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Gewusst wie – gewusst wo - IG Spalenvorstadt

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Inhalt
2
Das Geschäfts-Porträt
Bücher Ganzoni
Isabelle Hof
3
Das Geschäfts-Porträt
Haute Couture
Brigitte Ditzler
4
Persönlichkeiten
Dr. iur. Lukas Faesch
5
Vereine im Quartier
Das Kinderbüro Basel
6
Inserate
7
Historisches
Woher der Name
Schönbeinstrasse
kommt
8
Besonderheiten im
Quartier
Die Universitätsbibliothek
9
Brauchtum
Jüdische Fest- und
Feiertage im Herbst
10
IG Spalentor
11
IG Spalenvorstadt
12
Schlusspunkt
Ausgabe 13 / September 2010
Gewusst wie – gewusst wo
Spalenvorstadt
Unter diesem Motto beteiligt sich die Spalenvorstadt am ’Fest der
Wissenschaften’ anlässlich der 550-Jahrfeier der Universität Basel.
Am Petersplatz und am Petersgraben, der sich als Flaniermeile präsentieren wird,
gibt es drei Tage lang, vom 17. bis zum 19. September 2010, für Gross und Klein allerlei zum Thema Wissenschaft zu entdecken und aktiv mitzumachen.
Die älteste Universität der Schweiz richtet ein grosses Fest aus, das den Besucherinnen und Besuchern faszinierende Einblicke in die Welt der Wissenschaft bietet. Im Rahmen des begleitenden Musik- und Unterhaltungsprogramms treten nationale Pop- und Showgrössen auf. Zur Unterhaltung tragen Fasnachtscliquen, Vereine und Zünfte bei, die auch für das leibliche Wohl der Gäste besorgt sind. Ein spezielles Programm für Kinder ist ebenfalls vorgesehen.
Kurzum:
Ein Fest bewegt Basel und die Region. Viele tausend Besucher werden erwartet.
Die Spalenvorstadt ist gerüstet: Seit dem 14. August, dem Tag der offenen Tore,
verbindet ein Roter Faden (ein rotes Band), der von Schaufenster zu Schaufenster
läuft, die Geschäfte und Restaurants. Der Rote Faden zieht sich auch durch den
farbig gedruckten Flyer, auf dem die der IG Spalenvorstadt angeschlossenen Spezialgeschäfte mit einem Fotostreifen aufgelistet sind. Am Samstag, 16. September geben einige von ihnen outdoor Einblick in ihre handwerkliche Tätigkeit.
Die rund 400 Meter lange Spalenvorstadt hat aber auch Einiges zu bieten an
historisch bedeutender Bausubstanz: Auf einem Flyer, der verteilt wird und in jedem Geschäft aufliegt, sind die bekanntesten Bauten abgebildet und kurz beschrieben: das Spalentor, das gotische Wohnhaus ’Zum Kempfen’ (Nr. 30), das Mueshuus,
das Haus zur Krähe und der Holbein-Brunnen.
Für die Verpflegung sorgen am Samstag die Restaurants, Take-Aways und tagsüber auch die Bäckereien. Beim kleinen Platz vor den Medizinischen Laboratorien
Rothen ist ein Stand mit allerhand Süssigkeiten platziert. Und erholen vom grossen
Festbetrieb rund um den Petersplatz können Sie sich in der eigens eingerichteten
’Baiz’ beim Spalen-Brunnen.
Als besondere Attraktion werden Sie eine Stellwand vor dem Spalentor finden,
auf deren Vorderseite eine lebensgrosse Reproduktion des Bildes zu sehen ist, das
der Basler Maler Hieronymus Hess 1831 von den damals bekannten Stadtoriginalen
Niggi Münch und Boppi Keller gemacht hat. Das Besondere an dieser Stellwand ist,
dass Kinder und Erwachsene ihren Kopf durch eine ausgesparte Öffnung stecken
und sich dabei fotografieren lassen können.
Sie werden eine farbenfrohe Spale antreffen, ebenso farbenfroh wie die 13. Ausgabe der SpaleZytig! (ur.)
Das Geschäfts-Porträt
SpaleZytig
Bücher Ganzoni
Die vielseitige und kundenfreundliche Buchhandlung in der Spale
Wer wachen Auges an der Buchhandlung vorbeikommt, entdeckt in zwei grossen Fensterfronten –
’Bücher Ganzoni’ liegt an der Ecke Spalenvorstadt / Schützengraben – kleine, aber feine Ausstellungen zu Neuerscheinungen. Aber auch aktuelle Themen können anhand der Buchumschläge
’besichtigt’ werden, beispielsweise diesen Sommer Südafrika (Stichwort Fussball-WM) oder im
Herbst das Jubiläumsfest der Universität.
Möchten Sie wieder mal ein ’gutes’ Buch lesen, richtige Literatur, um bei der nächsten Diskussion im Bekanntenkreis mithalten zu können? Planen Sie demnächst eine grössere Reise und möchten sich vorbereiten, mittels Reiseführer und Karte? Wollen Sie in
Philosophie oder Psychologie Ihre Kenntnisse auf den
neuesten Stand bringen? Brauchen Sie Fachbücher
zu geschichtlichen oder politischen Fragen? Dann
sind Sie bei der Buchhandlung Ganzoni an der richtigen Adresse. Speziell gepflegt werden aber auch Kinderbücher, Krimis, Kochbücher und Hörbücher. Auf
das Jahresende hin wird zudem eine reichhaltige
Auswahl an Kalendern angeboten. Selbstverständlich
sind auch die übrigen Fachgebiete vertreten, und was
nicht an Lager ist, kann in kurzer Zeit bestellt werden. Auch erhältlich sind besondere Ansichtskarten,
vor allem solche mit Pflanzenmotiven aus dem Botanischen Garten vis-à-vis.
Wenn Sie die Buchhandlung betreten, können Sie
in der reichhaltigen Auslage stöbern und Entdeckungen machen oder die fachkundige Beratung von Isabelle Hof und ihrem Team in Anspruch nehmen.
Die aufmerksamen Leserinnen und Leser der
SpaleZytig wissen (Ausgabe 2, Dezember 2007), dass
Isabelle Hof damals die Buchhandlung Ganzoni vom
Ehepaar Ruth und Ueli Ganzoni übernommen hat.
