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$1. Einleitung. Wie Ma j or ana ) fand, wird eine kol- loidale

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179
$1. Einleitung. Wie Ma j o r a n a ') fand, wird eine kolloidale Eisenoxydhydratlosung im Magnetfelde doppelbrechend,
und Schmausss) wies wohl einwandfrei nach, daS die Doppelbrechung von der Orientierung der suspendierten Partikeln
herriihrt, indem er durch Gelatinezusatz die Reibung des
Losungsmittels vergroberte und beobachtete, daB dann die
Doppelbrechung Zeit gebraucht, um sich auszubilden bzw.
wieder zu verschwinden.
Ferner beobachtete Ma j o r a n a 3), daB gewisse kolloidale
Eisenlosungen bei Erhohung der Feldstiirke einen Ubergang
von negativer zu positiver Doppelbrechung aufweisen, und
Schmauss fand auch bei konstanter Feldsthrke und Erhohung
der Temperatur eine Inversion von positiver zu negativer
Doppelbrechung. E r glaubt, dieses Phanomen dadurch erklliren zu konnen, dab er annimmt, bei tiefen Temperaturen
seien die Teilchen reletiv zum Losungsmittel diamagnetich,
dagegen bei hohen Temperaturen paramagnetisch oder umgekehrt .
Diese Erklarung, die uns theoretisch nicht stichhaltig
scheint, wie wir weiter unten sehen werden, wurde auch
durch Co t to n und Mouton4) widerlegt, die experimentell
zeigten, daS die suspendierten Teilchen relativ zu der sie um~
1) Q. Majorana, Rend. Acc. dei Lincei 11. 1.sem. p. 374, 463, 531;
2. sem. p. 90, 139. 1902.
2) A. Schmauss, Ann. d. Phys. 12. p. 188. 1903.
3) Q. Majorana, 1. c. 11. 1. sem. p. 533. 1902.
4) A. Cotton u. H. Mouton, Les ultramicroscopes et les objets
ultramicroacopiques p: 198.
R. Gans u. H. Isnardi.
180
gebenden Flussigkeit stets paramagnetisch sind. Leider waren
uns die Originalarbeiten dieser beiden Forscher infolge der
schlechten argentinischen Bibliotheksverhaltnisse unzugiinglich.
SchlieSlich sei noch das wichtige Ergebnis erwlihnt, das
Dies s e 1hor s t und F r e undlic h ') nach ihrer Schlierenmethode
fanden, niimlich, daS die ultramikroskopischen Eisenteilchen
weder Stiibchen- noch Scheibenform haben, sondern mehr
oder weniger kugelig sein mussen, oder genauer gesagt, daB
die geringen Abweichungen von der Kugelform keineswegs
den ganzen Betrag der Doppelbrechung erklliren konnen,
sondern daS das Material selbst, aus dem die Teilchen bestehen, bereits anisotrop sein muB.
Die vorliegende Arbeit stellt sich die Aufgabe, die Doppelbrechung und den Magnetismus kolloidaler Eisenlosungen in
ihrer Abhiingigkeit von der Feldstiirke und der Temperatur
zu studieren, um Schlusse auf die Konstitution der amikroskopischen Teilchen zu ziehen.
Erater Teil. Die megnetieohe Doppelbreohnng.
2. Die Versuchsanordnung. Zur Messung der magnetischen Doppelbrechung bedienten wir uns folgender Anordnung (Fig. 1).
k
Das Licht einer Bogenlampe L murde
mittels einer Linse parallel gemacht, ging dann
durch die Blende 0 und wurde durch den
Nicol P, dessen Polarisationsebene unter 45 O
gegen die horizontalen Kraftlinien des D u boist Z 3 C
schen Elektromagneten N S geneigt war, polaQA
risiert, passierte dann den Trog V mit der
~ i 1. ~ . Eisenlosung, den Be bine t schen Kompensator C
und den Analysator A .
Die Endfliichen der Polschuhe waren Rechtecktl von
50 mm Liinge und 15 mm Hiihe.
