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In der Summe ist dem Geltungsbereich der Bauleitplanung (wie dem

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BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Seite 28
In der Summe ist dem Geltungsbereich der Bauleitplanung (wie dem gesamten Areal um die Wochenstuben) hinsichtlich der Vorkommen der besonders geschützten Fledermäuse eine hohe Bedeutung zuzumessen.
10.2.1.3 Boden
Entsprechend der Bodenkundlichen Standortkarte ist das Plangebiet der
grundwassernahen, ebenen Geest zuzuordnen, für die feuchte bis nasse,
grundwasserbeeinflusste Sandböden, z. T. lehmig, örtlich moorig kennzeichnend sind. Als Ausgangsmaterial der Bodenbildung wird fluviatiler
Sand, örtlich mit Torfdecke genannt, als Bodentypen Gleye und Anmoorgleye, örtlich geringmächtige Moore. Begleitend zur Aufstellung des
Bebauungsplanes wurde eine Bodenuntersuchung (Contrast GmbH,
Schwanewede) in Auftrag gegeben, die abweichend von den vorstehenden Angaben überwiegend sandige Böden festgestellt hat, wobei vereinzelt auch schluffige Linsen angetroffen wurden.
Die seit etlichen Jahren durchgeführte landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung hat zu einer Beeinträchtigung des natürlichen Bodengefüges und der Bodenlebewelt geführt, so dass diesem Schutzgut nur eine
allgemeine Bedeutung (Wertstufe 2) beizumessen ist. Bezogen auf die
vorhandenen Fahr- und Erschließungsflächen, welche hochgradig verdichtet sind, ist dem Boden sogar nur eine geringe Bedeutung (Wertstufe
3) zuzusprechen, da hier alle Bodenfunktionen vollständig verloren gegangen sind.
10.2.1.4 Wasser
Das Schutzgut Wasser ist zu differenzieren in Grund- und Oberflächenwasser. Aufgrund der anstehenden sandigen Böden ist die Wasserdurchlässigkeit gut, so dass dementsprechend das potenzielle Risiko einer
Grundwasserverunreinigung entsprechend groß ist. Im Gegenzug ist damit ein intakter Wasserkreislauf gegeben, indem das vor Ort anfallende
Niederschlagwasser direkt versickert. Basierend auf den Aussagen der
Bodenuntersuchung ist festzustellen, dass das Grundwasser in einem
Bereich von 0,6 m bis 1,2 m unter Oberkante Gelände ansteht. Damit besteht durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung, aber auch die gärtnerische Bewirtschaftung der Hausgärten die Gefahr der Verunreinigung,
da keine ausreichende Bodenüberdeckung vorhanden ist, um eine organische Reinigung zu gewährleisten. Aus lokaler Sicht ist für die Flächen des
Plangebietes daher eine allgemeine Bedeutung (Wertstufe 2) gegeben,
für die vollversiegelten Erschließungsanlagen sogar nur eine geringe Bedeutung (Wertstufe 3).
Wie bereits zum Schutzgut Arten und Lebensgemeinschaften ausgeführt,
existieren im Plangebiet Oberflächengewässer in Form von Gräben. Da
es sich ausschließlich um anthropogen geschaffene Gewässer mit regelhaftem Ausbau und deutlicher Nährstoffbelastung handelt (Verlandungs/Stickstoffzeiger, Algenreichtum), sind sie von allgemeiner Bedeutung
(Wertstufe 2).
10.2.1.5 Klima / Luft
Klimatisch gehört das Plangebiet zu der maritim-subkontinentalen Flachlandregion. Kennzeichnend für dieses "mittelfeuchte" Klima sind Jahresniederschlagsmengen, die im Mittel bei 650-700 mm liegen. Die klimatische Wasserbilanz weist einen mittleren Wasserüberschuss (200300 mm / Jahr) mit einem mittleren bis hohen Jahresdefizit im Sommer
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(50 – 75 mm) auf. Eine Beeinträchtigung der Luftqualität geht potenziell
von den Emissionen der umgebenden Nutzungen (Siedlungsflächen mit
Gewerbe / Einzelhandel und Wohnen) und überörtlich bedeutsamen Verkehrswegen (Landes- und Kreisstraße) aus. Dennoch ist das Plangebiet
als "wenig beeinträchtigter Bereich" anzusprechen und daher als "von Bedeutung" (Wertstufe 2) einzustufen.
10.2.1.6 Landschaftsbild
Das Landschaftsbild stellt sich für den überwiegenden Teil des Planbereiches im wesentlichen noch durch kleinteilige Nutzungsstrukturen dar.
Durch die Hofstelle mit den sie umgebenden Grünlandflächen, welche
durch mehr oder minder dichte Gehölzreihen gegliedert werden, ist inmitten der Ortslage ein Bereich vorhanden, der noch die traditionelle
Kulturlandschaft zeigt. Da dieser vom Jan-Reiners-Weg gut zu erleben ist,
kommt ihm eine besondere Bedeutung (Wertstufe 1) zu. Der Bereich der
Hausgärten ist demgegenüber durch die menschliche Nutzung geprägt, so
dass die naturraumtypische Vielfalt, Eigenart und Schönheit überformt
ist. Dennoch ist sie im Zusammenhang mit den gliedernden grenzständigen Großbaumbeständen noch erkennbar, so dass eine allgemeine Bedeutung (Wertstufe 2) gegeben ist.
10.2.1.7 Wechselwirkungen zwischen den Schutzgütern
Wechselwirkungen zwischen den Schutzgütern sind im Geltungsbereich
insofern vorhanden, als dass der sandige Boden und die überwiegend unversiegelten Lebensräume eine hohe Grundwasserneubildungsrate zulassen. Weiterhin übernehmen die vorkommenden Lebensräume wie Grünland und Gehölze eine temperaturausgleichende Funktion für die angrenzenden Siedlungsflächen, so dass auch eine Wechselwirkung zwischen
Arten und Lebensgemeinschaften gegeben ist. Damit kommt diesem
Schutzgut eine mittlere Bedeutung (Wertstufe 2) zu.
10.2.1.8 Biologische Vielfalt
Kennzeichnend für das Plangebiet ist das großflächige Vorkommen eine
Biotoptyps (Intensivgrünland), das ergänzt wird durch Gehölzbestände,
die in abwechslungsreicher Vielfalt als Hecken, Einzelbäume und Flächen
anzutreffen sind. Dennoch handelt es sich hier nur um relativ wenige verschiedene und dazu noch von ihrer Ausprägung her um wenig bedeutsame Lebensraumtypen. Gleichwohl ist im Zusammenspiel mit den umgebenden Siedlungsbiotopen dem Plangebiet eine mittlere Bedeutung
(Wertstufe 2) zuzusprechen.
10.2.1.9 Sonstige Sach- und Kulturgüter
Im Plangebiet sind diese nicht bekannt, so dass von keiner Bedeutung
(Wertstufe 3) auszugehen ist.
10.2.1.10 Schutzgebiete / besonders geschützte Biotope
Das Plangebiet ist weder Bestandteil eines Schutzgebietes, noch weist es
besonders geschützte Biotope auf. Da keine direkten Schutzgebiete anzutreffen sind, kommt dem Plangebiet eine geringe Bedeutung (Wertstufe
3) zu.