Sie legt aber Wert auf die Feststellung, dass sie geAusgabe 13 / September 2010
4051 Basel
Spalenvorstadt 45
Tel. 061 261 32 72
meinsam mit ihren erfahrenen Mitarbeiterinnen den
Dienst am Kunden versieht. Valérie Meyer arbeitet
seit 13 Jahren bei ’Bücher Ganzoni’, Christa Brunner seit 15 Jahren. Für die ’Literarischen Apéros’
stösst auch Therese Röthlisberger dazu.
„Fachkundig beraten“ bedeutet für die drei Buchhändlerinnen, eine Fülle von Vorarbeiten zu leisten:
intensive persönliche Lektüre aus möglichst vielen
Sparten, Studium der Verlagsempfehlungen, eine gezielte Auswahl aus dem riesigen Angebot treffen und
Sortimentsbestellungen aufgeben. Bei etwa 90 000
bis 100 000 Neuerscheinungen im Jahr eine anspruchsvolle Aufgabe! Je nach Jahreszeit sind übrigens um die 3 000 Titel bei ’Bücher Ganzoni’ vorrätig.
Diese hohe Zahl erstaunt, wo doch immer wieder
der Abgesang des Buchhandels angestimmt wird. Die
drei Fachfrauen klagen aber nicht über sinkende Verkaufszahlen, die Konkurrenz durch die elektronischen Medien oder über lieblos gemachte Bücher. Sie
sind mit Kompetenz und Begeisterung tätig in einer
kleinen Buchhandlung und schätzen es besonders, alle Arbeitsschritte zu tun, vom Auspacken über das
Beraten und Verkaufen bis zum Aufräumen.
Mehrmals im Jahr lädt die Buchhandlung Ganzoni zum ’Literarischen Apéro’ ein. Thema kann eine
Buchvorstellung durch den Autor/die Autorin sein
oder ein Themenabend, je nachdem auch mit Zuzug
von Fachleuten. Anschliessend bleibt üblicherweise
Zeit für Fragen und Gespräche. Es sei auf zwei kommende Abende im November hingewiesen: Am 4. November stellt Marlis Pörtner ihr Buch ’Alte Bäume
wachsen noch. Neue Erfahrungen in späten Lebensjahren’ vor. Und am 25. November stellen Christa
Brunner, Isabelle Hof, Valérie Meyer und Therese
Röthlisberger (’gelesen und ausgelesen’ – unser Team
empfiehlt) ihre persönlichen Favoriten unter den
Neuerscheinungen vor.
A propos Beratung: Eine Fülle von Buchtipps bietet auch die Homepage an. Unter ’Büchertipps’ werden etwa acht Bücher ausführlich besprochen, mit Inhaltsangabe und persönlicher Bewertung. Aktuell
werden empfohlen: ein Roman über das Leben in einem Dorf in der Normandie, ’Wie die Holländer das
Meer besiegten’, zwei Krimis oder ein Roman über eine türkische Journalistin, die eine kurdische Gefangene interviewt ’Der schmale Pfad’. Die zusätzliche
Dienstleistung besteht darin, dass vergangene Empfehlungen – im ’Tipparchiv’ gesammelt – eingesehen
werden können. So können wir uns zuhause 175 informative Buchbesprechungen zu Gemüte führen.
Lesen Sie wieder einmal! Versuchen Sie Ihr
Glück bei ’Bücher Ganzoni’! Sie werden bestimmt mit
der Ihnen zusagenden Lektüre eilends nach Hause
gehen! (bu.)
Seite 2
Das Geschäfts-Porträt
25 Jahre Haute Couture Brigitte Ditzler
Meilensteine einer Erfolgsgeschichte
SpaleZytig
4051 Basel
Spalenvorstadt 28
Tel. 061 261 02 96
1985 las man in der Presse: Am Basler Haute Couture-Himmel ist ein neuer Stern aufgegangen. Damals
begann Brigitte Ditzler ihre Modekarriere an der Sternengasse mit fünf Kundinnen.
Heute ist der kreative Stern aus der Basler
Modeszene (besser gesagt aus der Spalenvorstadt
28) nicht mehr wegzudenken. Brigitte Ditzler zählt
zu den führenden Designerinnen der Nordwestschweiz. Sie blickt in diesem Jahr mit Zufriedenheit
und einem gewissen Stolz auf 25 Jahre Haute Couture zurück. Ihr Ideenreichtum, gepaart mit der
Liebe zum Detail, hat wesentlich zu ihrer Erfolgsgeschichte beigetragen.
Zu den besonderen Highlights ihrer Modekarriere zählen ohne Frage der ’Mode-Weltkongress’ in
Valencia, wo sie berauschende und glanzvolle
Abendmode präsentierte; die Sonderschau ’Design
Muba’ an der Messe Basel und die ’DesignerModeschau’ des Basler Gewerbeverbandes im Musical-Theater (1997). Dies sind einige Meilensteine
von Haute Couture Brigitte Ditzler.
Zum Event im Musical-Theater schreibt Riccarda Schön in der BaZ : „Zum ersten Mal zeigten zehn
Basler Designerinnen und Designer im Foyer des
Musical-Theater der Messe Basel ihre neusten Sommerkreationen zum Ausgehen, fürs Theater oder für
rauschende Feste. Über vierhundert begeisterte Zuschauer genossen das restlos ausverkaufte Modedefilee und erfreuten sich über raffinierte CoutureKleider aus Samt, Seide und Spitze... Couturière
Brigitte Ditzler mit ihrem Atelier in der Spalenvorstadt teilte ihr Programm in drei Teile: Nachmittags
-, Cocktail- und Abendmode. Sie liebt feminine Tailleurs und raffinierte Details wie besondere Knöpfe,
Gürtel und strassbesetzte Reissverschlüsse. Bei ihr
lohnt sich immer ein zweiter Blick, denn irgendwo
ist das raffinierte Detail, das aus ihren Kreationen
etwas ganz Besonderes macht, etwa der vanillefarbene Hosenanzug, der mit einer Spitzenjacke kombiniert wird. Beim genaueren Hinschauen entpuppt
sich die Spitze als weicher Bast.“
Auch nach 25 Jahren Schaffen in der Modewelt
steckt Brigitte Ditzler noch voller Ideen und Tatendrang. Sie lässt sich von prächtigen Stoffkollektionen inspirieren und verarbeitet edelste Stoffe zu femininen Kreationen mit effektvollen, handwerklich
herausragenden Details. Ihr Markenzeichen sind
nach wie vor „die richtigen Knöpfe am richtigen –
nicht selten ungewöhnlichen – Ort“. Sie versteht es, mit Nähten Akzente zu setzen und so die Weiblichkeit ihrer
Kollektionen zu verstärken. Dabei wird sie im Nähatelier tatkräftig von zwei qualifizierten Mitarbeiterinnen
und einer Lernenden unterstützt.
