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Landesweite Basisfallwerte: Wie hoch sind sie, und wie geht es

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Landes-Basisfallwerte
7/2005
Dr. Josef Siebig
Landesweite Basisfallwerte: Wie hoch sind sie,
und wie geht es weiter?
Die Verhandlungen über die Landes-Basisfallwerte zwischen
den Landeskrankenhausgesellschaften und den Landesverbänden der Krankenkassen prägten die ersten Monate des Jahres
2005. Die schwierigsten Verhandlungsprobleme entstanden
dabei weniger auf der Kosten- als vielmehr auf der Leistungsseite. Im folgenden Beitrag werden die Schritte zur Findung des
Landes-Basisfallwertes und die unterschiedlichen Werte in den
Bundesländern dargestellt sowie ihre grundsätzliche Aussagefähigkeit – auch vor dem Hintergrund der Kappungsproblematik – analysiert.
Spiel auf ein Tor
Die Verhandlungslage beim Landes-Basisfallwert gleicht
einem Spiel auf ein Tor. Die vorgegebenen Regeln in § 10
KHEntgG sehen dies so vor. Um im Bilde zu bleiben, würden – übersetzt auf ein Fußballspiel – folgende Regeln gelten:
1. Soweit die Landeskrankenhausmannschaft durch technische Lerneffekte Tore erzielt, werden diese aberkannt
(Up-Coding-Regel nach § 10 Absatz 3 Satz 3).
Hürdenlauf
Um zu einem Ergebnis zu kommen, mussten im Wesentlichen
4 Hürden übersprungen werden: die Ermittlung eines Ausgangswertes, die Bereinigung und die Fortschreibung dieses
Wertes sowie – wegen der eingeschränkten Konvergenz von
oben nach unten – die Ermittlung eines „Schonbetrages“.
1. Hürde: Festlegung des Ausgangswertes
Mit der Festlegung des Ausgangswertes offenbart sich ein
Barometer für das Klima zwischen den Vertragsparteien.
Wenn schon bei der Frage der Feststellung des vereinbarten Ausgabevolumens für 2004 erhebliche Streitigkeiten
entstehen, ist dies ein Indiz dafür, dass alle 4 Hürden durch
die Schiedsstelle zu überspringen sind.
2. Hürde: Schätzung Budgetbereinigung
Hier geht es um die gesamterlösneutrale Schätzung der
Beträge, um die das DRG-Budget zu bereinigen ist, weil
bestimmte Leistungen erstmals oder nicht mehr über das
DRG-Budget finanziert werden. Der Gesetzgeber hat die-
AssTech
2. Soweit die Spieler der Landeskrankenhausmannschaft
überdurchschnittlich viel Speck auf den Rippen tragen,
verfügen sie über Leistungsreserven, die über einen Toreabzug zu erschließen sind (Wirtschaftlichkeitsabzug nach
§ 10 Absatz 3 Satz 1 Nr. 3).
3. Soweit die Landeskrankenhausmannschaft mehr Tore
schießt als im Vorjahr, werden diese nur degressiv anerkannt
(Fixkostendegression nach § 10 Absatz 3 Satz 1 Nr. 4).
4. Soweit andere Krankenhausmannschaften gegen Krankenkassen gewinnen, wird die Tordifferenz als gegnerische
Tore der Landeskrankenhausmannschaft gewertet (Ausgleich von Ausgabenausweitungen in Nicht-DRG-Bereichen nach § 10 Absatz 3 Satz 1 Nr. 5).
5. Diese Sonderregeln werden dann noch durch eine das
Beitragstor der Krankenkassen stabilisierende Abseitsregel
überboten: Falls die Landeskrankenhausmannschaft dennoch mehr Tore schießt als die Landeskassen, werden diese Tore gekappt, soweit sie die Obergrenze von 0,38 Prozent
überschreiten (Obergrenze nach § 10 Absatz 2 Satz 1).
