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1 Wie kann anhand der Regimetheorie das

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Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Lehrstuhl für internationale Beziehungen
Proseminar zur internationalen & europäischen Politik
Alexander Schäfer, 3. FS Anglistik / Politikwissenschaft
Dipl. –Pol. Axel Obermeier
30.05.2013
Block I Regimetheorie
Wie kann anhand der Regimetheorie das Zustandekommen des
Nordamerikanischen Freihandelsabkommens erklärt werden?
1. Einleitung
In vielen Teilen der Welt, sei es in Südamerika mit der MERCOSUR oder in
Asien mit der ASEAN, entstanden in der Vergangenheit Freihandelszonen, in
denen sich Staaten zwecks einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit
zusammenschlossen. So geschah es auch auf dem nordamerikanischen
Kontinent, auf welchem sich Kanada, Mexiko und die Vereinigten Staaten von
Amerika mit Inkrafttreten des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
am 01. Januar 1994 zu einem großen Handelsblock formierten (vgl. BörsenZeitung 1995). Die Formation dieses Handelsblocks stellt ein Beispiel für
trilaterale Kooperation dar.
Gegenstand
dieses
Essays
ist
dahingehend
die
Frage,
wie
das
Zustandekommen eben jenes Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
zwischen den drei oben genannten Staaten mithilfe der Regimetheorie erklärt
werden kann. Hierbei wird jedoch ausschließlich auf den wirtschaftlichen Teil
dieses Abkommens eingegangen.
Die Ende der 1970er beziehungsweise Anfang der 1980er Jahre entstandene
Regimetheorie ist ein Ansatz in den internationalen Beziehungen, den Robert
O. Keohane maßgebliche prägte (vgl. Zangl 2010). Diese Theorie versucht,
zwischenstaatliche Kooperation und damit die Bildung von internationalen
Regimen zu erklären.
Anschließend an diese Einleitung wird im Theorieteil die Regimetheorie
präzise erläutert. Dem folgt die Präsentation des empirischen Beispiels,
anhand welchem versucht werden soll, die Theorie zur Anwendung zu
bringen.
1 2. Die Regimetheorie
Die dem Neoinstitutionalismus nahestehende Regimetheorie ist ein Resultat
der Auseinandersetzung Keohanes mit dem in Ihrer Entstehungszeit in
diesem Politikfeld vorherrschenden Neorealismus, mit welchem sie gewisse
Grundannahmen teilt. Zu diesen zentralen Annahmen gehören die Staaten
als wichtigste Akteure der internationalen Politik, deren Agieren in
anarchischen Strukturen sowie das rationale Verfolgen eigener Interessen
(vgl. Zangl 2010). Die Staaten folgen damit nur ihrem eigenen Nutzen und
streben nach absoluten Gewinnen.
Da die Bildung von Regimen in dieser Theorie die abhängige Variable
darstellt, ist es zum allgemeinen Verständnis unabdingbar, den Regimebegriff
näher
zu
erläutern.
problemfeldbezogene
Internationale
Institutionen.
Im
Regime
sind
Unterschied
zu
spezifische,
internationalen
Organisationen, wie beispielsweise den Vereinten Nationen, stellen Regime
jedoch keine eigenständigen Akteure dar (vgl. Zangl 2010). Die bekannteste
Begriffserklärung
stammt
von
Stephen
D.
Krasner,
der
Regime
folgendermaßen definiert:
„International regimes are implicit or explicit principles, norms, rules and
decision-making procedures around which actors’ expectations converge in a
given area of international relations“ (Krasner 1982:186).
Regime sind ein konkretes „Outcome“1 der Kooperation von Staaten. Sodann
stellt sich die Frage, warum es überhaupt zu internationaler Kooperation
kommt. Dies liegt daran, dass es im gemeinsamen Interesse von Staaten
liegt,
aus
komplexen
Interdependenzbeziehungen
resultierende
Kooperationsprobleme zu lösen (vgl. Zangl 2010), was ebenfalls aus der
Definition Krasners hervorgeht. Interdependenz und damit ein gemeinsames
Interesse an der Problemlösung sind demnach Grundvoraussetzungen für die
Regimebildung.
1 „Outcome“ ist in diesem Falli sinngemäß gleichzusetzen mit „Ergebnis“. 2 Sind jene erfüllt (nämlich wenn sie sich in Situationen strategischer
Interdependenz befinden), nehmen Staaten in einem System von Anarchie2
eine Kosten-Nutzen-Analyse vor. Hierbei spielt die Interdependenzdichte als
unabhängige Variable sowie die Anzahl der Staaten eine entscheidende
Rolle. Je höher die Interdependenzdichte ist, desto größer ist der Nutzen und
je weniger Staaten beteiligt sind, desto niedriger sind die Kosten einer
Regimebildung (vgl. Zangl 2010). Anders ausgedrückt lässt sich sagen: je
höher der Nutzen und je niedriger die Kosten einer Kooperation für Staaten
sind, desto wahrscheinlicher kommt es zur Bildung eines Regimes.
