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ist so versichert, wie er die Arbeit antritt - IMB-Fachverband

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ORIGINALBEITRÄG E
A . Voig t
Zusammenfassun g
Der Vorschaden in der gesetzliche n
Unfallversicherung:,,. . . ist so
versichert, wie er die Arbeit antritt"
Einleitun g
In der gesetzlichen Unfallversicherung ,
aber auch in anderen Zweigen des sozialen Versicherungswesens, ist ein Versicherter in dem Zustand versichert, in dem
er sich bei Eintritt des Versicherungsfalle s
befindet . Der oft zitierte Satz „Der Versicherte ist so versichert, wie er die Arbei t
antritt” hat nichts mit der Beurteilung de s
Kausalzusammenhanges zwischen einem
angeschuldigten Ereignis und einem Gesundheitsschaden zu tun .
Das versicherte Risik o
Die gesetzliche Unfallversicherung versichert Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten und ihre Folgen . Grundlegende
Voraussetzung für eine Rente aus de r
gesetzlichen Unfallversicherung ist die
Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) .
Ausgangspunkt der MdE ist dabei die individuelle Erwerbsfähigkeit des Versicherten . Die MdE richtet sich nach de m
Umfang der sich aus der Beeinträchtigung des körperlichen und geistige n
Leistungsvermögens ergebenden verminderten Arbeitsmöglichkeiten auf de m
gesamten Gebiet des Erwerbslebens .
Ein debiler Mensch . der beispielsweise als Folge eines frühkindlichen Hirnschadens auf dem geistigen Niveau eine s
Zweijährigen verharrt, ist — sieht man von
der Beschäftigungsmöglichkeit in eine r
Behindertenwerkstätte ab — nicht in de r
Lage, in einem nennenswerten Umfang
die Arbeitsgelegenheiten des allgemeine n
Anschrift des Verfasser s
Dr . med . Alexander Voig t
Gutachtenstelle
des ev . Diakoniewerkes e. V.
Diakoniestr. 1 0
74523 Schwäbisch Hall
ME1) S;ACll 103 6/2007
Erwerbslebens wirtschaftlich zu verwerten und damit das Angebot des allgemeinen Arbeitsmarktes anzunehmen . Unabhängig davon, ob und in welchem Umfan g
dieser bedauernswerte Mensch einen wei teren, bleibenden Gesundheitsschaden erleidet, besteht für ihn kein nennenswerte s
Risiko, auf das Angebot des allgemeinen
Arbeitsmarktes verzichten zu müssen . Di e
gesetzliche Unfallversicherung kann kei n
Risiko versichern, dessen Erleben, bedingt
durch einen vorbestehenden Gesundheits schaden welcher Art und welchen Ausmaßes auch immer, bereits ausgeschlosse n
ist. Anders ausgedrückt — bedingt durc h
die Folgen eines versicherten Gesundheitsschadens kann nicht erneut ein Antei l
des Arbeitsmarktes wegfallen, der bereit s
durch die Folgen eines Vorschadens weg gefallen war. Dem gegenüber stehen eine m
Versicherten, dessen körperliche und geis tige Fähigkeiten nicht beeinträchtigt sind ,
grundsätzlich alle Arbeitsgelegenheite n
auf dem gesamten Gebiet des allgemeine n
Erwerbslebens und damit der gesamte Arbeitsmarkt offen .
Dieser Arbeitsmarkt ist kein abstraktes Gebilde . Er besteht aus eine r
kaum noch überschaubaren Vielfalt unterschiedlicher Tätigkeitsfelder und is t
einem steten Wandel unterworfen .
Der Vorschade n
Besteht bei einem Versicherten ein wesentlicher gesundheitlicher Schaden mi t
einer graduellen Beeinträchtigung der kör perlichen und/oder geistigen Leistungsfähigkeit, so steht diesem Versicherten lediglich noch ein Teil des Arbeitsmarkte s
offen . Bedingt durch den vorbestehende n
Gesundheitsschaden ist bei diesem Versicherten die individuelle Erwerbsfähigkei t
beeinträchtigt respektive gemindert .
Unabhängig davon, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmaß bei Eintrit t
des Versicherungsfalles bereits eine Minderung der Erwerbsfähigkeit vorlag, ist
Der Vorschaden ist ein zum Zeitpunk t
eines neu eingetretenen und versicherte n
Unfallschadens vorbestehender und manifester Gesundheitsschaden . Vorschaden und individuelle Erwerbsfähigkei t
stehen in einer engen Beziehung zueinander. Die Einschätzung der Minderung
der Erwerbsfähigkeit, resultierend au s
einem neu hinzugetretenen, versicherten Gesundheitsschaden, hat stets den
Vorschaden respektive den verbliebenen Arbeitsmarkt zu berücksichtigen
(,, . . . ist so versichert, wie er die Arbei t
antritt") . In einem solchen Fall sind die
Empfehlungen der wissenschaftlichen
Gutachtenliteratur zur Einschätzung de r
Minderung der Erwerbsfähigkeit nu r
bedingt anwendbar. Der Beitrag stellt
die grundsätzlichen Auswirkungen unterschiedlicher Fallkonstellationen au f
die Einschätzung der Minderung de r
Erwerbsfähigkeit dar.
Schlüsselwörter Vorschaden—Schadensanlage — Verschlimmerung — individuelle Erwerbsfähigkeit — Minderung der Erwerbsfähigkeit
festzuhalten : Die individuelle Erwerbsfähigkeit bei Eintritt des Versicherungsfalle s
ist stets 100 % . Liegt bereits ein gesundheitlicher Schaden mit einer wesentliche n
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkei t
vor, kann der Versicherer fortan lediglic h
noch dasjenige Risiko versichern, das verbleibt, sich auf dem Arbeitsmarkt eine n
Erwerb verschaffen zu können . Der Satz
,- . . . ist so versichert, wie er die Arbeit an tritt" bezieht sich auf diesen Umstand . Bezogen auf den „Restarbeitsmarkt” ist di e
verbliebene individuelle Erwerbsfähigkei t
stets 100 % . Diese 100% individueller Erwerbsfähigkeit repräsentieren jedoch nu r
in dem Fall den Gesamtumfang des Arbeitsmarktes . sofern keine Beeinträchtigung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit des Versicherten vorliegt .
Anmerkung der Schriftleitung:
In dem Beitrag kann der nicht uninteressante Versuc h
gesehen werden, den sogenannten Vorschaden in seinen Varianten und seinen Auswirkungen auf die unfallbedingte MdE unter Beachtung einer Sektorierung de r
Einschränkungen des allgemeinen Arbeitsmarktes dar zustellen . Auf das in diesem Heft abgedruckte Urteil de s
Bundessozialgerichts vom 05 . 09. 2006 (B 2 U 25/05 R) ,
S. 216, wird hingewiesen .
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