Bei einem solchem Reglement kann die Landeskrankenhausmannschaft bestenfalls unentschieden spielen. Dafür
müsste sie alle Angriffe abwehren und der Schiedsrichter
(Schiedsstelle) dürfte nicht gegen sie „pfeifen“. Gelänge
dies, könnte – im übertragenen Sinn – das bisherige Finanzierungsvolumen gehalten werden. Bevor auf die „Spiel“Ergebnisse näher eingegangen werden kann, sind noch einige Hinweise zum „Spiel“-Verlauf zu geben.
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Landes-Basisfallwerte
sen Schritt erleichtert, indem Fehlschät- Abbildung 1: Basisfallwert – Beispiel Baden-Württemberg
zungen im Folgejahr berichtigt werden
können. Im Übrigen zahlt es sich meines
Erachtens für keine der Vertragsparteien
aus, durch Unter- oder Überschätzungen Liquiditätsvorteile zu erzielen. Dadurch würden sich die Finanzierungsströme in den Folgejahren sprunghaft
ändern und eine destabilisierende Wirkung auf das System ausüben.
3. Hürde: Fortschreibung als eigentliches Verhandlungsproblem
Das eigentliche Verhandlungsproblem
liegt in der Fortschreibung, wobei auf der
Kostenseite insbesondere über vorhandene Wirtschaftlichkeitsreserven zu verhandeln ist.
Retrospektiv gesehen wurde diese Frage sowohl in den
Vereinbarungs- als auch in den Festsetzungsergebnissen
aller Länder weit überwiegend verneint, weil das Thema
schon in den Vereinbarungen für die Vorjahre einer Bewertung zugeführt war. Prospektiv für das Jahr 2005 wurden
den Krankenhäusern in der Regel allerdings Abzüge für
Wirtschaftlichkeitsreserven zugemutet. Diese Abzüge lagen in der Regel ungefähr in der Größenordnung der Differenz zwischen der tatsächlichen Kostensteigerung und der
Veränderungsrate nach § 71 SGB V.
wo die Schiedsstelle einfach davon ausgegangen war,
dass sich der InEK- und der Kodiereffekt – einschließlich
eines angeblichen demographischen Effektes – gegenseitig aufheben würden (zur Korrektur siehe unten).
Die schwierigsten Verhandlungsprobleme entstanden aber
weniger auf der Kosten- als vielmehr auf der Leistungsseite. Um die Leistungsseite zu einigen oder festzusetzen,
musste das komplexe Zusammenwirken zahlreicher Einzelkomponenten des Casemix durchschaut werden: beispielhaft zu nennen sind die Fallzahl, die Fallschwere (Leistungsstruktur) sowie der Bezugsgrößen-, der Katalog- und
der Kodiereffekt.
Beispiel: Ein Angestellter verdient 2001 100 000 DM (CMI =
1,0). Der Wechselkurs in € wäre 2:1 (CMI sinkt aufgrund
des InEK-Effektes um 50 Prozent auf 0,5). Die jährliche Inflationsrate betrage 50 Prozent (CMI steigt aufgrund des
ausgabewirksamen Kodiereffektes um 50 Prozent auf
0,75). Wie viel Euro muss dieser Angestellte 2002 verdienen, um real den gleichen Verdienst zu haben wie 2001?
Richtig gerechnet sind es 75 €. Die Währungsabsenkung bedeutet eine Absenkung des nominalen Betrages von 100 DM
auf 50 €, also nominal 50 Prozent weniger. Im nächsten
Schritt kommen wegen des Inflationsausgleiches wieder 50
Prozent (von 50 €) hinzu, das macht insgesamt 75 €. Falsch
wäre es, 50 Prozent Minus wegen der Währungsumstellung
mit 50 Prozent Plus aus dem Inflationsausgleich zu saldieren.
Dies ergäbe eine nominale Änderung von 0 Prozent. Dieser
Fehler wurde aber in der Praxis teilweise gemacht: Anstatt gestuft nach Rechenschritten vorzugehen, wurden teilweise
Prozentsätze mit unterschiedlichen Bezugsbasen saldiert.
