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Zeitung
Dienstag, 4. November 2014
Nr. 257 • 45. Woche • Preis 1,50 €
H a n n ov e R S c H e R a n z e i G e R vo n 1 8 9 3
Ein KEnnEnlErnEn
Ein rAusch
Edward Snowdens Leben kommt
als Film in die Kinos Seite 3
Ein AlbtrAum
Wie Tempofreunde auf der
Kartbahn Gas geben Seite 14
Fotojournalist Ruben Neugebauer
über seine Haft in der Türkei Seite 16
„HoGeSa“ ruft
Hooligans nach
Hannover
thEmEn dEs tAgEs
hAnnovEr
Region fordert hohe Miete
für Flüchtlingsunterkunft
Die Stadt will Flüchtlinge im leeren Gebäude des Klinikums Oststadt unterbringen –
doch die Region fordert nach HAZ-Informationen eine Jahresmiete von bis zu einer Million Euro. Kurios: Bei Regionsgründung hatte die Stadt das Haus für einen
Euro an die Region angegeben.
Seite 11
Bernadotteallee früher
fertig als geplant
Die Arbeiten an der Eilenriedebrücke zwischen Oststadt und Zooviertel sind früher
abgeschlossen als erwartet. Seit gestern
rollt dort der Verkehr. In dem Bereich hatte es lange Zeit Staus gegeben. Die Brücke
war nicht mehr sicher gewesen.
Seite 11
WElt im spiEgEl
Schock nach Diebstahl
in der Gedenkstätte Dachau
Nach dem Diebstahl der historischen Tür
aus der KZ-Gedenkstätte Dachau hat die
Polizei erste Hinweise auf die Täter erhalten. Gedenkstätten-Leiterin Gabriele Hammermann spricht vom „schwersten Angriff“ auf den Gebäudekomplex.
Seite 6
WirtschAft
Gebremste Talfahrt
bei Betrieben in Hannover
Der Konjunkturabschwung hat die Region
Hannover erfasst. Auf breiter Front berichten die Unternehmen von schlechteren Geschäften. Gleichwohl ist vor allem die Industrie in der Region deutlich optimistischer als im Rest des Landes.
Seite 10
Rätsel
Finanzen
Familienanzeigen
Medien
Fernsehprogramm
Täglich (fast) alles, Wetter
Seite 5, 15
Seite 8
Seite 15
Seite 19
Seite 19
Seite 20
Von
Matthias Koch
Das zentrale Signal
vom alten Kohl
MI
Wort
Treffen von intellektuellen Schwergewichten: Der hannoversche Sozialphilosoph Oskar Negt (l.) und Schriftsteller
Günter Grass kamen gestern Abend in Hannover zum Gespräch zusammen. Der Andrang am Audimax war gewaltig
– doch es gab auch Demonstranten, die gegen den Auftritt
des Literaturnobelpreisträgers protestierten.
Seite 5
Deutsche haben das Vertrauen
in die Organspende verloren
Niedrigster Stand seit 30 Jahren / MHH-Arzt: „Rückgang ist drastisch zu spüren“
Von sandra trauner
und Mathias Klein
FRankFuRT/HannoveR. Der Skandal
um manipulierte Wartelisten hat das
Vertrauen der Bevölkerung in die Organspende nachhaltig erschüttert. In
den westdeutschen Ländern sei die Zahl
der Spender auf dem niedrigsten Stand
seit Gründung der Deutschen Stiftung
Organtransplantation (DSO) vor 30 Jahren, sagte Axel Rahmel, Medizinischer
Vorstand der DSO, am Montag in Frankfurt: „Wir sind wieder dort angekommen, wo wir gestartet sind.“
„Kopfzerbrechen“ bereitet der DSO,
dass auch die Zahl der Lebendspenden –
wie es bei Nieren und Leber gängige
Praxis ist – auf niedrigem Stand verharrt.
Dies sei ein Zeichen für „eine stärkere
Verunsicherung der Bevölkerung“,
wenn nicht gar für „einen grundsätzlichen Vertrauensverlust“, sagte Rahmel.
