende Beziehung“ an. Das
heißt sie versuchen, das Kind
mit seinem schwierigen Verhalten zunächst zu akzeptieren, es
im Alltag zu führen und mit ihm
zusammen neue Lösungsmöglichkeiten für seine Konflikte
und Nöte zu finden. Die Mitarbeiter des Pflege- und Erziehungsdienstes in der Kinderpsychiatrie brauchen oft sehr
viel eigene psychische Kraft,
unmittelbare Liebe und Hinwendung zum Kind sowie die
Fähigkeit, gut mit Aggressionen
und Konflikten umzugehen.
Dass sich die Pflegemitarbeiter
und -mitarbeiterinnen von Kliniken aus der ganzen Bundesrepublik in Leipzig treffen, um
ihre Erfahrungen auszutauschen, zeugt von der hohen
Qualität und dem Renommee
der kinder- und jugendpsychiatrischen Pflege in unseren Kliniken.
Die beschriebenen Auffälligkeiten hängen oftmals mit Beziehungsstörungen zusammen, die
ihren Ausgangspunkt in
der frühen Kindheit haben können. Deshalb bietet die Leipziger Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und
Psychosomatik Spezialsprechstunden und Behandlungsprogramme
für Kleinkinder mit Fütterstörungen und für
Vorschulkinder an.
Schon von Geburt an
sind Babys besonders an
Um frühzeitig positive ElternKind-Beziehungen zu fördern
und Problemen vorzubeugen,
wurde das Frühpräventionsprojekt „Pro Kind Sachsen“ gestartet. Anliegen ist es, schwangere Frauen, die ihr erstes Kind
erwarten und sich in einer
schwierigen Lebenslage befinden, zu unterstützen und die
gesunde Entwicklung ihres Kindes zu fördern. Die Teilnehmerinnen des Modellprojekts erhalten verschiedene Angebote:
Die Hälfte der Frauen nimmt an
einem Hausbesuchsprogramm
bis zum zweiten Geburtstag ihres Kindes teil. Die andere Hälfte der Frauen erhält zusätzlich
zu den üblichen Sozialleistungen regelmäßig Berichte über
den Entwicklungsstand ihres
Kindes. Dabei wird die Entwicklung der beiden Gruppen
und die Auswirkung des Hausbesuchsprogramms durch die
Begleitforschung untersucht, in
Sachsen unter Leitung von Prof.
Dr. med. Kai von Klitzing (Universitätsklinik und Poliklinik für
Psychiatrie,
Psychotherapie
und Psychosomatik des Kindesund Jugendalters) in Kooperation mit dem Kriminologischen
Forschungsinstitut Niedersachsen.
Umsorgte Kinder sind glückliche Kinder.
anderen Menschen interessiert.
Babys wenden sich aktiv ihren
Eltern zu und zeigen durch Signale wie Lächeln oder Weinen,
wie sie sich gerade fühlen und
welche Bedürfnisse sie haben.
Eltern reagieren meist intuitiv
auf diese Signale – zum Beispiel
gehen sie schnell zum weinenden Säugling, um ihn zu beruhigen. Dieses intuitive Elternverhalten entsteht meist ganz automatisch. Allerdings gibt es auch
Situationen, in denen dieses positive Zusammenspiel von Zeichen geben und Zeichen lesen
Foto: André Kempner
nicht funktioniert. Beispielsweise sind die intuitiven Fähigkeiten der Eltern verschüttet, weil
sich die Familie in sehr schwierigen Lebensumständen befindet. Wenn Eltern dauerhaft
nicht in der Lage sind, auf die
Zeichen ihres Babys und Kleinkindes einzugehen, macht das
Kind immer wieder frustrierende Erfahrungen, es lernt, dass
seine Signale keine Reaktionen
hervorrufen. Dadurch leidet die
Eltern-Kind-Beziehung, und die
Entwicklung des Kindes ist gefährdet. Die Entwicklung von
Buchempfehlung
Ziel des Modellprojekts ist eine
ganzheitliche Förderung mit
Schwerpunkten in den Bereichen Gesundheit, Bindungsverhalten, Erziehung, Lebensplanung und soziale Integration.
Die Teilnehmerinnen des Hausbesuchsprogramms werden bereits ab der Schwangerschaft in
das Projekt aufgenommen und
begleitet, bis das Kind zwei Jahre alt ist. Dabei wird besonders
die Entwicklung positiver Beziehungen und Interaktionen
zwischen Eltern und Kindern
gefördert. Die Eltern lernen, ihre eigenen Kinder zu beobachten und angemessen auf deren
Verhalten einzugehen. Wenn
sich die Eltern-Kind-Beziehung
gut entwickelt, wird das
Kind auch in anderen Beziehungen eine größere
soziale und emotionale
Kompetenz entfalten.
Bereits 72 Teilnehmerinnen von „Pro Kind Sachsen“ wurden bis Ende
August 2008 aufgenommen, verteilt auf die
Standorte Dresden, Leipzig, Stadt Plauen, Landkreis Vogtland und Landkreis Leipzig (ehemals
Muldentalkreis). Die ersten Babys wurden bereits
geboren – der Auftakt für
hoffentlich gelingende Eltern-Kind-Beziehungen.
Dr. Annette Klein
CURAC-Experten
tagen in Leipzig
ehr als 150 Spezialisten –
Mediziner, Ingenieure und Informatiker – werden zur 7. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Computer- und Roboterassistierte Chirurgie (CURAC) vom
24. bis 26. September in Leipzig
erwartet. „Die Teilnehmer kommen vor allem aus Deutschland,
der Schweiz und Österreich, wir
haben aber auch internationale
Gäste gezielt für Referate zu uns
eingeladen“, so Prof. Dr. Volkmar
Falk vom Herzzentrum Leipzig. Entwickler, Forscher und klinische Anwender verschiedener Fachgebiete
kommen in Leipzig zum inter- und
transdisziplinären Austausch zusammen. Neben Fachvorträgen
wird den Teilnehmern die Möglichkeit geboten, in Workshops und Arbeitsgruppensitzungen spezielle
Themen der computerassistierten
Chirurgie vertieft zu diskutieren.
Das Herzzentrum Leipzig, die Universitätsklinik Leipzig und das Innovationszentrum für ComputerAssistierte Chirurgie (ICCAS) unterstützen die CURAC bei ihrer Jahrestagung. In vielen Bereichen der
Chirurgie, so etwa der Orthopädie
und Neurochirurgie aber auch anderen Fachgebieten wie der Kardiologie kommen heute computergestützte Systeme zum Einsatz.
„Im Prinzip ist es ein Fachgebiet,
das sich in allen chirurgischen Disziplinen wiederfindet“, so Prof.
Falk. Die Verschmelzung verschiedener Verfahren und Einrichtungen
zu ausgefeilten Assistenzsystemen steht auf dem Programm seiner Fachgesellschaft, als deren
Präsident der Mediziner zu der
Fachtagung einlädt. Insbesondere
geht es darum, bildgebende Systeme mit mechanisch und elektronisch arbeitenden Instrumenten
zu funktionierenden Einheiten zusammenzuführen.
ukl
M
Neues
von der Schulter
eues von der Schulter – so
lautet das Thema der nächsten öffentlichen Vorlesung aus
der Reihe „Orthopädie für Jedermann“. Prof. Dr. Georg von Salis-Soglio, Direktor der Orthopädischen Klinik, widmet sich den
wichtigsten Themen rund um
das Schultergelenk. Nach einer
kurzen Einführung zur Anatomie
des Gelenks will er über spezifische Belastungen bei bestimmten Sportarten berichten und
auf mögliche daraus resultierende Probleme eingehen. Er wird
außerdem verschiedene diagnostische und therapeutische
Möglichkeiten bis hin zum
künstlichen Schultergelenk erklären. Die öffentliche und kostenfreie Vorlesung findet am 24.
September, 18.15 Uhr im Hörsaal des Operativen Zentrums
(Liebigstraße 20) statt.
ukl
N
8
KLINIKUM 2008
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
ZÄHNE
So bleibt der Mund gesund
ähne sind äußerst robust.
Sie malmen sich täglich
durch harte Brocken wie
Körnermüslis, Karottenschnitze
und Karamellbonbons. Damit
einem diese Genüsse bis ins hohe Alter vergönnt bleiben, muss
man sein Gebiss allerdings regelmäßig pflegen. Dabei kommt
es sowohl auf die passenden
Hilfsmittel als auch auf die richtige Putztechnik an. Die Regel
„Nach dem Essen: Zähne putzen nicht vergessen!“ gilt heute
als veraltet. „Die Beläge auf den
Zähnen bilden sich nicht nur im
Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme. Die Bakterien
sind im Mundraum permanent
vorhanden, und im Laufe des
Tages bilden sie Beläge an den
Zähnen“, sagt Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer in Berlin.
Z
Erst nach einer „Reifezeit“ von
24 Stunden fangen diese Beläge
an, Säuren bei Nahrungsmittelkontakt zu produzieren, die die
Zähne schädigen und Karies erzeugen. „Entscheidend ist daher, dass man sich zweimal täglich die Zähne gründlich putzt
und einmal täglich die Zahnzwischenräume reinigt. Ob man
das morgens, abends oder mitten in der Nacht tut, ist fast
egal“, sagt Oesterreich. Auch
die kreisförmigen Putzbewegungen werden heute von
Zahnärzten nur noch für Kleinkinder propagiert, weil diese
das Putzen so leichter erlernen
können. „Die ideale Putzbewegung verläuft vertikal von Rot
nach Weiß – also vom Zahnfleisch in Richtung Zahn“, sagt
Prof. Dr. Christian Hirsch, Leiter
der Abteilung für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe des Universitätsklinikums
Leipzig.
Dazu setze man die Zahnbürste
im 45-Grad-Winkel an der Stelle
an, an der das Zahnfleisch den
Zahn überlappt, führe mit den
Borsten eine leicht rüttelnde Bewegung durch und wische den
Zahn dann nach unten aus.
„Durch das Rütteln werden
Bakterien und Speisereste, die
sich an der Zahnfleischschwelle
gesammelt haben, gelöst und
lassen sich leichter aussäubern“, sagt der Zahnarzt.
Die alte Kreismethode hingegen
führe dazu, dass Bakterien vom
Zahn immer wieder in die
Zahnfleischtaschen geschoben
würden, wo sie Entzündungen
verursachen könnten. „Auf den
Kauflächen putzt man mit der
Bürste einfach hin und her, hier
ist die Richtung nicht entscheidend.“ Elektrische Zahnbürsten
führen die Rot-Weiß-Bewegungen automatisch durch. Untalentierte Putzer greifen daher
gern auf die vibrierenden Hilfs-
mittel
zurück.
„Elektrische
Zahnbürsten erzielen heutzuta-
dazu führen, dass der Zahnschmelz und das Zahnfleisch
beschädigt würden. Für eine
schonende Zahnpflege ist es da-
Von Rot nach Weiß: So werden heutzutage die Zähne geputzt.
Foto: ddp
Ist Mundwasser zur Pflege wichtig?
ür die Qualität der Mundhygiene ist das Spülen
mit Mundwasser nicht von Bedeutung. Die
meisten Produkte beschränken sich darauf, beispielsweise durch Mentholzusätze für einen besseren Geschmack im Mund und für einen frischen
F
Atem zu sorgen. Nur wenige Mundwasser, die beispielsweise die Stoffe Chlorhexidin oder Fluoride
enthalten, können zusätzlich auch Bakterienbeläge bekämpfen.
Quelle: Bundeszahnärztekammer
her auch wichtig, dass die
Zahnbürste nicht zu hart ist.
„Ich empfehle immer Bürsten
mit weichen Borsten, und der
Druck sollte nicht stärker sein
als das Gewicht eines Briefes.“
Beim Zahnpastakauf lohnt sich
ein genauer Blick auf die Verpackung. „Zahnpasta sollte grundsätzlich Fluorid enthalten, da es
die Zahnsubstanz widerstandsfähiger macht“, empfiehlt der
Leipziger Zahnmediziner.
ge sehr gute Ergebnisse. Man
muss aber auch hier auf ein systematisches Vorgehen achten,
so dass man die Bürste an jedem Zahn in beiden Kieferbögen entlangführt und keine Stelle auslässt“, sagt Christian
Hirsch. Wenn man die Putztechnik beherrsche, könne man allerdings mit einer manuellen
Zahnbürste die gleiche Reinigungswirkung erzielen.
„Viele Leute meinen, die Zähne
durch heftiges Schrubben mit
viel Druck besonders gründlich
zu reinigen. Dabei lassen sich
die Bakterienbeläge auf den
Zähnen relativ leicht von den
Zähnen entfernen“, erläutert
Hirsch. Eine zu rabiate Reinigungsmethode könne hingegen
Prof. Dr. Christian Hirsch mit einem jungen Patienten. Foto: ukl
Zudem rät er davon ab, regelmäßig so genannte Weißmacher- oder Zahnsteinzahncremes zu verwenden: „Diese
Cremes enthalten einen hohen
Anteil an Putzkörpern, die den
Zahnschmelz auf Dauer schädigen. „Um die Zahnzwischen-
Mit dem Putzen 30 Minuten warten
ahnpflegekaugummis regen den Speichelfluss
an und sorgen so dafür, dass sich der pH-Wert
im Mund nach dem Essen wieder normalisiert. Die
Kaugummis sind zwar kein Ersatz für das Zähneputzen, aber eine gute Ergänzung, sagt ein Sprecher der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung
(KZBV) im Vorfeld des Tags der Zahngesundheit
(25. September). Gerade nach der Mittagspause
oder in Konferenzen, wenn Berufstätige nicht zum
Zähneputzen kommen, seien sie hilfreich. Ist der
pH-Wert wieder normalisiert, haben Karies-Bakterien im Mund weniger Angriffsflächen.
Z
räume zu reinigen, eignen sich
für Erwachsene so genannte Interdentalbürstchen. „Nur bei
Jugendlichen stehen die Zähne
noch so eng, dass man mit
Zahnseide arbeiten muss. Im
Laufe des Lebens zieht sich das
Zahnfleisch zurück, so dass
man die Zwischenräume gut
mit den kleinen Bürstchen erreicht.“ Da der Zahn im Wurzelbereich eine eingezogene,
konkave Form habe, sei hier
die Reinigung mit Bürstchen
zudem effektiver. Wer seine
Zahnzwischenräume
länger
nicht gereinigt hat, muss am
Anfang mit Zahnfleischbluten
rechnen. „Das Bluten ist ein
Zeichen für eine Zahnfleischentzündung, die durch die Bakterienbeläge entstanden ist. Es
verschwindet meist nach einigen Tagen, da das Zahnfleisch
dann abheilt“, erklärt Hirsch.
Auf keinen Fall sollte man sich
also durch diese Begleiterscheinung gleich wieder von der
Zahnzwischenraumpflege abhalten lassen.
Wer nach der Mittagspause lieber zur Zahnbürste
greift, sollte nach dem Essen mindestens 20 bis
30 Minuten mit dem Putzen warten: „Die Säuren
in der Nahrung greifen den Zahnschmelz an“, erklären die Experten. Dadurch ist der Zahnschmelz
unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme besonders empfindlich, so dass ihm das Zähneputzen
sogar schaden kann. Damit die Zähne ausreichend
gegen Karies geschützt sind, sollten sie zwei- bis
dreimal am Tag geputzt und die Zahnzwischenräume mindestens einmal täglich mit Zahnseide gereinigt werden.
dpa
Wie lange man seine Zähne jeweils putzen sollte, lässt sich
nicht
eindeutig
festlegen.
Durchschnittlich geht man von
einer Putzdauer von drei Minuten aus. Aber je nach Anzahl
und Größe der Zähne kann es
auch länger oder kürzer dauern, bis die Zähne richtig sauber sind. Laut Hirsch entstehen
Putzdefizite oft dadurch, dass
Stellen ausgelassen würden.
„Hinter den Backenzähnen
mangelt es beispielsweise oft an
Hygiene.“ Er empfiehlt daher,
den Putzerfolg ab und zu zu
kontrollieren. „Durch spezielle
Tabletten, die die Bakterienbeläge auf den Zähnen mit Lebensmittelfarbe rot färben,
kann man nach der Reinigung
übrig gebliebene Plaque sichtbar machen.“
Als krönenden Abschluss für
die umfassende Zahnhygiene
sollte man auch der Zunge eine
Reinigung verpassen. „Zwischen den feinen Unebenheiten
auf der Zungenoberfläche können sich ebenfalls Bakterien
und Speisereste festsetzen, die
von dort an die frisch geputzten
Zähne gelangen“, sagt der
Fachmann. Mit einem speziellen Zungenschaber kann man
diese Rückstände von der Zunge entfernen. Und um den Erfolg der eigenen Mundhygiene
überprüfen zu lassen, sollte
man seinem Zahnarzt zweimal
jährlich einen Besuch abstatten.
Außerdem
empfiehlt
Hirsch eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung, bei der
harte Beläge entfernt und die
Zähne anschließend glatt poliert werden, so dass die Neuansiedelung von Plaque erschwert wird.
Maria Hilt/ukl
RATGEBER
9
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
FREIZEIT
AM RANDE
Hits aus dem Hobbykeller
er seine Klangkünste in ordentlicher Qualität festhalten möchte, muss kein
professionelles Tonstudio
aufsuchen. Der Hobby-Keller tut’s auch. Die nötige
Aufnahmetechnik ist inzwischen relativ günstig. Einen
guten Song garantiert das
zwar noch nicht, dennoch
liegt Homerecording im
Trend.
W
„Hobby-Musiker ohne großes Budget profitieren davon, dass die komplette
Musikproduktion in den
Rechner verlegt wurde“,
erklärt Holger Steinbrink,
Geschäftsführer von Audioworkshop, einem Anbieter
für Seminare zur Musikproduktion und Tontechnik
mit Sitz in Waldorf (Rheinland-Pfalz). „Online-Netzwerke wie Myspace und
Youtube vereinfachen es
heutzutage, sich ohne großen Aufwand einem breiten Publikum zu präsentieren“, sagt Andreas Hau,
Experte für Aufnahmetechnik und Buchautor aus
Saarbrücken.
Von 50 000 ambitionierten
Homerecordern in Deutschland geht Seminarleiter
Holger Steinbrink aus. Die
Zahl der gelegentlichen
Hobby-Produzenten dürfte
noch um einiges höher
ausfallen. Zunehmend interessierten sich von der
Popstar-Laufbahn
träumende Musik-Neulinge für
Homerecording-Einführungskurse.
Typische „Homerecorder“
seien allerdings nicht zwingend am Broterwerb interessierte Amateurmusiker,
die über Erfahrung am In-
strument und über das nötige Kleingeld verfügen, so
Steinbrink. Denn wegen
des rapiden Preisverfalls –
vor 20 Jahren habe eine
Grundausstattung noch so
Bei höheren Ansprüchen
führt aber kein Weg am
Rechner vorbei – sofern er
nicht zu alt ist. Ein schneller Prozessor und viel Arbeitsspeicher seien vorteil-
Soundkarte und Software
gibt es ab 200 Euro.
Mindestens ebenso viel
Budget muss für Mikrofone, Kopfhörer und Laut-
Mit Kreativität und moderner Technik können Hobbymusiker in den eigenen
vier Wänden sehr viel Hörbares produzieren.
Foto: dpa
viel wie ein Kleinwagen gekostet – müssten Einsteiger
heute nur ein paar hundert
Euro auf den Tisch legen.
„Wer nur ein Instrument
und seinen Gesang aufzeichnen will, dem genügt
ein sogenannter Mobilrekorder für zwei Spuren ab
200 Euro“, erklärt Andreas
Hau. Das einem Kassettenrekorder ähnelnde, aber
mit
Flashspeicherkarten
arbeitende Gerät biete sich
erst recht dann an, wenn
man in der Freizeit nichts
mit Computern zu tun haben möchte, empfiehlt der
Autor des Buches Homerecording Guide.
haft, denn die Audiobearbeitung sei mitunter rechenintensiv, sagt Andreas
Hau. Zudem sollte der
Computer mit einem Audio-Interface, also einer besonderen, für Musikaufnahmen geeigneten Soundkarte ausgestattet werden.