Zwei verschiedene Kuvetten wurden zur Messung dtbr
magnetischen Doppelbrechung verwendet. Die erste, fur konstante Temperatur als Funktion des Feldes, war ein L e y -
-p
y)iG
1) H. Diesselhorst u. H. Freundlich, Physik. Zeitechr. 17.
p. 117. 1916. - Leider ist uns die Elster-Geitel-Festschrift,in der D i e s s e l ho r st , Freundlich und Leonhardt den Majoranaeffekt studiert hrtben
miissen, wegen des Krieges unzuganglich.
Studium
der
magnetischen u. optischen Erscheinungen usw.
181
boldscher Trog von 36 mm Liinge und 8 mm Breite, der
sich in einem Interferrikum von 9 mni befand. Der zweite,
T , zum Studium der Tempersturabhangigkeit bestimmt (Fig. 2),
bestand aus innen vernickeltem Kupfer, hatte
einr Liinge von 36 mm und eine Breite von 10 mm
L I. c
und befand sich in einem Interferrikum von 11 mm.
Die beiden Fenster L und L’ waren aus Was
untl wurden mittels Gummidichtungen an die A&
A’
Fig. 2.
Trogwand gedruckt.
Um bei verschiedenen Temperaturen beobachten zu konnen, war der eigentliche Trog T mit einem
prismatischen ZinkgefiiB R umgeben. Durch die Rohransatze A und A‘ konnte Wasser in dies glul3ere GefiiB elinbzw. wieder aus demselben austreten, das aus einem heizoder kuhlbaren grol3eren Reservoir staminte und niittels
einrr durch einen elektrischen Motor betriebcnen lileinen
Zentrifugalpumpe in Zirkulation versetzt wurde.
Da das Ileservoir groB und die Pumpe sehr nirksam war,
konnten die Temperatuwn im Troge T lange Zeit konstant
gehalten werden.
Die Eichung drs H a b i n c t schen Kompensators ergab,
dal3 fur das Licht tler Bogenlampc, das durch die B r a v a i s schen Losungen hindurchging, eine Wellenlange Phasendifferenz
glrich 2680 Teilstrichen drr Mkrometerschraube war. Hierbei
wirkte also die Flussigkeit selbst als Strahlenfilter, iind die
Messungen beziehen sich soniit auf den Teil drs Spektrums,
der zwischrn Rot und Gelb lirgt. Auf exaktrrc Definition
tlrr Wellenlaiige durch Anwendung homogenen 1,ichtc.s verxichteten wir im Interesse groBtwr Jntensitat.
Will man die beobachtete J)oppelbrechung in Wellt~nliingen
hiiben, so hat man somit die in den folgenden Tabellen verxvichneten Wrrtr von A durch 2680 zu dividieren.
Die Feldmessung wurde nach der ballistischen Methode
i111hgefdhrt unter Benutzung einer kleinen ballistischen Spule
aus zwei rechteckigen Windungen eines blanken Kupferdrahtes,
tlir aiif ein rechteckiges Stuck Hartgummi gewickelt waren.
1% Ausmmung der Windungsfliiche erfolgte mittels eines
Zrissschen Komparators und ergab als Liinge bzw. Breite
t1t.r Windungsfliiche 42,06 mm bza. 7,595 mm.
Die Empfindlichkeit des ballistischen Galvanometers wurde
R. Guns u. H. Isnardi.
182
mit einer wechselseitigen Induktion von Siemens & H a l s k e
bestimmt.
Dann wurde mit einer kleinen Spule von 3 mm Durchmesser die Homogenitat des Feldes in der Strahlrichtung gemessen. Es ergab sich hinreichende Konstanz des Feldes im
ganzen Bereiche des durchstmhlten Troges.
$ 3 . Die Abhangigkeit der Doppelbrechung von der Feldstarke. Die Losungen, welche zur Untersuchung benutzt wurden,
waren samtlich pharmazeutisches Bravaissches Eisen, welches
durch Dialyse von den Eisenchloridbeimengungen befreit wurde.
Durch Wasserzusatz wurde eine Ausgangssubstanz der Dichte
1,038 hergestellt.
