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Damit Hunde wie Anka eine Zukunft haben

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20 MEIN TIER
NR. 30
Mittwoch, 23. Juli 2014
Damit Hunde wie Anka eine Zukunft haben
Der MK und das Tierheim Fulda-Hünfeld geben den Startschuss für ein weiteres Hundeauslauf-Gehege
FULDA .Wenngleich ihr Blick von
Natur aus etwas grimmig ist, gilt
eine Englische Bulldogge laut internationaler Rasse-Merkmale
als kühn und mutig. Allein der
Mensch kann diese Eigenschaften vernichten, wie das traurige
Schicksal von Anka im Tierheim
Fulda-Hünfeld zeigt.
Von Mirko Luis
„Als ich sie zum ersten Mal
sah – mit gekrümmten Rücken, einem Rolllid am linken Auge, durchhängendem
Gesäuge, vielen kahlen Stellen am Körper und enormem Übergewicht, bot sich
mir ein Bild des Schreckens“, erinnert sich Sandra
Steinmetz (37), Leiterin von
„Schau hin und setz dich
ein“, einem Projekt der Mediengruppe Parzeller, bei
dem der Fördergedanke im
Vordergrund steht (siehe Infokasten).
Missbrauch als
Gebärmaschine
Anka sei, wie Eva Niggemann-Ziehe vom Vorstand
des Tierheims Fulda-Hünfeld bestätigt, von ihrem
früheren Besitzer als Gebärmaschine missbraucht, lange Zeit in einem Verlies gehalten, ausgemustert und
dann
entsorgt
worden.
„Längst ist der Hund in
Deutschland zu einem Statussymbol geworden. Da
sich aber nicht Jedermann
einen teuren Rassehund leisten kann, blüht das illegale
Geschäft mit Hundewelpen“, sagt Sandra Steinmetz,
die wochenlang in der Szene recherchiert hat. Über
die Ergebnisse ihrer Recherchen wird sie in der MK-Ausgabe am 27. Juli berichten.
Hündinnen, die in modernen „Zuchtfabriken“ einer
dauerhaften
Hormonbehandlung ausgesetzt seien,
würden pro Jahr bis zu 25
Welpen werfen, nannte
Steinmetz vorab das erschreckendste Resultat ihrer Recherchen.
Damit Hunde wie Anka
Bekommen Hunde, wie hier die Englische Bulldogge Anka, nicht genügend Auslauf, sind auf Dauer nicht nur körperliche Erschwernisse wie zum Beispiel Muskelabbau, sondern auch
seelische Probleme vorprogrammiert.
Fotos: Mirko Luis
wieder eine Zukunft haben,
setzt das Tierheim FuldaHünfeld alle Hebel in Bewegung. „Wobei die Situation
immer
problematischer
wird, denn es kommen immer mehr Tiere zu uns, sodass wir mit dem vorhandenen Platz einfach nicht
mehr klarkommen“, schildert Tierheimleiter David
Romanowski (28) die Situation.
Kämen die Hunde nicht
regelmäßig zum Auslauf an
die frische Luft, drohten
nicht nur körperliche Beschwernisse wie etwa schleichender
Muskelschwund,
sondern enormes seelisches
Leid. Im Schnitt 180 bis 200
Tiere sind im Heim untergebracht, in Spitzenzeiten
können es auch schon mal
50 mehr sein.
Rund 1000 Tiere pro Jahr
Ein Blick auf das circa 1200 Quadratmeter große Gelände, das vor rund
sechs Jahren erworben und teilweise bereits erschlossen wurde.
Weil das Tierheim heute schon fast aus allen Nähten zu platzen droht,
setzen sich haupt- und ehrenamtliche Tierschützer aus dem Landkreis
Fulda für ein neues Hundeauslauf-Gehege im Tierheim Fulda-Hünfeld
ein. Von links: Hundetrainerin Eva Niggemann-Ziehe, Silvia Pietrek
und Tierheimleiter David Romanowski.
werden größtenteils an neue
Besitzer vermittelt – nur wenige
werden
zurückgebracht, was darauf zurückzuführen ist, dass sich die
haupt- und ehrenamtlichen
Mitarbeiter des Tierheims
sehr genau anschauen, wer
die neuen Tierhalter sind
und welche Bedingungen sie
den Tieren bieten.
Pensum teilweise
extrem hoch
„Für unsere fünf hauptamtlichen Mitarbeiter ist
das Pensum teilweise schon
extrem hoch, weshalb wir
froh sind, dass sich engagierte Tierfreunde in ihrer
Freizeit ehrenamtlich engagieren und sich zum Beispiel
in unserer Hundeschule als
freiwillige Gassigeher betätigen“, lobt Herbert Heurich,
geschäftsführender
Vorstand des Tierheims FuldaHünfeld.
Dass sich die Mediengruppe Parzeller einbringen und
mit dem Tierheim gemeinsam die Errichtung eines
weiteren Hundeauslauf-Geheges forcieren möchte,
empfindet er als tolle Chance, um zu zeigen, wie groß
der Zusammenhalt in der
Region ist. „Es ist schön,
dass sich immer wieder Leute für die Belange des Tierschutzes finden, aber es können nie genug sein“, betont
Sandra Steinmetz, die die
Verantwortlichen des Tierheims mit dem „Schau hin
und setz Dich ein“-Projekt
gerade zum richtigen Zeitpunkt überraschte. „Denn
auf unserer Agenda steht das
Thema eines zusätzlichen
Hundeauslauf-Geheges
schon länger. Da aber der
Auf- und Ausbau des Kleintierhauses Priorität hatte,
geriet das Projekt immer
wieder ins Hintertreffen“, so
Herbert Heurich. Ihm sei bewusst, wie groß der Aufwand hierfür sei, jedoch gebe es nun einmal Notwendigkeiten, die man nicht
länger vor sich herschieben
könne. „Wir wollen aus dem
Tierheim sicher kein zweites
Fort Knox machen, aber um
eine Erhöhung der Zaunhöhe von 2,10 Meter auf 2,60
Meter kommen wir nicht
herum, denn Hunde sind
hervorragende
Kletterer,
und wir haben bekanntlich
die Autobahn gleich um die
Ecke“, spricht Heurich den
wichtigen Punkt Sicherheit
an.