Ebenfalls unverzichtbar ist
Spezial-Software für Aufzeichnung und Nachbearbeitung. RundumsorglosProgramme wie Cubase
von Steinberg ersetzen im
Zweifelsfall sogar eine ganze Band – mittels Erweiterungen lassen sich jede
Menge Instrumente simulieren. Bündelangebote mit
sprecher eingeplant werden. Andreas Hau rät Einsteigern, sich im Musikalienhandel beraten zu
lassen. So sind herkömmliche Hifi-Boxen ungeeignet, weil sie den Klangeindruck verfälschen. Auch
auf den Aufnahmeraum
kommt es an. Hauptsache,
der Schall hallt nicht unkontrolliert. Teppichboden
und Regale als Raumteiler
schaffen erste Abhilfe.
Teurere Studio-Dämmmaterialien sind ein nächster
Schritt.
„Von der Ausrüstung her
ist das Niveau für CD-Veröffentlichungen problem-
los erreichbar. Dass Plattenverträge für Aufnahmen aus dem Heimstudio
vergeben wurden, kommt
durchaus vor“, versichert
Andreas Hau. Mindestens
so wichtig wie die Beherrschung der Technik sei
aber das musikalische
Können, also etwa das Gespür für einen gut komponierten und arrangierten
Titel. Ein erfolgreicher
Song, der beim Publikum
funktioniert, klappt eben
nicht im Handumdrehen.
„Das ist ein jahrelanger
Lernprozess“, bestätigt Michael Kißling, Hobby-Musiker und Mitbetreiber von
homerecording.de,
mit
rund 30 000 registrierten
Nutzern die größte WebGemeinschaft ihrer Art.
Mitglieder können dort ihre
selbst produzierten Ergebnisse einstellen und von
anderen bewerten lassen.
Weit oben in den Charts
der Webseite zu landen, ist
nicht leicht. „Die vorderen
Plätze belegen meist erfahrene Songwriter“, sagt Michael Kißling.
Die Webseite dient auch
zum Erfahrungsaustausch,
doch Kißling dämpft hohe
Erwartungen. „Anfänger
suchen häufig nach einer
Faustformel. Doch pauschale Tipps, wie man diese und jene Musikrichtung
am besten abmischt, funktionieren nur begrenzt.“
Mit Vorwissen könne man
sich prinzipiell in wenigen
Monaten in die Heimstudio-Technik einarbeiten.
Bis professionelle Aufnahmen entstehen, dauere es
in der Regel etwas länger,
sagt Andreas Hau.
Berti Kolbow
ENERGIE
Wäsche mit Effizienz trocknen
äschetrockner erfreuen
sich großer Beliebtheit.
Die elektrischen Haushaltshelfer sind schnell, bequem
und praktisch – gehören aber zu
den größten Stromverbrauchern
im Haushalt. Wird der Wäschetrockner dreimal die Woche gestartet, kommen bei einem ineffizienten Gerät schnell 125 Euro
Stromkosten im Jahr zusammen.
„Wer sich für den Einsatz eines
Wäschetrockners
entschieden
hat, sollte in jedem Fall ein Gerät
der Energieeffizienzklasse A wählen. Im Vergleich zu einem Wäschetrockner der Energieeffizienzklasse C spart es bis zu 70
W
Euro Stromkosten im Jahr“, erklärt Annegret Agricola, Bereichsleiterin bei der Deutschen
Energie-Agentur GmbH.
ein altes, noch funktionierendes
Gerät gegen ein neues, energieeffizientes auszutauschen und das
Altgerät zu entsorgen.
Die Mehrheit der verkauften Wäschetrockner erreicht immer noch
lediglich die Energieeffizienzklasse C. Ein Gerät der Energieeffizienzklasse A trocknet im Vergleich zu einem C-Gerät genauso
viel Wäsche für weniger als die
Hälfte des Geldes. Auch wenn AKlasse-Trockner in der Anschaffung teurer sind, rentieren sie sich
aufgrund des geringeren Stromverbrauchs schon nach wenigen
Jahren. Es lohnt sich daher auch,
Wer einen elektrischen Trockner
nutzt, sollte die Wäsche in jedem
Fall vorher richtig schleudern,
das senkt den Energieaufwand
fürs Trocknen um bis zu 40 Prozent. Denn die Waschmaschine
benötigt für das Schleudern nur
einen Bruchteil der Energie, die
der Trockner aufbringen muss,
um der Wäsche Wasser zu entziehen. Deshalb sollte beim Waschen eine Schleuderdrehzahl
von mindestens 1200 Umdre-
hungen pro Minute gewählt werden.
Noch mehr Geld spart, wer Wäscheständer oder -leine benutzt.
Das dauert zwar teilweise länger,
kostet aber sehr viel weniger.
Wenn es trotzdem der elektrische
Trockner sein soll, hilft der kostenlose Check zum Waschen und
Trocknen unter www.stromeffizienz.de bei der Orientierung. Er
zeigt, mit welchen Kosten bei einem bestimmten Stromverbrauch
für den Wäschetrockner zu rechnen ist und wie viel Geld mit einem energieeffizienten Geräte eingespart werden kann.
dpa
Neue Regeln für
Kassenkündigung
it der Einführung des Gesundheitsfonds im kommenden Jahr gelten bei den gesetzlichen Krankenkassen neue Sonderkündigungsregeln. So dürfen
Versicherte nur dann außer der
Reihe kündigen, wenn die Kasse
über den ab Januar neuen allgemeinen Beitragssatz hinaus einen so genannten Zusatzbeitrag
verlangt. Dieses muss sie dem
Versicherten einen Monat vorher
ankündigen, erläutert die Verbraucherzentrale Sachsen in
Leipzig. Laut Gesetz darf das
Mitglied dann bis zur erstmaligen
Fälligkeit des Zusatzbeitrages
kündigen. Gleiches gilt, wenn die
Kasse einen bereits geforderten
Zusatzbeitrag weiter erhöht. Für
den zum 1. Januar 2009 eingeführten allgemeinen Beitragssatz
gilt dieses Sonderkündigungsrecht aber nicht. Einen Zusatzbeitrag darf die Kasse verlangen,
wenn sie mit dem Geld, das sie
aus dem Gesundheitsfonds erhält, nicht ausreichend wirtschaften kann. Dieser Zusatzbeitrag
darf maximal ein Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen des
Versicherten betragen. Dabei
kann die Kasse ohne genaue
Prüfung der Einnahmenhöhe der
Mitglieder bis zu acht Euro monatlich in Rechnung stellen. Ein
weiteres Sonderkündigungsrecht
haben Mitglieder ab 2009, wenn
die Kasse mögliche Prämienzahlungen kürzt. Dann kann bis zur
erstmaligen Verringerung der Prämie gekündigt werden.
dpa
M
Porree jetzt
besonders würzig
orree ist mit nur 25 Kalorien
auf 100 Gramm ein kalorienarmes Gemüse. Er ist außerdem
reich an Beta-Karotin, Folsäure
und Vitamin C. Die ab jetzt geernteten Sorten verfügen Ernährungsexperten zufolge über ausgeprägteren Geschmack und eine
dunklere Farbe als Sorten zu anderen Jahreszeiten. So hat Winterporree einen kurzen dicken, weißen Schaft, dunkelgrüne Blätter
und schmeckt kräftig. Frühjahrsund Sommerporree dagegen hat
hellgrüne Blätter, einen langen
weißen Schaft, eine weichere
Struktur und ein milderes Aroma.
Porree lässt sich gut etwa fünf Tage im Kühlschrank lagern. Wegen
seines intensiven Geschmacks
sollte er allerdings nicht neben
aromaempfindlichen Produkten
wie Milch aufbewahrt werden. Bevor er zubereitet wird, muss er geputzt werden: Dazu werden die
beiden äußeren Blätter, die Wurzeln und die harten grünen Blattspitzen entfernt. Anschließend
wird der Porree längs halbiert und
gründlich unter fließendem Wasser gereinigt, die Spitze zeigt dabei nach unten.
dpa
P
10
POLITIK I WIRTSCHAFT
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
AM RANDE
Bafin-Chef Sanio
soll aussagen
m Landesbank-Untersuchungsausschuss des Landtags hat
Mitte September in erster Sitzung die Zeugenvernehmung des
Präsidenten der Bundesanstalt
für Finanzdienstleistungsaufsicht
(Bafin), Jochen Sanio, begonnen.
Von Sanio erhofft sich das Gremium Aufschluss über die Hintergründe des Niedergangs des an
die Landesbank Baden-Württemberg verkauften Instituts. Die Bafin war als Fachaufsicht für die
Sachsen LB zuständig. Deren
Dubliner Tochter hatte Wertpapiergeschäfte getätigt, deretwegen dem Land Sachsen ein Verlust von bis zu 2,75 Milliarden
Euro droht. In dieser Höhe bürgt
der Freistaat für mögliche Verluste der früheren Sachsen LB. Sanios Zeugenaussage wurde erst
möglich durch eine allerdings
wohl eingeschränkte Aussagegenehmigung des Bundesfinanzministeriums. Weil diese monatelang nicht vorlag, hatten Mitglieder des Ausschusses dem Ministerium bereits mit einer Klage vor
dem Bundesverwaltungsgericht
gedroht.
ddp
I
CSU beendet
Attacken
ie CSU hat den Kampf gegen
die Gesundheitsreform eingestellt. Parteichef Erwin Huber
und Ministerpräsident Günther
Beckstein sehen die Forderungen Bayerns weitgehend erfüllt.
„Wir sind über die Erwartungen
hinaus vorangekommen“, sagte
Huber nach einer Sitzung des
CSU-Vorstands in München. dpa
D
GEORGIEN-KRISE
Geschenke für Tiflis – Drohung aus Moskau
eorgien und die Nato
haben sechs Wochen
nach dem Südkaukasuskrieg eine Kommission
für eine engere politische
und militärische Zusammenarbeit
gegründet.
Nato-Generalsekretär Jaap
de Hoop Scheffer und der
georgische Regierungschef
Lado Gurgenidse unterzeichneten Mitte September in Tiflis entsprechende
Dokumente. „Das ist ein
Meilenstein in unseren Beziehungen“, sagte der
Nato-Generalsekretär. Die
Entscheidung für dieses
Gremium war nach dem
Einmarsch Russlands in
Georgien Anfang August
getroffen worden. Moskau
bekräftigte seine Warnungen vor einem Nato-Beitritt
der früheren Sowjetrepublik.
G
De Hoop Scheffer kündigte
an, dass die Außenminister
der Nato-Mitgliedsländer
im Dezember über die Aufnahme Georgiens in den
„Aktionsplan für die Mitgliedschaft“ (MAP) beraten
werden. Dazu müsse Georgien aber noch eine Reihe
von Reformen umsetzen.
Die Gründung der Nato-Georgien-Kommission werde
die Einbindung der Kaukasusrepublik in das Bündnis
deutlich beschleunigen, erklärte der Nato-Generalsekretär nach Angaben georgischer Medien.
„Wir teilen dieselben demokratischen Werte“, ver-
sicherte
Regierungschef
Gurgenidse dem Nordatlantischen Bündnis. Er
dankte „für das klare Zeichen der Solidarität und
Unterstützung“. Zu Beginn
der Nato-Gespräche be-
europäischer Nato-Mitglieder auf eine rasche Mitgliedschaft. Die MAP-Aufnahme führt nach einigen
Jahren automatisch zum
Beitritt. Widerstand von
Ländern wie Deutschland,
sogenannte territoriale Einheit des Landes wiederherzustellen“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen
Ausschusses der Duma,
Konstantin Kossatschow in
Moskau. Im Rahmen der
Politische und militärische Realität in Georgien: Ein russischer Soldat steht an
einem Kontrollpunkt in Karaleti, 80 Kilometer vor der Stadt Gori.
Foto: dpa
schuldigte Georgiens Präsident Michail Saakaschwili
Russland erneut als Kriegstreiber.
Das westliche Militärbündnis hielt in Georgien erstmals einen Nato-Rat ab,
der aus den Botschaftern
der Mitgliedsländer besteht. Das Treffen in Tiflis
war allerdings bereits vor
Ausbruch der Krieges geplant. Georgien dringt mit
Unterstützung der USA und
mehrerer mittel- und ost-
Frankreich, Spanien und
den Niederlanden hatte auf
dem Nato-Gipfel im April
verhindert, dass Georgien
und die Ukraine sofort in
den Aktionsplan aufgenommen wurden.
Russland macht eine massive Bedrohung seiner Sicherheitsinteressen
geltend. „Mit der Debatte über
eine
Nato-Mitgliedschaft
wird die georgische Führung noch ermutigt, auch
in Zukunft mit Gewalt die
Nato-Georgien-Kommission ist auch ein Fonds geplant, mit dessen Mitteln
die
„Verteidigungsfähigkeit“ Georgiens nach der
Teilbesetzung durch die
russische Armee wiederhergestellt werden soll.
Der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin
warnte in einem Interview
mit der Moskauer Tageszeitung
Komsomolskaja
Prawda, die Nato riskiere,
„in einen fremden Krieg hi-
neingezogen zu werden,
mit Russland als Gegner“.
Vor seiner Ankunft in Tiflis
hatte der Nato-Generalsekretär die russische Militärpolitik in den von Georgien
abtrünnigen Gebieten kritisiert. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Russland seine
Truppen in Südossetien
und Abchasien belässt“,
sagte er in einem Interview
der Financial Times. Die
Nato-Führung bekräftigte
die territoriale Einheit Georgiens. Während des Treffens in Georgien wollten die
Nato-Vertreter auch mit der
Opposition des Landes zusammenkommen.
Saakaschwili wiederholte
seine Kritik an Russland,
es habe selbst den Krieg
um Südossetien verursacht. Russlands Militär
sei bereits am 7. August in
Georgien eingedrungen,
um die Regierung zu stürzen und deren Westkurs
zu beenden, sagte Saakaschwili. Die Hintergründe
des Kriegsausbruchs im
Südkaukasus Anfang August sind zwischen Georgien und Russland umstritten. Moskau wirft Saakaschwili vor, zuerst das
abtrünnige Gebiet Südossetien angegriffen zu haben, woraufhin die russische Armee in Georgien
einmarschierte.
Auch
beim georgischen Verbündeten USA wächst mittlerweile die Kritik an Saakaschwilis Vorgehen.
dpa
IMMOBILIEN
Wächterhäuser machen bundesweit Schule
ie Idee der Leipziger
Wächterhäuser zur Rettung von leerstehenden
Altbauten vor dem Verfall
macht bundesweit Schule. Gefördert vom Bundesbauministerium berät der Verein HausHalten e.V. interessierte Städte,
wie durch die Vermittlung neuer Nutzer historische Gebäude
– ohne die herkömmliche Sanierung – erhalten werden
können. „Wir wollen und sollen die Idee in andere Städte,
die auch Leerstandsprobleme
haben, exportieren“, sagte Vereinssprecherin Doreen Lasche.
Neben Kommunen in Ostdeutschland hätten auch Städte im Westen Interesse an dem
Konzept angemeldet.
D
In Leipzig gibt es zwölf Wächterhauser. Auf Halle und
Chemnitz sei das Konzept
schon erfolgreich übertragen
worden, berichtete Lasche.
„Vor kurzem waren wir in
Wuppertal. Die Leute von der
Stadtverwaltung waren von
der Idee sehr begeistert.“ Allerdings, fügte sie hinzu, sei
dort
noch
längst
nichts
„spruchreif“. „Es dauert immer
eine Weile bis zur Umsetzung
der Idee.“
In Leipzig suche der Verein
ständig nach weiteren geeigneten Wächterhäusern. „Das sind
meist markante, denkmalgeschützte Eckhäuser an großen
Hauptstraßen, die kleine Hinterhöfe haben und wo die
Lärmbelästigung sehr hoch
ist.“ Sie zu sanieren und danach die Wohnungen zu vermieten, lohne sich derzeit auf
dem entspannten städtischen
Wohnungsmarkt nicht. Daher
nimmt der Verein Kontakt mit
den Eigentümern auf. Sind diese einverstanden, werden neue
Nutzer gesucht, die außer
Stromund
Nebenkosten
nichts zahlen müssen und im
Gegenzug das Haus zumindest
einigermaßen instand halten.
„Die Interessenten für die
Wächterhäuser sind sehr gemischt“, sagte Lasche. In den
bisherigen Objekten gibt es
150 Nutzer, rund 300 weitere
stünden auf einer Warteliste.
„Das sind Vereine oder auch
Studenten der Hochschule für
Grafik und Buchkunst, die
günstige
Ateliers
suchen.“
Wohnungen gebe es dagegen
nur vereinzelt. „Das Konzept
ist etwas für die Zwischenzeit,
also zwischen Leerstand und
Sanierung oder Verkauf der
Häuser“, so Lasche. Die Nut-
zungsverträge werden nur für
fünf oder zehn Jahre geschlossen – „und dann schaut man,
ob sich der Wohnungsmarkt
anders entwickelt hat.“
Birgit Zimmermann
Ein Wächterhaus im Stadtteil Lindenau.
Foto: Wolfgang Zeyen
REISE
11
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
ITALIEN
Latium – die Stiefschwester Roms
lle Straßen führen nach
Rom – aber auch aus der
italienischen
Hauptstadt
wieder aufs Land hinaus. Römische Villen und antiker Zauber,
prächtige mediterrane Natur mit
sanften Hügeln und versteckten
Seen, dazu die geheimnisvollen
Spuren der Etrusker und das
einladende Meer: Das alles ist
Latium vor den Toren der Ewigen Stadt, das weniger bekannte
und doch geschichtsträchtige
und einnehmende Bindeglied
zwischen der stolzen Toskana im
Norden und dem süditalienischen Kampanien mit dem wuseligen Neapel und der berühmten Amalfi-Küste. Bald zwei
Jahrhunderte ist es her, dass
deutsche Künstler hier zuhauf
aufs Land zogen, weil sie ein stilles Paradies gefunden zu haben
glaubten. Was aber ist davon geblieben?
A
Auf keinen Fall will die mittelitalienische Region ein Stiefkind
sein, das sich recken muss, um
auch mal aufzufallen, und auch
kein Aschenbrödel oder die
leichte Wochenendbeute gestresster Römer. Das in der Vergangenheit so magische Ziel Italien-süchtiger Maler und Dichter,
die – wie allen voran Goethe –
dort Motive, Beschaulichkeit und
Anregung in der Campagna
suchten als Kontrast zur Fülle
der Kirchen und Denkmäler in
Rom, glänzt noch immer durch
Vielfalt. Es ist ein Reichtum nicht
zuletzt auch kulinarischer Art:
Das Land schüttet nicht nur im
sprichwörtlichen Sinne dem Besucher ein Füllhorn aus, so dass
jeder bei seinen Entdeckungstouren etwas finden kann. Es müssen also nicht immer Petersdom
und Vatikanische Museen, TreviBrunnen und Spanische Treppe
sein. Ein Beispiel dafür ist die
eher gemächliche Zugfahrt nach
Frascati und zu den Albaner Bergen mit der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo und
den still ruhenden Vulkanseen.
Sicher, die zersiedelten Vororte
von Rom müssen erst einmal
hinter einem liegen. Doch dann
öffnet sich nur etwa 20 Kilometer südöstlich der Hauptstadt der
Panoramablick über die Campagna. Auf den Tischen vor den
Bars steht jener süffig-leichte
Weißwein, für den Frascati weltweit bekannt ist. Vor den kleinen
Marktständen bilden sich Trauben, angezogen vom Duft einer
anderen Spezialität dieser Region – leckere Scheiben porchetta,
Spanferkel also. Da ist das quirlige Rom rasch vergessen, auch
wenn die Hauptstadt in der Ferne im flirrenden Sonnenlicht
doch noch durchschimmert.