In der Regel wurde eine nahezu konstante Fallzahlentwicklung (Argumente der Demographie und des ambulanten
Substitutionspotentials glichen sich aus) unterstellt und
sogar auf eine Fehlschätzungskorrektur verzichtet. Grundsätzliche Einigkeit bestand darüber, dass sich der InEKEffekt (bundeseinheitliche Bezugsgrößeneffekt plus landesspezifischer Katalogeffekt) basisfallwertsteigernd und
der Kodiereffekt basisfallwertabsenkend auswirken würde.
Über die Größenordnung dieser sich gegenteilig auswirkenden Effekte wurde heftig gerungen.
■ Fehler bei der Rechenmethodik
Neben der Größenordnung einzelner Effekte war auch die
Rechenmethodik ein Problem. Erhebliche Fehler entstehen,
wenn die Veränderungseffekte einfach saldiert und nicht
nach Rechenschritten getrennt ermittelt werden.
4. Hürde: Ermittlung des „Schonbetrages“
Bei sachlicher Analyse und sauberer empirischer Erhebung
zeigte sich, dass weder der InEK-Effekt noch die ausgabenwirksamen Kodier- und Leistungsstruktureffekte jeweils isoliert exakt zu ermitteln waren; von daher fehlt auch
ein eindeutiger Maßstab für eine Fehlschätzungskorrektur.
Es bedurfte einer wirklichkeitsnahen Schätzung. Der InEKEffekt dürfte sich dabei in einer länderspezifischen Größenordnung zwischen 4 und 7 Prozent und der entgegengesetzte ausgabenwirksame Kodier- und Leistungsstruktureffekt zwischen 0 und knapp über 2 Prozent bewegen. Eine
Fehleinschätzung ist offensichtlich in Hessen aufgetreten,
560
Die 4. Hürde, die Ermittlung des „Schonbetrages“, wäre
wiederum relativ leicht zu nehmen, da Fehlschätzungen im
Folgejahr berichtigt werden können. Tatsächlich gibt es aber
unterschiedliche Auffassungen zur Ermittlung des Schonbetrages, auf deren Bewertung an dieser Stelle verzichtet sei.
■ Beispielhafte Konkretisierung
Die 4 (Hürden-)Schritte können anhand der Werte aus Baden-Württemberg beispielhaft konkretisiert werden. Der
Ausgangswert von 2 926,90 € (siehe Abbildung 1) setzt auf
Landes-Basisfallwerte
7/2005
Abbildung 2: Vorläufige, vereinbarte und festgesetzte Landes-Basisfallwerte
dem Gesamtbetrag nach B1 10 (Aufstellung der Entgelte
und Budgetermittlung nach § 11 Absatz 4 KHEntgG) auf.
Dieser wurde durch berichtigungsfähige Tatbestände wie
Ausbildungskosten und § 6-Entgelte bereinigt. Das bedeutet eine Absenkung auf 2 738,93 €. Bei der Fortschreibung
ist die Veränderung des CMI die wichtigste Position.
Hauptsächlich die rechentechnische Veränderung durch
Bezugsgrößen- und Katalog-Effekt drückt den Basisfallwert nach oben. Schließlich führt die Kappung um den
„Schonbetrag“ zu einer Absenkung von rund 80 € nach
unten auf den vereinbarten Wert von 2 774,57 €.
