close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

lagebericht No.2

EinbettenHerunterladen
lagebericht No.2
medium für die analyse abstrakten wahnsinns in den zeiten der neonröhre
Inhaltsstoffe:
Was oder Wie? Eine Art Vorwort
Meditation
Hommage an Franz K.
Morgens nimmt man den Bus.
Gegenkultur
Masken
zu handelndes
Goethes Fäuste
Nachruf aus der Anonymität
1
1
2
2
3
3
3
3
4
Was oder wie?
Mika Barton
So sei es vollbracht, ein neues Blatt beschrieben, bekritzelt und dann in Form gebracht.
WAS, denkst Du? Ein Lagebericht? Ein lagebericht, korrigiere ich Dich und der zweite seiner Art. Erstaunt schaust Du auf das Blatt,
schüttelst den Kopf. WIE? Wie konntet Ihr nur
SO ETWAS verbrechen, fragst Du? Ich weiß
es, aber ich werde es Dir nicht sagen. Lies
selbst über das WAS und das WIE, nach dem
hier, was eine Art Vorwort sein soll.
MEDITATION
Shakti
Ok, was ist das Thema?
...Soundtrack zum anfang...was kommt
mir spontan in den Sinn zum Anfang?
...ja, ich konzentriere mich .... ruhig
durchatmen,
Augen
schliessen....
Konzentration ...zum
anfang..... zum anfang..
ruckelnd, zögernd setzt
sich mein "innerer Zug"
in Bewegung... ich sehe
mein Leben an mir vorbeiziehen... ruhig bleiben .... ich bebachte
nur..... ich identifiziere
mich nicht damit ...... es
sind
Bilder..weiter,
weiter.....Konzentration
zum Anfang....
Schneller und schneller
wird der Zug, die
Bilder sausen mit einer
Geschwindigkeit an
mir vorüber, dass es mir
fast übel wird...... weiter und weiter und
schneller und schneller.......
HALT!!!!! So geht das
nicht....... ich will doch
Blatt (photo von francois.es)
Hügellandschaft
4
4
August 2002.
Der lagebericht lädt ein mitzumachen, denn schließlich ist er ein offenes
Blatt nicht nur für die, die ihn schon kennen, sondern auch für alle, die der
heutigen Zeit einen gefühlvollen Ausdruck geben wollen.
Impressum: Der lagebericht ist ein Erzeugnis der wirren Gedanken der heutigen Zeit. Wir erheben
keinen Anspruch auf die Richtigkeit der Aussagen. Die Redaktion teilt nicht unbedingt die Meinung
der AutorInnen. Informationen zum lagebericht unter www.klua.de.vu. Alle Rechte und Verantwortlichkeiten liegen bei den AutorInnen.
nicht das ganze Zeitalter durchfahren.....
Nochmal von vorn, ganz langsam, ganz
ruhig......Einatmen, ausatmen, ruhig bleiben.......Konzentrieren........
Thema: Soundtrack zum anfang......
Wieder geht das Ruckeln von vorne los
und der Zug will sich in Bewegung setzen........ neee, halt.... ich ziehe die
Notbremse......
Welcher anfang überhaupt?????? Der
anfang meines Lebens? Der Anfang der
Weltgeschichte? Der Anfang des heutigen Tages? Der Anfang dieses
Milleniums?
Ich bin zu nervös, zu unruhig, zu unkonzentriert......Anfang, ok..... JETZT, und
jetzt und jetzt, nee so geht das auch nicht,
jeder moment ist ein anfang......
Verwirrter und nervöser macht mich
diese Frage..... ok, ich sollte mal anfangen
mich
zu
beruhigen....
Konzentration.....
Augen
zu......
Atmen......... ich spüre meinen Körper, er
wird ganz schwer...... nicht vom
Teppichrand fallen ..... ich bin ganz da.....
jetzt.......