Bereits Cicero und Lukullus liebten die anmutigen Castelli Romani mit den Orten Frascati, Grottaferrata und Marino sowie das
schöne Arricia. Der Schriftsteller
wollte in der Landschaft seine
Gedanken speisen, der andere
brauchte nach dem Festmahl etwas Bewegung. Eine Kette erloschener Vulkane bildet das Gerüst für einen Naturpark, der mit
dem Albaner See und dem kleineren, auch Auge der Diana genannten Nemi-Vulkansee magische Anziehungspunkte bietet
und auch zum Baden einlädt.
Wer sich in Frascati beim Spanferkel zurückgehalten hat, kann
ganz in der Nähe der Sommerresidenz von Papst Benedikt XVI.
hoch über dem Albaner See ge-
rungen an Syrien, Ägypten oder
Griechenland in Stein hauen und
zu einer Traumresidenz zwischen Pinien, Zypressen und Eichen ausbauen. Der Kaiser, Weltreisende und Philosoph (76 bis
138 nach Christus) mit Hang
zum Geldausgeben und zu schönen Jünglingen, hatte sich eine
Art frühe Weltausstellung mit
Wasserbecken, Seetheater und
allem Drumherum gewünscht.
Heute ist es Unesco-Weltkulturerbe.
Das gilt auch für eine der Attraktionen in Tivoli selbst: Der Kardinal und Papst-Rivale Ippolito
im 16. Jahrhundert pro Sekunde
600 Liter Wasser aus dem Fluss
Aniene. Während die Nachwelt
das alles bewundern kann, blieben dem unglückseligen Kardinal dafür nur einige Jahre bis zu
seinem Tod 1572.
Ein neuer heißer Tipp in Tivoli
ist die Villa Gregoriana, die so
ganz anders ist als die beiden
Aushängeschilder. Klar, scharenweise peilen Touristen in Tivoli
die Villa d’Este und die Hadrians-Villa an, und die meisten gehen an der urwüchsigen Villa
Gregoriana vorbei. Ein Umweltverband hat das Gelände mit sei-
Im Schatten hoher Schirmpinien: Die Ruinen von Ostia Antica lassen die Größe der Hafenstadt zu Zeiten
des Römischen Reiches noch gut erahnen.
Foto: dpa
mütlich zu Mittag speisen – und
sich die Frage stellen: Isst das
katholische Kirchenoberhaupt,
das sich gern in Castel Gandolfo
aufhält, vielleicht hinter der dicken Mauer seiner Residenz
auch gerade sein sicherlich leichtes mittägliches Menü? Klassischer ist der Sprung nach Tivoli,
mit dem man auch schon die
Strecke in die Antike zurücklegt.
Etwas außerhalb des Städtchens,
30 Kilometer östlich von Rom,
liegt die Hadrians-Villa des genialen Kaisers. In einem Monumentalkomplex ließ der weit gereiste Hadrian hier seine Erinne-
d’Este hat in seiner Villa – und
vor allem mit dem prächtigen
Garten – seinem ehrgeizigen
Machtstreben ein Denkmal gesetzt, nachdem er im Vatikan
ausgebootet worden war. Nicht
selten bringen solche „Ersatzhandlungen“ einzigartige Kultur
hervor. Der 35 000 Quadratmeter große Renaissance-Garten
der Villa d’Este ist aber vor allem
ein erstaunliches Gesamtkunstwerk aus Wasserspielen dank
raffinierter Hydraulik, vielfältiger
Perspektiven und mythologischer Anspielungen. Ein 600 Meter langer Kanal lieferte bereits
nen Grotten, einem kleinen See,
einem Wasserfall und rauen Tuffsteinwänden vor Jahren aber auf
Vordermann gebracht. Es bietet
damit ein bizarr-romantisches
und erholsames Kontrastprogramm an. Entspannend ist es
auch, ein paar Kilometer abseits
des Strandrummels die antike
Hafenstadt Ostia Antica an der
Mündung des Tiber zu durchwandern. Weil über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten,
gilt dieses weitläufige Kleinod
der antiken Kultur als erstaunlich gut erhaltenes Zeugnis römischer Baukunst – und vor allem
des Alltags in der einst blühenden Handelsstadt mit den verzweigten Speichern für das Öl,
den Wein und das Getreide, wie
es das verwöhnte Rom täglich
frisch brauchte. Dreistöckige
Wohnhäuser wurden nach der
Wiederentdeckung Ostia Anticas
aus dem Dunkel der Vergangenheit geholt, Latrinen mit Marmorsitzen und Wasserkanälen
als Spülung darunter, aber auch
antike Imbissstuben für die Eiligen. Vor allem aber ist dies wieder so ein idealer Ort, der zum
Flanieren auf antiken Wegen einlädt, zum Verweilen etwa in der
Nähe des Kapitols oder dort, wo
die einst stolze Hafenstadt Roms
in die weite Landschaft übergeht. Während die Zikaden unermüdlich im Chor zu zirpen scheinen, machen sich ausländische
Studiengruppen im Rund des
Amphitheaters aus der Zeit des
Kaisers Augustus breit. Das für
tausende von Besuchern errichtete Theater im Herzen von Ostia
Antica ist so gut erhalten, dass es
auch heute noch als Schauplatz
für Konzerte im Freien dient. Für
ein Picknick, was sich hier aufdrängt, zieht sich der Wanderer
in der antiken Welt allerdings
besser unter eine der Schirmpinien zurück. Diese bieten Schatten, erlauben aber den ungestörten Blick über die Ruinenlandschaft. Schön wäre es schon,
wenn im antiken Imbiss nebenan
noch ein Grillfeuer brennen würde.
Und wem dies alles noch nicht
genug ist, der macht sich auf den
Weg nach Cerveteri nordwestlich
von Rom, um die berühmten Nekropolen der von den Römern
verdrängten Etrusker zu bestaunen. Er nimmt ein Bad im Bolsena-See mit seinen Inseln und
dem hübschen gleichnamigen
Städtchen nahe der Grenze zu
Toskana und Umbrien. Oder
auch in dem näher an der Ewigen Stadt gelegenen Lago di
Bracciano – doch Vorsicht, denn
dies ist an den Wochenenden ein
bevorzugter Tummelplatz der
Römer. Aber Latium ist reich an
Seen und Sehenswürdigkeiten,
man kann immer noch ausweichen. Wenn dann doch wieder
alle Wege zurück in die laute
Hauptstadt Italiens führen, hallen die Erinnerungen an die
Stunden in weitläufigen Gärten
oder auf Panorama-Terrassen
nach. Man hatte beim Blick auf
Schirmpinien und Zypressen jene Leichtigkeit aufgesogen, wie
sie Johann Sebastian Bach im
Italienischen Konzert auf das Notenpapier gezaubert und Klaviervirtuose Alfred Brendel in hörbare Leggerezza verwandelte. Das
passt zu den abwechslungsreichen Landstrichen, die eben
mehr sein wollen als nur Vorgärten der Hauptstädter.
Hanns-Jochen Kaffsack
12
KULTUR
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
AM RANDE
Verwirrung
um die Windsors
erwirrung um den Besuch
von Prinz Charles bei den
Händel-Festspielen 2009 in
Halle: Laut einem Bericht einer
Boulevard-Zeitung wird der britische Thronfolger in die Geburtsstadt des Komponisten
kommen. Die Zeitung berief
sich auf Angaben von Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD), wonach die Information vom Prinzen persönlich gekommen sei. Die Stadtverwaltung konnte den Besuch von
Prinz Charles nicht bestätigen.
Sie verwies lediglich auf einen
Brief an das Museum HändelHaus in Halle, wonach die englische Königin Elisabeth II. als
Schirmherrin der Festspiele
2009 definitiv nicht nach Halle
komme. „Der Buckingham-Palast prüft aber, ob ein anderes
Mitglied der königlichen Familie nach Halle kommen kann“,
so Direktor Philipp Adlung.
„Wer das sein könnte, wissen
wir derzeit noch nicht“, sagte
ein Sprecher der Stadtverwaltung. Die Festspiele in der Geburtsstadt des Komponisten
Georg Friedrich Händel (16851759) vom 4. bis 14. Juni
2009 stehen unter dem Motto
„Händel – der Europäer“. Der
250. Todestag Händels fällt
auf das Jahr 2009.
dpa
V
Solomon Burke
im Gewandhaus
olomon Burke (Everybody
needs somebody to love)
bringt den Soul ins Leipziger
Gewandhaus. In der Heimstätte des Gewandhausorchesters
will der 68-Jährige am 8. Dezember mit seiner 14 Mann
starken Band auftreten, wie
seine Konzertagentur mitteilte. Der 150-Kilogramm-Mann
präsentiert Lieder seines aktuellen Albums Like a fire. dpa
S
KLASSIK
„Auflehnung gegen das Schicksal“
n Kürze erscheint die von
der Musikwelt und besonders von ihren Anhängern
mit Spannung erwartete neue
CD von Anne-Sophie Mutter.
Die Weltklasse-Geigerin spielt
darin neben den beiden Violinkonzerten in a-Moll (BWV
1041) und E-Dur (BWV 1042)
das ihr gewidmete Violinkonzert In tempus praesens der
russischen Gegenwarts-Komponistin Sofia Gubaidulina. Im
Interview spricht die in München lebende Ausnahmekünstlerin Anne-Sophie Mutter über
diese Werke und ihre Leidenschaft für moderne Musik: „Inzwischen bin ich regelrecht
süchtig nach zeitgenössischer
Musik“, sagt sie.
I
Wenn ich Dichter wäre, könnte
ich das Werk beschreiben, so
kann ich Ihnen nur sagen: Es
ist für mich ein sehr tiefes Erlebnis, diese Musik zu spielen.
Ich weiß, dass jede Uraufführung dieses Gefühl von etwas
Bach und Gubaidulina drängten
sich natürlich auf wegen Frau
Gubaidulinas sehr enger Beziehung zu Bachs geistlicher Musik, wegen des mathematischen
Konzeptes. Ich möchte nichts
Falsches sagen, aber ich glaube,
Sie spielen regelmäßig Uraufführungen von Ihnen gewidmeten Kompositionen. Wie studieren Sie diese Werke ein, die Sie
nicht wie etwa ein Violinkonzert
von Mozart bereits kennen?
Frage: In diesen Tagen erscheint Ihre neue CD. Neben
zwei Violinkonzerten von Johann Sebastian Bach spielen
Sie darauf das Ihnen gewidmete Violinkonzert In tempus
praesens von Gubaidulina. Wie
beschreiben Sie dieses Werk?
Anne-Sophie Mutter: In der Außenwirkung hat es sehr viel
vom Bergschen Violinkonzert.
Von der Dramatik, von der Auflehnung gegen das Schicksal,
von dem erlösenden Dur, in
dem es endet, eben von der
Hoffnung, die am Ende dieses
Dramas steht, ist es ein Werk,
das in seiner Orchestrationskunst erst einmal ins Ohr sticht.
Es gibt keine Geigen, außer der
Sologeige. Die Streicher sind
nur in den Violen und den tiefen Streichern präsent. Es ist
eine Orchestration, die ungemein farbig ist, nicht zuletzt
durch einen gigantischen Gong,
der die einzelnen Abschnitte jeweils einläutet. Das ist dann jedes Mal ein bisschen so, als ob
sich die Erde öffnet. Die
Wagnertuben sind natürlich
ein Element, das eine ganz eigene Färbung mit sich bringt.
Größe Bachs zu sein, diese Erfüllung der Form, die diese beiden Komponisten verbindet. Es
war auch Gubaidulinas Wunsch,
ihr Werk mit Bach zusammenzubringen.
Weltklasse-Geigerin Anne-Sophie Mutter.
nie Dagewesenem, Wunderbarem, Erschütterndem in mir
hinterlassen hat. Trotzdem ist
Sofia Gubaidulinas Werk für
mich in einer ganz anderen
Sphäre anzusiedeln als alle anderen.
Was reizt Sie daran, auf dieser
CD Werke gegenüberzustellen,
zwischen denen mehr als 250
Jahre liegen?
Foto: dpa
es war die Lukaspassion, deren
Struktur sie übernommen hat,
um darauf das Violinkonzert In
tempus praesens zu bauen. Jedenfalls sind diese Zahlenreihen
aus der Bachschen Komposition
sehr wichtig, und es scheint
über das Spirituelle, das sie mit
Bach verbindet, über den Glauben, der sicher zentrale Schaffensquelle in ihrem Werk ist,
eben auch die handwerkliche
Das Spannende ist natürlich,
dass man bei einer Uraufführung
nicht einfach sorglos auf bereits
existierende Aufnahmen zurückgreifen kann und sich somit eine
akzeptable Interpretation auf
dieser bequemen und oberflächlichen Art und Weise aneignet. In
gewisser Weise ist aber für mich
der Prozess mit zeitgenössischer
Literatur nicht anders als er es
immer war mit dem Umgang mit
Repertoire aus dem 18. und 19.
Jahrhundert, weil ich es schon
als Kind gehasst habe, mir Werke anzuhören, die ich selbst
noch nicht studiert hatte. Bei
zeitgenössischer Musik ist das
Risiko des Scheiterns sehr viel
größer, weil man weniger Erfahrung mit dem Komponisten hat
und ich ja in den meisten Fällen
in doppelter Weise das Werk dieses lebenden Komponisten uraufführe: Es war nämlich bisher
nicht nur ein Werk, das für mich
geschrieben und noch nie aufgeführt wurde, sondern es war jeweils für mich auch das erste
Werk dieses Komponisten. Dies
ist eine sehr interessante und
spannende
Herausforderung,
weil ich nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen kann und
ich somit zu der Uraufführung
einen sehr frischen und manchmal geradezu von panischer
Angst des Scheiterns belasteten
Zugang finde. Inzwischen bin ich
regelrecht süchtig nach zeitgenössischer Musik.
Interview: Paul Winterer
SACHSEN
Beute-Bücher noch immer in Bibliotheken
n den großen sächsischen Bibliotheken befinden sich noch
tausende Bücher, die von den
Nazis und bei der Bodenreform erbeutet wurden. Sie standen einst
in den Bücherregalen von Schlossherren, Großgrundbesitzern oder
jüdischen Familien. „Im 20. Jahrhundert kam es erstmals in der
Geschichte vor, dass Bibliotheken
sich aus Quellen bedienten, die
nicht legal waren“, sagte der Direktor der Leipziger Universitätsbibliothek Albertina, Ulrich Johannes Schneider. „Das ist keine
ruhmreiche Geschichte.“ Da Bibliotheken die Herkunft der einzel-
I
nen Exemplare meist nicht notiert
haben, ist die Restitution schwierig.
„Die Nationalsozialisten haben
unter anderem bei Verlagen,
Buchhandlungen, Antiquariaten
und Bibliotheken verfolgter Organisationen verbotene Bücher beschlagnahmt“, sagte Cornelia
Reuß von der AG Geschichte der
Leipziger Universitätsbibliothek.
„Dieses NS-Raubgut wurde vor allem zu uns und zur Sächsischen
Landesbibliothek in Dresden gebracht.“ Da die beschlagnahmte
Literatur nicht besonders gekenn-
zeichnet wurde, sei es heutzutage
sehr schwer, sie wiederzufinden.
Durch einen Zufall stießen die Leipziger etwa auf Bücher des ehemaligen Reichstagsabgeordneten und
LVZ-Chefredakteurs Hugo Saupe
(1883-1957). Sie trugen den handschriftlichem Bleistiftvermerk „Saupe“. Ein 2007 entdeckter Briefwechsel zwischen der Universitätsbibliothek und der Nationalbibliothek Wien führte auf die Spur von
Büchern, die einst dem jüdischen
serbischen Verleger Geca Kon gehörten. „Der damalige Direktor der
Wiener Nationalbibliothek hatte sie
zu sich geholt, dann wurden sie
nach Leipzig, Berlin, München und
Breslau verteilt“, sagte Reuß.
Auch zur Bodenreform gelangten
tausende Bücher in die beiden großen Bibliotheken. Die damalige
Sächsische Landesbibliothek bekam laut „Handbuch der historischen Buchbestände“ etwa 200
000 Bände aus dem Zentralen Bergungslager. Darunter sei etwa Literatur aus den Schlössern Königsbrück, Siebeneichen und Schleinitz
gewesen, sagte Frank Aurich, Leiter der Abteilung Sammlungen der
Landesbibliothek. Nach Leipzig ge-
langten unter anderem 250 wertvolle Bände der Bibliothek des
Schlosses Püchau. Sie seien 2005
an Botho Graf von Hohenthal-Püchau zurückgegeben worden, sagte
Reuß.
Beide Bibliotheken werden mit Restitutionsansprüchen konfrontiert.
Die Dresdner Bibliothekare gaben
unter anderem den Erben des jüdischen Dresdner Bankiers Viktor
von Klemperer, Edler von Klemenau, und der ebenfalls jüdischen
Leipziger
Musikverlegerfamilie
Hinrichsen Bücher und Handschriften zurück. Sophia-Caroline Kosel
UNTERHALTUNG
13
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
LESESTOFF
Sabine Ebert – die Auflagen-Königin aus Sachsen
ie sind längst Stammgäste
auf den Bestsellerlisten: Autoren wie Noah Gordon
(Der Medicus), Ken Follett (Die
Säulen der Erde) und Co. haben
in den vergangenen Jahren von
einem Boom profitiert, der noch
immer anzuhalten scheint. Historische Romane finden in
Deutschland nach wie vor ein
großes Publikum. Jüngstes Beispiel ist die sächsische Autorin
Sabine Ebert, die inzwischen zur
Auflagen-Millionärin geworden
ist. „Der historische Roman
boomt“, sagt Frank Stefan Becker, Sprecher des Autorenkreises Quo Vadis, in dem sich rund
100 Autoren solcher Werke zusammengetan haben. Am Wochenende vom 19. bis 21. September treffen sich die Quo-Vadis-Mitglieder zu ihrer Jahrestagung in Speyer.
S
Die Ansprüche der Konsumenten an den historischen Roman
sind sehr hoch, selbst Fehler in
Details verzeiht der Leser kaum.
Das weiß auch Bestsellerautorin
Sabine Ebert aus dem sächsischen Freiberg. „Es muss alles
stimmen, deshalb ist Recherche
sehr wichtig.“ Sie wolle sich auf
keinen Fall blamieren, sagt die
Journalistin und Autorin der
Hebammen-Romane. In ihrer
Sachsen-Saga wird die Geschichte der 14-jährigen Marthe aus
dem Mittelalter erzählt. Als Hebamme und Kräuterkundige ist
sie mit Siedlern aus dem Fränkischen nach Christiansdorf unterwegs, dem späteren Freiberg.
Eingebettet ist die private Geschichte der Marthe, die zur
Frau wird, ihre Liebe findet und
Kinder bekommt, in historisch
verbürgtes Geschehen. Neben
den erdachten Figuren spielen
aus der Geschichte bekannte
Personen wie fürstliche Häupter
aus dem Geschlecht der Wettiner
gerechnet die Auflagenmillion
knacken.
In ihrem Büro in Freiberg sind
in mehreren Regalwänden Material und Bücher über das Mittelalter gesammelt. „Es gibt Bücher
die kleinste Borte oder ein Schuh
müssten genau in die Zeit passen. „Alles andere als Detailgenauigkeit würde der Leser übelnehmen“, meint Ebert.
immer wieder, wie genau sich
die Leser in der Zeit auskennen,
wie sehr sie mit dem Leben der
Hauptfiguren mitfiebern und daran Anteil nehmen.
Die Erklärung für den Erfolg ih-
Für die Lektorin Christine Steffen-Reimann vom Verlag Knaur
ist der Erfolg ihrer BestsellerAutorin Ebert ein Glücksfall.
„Wir sind immer noch überwältigt“, sagt sie. Romane aus der
deutschen Geschichte seien
zwar derzeit groß in Mode, aber
die Hebammen-Romane würden
das toppen. „Der Leser will mit
einer spannenden Story in seine
Vergangenheit eintauchen.“
Auch Quo-Vadis-Sprecher Becker sieht ein gewachsenes Interesse an unterhaltsam aufbereiteter Geschichte als Erfolgsgarant des historischen Romans.