■ Überblick über die Höhe
Der Überblick über die Höhe der Landesbasisfallwerte in
den Abbildungen 2 und 3 zeigt ein buntes Bild. Zu unterscheiden ist dabei zwischen 1. vorläufigen Werten, die vom
BMGS auf der Grundlage der FPV vom 12. Mai 2005 vorgegeben wurden – diese sind in schwarzen Balken darge-
Abbildung 3: Landes-Basisfallwerte im Überblick
stellt –, 2. vereinbarten Werten in grün,
zum Beispiel Brandenburg, wobei davon
auszugehen ist, dass diese vereinbarten
Werte von den Landesbehörden ausnahmslos genehmigt werden, und 3. von
der Schiedsstelle festgesetzten Werten
in rot. Inzwischen sind einige Schiedsstellenentscheidungen genehmigt, zum
Beispiel in Niedersachsen. Wie bei der
Genehmigung von umstrittenen Schiedsstellenfestsetzungen verfahren werden
wird, bleibt abzuwarten. Es ist nicht auszuschließen, dass gegen genehmigte
Festsetzungen oder gegen die Versagung
der Genehmigung Klage geführt werden
wird. Wegen der kalkulatorischen Unsicherheit, die sich über Jahre hinziehen
würde, wäre dies aber dann für alle Beteiligten ein Beschwernis. In Streitfällen
wäre es wünschenswert, dass es unter
der Moderation der Landesbehörde – die
ja mit dem mächtigen Institut der Genehmigung ausgestattet ist – zu einer nachträglichen Einigung
käme. Dies ist in Hessen gelungen, wo über einen politischen Kompromissvorschlag der Landesbehörde die
Schiedsstellenfestsetzung durch eine nachträgliche Vereinbarung der Vertragsparteien korrigiert wurde.
Die Spannweite der Werte beträgt 414,81 €. Dies würde
eine beachtenswerte Verringerung um 143,19 € gegenüber
der Streubreite der landesdurchschnittlichen Basisfallwerte 2004, gemessen an den Werten der Fallpauschalenverordnung 2005, bedeuten.
Es dürfte keine Frage sein, dass die Unterschiede in den
Landes-Basisfallwerten verschiedene Ursachen haben.
Zum einen haben bisher schon erhebliche Vergütungsunterschiede bei den landesdurchschnittlichen Basisfallwerten bestanden, nach Plausibilitätsrechnungen des Autors
betrugen die Unterschiede im Jahr 2004 mindestens
550 €. Zum anderen handelt es sich bei den vereinbarten
oder festgesetzten Werten um Nominalbeträge, deren reale Werte nicht ohne
Weiteres erkennbar sind. Es ist so wie
beim Vergleich des Realverdienstes
zweier Chefärzte bezüglich ihrer Bruttogehälter. Ein Bruttogehalt von 100 000 €
kann weniger sein als eines von 80 Tsd.
€, wenn es jeweils an unterschiedliche
Nebenverdienste, Ruhegehaltszusagen
und -geldwerte oder steuerliche Vorteile
gekoppelt ist. Dennoch begnügt man
sich vordergründig mit der Nennung des
Bruttoverdienstes, weil der Vergleich des
Beiwerkes nicht ganz einfach ist. Ebenso verhält es sich beim Landes-Basisfallwert.
■ Aussagefähigkeit der Ergebnisse
Einschränkungen in der Aussagefähigkeit sind – davon ausgehend, dass es
keine Verzerrungen des zugrunde lie561
7/2005
Landes-Basisfallwerte
genden Ausgabevolumens durch Schat- Abbildung 5: Rechnerische Auswirkung des „Schonbetrages“
tenbudgets, Nebenabreden zum „Z-Teil“
oder örtliche Zusatzvereinbarungen gibt
– vor allem durch folgende Faktoren gegeben:
● Die Aussagefähigkeit leidet erheblich
wegen der unterschiedlichen Schätzungen bei den Bereinigungstatbeständen,
hier weniger bei den Ausbildungsstätten,
wo erstaunlich viel Gleichheit – und eine
konstruktive Haltung der Krankenkassen
bezüglich der Ausbildungsfinanzierung –
zwischen den Ländern erkennbar ist;
mehr ins Gewicht fallen die § 6-Entgelte; hier schwanken die Bereinigungen
zwischen den Ländern um mehrere Prozentpunkte, was zu einem erheblichen
Teil auf Schätzfehlern beruhen kann,
aber nicht muss. Beispielsweise dürfte
der Anteil der § 6-Entgelte umso höher
liegen, desto höher der CMI und desto
höher der positive Patientenwanderungssaldo ist. Enorm
sind die Unterschiede bei den Kappungsbeträgen (siehe
weiter unten).