In den ersten neun Monaten dieses
Jahres spendeten bundesweit nur noch
649 Menschen nach ihrem Tod Organe.
Im vergleichbaren Zeitraum waren es im
vergangenen Jahr 675, im Jahr 2012
noch 829. Etwa 11 000 schwer kranke
Menschen warten in Deutschland auf
ein Spenderorgan. Die Mediziner glauben dennoch, dass sie nun die Talsohle
erreicht haben könnten. Es gebe sogar
Anzeichen für Hoffnung, dass die Zustimmung der Bevölkerung zur Organspende wieder steige.
„Wir spüren den Rückgang der Organspenden ganz drastisch“, sagt Professor Axel Haverich, Transplantationsexperte und Herzchirurg der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).
Vor allem bei Herzen, Lebern und Nieren sei dies festzustellen. Aus Sicht von
Haverich ist unter anderem der Verteilungsskandal an der Uniklinik in Göttingen ein Grund für die Zurückhaltung bei
der Spendenbereitschaft. Eine Rolle
spiele aber auch der starke Rückgang
von Verkehrstoten. Haverich fordert alle
Bürger auf, einen Spenderausweis auszufüllen. „Die geringe Spendenbereitschaft trifft Patienten, die schon lange
auf ein neues Organ warten“, betonte er.
Jeder solle sich in die Situation eines Erkrankten versetzen, der auf ein neues
Organ angewiesen sei. Ein Spenderausweis könne Leben retten.
Im Sommer 2012 kam ans Licht, dass
zwei Mediziner der Göttinger Universitätsklinik Akten gefälscht und eigene
Patienten beim Empfang von Spenderlebern bevorzugt haben sollen. Später
wurden Manipulationen auch in anderen Krankenhäusern bekannt.
Als Folge des Skandals wurde 2012
das Transplantationsgesetz umfangreich
reformiert. Möglichst jeder Bundesbürger soll nun seine Bereitschaft zur Spende erklären. Seither sei vieles geschehen, was in die richtige Richtung gehe,
sagte Professor Björn Nashan, Präsident
der Deutschen Transplantationsgesellschaft. Seine Fachgesellschaft begrüßt
es, dass Manipulationen „nicht mehr als
Kavaliersdelikt angesehen werden“. Die
Kontrollen seien verschärft worden, das
Verfahren sei nun transparenter. „Jetzt
geht es darum, die Bevölkerung besser
einzubinden.“ Der Verband für Lebertransplantierte forderte mehr Engagement der Krankenhäuser für die Organspende. „Ärzte, Schwestern und das Pflegepersonal sollten bei Patienten, die vor
einem Hirntod stehen, viel selbstverständlicher das Gespräch mit den Angehörigen über eine Organspende suchen“,
sagte die Vorsitzende Jutta Riemer.
Organspender in Deutschland
Zahl der Organspender (nur nach dem Tod)
2002
2003 2004 2005
2006 2007 2008 2009
1500
1 200
900 1 029
1313
1220
1 140
1217
1259
1081
2010
1296
2011
2012
2013
1200
1198
1 046
876
600
21668
Die GDL droht
der Bahn mit
weiteren Streiks
Zeitpunkt des Ausstands
steht noch nicht fest
Von bernd röder
BeRlin. Fahrgäste und Firmenkunden
der Deutschen Bahn müssen schon bald
wieder mit einem Streik rechnen. Die
Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kündigte am Montag „weitere
Arbeitskämpfe“ an. Wann die Lokführer
die Arbeit niederlegen wollen, ließ sie
aber offen. „Die GDL wird darüber
rechtzeitig informieren“, hieß es nur.
Am Sonntag waren die Tarifgespräche gescheitert. Bahn und GDL gaben
sich dafür gegenseitig die Schuld. Der
GDL-Vorsitzende Claus Weselsky warf
der Bahn vor, das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit infrage zu stellen. BahnPersonalvorstand Ulrich Weber erklärte:
„Eine gute Zukunftslösung ist erneut an
reinen Machtfragen gescheitert.“
Nach Darstellung der Bahn war eine
Vereinbarung fast unterschriftsreif. Die
GDL hätte demnach einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter erhalten sollen, teilte die Bahn mit. Die
GDL-Spitzengremien lehnten den BahnVorschlag jedoch einstimmig ab. Die
Gewerkschaft argumentierte, der Tarifvertrag hätte der GDL nur eine Scheinzuständigkeit für die Zugbegleiter zugestanden. „Die Entscheidung, welche Inhalte tatsächlich tarifiert werden und
welche Tarifstruktur maßgebend ist, soll
allein eine Gewerkschaft treffen, der die
GDL-Mitglieder nicht angehören wollen“, hieß es in der GDL-Erklärung. Gemeint ist damit die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), mit der die
GDL beim Zugpersonal konkurriert.