Der alljährliche exklusive Mode-Apéro in ihrem Haute Couture Geschäft ist mittlerweile Tradition geworden. Die ’Hohe Schneiderkunst’ muss nicht ums Überleben fürchten: Mode ist, was die Kundin trägt.
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums erwartet Sie am 11. Oktober 2010 ein Mode-Event besonderer Art. Reservieren Sie sich dieses Datum. Wenn Sie mehr erfahren wollen, vereinbaren Sie einen Termin. Brigitte Ditzler
freut sich auf Sie! (TD)
Ausgabe 13 / September 2010
Seite 3
Persönlichkeiten im Quartier
SpaleZytig
Strafgerichtspräsident Dr. iur. Lukas Faesch
Ein ’Spalemer’ mit Leib und Seele
Der Zeitpunkt meiner Anfrage wegen eines Termins für dieses Interview war für den vielbeschäftigten Strafgerichtspräsidenten Lukas Faesch
nicht optimal, aber er sagte zu, ohne mich auf die
Warteschlaufe zu dirigieren. Diese Reaktion ist typisch für den sympathischen ’aufgestellten’ Mitbürger. Er versteht es, auf die Menschen zuzugehen, ihnen zuzuhören und in klaren Worten Auskunft zu geben.
Aufgewachsen ist Lukas Faesch zusammen mit
seinem Zwillingsbruder Remigius, dem Facharzt für
innere Medizin, am Spalentorweg 26. Bereits sein
Grossvater, der Zahnarzt Dr. Emanuel Faesch, lebte
und arbeitete am Spalentorweg. Im SpalenSchulhaus, das früher den sinnigen Namen ’zum Jugendfleiss’ trug, ist Lukas Faesch in die ’Brimmeli’
gegangen. Danach führte ihn der Schulweg auf den
Münsterhügel ins HG, ins Humanistische Gymnasium (heute Gymnasium Münsterplatz). Gerne erinnert sich Lukas Faesch an die Zeit, als er in einem
der Riegelbauten gegenüber, dort wo das iuristische
Seminar sein Domizil hatte, ein- und ausging.
20 Jahre Advokat Nach 4 Jahren bestand er das Lizenziatsexamen, das es ihm ermöglichte, eine Doktorarbeit zu schreiben. Die praktische Seite des gewählten Berufswegs lernte Lukas Faesch zunächst zweieinhalb Jahre lang als Praktikant bei der damaligen
SBG (heute UBS) kennen, dort speziell bei Ruedi
Meyer, der als Obmann des Fasnachts-Comités in
weiten Kreisen der Basler Bevölkerung bekannt und
beliebt war. Nach dem Anwaltsexamen fand die Ausbildung des jungen Juristen ihre Fortsetzung in der
Anwalts- und Notariatspraxis seines Vaters Dr. Jürg
Heinz Faesch. Dort im 5. Stock mitten im Herzen von
Basel, nämlich im ehemaligen Sandreuter-Haus am
’Määrt’ ( heute Brillengeschäft Fielmann), war Lukas Faesch fast 20 Jahre als Advokat tätig.
Die nächste Sprosse auf der Berufsleiter hat Lukas Faesch 2004 mit der Wahl zum Strafgerichtspräsidenten Basel-Stadt erstiegen, also vor nunmehr 7
Jahren. Es war eine Kampfwahl, die zu gewinnen
„aus dem Nichts“ Zeugnis ist für seine beruflichen
Qualitäten. Welches sind die Aufgaben eines Gerichtspräsidenten? Das Strafgericht besteht aus verschiedenen Abteilungen, die mit der Bearbeitung von
unterschiedlichen Strafsachen beschäftigt sind. Jedes
Jahr steht ein Wechsel in eine andere Abteilung an.
Die Arbeit besteht aus einer Mischung zwischen der
Bearbeitung von Fällen – „diese Arbeit spielt sich
gewissermassen im stillen Kämmerlein ab“ – dem sogenannten Instruieren, das heisst dem Ausarbeiten
des Ablaufs einer Verhandlung, dem „Drehbuch“ und
der meist öffentlichen Hauptverhandlung.
Ausgabe 13 / September 2010
Lukas Faesch ist Bürgerrat. Anno 2001 wurde er als Liberaler, als Nachfolger von Christine Wirz-von Planta, in die Exekutive der Bürgergemeinde gewählt, die mit 60'000 Bürgerinnen und Bürgern grösste Gemeinde der
Schweiz. Er nimmt diese Aufgabe ausserhalb seines
angestammten Berufes ebenso ernst wie das Amt als
Präsident der Stiftungskommission der Christoph
Merian Stiftung CMS. Das Engagement von Lukas
Faesch ist vielseitig. Das zeigt seine Mitarbeit in diversen Stiftungen und Vereinen: Stiftungsrat
’Stiftung TRINUM (Trinationaler Umweltschutz);
Rechtsbeistand des Vereins Tierhilfe Sirius; Sekretär
Neues Orchester Basel.
Bürgerrat und Präsident der CMS
Ist es verwunderlich, dass bei einer solchen Fülle von
Aktivitäten nicht viel Zeit für Hobbies übrig ist? Um
so mehr geniesst Lukas Faesch die Spaziergänge mit
seiner charmanten Frau Béatrice und den beiden
Hunden, die erholsamen Tage in einem der beiden
Ferienhäuser, von denen das eine, am See gelegen,
die Möglichkeit zum Schwimmen bietet, oder die Lektüre von historischen Biografien.