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
10.2.1.11
Seite 30
Zusammenfassende Darstellung
Schutzgut
Bewerteter Bereich
Menschen
Landwirtschaftliche Flächen
Hausgärten
Arten und Lebensgemeinschaften Artenarmes Extensivgrünland
Verkehrsflächen / Wege / Stellplätze
Obst- und Gemüsegärten
strukturarmer Graben
Boden
Grundwasser
Oberflächenwasser
Luft / Klima
Landschaftsbild
Wechselwirkungen
Biologische Vielfalt
Sonstige Sach- und Kulturgüter
Schutzgebiete / besonders
geschützte Biotope
strukturreicher Graben
Strauch-Baum-Hecke /
Baumgruppen
Siedlungsgehölz heimischer
Arten
Siedlungsgehölz
standortfremder Fichten
Ruderalflur trocken warmer
Standorte
Locker bebautes
Einzelhausgebiet
Sonstige Grünanlage ohne
Altbäume
Geschützte Tierarten
(Fledermäuse)
unversiegelte Flächen
versiegelte / befestigte Flächen
unversiegelte Flächen
versiegelte / befestigte Flächen
Nährstoffreiche Gräben
Bedeutung /
Wertstufe
mittlere / 2
hohe / 1
allg.-geringe /
II
geringe / I
geringe / I
allg.-geringe /
II
allgemeine / III
allgemeine / III
allgemeine / III
allg.-geringe /
II
allg.-geringe /
II
geringe / I
geringe / I
hohe / 1
allgemeine / 2
geringe / 3
allgemeine / 2
geringe / 3
allgemeine / 2
von Bedeutung
Plangebiet
/2
Intensivgrünland / landw. Fläche besondere / 1
Hausgärten
mittlere / 2
Plangebiet
mittlere / 2
Plangebiet
mittlere / 2
Plangebiet
keine / 3
Plangebiet
keine / 3
[geringe / keine Bedeutung = Wertstufe 3, mittlere / allgemeine Bedeutung = Wertstufe 2, besondere
/ hohe Bedeutung = Wertstufe 1; Klassifizierung nach dem sog. BREUER-Modell 1994, ergänzend
dazu die fünfstufige Bewertung der Biotoptypen: Wertstufe V: von besonderer Bedeutung, Wertstufe
IV: von besonderer bis allgemeiner Bedeutung, Wertstufe III: von allgemeiner Bedeutung, Wertstufe
II: von allgemeiner bis geringer Bedeutung, Wertstufe I: von geringer Bedeutung; entsprechend der
„Aktualisierung Naturschutzfachliche Hinweise zur Anwendung der Eingriffsregelung in der Bauleitplanung“, Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 1/2006]
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
10.2.2
Seite 31
Prognose der Umweltentwicklung sowie Darlegung von Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen (Eingriffsbilanz)
10.2.2.1 Rechtliche Grundlagen
Die Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege sind von den
Gemeinden bei der Aufstellung von Bauleitplänen zu berücksichtigen. Dies
kommt im BauGB durch folgende Vorgaben zum Ausdruck:
• Nach § 1 Abs. 5 Satz 1 BauGB sollen Bauleitpläne eine nachhaltige
städtebauliche Entwicklung, die die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Anforderungen auch in Verantwortung gegenüber
künftigen Generationen miteinander in Einklang bringt gewährleisten
und dazu beitragen, eine menschenwürdige Umwelt zu sichern und die
natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu entwickeln.
• § 1 Abs. 6 Satz 1 Nr. 7 BauGB weist darauf hin, dass bei der
Bauleitplanung die Belange des Umweltschutzes, einschließlich des
Naturschutzes und der Landschaftspflege zu berücksichtigen sind.
• In § 1a Abs. 3 wird weiter ausgeführt, dass die Vermeidung und der
Ausgleich voraussichtlich erheblicher Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes sowie der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes in der Abwägung zu berücksichtigen sind (Eingriffsregelung
nach dem Bundesnaturschutzgesetz). Dabei sind die Schutzgüter Tiere,
Pflanzen, Boden, Wasser, Luft, Klima, das Wirkungsgefüge zwischen
den Schutzgütern sowie die biologische Vielfalt zu betrachten.
Damit soll sichergestellt werden, dass das für eine Beurteilung der Belange des Umweltschutzes notwendige Abwägungsmaterial in einem
ausreichenden Detaillierungsgrad zur Verfügung steht. Gleichzeitig wurden die bisher im Rahmen der Eingriffsregelung betrachteten Schutzgüter
um das Schutzgut "biologische Vielfalt" erweitert. Eine andere (höhere)
Gewichtung der Belange des Umweltschutzes geht damit jedoch nicht
einher. Von der Gemeinde ist weiterhin abwägend9 darüber zu befinden,
ob / in welchem Umfang nachteilige Folgen für Natur und Landschaft
durch Darstellungen und Festsetzungen über Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen zu kompensieren sind.
Durch § 1a Abs. 3 Satz 3 sowie § 200a BauGB wird klargestellt, dass ein
unmittelbarer räumlicher Zusammenhang zwischen Eingriff und Ausgleich
nicht erforderlich ist, soweit dies mit einer geordneten städtebaulichen
Entwicklung und den Zielen der Raumordnung sowie des Naturschutzes
und der Landschaftspflege vereinbar ist. Der Ausgleich kann somit auch
an anderer Stelle als am Ort des Eingriffs erfolgen. Die Gemeinde ist im
Übrigen nicht gehalten, die erforderlichen Kompensationsmaßnahmen
9
In diese Abwägung sind nicht nur die Vorteile für Natur und Landschaft, sondern auch die ggf. nachteilig
berührten Belange einzustellen. Die dabei gebotene Ausrichtung auch der Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen an dem vom Abwägungsgebot erfassten Grundsatz der Verhältnismäßigkeit hat das BVerwG
dadurch umschrieben, dass Vermeidungs- und Kompensationsmaßnahmen unterbleiben können, wenn sie
"auch und gerade mit Blick auf § 1 Abs. 3, 5 und 6 BauGB keine unverhältnismäßigen Opfer fordern"
(BVerwG, Beschluss vom 31.01.1997, Fußnote 5).
Das OVG NW hat mit dem Urteil vom 28. Juni 1995 (7a D 44/94 NE) klargestellt, dass Bebauungspläne, die
von einer "...strikten, keiner Abwägung unterliegenden Pflicht zur möglichst vollständigen Vermeidung und
zum vollen Ausgleich bzw. zur vollen ersatzweisen Kompensation der eingriffsbedingten Beeinträchtigungen
..." ausgehen, an einem materiellen Mangel leiden, der zur Ungültigkeit der Satzung führt, da die
Erfordernisse des Abwägungsgebotes bzw. die zu beachtenden normativen Vorgaben des § 8a BNatSchG
verkannt werden.
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ausschließlich durch Plandarstellungen und -festsetzungen im Bauleitplan
"abzusichern". § 1a Abs. 3 Satz 4 BauGB sieht vielmehr ausdrücklich vor,
dass anstelle von entsprechenden Planinhalten auch vertragliche Regelungen gemäß § 11 BauGB - d. h. städtebauliche Verträge über die
Durchführung von Maßnahmen, die auf einen Ausgleich abzielen - oder
sonstige Maßnahmen zum Ausgleich getroffen werden können. Letztendlich wird durch den § 1a Abs. 3 Satz 5 BauGB klargestellt, dass ein Ausgleich nicht erforderlich ist, sofern die Eingriffe bereits vor der planerischen Entscheidung erfolgt sind oder zulässig waren.
10.2.2.2 Maßnahmen zur Vermeidung und Minimierung
Die Berücksichtigung von Vermeidungsmaßnahmen stellt den ersten
Schritt zur Anwendung der Eingriffsregelung dar. Entsprechend dem § 19
BNatSchG ist "der Verursacher eines Eingriffs [ist] zu verpflichten, vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen".
In dem vorliegenden Bebauungsplan werden folgende Maßnahmen zur
Vermeidung, darüber hinaus Maßnahmen zur Minimierung von Eingriffsfolgen festgesetzt, bzw. sind berücksichtigt worden.
