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Der Blumenschmuck unterstreicht die Wichtigkeit und die Würde des
1000-Jahre-Gedenkens
der Translatio des heiligen Koloman
akademie für naturgestaltung
Gestalter
Philipp von Arx, Schweiz
Christian Egger, Österreich
Gregor Hartmann, Österreich
Karl Klingsbichl, Österreich
Moritz Kneucker, Deutschland
Hubert Marko, Österreich
Otto Mattmann, Schweiz
Christian Platzner, Österreich
Bernhard Pesendorfer, Österreich
Leitung: Franz-Josef Wein, Deutschland
Fakten:
–
12.000 verarbeitete Olivenäste
–
40 Olivenbäume
–
ca. 3.000 verarbeitete Blüten ergänzt durch Wildblumen und Blumen aus dem Klostergarten
–
10 Floristmeister und Mitglieder der Akademie für Natur
gestaltung arbeiten 4 Tage zusammen an dem Gesamtwerk,
das bedeutet ein Gesamtarbeitsstundenaufkommen von
400 Stunden
–
Die gesamte Arbeitszeit schenken die Floristmeister dem Stift
–
Die Blumen und Olivenäste werden von der Landesinnung der
Gärtner und Floristen der Wirtschaftskammer Niederösterreich
für diesen besonderen Anlass bereitgestellt
–
Planung der Dekoration begann vor einem halben Jahr
Ut In Omnibus Glorificetur Deus
Damit in allem Gott verherrlicht werde
Der Sinn eines Blumenschmuckes in einem religiösen Raum dient der Verherrlichung Gottes und nicht lediglich der Verschönerung des Raumes für die Menschen. Im Blumenschmuck soll sich ein Opfer des Menschen
an Gott vollziehen. Im Vergehen und Verblühen des Pflanzlichen vollzieht sich das Opfer und durch die
Schönheit der pflanzlichen Natur, vom Menschen dargebracht, wird Gott verehrt und verherrlicht.
Ein Blumenschmuck erfüllt also damit einen Sinn und schmückt nicht nur. Blumen sprechen eine Sprache
und alle Teile der Gestaltungen sollten dieser Sprache dienen. Die Sprache dieser Dekoration erzählt vom
Frieden und und wie unterschiedlich er dem Menschen möglich ist und wie er als ein Gebot Gottes bezeichnet werden kann und wie die Liebe den Frieden erzeugt.
Die Bäume gingen hin, um einen König über sich zu salben,
und sprachen zum Ölbaum: Sei unser König! (Ri 9,8)
Ich aber werde bleiben wie ein grüner Ölbaum im Hause Gottes,
verlasse mich auf Gottes Güte immer und ewiglich. (Psalm 52,10)
Der Leitfaden aller Arbeiten ist die Olive als Ausdrucksmittel. In allen antiken Kulturen am Mittelmeer spielt
sie eine besondere Rolle und bereits im Alten Testament findet sie immer wieder Erwähnung als große
Kostbarkeit und als Salböl der Könige Israels.
Da harrte er noch weitere sieben Tage und ließ abermals eine Taube fliegen aus der Arche. Die kam zu ihm
um die Abendzeit und siehe, ein Ölblatt hatte sie abgebrochen und trug´s in ihrem Schnabel. Da merkte
Noah, dass die Wasser sich verlaufen hätten auf Erden. (1 Mose 8,10-11)
Im Verständnis der Allgemeinheit wird sie aber als Friedenszeichen im Bewusstsein verankert sein und das
rührt aus der Geschichte von Noah und der Sintflut her. Nachdem die ganze Welt überflutet war, schickte
Noah eine Taube weg und als diese mit einem Ölzweig im Schnabel zurück kam, wusste er, dass Gott wieder
Frieden mit den Menschen geschlossen hatte und das Land wieder aus den Wassermassen auftauchen ließ.
Seit dem ist sowohl die Taube als auch der Olivenzweig ein Sinnbild des Friedens.