Zuniichst wurde an einer beliebig 1-erdunnten Losung der
Ausgangssubstanz die magnetische Doppelbrechung als Funktion der Feldstarke bei der konstanten Temperatur von 14O
gemessen. Die folgende Tabelle enthalt die Doppelbrechung A
in Trommelteilen des B a b i n e t schen Kompensators, und zwar
ergab eine Versuchsreihe bei steigenden Werten von H die
Kolumne der A , , eine andere bei abnehmenden H die Kolumne der A , ; A ist das Nittel.
Tabelle 1.
I
6200
10340
13960
18040
18730
I
1
I
- _ _, _ ~
__
.
- 41
- 112
-205
-332
-359
~
I
38
- 109
-204
- 337
-367
-
1
,
._.__
- 39,5
- 110,5
-204,5
-334,5
-363,O
1
1
I
I
- 1026
- 1033
-1048
- 1025
- 1035
Aus der letzten Koluiiine sieht man, daB d/H2, wie auch
schon Majorana fand, konstant ist, und zwar wird die Losung
unter dem Einflusse des Feldes ein negaticer einachsiger Kristall.
Um zu sehen, wie bei Doppelbrechung von der Konzentration abhiingt, wurde eine etwa doppelt so konzentrierte
Losung wie die vorige hergestellt, deren Konzentration C
wir willkurlich 1 nennen wollen, und ihre Doppelbrechung
gemessen; darauf wurde dieselbe in gemessenen Verhiiltnissen
verdunnt, wieder die Doppelbrechung bestimmt , und so erhielten wir die folgende Beobachtungsreihe fur 15,5 O.
Studium der mcrgnetischn u. optischen Erscheinungen usto. 183
T a b e l l e 2.
-2175
-2125
-2185
-106
-257
322
I
I -
1
1
- 849
- 891
- 918
11, - I1
55
-128
-160
- 440
- 446
- 460
1
-2162
-2162
j
- 886
- 1969
-
2274
Wir erkennen also, daB die Doppelbrechung der Iionzentration merklich proportional ist, d. h. daS die einzelnen
Teilchen keine Wechselwirkung aufeinander ausiiben.
Da S c h m a u s s , wie in der Einleitung erwiihnt wurde,
die Inversion der positivcn Doppelbrechung bei einer bestimmten Temperatur in negative dadurch erkliiren will, daB
einmal die suspendierten Teilchen paramagnetisch gegen die
sie umgebende Flussigkeit, das andere Ma1 diamagnetisch sind,
so haben wir, um die Berechtigung dieser Annahme zu priifen,
die Doppelbrechung in Feldern verschieden groJ3er Interferenz
gemessen. Denn fur die Einstellung para- bzw. diamagnetischer
Partikel im Magnetfelde ist bekanntlich nicht die Richtung
der Kraftlinien, sondern die Verteilung ihrer Dichte ma&
gebend.') I n einem gleichformigen Felde wirken iiberhaupt
keine merklichen Krafte.
Um die Doppelbrechung zu vergroBern, alterten wir eine
Losung kiinstlich, indem wir sie drei Stunden lang in geschlossenem GefaBe auf 70° hielten, und brachten sie, nachdem wir sie auf 5 O abgehhlt hatten, in die aus der folgenden
Tabelle ersichtlichen Felder.
Wir regulierten also die Stromstarken des Elektromagneten
so, daB die Feldstarke annahernd gleich war. Trotzdem war
naturlich die Inhomogenitiit der Felder wegen der verschiedenen
1) Vgl. z. B. E. Cohn, Das elektromagnetisohe Feld. Leipzig
1900. p. 210. - R. Gans, Einftihrung in die Theorie des Magnetismus.
Leipzig und Berlin 1908. p. 90.
R. Gans u. H . Isnardi.
184
T a b e l l e 3.