Ich atme tief in jede Zelle ...... spüre
meine Knochen..... meinen verspannten
Rücken, die verklappten Wirbel...... ich
stelle mir vor, ich sei ein Weizenstengel
....... meine Wirbelsäule wird zu einem
Kornhalm und bewegt sich ganz langsam
zum Wind ..... hin und her, vor und
zurück.... atmen, locker werden, immer
im Rhythmus und der sanften Bewegung
des Halms in meinem Rücken...... neben
mir und um mich herum realisiere ich
andere Halme, bis das Rauschen des ganzen Kornfeldes durch mich fliesst........
ausatmen..... ich bin da, ganz entspannt
und konzentriere mich...... nehme die
Körner war und bin bereit..... wozu???
gemäht zu werden, gedroschen, gemahlen??????? ........ nee, ich steige vorher
aus..... ich fange jetzt an..... den Weizen
vom Spreu zu trennen...... genau,
jawoll...... los geht's, anfangen,
jetzt.......... .
Hommage an Franz K.
Uli Röthke
Vorgestern saß Kafka Kaff kiffend
in Vinohrad, einem Kaff bei Prag.
Vergessen plötzlich die Alpenträume
der letzten Nacht von Ungeziefer,
würmerumwundenen Wunden und
mordlüsternen Schreibmaschinen.
Selbst das Gezeter des Vaters vomVortag
ging ihm jetzt glatt am Arsch vorbei.
Er konnte nur einen Gedanken fassen "... ich bin ein kleiner grüner Engel
hoch über der Stadt!"
Und das war gut so!
Finis
Morgens nimmt man den Bus
Mika Barton
Missmutig hingen mir die Schultern herunter. Draussen war es noch dunkel und
der Kaffee in meinen Händen war wie
immer zu stark. Ein bitterer Nachgeschmack blieb in meinem Mund zurück,
während ich auf die riesige Wanduhr
blickte, deren Sekundenzeiger unheilvoll
weitertapste. 5.54 Uhr. Mir war eiskalt,
während ich meine Füße zu mir auf den
Hocker zog und die Augen schloss. Ich
war übermüdet.
Sollte es doch besser wissen, früher
schlafen gehen, dann käme ich auch besser aus dem Bett. Würde meine Mutter
sagen, wenn sie mich so sehen könnte.
Meine Hände hielten krampfhaft die
Kaffetasse fest. In meinem Kopf lief ein
Countdown in grossen viereckigen
Zahlen und zählte zum Takt des Sekundenzeigers der Wanduhr rückwärts. 26
Minuten noch. Der Kaffee brannte mir im
mittlerweile rumorenden Magen. Die
nachfolgende Zigarette tat ihr übriges.
Widerwillig warf ich sie aus dem
Fenster und schleppte mich aus der
Küche.
Ich tastete durch die dunkle Wohnung,
immer noch im Halbschlaf und setzte
mich in die eiskalte Badewanne. Den
Kreislauf schocken am frühen Morgen,
dachte ich mir, als das kalte Wasser über
meinen Körper perlte. Jetzt war ich hellwach, geistig, nur mein Körper schlief
noch. Oder umgekehrt. Auf jeden Fall
kletterte ich mühsam aus der Wanne und
trocknete mich sorgfältig mit einem frischen Handtuch ab. Das Spiegelbild vor
mir sah so scheisse aus, wie ich mich
fühlte. Der Rasierer zitterte in meiner
Hand und ich ließ ihn erstmal ins
Waschbecken fallen.
Zehn Minuten später verließ ich pünktlich mit dem ablaufenden Countdown
meine Wohnung und brach auf.
Mit mir verließen noch fünf andere das
alte Mietshaus. Alle verschlafen wie ich.
Grunzend grüssten wir uns, als laut die
Haustür hinter uns ins Schloss fiel. Eine
viel zu teure Gegend, in der ich damals
lebte, in der schwitzende Bauarbeiter den
gesamten Sommer damit verbracht hatten, Tag für Tag meterweise den Bürgersteig zu erneuern. Die Bäume, die an der
Strasse hinaufragten, waren alt und unter
ihnen lag sorgfältig gesammelt Hundescheisse.