Aus diesem Grund werden 24 große Olivenäste von der Kuppel der Stiftskirche gehängt. Eine für jede Stunde des Tages und das stellt dar, dass der Frieden auch etwas ist, was von einer höheren Macht geschenkt
wird.
Die gleichen Olivenäste integrieren sich in den Hauptaltar bei den Kirchenpatronen Petrus und Paulus und
den Seitenältären beim heiligen Koloman und dem heiligen Benedikt.
Über den Köpfen der Menschen schweben lockere Girlanden aus Olivenästen, gebunden um eine Verbindung aller miteinander zu verkörpern. Bei den Messen zu Ehren des heiligen Koloman wird jeder Gläubige
und Besucher an seinem Platz einen Olivenzweig vorfinden und bei der Aufforderung des Zelebranten:
„Gebt Euch ein Zeichen des Friedens“ sollen diese Zweige untereinander getauscht werden.
1. Epiphanie-Altar/Altar der Heiligen Familie
Das Altarbild stellt die Anbetung der Heiligen Drei Könige dar und im Zentrum des Bildes steht natürlich
die Heilige Familie. Jeder Christ kennt diese Szene, die ein wesenticher Teil der Weihnachtsgeschichte ist.
Maria, Josef und das Kind stellen die Urzelle des christlichen Glaubens dar, sie sind der Inbegriff von Familie
und damit ein Vorbild.
Alle gewählten Floralien gehören zur Familie der Rosengewächse, dazu gehören natürlich Rosen und Hagebutten, aber auch Äpfel, Birnen, Quitten, Pflaumen, Himbeeren, Ebereschen etc. Sehr unterschiedliche
Mitglieder der gleichen Familie erzeugen hier gemeinsam eine Einheit. So stellen die Gestaltungen an diesem Altar einen Aufruf zum Frieden in den Familien dar, sich gegenseitig zu akzeptieren und den Einzelnen
als das zu belassen, was er ist. Der Friede in den Familien ist eine der Grundbedingungen für den Frieden
in der Welt.
2. Altar des heiligen Michael
Fast alle Menschen haben eine Vorstellung vom Himmel und seinen Wesen. Wenn diese Vorstellungen auch
sehr unterschiedlich sein können, so drücken sie doch ein gemeinsames Verständnis aus. Im Glauben der
Menschen spiegelt sich eine Vorstellung von himmlischen Wesen wider und diese Vorstellung ist generell
positiv. Aus diesem Grund wird dieses Olivengefäß mit einem Eschegehölz gestaltet, das Flugsamen ausbildet, sich also nur durch die Luft oder den Wind vermehren kann. Der Flugsame der Esche bildet flügelförmige Samen aus, die sich scheinbar vom Himmel herabfallend mit der Erde verbinden. Die Flügelsamen
bedecken den Untergrund, aus dem sich die Äste mit ihrem Samen erheben.
All das drückt den Wunsch danach aus, dass gerade die Vorstellung an einen Himmel uns dazu anhält,
miteinander Frieden zu halten. Denn bei der Geburt Jesu war alsbald bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den
Menschen.“
3. Altar des heiligen Nikolaus
St. Nikolaus ist nach unserer Vorstellung fest mit dem Gedanken an Kinder verbunden und er gilt als Schutzpatron unserer Kinder, aller Kinder. Es drückt sich darin der Wunsch von uns aus, unsere Kinder zu schützen,
von guten Mächten bewacht zu wissen, und das ist wohl der Wunsch von allen Eltern und Familien auf der
ganzen Welt. Kinder ohne Vorbelastungen und Vorbehalte gegenüber den Geschehnissen der Welt verstehen sich ja auch miteinander ausgezeichnet und sie denken überhaupt nicht über Herkunft und Rasse der
anderen Kinder nach, sie können einfach miteinander spielen.