Der Nutzen von Regimen für Staaten liegt hierbei besonders in der
Verringerung von Transaktionskosten bei Kooperation, wodurch sich auch die
Erwartungshaltungen
für
die
Einhaltung
derartiger
Vereinbarungen
stabilisieren (vgl. Zangl 2010).
Jedoch ist ein „Regimebedarf [...] nicht einfach objektiv gegeben; er muss
wahrgenommen und politisch artikuliert werden.“ (List 2007). Aus diesem
Grunde
entstehen
aus
dem
wahrgenommenen
Interesse
an
einer
Kooperation erst bi- oder multilaterale Verhandlungen, die letztendlich im
Abschluss einer zwischenstaatlichen Kooperationsvereinbarung und damit
der Bildung eines internationalen Regimes gipfeln.
3. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA)
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (englisch abgekürzt NAFTA,
North American Free Trade Agreement) ist ein Abkommen, welches eine
Freihandelszone
zwischen
den
eingangs
bereits
erwähnten
drei
nordamerikanischen Staaten USA, Kanada und Mexiko schuf (vgl. NAFTA
1994: Artikel 101).
Das Ziel dieser neuen Freihandelszone war die Erleichterung des Handels
und Investitionsflusses zwischen den Mitgliedsländern (vgl. Muscat 2008).
Hierfür sollten unter anderem Handelsbarrieren, wie beispielsweise Zölle,
2
Anarchie bedeutet in diesem Kontext das Fehlen einer durchsetzungsfähigen
Kontrollinstanz.
3 abgebaut und fairer Wettbewerb ermöglicht werden (vgl. NAFTA 1994: Artikel
102).
4. Analyse des empirischen Beispiels
Mithilfe der Regimetheorie gilt es nun, das Zustandekommen des
Nordamerikanischen Freihandelsabkommens zu erklären.
Schon
lange
bevor
die
NAFTA
in
Kraft
trat,
bestanden
starke
Handelsverflechtungen zwischen den drei Staaten. Bereits 1989 schlossen
die USA und Kanada ein erstes Freihandelsabkommen namens CUFTA,
Canada-United States Free Trade Agreement (vgl. Weintraub 2004). Die
CUFTA sollte später unter Einbeziehung Mexikos in der NAFTA aufgehen
(vgl. Pennig 2003).
Die in der Realität bestehenden starken Handelsverflechtungen und das
damit einhergehende Konvergieren der Interessen zwischen den drei Staaten
entsprechen dem theoretischen Konzept einer hohen Interdependenzdichte.
In diesem Fall ist zudem eine im Vergleich zu anderen Freihandelsabkommen
geringe Anzahl an Staaten gegeben, die ihre Kosten und Nutzen einer
möglichen trilateralen Kooperation kalkuliert, wobei sich diese Kalkulation
aufgrund der bereits bestehenden bilateralen Freihandelszone weniger auf
die CUFTA-Staaten untereinander als auf eine Kooperation jener mit Mexiko
bezieht. Für die USA überwiegt hierbei der Nutzen, da das Interesse an einer
Kooperation nicht ausschließlich wirtschaftliche, sondern auch diplomatische
Gründe hatte. Mexiko zielte auf einen Anstieg ausländischer Investitionen ab,
vor allem aus den USA (vgl. Weintraub 2004).
Ein gemeinsames Interesse an Kooperation bestand zwischen den Staaten
und es stellte sich für alle Vertragsparteien eine positive Kosten-NutzenKalkulation ein. Daraufhin wurden Verhandlungen aufgenommen, die im
Herbst 1992 erfolgreich zum Abschluss gebracht wurden (vgl. Scheerer
2004). Mit dem zwischenstaatlichen Vertrag entstand das NAFTA-Regime.
Da das Nordamerikanische Freihandelsabkommen vor seiner Einführung
durchaus umstritten war, ist es sinnvoll, zu dessen Bewertung eine Statistik
zu Rate zu ziehen. Lag das Warenhandelsvolumen zwischen den USA,
4 Kanada und Mexiko 1993 noch bei 303,823 Milliarden US-Dollar, hat es sich
nach Inkrafttreten von NAFTA bis 2002 auf 625,771 Milliarden US-Dollar mehr
als verdoppelt (vgl. Weintraub 2004, Tabelle 1). Gemessen hieran ist die
NAFTA ein Erfolg und der von der Regimetheorie besagte Nutzen für die
Staaten überwiegt deutlich. Die Kooperation zahlt sich aus und hält dauerhaft
an.