„Gerade Hunden die länger hier sind, merkt man ein
recht hohes Stresslevel an.
Da kann man selbst mit dem
Futter machen, was man
will, diese Hunde bauen körperlich trotzdem ab“, wendet sich Tierheimleiter David Romanowski, der seinen
Job als Zootierpfleger von
der Pike auf im Opel Zoo
Kronberg gelernt hat, dem
Thema
Hundegesundheit
im Tierheim zu. Laut Hundetrainerin Eva NiggemannZiehe sei mittlerweile jeder
fünfte Hund ein „Problemhund“, um dessen Vermittlungschancen es aufgrund
einer dramatischen Vorgeschichte, verbunden mit
seelischen Tierqualen, nicht
zum Besten bestellt sei.
Doch nicht nur jene Hunde
bräuchten regelmäßige Bewegung. „Auch alle anderen
Hunde benötigen sowohl
für den Kopf als auch ihre
Physis
eine Herausforderung.“ Viele seien beispielsweise nicht in der Lage,
Treppen zu laufen, ihr
Gleichgewicht zu halten
oder eine längere Zeit auf einer Autofahrt stillzusitzen“,
zählt Niggemann-Ziehe auf,
die als Hundebeauftragte
des gemeinnützigen Vereins
Tierheim Fulda-Hünfeld viele gute Tipps für Interessierte bereithält – schon aufgrund der eigenen Erfahrungen. Die Ärztin, die in der
Krankenpflegeschule
als
Lehrkraft tätig ist, hatte sich
vor acht Jahren selbst zwei
Hunde aus dem Tierheim geholt, einen Hütehund und
einen Berner Sennen-Mix,
und aufgrund der Freude
und der Herausforderung
mit den Tieren eine Ausbildung zur Hundetrainerin gemacht. Auf die anstehenden
Verbesserungen durch ein
zusätzliches HundeauslaufGehege ist sie gespannt.
„Mein Wunsch wäre, dass es
uns mit der Hilfe von Sponsoren gelingt, Licht zu installieren, denn im Winter
wird es ja schon um 17 Uhr
dunkel.“ Zudem bräuchte
INFOS ZUM PROJEKT
Mit dem „Schau hin und setz
Dich ein“-Projekt für das Tierheim Fulda-Hünfeld will die Verlagsgruppe Parzeller in Zusammenarbeit mit Tierschützern der
Region zeigen, was es heißt,
Verantwortung zu übernehmen.
Im Mittelpunkt des Konzeptes,
dem eine ganze Reihe weiterer
Projekte folgen werden, stehen
Naturschutz, Artenschutz und
Tierschutz der Region.
Ziel ist die Errichtung eines weiteren Geheges für den artgerechten Hundeauslauf. Förderer
und Sponsoren sind genauso
willkommen wie Menschen, die
bei mehreren geplanten Arbeitseinsätzen selbst mit den eigenen Händen zupacken.
Benötigt werden unter anderem
Doppelstabmattenzäune, Beton
man aufgrund des Verschleißes auch einige neue Geräte, zum Beispiel müsse kurzfristig eine kaputte Wippe
ersetzt werden. Da sich zu
Spitzenzeiten bis zu 50 Hunde im Tierheim befänden,
sei jede Unterstützung in
für die Verankerung von Pfosten, Betonplatten für Laufflächen innerhalb der Gehege,
Pflastersteine, Tore für Gehege,
ein Sichtschutz rund um den
Zaun, Holz für Hundehütten beziehungsweise fertige Hundehütten sowie schweres Arbeitsgerät für das Planieren, Rasenmähen und die Errichtung von
Wegen. Ein erstes Treffen aller
Projekt-Unterstützer mit VorOrt-Begehung ist am Mittwoch,
24. September, um 14 Uhr geplant.
Sie wollen auch mithelfen?
Engagieren Sie sich auf unterschiedlichste Art und Weise und
tragen so zum Erfolg des Projektes bei! Nehmen Sie Kontakt
zu uns auf – wir stehen gerne
zur Verfügung!
Projekt „Schau hin und setz
Dich ein“
Verlag Parzeller GmbH & Co. KG
Frau Sandra Steinmetz
Frankfurter Straße 8
36043 Fulda
Tel: 0661-280697
Fax: 0661-280163
E-Mail:
sandra.steinmetz@mguv.de
dieser Richtung willkommen, aber auch personelles
Engagement. „Gassigehen
kann sicher irgendwo jeder,
aber nicht mit jedem Hund.“
Hier könnten Helfer jedoch
auf fachkundige Anleitung
vertrauen.
Mit viel Liebe, Geduld und der nötigen Diät kam die fünfjährige Hündin
Anka wieder zu Kräften. Die ausgebildete Humanmedizinerin Eva Ziehe
(li.) und Projektleiterin Sandra Steinmetz freuen sich über die Fortschritte.
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Seele and Geist
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