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Glaukom: wie wichtig ist der augendruck? - Medical Network

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Glaukom
Glaukom: Wie wichtig ist der Augendruck?
In Deutschland werden die Augenärzte zunehmend als Patienten-Abzocker dargestellt. Der Grund: Die vorsorgliche Augen­
druckmessung wird von den Kassen nicht bezahlt und ist damit zur häufigsten Selbstzahlerleistung in deutschen Arztpraxen
geworden. Vorgeworfen wird den Ophthalmologen, dass diese Glaukomvorsorge den Ärzten mehr nutze als den Patienten.
Medical Network sprach mit Univ.-Doz. Dr. Andrea Mistlberger, Vorsitzende der Glaukomkommission der ÖOG und OA Dr. Anton Hommer, Vorstandsmitglied der Europäischen Glaukomgesellschaft, über den Sinn der Druckmessung.
Fotos & Interview: Dr. Erich Feichtinger / Medical Network
Medical Network: Weshalb befürworten Sie
das Druckmessen als Screening-Methode?
Hommer: Schon Professor Goldmann hat vor
50 Jahren gesagt, dass eine augenärztliche
Untersuchung ohne Druckmessung keinen
Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann
und so ist es auch heute noch. Der Augendruck ist der wichtigste Risikofaktor beim
Glaukom und der einzige, den wir wirklich
erfolgreich behandeln können. Alle relevanten internationalen Leitlinien fordern, den
Augendruck zu messen und zu behandeln.
OA Dr. Homer: „Alle relevanten internationalen Leitlinien fordern, den Augendruck
zu messen.“
Medical Network: Aus welchem Grund wehrt
man sich dann in Deutschland, das zu
bezahlen?
Dr. Hommer: Dass in Deutschland prinzipiell Vorsorgeuntersuchungen nicht bezahlt
werden, ist ein Problem des deutschen
Sozialsystems. In Österreich ist es so –
und das ist auch vernünftig – dass die
­Vorsorgeuntersuchungen bezahlt werden,
weil das à la longue wohl billiger kommt.
Fairerweise muss man sagen, dass es leider
keine großen Studien gibt – und auch
keine kleinen – die zeigen, welche Untersuchungen wann, bei wem und wie oft sinnvoll
sind. Was wir sagen, ist aufgebaut auf die
Erfahrungswerte, dass sich jeder ab dem 50.
Lebensjahr untersuchen lassen sollte, weil
wir wissen, dass das Risiko dann steigt.
Medical Network: Jetzt weiss man aber, dass
der Augendruck auch schwankt. Wie sinnvoll
ist dann die Messung?
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•
Dr. Hommer: Je öfter Sie messen, desto
größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie
einen erhöhten Druck auch messen. Die
Druckmessung ist immer eine Momentaufnahme. Ein Patient, der ein Glaukom hat,
kann zum Beispiel zwischen 23 und 35 mit
dem Augendruck schwanken. Selbst wenn
ich ihn bei 23 erwische, weiß ich, dass ich
da aufpassen muss und den Patienten nicht
loslassen kann, sondern den bestelle ich
öfter zum Druckmessen und mache eine
Tagesdruckkurve, um diese Druckspitzen
herauszukriegen und veranlasse außerdem
eine Gesichtsfeldvermessung und schenke
der Papille besondere Aufmerksamkeit.
Medical Network: Ist die alleinige Augendruckmessung ein taugliches Mittel zur
Diagnosestellung?
Dr. Hommer: Nein, es ist sicherlich kein
alleiniges Mittel. Keine der Untersuchungen
alleine ist ein taugliches Mittel ein Glaukom
festzustellen. Weder die Sehnervenuntersuchung noch die Gesichtsfelduntersuchung,
sondern das ist wie ein Puzzle und je mehr
sie Teile sie von dem Puzzle haben, desto
besser wird das Bild. Das ist alles in Ergänzung zu sehen, das Augen­druckmessen,
das Gesichtsfeld, die Nervenfaserschicht,
die Papille, die Anamnese und die Spaltlampenuntersuchung. Wenn ich z.B. eine
Pseudoexfoliation sehe, werde ich diesen
Patienten anders aufklären, auch wenn er einen normalen Augendruck und eine normale
Papille hat. Einen PEX-Patienten würde ich
auf alle Fälle – spätestens in einem halben
Jahr – wieder einmal sehen wollen um den
Augendruck zu kontrollieren und da mache
ich relativ bald eine Gesichtsfelduntersuchung, auch bei normalem Augendruck, weil
er vielleicht gerade in der Ordination einen
normalen Druck hat.
Medical Network: Wie läuft bei Ihnen eine
Glaukom-Untersuchung ab?
Dr. Mistlberger: Bei mir besteht sie aus
einer Standard-Augenuntersuchung, der
Augen­druckmessung, der Beurteilung des
Sehnerven, erst rein ophthalmoskopisch und
wenn ich Risikofaktoren feststelle – etwa die
Pseudoexfoliation, das Pigmentglaukom –
S P ECIAL • w w w . a u g e n . c o . a t
Univ.-Doz. Dr. Mistlberger: „Die Sehnervbe­
urteilung ist ein ganz wesentlicher Faktor.“
dann ist es entscheidend, wie meine erste
Druckmessung war. Wenn dieser Augen­druck
grenzwertig war, wird der Patient zu einer
anderen Zeit für eine Druckmessung bestellt,
weil das Glaukomformen sind, die auf
jeden Fall mit einem erhöhten Augen­druck
einhergehen. Wenn ich eine auffällige Papille
festelle, wird der Patient zu einer Gesichtsfelduntersuchung vorgeladen oder es wird am
selben Tag gemacht. In Abhängigkeit vom
Aussehen des Sehnerven werden dann die
ergänzenden Untersuchungen mit dem HRT
oder dem OCT durchgeführt. Ich mache eigentlich bei allen, die eine Kombination von
Risiko-Augendruck oder auffälliger Papille
haben, eine Hornhaut­dickenmessung.
Medical Network: Ist die Untersuchung
eines Risikopatienten ohne Untersuchung
des Sehnervenkopfes noch zeitgemäß?
Dr. Mistlberger: Nein, die Sehnervbeurteilung ist ein ganz wesentlicher Faktor in der
augenärztlichen Untersuchung.
Dr. Hommer: Die Bilddokumentation der
Nervenfaserschicht und der Papille ist
deshalb so wichtig, weil wir wissen, dass die
Veränderung im Gewebe auftritt, bevor die
Funktionsbeeinträchtigung im Gesichtsfeld
stattfindet. Das heißt, die Früherkennung
ist eher möglich mit diesen bildgebenden
Vermessungen der Papille und Nervenfaserschicht als bei einer Gesichtsfeldvermessung.
Wenn Sie den Schaden im Gesichtsfeld
entdecken, sind unter Umständen schon 40
Prozent der Nervenfasern abge­storben, das
heißt, Sie sind schon sehr spät dran. k
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Seele and Geist
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