Gemeinnütziges Engagement Hat Lukas Faesch eine
Vision für seine Zukunft? „Ich möchte gerne noch
stärker gemeinnützig tätig sein. Wir haben in Basel
viele gemeinnützige Institutionen. Der finanzielle
Bedarf dafür ist gross. Es ist personell und finanziell
nicht sinnvoll, wenn viele Institutionen praktisch dieselben sozialen Hilfen anbieten. Die Konzentration
und Koordination der sozialen Angebote in Basel ist
mir ein vordringliches Anliegen. Daran möchte ich
gerne mitarbeiten.“
Während unseres Gesprächs, das durch eine kurze Handy-Info von seiner Frau unterbrochen wurde,
die mit dem Terminplan der Renovation und des Umbaus des Elternhauses am Spalentorweg 26 zu kämpfen hatte, ist die Zeit im Nu verflogen. (bt.)
Seite 4
Vereine im Quartier
SpaleZytig
Das Kinderbüro Basel
4051 Basel
Auf der Lyss 20
Tel. 061 263 33 55
Leitbild – Projektaufträge – KinderMitWirkung KMW
Haben Sie gewusst, dass auf der Lyss, im Haus
Nummer 20, eine Institution des sozialen Basel ihr
Domizil hat, deren Wirken seit ihrer Gründung vor
10 Jahren heute unverzichtbar geworden ist? Im
Interview hat Zeno Steuri über die reiche Palette
der Aktivitäten des Kinderbüros kompetent Auskunft gegeben.
Die Wertschätzung der Interventionen des Kinderbüro Basel geht schon aus der Tatsache hervor,
dass die Auftraggeberin und Hauptsponsorin die
CMS (Christoph Merian Stiftung) ist, unterstützt
aus dem Anteil der Bürgergemeinde am Ertrag der
Stiftung. Denn ohne finanzielle Ressourcen könnten
die zahlreichen Projekte nicht realisiert werden. Neben dem Geschäftsführer sind zwei Projektleiterinnen, eine Praktikantin, eine Mitarbeiterin Administration sowie eine Mitarbeiterin von BENEVOL beschäftigt.
Informative Antwort auf die Frage „Was macht
das Kinderbüro Basel eigentlich?“ erhält man aus
dem Leitbild, das auch im Jahresbericht 2009 nachzulesen ist:
– durch Lobbyarbeit in politischen Gremien, Fachverbänden, der kantonalen Verwaltung, in den Medien
und in der Öffentlichkeit.
– durch das Sensibilisieren der Öffentlichkeit für die
aktuellen Lebenswelten von Kindern.
– durch Vernetzung mit relevanten Institutionen, Organisationen und Fachstellen mittels Einsitz in Fachgremien sowie durch das Schaffen von Kontakten
zwischen involvierten Fachstellen, Institutionen und
Behörden in Kinderfragen.
Was wir tun
– Das Kinderbüro setzt sich für die Schaffung und
Erhaltung von kinderfreundlichen Lebensräumen in
Basel und seiner Region ein.
– Es fördert und fordert die Beteiligung von 7- bis 12
-jährigen Kindern in den Bereichen Schule, Verkehr,
Wohnumfeld und Stadtentwicklung und strebt die
nachhaltige Beachtung der Rechte und Bedürfnisse
von Kindern in Politik und Öffentlichkeit an.
Warum wir es tun
– weil Kinder bereits heute ein integraler Teil der Gesellschaft sind, die sie morgen prägen.
– weil die UNO-Kinderrechtskonvention, insbesondere der Bereich der Partizipation (des Teilhabens), in
die Lebenswelt der Kinder umgesetzt werden muss.
Wie wir es tun
– durch das Schaffen von Plattformen, auf denen die
7- bis 12-jährigen Kinder ihrem Anliegen Gehör verschaffen und ihre Selbstwirksamkeit als gesellschaftliche Akteure erfahren können.
– durch das Beraten von Behörden, Fachstellen, Institutionen und Privaten im Hinblick auf kinderfreundliche Gestaltung und Planung unter Einbeziehung von Kindern.
– durch das Anbieten und Anwenden von Methoden
zur wirkungsvollen Partizipation unter Berücksichtigung von Alter, Fähigkeiten, Geschlecht und Herkunft der beteiligten Kinder.
Ausgabe 13 / September 2010
Die Auflistung der Projektaufträge 2009/2010 im
Jahresbericht gibt Einblick in konkrete Beispiele, wie
der Leistungsauftrag umgesetzt wird. Es geht zum
Beispiel um den Aufbau der Website ’Baleidoskop’ (www.baleidoskop.ch): Im Auftrag des Vereins ’Basel erleben’ sammelte das Kinderbüro die Daten sämtlicher In- und Outdoor-Spielräume sowie Orte von Interesse für Kinder und Familien. Das neue
Portal bietet detaillierte Infos über die Stadt und attraktive Rundgänge für Kinder und Erwachsene an.
Ein anderes Projekt betrifft die Öffnung und Aufwertung von Innenhöfen in Wohnsiedlungen; ein drittes
’kind und raum’ ist Teil der ’aktion gesundes körpergewicht’ des Kantons Basel-Landschaft. Das Kinderbüro Basel – es gibt, nebenbei erwähnt, auch in anderen Kantonen sowie im Ausland Kinderbüros – berät und unterstützt Gemeinden, die Spielräume und
(Schul-)Wege kindergerecht, bewegungsfördernd und
sicher gestalten möchten.
Beeindruckend ist die Zahl an Projekten der KinderMitWirkung KMW. Und schlicht umwerfend ist
das Angebot im ’Basler Ferienkalender’, der 3mal im
Jahr erscheint, sowie im ’Veranstaltungskalender für
Kinder’, der 5mal jährlich erscheint. (bt.)
Sämtliche Infos bei www.kinderbuero-basel.ch
und www.kinderinfo-basel.ch
Seite 5
Inserate
SpaleZytig
Die SpaleZytig dankt ihren Inserenten
und bittet ihre Leser/Innen darum, diese zu berücksichtigen
Galerie Spalentor
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Sie sich kulinarisch verwöhnen!