~~~~~
1
I
~~
II
11 m m
18 3,
26
,,
i
Magnetiaierende Ii in Gauss
Stromatiirke
4 Amp.
11,2 9,
23
,,
II
__
9172
9460
8813
I1
309
340
315
Polabstande sehr verschieden, und wenn es sich um die Orientierung para- oder diamagnet ischer Teilchen handeln wiirde,
muBte in den drei Versuchen der Effekt sehr verschieden ausfallen, was aber offensichtlich nicht der Fall ist. Somit ist
zuniichst schon hier gezeigt, daI3 die Doppelbrechung nur von
der Starke des Feldes und nicht von seiner Streuung abhangt, daI3 also die Hypothese von S c h m a u s s unrichtig
sein muI3.
Eine kunstlich gealterte Losung wurde sodann auch auf
ihre Doppelbrechung in ihrer Feldabhangigkeit bei 120 untersucht und ergab, wie aus folgender Tabelle ersichtlich, auch
Konstanz von A / H2.
T a b e l l e 4.
.
~~
6700
9500
11700
13 100
14000
14900
15500
16000
16500
16900
150
300
458
~
~
'
580
~
1'
i
645
751
820
858
924
945
,
334
332
342
337
329
338
341
335
339
330
'1
I
;I
;I
.-
17300
17500
17800
18000
18300
18600
18800
18900
19000
1050
1080
'
,
1115
1135
1160
1190
1210
I
333
327
328
333
335
Urn die Mannigfitltigkeit der Erscheinungen, die bei kolloidalen Eisenlosungen vorkommrn, zu illustrieren, seien noch
zwei Beobachtungsreihen erwahnt. Bei der ersten war A , wie
nuch schon Maj o r a n a gelegentlich beobachtete, in schwachen
Feldern negativ und schlug bei H = 7000 Gauss in positives A
um. Hier gilt also das Gesetz A / H 2 = const nicht. Bei der
zweiten war zwar A proportional H 2 ; aber der Wert von A
Studiunt der rnagnetischen u. optischen Erschsinungen usw. 185
war positiv, trotzdem die Messungen bei derselben Temperatur ausgefuhrt waren, wie die in Tab. 4 gegebene MeBreihe.
3 4. Die Abhangigkeit der Doppelbrechung von der Temperatur. An derselben Losung, fur welche in Tab. 4 die
Feldabhangigkeit der Doppelbrechung dargestellt ist, wurde
dann fur ein konstantes Feld von 7000 Gauss die Temperaturabhangigkeit zwischen O o und 80° gemessen. Die Resultate
sind in Tab. 5 und graphisch in Fig. 3 wiedergegeben.
00
lo00
5
7.5
E
- 100
10
12
- 250
I
1
350
39
50
45
55
1
1
-1220
- 980
- 750
- 630
- 450
b(W
400
2oo
0
R. Gam
186
U.
H. Isnardi.
16000 Gauss die Temperaturabhangigkeit der Doppelbrechung
beobacht,et. Es efgab sich (vgl. auch Fig. 4)
55
14
-5v
- 70
- 55
220
33
45
-5
Der Inversionspunkt liegt bei 120
und das negative Minimum bei
-sol-
ca. 35O.
Fig. 4.
Sodann wurde die Losung 7 Stunden lang zwecks kiinstlicher Alterung in geschlossenem GefiiBe auf 1000 erwlrmt.
Die folgenden beiden Tabb. 7 und 7a und Figg. 5 und 5a
geben die Beobachtungsresultate zweier unabh’angiger Serien;
in jeder einzelnen Serie wurde bei steigender und abnehmender
Temperatur beobachtet.
T a b e l l e 7.
l
p i e GroSe A
H = 7130
-
30
12
22
34
44
54
64
74
82
72
61
45
35
25
14
3
I/
1
526
423
-980
- 487
-212
- 139
-273
H = 13100
H
_ _ _ _~
2435
1810
845
- 280
- 1485
-2410
- 1357
- 547
- 330
- 824
-2321
- 1753
- 400
+ 600
1360
2943
H
= 15600
_
_
3892
3370
1539
- 170
- 1947
- 3220
- 1809
- 747
330
- 1030
- 3088
- 2397
-
- 160
_
= 16900
_
~
4857
3673
1955
- 70
- 2080
- 3780
- 2039
- 860
- 334
- 1264
- 3573
- 2577
10
+
~
~
-
Studium der magnetischen u. opti.when Erscheinungen w i u . 187
T a b e l l e 7a.