Dazu kommt seiner Ansicht
nach: „Der Mensch sehnt sich in
unserer durchorganisierten Zeit
nach dem unmittelbaren Abenteuer.“ Historische Romane böten eine Reise in eine Zeit, zu der
die Verhältnisse noch klar gewesen seien.
Erfolg mit Geschichte aus Sachsen: Die Freiberger Romanschriftstellerin Sabine Ebert präsentiert
ihren Roman Die Spur der Hebamme.
Foto: dpa
mit, auch Heinrich der Löwe
oder Barbarossa greifen ein. Der
auf fünf Romane angelegte Zyklus führt über einen Zeitraum
von 30 Jahren. Mit dem gerade
herausgekommenen dritten Roman (Die Entscheidung der Hebamme) konnte Ebert zusammen-
über Rechtsprechung, Kleidung,
Rüstungen und Heilkunde“, sagt
die Journalistin Ebert. Auch biografische Bücher und Akten aus
Archiven ziehe sie zu Rate.
„Dann helfen mir natürlich Historiker, Münzkundler oder Bergbauexperten“, erzählt sie. Selbst
rer Romane findet sie in der Post
der Fans. „Die Menschen wollen
etwas über ihre Vergangenheit
erfahren. Geschichte wird für sie
durch die erdachten Figuren, die
an existierenden Orten agieren,
sehr erlebbar und auch sehr
menschlich.“ Es überrasche sie
Erstaunlich findet Becker den
Erfolg aber auch, weil es Romane über Mittelalter, Römer und
Co. deutlich schwerer hätten, in
den Medien rezensiert zu werden. „Viele Rezensenten scheuen
vor historischen Romanen zurück.“ Eine gute Besprechung eines solchen Buches verlange
nämlich nicht nur eine literarische Einschätzung, sondern
auch eine Kenntnis der beschriebenen Zeit.
Gudrun Janicke, Marc Strehler
MALEREI
Künstler der Welt, trefft euch in Leipzig!
n der Leipziger Baumwollspinnerei sitzen fünf Künstler bei
selbst gebackenem Kuchen zusammen und verabschieden einen aus ihrer Mitte. Der Schweizer Luzian Obrist wird anderntags die Runde verlassen, seit Januar nahm er am International
Art Programme LIA teil. AnnaLouise Kratzsch hat das Atelierprogramm im vergangenen Jahr
gegründet und leitet es. „Meine
Künstler leben hier wie in einer
großen WG“, sagt sie. Die Kunsthistorikerin führt in der ausgedienten Baumwollspinnerei, heute Leipzigs Galerienzentrum,
Künstler aus aller Welt zusammen und präsentiert deren Werke in Ausstellungen und Veranstaltungen. Früher ist die inzwischen 28-Jährige jahrelang selbst
durch viele Länder gezogen.
I
Geboren in Rügen, macht sie Abitur am Kunstgymnasium in Wet-
tin bei Halle, ein Schüleraustausch führt sie in die USA. Fürs
Studium erhält sie ein Stipendium. „Jetzt war klar, ich kann
richtig ins Ausland“, erinnert sich
Kratzsch. Madrid, London und
New York sind die Stationen der
nächsten Jahre. Zwischendurch
studiert sie immer wieder auch in
Leipzig und ist dabei, als die zeitgenössische Kunstszene der Stadt
sich zu internationaler Bekanntheit aufschwingt.
Ein Galerist fragt sie, ob sie nicht
ein Atelierprogramm in Leipzig
ins Leben rufen wolle. „Ja, würde ich machen, aber vorher will
ich nach China“, sagt sie und
zieht für einige Monate in eines
der traditionellen Hofhäuser in
der Pekinger Altstadt. Ihre Begeisterung fürs fremde Land verarbeitet sie in einem Roman, der
gegenwärtig bei einem großen
Verlag lektoriert wird.
Als sie zurückkommt, warten
mehr schlecht als recht nutzbare
Räume im riesigen Haus 18 der
Baumwollspinnerei auf sie. Auf
der Kunstmesse Art Basel wirbt
sie bei einer Schweizer Stiftung
um ihren ersten Ateliergast. Ihr
Vater, selbst Künstler, hilft ihr
beim Herrichten der Räume.
Unterstützer und Sponsoren für
ihr Vorhaben gewinnt Kratzsch
mit ihrer ansteckenden Energie:
„Meine
Begeisterungsfähigkeit
kommt von innen heraus, das
müssen andere spüren, sonst
geht das gar nicht.“ Zur Eröffnung im November 2007 hat sie
ein überwiegend bürgerliches
Publikum zu einer japanischen
Teezeremonie geladen. Die Gäste
müssen auf dem Boden sitzen:
„Davon erzählen die heute
noch.“
Ein paar Wochen später zieht
der erste Gast in ihre Künstlerresidenz ein. Seitdem lautet
Kratzschs Aufgabe: „Internationale Künstler fördern, internationale Kunst vermitteln.“ Dass
sie dafür ihr bisheriges Nomadenleben zumindest für die
nächsten Jahre gegen Sesshaftigkeit eingetauscht hat, bedauert sie nicht: „Ich bin jetzt hier
sehr glücklich. Ich habe Projekte, die mich nähren, und ich habe hier so viel Kraft reingesteckt.“
Als Chefin des LIA schreibt sie
nicht nur Förderanträge, editiert Kataloge ihrer Künstler
und organisiert Ausstellungen.
Sie ist auch eine Art Herbergsmutter für ihre internationalen
Gäste. Dass die auch mal feiern,
gehöre in der großen KünstlerWG auf Zeit dazu, sagt sie:
„Sonst kriegst du das ja nicht
verbunden.“
Auch Luzian Obrist lobt die gute
Stimmung: „Man kann auch mal
über was anderes als über die
Kunst reden.“ Und die Japanerin
Aya Onodera sagt: „Ich fühle
mich gut hier, obwohl meine Familie in Japan ist.“ Nur fühle sie
sich in Leipzig manchmal wie in
einem Dorf. Zuvor hat sie in der
20-Millionen-Einwohner-Stadt
Tokio gelebt.
Trotz der Sponsoren, die ihre
vier Ateliers in der Baumwollspinnerei unterstützen, arbeitet
Kratzsch noch in zwei Nebenjobs. „Ich habe momentan Kapazitätsmangel“, gibt sie zu,
aber trotzdem schweifen ihre
Gedanken schon wieder weiter.
„Es ist unrealistisch im Moment, aber vielleicht mache ich
mal in China eine Dependance
auf. Ich bin ein sehr unruhiger
Mensch“, sagt sie.
Robert Schimke
14
PRÄVENTION
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
AM RANDE
Bei Morbus-Crohn
besser Vollkost
atienten mit einer chronischentzündlichen
Darmerkrankung ernähren sich am besten
mit leichter Vollkost. Die Mahlzeiten sollten nicht zu groß sein und
über den Tag verteilt werden, rät
Astrid Wächtershäuser von der
Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt/Main. Eine leichte
Vollkost bekomme den meisten
Morbus-Crohn-Patienten während
der Entzündungsphase besser
als eine Vollkost mit vielen Ballaststoffen. Fettreiches Essen,
blähende Gemüsesorten und
Rohkost belasteten den Darm
sehr und sollten daher vermieden
werden, so die Expertin. Besonders heiße oder kalte Gerichte gehörten in der Entzündungsphase
ebenfalls nicht auf den Speiseplan.
dpa
P
Kein Alkohol in
Schwangerschaft
lkohol kann schon in kleinen
Mengen bei ungeborenen Kindern zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. Schwangere Frauen verzichten daher besser komplett auf alkoholische Getränke, rät die Deutsche
Hauptstelle für Suchtfragen
(DHS) anlässlich des Internationalen Tages des alkoholgeschädigten Kindes. Risikoarme Mengen beim Alkoholkonsum während der Schwangerschaft gebe
es Studien zufolge nicht. Mögliche Folgen könnten Verhaltensund Lernstörungen beim Kind
sein, die unter Umständen lebenslang anhalten.
dpa
A
VORGESTELLT
Rheumaliga Sachsen bietet Hilfe für Betroffene
heuma – eine Krankheit für ältere Menschen? Ein weit verbreiteter Irrtum. Leider erkranken schon Kinder, bevor sie überhaupt richtig
laufen und sprechen können. Rheuma ist ein Sammelbegriff für über 400 Erkrankungsformen. Eines
haben alle Formen gemeinsam: die Betroffenen
– ob jung oder alt – müssen
mit Schmerzen leben. Verbunden
mit
diesen
Schmerzen sind bei den
meisten Erkrankungsformen Entzündungen, Deformierungen,
Fehlstellungen, Versteifungen und oftmals völlige Zerstörung
von Gelenken.
R
Rheumatische Erkrankungen stehen hinsichtlich ihrer Häufigkeit an der Spitze
chronischer Leiden in
Deutschland. Vier Millionen
Menschen bedürfen ständiger Behandlung und Betreuung. So ist auch die
Deutsche Rheuma–Liga die
größte deutsche Patientenorganisation.
Im März 1990 gründete
sich die Rheuma-Liga
Sachsen e. V., deren Präsident die ersten zwei Jahre
Prof. Häntzschel vom Universitätsklinikum war. Inzwischen bestehen 43 regionale
Arbeitsgemeinschaften (AG) mit 3650 Mitgliedern,
wovon
die
Leipziger AG die größte im
Freistaat ist.
Als wir im Jahre 1990 mit
100 Mitgliedern die AG
Leipzig innerhalb der
Rheuma-Liga
Sachsen
gründeten, wussten wir
nicht viel über die Möglichkeiten der Selbsthilfe. Heute haben wir eine Erfahrung von 18 Jahren Selbst-
So können Rheumatiker
Informationen über Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten,
Ernährung, Hilfe im Alltag
erhalten. Zu spezifischen
Krankheitsbildern
und
psychologischer
Krankheits- und Schmerzbewäl-
formieren zu Themen rund
um ihre Erkrankung und
in verschiedenen Foren zu
diskutieren, zum Beispiel
zur
Gesundheitspolitik,
und natürlich miteinander
zu reden und zu feiern. Für
Fibromyalgiebetroffene
besteht seit drei Jahren in-
Wie ein Blitz, der durch den Körper zuckt: Rheuma bereitet den Betroffenen
starke Schmerzen.
Foto: pd
hilfearbeit in der RheumaLiga.
Wir sind jetzt 280 Mitglieder und freuen uns über die
positive Entwicklung unserer Arbeit. Alle nur ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter
und Helfer der AG Leipzig
bemühen sich, Hilfen anzubieten, damit rheumakranke Menschen besser mit ihrer Erkrankung umgehen
und ihren Alltag bewältigen
können.
tigung werden Wochenendseminare beziehungsweise Informationsveranstaltungen angeboten, die
von der Rheuma-Liga
Sachsen organisiert werden.
Ein besonderer Höhepunkt
ist der jährlich stattfindende Sächsische Rheumatag;
in diesem Jahr bereits der
15. Hier treffen sich 250
Mitglieder der Rheuma-Liga-Sachsen, um sich zu in-
nerhalb der AG eine Gesprächsgruppe. Sie trifft
sich einmal monatlich.
Jeder
Rheumakranke
weiß, wie wichtig es ist,
Gelenke zu bewegen und
Muskeln zu kräftigen.
Deshalb setzt das ein großer Teil unserer Mitglieder in den von uns organisierten Gymnastikgruppen unter fachgerechter
Anleitung durch Therapeuten in die Tat um.
Da jeder Mensch eine Einheit aus Körper und Seele
ist, haben auch wir gesellige
und kulturelle Veranstaltungen sowie Freizeitangebote
in unser Programm aufgenommen. So sind es schon
traditionelle Veranstaltungen geworden, wenn wir jedes Jahr zum Frühlingsund Herbstfest, zur Busfahrt
sowie zur Weihnachtsfeier
und zum Theaterbesuch zu
Weihnachten einladen. Wer
Interesse hat, kann unsere
Freizeitangebote, zum Beispiel Chor- oder Kreativzirkel, annehmen.
Wir sind froh und dankbar,
dass unsere Arbeit für
rheumakranke Menschen
von so vielen Seiten unterstützt wird. Sonst könnten
wir diese in diesem Maße
nicht durchführen. So ist
uns die Zusammenarbeit
mit dem Rheumazentrum
am
Universitätsklinikum
Leipzig (ROZ) und Prof.
Häntzschel wichtig. Wir
sind sehr dankbar, dass wir
innerhalb des ROZ Räumlichkeiten nutzen können
für unsere Seminare, Infoveranstaltungen, Gruppenangebote und Beratungen.
Wenn Sie an einer rheumatischen Erkrankung leiden
und Interesse an der Arbeit
der Rheumaliga haben,
sind Sie herzlich eingeladen, sich bei uns zu informieren.
Helga Tröger,
Leiterin der AG Leipzig;
Tel 0341 4115600.
APOTHEKERTIPP *
Irren ist menschlich – aber man kann etwas dagegen tun
ine kürzlich präsentierte
Untersuchung geht davon
aus, dass etwa jeder zwanzigste Krankenhaus-Patient wegen Problemen in der Therapie
mit Medikamenten in die Klinik
eingeliefert wird. Davon etwa ein
E
Viertel wegen Fehler in der Einnahme oder Handhabung von
Medikamenten, die durchaus
vermieden hätten werden könnten. Irren ist menschlich, und
Fehler sind nicht zu vermeiden.
Man kann allerdings als Patient
eine ganze Menge tun, um das Risiko auf ein Minimum zu verringern.
Das erste wäre, sich klar zu machen, dass Medikamente ein Segen für von Krankheit geplagten
Patienten sind, aber dass sie
auch Gifte sind (griechisch pharmakon = Gift). Genauso wie man
im Wasser ertrinken aber auch
verdursten kann, ist es bei Medikamenten meistens die Frage der
Dosierung, die zwischen Heilung
und Schädigung entscheidet. Die
tatsächlich aufgenommene Menge des Arzneimittels wird von
vielen Faktoren beeinflusst – wie
Nahrung und anderen Medika-
menten –, die man als Patient berücksichtigen muss.
aussehen, aber für Kinder tödlich
sein können.
Nehmen Sie alle oralen Arzneimittel grundsätzlich nur mit stillem Wasser – ein gutes Glas – auf.
Andere Flüssigkeiten wie Milch,
schwarzer Tee oder Sprudelwasser können die Aufnahme im Magen und Darm beeinflussen. Im
Extremfall (wie Grapefruitsaft)
kann das zu erheblichen unerwünschten Wirkungen führen.
Achten Sie darauf, dass auch
Nahrung dies verursachen kann.
Ihr Arzt oder Apotheker hilft Ihnen gerne weiter.
Was man in der Drogerie oder im
Supermarkt an Nahrungsergänzungsmitteln oder für die „Wellness“ kauft, ist deswegen nicht
ungefährlich. Viele von diesen
Mitteln – wie zum Beispiel Johanniskraut oder Calciumpräparate
– haben einen erheblichen Einfluss auf Medikamente. Sie sollten daher vorsichtig damit umgehen und beim Arzt oder Apotheker um Rat fragen.
Lassen Sie die Arzneimittel in den
Packungen bis zur Einnahme oder
Überführung in Dosierungskassetten. Dadurch vermeiden Sie Verwechslungen, die fatale Folgen
haben können. Kinder sollten nie
Zugang zu Arzneimitteln haben,
die allzu oft wie leckere Bonbons
Aber am wichtigste ist es, dass Sie
sich über Ihre Medikamente gut
informieren und auch beim Arztwechsel oder bei zusätzlichen Besuchen bei Fachärzten diese über
ihre kompletten Medikamente,
einschließlich derjenigen aus der
Drogerie, informieren. Um dies zu
erreichen empfiehlt sich, eine beratungsintensive Apotheke in Ih-
rer Nähe auszusuchen und Ihre
Medikamente immer von dort zu
beziehen. Nur wer Sie als Patienten kennt, kann Fehler in Verschreibungen erkennen, zum Beispiel oft vorkommenden Flüchtigkeitsfehler in den Stärken oder
Doppelverschreibungen durch unterschiedliche Fachärzte. Scheuen
Sie sich nicht, so lange zu fragen,
bis Sie wirklich verstanden haben,
wie und wann Ihre Medikamente
zu verwenden sind. Falscher
Scham ist an dieser Stelle unangebracht, denn jeder Fachmann – ob
Arzt oder Apotheker – ist verpflichtet, Ihnen beim besten Gebrauch Ihrer Medikamente zu helfen.
* Roberto Frontini ist Direktor der Apotheke des Universitätsklinikums Leipzig
in der Liebigstraße 21 und
Doktor der Pharmazie.
BEAUTY UND WELLNESS
15
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
WASSER
AM RANDE
Entspannen leicht gemacht
chon die alten Römer wussten: Wasser macht gesund.
Überreste
römischer
Thermen finden sich
überall in Europa, und
auch
der
moderne
Mensch entdeckt den lateinischen Spruch „Sanus
per aquam“ wieder. Entspannung etwa im Solebad wird groß geschrieben, noch bevor die ersten Zipperlein zutage treten. Wellness-Reisen machen laut dem Europäischen Heilbäderverband
(EHV) bereits gut 60 Prozent aller Gesundheitsaufenthalte aus. Der Rest
entfällt auf Kuren und Reha-Aufenthalte.
S
Vor allem die 35- bis 50Jährigen, die im Beruf
stark belastet sind, tragen zunehmend zu diesem Boom bei. „Sie verdienen gut, haben wenig
Zeit und suchen daher effektive
Möglichkeiten,
sich zu erholen“, sagt
Lutz Hertel vom Deutschen Wellness Verband
(DWV) in Düsseldorf. Für
manche sei der Urlaub
für das Wohlbefinden
aber nur eine Frage des
Lebensstils: Wellness gilt
als schick. Diese Reisenden seien „Infrastrukturnutzer“, sagt Hertel: Sie
fahren in ein Hotel mit
großer
Wellnessfläche,
schlafen lange, essen ausgiebig und sind viel in der
Sauna.
Die „Gesundheitsbewussten“ dagegen haben laut
Hertel ein Konzept. Sie
wollen bestimmte Befindlichkeitsstörungen behe-
ben, sind an Regeneration interessiert und wünschen sich gute Beratung
und medizinische Betreuung – Tendenz steigend:
„Der Trend geht klar zu
Medical Wellness“, sagt
auch EHV-Geschäftsfüh-
als 1200 Heilbäder und
Kurorte gibt es laut EHV
in Europa. Allerdings
möchte gerade ein Gesundheitsurlauber nicht
als Patient aufgenommen
werden, sagt Christoph
Menne, Geschäftsführer
punkt gebe etwa das Siegel „Prävention im Kurort“ vom Deutschen Heilbäderverband, sagt DWVChef Hertel. Aber auch
der EHV und der DWMV
haben eigene Zertifikate
verteilt. Außerdem bieten
Erholung im Sole-Bad: Wellness-Urlauber sollten sich vorab genau erkundigen,
welches Wasser bei ihren Beschwerden am besten wirkt.
Foto: dpa
rer Joachim Lieber. Das
heißt: Der Urlaub wird
zugleich für eine ärztliche
Untersuchung auf eigene
Kosten und einige therapeutische Anwendungen
genutzt. Ein kurzer Aufenthalt bringe aus präventiven Gesichtspunkten
zwar nicht viel, könne
aber Geschmack auf
mehr machen. „Dann
bleibt man das nächste
Mal vielleicht zwei Wochen oder mehr.“
Ein passendes Reiseziel
zu finden, ist aber alles
andere als leicht. Mehr
des Deutschen Medical
Wellness
Verbandes
(DWMV). Daher bieten
sich auch viele normale
Hotels als Bleibe an. „Die
Badewanne, in der Rosen
schwimmen,
gilt
oft
schon als Wellness-Angebot“, kritisiert Menne
aber. Er empfiehlt daher,
nicht einfach blind ein
Haus
herauszupicken,
sondern bei der Auswahl
auf vorhandene Zertifikate zu achten – und zu
prüfen, was da von wem
zertifiziert wurde.