Ausgabe 13 / September 2010
Seite 6
Historisches
SpaleZytig
Woher der Name Schönbeinstrasse kommt
Strassennamen werden nicht von ungefähr vergeben
Die Hitzewelle dieses Sommers brachte eine hohe
Ozonbelastung, die einigen Baslern Beschwerden
verursachte und sie in höher gelegene Regionen
trieb, wo sie sich bedeutend wohler fühlten. Kaum
jemand weiss heute noch, dass das Ozon vom
Württemberger Chemiker Christian Friedrich
Schönbein (1799-1868) bei der Elektrolyse von
Wasser gefunden wurde als Nebenprodukte einer
anders orientierten Forschung. Der Name Ozon
kommt aus dem Griechischen und bedeutet das
’Übelriechende’¹.
Schönbein genoss bereits als junger Mann einen
guten Ruf, was Peter Merian veranlasste, ihn nach
Basel einzuladen und ihm nach wenigen Jahren die
Professur für Physik und Chemie (!) zu überlassen.
Man muss sich vorstellen, welch ungeheure Entwicklung die beiden Fachgebiete seither durchgemacht
haben: heute umfasst der Lehrkörper für Physik und
Chemie Dutzende von Professorenstellen, die noch
von einer grösseren Anzahl von Assistenten- und Forschungsmandaten flankiert werden.
In der Mitte der Vierzigerjahre des 19. Jahrhunderts wurden spielende Kinder auf der Schützenmatte immer wieder weggewiesen, da einige Herren mit
geheimnisvollen Stoffen hantierten, die rauchten,
stanken oder sogar explodierten. Man ahnt es: Professor Schönbein laborierte an einer chemischen Verbindung, deren Ergebnis man 1846 Schiessbaumwolle nennen wird. Diese aber legte den Grundstein der
heutigen Sprengstoffindustrie².
Wenn man bedenkt, dass sich Schönbein ebenfalls
für chemische Gesteinsanalysen und manches mehr
interessierte, so staunt man über seinen grossen Wissens- und Forschungsdrang, den er in Chemie und
Physik an den Tag legte. Es ist aber trotzdem nicht
die Arbeitslast allein, die unseren Gelehrten 1852 bewog, den Unterricht in Physik abzugeben. Vergessen
wir nicht, dass zu dieser Zeit (und bis ins 20. Jh. hinein) Privatgelehrte existierten, deren finanzieller
Rückhalt es ihnen erlaubte, auf Lohn zu verzichten.
Eine Reduktion von Verpflichtungen kann somit
auch als grössere Freiheit verstanden werden.
Eine Persönlichkeit vom Range Schönbeins spielte fast zwangsläufig auch eine gewisse Rolle im öffentlichen Leben der Stadt. Während der emotional
geladenen Zeit der Trennungswirren zwischen Stadt
und Land engagierte sich Schönbein im Akademischen Freikorps. Pikanterweise ernannte ihn Basel
1840 zum Ehrenbürger, noch bevor er acht Jahre später in den Grossen Rat gewählt wurde. Es brauchte
nochmals zwanzig Jahre, bis die heutige Schönbeinstrasse ihren Namen erhielt – immerhin eine schöne
Ehrung, denn die Strasse war ursprünglich der AnAusgabe 13 / September 2010
fang der Mittleren Strasse und damit eine wichtige
Verbindung zwischen Spalentor und dem Elsass.
Christian Friedrich Schönbein (wikipedia.org)
Ein Punkt im Leben Schönbeins soll noch besonders
erwähnt werden. Auf Initiative unseres Chemieprofessors entstand die Basler Hebel-Stiftung, deren erster Präsident er war. Von Chemie und Physik über
die Politik zu Johann Peter Hebel: Durch sein Wirken hat Schönbein die Strassenbenennung wahrlich
verdient.
Überhaupt zeichnet sich das Spalenquartier dadurch aus, eine ganze Reihe von Naturwissenschaftlern und Medizinern durch Strassennamen in langlebiger Erinnerung zu bewahren: Andreas Vesalius
(SpaleZytig Nr. 1), die Familie Euler (Nr. 9), die Bernoulli (Nr. 10), August Socin (Nr. 11) und eben Christian Friedrich Schönbein. (hb.)
¹ Ein blaues, übelriechendes Gas, das in der Luft
oder bei elektrischen Entladungen (Blitzen) entsteht. Es formt in der Atmosphäre einen Schutzmantel gegen die ultravioletten Strahlen der Sonne.
Ozon ist stark oxydierend und wirkt deshalb antiseptisch und antibakteriell. Als Luftreiniger kann
Ozon ebenso gebraucht werden wie etwa für das
künstliche Altern von Schnäpsen. Für den Menschen ist Ozon in hohen Dosen schädlich.
² Ein explosives Stück Chemie. Schönbein fand bei
Salpetersäureester, der sogenannten Nitrozellulose,
eine explosive Eigenschaft, die er Schiessbaumwolle
nannte. Der Stoff eignete sich also zur Erzeugung
künstlich ausgelöster Explosionen. Gefährlicher
wurde die Sache beim Nitroglyzerin, dem dreifachen
Salpetersäureester des Glyzerins, das ein Jahr später in Paris gefunden wurde. Die vielfachen Anwendungsmöglichkeiten bewogen den schwedischen
Chemiker Alfred Nobel schon 1862, Sprengstoff fabrikmässig herzustellen. Sein Name: Dynamit.
Seite 7
Besonderheiten im Quartier
SpaleZytig
Die Universitätsbibliothek
Die Universitätsbibliothek steht jedem offen
In unmittelbarer Nähe des Spalenquartiers, an der
Schönbeinstrasse 18-20, befindet sich die Universitätsbibliothek (UB). Bibliothek? Heute ist die UB
eher ein modernes Informationszentrum.
Aussagekräftige Zahlen. Die UB weist einen Be-
stand von 3,3 Mio. Büchern und Medien auf, was aneinandergereiht einer Länge von 90 km entspricht.