Unsere schweren Schritte brüllten auf
dem neuen Pflaster durch die sterbende
Nacht. Fast im Gleichschritt, eine
Kolonne Zwangsarbeiter, die sich müde
auf das grosse Ziel zuschob: den UBahnhof in unserer Strasse.
Es war wie eine Versammlungsfeier der
Schlafwandelnden, als wir dort so vor
uns hinstarrend auf den Zug warteten.
Wie immer waren wir zwei Minuten zu
früh, die Leuchtanzeige über unseren
Köpfen bewies es. Meine Zigarette löste
sich langsam in dem Dreieck Mund,
Zeige- und Mittelfinger auf und fand in
dem Moment, als die U-Bahn hereinrauschte, ihren wohlverdienten Platz auf
den Gleisen.
Die Bahn war voll und trotzdem, oder
gerade deshalb schoben wir uns mit aller
Kraft hinein. Wieder stehen, wartend auf
jedes Geräusch, jede Durchsage und
unter der Stadt dahinschiessen. In mir
zählte wieder ein Countdown: fünf
Stationen, vier, drei, dann blieben wir stehen.
Unplanmäßig und lange. Müde Augen
wurden erst nervös, dann böse. Lauernd.
Fünf Minuten vergingen, um die Leute
mehr und mehr aufzuwecken und wütend
werden zu lassen. So, als wäre es ihnen
ein liebes, morgens, viel zu früh arbeiten
zu gehen. Aber nichts geschah. Murren
und Knurren, als das Licht im U-Bahnwaggon zu flimmern anfing. Und dann
die erste, klare Aussage des Tages: „Wir
haben ein technisches Problem, bitte verlassen Sie alle die Bahn.“ Wie eine unwillige Viehherde schoben sich langsam alle
durch die Ausgänge in den neonbeleuchteten Tunnel und verharrten nahezu sofort
wieder in dem engen Spalt zwischen
Waggon und Wand, sodass die noch verbliebenden Leute in der Bahn kräftig
schieben und fluchen mussten, damit die
ersten sich noch ein weiteres Stück in den
Tunnel schoben.
Dann verlosch im Zug und nahezu
gleichzeitig im Tunnel das Licht. Die
Aggressivität verstummte fast simultan,
aber nur kurz, denn nur Sekunden später
schrie eine tiefere Männerstimme die
zweite klare Aussage des Tages durch die
Schwärze: „Was soll die Scheisse?“ Das
dachte ich mir auch, meinte aber den
Schreihals und fand, als ich von meinen
Mitmenschen unsanft gegen die Wand
gepresst wurde, eine kleine Nische, in die
ich mich zurückzog. Das Stimmengemurmel nahm zu und ich mutmaßte,
dass langsam alle wach wären, während
ich mir im Dunkeln eine Zigarette aus der
Tasche fingerte. Als ich überraschender
Weise auch das Feuerzeug dazu relativ
schnell fand, zündete ich sie mir auch an,
was mir mehrere böse Sprüche der
Umherstehenden, wohl allesamt Nichtraucher, einbrachte. Aber irgendwie
schienen sie dann doch froh, wenigstens
das rotglühende Ende einer Zigarette in
der Finsternis zu sehen, so dass sie sich
schnell wieder ihrer aktuellen Situation
widmeten.
Am vorderen Ende des Zuges ertönte
eine Stimme mit Befehlsgewalt und
einem kräftigen Lichtkegel in der Hand
und wir wurden aufgefordert, vorsichtig
dem Licht zu folgen. Allgemeines
Aufatmen. Dann glimmte auch kurz das
Neonlicht des Tunnels wieder auf, die
Leute setzten sich langsam in Bewegung
und schoben sich an meiner Nische vorbei. Ich wollte noch ein wenig sitzen bleiben, um nicht zufällig den Eindruck zu
erwecken, ich wolle mich mit meiner
Klaustrophobie in die Masse schieben.
Stattdessen hörte ich auf das Stimmengemurmel, das langsam wieder freundlicher, oder sagen wir, hoffnungsvoller
wurde. Daneben hörte ich noch etwas
anderes, konnte aber nicht genau erkennen, was es war. Etwas rauschte.