I
Die GroBe A
"
t
~-- I
~
30
16
25
33
-
-
52
57
67
75
85
73
-
-.
I
44
432
304
83
203
700
967
926
470
109
I
- 260
- 559
- 1056
- 477
- 374
+ 56
391
786
Fig. 5.
H
= 13100
__
-
2398
1480
1058
- 80
- 1537
- 2325
- 2297
- 1168
- 416
- 147
0
64
53
45
35
26
16
3
H -.= 7730
-0oo
1
1
I
I
- 1425
- 2654
-1884
- 374
+696
1781
2933
H
= 15800 H = 16900
._.
. _.___
. _ _ _
.. ___
3880
2330
1206
123
- 1884
- 3159
-3096
- 1612
-0oo
-200
- 902
- 1847
- 3486
- 2245
- 279
A 1338
2795
4590
~
- ._____
4860
2914
1676
296
-2108
- 3565
-3484
- 1854
- 692
- 260
- 1064
- 2177
- 3800
- 2360
- 144
2036
3268
5373
-
Fig. 5a.
188
R.
Gans u.
H. Isnardi.
In den Figg. 6 und 5a ist, um die Deutlichkeit nicht
zu vermindern, die Kurve, welche H = 16900 Gauss entspricht, fortgelassen worden.
Aus den Beobachtungen crsieht man:
1. daB durch die Alterung die Inversionstemperatur wiichst ;
denn wiihrend sie fur 16000 Gauss bei der frischen Losung
12O betrug (Fig. 4), ist sie bei der hier untersuchten 330;
2. daB die Inversionstemperatur mit der Feldstarke ein
wenig zunimmt ;
3. daB die Temperatur, welche dem negativen Mininiuni
der Doppelbrechung entspricht, durch die Alterung zunimmt ;
denn wahrend sie bei der frischen Losung 35O betrug, ist sie
bei der gealterten ungefahr 5 5 0 ;
4. daB diese Temperatur des Minimums nicht vom Felde
abhangt;
5. ci&B bei den gealterten Losungen zwar d / H 2 fur einc
bestimmte Temperatur keineswegs konstant ist, daB aber.
insofern man die Kurven zwischen 00 und 55O geniihert als
Gerade auffassen Pann, geniihert
konstant ist.
Nachdeiii die Messungen uber Doppelbrechung der I&
sungen beendet waren, wurde die Versuchsanordnung zum
Studium des Magnetismus gemacht. Dies nahm ziemlich virl
Zeit in Anspruch, und da die Losungen erfahrungsgemafi
sich im Laufe der Zeit veriindern, wurde die Doppelbrechung
spiiter noch einmal an derselben B r avaisschen Eisenlosung
bestimmt, an der auch die Suszeptibilitiit gemessen wurdc.
Die Resultate, die in Tab. 8 und Fig. 6 niedergelegt sind,
sind somit direkt mit den weiter unten gegebenen Messungen
des Magnetismus vergleichbar.
Es sei noch eine merkwurdige Erscheinung erwiihnt, die
uns zuerst unversthdlich war, die aber durch den Kurvenverlauf der Fig. 5 ihre Erklarung findet.
1st die Temperatur der Losung in der K'lihe des Inversionspunktes, und erregt man ein Feld H,,so verschiebt sich der
schwarze Zentralstreifen des B a bine t schen Kompensators
zuerst so, als ob die Doppelbrechung negativ wHre, kehrt
876
696
368
9.0
10,o
10,9
13,O
16,O
21,o
37,5
48,5
55.0
1
I
I
iI
250
90
0
- 230
- 345
-600
- 645
- 380
-200
Fig. 6.
