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Aschermittwoch ist wie ein magischer Tag Predigt - Michaelerkirche

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Aschermittwoch ist wie ein magischer Tag
Predigt am Aschermittwoch (9.3.2011)
Seelsorger sagen: Jedes Jahr die gleiche Erfahrung
Jedes Jahr machen wir Seelsorger die gleiche Erfahrung. Unsere Kirchen und unsere
Gottesdienste sind an besonderen Festtagen besonders gut besucht. Die Menschen kommen
dann gerne und sie sind besonders motiviert. Ich denke dabei nicht an erster Stelle an den
Heiligen Abend oder an Ostern. Da kommen vor allem die Weihnachtler und die
‚Osterhasen‘. Nein, ich denke an Tage, an denen in der Frühe Rorate-Messen gefeiert werden.
Oder ich denke an den Silvesterabend und an den Aschermittwoch. Ich deute diese drei Tage
als besonders attraktiv für den gläubigen Alltagschristen. Von diesen Tagen geht eine
besonders Kraft aus. Eine Rorate-Messe steckt voller Mystik und Sehnsucht. Am
Silvesterabend sagt man ein „Danke-Schön“ für das vergangene Jahr und wir bitten um den
Segen für das kommende Jahr. Und worum geht es am Aschermittwoch?
Aschermittwoch: ich nehme mich selber ernst
Beim Gottesdienst am Aschermittwoch stelle ich zuerst fest, wie wir alle - einfache und
sündige Menschen - uns bemühen, ein sichtbares Zeichen zu setzen. Wir kommen nach vorne
zum Altar und holen uns freiwillig und bewusst das Aschenkreuz. Was in der Natur überhaupt
nichts ist – was ist denn der Rest von verbrannten Palmzweigen des vergangenen Jahres? –
wird für den gläubigen und reuigen Menschen zu etwas! Was fast sinnlos ist und in der
Mülltonne verschwindet, wird für uns sinn-voll und geht an die Stirn. Man lässt sich mit
dieser Asche bekreuzigen. Das heißt, das Lebenszeichen Jesus Christi auf die Stirn
nachzeichnen. Niemand macht sich über so etwas Sinnvolles lustig. Jeder nimmt das Zeichen
äußerst ernst. Jeder macht dabei für sich einen Fastenvorsatz zum Besseren. Dagegen kann
niemand etwas haben. Im Gegenteil, unsere Welt würde morgen schon besser aussehen, wenn
die Menschen sich mehr und bessere Vorsätze machten.
Das begleitende Wort
Beim Empfangen des Aschenkreuzes können zweierlei Texte gesprochen werden. Der eine
geht direkt auf Jesus zurück. Er lautet: „Kehre um und glaube an das Evangelium“ (Mk
1,15). Es ist das Ur-Wort Jesu. Es ist das allererste Wort, das Jesus im Evangelium nach
Markus gesprochen hat. Das war sein Wort, seine Aufforderung. Es hat gerade am Anfang der
österlichen Bußzeit eine besondere Wirkung. Der andere Satz beim Austeilen des
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Aschenkreuzes am Aschermittwoch geht direkt auf das Buch Genesis zurück, auf das
allererste Buch der Bibel, auf das Buch des Ursprunges. Dort wird erzählt, wie der Mensch
nach Gottes Bild und Gleichnis erschaffen wird. Dieser Mensch ist jedoch eben nur Mensch,
d.h. sterblich, gebrechlich, sündig, er wird eines Tages zu Staub zerfallen. Das entsprechende
Wort lautet „Bedenk Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“
(vgl. Gen 3, 15).
Die Michaelerkirche: Schauplatz des Staubes
Nun ist die Michaelerkirche ein begnadeter Schauplatz des Staubes. Unter den Sitzplätzen der
Gläubigen befindet sich die Gruft, ein besinnlicher und stimmiger Ort. Wir finden dort nicht
nur den Staub der Jahrhunderte. Wir sind in der Lage, dort nicht nur die Holzsärge und
Metallsärge von verstorbenen Mitchristen zu bewundern. Durch die stattfindende
Restaurierung kommen die uralten Zeichen des christlichen Glaubens und der Frömmigkeit
aus dem jahrhundertealten Staub wieder deutlicher und besser zum Vorschein. Zum Beispiel:
Eine Sanduhr, die auf die Wichtigkeit der Zeit hinweist. Eine gebrochene Kerze, die zeigt,
dass das Leben zu Ende geht. Ein Rosenkranz in den Händen des Verstorbenen: er reiht die
Alltagsereignisse durch das Gebet aneinander.