Einen
guten
Anhalts-
einige größere Reiseveranstalter in extra Katalogen Aufenthalte in Badeund Wellnesshotels an.
Doch damit sind nicht immer alle Stolperfallen
ausgeräumt. „Überspitzt
gesagt: Jedes Hallenbad,
das Leitungswasser auf
30 Grad aufheizt, wird
als Therme bezeichnet“,
bemängelt Horst Jahns,
Ratgeber-Autor aus Götschetal bei Leipzig. Reisewillige sollten daher auch
schauen, ob tatsächlich
echtes
Thermalwasser
eingesetzt wird – ob es al-
so bereits an der Quelle
über 20 Grad warm ist.
Wichtig ist außerdem,
worum es sich handelt:
Sole oder Schwefel zum
Beispiel wirken bei unterschiedlichen Problemen.
„Daher sollte man fragen:
Ist überhaupt mit einer
Linderung
bestimmter
Beschwerden zu rechnen?“
Dass möglichst ein Arzt
zu dem ins Auge gefassten Haus gehören sollte,
versteht sich dabei fast
von selbst – am besten
ein auf Prävention, Rehabilitation oder physikalische Therapie spezialisierter Mediziner, sagt
Hertel: „Da sind die klassischen Kurbetriebe besser aufgestellt, so angestaubt sie auch wirken
mögen.“ Positiv sei aber
auch schon, wenn ein
Wellness-Hotel vor der
Anreise einen Fragebogen schickt und aus einem telefonischen Beratungsgespräch dann ein
fundiertes Behandlungskonzept entwickelt.
Da für viele Erholungssuchende auch die Freizeitgestaltung eine Rolle spielt,
empfiehlt es sich außerdem, die Umgebung in die
Auswahl
miteinzubeziehen. „Wem das Kulturangebot wichtig ist, der fährt
vielleicht lieber nach Baden-Baden als in einen
Kurort, der sich vor allem
auf die Therapie konzentriert“, sagt Lieber. Und ein
Stadthotel fördert die Entspannung sicher weniger
als eines mitten im Grünen.
Nina C. Zimmermann
PERSÖNLICHKEIT
Veränderung in kleinen Schritten
b beruflich oder
privat,
Veränderungen
erfolgen
am besten in kleinen
Schritten. „Mit einem
vollständigen
Wechsel
tun sich viele Menschen
schwer“, sagte der Diplom-Psychologe Rudolf
Stroß aus Bergisch Gladbach.
O
Damit der Anfang gut
gelingt, muss aber auch
der Zeitpunkt stimmen:
Wer zum Beispiel mit
dem Rauchen aufhören
möchte, sollte damit
nicht unbedingt im Urlaub anfangen, wenn Er-
holung im Mittelpunkt
steht. Auch Phasen von
großem
beruflichen
Stress seien eher ungeeignet. Der Betroffene
benötige Ruhe, Kraft
und Zeit.
Grundsätzlich kann sich
jeder Mensch aus eigener Kraft verändern,
wobei die Selbstveränderung laut Stroß in
manchen Fällen sogar
erfolgreicher ist als eine
Therapie. „Fast jeder
hat schließlich schon
einmal eine Partnerschaftskrise,
Trauer
oder eine Trennungssi-
tuation in Eigenregie bewältigt.“ Das seien letztlich alles seelische Leistungen mit therapeutischer Qualität. Allerdings hat die Selbstveränderung auch Grenzen:
Bei schwerer Sucht oder
psychischen Erkrankungen sei professionelle
Hilfe unentbehrlich.
Ausgangspunkt
der
Selbstveränderung ist in
der Regel eine unbestimmte
Unzufriedenheit. Der Mensch stört
sich an etwas, kann aber
nicht festmachen, was es
genau ist. Sobald er den
Grund für sein Unbehagen gefunden hat, kann
die Veränderung beginnen. „Für die Selbstveränderung ist es unerlässlich, sich selbst zu
beobachten“,
erklärte
der Experte. Danach
muss ein Ziel festgelegt
werden.
Wichtig ist dabei vor allem, sich auf eigene Ressourcen und bereits gemachte Erfahrungen zu
stützen. Folgende Fragen gilt es laut Stroß zu
beantworten: „Was gibt
mir Zuversicht und Kraft
und welche in mir noch
schlummernden Fähigkeiten besitze ich?“ Wer
sich beruflich verändern
möchte, kann sich zum
Beispiel zunächst ein
neues Hobby, einen Nebenjob oder eine ehrenamtliche Tätigkeit zulegen. Dort erprobt der
Betroffene die Selbstveränderung im Kleinen
und macht neue Erfahrungen. Es ist auch ganz
normal, dass sich das
Ziel mit der Zeit verändert. „Das hat nichts mit
Wankelmütigkeit, sondern mit Flexibilität zu
tun“, so der Experte.
Ragah Kamel
Tiefschlaf wichtig
für Stoffwechsel
ielbeschäftigte, die sich mit
kurzen Schlafzeiten brüsten,
spielen Vabanque mit ihrer Gesundheit. Forscher verstehen
den biologischen Sinn des
Schlafes immer besser. Er ist jedenfalls keine schlichte Erholungszeit, die sich beliebig verkürzen lässt. Nicht nur für die
Ausbildung des Gedächtnisses
ist regelmäßiger Schlaf essentiell. „Wir haben Hinweise, dass
gerade der Tiefschlaf wichtig ist
für die Regulation des Stoffwechsels“, erklärt der Kieler
Neuroendokrinologe Professor
Jan Born. Seine Forschungsgruppe konnte zeigen, dass
Testpersonen, die nur vier Stunden schlafen durften, schon
nach einer Woche einen deutlich
gestörten Stoffwechsel aufwiesen. Der Blutzuckerspiegel geriet aus der Balance, der Blutdruck stieg, und der Spiegel des
Stresshormons Kortisol war erhöht. „Wahrscheinlich braucht
der Mensch den Schlaf, um den
Stoffwechsel auf einen genetisch mehr oder weniger vorgegebenen Sollwert zu regulieren.
Diesen muss der Schlaf anscheinend immer wieder neu
festschreiben, weil er sonst vergessen wird“, fasst Born zusammen.
dpa
V
Erst Sport –
dann Sauna
rst zum Sport und dann in
die Sauna: Diese Reihenfolge sollten Wellness-Anhänger
unbedingt einhalten. Andernfalls kann es zu ungünstigen
Kreislaufreaktionen kommen,
warnt der Deutsche SaunaBund in Bielefeld. Auch die Wirkung der Sauna – körperliche
Erholung und psychische Entspannung – geht sonst verloren. Eine Massage zwischen
den Saunagängen oder im Anschluss an die Sauna kann
das Wohlgefühl dagegen verstärken.
dpa
E
Tee in Duftlampe
hilft zu entspannen
ee ist nicht nur zum Trinken
da: Für einen frischen oder
würzigen Duft in Wohnräumen
lässt er sich ebenfalls nutzen.
Dazu werden lose Teeblätter
mit heißem Wasser in die
Schale einer Duftlampe gegeben, rät der Deutsche Teeverband in Hamburg. So kann
sich der Duft besser ausbreiten. Das steigert das Wohlbefinden und den Grad der Entspannung. Denn die in manchen Teemischungen enthaltenen ätherischen Öle regen
neben den Geschmacks- auch
die Geruchsnerven an.
dpa
T
16
KINDER
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
FRAGEN – STAUNEN – WISSEN
Fässchen voller Vitamine
in Männlein steht im
Walde, ganz still und
stumm. Es hat aus lauter
Purpur ein Mäntlein um.“ Na
klar, dieses Kinderlied kennt
ihr doch bestimmt alle und die
Lösung auch: Das Männlein ist
die Hagebutte. Wer jetzt
spazieren geht, kann sie am
Waldrand, in Hecken und
Parks knallrot leuchten sehen.
E
Inneren
die
eigentlichen
Früchte verbirgt.
Das Fruchtfleisch ist essbar. Es
schmeckt säuerlich und besitzt
neben anderen Vitaminen jede
Menge Vitamin C, das bei Erkältungen hilft und die Abwehrkräfte stärkt. Also bei
Husten oder Schnupfen ordentlich Hagebuttentee trinken! Auch Marmelade oder
Suppe kann man aus den roten Früchtchen kochen.
Hagebutten sind die Früchte
der Heckenrose. Manche nennen diesen Strauch auch
Hundsrose. Eigentlich können Wenn ihr so eine Hagebutte
alle Rosen diese Früchte bil- einmal aufpult, dann seht ihr,
den; allein die im Garten sind dass die Samen von feinen
oft so geHärchen
züchtet,
umgeben
„Durch ihr prächtiges Rot
dass sie keisind. Desne
haben. locken Hagebutten Vögel an.“ halb eignen
Oder
das
sie sich herVe r b l ü h t e
vorragend
wird abgeschnitten, weil die als Juckpulver. Man muss sie
Samenbildung die Pflanzen nur jemand anderem unter
sehr viel Kraft kostet.
den Pullover stecken. Wenn
der dann aber rumjault wie
Die Heckenrose kommt in Eu- ein junger Hund, müsst ihr das
ropa, Nordafrika, Vorder- und selber verantworten. Ich jeMittelasien vor. Dort, wo im denfalls habe euch dazu nicht
Spätfrühling beziehungsweise geraten!
Frühsommer die Blüten saßen,
haben sich nun die Hagebut- Doch warum sind eigentlich
ten gebildet. Der Name setzt die Fässchen so leuchtend rot?
sich übrigens aus dem alten Ganz einfach: Die Farbe lockt
Wort Hag für ein umfriedetes im Winter die Vögel an. Die esGrundstück (zum Beispiel mit sen die Hagebutten und scheieiner Hecke als Zaun) und dem den später die harten, unverWort Butte für Fass zusam- daulichen Samen anderswo
men.
wieder aus. So haben beide etwas davon: die Vögel Nahrung
Und so sieht sie ja auch aus: und der Strauch eine kostenlowie ein Fässchen aus rotem se Verbreitung seiner NachFruchtfleisch, das in seinem kommenschaft.
Uta Poppitz
KINDERLACHEN
Rot wie Rosen, gesund wie Zitronen: Hagebutten.
Stichwort: Hagebutte
ls Hagebutte (lateinisch: rosa canina) bezeichnet man die Frucht verschiedener Rosenarten.
Die Hagebutte ist eine Sammelfrucht, die viele
Nüsschen enthält. Das Fleisch der im Herbst geernteten Früchte entsteht aus dem Blütenboden, ist
A
BUCHTIPP
Witze
Tintenblut
Ein Tiroler mit Lederhose,
Trachtenjacke und Gamsbarthut sitzt in einem Berggasthof.
Setzt sich ein Engländer neben ihn und fragt: „Are you
smoking?“ Knurrt der Tiroler:
„No, Trachtenanzug!“
●
„Papa, draußen steht ein
Mann vor der Tür und sammelt
fürs neue Schwimmbad!“ –
„Gib ihm halt einen Eimer Wasser!“
●
Geht eine Frau mit ihrem Kind
zum Arzt: „Mein Kind hat vor
einer Woche ein Zwei-EuroStück verschluckt.“ Der Doktor: „Warum sind Sie dann
nicht früher gekommen?“ –
„Bis jetzt haben wir das Geld
noch nicht gebraucht!“
●
Bei jedem Atemzug, den ich
mache, stirbt ein Mensch,
sagt die Lehrerin. Darauf ein
Schüler: „Dann versuchen Sie
es doch mal mit Mundwasser!“
allo liebe Kinder, wie geht es
H
euch? Habe beim Suchen in
der Schmökerkiste wieder ein
süßsauer und reich an Vitaminen – besonders Vitamin C, aber auch viel Vitamin A, B1 und B2. Die
Nüsschen der Hagebutte sind mit feinen Härchen
bedeckt, die Widerhaken haben. Diese Häkchen rufen bei Hautkontakt einen Juckreiz hervor.
KINDERRÄTSEL
Finde die fünf Unterschiede
abc
Deneb
SCHWAN
KEPHEUS
DRACHE
BOOTES
KL.WAGEN
KASSIOPEIA
Polarstern
Arktur
GR.WAGEN
HAAR
DER
GR.BÄR
BERENIKE
neues Buch für euch neugierige
Leseratten gefunden. Es heißt
Tintenblut und ist die Fortsetzung
des spannenden Romans Tintenherz von Cornelia Funke.
Die Hauptfigur Meggie findet sich
in der vertrauten und
zugleich völlig fremden Tintenwelt wieder. Einer Welt voller
Magie, fantastischer
Wesen, grausamer
Tyrannen und vogelfreier Spielleute. Diese Welt ist wundersam, fantastisch und
lässt sie immer wieder staunen – aber
vor allem ist sie düster, gefährlich
und gruselig. Meggie und ihr Kamerad Farid finden zwar den
Schriftsteller, der die Tintenwelt
mit seinen Gedanken und Worten
erschaffen hat, doch seine halbherzigen Versuche, ihnen zu hel-
Foto: dpa
ANDROMEDA
IK
PT
LI
EK
GIRAFFE
WIDDER
PERSEUS
Kapella
JUNGFRAU
ZWILLINGE
FUHRMANN
STIER
LÖWE
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B C
KREBS
WALFISCH
geuz
Saturn
KL.HUND Betei
ORION
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Prokyon
ERIDANUS
Rigel
EINHORN
WASSERSCHLANGE
Sirius
HASE
SCHIFF
GR.HUND
UA
D
fen, machen alles nur noch
schlimmer.
Als wäre das alles
nicht
schon
schrecklich
genug,
hat
der
Schurke Basta inzwischen in der
realen Welt Meggies Familie gefunden, und bald
darauf
ist
er
ebenfalls wieder
in der Tintenwelt – ebenso wie
Meggies Eltern. Nun jagt Basta
Meggie. Und dann wird Meggie
auch noch zur Gefangenen des
gefährlichen Natternkopfs...
Spannende Stunden
wünscht euer Nils!
ABC
Deneb
SCHWAN
KEPHEUS
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FRESH – DIE JUNGE SEITE
17
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
NEWCOMER
Sina: „Ich will alle Menschen begeistern“
ina mischt mit tanzbaren Beats, ihrem umwerfenden
Äußeren
und einer starken Stimme
die Clubs ihrer Heimat Köln
auf. Mittlerweile steht sie bei
SoBeHo-Records unter Vertrag – jetzt will die 22-Jährige Deutschland erobern.
S
Frage: Da sind wir gleich
beim Thema: Sina, Sie arbeiten derzeit an einem neuen
Album. Worauf können wir
uns freuen?
Sina: Auf etwas elektronischPop-Rockiges. Wir versuchen etwas komplett Neues
zu produzieren. Ich sag einfach nur: Lasst euch überraschen!
In der deutschen Clubszene
sind Sie schon ein „alter Hase“. Ist vor den Auftritten
trotzdem noch Lampenfieber
im Spiel?
Klar bin ich, wenn ich in einer neuen Location bin, immer ein bisschen aufgeregt.
Aber ich habe ein Prinzip,
und zwar einfach durch die
Leute durchgehen; sich nicht
in irgendeine Ecke stellen
und warten, bis es losgeht,
sondern immer versuchen,
mit ein paar Leuten zu kommunizieren und dann zu gucken, wie die gerade drauf
sind. Ich merke oft schon,
wenn ich in den Club reingehe, ob die Stimmung gut
oder schlecht ist. Dann kann
ich mich ein bisschen darauf
einstellen.
Sie haben sehr früh angefangen, sich für Musik zu interessieren. Inwiefern hat Ihr
Elternhaus Sie geprägt?
Ich bin mit meiner Mama
aufgewachsen. Meine Eltern
haben sich scheiden lassen
als ich zwei war. Ich bin griechischer Herkunft, und meine Mama hat früher oft mit
einer griechischen LiveBand gesungen. Da war ich
dann schon als Kleinkind bei
den Proben mit dabei und
habe auch mal zum Mikro
gegriffen und mitgesungen.
Ich denke, das ist mir ein
bisschen mit in die Wiege gelegt worden.
Was halten Sie – selbst Teilnehmerin einer Talentshow –
vom Castingrummel im
deutschen Fernsehen?
(zögert) Ich habe ja nicht
wirklich gewollt bei dieser
Castingshow mitgemacht, es
war eher so, dass ich gefragt
worden bin vom Produktionsteam. Ich möchte das
nicht schlecht reden, es war
eine super Erfahrung und
ich bin ja bis nach Orlando
gekommen – wer weiß,
wann ich mal nach Amerika
gekommen wäre? Die Erfahrung mit den ganzen Sängerinnen und Sängern ... Wir
sind da gute Freunde geworden. Es war einfach wie ein
Freizeitcamp, wo jeder singen kann – oder fast jeder!
Bieten die Shows ein
Sprungbrett für Künstler?
Wenn man selbstständig genug ist und einen eigenen,
festen Willen und Selbstbewusstsein hat. Man muss
nur aufpassen, weil man oft
schon zu viele Angebote auf
einmal bekommt. Die Meisten verrennen sich dann.
Viele gehen auch den falschen Weg – zum Beispiel
Mike Leon Grosch, der bei
den Superstars mitgemacht
hat: Im Prinzip hat er das
Sprungbrett gehabt, es zu
schaffen, aber irgendwie –
ich weiß nicht, was da schief
gelaufen ist, aber letzten Endes hat es dann doch wieder
nicht gereicht.
Sie fühlen sich in der elektronischen Musik zu Hause.
Was fasziniert Sie daran?
Ich finde, elektronische Musik drückt ein ganz anderes
Gefühl aus als Rock- oder
Popmusik.
Elektronische
Musik allein würde mir aber
auch nicht reichen. Ich finde
es immer super, wenn noch
ein Saxophon oder Gesang
mit dabei ist. Das ist eine
ganz andere Emotion, die da
ausgedrückt wird. Dann die
Leute, die im Club stehen –
man sieht, dass sie ihre Augen zumachen und die Arme
heben und sich in einem
ganz anderen Film befinden.
Wer sind Ihre größten Vorbilder?
Die Red Hot Chili Peppers.
Für mich gehören sie zu den
besten Interpreten überhaupt was die Lyrics, den
Gesang, die Harmonien und
generell den kompletten Musikaufbau der Lieder angeht.
Ich interpretiere Songs gerne, und gerade bei den Red
Hot Chili Peppers ist es
schwer, eine richtige Herausforderung, zu verstehen, was
die gerade von dir wollen –
total interessant.
Was ist musikalisch Ihr
größtes Ziel?
Alle Menschen mit meiner
Musik zu begeistern! Es ist
egal, in was für einem Genre
sie sich bewegt oder welche
Interessen die Leute haben.
Ich finde Musik ist Musik,
und sie soll jeden Menschen
auf seine spezielle Art erreichen.
Wild, elektrisierend, rockig: Pop-Sternchen Sina will
Interview: Carina Zander die Bühnen der Welt erobern.
Foto: pd
AUDIO / VIDEO / GAMES / BOOKS
Peter Fox
Die Welle
Geheimakte 2
ach gefühlten 828 Auftritten
quer durch Europa, drei gefeierten Alben, Top-Ten–Erfolgen sowie Gold- und Platinauszeichnungen macht sich Peter Fox, der
Gründer von Europas erfolgreichster Marching Band Seeed nun musikalisch selbständig. Denn so sehr
die elfköpfige Truppe auch Zentrum des musikalischen Schaffens
von Fox ist, nach acht Jahren ununterbrochener Arbeit ist es Zeit
für eine kleine Unterbrechung und
für eine kleine Häutung. Seeed
macht Pause und Peter Fox verwirklicht sich kurz selbst als Feuerwerksrakete. Die CD Stadtaffe
bietet verdammt gute Musik und
ist ein außergewöhnliches Album.