1
'
I
'
1660
1336
862
665
370
175
- 270
- 640
- 1015
- 1060
- 765
- '380
1 m
;
2043
I
1416
1100
686
645
- 320
- 666
~
-1500
- 1960
- 875
- 570
Fig. 7.
d a m um und kommt auf der entgegengesetsten Seite der
Nullstellung zur Ruhe, somit positive Doppelbrechung anzeigend .
Bedenkt man, daS fur ein Feld HI < H p die Inversions(vgl. Fig. 7), und daJ3 das Feld H,
temperatur 8, <@,
wegen der Selbstinduktion des Elektromagneten Zeit gebraucht, um seinen vollen Wert zu erreichen, 80 ist die Doppelbrechung fur eine Losungstemperatur t < 8,, wenn H den
Wert H, hat', negativ, im stationken Endmstande H = H,
aber positiv.
Diese Beobachtung zeigt qualitativ sehr deutlich, dab
die Inversionstemperatur mit der Feldstiirke wachst .
A n m l a n d ~ P h p l k . IV.Folre. 62.
1s
190
R. Gans u. H. Isnardi.
Zweiter Tail. Der Magnetinmu der Eieenloeungen.
5. Die Versuchsanordnung. Gni die Suszeptibilitiit
unserer Losungen in ihrer Abhiingigkeit von der Temperatur
zu messen, beautzten wir eine Versuchsanordnnng, wie sie
Weiss und Foexl) angewendet haben.
Die Polstiicke eines W eis s schen Elektromagneten sind
von zwei vertikalen Ebenen begrenzt, die sich unter 120°
Fig. 8.
schneiden (vgl. Fig. 8). Das Interferrikum hat an der schmalsten Stelle 19 mm Abstand. Man bringt das Material M an
die Stelle der grobten Kraft, um eine moglichst grobe Empfindlichkeit und Unabhangigkeit von kleinen Lagenanderungen
zu haben. Die Kraft an den verschiedenen Stellen der in
Fig. 8 gezeichneten Zentrallinir ist durch die Kurve in dieser
Figur wiedergegeben.
1) P.Weiss u. G. Foex, Arch. des
und 89. 1911.
sc.
phys. et nat. (4) 81. p. 4
Studium
der mcrgnetischen u. qtischen Erscheinungen u m . 191
Das Material befindet sich in einem Glasrohr R (Fig. 9),
das an einem Glasstab SS’ mittels eines Kupferdrahtes von
1 mixi Durchmesser befestigt ist. Der Glasstab ist an zwei
IT
Fig. 9.
V-formigen Kupferbandern D und D’ (vgl. auch Fig. 10)
aufgehiingt und tragt an dem dem Elektromagneten abgewandten Ende eine feine Stahlspitze, die in einem Rubinlager ruht, welches auf der Ruckseite des
Spiegels e befestigt ist. Der Spiegel ist um
eine vertikale Achse u u’ zwischen Lagern
drehbar und wird durch eine sehr feine
Uhrfeder in seiner Gleichgewichtslage gehalten. .Jede Verschiebung des magnetischen
Materials ruft eine Drehung des Spiegels
mg.
hervor und ld3t sich mit Fernrohr und
Skala beobachten. Die Empfindlichkeit der
Anordnung konnte variiert werden, indem der Abstand des
Rubinlagers von der Spiegeldrehachse verbderlich war.
Wir benutzten wie W ei s s eine Nullmethode zur Messung
der Kraft, indem diese kompensiert wurde durch die Anziehung zweier koaxialer stromdurchflossener Spulen, von
denen die kleinere b auf dem Glasstab angebracht war, die
goSere B auf einem Stativ festgelagert wurde. Zwei Metallbander der A u f h w g dienten zugleich zur Stromzufuhr
fiir die Spule b.
Nennt man die zur Kompensation notigen Strome in
13.
192
R. Gans
u.
H . Isnardi.
der kleinen und grol3en Spule i bzw. J, so ist die Kraft Ci J,
wo C eine Konstante ist.
Das Glasrohr, in welchem die Losung des Bravaisschen
Eisens sich befand, tauchte in ein Gefal3 mit Wasser, welches
erstens als Temperaturbad diente, zweitens aber bewirkte,
daB man direkt die Suszeptibilitlit gegen Wasser, d. h. den
Magnetismus der suspendierten Teilchen, maB.
