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1 Liebe Brüder und Schwestern, im heutigen Markusevangelium

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Liebe Brüder und Schwestern,
im heutigen Markusevangelium wurde uns berichtet, wie unser Herr Jesus Christus sieben
Brote und ein paar Fische segnete und so vermehrte, dass sie zur Speisung von viertausend
Menschen ausreichten, ja sogar sieben Körbe voll Brotstücke übrigblieben.
Das große Wunder, welches unser Herr in der einsamen und hügligen Gegend wirkte, war
eines seiner größten und bekanntesten gewesen. Christus liebte es, entfernt vom Trubel der
Stadt auf den Bergen und auf den Hügeln zu predigen, da der Berg eine große Symbolik
aufweist: Der Berg ist unten breit und sein Gipfel ist spitzer und kleiner als sein Fuß. Um auf
den Gipfel zu kommen, braucht es Ausdauer, Mut und Achtsamkeit. Genauso verhält es sich
mit dem Reich Gottes. Um dahin zu gelangen, braucht es Ausdauer, Mut und Achtsamkeit.
Ausdauer, auf dem richtigen Lebensweg zu wandeln, trotz aller Drangsal und Mühe. Mut,
trotz aller Verfolgung und Ausschließung versuchen, dem Herrn treu zu bleiben um ihm
dadurch näher zu kommen und Achtsamkeit, um nicht von dem wahren Weg abzuirren, der
der wahre Weg des Lebens ist, Jesus Christus, unser Herr.
Da es wenige Menschen sind, die bewusst Christus in die Mitte ihres Lebens stellen und somit
Christus treu sein wollen, erzählt der Herr selbst im Lukasevangelium (7,13-14) dieses Gleichnis
von den zwei Wegen: „Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins
Verderben führt, und der Weg dahin ist breit und viele gehen auf ihm.“ Deshalb ist der
Berg in seiner Form eine eigene eindrückliche Predigt. Am Fuße des Berges sind mehr
Menschen wie auf seinem Gipfel. Die breite Masse der Gesellschaft interessiert sich für alles
und jedes, nur der Glaube und somit das Herzstück unseres Daseins wird allzu oft bewusst
verdrängt, um sich weltlich zu amüsieren und das Leben unabhängig von einer höheren Macht
zu leben, obwohl man dieser höheren Macht, die Gott selber ist, früher oder später begegnen
muss.
Der Gipfel des Berges schaut in die Höhe und der Weg dahin ist beschwerlich. Der eigene
Lebensweg in der Nachfolge Christi kann beschwerlich sein, doch er bringt jeden Menschen
in die Höhe, der ihn in Beständigkeit geht. Nicht umsonst sagt ja der Herr in seinem
Matthäusevangelium (16,24) zu uns: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst,
nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Das Kreuz ist das Zeichen für das Leid, ja
sogar für das Tod-Sein in der Welt. Sich selbst zu verleugnen heißt, sich selbst nicht wichtig
nehmen und in den Hintergrund treten und Gott in allem und jedem treu zu folgen.
Viele Kirchenväter, wie der heilige Simeon der Stylit (+460), nahmen das Gleichnis des
Berges wörtlich und wollten von der Erde entfernt alleine Gott lobend zu bringen. Sie bauten
Styliten (Säulen) von bis zu über 18 Metern Höhe, um Gott nahe zu sein. Von diesen Säulen
predigten sie den Menschen und verbrachten sonst die ganze Zeit im Gebet. Die Säule ist ein
Abbild des Berges.
Durch die einsamen Gegenden, in der sich unser Herr bewusst aufhielt um zu predigen wird
deutlich, dass wir aus unserem Tagesstress heraus müssen und zur Ruhe kommen müssen um
ein Gefühl für das Tiefe und Grundlegende zu bekommen. Nur wenn der Mensch zur Ruhe
kommt, wird ihm ein tiefes Nachsinnen über das Leben und somit über sich selbst gelingen.
Deshalb ist es wichtig, sich in seiner Tagesordnung Zeit für die Stille und somit für die
Besinnung einzuplanen um immer wieder neue Kraft für das Leben zu gewinnen.
Weiter wird uns in der heutigen Lesung berichtet, dass Jesus sagt: „Ich habe Mitleid mit
diesen Menschen; sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen.
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Wenn ich sie hungrig nach Hause schicke, werden sie unterwegs zusammenbrechen;
denn einige von ihnen sind von weither gekommen“ (Mk 8, 2-3). Es ist bemerkenswert zu
hören, dass die Menschen, die um unseren Herrn waren, drei Tage und somit zwei Nächte
nicht von seiner Seite gewichen sind, da sie ihn hören wollten. In der Zeit, in der Sie mit Jesus
waren, war keine Rede von Hunger oder Durst, denn auf Grund des mächtigen Auftretens
unseres Herrn waren die Menschen so fasziniert und gefesselt von seiner Predigt, dass sein
Wort sie sättigte und ihren Durst stillte. Zwar hatten die Menschen vielleicht ein bisschen
Nahrung mitgenommen, doch hat diese sicherlich nicht ausgereicht um satt nach Hause
zurück zu kehren. Der Herr sorgt sich um sie und möchte nicht, dass es ihnen bei ihrer
Heimreise an etwas mangelt. Solange sie bei ihm waren, musste man sich nicht um ihr
Wohlbefinden sorgen. Nun, wo sie sich von Christus verabschieden, sorgt sich der Herr um
ihr Wohlbefinden.