● Ein weiterer erheblicher Unterschied ergibt sich daraus,
ob Zuschläge für länderspezifische Versorgungskonzeptionen, beispielsweise für die Onkologie oder die Geriatrie,
ausgegliedert werden oder nicht.
● Die gravierendsten Unterschiede treten bei den Werten
zum Casemix-Index auf. Hier gibt es Differenzen von über
5 Prozentpunkten und damit rechnerisch Vergütungsdifferenzen von über 5 Prozentpunkten in der Zeitdauer der
Konvergenzphase. Soweit solche Differenzen nicht berichtigungsfähig wären und genehmigt würden, würden sie in
der Tat zu einer bedenklichen Vergütungsdifferenz führen.
Eindeutig dürfte allerdings sein, dass Schätz- und Argumentationsfehler beim Casemix einschließlich Casemix-Index für die Verhandlungsrunde 2006 erhebliche Konsequenzen haben werden.
Abbildung 4: Landes-Basisfallwerte vor und nach der Kappung
■ Vergleich vor und nach der Kappung
Eindeutig ist der Wert vor der Kappung aussagefähiger als
derjenige nach der Kappung, weil das Vergütungsniveau im
Land durch den Wert vor der Kappung bestimmt wird – unterstellt, dass die in die Fassung des 2. FPÄndG eingegangene Regelung über die Kappungsprozentsätze auf Dauer
tragfähig ist. Die Abbildungen 4 und 5 zeigen deshalb einen Vergleich der Landes-Basisfallwerte vor und nach der
Kappung. Es ergeben sich deutliche Unterschiede, die zwischen 123,89 € in Sachsen-Anhalt und 6,98 € im Saarland
reichen. Gerade diese unterschiedlichen Werte zeigen, wie
vorsichtig die Höhe der Landes-Basisfallwerte zu interpretieren ist.
Für die Unterschiede gibt es eine ganze Reihe verschiedener Erklärungsfaktoren. Für die Höhe des Kappungsbetrages ist zum einen die Verteilung maßgeblich. Wenn wenige
Häuser sehr extrem über der Kappungsgrenze liegen, begründet dies einen größeren Kappungsbetrag, als wenn viele Häuser nur knapp
über der Kappungsgrenze liegen. Zum
anderen schlagen sich in der unterschiedlichen Höhe auch unterschiedliche Schätzmethoden nieder. Darüber
hinaus hat bei der Entscheidung der
Schiedsstellen in Einzelfällen wohl auch
die Relation zu anderen Ländern eine
Rolle gespielt.
■ Umverteilung des Finanzierungsvolumens
Wie sich der Landes-Basisfallwert und
insbesondere die Kappung auf die Umverteilung des Finanzierungsvolumens
auswirken, zeigt Abbildung 6 beispielhaft. Das Zahlenbeispiel stammt aus
Baden-Württemberg und ist nicht ohne
Weiteres auf andere Länder übertragbar.
562
Landes-Basisfallwerte
Abbildung 6: Auswirkung des „Schonbetrages“
7/2005
die Kappung der Landes-Basisfallwert
nominal sinkt und deshalb nunmehr 19
Krankenhäuser über dem Basisfallwert
liegen, die ohne Kappung darunter lägen. Die Zahl der Verlierer-Krankenhäuser steigt somit von 88 auf 107 an. Zu
den Konvergenzverlierern treten die
Kappungsverlierer hinzu. Ferner gilt,
dass ein Teil der 88 Konvergenzverlierer
durch die Kappung mehr Geld verliert als
ohne die Kappung.
Symmetrische Verteilung
In der linken Säule ist dargestellt, wie die Umverteilung im
1. Konvergenzjahr aussähe, wenn es die Kappung nicht
gäbe. Es handelt sich hierbei jeweils um Schätzungen, bei
denen von den Basisfallwerten der Häuser aus dem Jahr
2004 ausgegangen wurde und fiktiv sowie streng schematisch vereinbarte Veränderungen der Landesebene eingerechnet wurden.