• Auswahl des Standortes an gut ausgebauten Verkehrsflächen zur
Vermeidung von zusätzlichen Erschließungsmaßnahmen für externe
Anbindungen
• Festlegung des Anbindungspunktes der zentralen Erschließungsstraße
an einer Stelle, wo möglichst wenige Altanlieger "betroffen" sind
• Festsetzung der Gräben zum Erhalt und Sicherung ihrer Unterhaltung
• Erhaltung der gliedernden Gehölzbestände, je nach deren Bedeutung,
als Flächen oder Einzelbäume
• Beschränkung der Oberflächenbefestigung auf ein notwendiges Minimum
• Verbindliche Festschreibung der maximalen Höhe baulicher Anlagen
• Versickerung des nicht schädlich verunreinigten Niederschlagwassers
innerhalb des Plangebietes sowie Rückhaltung des schädlich verunreinigten Niederschlagwassers im Plangebiet und nach Reinigung gedrosselte Ableitung
• Durchgrünung des Plangebietes (eine Obstbaumpflanzung pro Grundstück) zur Integration in das Orts- und Landschaftsbild
• Abschnittsweise Realisierung der Wohnbauflächendarstellung im
Flächennutzungsplan, so dass die prägende Hofstellensituation mit ihrem Gehölzbestand vorerst erhalten bleiben kann
Maßnahmen für Fledermäuse
Ziel der im Folgenden genannten Maßnahmen ist es, erhebliche Beeinträchtigungen, die im Zusammenhang mit den bauplanungsrechtlich ermöglichten Baumaßnahmen entstehen könnten, auf ein kompensationsunerhebliches Maß zu senken. Während die erstgenannten Maßnahmen
primär den festgestellten Fledermausvorkommen dienen, tragen die danach genannten Festlegungen des Bebauungsplanes durch ihre Ausgestaltung dem hier behandelten Vermeidungsziel bei.
Weiterhin dienen die hier beschriebenen Maßnahmen allen im Geltungsbereich des Bebauungsplanes festgestellten Fledermausarten und sollen
insbesondere erhebliche Beeinträchtigungen der Lebensraumeignung im
Umfeld der Breitflügelfledermaus-Wochenstuben abwenden. Folgende
Maßnahmen sind vorgesehen:
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
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• Der überwiegende Teil der linearen Gehölzstrukturen des behandelten
Gebietes wird zum Erhalt festgesetzt10. Damit stehen diese für Fledermäuse weiterhin als Flug-Leitlinien sowie als Nahrungsraum zur Verfügung. Die Maßnahme gewährleistet zudem eine erhebliche Strukturstetigkeit innerhalb des Fledermaus-Wochenstubenumfeldes.
• Entlang des äußeren, südlichen Randes des Geltungsbereiches wird auf
einem gegenwärtig überwiegend als Artenarmes Extensivgrünland
(GIE) anzusprechenden Areal ein 150 bis 200 m langer Hecken- und
Ruderalstreifen neu angelegt, der den Fledermauslebensraum als FlugLeitlinie und zusätzlicher Nahrungsraum bereichern soll. Auf dem hierfür vorgesehenen Streifen wird ein Erdwall angelegt, der auf der Nordseite auf einer Breite von 2,5 m mit heimischen Gehölzen bepflanzt
wird. Auf der Südseite des Erdwalles sowie nördlich von dem Erdwall
bis zur Grenze des Geltungsbereiches, soll sich durch Sukzession eine
Ruderalfläche entwickeln11 (siehe nachfolgende Abbildung). Die Fläche
soll lediglich extensiv unterhalten werden.
Die dauerhafte Unterhaltung der Fläche soll im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages ergänzt durch einen Grundbucheintrag rechtlich
abgesichert werden.
Abb. 3: Lageplan der Vermeidungsmaßnahme (Fledermäuse)
Weitere Vermeidungsmaßnahmen:
• Festsetzung der Gräben zum Erhalt (s. o.). Gräben und extensiv gepflegte Grabenränder stellen i. d. R. aufkommensstarke Vermehrungsstätten für Insekten dar und können damit als Nahrungsquelle für Fledermäuse von erheblicher Bedeutung sein.
• Beschränkung der Oberflächenbefestigung auf ein notwendiges Minimum (s.o.). Unter Berücksichtigung der festgesetzten Grundflächenzahl von 0,3 bzw. 0,35, bei einer zulässigen Überschreitung von bis zu
50 % bleiben mindestens 48 % der als Wohngebiet festgesetzten Fläche unversiegelt. Diese Bereiche können weiterhin als Reproduktions10
Die Vorgabe entspricht der in dem Fledermausgutachten von BACH und BURKHARD (2007) gegebenen
Empfehlung.
11
Die Vorgaben entsprechen denen der in dem Fledermausgutachten von BACH und BURKHARD (2007)
gegebenen Empfehlungen.
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raum für Insekten und damit als potenzielle Nahrungsquelle für Fledermäuse dienen.
• Festschreibung der maximalen Höhe baulicher Anlagen auf 9 Meter
(s.o.). Die Höhen der zukünftig entstehenden Wohngebäude entsprechen damit denen benachbarter Wohnsiedlungsflächen, für die ebenfalls das Vorkommen der hier behandelten Feldmausarten nachgewiesen werden konnte (BACH, 2007)12.
• Letztlich wird festgesetzt, dass pro Grundstück ein Obstbaum zu pflanzen ist (s. o.). Daneben ist mit der Anpflanzung weiterer Bäume und
Sträucher sowie der Anlage von Staudenbeeten und Rasenflächen im
Bereich der Hausgärten zu rechnen. Zusammen tragen die so entstehenden Grünstrukturen zu einer wirksamen Durchgrünung des Plangebietes bei und bieten als Insektenreproduktionsraum sowie als Requisite innerhalb von Insektenlebensräumen potenzielle Nahrungsstätten
für Fledermäuse.
10.2.2.3 Voraussichtliche Beeinträchtigungen
Für die im Wirkungsbereich des Bebauungsplanes ansässigen Menschen
ergeben sich Veränderungen dahingehend, dass Gartenflächen einer Bebauung zugeführt werden. Damit geht einerseits für die Altanlieger Lebensraum verloren, andererseits werden Wohnmöglichkeiten für neue
Bürger oder auch Familienmitglieder geschaffen. Das Schutzgut behält
daher für diese Flächen des Geltungsbereiches seine hohe Bedeutung
(Wertstufe 1) bei.
Anders verhält es sich bei den landwirtschaftlichen Nutzflächen. Da die
Flächen vormals ausschließlich der hobbymäßigen Privat-Tierhaltung
dienten, werden Sie zukünftig als neues Wohngebiet zahlreichen Menschen als Lebensraum dienen. Damit erlangen sie eine hohe Bedeutung
(Wertstufe 1).
Beeinträchtigungen für das Schutzgut Arten und Lebensgemeinschaften ergeben sich in erster Linie durch den Verlust von Freiflächen,
die gerade im besiedelten Bereich aufgrund ihrer dortigen Seltenheit eine
besondere Bedeutung besitzen. Dennoch ist auch hier zu differenzieren in
solche Lebensräume, die einer mehr oder minder intensiven menschlichen
Nutzung und Pflege unterliegen (Grünland, Verkehrsflächen / Wege /
Stellplätze, Gräben, Siedlungsgehölz mit standortfremden Fichten, Ruderalflur trocken warmer Standorte, Locker bebautes Einzelhausgebiet und
Sonstige Grünanlage ohne Altbaumbestand sowie Obst- und Gemüsegärten) und solchen, die sich weitestgehend ohne derartige Störungen entwickelt haben (Strauch-Baum-Hecke / Baumgruppen und Siedlungsgehölz
heimischer Arten). Während die erstgenannten keinen Wertverlust erfahren, wird den letztgenannten lediglich noch eine geringe Bedeutung
(Wertstufe I) zuzusprechen sein, ausgenommen dort, wo ihre Erhaltung
sichergestellt werden kann.