Eine beeindruckende geistliche Erkenntnis wird offenbar. Durch die Nähe des Herrn mangelt
es ihnen an nichts und durch die Trennung von ihm kann es sein, dass einige unterwegs
zusammenbrechen können. Christus möchte uns aufzeigen, dass solange wir in ihm sind, uns
an nichts mangeln wird. In dem Moment jedoch, wo wir uns von ihm trennen, werden wir
schwach und können zusammenbrechen, da wir in ihm alles und ohne ihn nichts sind.
Da die Gegend unbewohnt war, in der Christus gepredigt hatte, war es unmöglich, Essen für
so viele Menschen zu kaufen. Man brachte ihm sieben Brote und ein paar Fische, die man bei
sich hatte. Unser Herr forderte die Menschen auf, sich in Gruppen zusammen zu setzen und
segnete die Brote und die Fische. Man muss sich bewusst sein, dass in einer solchen warmen
Gegend die Fische in der Sonne sofort ungenießbar werden. Diese Fische waren aber schon
drei Tage der Wärme der Sonne ausgesetzt und von frischen Broten konnte auch keine Rede
mehr sein. Durch das Segnen der Brote und der Fische, wurden diese wieder frisch und
genießbar und wurden so zahlreich, dass sie für über viertausend Menschen ausgereicht haben
und satt wurden. Es blieben sogar sieben Körbe voller Brotstücke übrig.
Hier wird offensichtlich deutlich, dass sich Christus nicht nur um unser geistliches, sondern
auch um unser körperliches wohlbefinden sorgt und kümmert. Gleichzeitig wird sichtbar, dass
der Herr über jedes natürliche Gesetz steht und so übernatürlich aus wenig viel machen kann.
Nachdem alle gegessen hatten, sammelten die Apostel die restlichen Brotstücke ein. Durch
das Einsammeln der Brotstücke wird deutlich, dass man bedacht mit gesegnetem umgehen
soll. Die Brotvermehrung hat durch das Segnen und Teilen der Brote einen eucharistischen
Vorcharakter. Wenn man nun mit den gesegneten Broten behutsam umgehen muss, wie viel
mehr dann mit dem Brot des Lebens, der der Leib unseres Herrn Jesus Christus ist, der uns in
jeder heiligen Eucharistiefeier in der Kommunion geschenkt wird.
Wenn wir uns die große Menschenmenge von viertausend anschauen, wird man sich vielleicht
fragen, wie es sein kann, dass alle Anwesenden Christus predigen hören konnten. Selbst in
einer nicht allzu großen Kirche braucht der Priester bzw. der Prediger ein Mikrofon, so dass
ihn die anwesenden Gläubigen hören und verstehen können. Wir haben sicherlich alle schon
einmal die Erfahrung gemacht, irgendwo mit vielen anderen zusammen zu sein, um jemanden
zu hören oder etwas Bestimmtes mitzuerleben. Wenn man nach einigem Probieren akustisch
doch nichts versteht, weil man zu weit weg ist, denkt man sich, schnell wieder zu gehen, da
man sowieso nichts hört und somit nichts versteht.
Diese etwa viertausend Menschen, die drei Tage mit unserem Herrn verbracht haben, haben
eine ganz andere Erfahrung erleben dürfen. Obwohl so viele anwesend waren, waren alle so
von der Rede Christi gefesselt, dass alle mit ihm geblieben sind, um auch wirklich nichts zu
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verpassen. Das lässt uns erahnen, dass jeder ihn hören konnte, trotz der Entfernung und der
großen Menschenmasse.
Liebe Brüder und Schwestern,
das alles kann uns nur Mut machen und uns neue Kraft schenken. Dieser Christus, von dem
wir reden, ist noch immer gegenwärtig und er bleibt bis in alle Ewigkeit. Was er in dem
heutigen Evangelium getan hat, dass kann er noch heute für uns tun. Wir Menschen sind ihm
wichtig. Unsere Sorgen und Nöte aber auch unsere Freude und Hoffnung sind Christus
wichtig. Er hat immer ein Ohr für uns, sagt er doch selbst über das Vertrauen im Beten:
„Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird
euch geöffnet“ (Mt 7,7). Er hat ein Ohr für unsere geistlichen und körperlichen Bedürfnisse, nur
müssen wir ihm und uns gegenüber im Gebet ehrlich sein, dann wird er uns auch wirklich
erhören und sich um uns sorgen, wie er es in der heutigen Lesung mit den Viertausend
gemacht hat.
Wir kennen jedoch alle das Gefühl vom Nichterhört- und Alleingelassen-Sein. Dieses Gefühl
haben wir, weil wir nicht sofort das bekommen, was wir im Gebet erbeten haben. Wir müssen
jedoch glauben und vertrauen, dass Gott, der unser wahrer Vater ist, besser weiß, was für uns
gut ist. Das kleine und unerfahrene Kind kann nicht wissen, was gut für ihn ist, auch wenn er
das glaubt. Die Eltern wissen es besser. Gleiches verhält sich mit Gott. Wir sind und bleiben
Gottes kleine Kinder. Wenn wir Gott um etwas in guter Gesinnung bitten, dann wird er uns
das Gute auch geben. Nur kann das, was wir dann von ihm erhalten, im Widerspruch zu
unserem Wunsch sein und glauben dann, dass Gott nicht hilft. Nur später, rückblickend, wird
man mit Staunen feststellen, dass es doch gut war, wie man es bekommen hat.
Liebe Brüder und Schwestern,
verzagen wir nicht und lassen wir Gott in uns wirken. Schön hat einmal ein Heiliger gesagt:
„Gott macht nichts Gutes und er gibt nichts Gutes. Gott macht und gibt nur das Beste!“ Wir
wissen aus Erfahrung, dass das Beste seine Zeit, Reife und Geduld braucht. Amen.
Mor Severius Moses
Metropolit und Primas der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Europa
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Seele and Geist
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