Die Floralien dieses Altares sind nur Samen- und Fruchtstände oder Beeren, wie wir sie jetzt im Herbst in
der Natur erleben. Die natürliche Herkunft von allen ist sehr unterschiedlich, diese Kinder der Natur können
aber gemeinsam eine Harmonie erzeugen und damit sind sie ein Vorbild. Außerdem drücken die Floralien
dieses Altares den aktiven Aufruf aus, nur schon wegen unserer Kinder den Frieden zu bewahren, damit
ihnen das Leid und die Not von Kämpfen und Kriegen erspart bleibt.
4. Altar des heiligen Sebastian
Bei diesem Altar geht es um Sterben und gewaltsamen Tod, weil man eine andere Position, eine andere Meinung oder eine andere Religion vertritt – leider ist das heute tragische Realität. Die meisten Auseinandersetzungen auf der Welt zwischen Menschen kann man als einen Kampf wegen unterschiedlicher Vorstellungen
und Glauben ansehen, dahinter steckt aber ganz sicher der pure Wunsch nach Macht und Beherrschen. Der
Tod ist für jeden von uns, egal welche Auffassung wir haben und welcher Religion wir angehören, eine Realität
und jeder hat natürlich den Wunsch, diesen Tod nicht durch Gewalt zu erleben. Der Tod und die Vergänglichkeit können auch schön sein, wenn man den Tod als Ende eines diesseitigen Lebens begreift und auf ein
zukünftiges Leben hofft oder daran glaubt. Aus diesem Grund werden bei diesem Altar in den Olivengefäßen
nur sterbende und tote Floralien gestaltet, die natürlich beim ersten Betrachten vielleicht Ablehnung erzeugen, aber beim näheren Betrachten als wunderschön angesehen werden können. Damit soll der innere Frieden eines jeden Menschen bei seinem Tod dargestellt werden und dass dieser innere Frieden natürlich nicht
möglich ist, wenn der Tod gewaltsam eintritt.
5. Altar des heiligen Johannes des Täufers
Das Altarbild stellt die Taufe von Jesus durch Johannes im Jordan dar und wie der Geist Gottes darüber
schwebt. Das Göttliche ist also identisch mit positivem Geist und in diesem Geist Gottes steckt positive
Kraft. Wenn diese positive Kraft sich auf den Menschen überträgt, dann ist im eigentlichen Sinne nur Frieden möglich. Krieg und Auseinandersetzungen stehen im grassen Widerspruch zu diesen Kräften und man
öffnet sich damit dem Negativen, dem Gegenteil von Geist.
Seit altersher verkörpert der Lotos, der aus dem dunklen Wasser aufsteigt, für viele Menschen auf der Welt
genau diese Überwindung des Negativen zum Positiven hin. Die Stiele des Lotos bringen die Blüte und damit auch den Samen über die Wasseroberfläche, das Positive taucht also gleichsam auf, um vom schlammigen Untergrund und dem dunklen Wasser an die Luft und das Licht zu gelangen. Darin sahen die Menschen
immer schon ein Symbol für das Gute und den Geist.
6. Altar des heiligen Leopold
Leopold III., Markgraf von Österreich, lebte von 1073 bis 1136 n. Chr. und stammte aus dem Adelsgeschlecht
der Babenberger. Seit 1663 ist der heilige Leopold Nationalpatron Österreichs und im Speziellen auch Landespatron von Wien und Niederösterreich und gemeinsam mit dem heiligen Florian von Oberösterreich. Neben
dem Beinamen „der Heilige“ trug er auch die Bezeichnungen „der Fromme“ und „der Milde“. Diese Namen
erhielt er durch seine großzügigen Gaben und Tätigkeiten in Wien und Niederösterreich. Neben der Landeserschließung war er vor allem ein Gründer von Klöstern. Dabei steht an erster Stelle das Stift Klosterneuburg, das
1108 unter seiner Schirmherrschaft gegründet wurde.