Rund 72‘000 Neuanschaffungen jährlich kosten 6
Mio. Franken. 340‘000 Ausleihen, 200 Einführungen
und Schulungen und eine Million Zugriffe auf die UB
-Website sind weitere eindrückliche Fakten. Am häufigsten ausgeliehen wurde 2009 der Pschyrembel, ein
wichtiges medizinisches Wörterbuch (253-mal). Dass
auch die DVD-Box zu ’Sex and the City’ ausgeliehen
werden kann, dient nicht etwa der Unterhaltung,
sondern ist den Studierenden der Medienwissenschaften zuzuschreiben.
Grundauftrag der UB ist die Bereitstellung von Bü-
chern, Zeitschriften und andern Medien für Lehre,
Forschung und Studium der Dozenten und Studierenden. Darüber hinaus stellt sie sich den Anforderungen des modernen Wissenschaftsbetriebs. So betreut das E-Media-Kompetenzzentrum den Kauf und
die Nutzung wissenschaftlicher Fachzeitschriften,
Datenbanken und E-Books über das Internet, klärt
die Lizenzen, ermöglicht den Zugriff und überprüft
den Download. Weitere Projekte im elektronischen
Bereich sind die Digitalisierung von wertvollen UBBeständen und die Beteiligung am Aufbau einer
Elektronischen Bibliothek Schweiz (SwissBib). Ziel
ist, ein nationales Portal für wissenschaftliche Recherchen aufzubauen.
Kostbarkeiten in der Handschriftenabteilung Die
eigentlichen Schätze der UB liegen, wie Christoph
Ballmer, der UB-Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit, nicht ohne Stolz erzählt, in der HandschriftenAbteilung. Handgeschriebene Dokumente wie Briefe
und Musiknoten (darunter auch mittelalterliche) und
ganze Nachlässe von Gelehrten (Jacob Burckhardt,
Ausgabe 13 / September 2010
Johann II Bernoulli, Adolf Portmann usw.), ferner
alte Drucke werden konserviert, katalogisiert und
erschlossen. Diese Kostbarkeiten können speziell
Interessierte in einem Sonderlesesaal einsehen. Als
Beitrag zum 550-Jahr-Jubiläum der Uni zeigt die UB
in einer Doppelausstellung zuerst eine Auswahl von
Nachlässen und ab September präsentieren 27 Editionen ihre Arbeit und zeigen auf, wie Nachlässe oder
wissenschaftliche Quellen aus Basler Archiven oder
Bibliotheken zugänglich gemacht werden.
„Die Magazine platzen aus allen Nähten“, ist der
Porträt-Broschüre 2008/09 der UB zu entnehmen.
Eine kurzfristige Lösung dafür könnte die Auslagerung von UB-Beständen in neu zusammengefasste
Institute und Bibliotheken sein, z.B. für Life Sciences
und Medizin auf dem Schällemätteli-Areal. Längerfristig Abhilfe schaffen soll ein Schritt über die Grenzen der UB und der Universität Basel hinaus. Ein
Projekt verschiedener Deutschschweizer Hochschulen und Kantonsbibliotheken sieht nämlich
die
Schaffung einer gemeinsamen Speicherbibliothek in
Form eines Hochregal-Lagers vor. Das heisst: Es
wird für seltener benützte Bücher ein zentrales Lager
geschaffen, vermutlich im Raum Luzern, zugänglich
gemacht durch einen Lieferservice. Übrigens gibt es
in kleinem Umfang bereits heute einen derartigen
Dienst, wie Christoph Ballmer erklärt. Täglich verbindet ein Kurier die grossen wissenschaftlichen
Bibliotheken von Basel, Bern, Zürich und St. Gallen.
Ruhiger Arbeitsort Für die Studierenden ist die UB
ein begehrter Lern- und Arbeitsort. Sie bietet ruhige
Arbeitsplätze, eine Fülle von Nachschlagewerken, PC
-Stationen, Internet-Zugang. Dazu kommt der mündliche Austausch der Studierenden. Vor Prüfungsterminen ist der Lesesaal oft überfüllt; neue Arbeitsplätze müssen geschaffen werden. Spätaufsteher versuchen in der Cafeteria einen Platz zu ergattern.
Öffentliche Themenabende Erwähnenswert für die
Bewohner des Spalenquartiers ist, dass die UB in
jährlich 10 öffentlichen und kostenlosen Themenabenden die Vielfalt der Wissensgebiete beleuchtet
oder einzelne Bestände gezielt vorstellt. Am 20. Oktober 2010 wird unter dem Titel ’Editionen in Basel’ ein
Blick in verborgene Werkstätten geboten. Am 3. November geht es unter dem Titel ’Heilige und Dämonen, Weise und Narren’ um in Basel entstandene Inkunabeln (frühe, mit beweglichen Lettern gedruckte
Schriften) und am 8. Dezember um Erasmus, Amerbach und die Basler Studentenschaft. Das Programm
ist ersichtlich unter www.ub.unibas.ch. Anmeldungen an der Info-Theke unter Tel: 061 267 31 00 oder
info-ub@unibas.ch (bu.)
Seite 8
Brauchtum
SpaleZytig
Jüdische Fest- und Feiertage im Herbst
Rosch Ha-Schanah und Jom Kippur
Jedes Jahr im Herbst feiern unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger vier wichtige traditionelle Feiertage. Rosch Ha-Schanah (Neujahr), Jom
Kippur (Versöhnungstag), Sukkot (Erntedankfest)
und Simchat Thora (Thorafreudenfest). In unserer
Reihe ’Brauchtum’ betrachten wir zwei hohe jüdische Feiertage.
„Guten Rutsch!“ Dieser Wunsch zur Jahreswende
hat nichts mit Eis oder Schnee zu tun, sondern
kommt vom hebräischen Namen des jüdischen Neujahrfestes ’Rosch Ha-Schanah’ (Beginn des Jahres).
Dieses liegt nicht im Winter, sondern im Herbst
(heuer am 9. September).Ursprünglich markierte
Rosch Ha-Schanah den Abschluss des landwirtschaftlichen Jahres, wurde aber nach und nach theologisch
interpretiert. Der 1. Tischri (=erster Monat des jüdischen Jahres) gilt nach jüdischer Tradition als Erschaffungstag Adams. Anders als in christlicher Tradition, wo der Beginn des neuen Jahres ausgelassen
gefeiert wird, herrscht am Rosch Ha-Schanah eine
eher nachdenkliche Stimmung. Der fromme Jude bereitet sich auf das neue Jahr durch gute Vorsätze und
die rückblickende Betrachtung des vergangenen Jahres vor.