Bezogen auf die im Plangebiet vorkommenden Fledermäuse ist unter Berücksichtigung der festgesetzten Maßnahmen zur Vermeidung von keiner
erheblichen Beeinträchtigung in Bezug auf deren Vorkommen auszugehen. So führt BACH (2007) zur Gesamtheit der nachgewiesenen Fleder12
BACH und BURCKHARDT (2007): "Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass nicht nur das Eingriffsgebiet
intensiv von den Tieren genutzt wird, sondern auch die direkte Umgebung (Siedlungsbereiche an der
Grimmstr. und Moorhauser Landstr., etc.)".
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mäuse aus: "Die Kombination des Heckenerhalts mit direkt in Verbindung
stehender (zumindest für Fledermäuse sehr flächennahen) Neuanlage eines Hecken- und Ruderalstreifens bzw. Ruderalfläche mit Kleingewässer
würde den Jagdgebietsverlust unter die Erheblichkeitsschwelle sinken lassen." Weiterhin zum Vorkommen der Breitflügelfledermaus: "Insgesamt
wird die Situation so eingeschätzt, dass bei Erhalt der geplanten Hecken/Baumreihen plus der vorgeschlagenen Maßnahmen [Anlage o. g.
Hecken- und Ruderalstreifens, Anm. Instara] eine Beeinträchtigung der
Breitflügelfledermaus nicht so groß ist, dass das Quartier aufgegeben
bzw. der Bestand des Quartierverbundes reduziert wird und damit nicht
als erheblich eingeschätzt wird."
Damit kann dem Gebiet als Ausschnitt eines großräumiger für das Vorkommen von Fledermäusen geeigneten Gebietes weiterhin eine hohe Bedeutung für das Schutzgut zugemessen werden.
Auch das Schutzgut Boden unterliegt in den bisher unversiegelten Bereichen durch die geplante Bebauung und die Anlage von Straßen sowie die
flächendeckend vorgesehene Aufhöhung, um die Oberflächenentwässerung sicherstellen zu können, einem Wertverlust und kann nur noch als
von geringer Bedeutung (Wertstufe 3) angesprochen werden. Dort wo allerdings Freiflächen verbleiben (z. B. öffentliche Grünflächen, Flächen
zum Erhalt von Bäumen und Sträuchern) ist auch weiterhin von Böden
mit einer allgemeinen Bedeutung (Wertstufe 2) auszugehen.
Hinsichtlich des Schutzgutes Grundwasser erfährt dieses nur dort Auswirkungen, wo als Folge einer Oberflächenbefestigung für Verkehrsflächen zukünftig keine direkte Versickerung mehr erfolgen kann. Da auf
den jeweiligen Privatgrundstücken eine direkte Versickerung über den
belebten Oberboden vorgesehen ist, sind hier keine Auswirkungen auf
dieses Schutzgut zu erwarten. Ihm kommt daher weiterhin eine allgemeine Bedeutung (Wertstufe 2) zu. Anders stellt sich dies jedoch in den
Bereichen dar, die für Straßen und Parkplätze in Anspruch genommen
werden und auf denen schädlich verunreinigtes Niederschlagwasser anfällt. Nach einer Sammlung und Klärung ist eine Einleitung in den nördlichen Graben und damit eine Ableitung vorgesehen, so dass dieses Wasser dem lokalen Wasserkreislauf verloren geht. Für diese Bereiche verliert
das Schutzgut an Bedeutung und ist nur noch mit der Wertstufe 3 (geringe Bedeutung) zu klassifizieren.
Mit der Aufstellung des Bebauungsplanes ist für das Oberflächenwasser
aufgrund der bestehenden Vorbelastungen keine erhebliche Beeinträchtigung zu erwarten. Vielmehr wird festzustellen sein, dass eine Verringerung des Nährstoffeintrages mit der Aufgabe der landwirtschaftlichen
Nutzung einhergeht. Im Zusammenhang mit der Konzeption zur Oberflächenentwässerung sollen zudem verbessernde Maßnahmen für den Graben an der nordöstlichen Plangebietsgrenze durchgeführt werden, so dass
die nährstoffreichen Gräben eher eine positive Veränderung erfahren. Sie
werden daher weiterhin mit der Wertstufe 2 (allgemeine Bedeutung) bewertet.
Mit der Bebauung des Plangebietes wird die derzeitige lokale Situation
des Schutzgutes Luft / Klima durch zusätzliche Versiegelungen und die
damit einhergehende Verringerung der Verdunstungsleistung verschlechtert. Dem Siedlungsbereich ist daher nur noch eine geringe Bedeutung (Wertstufe 3) zuzusprechen.
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Gleichfalls wird sich mit der Bebauung des Plangebietes das Orts- und
Landschaftsbild gravierend verändern. Dies betrifft im Wesentlichen die
vom Jan-Reiners-Weg aus frei einsehbaren Grünlandflächen, die nach ihrer Bebauung den Siedlungsbereich ergänzen werden. Durch den möglichst umfangreichen Erhalt der prägenden Baumstrukturen im Zusammenspiel mit den Bepflanzungen auf den Grundstücken wird sich jedoch
ein Baugebiet entwickeln, welches sich in das Ortsbild einfügt. Die naturraumtypische Vielfalt, Eigenart und Schönheit ist zwar als "überformt" anzusprechen, dennoch kann sie durch die Erhaltung des Großgrüns im Wesentlichen noch erkannt werden. Trotzdem tritt in den Grünlandbereichen
ein Wertstufenverlust ein, d. h. hier kommt diesem Schutzgut nach Realisierung der Bebauung nur noch eine allgemeine Bedeutung (Wertstufe 2)
zu.
Anders stellt sich die Situation für den Bereich der Hausgärten dar, da
eine zukünftige Bebauung durch die vorhandenen Großgrünbestände
wirksam abgeschirmt wird. Die Bewertung des Schutzgutes wird hier unverändert mit der Wertstufe 2 (allgemeine Bedeutung) beibehalten.
Den Wechselwirkungen zwischen den Schutzgütern wird dadurch
Rechnung getragen, dass jedes Schutzgut für sich einer Betrachtung hinsichtlich negativer Auswirkungen unterzogen wird. Das Plangebiet wird
somit ganzheitlich begutachtet, was auch Auswirkungen durch die Beanspruchung eines Schutzgutes auf ein anderes einschließt. So wird die Versiegelung von Flächen Auswirkungen auf das Schutzgut Arten und Lebensgemeinschaften haben, die z. B. durch die Betroffenheit der Bodenfauna wiederum Auswirkungen auf die Qualität des Bodens haben kann.
Ebenfalls ist durch die Versiegelung das Schutzgut Grundwasser und auch
das Landschaftsbild negativ betroffen, da eine vormals frei einsehbare
Grünlandfläche nunmehr bebaut wird. Dabei ist aber auch zu berücksichtigen, dass Gartenbereiche entstehen werden, die eine (eigene) Qualität
für Arten und Lebensgemeinschaften haben werden und auch eine langfristige Bodenentwicklung setzt in den meisten Wohngebieten ein, wenn
die Bautätigkeiten zum Abschluss gekommen sind. Damit ist auch weiterhin von einer mittleren Bedeutung (Wertstufe 2) auszugehen.
Für die Biologische Vielfalt ergibt sich aus der Bebauung von großflächig intensiv genutzten Grünlandflächen eine Veränderung dahingehend,
dass abwechslungsreiche Hausgärten entstehen, die eine wesentlich größere Vielfalt an Tieren und Pflanzen beherbergen werden. Anders stellt
sich dies jedoch im Bereich der vorhandenen Hausgärten dar, die ausgenommen des Fichtenbestandes einen Wertverlust erleiden, da für den
Siedlungsbereich eher seltene Nutzgärten und verwilderte Flächen in Anspruch genommen werden. In der Gesamtbetrachtung muss dem Plangebiet daher weiterhin eine mittlere Bedeutung (Wertstufe 2) zugesprochen
werden. Bei dieser Bewertung ist auch zu berücksichtigen, dass aufgrund
der erfassten Biotope keine Hinweise auf etwaige Vorkommen von seltenen oder geschützten Arten vorhanden sind, die von der Planung betroffen sind und welche für das Schutzgut eine besondere Bedeutung besitzen. Eine Verarmung der Artenvielfalt ist durch den vorliegenden Bauleitplan ebenfalls nicht zu erwarten.