N
leich zu Beginn seines Kurses über Autokratie sieht
sich der als locker bekannte und
für seine progressiven Ansichten geschätzte Lehrer Rainer
Wenger mit dem Einwurf seiner
Schüler konfrontiert, ein faschistisches System habe in unserer aufgeklärten Zeit ohnehin
keine Chance mehr. Um die
Schüler vom Gegenteil zu überzeugen, startet Wenger ein
mehrtägiges Experiment, „Die
Welle“ – mit frappierendem Erfolg. Binnen kürzester Zeit verändert sich Wengers ganze
Klasse und der Lehrer auch. Bis
die Welle aus dem Ruder läuft
… Jetzt auf DVD.
G
ürre in Afrika, Überflutungen in Südostasien, Wirtschaftskrise in Europa, Bürgerkriege in Südamerika – die
Welt steht am Rande des Abgrunds. Nina Kalenkow versucht all dem – und ihrer gescheiterten Beziehung zu Max
Gruber – auf einer nostalgischen Schiffsfahrt nach Portugal zu entfliehen. Doch schon
zu Beginn ihrer Reise, am
Hamburger Hafen, wird sie
Zeugin eines Mordes, und bald
rückt sie in den Mittelpunkt
von Geschehnissen, die nicht
nur Kontinente, sondern auch
Jahrhunderte umspannen. Für
PC.
D
AM RANDE
Mass Effect
ede Rasse in der Galaxie ist von
der Technologie der Protheans
Jabhängig
– einer Spezies, die vor
Mehr Hilfe
für Jugendliche
50 000 Jahren spurlos verschwand. Nachdem die Menschheit im Jahr 2148 auf dem Mars
ebenfalls mit Prothean-Technologie in Berührung kam, griff sie
nach den entfernten Sternen.
Jetzt muss sie sich in der Gemeinschaft der galaktischen Völker behaupten. Nach einem tödlichen
Zwischenfall in einer Forschungsstation muss Commander David
Anderson die Nachforschungen
aufnehmen. Er kommt einer finsteren Verschwörung auf die Spur,
welche die Grundfesten des Universums erschüttern könnte.
D
iakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik hat gezieltere Hilfen für Jugendliche gefordert.
Die Jugendpolitik in Deutschland
führe neben der Kinder- und Familienpolitik nur ein Schattendasein, kritisierte Kottnik in Berlin.
Dabei hätten Jugendliche staatliche Hilfen besonders nötig. Während etwa jedes siebte Kind unter sechs Jahren an der Armutsgrenze lebe, sei es unter den Jugendlichen jeder Vierte, sagte
der Präsident des Diakonischen
Werks der Evangelischen Kirche
in Deutschland. Acht Prozent verließen die Schule ohne einen Abschluss, Migranten doppelt so
häufig. Vor diesem Hintergrund
sei es ein Skandal, dass gerade
in der Jugendsozialarbeit Stellen
gekürzt würden. Freizeiteinrichtungen auf dem Land seien inzwischen „Mangelware“. Evangelische Träger kämpften darum,
wenigstens befristet Gelder zu
erhalten. Damit lasse sich jedoch keine kontinuierliche Arbeit
finanzieren.
ddp
18
IHR GELD, IHR RECHT
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
ONLINE
Datenklau in der Fantasiewelt
uf Internet-BankingNutzer haben es Hacker abgesehen oder
auch auf Mitglieder sozialer
Netzwerke – so viel ist bekannt. Inzwischen sollen sie
aber eine weitere Gruppe im
Visier haben: die Onlinespieler. Schließlich boomt das
Daddeln über das Netz, das
macht es für Cyberkriminelle
interessant. Das betonten auf
der Games Convention in
Leipzig Ende August zumindest die Hersteller von Sicherheitssoftware. Müssen
sich Fans von „World of Warcraft“ wirklich ernsthaft Sorgen machen?
A
Beim Hersteller G Data war
auf der Games Convention
von verstärkten Versuchen
Krimineller zu hören, Schadcodes auf Rechner von Onlinespielern zu schleusen. Wie
gehen die Hacker dabei vor?
Eine wichtige Rolle spielen
laut Wesche so genannte
Drive-by-Downloads: Hacker
manipulieren dafür die Website von Onlinespiel-Anbietern. Hier fängt sich der Spieler Malware ein, ohne es zu
bemerken.
Besonders tückisch sind laut
dem Hersteller Avira Addons für Onlinespiele. Sie sol-
len die Oberfläche den Wünschen des Spielers anpassen,
sind im Netz von verschiedenen Quellen erhältlich und
werden oft mit spezieller Update-Software automatisch
Mails, in denen dem Spieler
zum Beispiel spezielle BetaVersionen angeboten werden“, sagt Stefan Wesche.
Hinter denen stecke freilich
nicht der Anbieter des Spiels,
Cyber-Kriminelle haben Online-Gamer als potenzielles Ziel ausgemacht. Foto: dpa
aufgespielt. Das Problem dabei: Die Add-ons haben unter
Umständen
Sicherheitslücken, die zu Einfallstoren für
Hacker werden können.
Auch Phishing-E-Mails an
Onlinespieler sind laut Avira
eine ernstzunehmende Gefahr. „Das sind gefälschte E-
AKTUELLE URTEILE
Herrchen haftet für Hundchen
sondern ein oder mehrere
Hacker.
Worauf haben es die Kriminellen abgesehen? Zum einen sind sie auf Kreditkartennummern und Kontodaten aus. Zum anderen sind
die Profile der Spieler das
Ziel ihrer Angriffe. Beson-
§
eißt sich ein Hund von seiner Leine los und verursacht einen Autounfall, muss der Hundehalter
für den Schaden haften. Das hat das Landgericht Coburg entschieden. Nach Einschätzung der Richter
muss ein Autofahrer nicht damit rechnen, dass ein
angeleinter Hund unvermittelt auf die Fahrbahn
läuft. In dem Fall hatte ein Autofahrer einem losgerissenen Setter ausweichen müssen. Dabei kam es zum Zusammenstoß mit einem weiteren Wagen, der ihn gerade überholen wollte. Es
entstand ein Blechschaden von mehreren Tausend Euro, Menschen
und Tier blieben unverletzt. Der Fahrer des zweiten Wagens klagte
gegen den Halter des Hundes. Dieser und seine Haftpflichtversicherung hatten die Zahlung des Schadens verweigert mit dem Argument,
der Fahrer habe den Unfall durch das Überholmanöver selbst verschuldet. Die Richter widersprachen dieser Ansicht: Der Autofahrer
habe überholen dürfen, da das erste Auto weitaus langsamer als erlaubt gefahren und der Hund angeleint auf einem separaten Radweg
geführt worden sei.
(Az.: 22 O 283/07)
R
ders gefragt sind Accounts
von Gamern, die schon viele
Ausrüstungsgegenstände gesammelt oder einen hohen
Charakterlevel erreicht haben. „Gehackte Accounts
Tageszeitung nicht abzugsfähig
teuerberater können Kosten für eine überregionale Tageszeitung
nicht von der Steuer absetzen, wenn diese nicht nachweisbar alS
lein beruflichen Zwecken dient. Das Hessische Finanzgericht in Kassel wies in einem Fall die Klage eines Steuerberaters ab, der Aufwendungen für eine große, überregional erscheinende Tageszeitung als
Werbungskosten geltend machen wollte. Der Mann hatte argumentiert, dass er für seine Tätigkeit verpflichtet sei, sich über die Tagespresse über aktuelle steuerrechtliche Themen zu informieren. Dies
ließen die Richter nicht gelten, da im Falle der vom Kläger gelesenen
Tageszeitung sowohl eine private als auch eine berufliche Nutzung
möglich sei. Ein Wirtschaftsgut könne nur dann als Arbeitsmittel angesehen werden, wenn die private Nutzung von ganz untergeordneter Rolle sei. Davon könne beim Bezug nur einer Zeitung aber nicht
die Rede sein.
(Az.: 13 K 3379/07)
werden auf dem Schwarzmarkt verkauft und erzielen
teils hohe Preise.“
Und was sagen Experten, die
keine
Sicherheitssoftware
verkaufen wollen? „Das ist
Trittbrettfahrerei und Angstmache“,
ist
Markus
Schwerdtel, Chefredakteur
der Zeitschrift GamePro
überzeugt.
Unternehmen
wie das hinter „World of
Warcraft“ stehende Blizzard
Entertainment mit Millionen
von Kunden würden eine
Menge dafür tun, dass die
Daten sicher sind.
daten oft gar nicht mehr bei
den Anbietern hinterlegen
müssen: „Bei jedem Onlinespiel und bei Diensten wie
Xbox Live gibt es so genannte Game-Time-Karten. Dadurch muss man nur noch
einen Code angeben.“
Es sei zwar nicht auszuschließen, dass auch mal ein
Server eines Anbieters gehackt wird, sagt Olaf Wolters
vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). Das ist vor einiger
Zeit etwa den in Island sitzenden Betreibern von EVE
Online passiert: „Cyberkriminelle haben gestohlene Kreditkarten verwendet, um bei
uns Services zu kaufen“, sagt
Geschäftsführer Jón Höredal.
Inzwischen seien die Mechanismen, solche Vorfälle zu
verhindern, deutlich ausgeweitet worden. Nicht zuletzt
deshalb hält es auch Olaf
Wolters vom BIU für bei weitem übertrieben, von einem
wachsenden Datenschutzproblem im Zusammenhang
mit Onlinespielen zu sprechen.
Das klingt nach Entwarnung
– was dann aber doch nur
die halbe Wahrheit ist. Denn
auch Wolters und Schwerdtel
betonen, dass sich Onlinespieler besser nicht zu entspannt zurücklehnen, wenn
es um die Rechnersicherheit
geht. Vielmehr sollten sie dieselben Vorkehrungen treffen
wie jeder andere Internetnutzer: regelmäßig für Updates sorgen und eine aktuelle Sicherheitsoftware haben.
Ein weiteres Argument für
mehr Gelassenheit ist Markus Schwerdtel zufolge, dass
die Spieler ihre Kreditkarten-
Jón Höredal rät Gamern, deren Rechner häufig rund um
die Uhr mit dem Netz verbunden sind, nicht mit Administratorenrechten zu surfen.
Darüber hinaus kommt es
laut Wolters vor allem auf eines an – eine ordentliche
Portion Misstrauen: Wer private Daten nicht in falschen
Händen wissen will, verrät
beim Kontakt mit Spielern,
die er nicht persönlich kennt,
besser nur das Nötigste über
sich.
Florian Oertel
ZINSEN
Aus Freibetrag wird Pauschbetrag
it der Einführung der Abgeltungssteuer mit Beginn des Jahres 2009 gelten auch neue Regeln für den
Freistellungsauftrag. So können
Sparer künftig nicht mehr wie
bisher den Freistellungsauftrag
auf einzelne Konten oder Depots
desselben Kreditinstituts beschränken. Das hat das Bundesfinanzministerium (BMF) in Berlin
in einem Schreiben mitgeteilt,
auf das das Institut für Wirtschaftspublizistik
(IWW)
in
Würzburg hinweist. Auch Beschränkungen auf bestimmte
Konten oder Depots, die noch vor
2009 getroffen wurden, dürfen
die Kreditinstitute dann nicht
mehr berücksichtigen.
M
Wie ein BMF-Sprecher erläuterte, dient die noch geltende Beschränkung auf einzelne Konten
der besseren Ausnutzung des
Sparerfreibetrags: Wenn beispielsweise ein Ehegatte den
Freibetrag nicht zur Gänze ausschöpft, kann der andere Ehegatte das restliche Volumen nutzen.
Mit Einführung der Abgeltungssteuer ist eine ehegattenübergreifende
Verlustverrechnung
aber nicht mehr zulässig.
Ein leicht verändertes Aussehen
bekommt dann auch der Freistellungsauftrag selbst. Das BMF hat
einen entsprechenden Vordruck
veröffentlicht, der bereits jetzt
von den Banken verwendet werden kann. Allerdings dürfen
dann darin mit dem Institut keine Beschränkungen auf einzelne
Konten oder Depots vereinbart
werden. Neu ist lediglich, dass
der Begriff Freibetrag durch den
Begriff Pauschbetrag ersetzt
wird.
Denn mit der Einführung der
Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge werden der aktuelle Sparerfreibetrag in Höhe von 750
Euro und der für Kapitaleinkünfte geltende WerbungskostenPauschbetrag von 51 Euro zusammengefasst. Die Grenze für
steuerfreie Zinseinkünfte wird
dann mit dem Begriff „Sparerpauschbetrag“ bezeichnet und
beläuft sich auf 801 Euro beziehungsweise 1602 Euro für Verheiratete.
dpa
Wenn aus dem Sparerfreibetrag der Pauschbetrag wird: Nach der
Zinsauszahlung ist weniger im Portmonee.
Foto: pd
SOZIALES
19
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
GENERATIONEN
AM RANDE
Nicht mehr länger allein
hre Wohnung steht
schon zum Verkauf.
Lange genug hat Elenore Gast (59) allein am
Stadtrand von Berlin gelebt. Jetzt sucht die pensionierte Krankenschwester
ein Wohnprojekt mitten in
der Stadt, in dem sie mit
anderen Menschen leben
und „füreinander da sein
kann, wenn es einem
schlecht geht“, wie sie es
formuliert: „Wenn das
Haus wirklich toll ist, würde ich auch mit Jüngeren
dort einziehen.“
I
Wie ihr geht es vielen. Im
Jahr 2050 wird nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes knapp
ein Drittel der Bevölkerung
älter als 65 sein. Und immer mehr Menschen suchen im Alter eine Alternative zum Heim und zum Alleinsein. Doch auch Jüngere wollen mehr Gemeinsamkeit: Familien wünschen sich eine Entlastung
bei der Kinderbetreuung
und Ersatz für weit entfernt lebende Großeltern,
Singles ein lebendiges
Haus. Nach einer Studie
des Deutschen Instituts für
Urbanistik in Berlin werden familiäre Lebensformen „immer mehr durch
das Zusammenleben von
Menschen unterschiedlichen Alters in ,Wahlverwandtschaften‘ abgelöst,
die sich vor allem an gemeinsamen Interessen und
Lebensstilen orientieren“.
Jetzt hat Berlin die Bedeutung solcher Wohnprojekte
erkannt. Seit dem Frühjahr finanziert der Senat
die Beratungsstelle „Netzwerkagentur
GenerationenWohnen“ mit 400 000
schaft“, weiß Constance
Cremer von der Berliner
Netzwerkagentur. „Häufiger suchen die Älteren die
Jüngeren als umgekehrt.“
derzeit eine ehemalige Kita
umgebaut, in KreuzbergFriedrichshain entsteht ein
„KlimaSolarhaus“ mit Eigentumswohnungen. „Es
Alt und Jung: Zusammen geht vieles – aber nicht alles – einfacher. Foto: V. Heinz
Euro bis zum Jahr 2009.
Städte wie Hannover und
Hamburg sind der Hauptstadt jedoch weit voraus:
Schon in den 80er Jahren
hat Hamburg ein Projekt
für Jung und Alt gefördert,
heute räumt die Hansestadt Baugemeinschaften
besonders
zinsgünstige
Kredite oder lange Planungsfristen vor dem
Grundstückskauf ein.
Interessenten wie Elenore
Gast können sich in Berlin
über eine Datenbank auf
die Suche nach Gleichgesinnten machen. „Die
meisten wollen zur Miete
wohnen und wünschen
sich eine soziale Nachbar-
Wer hier anklopft, hält
nicht nur Ausschau nach
weiteren Mitstreitern. Gesucht werden auch ein
passendes
Grundstück
oder Informationen über
bauliche Fragen. Egal, ob
zur Miete oder im Eigentum – Ideen der Interessenten für Wohnprojekte
gibt es viele: einen Pflegedienst im Haus ansiedeln,
Gemeinschaftsräume und
Spielplätze schaffen. Elenore Gast wünscht sich ein
kleines Hallenbad und einen
Gymnastikraum:
„Wenn es so etwas nicht
gibt, werden die alten Leute krank.“
In Berlin-Lichtenberg wird
gab ganz schnell einen Riesenandrang“, erzählt Initiator Christoph Hackbart
(53). „Wir haben nicht gesiebt. Das Haus hat sich
von oben nach unten gefüllt in einer glücklichen
Mischung von Altersstruktur und Berufen.“
Ohne Probleme läuft es
zwischen Jung und Alt allerdings nicht ab. Im Internetforum „Generationenübergreifendes Wohnen“
schreibt HaJo, der ein
Mietshaus für Jung und Alt
auf den Weg bringt: „Erfahrungen aus dem Süden
Berlins zeigen, dass wohl
an eine bauliche Trennung
von Senioren- und Famili-
enbereich gedacht werden
muss.“ Er berichtet von
Kinderspielplätzen, die als
Lärmquellen wahrgenommen werden, von unterschiedlichen Vorstellungen
von Ordnung und Sauberkeit und von Konflikten,
wenn Kinder zu Jugendlichen werden.
„Zu Beginn sind alle euphorisch“, erzählt Aino Simon.
Die 29-Jährige plant mit
Mann und Kind den großen
Coup: ein generationenübergreifendes,
ökologisches und sozial integratives Wohnviertel auf einem
ehemaligen Bahngelände in
Berlin-Kreuzberg mit mehr
als 300 Wohnungen. „Am
Ende aber wollen doch
nicht alle in der gemeinsamen Waschküche waschen“, glaubt sie. Und genau das sei die größte Falle
eines Wohnprojekts: wenn
der Wunsch nach Privatheit
und Rückzug nicht genug
respektiert werde. „Ich will
nicht jeden Tag angesprochen werden, wenn ich
meine Brötchen hole.“
Sozialromantik schwinge
bei einigen Interessenten
mit, so Constance Cremer
von der Netzwerkagentur.
Elenore Gast hingegen
weiß, worauf sie sich einlässt. Sie ist in einem DreiGenerationen-Haushalt
groß geworden. Toll habe
sie das gefunden, erzählt
sie. Aber mit 16 wurde ihr
die Bevormundung der Alten zu viel. Sie zog aus.
Isabel FannrichLautenschläger
SOZIALFORSCHUNG
Trends getroffen, Trends verpasst
s gibt eine Impfung gegen
Aids, Autos fliegen in Kürze über den Himmel und
ein Großteil der Angestellten arbeitet von daheim aus. So haben
sich Experten 1998 in der Delphi-Studie unser heutiges Leben
vorgestellt. Das Magazin Bild
der Wissenschaft hat in seiner
Oktober-Ausgabe
verglichen,
welche Vorhersagen zehn Jahre
später tatsächlich eingetroffen
sind und welche Trends die Wissenschaftler und Unternehmer
unterschätzten. Richtig lagen
die Fachleute zum Beispiel damit, dass heute fast jeder EMails versendet, dass das
menschliche Erbgut entziffert
wurde und dass Digitalkameras
und Flachbildschirme die herkömmlichen Apparate verdrängen. Andere Trends wie SMS,
E
MP3-Player und Navigationsgeräte für Autos sahen sie dagegen
nicht voraus.
Für die Delphi-Studie befragte
das Karlsruher Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag
des Bundesforschungsministeriums damals rund 2000 Experten von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Sie sollten einschätzen, bis wann es welche
Fortschritte beispielsweise in
der Medizin, dem Verkehr, der
Raumfahrt, der Kommunikationstechnik und der Energieversorgung geben wird.
Dabei herausgekommen sind
mehr als 1000 Thesen, von denen jedoch viele bis heute nicht
eingetreten sind. „Die Zukunft
hat sich weniger stark verändert als gedacht“, erklärt die
ISI-Forscherin Kerstin Cuhls in
dem Artikel. „Viele Innovationen dauern länger als vor zehn
Jahren vermutet.“
So gingen die Experten davon
aus, dass Autos heute ein Drittel weniger Sprit fressen als
noch vor zehn Jahren. Tatsächlich sank der Kraftstoffverbrauch seitdem nur um zehn
Prozent. Daneben lagen sie
auch mit der Einschätzung,
dass bis 2010 Autos über den
US-Himmel fliegen. Eine Impfung gegen Aids wurde bis heute ebenso nicht gefunden. Außerdem müssen Krankenversicherte nicht pauschal einen
Gentest ablegen und dann
mehr Beiträge zahlen, wenn er
ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten ergibt.