„Zu einem guten Jahr möget ihr eingeschrieben
werden!“ So lautet ein weiterer jüdischer Neujahrswunsch, der den Charakter des Festes als Gerichtstag deutlich macht. Am Rosch Ha-Schanah entscheidet sich das Schicksal für das kommende Jahr:
Wer sterben und wer geboren wird, wem es gut gehen
und wer leiden wird. In die göttlichen Bücher eingeschrieben werden nach einer alten Tradition die Namen der völlig Untadeligen sowie die der gänzlich
Verlorenen. Die grosse Masse der Durchschnittlichen
aber bekommt eine Art Gnadenfrist: die 10 Busstage
zwischen Rosch Ha-Schanah und Jom Kippur als
Möglichkeit der Reue und der inneren Umkehr.
Auf Busse und Umkehr weisen auch die wichtigsten Bräuche dieses Festes hin: Das Blasen des Schofars, eines Widderhorns. Sein Klang, der die Menschen aus ihrer Selbstsicherheit aufrütteln soll, erinnert an den Widder von Gen 22, den Abraham an
Stelle seines Sohnes Isaak opferte, nachdem Gott seinen Glaubensgehorsam auf eine schwere Probe gestellt hatte. Dieser Text, der in jüdischer Tradition
als ’Aqedah’ bekannt ist, in christlicher Tradition hingegen als ’Opferung Isaaks’ bezeichnet wird, wird
auch während des Gottesdienstes in der Synagoge rezitiert.
Jom Kippur – der grosse Versöhnungstag Den Höhepunkt der zehn Busstage bildet der Versöhnungstag, der wichtigste Festtag des jüdischen Jahres, der
Jom Kippur. An diesem Tag darf während 24 StunAusgabe 13 / September 2010
den weder gegessen noch getrunken werden. Es sollen alle zuvor begangenen Sünden gesühnt werden.
Man besucht die Menschen, mit denen man sich im
Laufe des Jahres überworfen hat, und bittet sie um
Verzeihung. Erst wenn man sich mit ihnen ausgesöhnt hat, kann man auch Gott um Vergebung bitten.
Die Stimmung ist ernst und nachdenklich. Als
Zeichen von Busse und Bescheidenheit verzichtet
man an Jom Kippur auf das Baden und die allgemeine Körperpflege. Stattdessen wird als Zeichen der eigenen Vergänglichkeit das Sterbehemd (’Kittel) getragen. Während der Besuch des Friedhofs am Vorabend weit verbreitet ist, praktizieren nur noch wenige das Kapporet-Schlagen: Man rezitiert Sühnegebete und schwingt dabei einen Hahn über den Kopf, den
man danach schlachtet.
Den Grossteil des Tages verbringen gläubige Juden
betend in der Synagoge. Der Synagogengottesdienst
am Vorabend des Festes beginnt mit dem ergreifenden Kol-Nidre-Gebet (alle Gelübde). Beim Morgengebet wird aus Lev 16 gelesen, wo der heute nicht mehr
praktizierte Sündenbock-Ritus beschrieben wird.; im
Nachmittagsgebet wird aus dem Propheten Jona gelesen, in dem es auch um Umkehr und Vergebung
geht. Das Fest endet mit dem Sprechen des Hawdala
-Gebets und dem Blasen des Schofars. Etwa eine
Stunde nach Sonnenuntergang darf das Fasten
gebrochen werden, oft mit einem Festessen im Kreis
der Familie.
Auf Fasten und Busse folgt das Freudenfest Wenn
Jom Kippur zu Ende ist, beginnt man mit dem Bau
der Laubhütte für das Laubhüttenfest, Sukkot, das
vier Tage später beginnt. Und da wird dann endlich
richtig gefeiert – eine ganze Woche lang. (waf.)
Quellen: www.wikipedia.org / www.hagalil.com /
www.zentralratdjuden.de / www.ikg-wien.at
Seite 9
IG Spalentor
SpaleZytig
Im Andenken an Hanspeter Sommer,
den ersten Präsidenten der IG Spalentor
Vor noch nicht langer Zeit diskutierten wir, Hanspeter und ich, im Clara-Spital über Gott und die
Welt. Die Plauderei streifte Jahrzehnte des gemeinsamen beruflichen Alltags, aber auch die damaligen Ziele des inneren Spalenquartiers, wo wir
wohnten.
Begonnen hat das
Wirken der IG
Spalentor mit einer
Sammlung
von Unterschriften gegen einen
Entwurf der Verwaltung des Kantons Baselstadt.
Diese wollte nämlich das innere
Spalenquartier
von einem Wohnmischquartier in
ein Arbeitsmischquartier umzonen. Dies hätte, davon waren wir fest
überzeugt, einen massiven negativen Einfluss auf
die Wohnqualität gehabt. Das war der Beginn der IG
Spalentor. Es kamen weitere kleinere und grössere
Unterfangen dazu. Dauerbrenner waren damals das
Quietschen der Tramzüge auf der Lyss, die nächtlichen Störungen durch die Feuerwache und das Anbringen der Fussgängerstreifen bei der Abzweigung
Spalenvorstadt/Schützenmattstrasse. Wir mussten
deswegen bei den verschiedenen Ämtern ’antanzen’
und Überzeugungsarbeit leisten.
Wichtig und auf weite Sicht tragend war das Sich
-kennenlernen innerhalb des Quartiers. Beim ’Bürger
z’Morge’ konnte dies stattfinden. All diese Ziele waren nur gemeinsam erreichbar. Hanspeter Sommer,
Spenglermeister Hansruedi Suter und der damalige
Vorstand kämpften für ein besseres inneres Spalenquartier. Vielleicht würden wir heute gegen die unter
Schutzstellung der Schützenmattstrasse kämpfen, einer Strasse, die architektonische Qualitäten aufweist, aber auch planerische Tiefschläge zu verkraften hat.