Sach- und Kulturgüter sind von der Planung nicht betroffen. Dem
Schutzgut ist daher unverändert diesbezüglich keine Bedeutung beizumessen werden. Erhebliche Beeinträchtigungen ergeben sich nicht.
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Schutzgebiete / besonders geschützte Biotope
Da im Plangebiet selbst keine Schutzgebiete oder besonders geschützte
Biotop anzutreffen sind, ist weiterhin von keiner Bedeutung auszugehen.
Der nachfolgenden Tabelle kann eine Zusammenfassung der zu erwartenden Auswirkungen entnommen werden. Bei den von einer
kompensationsrelevanten Wertstufenveränderung betroffenen Schutzgütern sind die Bewertungen zur einfacheren Lesbarkeit jeweils fett
dargestellt:
Schutzgut / Bereich
Vorher
Nachher
Menschen
Landwirtschaftliche Flächen
Hausgärten
2
1
mittlere Bedeutung
hohe Bedeutung
1
1
hohe Bedeutung
hohe Bedeutung
allg.-geringe Bedeutung
geringe Bedeutung
geringe Bedeutung
allg.-geringe Bedeutung
allgemeine Bedeutung
allgemeine Bedeutung
I
I
I
II
III
geringe Bedeutung
geringe Bedeutung
geringe Bedeutung
allg.-geringe Bedeut.
allgemeine Bedeutung
I
III
geringe Bedeutung
allgemeine Bedeutung
geringe Bedeutung
allgemeine Bedeutung
geringe Bedeutung
Arten und Lebensgemeinschaften
Artenarmes Extensivgrünland
Verkehrsflächen/Wege/Plätze
Obst- und Gemüsegärten
strukturarmer Graben
strukturreicher Graben
Strauch-Baum-Hecke / Baumgruppen
- Überplanung
- Erhaltung
Siedlungsgehölz heim. Arten
- Überplanung
- Erhaltung
Siedlungsgehölz standortfremder
Arten (Fichten)
Ruderalflur trocken. Standorte
Locker bebautes Einzelhausgebiet
Sonstige Grünanlage ohne
Altbaumbestand
Geschützte Tierarten
(Fledermäuse)
II
I
I
II
III
III
III
allgemeine Bedeutung
II
allg.-geringe Bedeutung
I
III
I
II
I
allg.-geringe Bedeutung
geringe Bedeutung
I
I
geringe Bedeutung
geringe Bedeutung
I
geringe Bedeutung
I
geringe Bedeutung
1
hohe Bedeutung
1
hohe Bedeutung
2
allgemeine Bedeutung
3
geringe Bedeutung
3
3
geringe Bedeutung
geringe Bedeutung
2
allgemeine Bedeutung
2
allgemeine Bedeutung
2
allgemeine Bedeutung
allgemeine Bedeutung
geringe Bedeutung
geringe Bedeutung
Boden
Unversiegelte Flächen
- aufgehöhte Bereiche
Vollversiegelte Flächen
Oberflächenwasser
Nährstoffreiche Gräben
Grundwasser
Unversiegelte Flächen
- Privatgärten
- Verkehrsflächen
Vollversiegelte Flächen
3
geringe Bedeutung
2
3
3
2
von Bedeutung
3
geringe Bedeutung
1
2
besondere Bedeutung
allgemeine Bedeutung
2
2
allgemeine Bedeut.
allgemeine Bedeutung
Luft / Klima
Plangebiet
Landschaftsbild
Intensivgrünland
Hausgärten
Wechselwirkungen
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Schutzgut / Bereich
Plangebiet
Vorher
Nachher
2
mittlere Bedeutung
2
mittlere Bedeutung
2
mittlere Bedeutung
2
mittlere Bedeutung
3
keine Bedeutung
3
keine Bedeutung
3
keine Bedeutung
3
keine Bedeutung
Biologische Vielfalt
Plangebiet
Sach- und Kulturgüter
Plangebiet
Schutzgeb./gesch. Biotope
Plangebiet
Festzuhalten ist, dass von den insgesamt zehn Schutzgütern sechs von
"Auswirkungen" betroffen sind, wobei es sich in einem Fall (Schutzgut
Mensch) um eine Verbesserung, bei fünf Schutzgütern um Verschlechterungen handelt. In der nachfolgenden Eingriffsbilanz wird lediglich auf die
nachteilig betroffenen Schutzgüter eingegangen.
10.2.2.4 Eingriffsbilanz
Die Bemessung des Kompensationsumfanges richtet sich grundsätzlich
nach den "Naturschutzfachlichen Hinweisen zur Anwendung der Eingriffsregelung in der Bauleitplanung" (W. BREUER). Grundprinzip dieser
Bilanzierung ist es, den Zustand des Plangebietes vor und nach einer Bebauung zu bewerten und gegenüberzustellen, so dass aufgrund der zu
erwartenden "Wertverluste" (hier: "Wertstufenverluste der einzelnen
Schutzgüter") der erforderliche Kompensationsumfang berechnet werden
kann. Die Bewertung und Bilanzierung der von dem Eingriff betroffenen
Bereiche erfolgt getrennt nach den Schutzgütern, die für die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts ausschlaggebend sind.
Mit dem Heft 1/2006 der Schriftenreihe "Informationsdienst Naturschutz
Niedersachsen"13 wurde eine Aktualisierung des "BREUER-Modells" wie
folgt angeregt:
• Die Biotoptypen sollten nach der aktuellen fünfstufigen Bewertung
bewertet14 und die aktuellen Kompensationsgrundsätze für Biotoptypen angewandt werden15 und
• hinsichtlich der Bodenversiegelung sollten die Kompensationsgrundsätze angewandt werden, die auch bei landwirtschaftlichen Bauten und
Radwegen gelten sollten, d. h. das Verhältnis zwischen versiegelter
Fläche und Kompensationsfläche sollte 1:1 bei Böden mit besonderer
Bedeutung und 1:0,5 bei den übrigen Böden unabhängig von der Art
der Versiegelung betragen.16
13
Hrsg. Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
14
Fünfstufige Biotoptypenbewertung s. BIERHALS, DRACHENFELS & RASPER 2004: Wertstufen und
Regenerationsfähigkeit der Biotoptypen in Niedersachsen. Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen.
24. Jg. Nr. 4: S. 231-240.
15
Kompensationsgrundsätze s. NIEDERSÄCHSISCHES MINISTERIUM FÜR ERNÄHRUNG, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN 2002: Leitlinie Naturschutz und Landschaftspflege in Verfahren nach dem
Flurbereinigungsgesetz. Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen. 22. Jg. Nr. 2: S. 57-136.
16
Böden mit besonderer Bedeutung sind (vgl. NLÖ 2001: Hinweise zur Ausarbeitung und Fortschreibung des
Landschaftsrahmenplans. Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 21. Jg. Nr. 3):
• Böden mit besonderen Standorteigenschaften/Extremstandorte (u. a. sehr nährstoffarme Böden, sehr
nasse Böden, sehr trockene Böden),
• Naturnahe Böden (z. B. alte Waldstandorte, nicht oder wenig entwässerte Hoch- und Niedermoorböden),
• Böden mit naturhistorischer Bedeutung (z. B. Plaggenesche – sofern selten, Wölbäcker),
• Böden mit naturhistorischer und geo-wissenschaftlicher Bedeutung,
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Seite 39
Bei anderen Eingriffen als Versiegelungen (z. B. Aufschüttungen, Abgrabungen) gilt, dass diese - sobald Biotoptypen der Wertstufe V, IV
oder III betroffen sind - mit den erforderlichen Maßnahmen für den biotopbezogenen Ausgleich abgegolten sind, soweit eine solche Mehrfachfunktion gegeben ist.