Die Gruft: ein besonderer Ort der Hoffnung
Wenn wir nach der Eucharistiefeier die Möglichkeit haben, in Stille in diese Gruft hinunter zu
steigen, ist das nicht ein Hinuntergehen in den Staub, sondern ein Hinuntergehen in die
Hoffnung. Jesus wurde „gekreuzigt, gestorben und begraben“ und ist „hinabgestiegen in das
Reich des Todes“, so sagt es uns das Glaubensbekenntnis. Er wurde am dritten Tage von
seinem Vater auferweckt. So leben wir von der Gewissheit, dass auch wir mit ihm auferstehen
werden. Die Gruft wird ein Biotop für unseren in dieser Zeit so gequälten und geprüften
Glauben.
Fastenzeit: eine Zeit der Erleichterung
Wenn wir dann wieder heraufsteigen, aus dem Dunkel in das Licht, fühlen wir uns erleichtert
und zufrieden. Es ist die Gewissheit, dass unser Leben zwar brüchig und endlich ist, aber es
kann in Zufriedenheit gelebt werden. Die brüchigen Stellen sollen zwar geflickt werden, aber
Jesus, unser Heiland, steht uns zur Seite. Besonders in der Fastenzeit kann mein Leben
leichter gemacht werden, wenn ich zu viel Ballast mitschleppe, nicht nur in meinem Körper
oder in meiner Seele. Der Körper soll erleichtert werden. Was sich zu lange an Nahrung und
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Gewohnheiten festgesetzt hat, soll entschlackt werden. Gesundes Fasten macht einen
gesunden Menschen gesünder und leichter. Aber auch die Seele gehört entschlackt. Die
Regungen und Gefühle gehören neu geregelt und gefühlt. Alles, was sich im Laufe eines
Jahres an der Innenwand der Seele festgesetzt hat, können wir selber entschlacken, können
wir Gott gegenüber aus-sprechen. Dann ist es weg und verschwunden. Die Heilung kann
geschehen. Dieses Aussprechen vor Gott in der Gegenwart eines Priesters kann Wunder
bewirken. Wir nennen diese Aussprache „Beichte“. Jeder kann eine Beichte so gestalten, wie
es seinem ehrlichen und reuigen Herzen entspricht.
Wir fragen uns: was ist gut für meine Seele? Was ist eine gute Buße? Das heutige Evangelium
(Mt 6, 1-6; 16-18) antwortet mit drei Anregungen: Erstens. Gebt Almosen (d.h. spendet für
die Bedürftigen). Zweitens: betet in Stille, in deinem Herzen. Und drittens: fastet so, dass die
Menschen es gar nicht merken, aber tut es so, dass es dir gut tut. Der Vater im Himmel wird
es dir vergelten.
Ein Fastentuch zum Meditieren: Christus im Mittelpunkt, wir die Satelliten
Dieses Jahr möchte uns das Fastentuch der Künstlerin Lore Heuermann (1982) zum Schauen
und Meditieren helfen. Das kann nicht schwer sein, das kann jeder. Wir schauen deshalb
während der 40tägigen Fastenzeit nicht auf den glänzenden Hochaltar, den Engelsturz und die
Ikone Maria Candia. Die werden in dieser Zeit der Buße und Umkehr, in der
Vorbereitungszeit auf Ostern, erst einmal bedeckt. Auch die Augen werden teilweise
geschlossen, sodass wir uns mit der Botschaft des Fastentuches beschäftigen können.
Botschaft des Fastentuches
Christus befindet sich dort im Mittelpunkt als Symbol der Liebe und der Ruhe. Die einzelnen
Menschen erscheinen als flüchtige, kurze Erscheinungen auf dieser Erde, stark bewegt, planund ziellos. Sie wirken wie Satelliten. Unsichtbar ist die ewige Sehnsucht des Menschen nach
dem Sinn des Lebens, der Wunsch, nicht nur einfach zu leben und dann spurlos zu
verschwinden, sondern im Glauben eine Möglichkeit zu finden, unsterblich zu werden. Ein
Textheft gibt uns weitere Anregungen und Hilfen.
Zum Schluss: die Musik macht’s leichter
Hilfen und Anregungen gibt uns heute auch das violette Textblatt mit den lateinischen
gregorianischen Gesängen, gesungen von der Choralschola der Wiener Hofburgkapelle.
Nehmen Sie es bitte nach dem Gottesdienst mit nach Hause. Sie haben dann noch die uralten
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Töne dieser Musik in ihrem Herzen. Wer singt oder andächtig zuhört, betet zweimal. Und
beide erleichtern das Herz. Musik macht‘s leichter. Welch eine Erleichterung! Gerade in der
Fastenzeit. Amen.
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Seele and Geist
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