Ohne Kappung würde 2005 bei dem Konvergenzschritt von
15 Prozent ein Volumen von 37 Mio. € umverteilt, wobei
es 88 Verlierer und 130 Gewinner gäbe. Überraschend ist,
dass es ohne Kappung schon so viele Verlierer gäbe. Dies
ist darauf zurückzuführen, dass im System 2005 die Spreizung der Basisfallwerte geringer ausfällt als bisher, was in
diesem Punkt als Erfolg der Arbeit des InEK einzuschätzen
ist. Aus der Kappung resultiert ein „Schonbetrag“ von 23
Mio. €. Damit verringert sich das Umverteilungsvolumen
aber nicht von 37 Mio. € auf 14 Mio. €, sondern nur um 10
Mio. € auf 27 Mio. €. Dies erklärt sich daraus, dass durch
Abbildung 7: Verteilung der „Gewinner“ und „Verlierer“
Gegenüber der Vorstellung, dass nur
wenige Verlierer-Krankenhäuser viel
Geld auf viele Gewinner verteilen, haben
wir es anhand des Beispiels nunmehr
mit einer eher symmetrischen Verteilung
zu tun. 107 Verlierer geben an 111 Gewinner ab (empirische Basis 2004). Die
meisten Gewinner finden sich in der Größenklasse von 0
bis 1 Prozent. Bei den höheren Gewinnklassen ist es wie
beim Lotto, die Gewinnerzahl nimmt ab, desto höher der
Gewinn ist. Dies wird durch die tabellarische Aufstellung
(Abbildung 7) verdeutlicht. Die Verteilung in anderen Bundesländern kann sich erheblich von diesem Beispiel unterscheiden.
Während in der Klasse 0 bis 1 Prozent 41 Häuser vertreten
sind, ist die Klasse 4 bis 5 Prozent nur noch mit 3 Häusern
belegt, danach sogar nur noch mit 1 oder 2 Häusern. Reelle Gewinner sind nur die Häuser, die mehr als 2 Prozent
dazugewinnen. Wer weniger dazugewinnt, kann die laufenden Kostensteigerungen nicht ohne Weiteres auffangen.
Das Fazit an dieser Stelle, bezogen auf die empirische Verteilung eines Bundeslandes, lautet, dass vom DRG-System
in der jetzigen Phase nur 1/5 der Häuser finanziell profitiert.
Es gibt eine „Mittelschicht“, die damit wohl oder übel wie
bisher leben kann, dies sind die „Gewinner“ in der Größenklasse von 0 bis 2 Prozent. Der große Rest, das ist fast die
Hälfte, muss abgeben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es in 2005 nicht nur
um „Kleinigkeiten“ von bis zu 1 Prozent
des Budgets geht. Hinzu kommt die angestaute Unterfinanzierung durch die
BAT-Schere. Des Weiteren ist derzeit
noch nicht absehbar, inwieweit zusätzliche Finanzierungsverluste durch zu
niedrige Landes-Basisfallwerte eintreten.
☛ Damit stellt sich die schon eingangs
gestellte Frage: Ist das Spiel unentschieden ausgegangen oder wurde es verloren?
Gefährlich bei einem verlorenen Spiel
wäre, dass das Ausmaß einer Absenkung des Finanzierungsvolumens im
563
7/2005
Landes-Basisfallwerte
Abbildung 8: Ausgabenentwicklung für Krankenhäuser
ersten Konvergenzjahr nur zu einem Bruchteil, nämlich mit
15 Prozent, zum Tragen käme und der damit verbundene
langfristige Leidensdruck nicht ohne Weiteres spürbar
wäre.
sich spannende Duelle geliefert. Nicht
alle Schiedsrichterentscheidungen waren korrekt und haben insoweit wie beim
Profifußball erhebliche finanzielle Auswirkungen. Aus der Sicht der Krankenkassen konnte das Beitragstor aufgrund
der vorgegebenen Spielregeln geschont
werden. Die Verteilung des Finanzierungsmangels muss jetzt nicht mehr
über 2 000 Budgetverhandlungen einzeln, sondern kann zentral über 16 Ländervereinbarungen oder Festsetzungen
erkämpft werden.
