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Halt mich fest - Kerstin Böttger

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10 2014 • Hessisches Ärzteblatt
Junge Ärzte
Forum junge Ärztinnen und Ärzte
„Ich hatte einfach
nur Glück“
Im Gespräch mit Dr. med. Florian Geßler
Bescheidenheit ist eine Tugend – wie Dr. MRT, Mikroskopen, feinsten Instrumentamed. Florian Geßler zeigt: Mit gerade ein- rien, im OP haben wir sogar ein zusätzliches
mal 29 Jahren hat er bereits mehrere Aus- kleines MRT. Vielleicht ist das so eine
zeichnungen und Preise erhalten. Doch „Jungssache“, aber es fasziniert mich, am
darauf bildet sich der gebürtige Hannove- Computer zu sitzen und auszutüfteln, zum
raner nichts ein, im Gegenteil. Ruhig und Beispiel von welcher Seite man am besten
sympathisch tritt er auf. Seine Augen leuch­ an den Tumor rangehen sollte.
ten, wenn er von seiner Arbeit erzählt. Darin liegt wohl der Schlüssel für den Erfolg: Es ist also ein eher technisches und nicht
Begeisterung für sein Fach.
so sehr patientenbezogenes Fach?
Geßler: Die Patientenbetreuung ist sehr
wichtig! Forschung, Lehre und Klinik – alles
gehört dazu und das ist auch gut. Denn
dadurch wird die Arbeit erst spannend. So
sieht es ja auch das Humboldt’sche Bildungsideal vor, von dem ich selbst auch
überzeugt bin.
Dr. med. Florian Geßler
Wie kamen Sie zur Neurochirurgie?
Geßler: Auf der Suche nach einer Doktorarbeit haben mich die Neurochirurgen
schlicht am freundlichsten aufgenommen.
Die Leute waren mir persönlich sympathisch.
Hinzu kam, dass das Thema sich sehr inte­
ressant anhörte. Ich habe dann während
des Studiums mit der Doktorarbeit begonnen.
Die Neurochirurgie fand ich aber auch bereits während einer Famulatur sehr spannend. Es ist ein relativ neues Fach, das es
noch nicht so lange gibt. Es ist sehr personalund apparativ aufwendig. Wir arbeiten mit
Haben Sie Tipps, wie man bei der Suche
nach einer Doktorarbeit vorgehen sollte?
Geßler: Wenn man mit dem Medizinstudium
anfängt, weiß man vorher nicht, wie es ist,
Arzt zu sein. Genauso weiß man vorher
nicht, ob die Auswahl der Doktorarbeit die
richtige ist. Bei mir war es reine Glücks­
sache. Häufig wird einem viel versprochen,
und auch wenn ein Thema spannend klingt,
weiß man nicht, worauf man sich eigentlich
einlässt. Viele ehemalige Kommilitonen
haben ihr Promotionsthema bis zu dreimal gewechselt, weil die Versprechungen
zu Beginn doch nicht eingehalten wurden,
oder das Thema sich doch nicht als so
vielversprechend und interessant herausgestellt hatte.
Sie sind mitten in der Facharztweiterbildung. Für Ihre Forschungsarbeit haben Sie
nun ein von dem Gates Cambridge Trust
finanziertes Stipendium für die University
of Cambridge erhalten und gehen bald
nach England. Wie lässt sich das miteinander vereinen?
Geßler: Ich bin im vierten Jahr der Weiterbildung. Während meiner Zeit in England
werde ich entweder die Weiterbildung auf
Eis legen müssen oder versuchen, sozusagen zwischendurch mit dem Facharzt weiterzukommen. Das muss ich noch gemeinsam mit meinem Chef austüfteln, der mich
bei allem sehr unterstützt. Er hat mir auch
zugesichert, dass ich jederzeit auf meine
Stelle hier zurückkehren kann. Das ist natürlich eine große Hilfe.
2013 wurde Dr. med. Florian Andreas Geßler sowohl mit dem Förderpreis des Burse e.V. für herausragende wissenschaftliche Leistungen in Höhe von 3000 Euro als auch mit dem Alumni-Promotionspreis des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität Frankfurt in Höhe von 1000 Euro
ausgezeichnet. Im Rahmen seiner Doktorarbeit entdeckte er, dass das Protein mit dem Namen
Tissue Factor (TF) für das Wachstum von Glioblastomen mitverantwortlich ist. Basierend auf
dieser Erkenntnis konnte Geßler außerdem einen Antikörper identifizieren, durch den das Tumorzellwachstum deutlich reduziert werden kann.
Als einer von 95 Wissenschaftlern aus insgesamt 27 Ländern erhielt Geßler 2014 ein Vollstipendium der Bill-und-Melinda-Gates-Förderung. Das mehrjährige Stipendium wird er im Oktober an
der University of Cambridge antreten.
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10 2014 • Hessisches Ärzteblatt
Junge Ärzte
Was muss man tun, um an ein solches Stipendium zu kommen?
Geßler: Naja, laut Aufnahmebedingungen
muss man hervorragende akademische
Leis­tungen, Führungspotential und den Wil­
len, das Leben anderer Menschen zu verbessern, vorweisen. Letzteres war bereits
dadurch erfüllt, dass ich Medizin studiert
habe. Ansonsten muss man nur ein klein
wenig aus der Masse herausstechen und
z.B. auch Engagement neben Studium und
Beruf zeigen. Ich war z.B. Assistentenspre­
cher in unserer Klinik. Das ist ähnlich wie
in der Schule der Klassensprecher, also
eine Verbindung zwischen Assistenten
und dem Klinikdirektor. Die meisten versuchen erst gar nicht, sich auf solche Stipendien zu bewerben, dabei ist das gar
nicht so schwierig und man sollte sich
nicht abschrecken lassen. Das Bewerbungs­
verfahren hat sich dann ca. ein halbes Jahr
hingezogen. Dreimal wurde ich nach England zum Interview bestellt.
Was verändert sich nun für Sie und wie
geht es weiter?
Geßler: Geforscht habe ich bisher außerhalb der Arbeitszeiten, also entweder im
Anschluss oder am Wochenende. Das ist
ganz normal, aber trotzdem nicht immer
einfach, wie jeder sich vorstellen kann. Das
Stipendium ermöglicht mir, dass ich mich
komplett sorgenfrei auf die Forschung konzentrieren kann. Ich werde meine Arbeit zu
Hirntumoren fortsetzen und mich vor allem
der Frage widmen, ob Tumorzellen immunologisch beeinflusst werden können.
Ansonsten freue ich mich, nach zehn Jahren in Frankfurt, auf die Herausforderung,
in einem anderen Land zu leben. Meine
Freundin kann mich zum Glück nach England begleiten.
Interview: Maren Grikscheit
47. Hessischer
Internistentag 2014
Freitag, 31. Oktober 2014
14 – 18 Uhr
Workshops
19 – 22 Uhr
Berufspolitischer Abend
„Missbrauch der Qualitätsdiskussion
in Praxis und Krankenhaus“
Samstag, 1. November 2014
9 – 18 Uhr
Uni-Campus Westend, Frankfurt
Vorträge & Diskussionen
• Kardiologie
• Gastroenterologie
• Nephrologie/Hypertensiologie
• Angiologie
• Infektiologie
• All. Innere Medizin
Weitere Informationen und Anmeldung
unter: www.hessischer-internistentag.de
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Seele and Geist
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