» Kommentar
Seite 2
Der Staat als Fitnesstrainer
DO
Gesundheitsminister Gröhe will Versicherte für gesunde Lebensweise stärker belohnen als bisher
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20045
4 190347 301505
elmut Kohl, 84, hat es im Alter
schwerer als Helmut Schmidt. Den
einstigen SPD-Kanzler, inzwischen 95,
sah man mitunter kettenrauchend bei
Sandra Maischberger, stets scharfsinnig
und klar. Maischberger schien Schmidt
anzuhimmeln: wie einen geliebten Vater, der auch mal etwas Schräges sagt, in
dessen Worte man aber schnell und gern
etwas Geniales hineininterpretiert.
Aufein
WEttEr
DI
H
Von Gabi stief
O
b Rückenschule, Yoga oder Laufgruppe – die Krankenkassen übertrumpfen sich, wenn es darum geht,
Versicherte mit Wohlfühlware zu gewinnen. Ob der Kurs sinnvoll ist oder der
Anbieter seine Sache versteht, wird selten kontrolliert. Das soll sich nun ändern. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will, dass künftig
nur noch qualitätsgeprüfte Kurse auf
der Förderliste der Krankenkassen stehen. Außerdem will er die Bonusprogramme für gesundes Verhalten zur
Pflicht machen. Kurzum: Bislang hält
sich der Gesetzgeber bei Fragen der
Gesundheitsprävention raus. Das will
Gröhe nun ändern.
Der Wunsch, mit klaren Vorschriften
den Kampf gegen Rauchen, Alkoholkonsum, mangelnde Bewegung und falsche Ernährung zur nationalen Aufgabe
zu machen, ist allerdings nicht neu. Genaugenommen ist es der vierte Versuch
innerhalb von zehn Jahren, ein Präventionsgesetz zu verabschieden. Initiativen der Vorgängerregierungen scheiterten zumeist am Widerstand der Bundesländer. Angesichts der Voreinigung in
der Großen Koalition sind die Aussichten nicht schlecht, dass es diesmal
klappt.
Ab 2016 würden dann rund 500 Millionen Euro mehr im Jahr für die Verhütung von Krankheiten zur Verfügung
stehen. Die Krankenkassen sollen laut
Gesetzentwurf künftig sieben Euro pro
Versichertem für Präventionsmaßnahmen ausgeben; davon zwei Euro für betriebliche Gesundheitsprojekte und
weitere zwei Euro für Angebote in
Kindertagesstätten und Schulen.
Drei Euro dürfen die Kassen weiterhin für eigene Ideen verwenden. Auch von den Pflegekassen und den privaten Krankenversicherern wird ein
Beitrag erwartet.
Die Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung
soll die Präventionsprojekte
koordinieren und
auch eine nationale
Präventionskonferenz leiten. Die Kassen
sollen dafür jedes Jahr 35 Millionen
Euro überweisen. Die AOK meldete bereits Protest an. Im Gesetzentwurf wird
allerdings klargestellt, dass man
nicht der Ansicht ist, dass die Kassenchefs das besser können. Nicht
nur die Qualität der Präventionsangebote sei zweifelhaft, heißt es da.
Die Nutznießer der bisherigen
Kurse seien zudem oft nicht
jene, die diese Unterstützung
dringend brauchen.
Yoga gern – aber auf
Kassenkosten nur noch
in qualitätsgeprüften
Kursen.
Foto: dpa
Foto: Heusel
HannoveR. Die für den 15. November
geplante Demonstration „Europa gegen
den Terror des Islamismus“ ist offenbar
von der Gruppe „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) angemeldet worden.
Das geht aus einer Umfrage auf der Internetseite der Gruppe hervor, mit der
die Rechtsextremen versuchen, Gleichgesinnte zu mobilisieren. Obwohl es vonseiten der Polizei diesbezüglich noch keine offizielle Bestätigung gibt, überlegt
man im Rat der Stadt parteiübergreifend,
wie man dem Aufmarsch der Rechtsextremen begegnen kann. Die Grünen
möchten einen Beschluss erwirken, mit
dem der Rat seine Ablehnung gegenüber
der Veranstaltung ausdrückt. Die Behörden prüfen die Anmeldung der Demonstration derzeit. „Wenn sich kein gerichtsfestes Verbot ergeben sollte, sind wir für
spürbare Beschränkungen“, sagte der
niedersächsische Landesvorsitzende der
Polizeigewerkschaft, Dietmar Schilff.