Das Licht verlosch erneut, was aber die
Menschen nicht mehr so sehr irritierte, da
sie nun einen Führer hatten.
„Kommen Sie, kommen Sie,“ lautete
die mittlerweile 3.Aussage vom Anfang
des Zuges, die sehr wahrscheinlich vom
Lichtkegelbesitzer stammte, der nicht
sah, was hinter ihm geschah, denn die
Leute versuchten schon auf direktestem
Weg ihm zu folgen. Und auch ich machte
Anstalten, mich der Menge anzuschliessen, damit ich hier nicht mutterseelenallein zurückblieb. Im Aufstehen bemerkte
ich, wie der Luftzug sich änderte. Die
Menschen gingen an mir vorbei und nahmen mich, der ich für sie sicher nur ein
weitere dunkler Schatten in der Finsternis
sein musste, nicht wahr. Vorsichtig setzten sie Fuß um Fuß vorwärts, immer darauf bedacht, nicht auf fremde Füße oder
2
3
in fremde Hacken oder Stromkabel zu
treten. Das Rauschen wurde lauter und
als aus ihm ein Rattern wurde, nahmen es
auch andere wahr, jedenfalls stockten
mehrere Menschen vor mir und drehten
ihre Köpfe in die dem Lichtkegel abgewandte Seite des Tunnels.
Dann erscholl mit einem Mal ein gellender Schrei vom hinteren Ende des
Zuges und ab da ging alles ganz schnell:
Die Leute blieben vollends stehen, wandten sich um, in mir begann ein
Countdown (der dritte des Tages) zu zählen, das Rattern wurde ohrenbetäubend
laut, gelbes Licht quoll in den Tunnel,
zwei Lichtaugen rasten heran. Und erst
zu diesem Zeitpunkt schrien mehr Leute
auf und ich liess mich zurück in meine
Nische fallen und zog die Beine ein.
Alles was darauf folgte, hat der Zensor
in meinem Kopf aus meinem Gedächtnis
gelöscht. Jedenfalls benutze ich seitdem
den Bus.
für Heid-Egger
Gegenkultur
Mika
Gehen wir durch das verschollene Tor.
Entscheiden wir uns fortzugehn.
Gegen Sonnenaufgang kommt hervor,
Erst dann werden wir uns wiedersehen.
Nicht durch das alte Seuchenfeuer
Krankhaft süchtiger Gier nach Geld
Umgehen wir auch das kranke Gemäuer
Leichtgläubiger Zahnradgetriebewelt.
Tor aufgefunden – aufgestoßen
Und hindurch in den anbrechenden Tag
- Raus ins Land, das lange jetzt leblos lag
Bianca - Masken
für Heid-Egger
zu handelndes
Faust XII
Uli Röthke
immer bimmelst du zur unzeit.
Weißt nicht, was sich gehört
in Sein und Zeit,
du kleiner Schelm
in mein en Händchen
mit dem roten handy-käppchen.
Aber je tzt gibt Ruhe Sonst kommst Du in das
Totenköpfchen
Uli Röthke
Goethes Fäuste ein langsam wachsender Abszeß,
den er sich zweimal aus drücken mußte oder vielleicht doch nur ein
einziger Abort
-
Nachruf aus
der Anonymität
Mika
Als sie zurückgekommen war, öffnete sie
alle Fenster und entließ die wochenalte
Wohnungsluft in die Freiheit. Es wurde
warm und Tag um Tag stand sie am
Fenster und sah den Krähen hinterher, die
in den Abend flogen. Den Rest des Tages
schlief sie und ernährte sich kaum von
den Unmengen Butterkeks, die ihr
irgendjemand mal geschenkt hatte. In der
Nacht aber lief sie über die Dächer und
kam erst am Morgen wieder zurück.
Wohin sie lief? Immer gerade aus, auf
den schmalen Brüstungen entlang bis zu
den Leitern, die ganz hinauf führten.
Von dort oben blickte sie in die
Hinterhöfe hinab und verbrachte damit
mehr als ein halbes Jahr. Sie kannte ein
jedes Fenster und die Menschen, die
dahinter wohnten.