Aus der "Leitlinie Naturschutz und Landschaftspflege in Verfahren nach
dem Flurbereinigungsgesetz" (Kompensationsgrundsätze für Biotoptypen) ergibt sich, dass
1. eine Inanspruchnahme von Biotopen der Wertstufen17 I und II keinen
Eingriff darstellt und
2. Eingriffe in Biotoptypen der Wertstufen III bis V so zu kompensieren
sind, dass Biotope der Wertstufen I oder II flächengleich auf einem Biotoptyp der jeweils verloren gehenden Wertstufe aufgewertet werden.
Erhebliche Beeinträchtigungen sind insbesondere dann nicht ausgleichbar, wenn
• eine Wiederherstellung bzw. Neuschaffung der betroffenen Biotoptypen der Wertstufen V und IV in gleicher Ausprägung und Größe mittelfristig (bis 25 Jahre), nicht möglich ist (= schwer regenerierbare Biotope „*" (25 bis 150 Jahre Regenerationszeit) bzw. kaum oder nicht
regenerierbare Biotope „**" (mehr als 150 Jahre Regenerationszeit))
oder
• Vorkommen gefährdeter Arten bzw. für Gastvögel wertvolle Bereiche
betroffen sind und die betreffenden Arten in der jeweiligen Populationsgröße nicht erhalten werden können bzw. mit ihrer Wiederansiedlung mittelfristig (bis 25 Jahre) nicht gerechnet werden kann.
Die weiteren, im BREUER-Modell 1994 thematisierten Schutzgüter Wasser, Klima / Luft und Landschaftsbild werden unverändert in die Eingriffsbetrachtung eingestellt.
Generell sind die Eingriffsfolgen und der
Kompensationsbedarf für jedes Schutzgut
getrennt zu ermitteln. Bei der Festlegung
von Art und Umfang der Kompensationsmaßnahmen eines Schutzgutes ist
zu berücksichtigen, dass diese Maßnahme u. U. auch eine Kompensation
bzw. Teilkompensation anderer Schutzgüter bewirkt, so dass ggf. ein entsprechender Abgleich vorzunehmen ist.
Für den vorliegenden Bebauungsplan ist
zu beachten, dass nur solche Bereiche
des Plangebietes bei der Eingriffsbilanz
Berücksichtigung finden, für die erst auf
Abgrenzung 34er-Bereiche
Grund der Aufstellung des Bebauungsplanes Baurechte begründet werden. Die "Baulücke" (sog. 34er-Bereich),
•
17
Sonstige seltene Böden (landesweit oder in Naturraum/Bodengroßlandschaft ein Anteil unter 1 % als
Orientierungswert).
Wertstufe V: von besonderer Bedeutung, Wertstufe IV: von besonderer bis allgemeiner Bedeutung,
Wertstufe III: von allgemeiner Bedeutung, Wertstufe II: von allgemeiner bis geringer Bedeutung, Wertstufe I:
von geringer Bedeutung
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Seite 40
bestehend aus 84 m² Siedlungsgehölz überwiegend einheimischer Baumarten, 824 m² Intensivgrünland und 3 Einzelbäumen, an der Moorhauser
Landstraße bleibt somit unberücksichtigt. Auch ein ca. 257 m² großer Teil
des Siedlungsgehölzes überwiegend einheimischer Baumarten hinter der
Gaststätte "Dr. Pfiffikus" wäre auf Grundlage des § 34 BauGB bebaubar,
siehe Abbildung.
Wie in dem vorstehenden Kapitel dargelegt, sind von einem Wertstufenverlust die Schutzgüter
•
Arten und Lebensgemeinschaften (teilweise, je nach Biotoptyp),
•
Boden,
•
Grundwasser (Verkehrsflächen),
•
Luft / Klima,
•
und Landschaftsbild (Intensivgrünlandflächen)
betroffen, deren Ausgleichsbedarf nachfolgend ermittelt wird.
(1) Arten und Lebensgemeinschaften
Bezogen auf dieses Schutzgut kommt es bei folgenden Lebensräumen zu
Eingriffen:
Biotoptyp
Größe
Baumgruppe
Baugebiet
Siedlungsgehölz
heimischer Arten
Baugebiet
Siedlungsgehölz
heimischer Arten
RRB
Summe
Ausgleichsberechnung
Grad der Inanspruchnahme
Eingriffsflächengröße
Faktor
Ausgleichsflächengröße
616 m²
100%
616 m²
100%
616 m²
3.611 m²
100%
3.611 m²
100%
3.611 m²
1.410 m²
100%
1.410 m²
100%
1.410 m²
Planung
Strauch-BaumHecke,
Eingriffsberechnung
5.637 m²
5.637 m²
Wie dargelegt, ergibt sich für das Schutzgut Arten und Lebensgemeinschaften ein Kompensationsflächenbedarf von 0,56 ha.
(2) Boden
Zur Sicherstellung der ordnungsgemäßen Oberflächenentwässerung ist es
erforderlich, das gesamte Plangebiet aufzuhöhen. Abzüglich der Flächen,
die als 34er-Bereich zu betrachten sind, bereits Versiegelungen unterliegen (Hofstellenzufahrt mit 426 m² im Quartier 3) sowie nicht durch Aufhöhungen tangiert werden (Flächen zum Erhalt von Bäumen und Sträuchern, Graben), ist eine Eingriffsfläche von 50.635 m² zu Grunde zu legen. Aufgrund der vorhandenen Böden mit allgemeiner Bedeutung ist der
Kompensationsfaktor von 0,5 in Ansatz zu bringen, so dass sich ein Ausgleichsflächenbedarf von 25.317 m² (2,53 ha) errechnet.
(3) Grundwasser
Die Größe der zu erwartenden Beeinträchtigung für dieses Schutzgut ergibt sich aus dem auf den Verkehrsflächen (ca. 5.164 m²) anfallenden
schädlich verunreinigten Niederschlagwassers. Da auf den privaten
Grundstücken eine direkte Versickerung vorgesehen ist, ergeben sich hier
keine negativen Auswirkungen. Durch die Kompensationsmaßnahmen für
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Seite 41
das Schutzgut Boden kann jedoch auch für das Schutzgut Grundwasser
ein Ausgleich herbeigeführt werden.
(4) Luft / Klima
Durch die bauliche Inanspruchnahme des Plangebietes wird es gesamtflächig zu einer Beeinträchtigung kommen, ausgenommen allerdings diejenigen Bereiche, die bereits versiegelt sind, oder als Wasser- und Freiflächen verbleiben. Damit ist eine Flächengröße von 50.635 m² als "potenziell beeinträchtigt" anzusprechen. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass einerseits ca. 22.786 m² als Hausgartenbereiche angelegt werden, und damit auch weiterhin einen positiven Einfluss auf das Klima haben werden, sowie andererseits die externen Kompensationsflächen
durch die vorgesehen Aufwertungsmaßnahmen in der Lage sein werden,
eine klimatische Verbesserung zu bewirken. Zudem wird auch das Regenrückhaltebecken über seine offene Wasserfläche zu einer erhöhten
Verdunstung und damit einer Temperaturabkühlung beitragen. Weitere
Ausgleichsmaßnahmen werden damit nicht erforderlich.