Andere Thesen der Delphi-Studie trafen dagegen ins Schwarze. Die weite Verbreitung von
E-Mails, Online-Banking und
Handys schätzten die Fachleute
damals schon richtig ein. Allerdings hätten sie nie gedacht,
wie wir heute das Internet nutzen. „Damals sah man die Entwicklung des Internets vor allem von der technischen Warte
aus“, sagt Cuhls. Die Experten
gingen also eher von besseren
Technologien für den Datenaustausch aus. Mit sozialen Netzwerken, Auktionen, Singlebörsen und virtuellen Welten wie
Second Life rechneten sie nicht.
dpa
Lobby
für Schwache
ie Initiativen für Erwerbslose und Sozialhilfeempfänger in Deutschland wollen ihre
Aktivitäten erweitern. Geplant
ist, ab 2009 allen Menschen,
die am Rande des Existenzminimums leben, Beratungsdienste anzubieten. „Das ist
unsere Antwort auf den größer
werdenden Niedriglohnsektor“,
sagte der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG)
der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiativen, Andreas Geiger.
Nach wissenschaftlichen Studien beziehen 6,5 Millionen
Menschen einen Niedriglohn.
1995 waren es noch 4,5 Millionen. Auf eine Interessenvertretung und Beratung seien außerdem prekär Beschäftigte
angewiesen. Dabei handelt es
sich um Menschen, die für einen geringen Lohn in einem ungesicherten Beschäftigungsverhältnis arbeiten: 400-EuroJobber, zum Teil Leiharbeiter
sowie Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen. Auch Selbstständige mit geringen Umsätzen will der Lobbyverband gezielt in den Blick nehmen. Der
neue Dachverband soll laut
Geiger im November gegründet
werden und die Nachfolge der
BAG der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiativen antreten. Die
BAG wird sich nach Einschätzung ihres Vorsitzenden wahrscheinlich im Oktober auflösen. Bereits im Juli hatte der
Verband dem Amtsgericht in
Frankfurt am Main die drohende Insolvenz angezeigt. Der
Dachverband für Arbeitsloseninitiativen war in die Krise geraten, nachdem das Bundesverwaltungsamt bei einer Prüfung
der Haushaltsbücher Unregelmäßigkeiten festgestellt hatte.
So waren Projektmittel in Höhe
von 37 000 Euro nicht für die
vorgesehenen Zwecke ausgegeben worden.
epd
D
Streetworker
kritisieren Städte
ommunen dürfen nach Ansicht von Streetworkern
nicht weiter Sicherheitsfirmen
gegen betrunkene und lärmende Jugendliche auf öffentlichen
Plätzen einsetzen. „Der Einsatz
von schwarzen Sheriffs ist ein
Armutszeugnis und reine Symptomarbeit. Wir brauchen Sozialarbeiter, die sich um die Jugendlichen kümmern und das
Problem ganzheitlich angehen“,
sagte Walther Specht vom Internationalen Verband der mobilen
Jugendarbeit in Stuttgart. 250
Streetworker aus aller Welt
sind diese Woche in der Landeshauptstadt, um Erfahrungen aus der mobilen Jugendarbeit auszutauschen.
dpa
K
20
SPORT
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
FORMEL 1
Der neue Schumi heißt Vettel
Der magische Moment: Sebastian Vettel passiert mit seinem Torro Rosso die Zielflagge von Monza – und gewinnt zum ersten Mal einen Grand Prix.
ebastian Vettel feierte den
historischen Sieg von Monza am 14. September nur
kurz mit seiner Familie. „Ich
habe den Ehrgeiz, Weltmeister
zu werden. Ob als jüngster oder
als ältester Fahrer, das ist mir
völlig egal“, sagte der 21-Jährige. Das Super-Talent aus Heppenheim hat die Formel-1-Welt
in nur zwei Tagen im FerrariLand auf den Kopf gestellt: Erst
eroberte Vettel als jüngster Pilot
die Pole Position, dann gewann
er als jüngster Fahrer aller Zeiten ein Rennen.
S
Drei Jahre hat Vettel nun Zeit,
um den Spanier Fernando
Alonso als jüngsten Weltmeister
der Geschichte abzulösen. Mit
dem Triumph auf regennasser
Piste im unterlegenen Auto hat
er aber schon jetzt bewiesen,
dass er ein echter Champion
ist. „Wie er die Sache angeht,
wird er auch Weltmeisterschaften gewinnen“, meinte Gerhard
Berger, Mitbesitzer bei Toro
Rosso. Auch Michael Schumacher hält den „kommenden
Weltmeister“ Vettel für einen
würdigen Nachfolger: „Man
sollte nicht über Vergleiche reden, sondern sehen, dass dieser Junge ein unglaublich starker Rennfahrer ist.“
Mit dem ersten deutschen Formel-1-Sieg 714 Tage nach
Schumacher hat er schon jetzt
für einen neuen Boom gesorgt:
5,94 Millionen sahen den Triumph von „Super-Vettel“ im
Schnitt live bei RTL, und am
Tag danach feierten die Zeitungen auf den Titelseiten den Sieg
des „neuen Schumi“. Bis dahin
ist es jedoch noch ein Stück: Zu
dessen HochZeiten knackte
RTL regelmäßig die ZehnMillionen-Marke.
gen Titelkandidaten: „Das ist
ein Typ, der Schritt für Schritt
geht. Der wird nichts ankündigen, sondern einfach machen.“
Dienstwagen seines künftigen
Arbeitgebers Red Bull sitzen,
wo er bis 2010 unter Vertrag
steht.
Am mit etwa 1,5 Millionen Euro
dotierten Kontrakt wird sich
nichts ändern, auch nicht an
seinem
bisherigen
Leben,
meint Vettel:
„Ich bin genau der Gleiche, der vor
diesem Rennen früh aufgestanden
ist.“
AllerDennoch: „Das
dings bekam
ist ein gutes
er schon in
Signal für die
den
ersten
Formel 1 in
drei Stunden
Deutschland
nach
dem
und für die
Rennen eine
deutschen
Ahnung daFans. Es ist
von, was ihn
gut, dass es
erwartet: „Ich
nach Schumahabe 80 SMS
cher so schnell
bekommen.
wieder einen
Und mit meiSieger
gibt“,
ner Freundin
sagte Norbert
Haug.
Der Nach dem Coup in Monza: Pilot Sebastian Vettel (r.) mit Red-Bull-Be- Hanna konnte
M e r c e d e s - sitzer Dietrich Mateschitz (M.) und Teamchef Franz Tost. Foto: dpa ich nur kurz
telefonieren –
Sportchef, der
Verhandlungen über eine Ver- ter Heike, Schwester Melanie ich hatte keine Zeit.“
pflichtung Vettels im vergange- und ein paar Freunden ruhig
nen Winter bestätigte, ist wie ausklingen. Gestern reiste er Jeder reißt sich nun um den
die anderen Topteams Ferrari „zum Kofferpacken“ nach Hau- Ausnahmefahrer, der bei seiner
und BMW an dem Juwel inte- se, heute fliegt er zu Testfahrten Triumphfahrt in Monza sogar
ressiert. Auch Haug hält den nach Jerez. Dort wird „Basti die Muße hatte, die Hand beim
jungen Mann für einen künfti- Fantasti“ zum ersten Mal im Fahren aus dem Auto herausDie große Siegerparty am
Renn-Sonntag fiel erstmal aus,
stattdessen ließ Vettel den
Abend mit Vater Norbert, Mut-
Foto: dpa
zuhalten, um die Intensität des
Regens zu testen. Der BeatlesFan mit Abitur (Schnitt 2,8)
weiß trotz der Glückwünsche
aus der ganzen Formel-1-Welt
ganz genau, dass sich seine
Karriere nicht derart rakentenartig weiterentwickeln wird.
„Mein Ziel wird in jedem Rennen der Sieg sein, aber es wird
ein harter und steiniger Weg
nach oben“, sagte Vettel. Mit
Blick auf das erste Nachtrennen
der Formel 1 am 28. September
in Singapur fügte er hinzu: „Ich
werde nicht nach Singapur reisen, mich wie ein Held oder Superstar fühlen und den nächsten Sieg erwarten. Vielleicht
kann ich ein paar Punkte mitnehmen, vielleicht mehr.“
Michael Schumacher wird ihm
wie in Monza die Daumen drücken, er hat entscheidend bei
Vettels Aufstieg mitgeholfen.
Als Sebastian sieben war, überreichte er ihm bei einem Kartrennen einen Preis. Später half
Schumis Entdecker Gerhard
Noack finanziell. „Ich kenne Sebastian schon von klein auf,
und wir haben schon viele Stationen miteinander genießen
können“, sagte der Kerpener.
„Wir haben uns immer wieder
getroffen, spielen gemeinsam
Fußball – und er fährt einfach
1 A.“
sid
21
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
PROMI
FRAUENFUSSBALL-WM
Lothar in Schwierigkeiten Dresden bewirbt sich
othar Matthäus hat sich bei dem erstaunt Matthäus, dass die
seinem Engagement in Is- Spieler die Umstellung auf zwei
rael sicherlich einiges an- Trainingseinheiten pro Tag als
ders vorgestellt: Der frühere Na- hart empfunden haben. Zu
tionalspieler hat sich über man- eventuellen Kommunikationsgelnde Professionalität bei sei- problemen im Training sagte
Matthäus: „Ich
nem
Verein
habe keine HemMaccabi Netamungen,
auch
nya
beklagt.
dramatische
„Wenn ich vor
Fehler in meidem Spiel etwas
nem Englisch zu
in der Kabine
machen,
aber
sage, steht es
insgesamt ist es
fünf
Minuten
viel besser, als
nach Spielende
das Deutsch von
im Internet – das
Trapattoni.“
habe ich noch
nie erlebt“, sagte
Gemeinsam mit
Matthäus. Matdem
italienithäus, der seit
schen
ErfolgsJuni den israelitrainer Giovanni
schen ErstligisTrapattoni hat
ten trainiert, haMatthäus
von
be trotz höherer
Mai 2006 bis JuErwartungen an
ni 2007 den FC
die Qualität des
Red Bull Salzisraelischen
burg
trainiert.
Fußballs „Spaß“
an seiner Arbeit. Wandervogel: Fußballtrainer Lo- Nach teilweise in
thar Matthäus.
Foto: dpa der Öffentlichkeit ausgetrageGroßen Nachholbedarf sieht der 47 Jahre alte nen Kompetenzstreitigkeiten beRekordnationalspieler in Sachen schloss der Klubvorstand die
Infrastruktur. „Wir trainieren in Trennung von Matthäus. Zuvor
einem Stadion, das Geschichte war Matthäus Cheftrainer beim
geschrieben hat, und diese Ge- brasilianischen Verein Atlético
schichte sieht man ihm an“, sag- Paranaense, trainierte die ungate Matthäus. Man bemühe sich rische Nationalmannschaft, Parzwar um Lösungen, aber die sei- tizan Belgrad und den SK Rapid
dpa
en kurzfristig nicht in Sicht. Zu- Wien.
L
resden hat als dritte vertraglichen Voraussetzungen
deutsche Stadt alle Be- erfüllt. Die Abgabefrist für die
werbungsunterlagen als übrigen acht Bewerber läuft
Ausrichtungsort für die Fuß- noch. In der kommenden Woball-WM der Frauen 2011 ab- che wird das WM-Organisatigegeben. Am 16. September onskomitee zunächst intern
über eine Vorübergab Dresauswahl beradens Sportbürten, bevor am
germeister Win29. September
fried Lehmann
das Präsidium
die so genannte
des Deutschen
Host-City-VerFußball Bundes
einbarung und
(DFB) in Berlin
den
Stadionzu einer SonMietvertrag an
dersitzung zuWinfried Naß,
s a m m e n Abteilungsleiter
kommt, um die
Städte und StaAusrichterstäddien im WM-Orte
auszuwähganisationskolen.
mitee. „Wir sind
sehr froh, heute
Am 30. Septemalle geforderten
ber wird dann
Unterlagen
in Abstimmung
fristgerecht abmit dem Weltgegeben zu haverband
Fifa
ben und hoffen
entschieden, in
nun
natürlich
wie vielen und
auf eine positive
in
welchen
Antwort seitens
Spielorten die
des DFB. Alle
Endrunde der
Dresdener freuen sich auf die Kann Dresden bald jubeln und 6. Fifa Frauenvom
bevorstehende WM-Spiele austragen? Foto: dpa WM
26. Juni bis 17.
We l t m e i s t e r schaft, wir sind bereit“, sagte Juli 2011 ausgetragen werden
wird. Neben Dresden hat sich
Lehmann.
aus den neuen Bundesländern
Vor Dresden hatten Leverkusen noch Magdeburg um WM-Spiedpa
und Sinsheim die geforderten le beworben.
D
AM RANDE
Hayden geht
zu Ducati
er ehemalige MotoGP-Weltmeister Nicky Hayden aus
den USA wird in der kommenden Saison gemeinsam mit Titelinhaber Casey Stoner für Ducati im Motorrad-Grand-Prix
fahren. Das gab der ZweiradHersteller Mitte September
bekannt. Hayden hatte den
WM-Titel in der „Königsklasse“
2006 gewonnen, sein künftiger
Team-Kollege aus Australien im
vergangenen Jahr. Honda-Pilot
Hayden, derzeit nur Achter in
der WM-Wertung, wird den Italiener Marco Melandri ersetzen. Hinter dem designierten
Weltmeister Valentino Rossi
(Italien/287 Punkte) ist Stoner
mit 200 Zählern Zweiter in der
Gesamtwertung. „Wir sind
sehr glücklich darüber, dass
wir Nicky bei uns haben werden“, sagte Ducati-Geschäftsführer Claudio Domenicali. „Ich
möchte mich ausdrücklich bei
Marco Melandri für die gezeigte Professionalität in einem für
ihn schwierigen Jahr bedanken.“ Melandri ist 15. in der
WM-Wertung und kam zu keinem Zeitpunkt der Saison mit
der Ducati zurecht. Die Bekanntgabe des Hayden-Wechsels fand nur zwei Tage nach
dem Unwetter-Rennen von Indianapolis statt, in dem Hayden Zweiter wurde.
dpa
D
CHAMPIONS LEAGUE
Top-Wettbewerb zum letzten Mal im alten Gewand
as Millionenspiel Champions League beginnt:
Die Königsklasse des europäischen Fußballs startet
mindestens bis 2012/2013
weiterhin mit 32 Mannschaften, die in einer Gruppenphase
mit acht Gruppen à vier Teams
die 16 Teilnehmer ausspielen,
die ab dem Achtelfinale im
K.-o.-System um Europas Krone spielen.
D
Im letzten Jahr sind an die 32
teilnehmenden Vereine 585,6
Millionen Euro verteilt worden,
aber aus den Einnahmen aus
der Champions League als Solidarzahlung auch noch 26,5
Millionen an die 53 Nationalverbände. 160 000 Euro erhielt zudem jeder Meister, der
es nicht in die Champions League schaffte, 100 000 Euro jeder Klub, der in der Qualifikation scheiterte.
Doch letztmals präsentiert sich
die Eliteklasse im alten Gewand. Heimlich, still und leise
ändert sich einiges in der
Champions League. Michel Platini, Präsident der Europäi-
schen Fußball-Union (Uefa),
erläuterte: „In Zukunft werden
wir durch den neuen Qualifikations-Modus, durch den sich
garantiert fünf Vereine aus
Ländern mittlerer Stärke für
die Champions League qualifizieren, immer Klubs aus 17
der 53 Verbände in der Königsklasse vertreten haben.“
Das ist zwar auch in diesem
Jahr der Fall, aber wer hätte
schon daran geglaubt, dass
sich Werder-Gegner Anorthosis Famagusta aus Zypern und
BATE Borissow aus Weißrussland durchsetzen? Platini: „Für
mich ist das ein Beweis, dass
die Solidarität im europäischen
Fußball ihre Früchte trägt. Aus
den Einnahmen in der Champions League zweigen wir Jahr
für Jahr Millionen ab, die an
Verbände und scheiternde Vereine, die nicht in die Endrunde
der Großen vorstoßen, verteilt
werden. Mit diesem Geld holen
sie auf – und können ganz allmählich den Großen ein Bein
stellen.“
Frankreichs
Fußball-Ikone
möchte diese Art der solidarischen Geldverteilung noch fördern, weiß aber auch: „Die
großen Vereine wollen ihre
größten Leistungen meiner bisherigen Amtszeit, Verbände,
Ligen, Vereine und Spieler an
einen Tisch gebracht zu haben,
Die Jagd auf Champions-League-Sieger Manchester United – hier nach
dem Sieg im Elfmeterschießen gegen Chelsea – ist eröffnet.
Foto: dpa
Einnahmen zumindest halten,
die kleinen wollen immer
mehr vom Kuchen. Deshalb
betrachte ich es als eine der
damit der Begriff der Familie
wieder mit Sinn erfüllt wird.“
Anlässlich der Übergabe eines
Schecks in Höhe von 619 000
Euro an Zinedine Zidane, Gründer des Europäischen Leukodystrophie-Verbandes, meinte
Platini: „Wir haben Probleme
im Fußball, große sogar. Aber
man sollte auch nicht vergessen, was die Uefa für unseren
Sport und damit unsere Gesellschaften tut – und damit meine
ich nicht nur den sozialen Bereich.“ Die Gelder für den karitativen Zweck wurden auch aus
den Millionen der Champions
League finanziert.
Ab 2010, wenn das Finale der
Champions League erstmals an
einem Sonnabend ausgetragen
wird, will Platini Europas Fußball eine Woche lang ins Rampenlicht rücken. Gedacht ist
daran, am Mittwoch in Madrid
das Endspiel um den Europapokal der Frauen auszutragen
sowie viele Aktivitäten für Kinder und Jugendliche zu veranstalten. Platini: „Zum Endspiel
erhalten drei- bis viertausend
Kinder Freikarten. Und statt
bisher 60 Prozent gehen dann
75 Prozent der Karten in den
freien Verkauf.“
Rainer Kalb
22
RÄTSELSEITE
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
KREUZWORTRÄTSEL
ital.
Provinz
in den
Abruzzen
Nasenlaut
nicht
vor
die Zäh- Gene beschreibtreffend sel
Einspruch
griech.
Göttin
d. Weisheit
Teil
eines
Flusslaufs
Fallklotz
beherzt,
entschlossen
Töpferkunst,
Tonware
Stadt in
Angehör. e.
Israel
Reitervolkes
grob
gesäubert
3
Getreideart
Erschütterung
Röst-,
Trockenvorrichtung
Kolonist
Hauptstadt
von
Tibet
Heiligenerzählung
ital.:
Hälfte,
Mitte
Gebiet
in NNamibia
(...land)
ugs.:
bezahlen
Ort am
Nürburgring
Glück
verheißend,
gesund
Haarwuchs
im Gesicht
Beifallsruf
Schluss,
Ende
Herumtreiber,
Landstreicher
österr.
Stadt
an der
Donau
gemeinschaftsunfähig
bunter
Papagei
9
2
4
5
6
7
8
10-CentMünze
(USA)
ehem.
österr.
Formel-1Fahrer
Religionsgemeinschaft
annehmen,
meinen
3
eine der
Kleinen
Sundainseln
nur
ungern
ital.franz.
Küstengebiet
Klasse,
Kategorie
einer
Ware
40. USPräsident
† 2004
laut
weinen
Prophet
iran.
Herrschername
ehem.
Name der
Stadt
Olawa
ugs.:
merken,
wittern
7
Salzgewinnungsanlage
Rhombus
Schlaufe
ein
Balte
Verkehrsweg
schweiz.