5. Fazit
Die Regimetheorie ist mit ihrer Herleitung durch die Interdependenzdichte als
unabhängige Variable der zurzeit vorherrschende Ansatz, um die Bildung
eines Regimes plausibel zu erklären. Doch internationale Kooperation kann
sich auf vielen verschiedenen Wegen einstellen und auch die Regimetheorie
bietet nicht immer eine zufriedenstellende Antwort.
Bei unserem empirischen Beispiel hingegen scheint sie als ein sehr
geeigneter Ansatz, um das Zustandekommen der NAFTA aufzuzeigen. Die
unabhängige Variable „Handelsverflechtung“ führt zu einer weitreichenden
Kooperation und letztlich zur Bildung eines Regimes. Zum 01.01.2014 jährt
sich die Formation eines der größten Handelsblöcke zum zwanzigsten Mal.
Experten ziehen, abgesehen vom reinen Handelsvolumen, insgesamt eine
gemischte Bilanz.
Zurzeit gibt es jedoch sogar Bestrebungen, die Kooperation noch weiter zu
vertiefen, indem man die Freihandelszone auf weitere Staaten in Mittel- und
Südamerika ausweitet bzw. eine weitere zwischen den USA und der EU
etabliert. Ein gemeinsames Interesse scheint demnach vorhanden zu sein
und möglicherweise lässt sich bald die Bildung eines weiteren Regimes
beobachten.
5 Literaturverzeichnis
•
Börsen-Zeitung (1995): Nafta zieht positive Bilanz; Starke Ausweitung
des Handels – Kongress in Frankfurt; 06.07.1995, Nr. 127; S.21.
•
Krasner,
Stephen
D.
(1982):
Structural
Causes
and
Regime
Consequences: Regimes as Intervening Variables, in: International
Organization 36:2, 185-205.
•
List, Martin (2007): Regimetheorie, in: Benz, Arthur / Lütz, Susanne /
Schimank, Uwe / Simonis, Georg (Hrsg.): Handbuch Governance
VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 226-239.
•
Muscat, Sabine (2008): Die Nordamerikanische Freihandelszone Nafta
bleibt umstritten; Welt am Sonntag, Rubrik Wirtschaft, S.33 Heft
10/2008.
•
NAFTA (1994): North American Free Trade Agreement, Articles 101 –
102; Nachzulesen beim amerik. Büro des NAFTA Sekretariats unter:
http://www.nafta-sec-alena.org/en/view.aspx?conID=590&mtpiID=ALL
(Stand 28.05.2013).
•
Pennig, Lars (2003): Infoblatt NAFTA, in: Geographie Infothek: Handel,
Organisationen
–
Wirtschaft;
Klett;
Einzusehen
unter:
http://www2.klett.de/sixcms/list.php?page=geo_infothek&article=Infobla
tt+NAFTA&node=Handel%2C+Organisationen++Wirtschaft%2C+%27Organisationen+-+Wirtschaft%27
(Stand 30.05.2013).
•
Scheerer, Georg (2004): Zehn Jahre NAFTA: Bilanz und Perspektiven;
Diskussionspapier
der
Forschungsgruppe
Amerika,
Stiftung
Wissenschaft und Politik (SWP Berlin).
•
Weintraub, Sidney (2004): NAFTA’s Impact on North America: The
First Decade, Center For Strategic And International Studies,
Washington, D.C., The CSIS Press, S. 3-7.
•
Zangl, Bernhard (2010): Regimetheorie, in: Schieder, Siegfried /
Manuela Spindler (Hrsg.): Theorien der Internationalen Beziehungen
Opladen: Leske + Budrich, S. 131-157.
6 Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Weintraub, Sidney (2004): NAFTA’s Impact on North America: The
First Decade, Center For Strategic And International Studies,
Washington, D.C., The CSIS Press, S. 6.
Absolute Level of Total Merchandise Trade, 1993 and 2002 (millions of dollars)
______________________________________________________________________________________
Trade
1993
Percentage
Growth
2002
Intra-NAFTA
303,823
625,771
106
NAFTA with rest of world
535,682
761,510
42
______________________________________________________________________________________ Sources: U.S. Census Bureau, Foreign Trade Division; Secretaria de Economía de México; Banco de México; and Statistics Canada.
7 
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