(5) Landschaftsbild
Hier kommt es durch die Inanspruchnahme der vom Jan-Reiners-Weg aus
frei einsehbaren Grünlandbereiche zu Eingriffen auf ca. 37.713 m². Durch
die Festsetzungen zum Erhalt der Großbaumbestände können die Beeinträchtigungen zwar gemildert, aber nicht gänzlich vermieden werden. Als
Ausgleich ist allerdings die Festsetzung zu werten, dass pro Grundstück
ein Obstbaum anzupflanzen ist und die Flächen um das Regenrückhaltebecken mittel- bis langfristig mit Arten der Weichholzaue entwickelt werden sollen. Um das verloren gegangene Landschaftsbild in seiner Eigenart
an anderer Stelle wieder herzustellen, ist auf den externen Kompensationsflächen die sukzessive Entwicklung eines Erlen-Weidenbestandes
(Klimaxgesellschaft) vorgesehen.
(6) Zusammenfassung
Wie oben dargelegt, errechnet sich ein verbleibender externer Kompensationsbedarf wie folgt, der auf einer zusätzlichen Fläche gedeckt werden
muss:
Arten und Lebensgemeinschaften 0,56 ha
Boden
2,53 ha
Summe
3,09 ha
Abschließend ist noch darauf hinzuweisen, dass es bezogen auf das
Schutzgut Mensch zu einer Erhöhung der Wertigkeit kommt, da sein Lebensraum erweitert wird. Dies ist besonders positiv zu bewerten, bleibt
allerdings in der Bilanzierung nach dem BREUER-Modell aus methodischen
Gründen unberücksichtigt.
10.2.2.5 Kompensationsmaßnahmen
Wie aus dem Bebauungsplan ersichtlich, ist es im Plangebiet selber nicht
vorgesehen, umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen durchzuführen. Grundsätzlich sollen die erheblichen Beeinträchtigungen möglichst in engem
räumlichem Zusammenhang mit dem Eingriffsort ausgeglichen werden.
Bereits im Vorfeld der Planung wurde intensiv darüber diskutiert, ob Bereiche von einer Bebauung ausgenommen und als Ausgleichsfläche herangezogen werden sollen. Vor dem Hintergrund, dass keine vergleichbar
zentral gelegene Wohnbaufläche in der Ortschaft Lilienthal mehr vorhanden ist, und dass möglichst keine anderweitigen Flächen in der freien
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Seite 42
Landschaft für eine Wohnbebauung in Anspruch genommen werden sollen, wurde die Entscheidung getroffen, auf eine Ersatzfläche außerhalb
des Planbereiches zurückzugreifen. Die Lage der Fläche kann der nachfolgenden Abbildung entnommen werden.
Die Kompensationsmaßnahme soll in der Gemarkung Sankt Jürgen am
Rand weiträumig durch Grünland geprägter Flächen in nahem Kontakt zu
bestehenden Feuchtgehölzen durchgeführt werden.
Kompensationsfläche
Abb. 4: Lage der externen Kompensationsfläche im Raum
Wie aus der nachfolgenden Abbildung zu ersehen, liegt die Kompensationsfläche innerhalb des Landschaftsschutzgebietes OHZ Nr. 7 „Truper
Blänken“. Zudem befindet sich die Fläche
•
•
•
•
in einem avifaunistisch wertvollen Bereich für Brutvögel mit nationaler Bedeutung gemäß Niedersächsischem Umweltministerium,
in einem schutzwürdigen Bereich gemäß der „Karte der für den
Naturschutz wertvollen Bereiche in Niedersachsen“ des NLÖ,
in einem Zuwanderungsgebiet des Fischotters mit z. Z. geringem
Fischotterbestand gemäß Niedersächsischem Fischotterprogramm,
in einem „Wichtigen Bereich für Vielfalt, Eigenart und Schönheit von
Natur und Landschaft“ mit hoher Qualität des Landschaftsbildes und
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Seite 43
Bedeutung für die Erholungsvorsorge gemäß Landschaftsrahmenplan
des Landkreises Osterholz.
Die Kompensationsfläche befindet sich ferner gemäß dem "Konzept zur
Erhaltung und Entwicklung von Feuchtgrünland im St. Jürgensland" in einem Schwerpunktraum zum Schutz und zur Entwicklung des Fischotterlebensraumes. Entsprechend diesem Konzept sollten die Flächen aus der
Nutzung genommen und der natürlichen Entwicklung überlassen werden.
Die für eine naturschutzfachliche Aufwertung vorgesehenen Teilflächen
der Flurstücke 7/1 und 6/0 (Flur 15) weisen Größen von 2,65 ha und 0,44
ha auf. Der überwiegende Teil des Flurstückes wird von einem Artenarmen Extensivgrünland (GIE) eingenommen, wobei Holcus lanatus (Wolliges Honiggras) zusammen mit Deschampsia cespitosa (Rasenschmiele)
den ausgesprochen artenarmen Pflanzenbestand dominieren. Im Nordwesten des Flurstückes 6/0 stockt auf einer Restfläche“ ein etwa 0,01 ha,
die für eine Kompensation nicht beansprucht wird, ein kleinflächiger Erlen-Bruchwaldbestand (WU).
Im Rahmen des Scoping (§ 4 Abs. 1 BauGB) wurde durch den Landkreis
bereits mitgeteilt, dass die Kompensationsfläche aufgrund der Lage innerhalb der vorstehend aufgeführten naturschutzfachlich bedeutsamen
Bereiche "gut für die Kompensation geeignet" ist.
Entsprechend der Empfehlung des Landkreises aus dem Scoping, die auf
den Zielaussagen des "Konzeptes zur Erhaltung und Entwicklung von
Feuchtgrünland im St. Jürgensland" basiert, ist eine sukzessive Entwicklung des Flurstückes vorgesehen. Um die angestrebte Zielsetzung der
Entwicklung eines Erlen-Weidengehölzbestandes möglichst zeitnah zu
erreichen, soll auf der Fläche an zehn Standorten in einer Größe von jeweils 20 m² der Oberboden abgeschoben werden. Ansonsten ist die Nutzung einzustellen und die Fläche der freien Sukzession zu überlassen.
Der Kompensationsbedarf kann auf den genannten Flächen vollständig
gedeckt werden und wird über einen städtebaulichen Vertrag sowie eine
grundbuchrechtliche Eintragung abgesichert.
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Seite 44
Abb. 5: Übersicht der Abgrenzung der Natur- und Landschaftsschutzgebiete
Zusammenfassend ist festzustellen, dass der errechnete externe Kompensationsbedarf von 3,09 ha durch die vorstehend genannte Flurstücke
gedeckt werden kann.
10.2.3
Alternative Planungsmöglichkeiten
Ein Verzicht der Planung hätte zur Folge, dass das Plangebiet voraussichtlich auch weiterhin lediglich im Rahmen der hobbymäßigen Landwirtschaft bewirtschaftet werden würde, da eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung aufgrund der Wohnbebauung in der Umgebung des
Plangebietes nur sehr eingeschränkt möglich wäre. Zwar geht mit der
Aufstellung des vorliegenden Bebauungsplanes eine innerörtliche Freifläche verloren, andererseits entspricht die innerörtliche Nachverdichtung
dem allgemeinen Ziel des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden.
Da die Ausarbeitung der Planung auf Grundlage des geltenden Flächennutzungsplanes erfolgt, der eine Wohnbebauung vorsieht, kommen
grundsätzliche Planungsalternativen nicht in Betracht.
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Seite 45
10.3
Zusätzliche Angaben
10.3.1
Merkmale der verwendeten Untersuchungsverfahren
Für die Bestandsaufnahme der Biotoptypen des Plangebietes wurde der
Kartierschlüssel für Biotoptypen in Niedersachsen (DRACHENFELS 2004)
verwendet. Eine Begehung fand im Mai 2006 statt, eine Nachbegehung
im Mai 2007.