Aus Sicht der Krankenhäuser hat die
Philosophie „Das Geld folgt der Leistung“ für das Jahr 2005 insgesamt gesehen keine Gültigkeit. Denn das Gesetz
hat die Schieflage, dass die Krankenhäuser nach den vorgegebenen Spielregeln insgesamt keinen Cent mehr an
Geld bekommen, wenn sie insgesamt
mehr leisten als im Vorjahr. Mehrleistungen insgesamt bedeuten weniger Geld pro Leistungseinheit. Vor dem Hintergrund der weiter bestehenden Gesamtbudgetierung ist es
irreführend, dieses System als „leistungsgerecht“ zu etikettieren.
Exakter „Spielausgang“ noch offen
Die Frage, ob das bisherige Finanzierungsvolumen gehalten werden kann oder ob es sinkt, kann durch die vorliegenden Ergebnisse in der Regel noch nicht beantwortet
werden. Wegen der vorläufigen Schätzgrößen sind keine
sicheren Aussagen möglich. Aussagefähiger wird hingegen
die weitere Entwicklung der GKV-Ausgaben für Krankenhausbehandlung sein.
Die Ausgabenentwicklung der GKV für Krankenhausbehandlung, gemessen pro Mitglied einschließlich Rentner
anhand der Statistik des BMGS, ist in den letzten 3 Jahren
tendenziell sinkend verlaufen. Von 3 Prozent in den ersten
3 Quartalen 2002 hat sie sich 2004 auf einem Niveau zwischen 1 und 2 Prozent stabilisiert. Der Einfluss des Landes-Basisfallwertes wird sich frühestens Ende 2005 niederschlagen, wobei einzelne Quartalswerte dann immer noch
wegen der Ausgleichszahlproblematik mit großer Vorsicht
zu interpretieren sein werden. Tendenziell wird die politische Beurteilung erheblich davon beeinflusst sein, ob ein
roter, gelber oder grüner Kurvenverlauf eintritt (siehe Abbildung 8). Rot bedeutet, das Spiel ist verloren; gelb bedeutet unentschieden. Grün wäre ein vermeintlicher Gewinn. Denn ein grüner Verlauf wäre für die Krankenhäuser
nur kurzfristig erfreulich. Er würde wahrscheinlich weitere
restriktive Maßnahmen des Gesetzgebers nach sich ziehen. Kurzfristige Liquiditätsvorteile der Krankenhäuser haben bisher immer mittelfristig restriktive Maßnahmen nach
sich gezogen.
Ausblick
Am Ende noch einmal einen Vergleich mit dem Fußball: Die
Akteure auf beiden Seiten haben wacker gekämpft und
564
Für 2006 ist eine Änderung vorgesehen. Die Veränderungsrate bezieht sich dann nicht mehr auf das Ausgabevolumen, sondern auf den Basisfallwert. Die Mengenkomponente wäre dann nicht mehr absolut gedeckelt.
Wenn dann noch durch gesetzliche Klarstellungen das
CMI-Gestrüpp beseitigt wäre, würden die Kliniken im Weltmeisterschaftsjahr 2006 ein besseres Spielfeld und bessere Spielregeln erreichen, um das für die Sicherstellung
einer leistungsfähigen wie wirtschaftlichen Krankenhausversorgung notwendige Spiel erfolgreich spielen zu können.
Bei dem abgedruckten Beitrag handelt es sich um eine aktualisierte und überarbeitete Fassung eines gleichlautenden
Vortrages auf dem 4. Nationalen DRG-Forum am 19. Mai
2005 in Berlin – Überarbeitungsstand 26. Juni 2005.
Anschrift des Verfassers:
Dr. Josef Siebig,
Verbandsdirektor der Baden-Württembergischen
Krankenhausgesellschaft e.V.,
Birkenwaldstraße 151,
70191 Stuttgart ■
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Seele and Geist
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