Seite 12
lEitArtiKEl
Auftritte in so schönem mildem Licht
waren Kohl nie vergönnt. Erst schob sich
die Spendenaffäre als emotionale Sperre
zwischen ihn und den Rest der Welt.
Dann brachte ihn ein Sturz in den Rollstuhl und behinderte seine Sprache.
Umso mehr verdient es Aufmerksamkeit, wenn der alte Kohl jetzt Gedanken
zur neuen Lage in Europa zu Papier
bringt. „Aus Sorge um Europa“ heißt
sein Buch – und damit sind auch Kohls
Beweggründe beschrieben: Ihn treibt
um, dass die heutige Generation europäischer Staatenlenker hinter das Erreichte zurückfallen oder gar einem neuen Nationalismus den Weg bahnen
könnte. Jean-Claude Juncker hat Kohls
Impuls verstanden und ernst genommen.
Welcher Autor im In- und Ausland könnte bei der Buchvorstellung auf den Präsidenten der EU-Kommission rechnen?
Die deutschen Medien, immer auf
Krawall aus, haben unterdessen fix einige parteipolitisch kitzlige Punkte aus
den 120 Seiten herausgeschüttelt. „Altkanzler Kohl rechnet mit Rot-Grün ab“,
schrieb „Bild“. Tatsächlich bezeichnet
Kohl die zu frühe Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone und die Aufweichung des Stabilitätspakts zuzeiten der
Regierung Gerhard Schröder als „teure
Fehlentscheidungen“. Aber Kohl schont
auch Angela Merkel nicht: Den Ausschluss Russlands vom jüngsten G-7Gipfel habe er als „einschneidend und
auch bedrückend“ empfunden, schreibt
Kohl. Auch mit Blick auf Russland mahnt
er, „dass wir nicht alles verspielen, was
wir schon einmal erreicht hatten“.
Schröder und Merkel könnten sich
jetzt rasch einigen: Der alte Mann soll
den Ball flach halten, die Welt ist komplizierter geworden. Schröder kann sagen, er habe sich durch Lockerung der
Stabilitätspolitik Luft verschafft für die
Agenda 2010. Merkel kann sagen, sie
habe auf russischer Seite heute leider
keinen Boris Jelzin mehr, der sich von
Kohl zu vielem hatte bewegen lassen,
was im deutschen Interesse lag.
Man sollte aber Kohls Buch nicht reduzieren auf die selbstgerecht anmutende Abgrenzung von seinen Amtsnachfolgern. Zentral ist vielmehr, was Kohl
über Europa schreibt: Europa und der
Euro sind nicht das Problem, sondern
Teil der Lösung. Gerade in der unübersichtlicher gewordenen Welt wäre das
Zurück zum Nationalstaat ein Riesenfehler. Mit dieser wichtigen Botschaft
setzt Kohl sich nicht ab von seiner CDU
und auch nicht von SPD und Grünen.
Die Gruppen, die völlig quer stehen zu
Kohls Sicht der Dinge, sind andere: radikale Linke, radikale Rechte und die
AfD.
Telekom zählt täglich
eine Million Angriffe
auf ihr Netz
Bonn. Unternehmen und Staaten sehen
sich einer wachsenden Gefahr durch Cyberattacken ausgesetzt. Allein die Deutsche Telekom registriert nach eigenen
Angaben pro Tag bis zu eine Million Angriffe auf ihr Netz. Einer Studie zur Cyberkriminalität zufolge, die die Telekom
beim Cyber Security Summit vorlegte,
einem Spitzentreffen von Politikern, Unternehmern und Sicherheitsexperten in
Bonn, sind neun von zehn deutschen Firmen inzwischen Ziel von Angriffen aus
dem Netz. 2013 hätten sich die wirtschaftlichen Schäden weltweit auf bis zu
575 Milliarden Dollar belaufen. Auch
Staaten sind immer häufiger betroffen.
„Es ist eine neue Form der Kriegsführung“, sagte Sorin Ducaru, der das Verteidigungsbündnis Nato berät.
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