Sie wusste alles über sie, ob sie nun mit
einander stritten, weinten, lachten, ob sie
sich schlugen, liebten oder abgrundtief
verachteten. Sie sah das alles von ihrem
Platz aus auf dem schwarzen Teerdach,
das in den Sommermonaten an ihren
Beinen klebte.
Sie sprach nicht über
das, was sie des nachts
sah, weder mit sich
selbst, noch öffnete sie
irgendwem die Tür, der
sie durch sein Klingeln
geweckt hatte und doch
zu jemand anderem
wollte. Niemand beachtete sie, niemand fragte
nach ihr, niemand dachte über sie nach oder
nahm
sie
wahr.
Praktisch gesehen, war
sie unsichtbar.
Wenn sie aber auf den Dächern saß,
sang sie oft. Leise, nur so daß ihre
Stimme wie ein fallendes Blatt in den
Hinterhof torkelte. Oft schlossen sich
angelehnte Fenster geräuschvoll dabei.
Ob sie das wahrnahm oder nicht, weiss
ich nicht.
Sie sang ihre Melodie, die einmal fröhlich, trauernd oder haßerfüllt war, ganz so
wie die Szenen der Leben, die sie in den
Nachtstunden unter sie sah.
Eingehüllt in eine Decke im Frühling
verbrachte sie ganze Nächte an nur einem
Platz und nahm die frische Aufgeregtheit
eines jungen Paares in sich auf, das sich
gerade erst kennengelernt hatte. Sie liebten sich und sie sah es. Sie sah auch, wie
sich die beiden wieder entliebten und wie
die junge Frau allein in ihrer Wohnung
blieb und weinte. Sie weinte mit ihr und
sang für sie, doch die junge Frau ging ans
Fenster, lauschte kurz dem Lied und
schlug dann energisch das Fenster zu.
Wie ein gefallendes Blatt einer jungen
Birke blieb das Lied im Grau des
Innenhofs liegen und verschwand wie die
anderen auch unter dem Besen des
Hauswarts.
Die Frau auf dem Dach aber hatte mehr
Lieder als der Hauswart Kraft zum Fegen
und sie ließ sie Nacht für Nacht über den
Hinterhof tanzen, bis sie langsam hinabsanken und blickte ihnen gedankenverloren hinterher. Da niemand diese Frau
kannte, wusste auch niemand, was sie
dachte, und da nicht einmal jemand wusste, dass sie existierte, war es auch egal.
Tagsüber Butterkeks im Halbschlaf,
nachts der Weg übers Dach bis zu einem
der noch erleuchteten Fenster, solange bis
es erlosch. Und wenn alle Lichter verloschen waren, lag die Frau auf dem
Rücken und blickte auf die Sterne über
ihr und sang für sie ein letztes Lied. Es
fiel neben ihr auf den Teer, kullerte dann
die Schräge des Flachdaches herunter
und fiel hinab.
Die Frau fiel auch eines Tages im
Spätsommer. Als der Hauswart sie am
Morgen, mit seinem Besen in der Hand
fand, und all die Hausbewohner durch
das Blaulicht der Polizei alamiert worden
waren und aus den weit geöffneten
Fenstern blickten, sah sie mit ihren weit
von sich gestreckten Armen, ihren offenen Haaren, Mund und Augen wie ein
herabgefallener Engel aus. Die Lieder der
letzten Nacht umrahmten sie wie eine
Heilige. Die Leute an den Fenstern
bemerkten dies nicht, sie kannten ja nicht
einmal die Frau, die da ausgeblutet in
dem Grau des Hofes lag. Sie sahen nur
angewidert das ganze, schon halb
getrocknete Blut. Die Frau aber hatte sie
alle gekannt.
Sie wurde durch eine Angestellte der
Wohnungsbaugesellschaft identifiziert.
Ob der Sturz ein Unfall gewesen ist oder
ob sie freiwillig ihren Lieder folgte, weiss
ich bis heute nicht.
Bianca - Hügellandschaft
4
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
1
Dateigröße
262 KB
Tags
1/--Seiten
melden