Stadt am
Bodensee
Jazzstil
Verbindungsbolzen
süddt. u.
österr.:
Berghang
Ankerplatz
vor dem
Hafen
indones.
Würzsoße
Bezeichnung,
Benennung
seidiges
Gewebe
radioaktives
Element
Gymnastikutensil
fertig
gekocht
Stäbchenspiel
Keimgut
Glockenschwengel
Kurort
GrauGeldschein in
bünden
(Schweiz)
2
Zentrum
italienisch:
Liebe
auf dem
Weg
(franz.,
2 Wörter)
Teil des
Mittelmeers
Riesentintenfisch
Tortenzutat
Pelzart
großblütiger
Zierstrauch
Vorfahren
Zwiegesang
Kletterpflanze,
Waldrebe
6
von geringer
Größe
Müll,
Abfall
frühere
Längeneinheit
die
Heilige
Schrift
hinaufklettern
gasförmiges
chem.
Element
Steuer
im Auto
Ort am
Gardasee
Funktionsleiste
(EDV)
erster
Bartwuchs
Vorn. d.
Krimiautors
Wallace
Behälter
für
Paste
Grundschleppnetz der
Fischer
eines
Sinnes
Aufschlagverlust
b. Tennis
Zucker
aus
versch.
Sorten
Stoffart
pfiffig,
gewandt
(engl.)
Teil des
Jahres
Chemiefaser
Fluss
durch
Innsbruck
bibl.
Ort
(Hexe)
gehoben:
aufwärts
ugs.:
etwas
beginnen
1
emsiges
Streben
frühere
Goldmünze
der USA
alle
zwei
im
Voraus
erkennen,
erwarten
eine
Weltreligion
kleines,
flaches
Segelboot
übermäßig
schneller
Fahrer
japan.
Rohfischspeise
landKohlewirtschaftl.
produkt
Gebäude
5
weibl.
Kurzname
Provinz
in SWFrankreich
Fußhebel
Körperkraft
Elternteil
(Statistik)
8
weidm.:
fressen
Teil des
Fingers
Abk.:
unter
Umständen
Zeichen
für
Helium
Glücksspiel
franz.:
Weste
Baumwolle
dt.
Schriftsteller †
(Heinr.)
Welle
im
Stadion
(2 Wörter)
10
Wandteppich
Holzblasinstrument
Abk.:
Normalnull
geflüTeil des
gelte
Liebes- Geschirrs
götter
Bratenbeigabe
(franz.)
Persönlichkeitsbild
ehem. Name des Flusses Neman
tiefe
Verehrung
Zeichen
Unterfür
Euroweisung
pium
Konstrukteur,
Errichter
1
Gesangsgruppe
altitalisches
Volk
Daseinsfreude
Nagetier
gewaltsame
Wegnahme
Hautöffnung
Hauptstadt in
Nordafrika
Fluss
durch
Florenz
Bezirk,
Bereich
gebietsmäßig,
gebietsweise
4
Gegenstand des
Denkens
®
einstudieren
s2426.4-85
9
10
Verlosung: Drei Büchergutscheine
Die Lösung des Rätsels im Heft 17/08 lautete: Brandblase. Über je einen Büchergut- Schreiben Sie die Lösung auf eine Postkarte mit dem Kennwort „Kreuzworträtsel“ und senden Sie dieschein dürfen sich Frau Elisa Zimmer (Leipzig), Familie Kaltofen (Mutzschen) und Frau se bis zum 2. Oktober 2008 an unsere Redaktionsanschrift (siehe Impressum, Seite 24) oder per EHeidemarie Richter (Leipzig) freuen.
Herzlichen Glückwunsch! Mail an: redaktion@uniklinik-leipzig.de. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
VERANSTALTUNGSHINWEISE | TV-TIPPS
23
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
VERANSTALTUNGEN IN LEIPZIG
Freitag, 19.09.08
Arena, Tel. 2 34 10, Am Sportforum; 20
Uhr: Gefährliches Halbwissen – Oliver Pocher.
Centraltheater, Tel. 1 26 81 68, Bosestr.
1; 19 Uhr: Matthäuspassion.
Gewandhaus, Tel. 1 27 02 80, Augustusplatz; Großer Saal 20 Uhr: Sex oder Liebe
– Rüdiger Hoffmann.
Kabarett SanftWut in der Mädler-Passage, Tel. 9 61 23 46, Grimmaische Str. 24; 20 Uhr: Briefkästen weinen nicht.
Kongreßhalle Leipzig, Tel. 14 06 60, Pfaffendorfer Str. 31; Spiegelpalast 20 Uhr:
Der Gott des Gemetzels, mit dem Theaterverein InselBühne.
Musikalische Komödie, Tel. 12 61 19,
Dreilindenstr. 30; Venussaal 11 Uhr: Peter und der Wolf.
Frosch-Café & Theater, Tel. 2 25 13 63,
Thomasiusstr. 2; 20 Uhr: Die letzte Nacht
auf der Teatanic, mit den Diven Schmoll &
Toll.
Funzel, Tel. 9 60 32 32, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr (Vorpremiere): Zweiohrnase, Gastspiel mit Mike Krüger.
Heimatverein Holzhausen / Berggut, Tel.
9 90 17 16, Zuckelhausener Ring 17; 19
Uhr: Lieber zehnmal den Kopf verloren,
als einmal das Gesicht, Aphorismen mit
Reinhard Lochner.
19.09.08 BIS 02.10.08
Gohglmohsch, Tel. 9 27 22 58, Markt 11;
20 Uhr: Sachsentaxi: S gladdschd glei!
Kongreßhalle Leipzig, Tel. 14 06 60, Pfaffendorfer Str. 31; 20 Uhr: Lügen aber ehrlich, mit Karsten Kaie.
Freitag, 26.09.08
Centraltheater, Tel. 1 26 81 68, Bosestr.
1; 19.30 Uhr: Schock-Strategie. Hamlet.
Bundesverwaltungsgericht, Tel. 20 07
19 33, Simsonplatz 1; Großer historischer Plenarsaal 19.30 Uhr: Konzert mit
dem Ensemble Leipzig-Berlin, Streichquartette von Mozart, Spohr und Dvorak.
Frosch-Café & Theater, Tel. 2 25 13 63,
Thomasiusstr. 2; 20 Uhr: Blonde Venus –
Hommage an Marlene Dietrich, mit Ines
Agnes Krautwurst und Stephan König.
Markkleeberger See, Markkleeberg,
Wachauer Str.; 10 Uhr: Fischerfest.
Theater der Jungen Welt, Tel. 4 86 60
16, Lindenauer Markt 21; 15 Uhr: Emil
und die Detektive, für Kinder ab 8 Jahren.
Arena, Tel. 2 34 10, Am Sportforum; 20
Uhr: Ost-Rock-Klassik, mit Die Puhdys,
Karat, Silly & Anna Loos, Ute Freudenberg, Dirk Zöllner u. v. a.
Centraltheater, Tel. 1 26 81 68, Bosestr.
1; 19 Uhr: Matthäuspassion.
Kabarett SanftWut in der Mädler-Passage, Tel. 9 61 23 46, Grimmaische Str. 24; 17, 21 Uhr: Die Macht ist nicht allein
zum Schlafen da.
MDR-Studios, Augustusplatz 9a; 15 Uhr:
1. Jahreszeitenkonzert – Der Herbst, mit
dem MDR Kinderchor.
Oper, Tel. 1 26 12 61, Augustusplatz 12;
19 Uhr (Premiere): Poulenc: La voix humaine / Schönberg: Pierrot lunaire.
Montag, 29.09.08
academixer, Tel. 21 78 78 78, Kupfergasse 2; 20 Uhr: In 80 Fragen um die Welt,
mit Carolin Fischer, Ralf Bärwolff und Peter Treuner.
Frosch-Café & Theater, Tel. 2 25 13 63,
Thomasiusstr. 2; 20 Uhr: Heute Abend:
Lola Blau, mit Katrin Troendle.
Kabarett Leipziger Brettl im Gambrinus,
Tel. 9 61 35 47, Odermannstr. 12; 20
Uhr: Leipzscher Schnauze, mit Steffen
Lutz Matkowitz.
Sonntag, 21.09.08
Flughafen Leipzig/Halle, Tel. 2 24 11 55,
Flughafen Leipzig/Halle, Terminalring 11;
10-18 Uhr: Herbstfest mit Tobias Regner
& Band u. v. a.
Funzel, Tel. 9 60 32 32, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr: Zarah ohne Kleid, Gastspiel mit
Tim Fischer.
Oper, Tel. 1 26 12 61, Augustusplatz 12;
15 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung.
Ring-Café, Tel. 4 62 59 13, Roßplatz 8-9;
14 Uhr: Kaffeehausmusik mit den Leipziger Salon-Philharmonikern, (Reservierung
erforderlich).
Dienstag, 30.09.08
academixer, Tel. 21 78 78 78, Kupfergasse 2; 20 Uhr: Nicht auflegen! mit
Anke Geißler, Katrin Hart und Stefan Ebeling.
Funzel, Tel. 9 60 32 32, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr: Reformhaus Reichstag.
Musikalische Komödie, Tel. 12 61 19,
Dreilindenstr. 30; Venussaal 11 Uhr: Peter und der Wolf.
Montag, 22.09.08
Dienstag, 23.09.08
academixer, Tel. 21 78 78 78, Kupfergasse 2; 20 Uhr: Die Angst der Hasen, Gastspiel mit Thomas Freitag.
Gewandhaus, Tel. 1 27 02 80, Augustusplatz; Großer Saal 20 Uhr: 1. Rundfunkkonzert – Seelenwanderung, mit dem
MDR Sinfonieorchester und dem MDR
Rundfunkchor, Werke von Edward Elgar.
Kabarett SanftWut in der Mädler-Passage, Tel. 9 61 23 46, Grimmaische Str. 24; 20 Uhr: Und ewig bockt das Weib.
Theater der Jungen Welt, Tel. 4 86 60
16, Lindenauer Markt 21; 19 Uhr: Nachtblind.
Mittwoch, 24.09.08
Bettenhaus Uniklinik, Liebigstr. 22; 17
Uhr: Gottesdienst.
Altes Rathaus, Tel. 96 51 30, Markt 1;
Festsaal 20 Uhr: 1. Rathauskonzert, mit
dem MDR Bläserquintett.
Gewandhaus, Tel. 1 27 02 80, Augustusplatz; Mendelssohn-Saal 20 Uhr: Martin
Grubinger – Artist in Residence
21008/2009: Percussive Impressions.
Gustav-Adolf-Kirche, Tel. 4 61 18 50, Lindenthaler Hauptstr. 11; 17 Uhr: Chorgesang mit den Maxim Kowalew Don Kosaken.
Sonntag, 28.09.08
Sonnabend, 20.09.08
academixer, Tel. 21 78 78 78, Kupfergasse 2; 20 Uhr: Hart! – bleibt Hart.
Funzel, Tel. 9 60 32 32, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr: Zarah ohne Kleid, Gastspiel mit
Tim Fischer.
Sonnabend, 27.09.08
Mittwoch, 01.10.08
Skandälchen gehören für Oliver Pocher zum Geschäft. Wo andere
Comedians an die Konsequenzen denken, legt der Hannoveraner
meist noch eine Schippe drauf. In seinem aktuellen Bühnenprogramm prangert Pocher äußerst unterhaltsam das „Gefährliche
Halbwissen“ seiner Mitmenschen an. Zu erleben am Freitag ab 20
Uhr in der Arena.
Foto: Ines Christ
Michaeliskirche, Tel. 5 64 55 09, Nordplatz 14; 12 Uhr: Orgelmusik an der historischen Sauer-Orgel von 1904.
Donnerstag, 25.09.08
Frosch-Café & Theater, Tel. 2 25 13 63,
Thomasiusstr. 2; 20 Uhr: Lust, Chansons
mit Katrin Troendle & Helge Nitzschke.
Funzel, Tel. 9 60 32 32, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr (Vorpremiere): Zweiohrnase, Gastspiel mit Mike Krüger.
Gewandhaus, Tel. 1 27 02 80, Augustusplatz; Großer Saal 20 Uhr: Großes Concert Serie II/1, mit dem Gewandhausorchester, Werke von Bruckner und Bartel.
Frosch-Café & Theater, Tel. 2 25 13 63,
Thomasiusstr. 2; 20 Uhr: Lust, ChansonTheater mit Katrin Troendle & Helge
Nitzschke.
Funzel, Tel. 9 60 32 32, Nikolaistr. 6-10;
20 Uhr: Loriot 3, das Beste aus 1 + 2.
Große Bühne der Theater-Fabrik-Sachsen, Tel. 4 42 46 69, Franz-Flemming-Str.
16; 20 Uhr: Alles über Liebe, mit Heinz
Gröning.
KulturKino Zwenkau, Tel. 034203/6 23
93, Zwenkau, Hugo-Haase-Str. 9; 20 Uhr:
Haus„Gemein“Schaft – Kabarett Zwenkauer Mäuse.
Parkbühne Geyserhaus im Arthur-Bretschneider-Park, Kleiststr./Ecke Baaderstr.; 18 Uhr: Taschenlampenkonzert
mit Rumpelstil.
Bettenhaus Uniklinik, Liebigstr. 22; 17
Uhr: Gottesdienst.
Kabarett SanftWut in der Mädler-Passage, Tel. 9 61 23 46, Grimmaische Str. 24; 20 Uhr: Angie, mach's gut!
Ring-Café, Tel. 4 62 59 13, Roßplatz 8-9;
19 Uhr: Hurtigruten gemeinsam mit der
Color-Line und dem norwegischem Fremdenverkehrsamt, Informations- und Lichterabend (bitte anmelden).
Donnerstag, 02.10.08
Centraltheater, Tel. 1 26 81 68, Bosestr.
1; 19.30 Uhr (Premiere): Publikumsbeschimpfung.
Gewandhaus, Tel. 1 27 02 80, Augustusplatz; Großer Saal 20 Uhr: Großes Concert Serie IV/1, mit dem Gewandhausorchester und dem MDR Rundfunkchor.
Kabarett SanftWut in der Mädler-Passage, Tel. 9 61 23 46, Grimmaische Str. 24; 20 Uhr: Angie, mach's gut!
Oper, Tel. 1 26 12 61, Augustusplatz 12;
19.30 Uhr: Leipziger Jazztage 2008.
TV-TIPPS
Do., 25.09.2008, 21 Uhr
Hauptsache Gesund
(MDR)
Täglich ein oder zwei Bier zum
Abendbrot oder das Fläschchen Rotwein vor dem Fernseher gehören für die meisten Menschen zu einem gemütlichen Feierabend dazu.
Jeder Bundesbürger trinkt pro
Jahr etwa 120 Liter Bier und
fast 20 Liter Wein. Mit auf
dem Sofa sitzt bei vielen das
schlechte Gewissen: „Trinke
ich zu viel oder liegt es noch
im Rahmen?“ Kann das tägliche Feierabendbier in die Abhängigkeit führen? Dresdener
Wissenschaftler gehen mit
hochmodernen bildgebenden
Verfahren der Frage nach, warum bei gleichem Alkoholkonsum die einen süchtig werden
und andere nicht. Hauptsache Gesund berichtet über
erste
Studienergebnisse.
Aber nicht nur die Gefahr der
Abhängigkeit sollte zu einem
vernünftigen Umgang mit Alkohol führen. Bekannt ist,
dass die Leber Schaden
nimmt, weniger bekannt ist
die Tatsache, dass Alkohol
auch die Entstehung von Tumoren der Brust oder der
Speiseröhre befördern kann.
Die gute Nachricht: Ein maßvoller Alkoholkonsum in Zusammenhang mit einem aktiven Lebensstil kann sogar die
Gesundheit fördern, auch das
ist durch viele Studien belegt.
Wie viel ist zu viel und wie viel
ist gesund? Hauptsache Gesund gibt Antworten auf diese
Fragen.
Do., 2.10.2008, 21 Uhr
Hauptsache Gesund
(MDR)
Juckreiz, Nässen, Blutungen,
Schmerzen -– fast jeder
Mensch leidet im Laufe seines Lebens unter Beschwerden am Enddarm oder After.
Doch die wenigsten reden darüber. Dabei verbergen sich
hinter diesen Symptomen verschiedene Erkrankungen, von
denen viele schnell und einfach gelindert werden können.
Hauptsache gesund
holt deshalb Hämorrhoiden,
Fisteln, Warzen, Fissuren und
Co. aus der Tabuecke. Welche Beschwerden sind gefährlich? Wer ist betroffen?
Welche Therapien sind zuverlässig? Wie hilft die Naturmedizin? Blut im Stuhl ist eine
Auswirkung von Hämorrhoiden oder Fissuren, kann jedoch auch ein Zeichen von
Darmkrebs sein. Jeder zwanzigste Deutsche erkrankt daran. Früherkennung hilft, Leben zu retten. Auch das ein
Thema des MDR-Gesundheitsmagazins.
24
STECKBRIEF
Ausgabe 19 / 19. September 2008
Gesundheit und mehr...
WAS IST WO?
IMPRESSUM
GESUNDHEIT UND MEHR...
Das Patientenmagazin des
Universitätsklinikums Leipzig
Herausgeber:
Universitätsklinikum Leipzig AöR
Der Vorstand
Philipp-Rosenthal-Straße 27
04103 Leipzig
Telefon: 0341 97 109
Telefax: 0341 97 15 909
E-Mail: redaktion@uniklinik-leipzig.de
Redaktion: Heiko Leske (v. i. S. d. P.),
Frank Schmiedel.
Universitätsklinikum, Leipzig AöR
4. Jahrgang
In Kooperation mit der Redaktion der
LEIPZIGER VOLKSZEITUNG.
Druck: Leipziger Verlags- und
Druckereigesellschaft mbH & Co. KG,
Peterssteinweg 19,
04107 Leipzig
ÜBERSICHT ÜBER DAS UNIVERSITÄTSKLINIKUM LEIPZIG
WICHTIGE SERVICENUMMERN
Universitätsklinikum Leipzig AöR
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Internet
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E-Mail
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Zentrale Notaufnahme
Operatives Zentrum
Liebigstraße 20 (Zufahrt über Paul-List-Straße)
04103 Leipzig
Telefon
(0341) 97 17800
Öffnungszeit
24 Stunden täglich
Notaufnahme für Kinder
und Jugendliche
im Zentrum für Kindermedizin
Liebigstraße 20a
04103 Leipzig
Telefon
(0341) 97 26242
Öffnungszeit
24 Stunden täglich
Kreißsaal der Universitätsfrauenklinik
Liebigstraße 20a
04103 Leipzig
Öffnungszeit
Schwangerenambulanz
Klinikbesichtigung
Infoabend für
werdende Eltern
24 Stunden täglich
(0341) 97 23494
(0341) 97 23611
(0341) 97 23611
Eine Anmeldung zur Entbindung
ist nicht erforderlich.
Mehr Informationen
www.geburtsmedizin-leipzig.de
Blutbank (Blutspende)
Delitzscher Straße 135,
04129 Leipzig
Philipp-Rosenthal-Straße 27c,
04103 Leipzig
Info-Telefon
(0341) 97 25410
www.blutbank-leipzig.de
Zentraler Empfang
Operatives Zentrum
Telefon
Zentrale Ambulanz-Nummer Innere Medizin
(0341) 97 12222
Zentrale Ambulanz-Nummer Chirurgie
(0341) 97 17004
Zentrale Ambulanz-Nummer Kinderzentrum
(0341) 97 26242
Universitäres Darmzentrum
(0341) 97 19967
Rheumazentrum am Universitätsklinikum
Leipzig e.V.
(0341) 97 24930
Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen
(0341) 97 24202
Neuropsychiatrisches Zentrum (0341) 97 24304
Diabeteszentrum
(0341) 97 12222
Transplantationszentrum
(0341) 97 17271
Universitäres Brustzentrum
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