Fiillt man einmal das Glasrohr mit nt Gramm der Eisenlosung, dann rnit der gleichen Menge Wasser, und sind die
Kompensationsstromstiirken in der Spule B J bzw. J,, die
spezifischen Suszeptibilitiiten der Losung und des Wassers
x bzw. x,, so ist
m ( X - x O ) H -ad- HX= C i ( J - J o ) ,
wenn H die Feldstarke, a H / a x ihren Gradienten bedeutet.
Dabei fhllt schon bei der Differenzbildung von selbst der
Magnetismus des Glasrohres fort, oder besser gesagt, die
Messung mit Wasser im Rohr gibt direkt die Differenz des
Magnetismus des Rohres und seiner Aufhlingung gegen Wasser.
Will man die Suszeptibilitaten in absolutem MaBe kennen,
so braucht man nur das Glasrohr mit einer Eichsubstanz von
bekannter Suszeptibilitlit zu fullen und auf diese Weise die
GroBe
C
. .
zu bestimmen.
Als Eichsubstanz benutzten wir eine Manganchloridlosung,
deren spezifische Suszeptibilitlit 1,776 .10-6 betrug.
$ 6 . Die Mebresultate. So ergaben sich folgende beiden
Beobachtungsreihen, die voneinander unabhangig an verschiedenen Tagen gemacht wurden, und zwar war bei der
ersten Beobachtungsreihe der Elektromagnet mit 8 Amp. erregt, wahrend er bei der zweiten rnit 16 Amp. erregt war.
Die Resultate sind in Fig. 11 graphisch dargestellt.
Wir sehen also, dal3 die Losung bei allen Temperaturen
paramagnetisch ist, und besonders, daB nicht etwa, wie
Schmauss vermutet, im Inversionspunkt der Doppelbrechung
der Magnetismus vom Para- in Diamagnetismus ubergeht.
Die Suszeptibilitat der Teilchen nimmt rnit der Temperatur
ab und rnit dem Felde zu.
I
-~
65O
57
50
45,5
40,3
36,5
33,5
29,5
21,O
16,3
1
I
I
1
1
1,094
1,101
1,176
1,182
1,208
1,215
1,286
1,314
1,327
1,378
1,402
660
68
50
46
38
32
19
15
13
6
3
1,203
1,216
1,277
1,286
1,324
1,372
1,433
1,524
1,596
1,639
1,712
die Losung ultrafiltriert, und es ergab sich, daS das Filtrat,
trotzdem es noch gelblich ist., eine Suszeptibilitat hat, die
praktisoh gleich der des Wassers ist .
Q 7. SchZu@folgerungen. Aus den Beobachtungen geht
klar hervor, da13 die suspendierten Teilchen keine isotropen
194
R. Gans u. H. Isnardi.
Studium der magnetischen usto.
Kugeln sein konnen, worauf schon Cotton und Mouton
hinwiesen.
Der Verlauf der Suszeptibilitlitskurve als Funktion der
Temperatur lieSe sich erklaren durch die Annahme, daS die
Teilchen zwar isotrop sind, aber von der Kugelgestalt abweichen, so daS sie in einem gleichformigen Felde RichtkrHfte erfahren, die die thermische Agitation wieder zu zerstoren sucht.
Aber wenn auch die Amikronen mcrgnetisch isotrop sind,
so konnen sie es optisch keinenfalls sein; denn sonst wurde
man nicht eine so komplizierte Abhlingigkeit der Doppelbrechung von der Temperatur beobachten. Vermut'lich wird
sogar die Anisotropie des Molekuls eine verwickelte Funktion
der Temperatur sein, so daS durch Temperaturanderung sowohl
die Doppelbrechung der Molekule als auch die Richtungsverteilung der Teilchen im Raume infolge der ZusammenstoSe geandert wird.
L a P l a t a , Instituto de Fisica, 15. Juli 1916.
(Eingegangen 12. Dezember 1916.)
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Seele and Geist
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