Um Aussagen bezüglich der im Geltungsbereich der Bauleitplanung sowie
in deren Nahbereich auftretenden Fledermäuse treffen zu können, wurde
zusätzlich ein zoologische Gutachten in Auftrag gegeben. Das Gutachten
wurde von den Dipl.-Biol. BACH und BURKHARD (Fachbeitrag Fledermäuse zum Bebauungsplan Nr. 115 "Wohnbauland Moorhaussen") im
Frühsommer 2007 erstellt.
Die Bewertung der Biotoptypen richtete sich nach der Veröffentlichung
"Wertstufen und Regenerationsfähigkeit der Biotoptypen in Niedersachsen" (BIERHALS, DRACHENFELS, RASPER 2004).
Hinsichtlich der Schutzgüter Boden, Wasser, Klima/Luft, Landschaftsbild
und Biologische Vielfalt wurde auf allgemein zugängliche Planwerke, insbesondere den Landschaftsplan der Gemeinde Lilienthal zurückgegriffen.
Weiterhin wurden zur Bewertung des Schutzgutes Boden die Baugrunduntersuchung der Contrast GmbH, Schwanewede, herangezogen.
Zielsaussagen für die Entwicklung der Ersatzflächen basieren auf dem
Pflege- und Entwicklungskonzept für das Naturschutzgebiet "Truper Blänken" sowie dem "Konzept zur Erhaltung und Entwicklung von Feuchtgrünland im `Sankt Jürgensland´, Landkreis Osterholz (BIOS 1994).
Vor dem Hintergrund, dass lediglich allgemein weit verbreitete und überwiegend intensiv genutzte Biotoptypen erfasst wurden und das Plangebiet
zudem inselartig im Siedlungsbereich liegt (⇒ Tierartenspektrum) kann
die derzeitige Situation von Natur und Landschaft ausreichend genau dargestellt und bewertet werden.
Die Bewertung des derzeitigen Zustandes und die Ermittlung der möglichen erheblichen Beeinträchtigungen richtet sich nach den "Naturschutzfachlichen Hinweisen zur Anwendung der Eingriffsregelung in der Bauleitplanung" (W. BREUER), aktualisierte Fassung 2006. Grundprinzip der Ermittlung der erheblichen Beeinträchtigungen ist es, den Zustand des
Plangebietes vor und nach einer Bebauung zu bewerten und gegenüber
zu stellen, so dass aufgrund der zu erwartenden "Wertverluste" (hier:
"Wertstufenverluste der einzelnen Schutzgüter") die erheblichen Beeinträchtigungen abgelesen werden können. Die Bewertung und Bilanzierung
der von dem Eingriff betroffenen Bereiche erfolgt getrennt nach den
Schutzgütern, die für die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts ausschlaggebend sind.
10.3.2
Maßnahmen zur Überwachung der Umweltauswirkungen
Die Überwachung der Plan-Umsetzung, betreffend die erheblichen Umweltauswirkungen entsprechend den Anforderungen des § 4c BauGB, erfolgt durch die Gemeinde Lilienthal. Zu diesem Zweck findet eine Begehung des Planbereiches statt, nachdem die Hälfte der Baugrundstücke im
Bebauungsplan bebaut ist. Sollten im Zuge dieser Begehung unvorhergesehene nachteilige Auswirkungen festgestellt werden, erfolgen weitere
Begehungen in einem 5-jährigen Turnus. Sollten keine unvorhergesehe-
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Seite 46
nen nachteiligen Auswirkungen festgestellt werden, so werden weitere
Begehungen lediglich bedarfsorientiert durchgeführt.
Zusätzlich wird in Bezug auf zum Zeitpunkt der Planaufstellung nicht absehbare erhebliche Auswirkungen auf die bestehenden Überwachungssysteme der Fachbehörden und deren Informationsverpflichtung nach § 4
Abs. 3 BauGB zurückgegriffen.
10.3.3
Zusammenfassung
Mit der vorliegenden Bauleitplanung soll die Entwicklung eines Allgemeinen Wohngebietes ermöglicht werden. Dazu wurde auf einen Bereich zurückgegriffen, der langjährig im Flächennutzungsplan als Wohnbaufläche
dargestellt ist. Durch seine zentrale innerörtliche Lage, wenig wertvolle
flächenhafte Pflanzenbestände und die Möglichkeit eine bauliche Nachverdichtung in den nördlich angrenzenden Hausgärten vorzunehmen, bietet
sich der Planbereich für die beabsichtigte Nutzung gut an. Um erhebliche
Beeinträchtigungen der im Geltungsbereich auftretenden Fledermäuse zu
vermeiden, wird eine unmittelbar südlich an den Geltungsbereich angrenzende Fläche entsprechend den "Bedürfnissen der Tiergruppe" aufgewertet. Trotz dieser und weiterer Maßnahmen zur Vermeidung und Minimierung entsteht im Zusammenhang mit der Bauleitplanung ein Ausgleichsflächenbedarf von 3,09 ha. Entsprechend der Entscheidung auf Ausgleichsmaßnahmen im Plangebiet selbst weitestgehend zu verzichten,
wird zur Kompensation der erheblichen Beeinträchtigungen auf eine außerhalb des Plangebietes gelegene Ausgleichsfläche zurückgegriffen.
Diese soll sich, der freien Sukzession überlassen, zu einem Erlen-Weidengehölzbestand entwickeln.
Abschließend kann festgehalten werden, dass mit Durchführung der Maßnahmen zur Vermeidung und Minimierung sowie zum Ausgleich die durch
den Bebauungsplan entstehenden Beeinträchtigungen an den Schutzgütern von Natur und Landschaft als ausgeglichen gelten können.
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Seite 47
Umweltbericht gemäß § 2a BauGB im Auftrage der Gemeinde Lilienthal
ausgearbeitet:
Bremen, den 24.07.2006 / 28.07.2006 / 22.12.2006 / 07.08.2007 /
28.08.2007
Institut für Stadt- und Raumplanung
Prof. Dr. Hautau & Renneke GmbH
Vahrer Straße 180
28309 Bremen
gez. D. Renneke
Verfahrenshinweis:
1.
Öffentliche Auslegung
Der Verwaltungsausschuss der Gemeinde Lilienthal hat in seiner Sitzung am 13.02.2007 dem Entwurf des Bebauungsplanes und der
Begründung mit Umweltbericht zugestimmt und seine öffentliche
Auslegung gemäß § 3 Abs. 2 BauGB beschlossen. Ort und Dauer der
öffentlichen Auslegung wurden am 27.02.2007 durch Aushang und
am 28.02.2007 in der Wümme-Zeitung bekannt gemacht. Der Entwurf des Bebauungsplanes mit der Begründung sowie die wesentlichen, bereits vorliegenden umweltbezogenen Stellungnahmen haben in der Zeit vom 08.03.2007 bis 10.04.2007 gemäß § 3 Abs. 2
BauGB öffentlich ausgelegen.
Der betroffenen Öffentlichkeit sowie den berührten Behörden und
sonstigen Trägern öffentlicher Belange wurde mit Schreiben vom
09.08.2007 gemäß § 4a Abs. 3, Satz 4 BauGB Gelegenheit zur Stellungnahme bis zum 24.08.2007 gegeben.
2.
Satzungsbeschluss
Der Rat der Gemeinde Lilienthal hat den Bebauungsplan nach Prüfung der Stellungnahmen gemäß § 3 Abs. 2 BauGB in seiner Sitzung
am 09.10.2007 als Satzung (§ 10 BauGB) sowie die Begründung beschlossen
Lilienthal, den 01.11.2007
Der Bürgermeister
In Vertretung:
L. S.
gez. Lütjen
Diese Abschrift stimmt mit der Urschrift überein.
Lilienthal, den .............................
Der Bürgermeister
Im Auftrage:
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Anhang I
Biotoptypenkarte
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Anhang II
Anbindung des Plangebietes an die Moorhauser Landstraße
BEBAUUNGSPLAN NR. 115 „WOHNBAULAND MOORHAUSEN“
Anhang III
Baumbestandsplan
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