Der Anspruch des Herrschers oder generell aller Herrscher wird in dieser Gestaltung durch die Sonnenblume
verkörpert. Sie bildet in ihrer Blütenform einen vollkommenen Strahlenkranz aus Blütenblättern aus, der einer
Krone vergleichbar ist. Die Sonnenblumen stehen in einer Wiese und in der symbolischen Auslegeung steht
Wiese immer für das Volk. Hier treffen also Herrscher auf ihre „Untergebenen“, für die sie aber auch Verantwortung übernehmen. Eine der wichtigsten Verantwortungen ist ganz sicher die Wahrung des Friedens und genau
dieser Aspekt hat im Moment eine Aktualität wie seit langem nicht mehr.
7. Altar des heiligen Benedikt
Dieser Altar ist dem Ordensgründer der Benediktiner, dem heiligen Benedikt, gewidmet. Benedikt formulierte die
Ordensregeln für den Orden und auf diese Regeln bezieht sich nicht nur sein eigener Orden, sondern viele andere
Gemeinschaften leben nach diesen Ansichten, die Benedikt vor über 1.500 Jahren formulierte. Er beginnt seinen
Text mit dem Wort „Höre“ und damit ist die Aufforderung verbunden, achtsam miteinander umzugehen, und genau
das gelingt ihm durch sein Regelwerk.
Die Kurzform der Regeln des heiligen Benedikt könnte man mit „ora et labora et lege“ – „bete und arbeite und
lese“ benennen. Damit prägt er im Wesentlichen den Tagesablauf der Mönche, der geprägt ist durch Stunden der
Arbeit, Stunden des Gebetes und Stunden des Studiums.
Dieser Aspekt findet seinen Widerhall in den Gestaltungen auf seinem Altar. Das Olivengefäß nimmt eine Vielzahl
von Gemüsearten in sich auf, die aus der gesamten Welt stammen. Das kennzeichnet einmal den Aspekt der Arbeit,
zum anderen aber auch die universelle Tätigkeit der Benediktiner auf der Welt. Das Gebet wird durch die weißen
Lilien verkörpert. Die Lilie ist eine Madonnenblume und sie steht für Reinheit, und täglich beten die Mönche zur
Gottesmutter, damit sie ihre Bitten vor deren Thron ihres Sohnes bringt.
8. Altar des heiligen Koloman
Der heilige Koloman war ein irischer Adeliger, der auf Wallfahrt nach Jerusalem war. In Österreich, genauer
in Stockerau, wird er gefangen genommen, weil er sich sprachlich nicht verständigen kann, denn er wird
als ein Spion angesehen. Er wird gemartert und schließlich an einem toten Holunderbaum aufgehängt, der
danach wieder blüht. Die Verehrung als Heiliger durch die Bevölkerung setzt unmittelbar nach seinem Tod
ein und schließlich verlegen die Babenberger den Leichnam am 13. Oktober 1014 in ihre Residenz in Melk
und damit besitzen sie eine Legitimation ihrer Herrschaft nicht nur durch den Deutschen Kaiser, sondern
auch durch einen Heiligen. Sie übergeben wenig später ihre Residenz den Benediktinern und so entsteht
das Stift Melk. Koloman ist neben den Kirchenpatronen Petrus und Paulus der wichtigste in Melk verehrte
Heilige bis heute.
Die Blumen auf dem Altar des heiligen Koloman sind ein ganz klarer Aufruf zum friedlichen Umgang mit
Fremden oder mit Menschen, die man nicht versteht. Aus diesem Grund beinhaltet diese Blumenauswahl
Blumen aus allen Erdteilen, aber alle sind weiß, sie haben also einen gemeinsamen Faktor. Diese Gemeinsamkeit verbindet sie und dabei erhebt Weiß noch zusätzlich einen universellen Anspruch. Im Weiß ist jede
andere Farbe enthalten. Es ist die Farbe der Reinheit, des Göttlichen.
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Seele and Geist
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