Mit einem gewissen Stolz können wir auf das Erreichte zurückblicken: Junge Familien mit Kindern
zogen in die innere ’Spale’ und neue Geschäfte kamen
ins Quartier. Deren heute stadtbekannte Weihnachtsbeleuchtung geht in ihren Anfängen ebenfalls
auf die Bemühungen der IG Spalentor zurück.
Über so vieles haben wir geplaudert, Berufliches
und Quartierbezogenes. Wir beide waren der Überzeugung, uns bald wieder zu treffen – vielleicht an einem heissen Sommertag bei einem kühlen Bier im
Ausgabe 13 / September 2010
’Tell’ oder bei einem Glas Rotwein, das wir beide so
schätzten. Der Lauf der Zeit wollte es anders, ein lieber Zeitgenosse ist nicht mehr. Wer ihn kennenlernen durfte, wird Hanspeter Sommer in dankbarer Erinnerung behalten.
Heinz Studer
ehemaliges Vorstandsmitglied der IG Spalentor
20 Jahre Spale Zmoorge
Sonntag, 8. August 2010
Bei mässigem Sonnenschein begrüsste IG Spalentor-Präsident Hans Hunziker eine vielköpfige Spalen-Gemeinde zum 20-jährigen Jubiläums-SpaleZmoorge im Lützelhof. Gute 250 Personen besuchten den Anlass, um in gemütlicher Gemeinsamkeit
die Nachbarschaft zu pflegen.
Im Hof der Basler Berufsfeuerwehr stellten die
emsigen Hände von Hedi Glasstetter, Madeleine Häring und Bianca Humbel sowie weiteren freiwilligen
Helferinnen und Helfern ein reichhaltiges ZmoorgeBuffet zusammen. Dank zahlreichen Natural- und
Geldspenden unserer Quartierbevölkerung konnten
die Organisatorinnen ein Feuerwerk an kulinarischen Köstlichkeiten anbieten.
Präsident Hans Hunziker dankte dem Feuerwehrkommandanten Roland Bopp für das Gastrecht
bei der Feuerwehr. Er dankte ebenfalls Herrn Marcel
Saner für das grosse Engagement im Vorfeld des Anlasses. Dankesworte richtete Hunziker auch an die
Mannschaft der Feuerwehr, welche mit ihrem Einsatz zum Auf- und Abbbau der Fest-Infrastrukur
wiederum viel Arbeit auf sich genommen hatte.
Grossen Zusatz-Applaus ernteten die Feuerwehrmannen, als sie während dem plötzlich einsetzenden
Regenguss in Windeseile die Festgarnituren in die
grosse Fahrzeughalle verschoben.
Eine wahrlich aufgestellte Gesellschaft mit zahlreichen, fröhlich herumtobenden Kindern hat sich im
Lützelhof zu einem feinen Zusammensein eingefunden. (waf.)
Die IG Spalentor (Interessengemeinschaft der Quartierbewohner) bezweckt den Zusammenschluss der
Anwohner und Hauseigentümer im Gebiet des engeren Spalenquartiers.
Wenn Sie Mitglied werden wollen, richten Sie Ihre
Anfrage an:
IG Spalentor, Postfach 453, 4003 Basel
Seite 10
IG Spalenvorstadt
SpaleZytig
Rothen
medizinische Laboratorien
30 Jahre
Beltrami / Baumann
50 Jahre im Dienste der Gesundheit
Das Geschäft jubiliert
Die Laboranalytik hat sich in den vergangenen 50
Jahren von einem durch die Medizin eher bescheiden beurteilten Sachgebiet zu einem zentralen
Element in der Diagnostik entwickelt. Paul Rothen
hat diese Entwicklung als einer der wenigen privaten Pioniere der modernen Laboranalytik frühzeitig erkannt und seine Erkenntnisse in einem erfolgreichen Unternehmen umzusetzen verstanden.
Ruedi Baumann war prädestiniert, eines Tages
das Fachgeschäft für Modelleisenbahnen in der
Spale zu übernehmen, denn die Faszination für die
„Ysebähnli“, wie er die Modelleisenbahnen liebevoll nennt, war schon immer gross.
1960 gründeten Paul und Rita Rothen-Cattaneo
ein medizinisch-chemisches Laboratorium, das sich
seither im Familienbesitz befindet. Heute wird es von
den beiden Söhnen, Dr. med., dipl. chem. Claude Rothen und Dr. phil. II. Jean-Pierre Rothen geführt.
„Die Gründung eines eigenen Unternehmens war
nie geplant. Dazu bestanden keine Voraussetzungen,
weder finanziell noch von der Ausbildung her.“ Der
das sagt, ist der Firmengründer! Erstaunlich, was für
ein Institut, was für eine Basler Institution durch seinen ausserordentlichen Fleiss und sein stetig aktualisiertes Wissen geworden ist.
Mit 25 qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem hochwertigen Leistungsangebot sind
die medizinischen Laboratorien Rothen bestrebt, den
Kundendienst zu den Ursprüngen zurückzuführen,
nämlich „dem Kunden zu dienen“. Das Labor erfüllt
alle Qualitätsansprüche, die Ärzte und Patienten von
einem modernen Labor erwarten. Regelmässige Kontrollen stellen den hohen Qualitätsstandard der Analysen sicher.
Die Mitglieder der Laborleitung gehören dem
Schweizerischen Verband der Leiter MedizinischAnalytischer Laboratorien FAMH (Foederatio Analyticorum Medicinalium Helveticorum) an, der seine
Mitglieder zur Durchführung externer und interner
Kontrollen verpflichtet. Damit ist ein verbindlicher
Qualitätsstandard garantiert.
Die Medizinischen Laboratorien Rothen bleiben
ein Dienstleister für Menschen:
– für Patienten und deren Gesundheit als Lieferant
von Analysenresultaten
– für Ärztinnen und Ärzte als Lieferant von kompetenter Labordiagnostik
– für Mitarbeitende als Arbeitgeber
– für Praktikanntinnen und Praktikannten sowie
Lehrlinge als Ausbildungsort.
Die Redaktion der SpaleZytig stellt sich mit Freude und Annerkennung in die Reihe der Gratulanten
zum 50. Bestehen! (ub.)
Ausgabe 13 / September 2010
Es war daher nicht abwegig, dass er später eine Mechanikerlehre absolvierte. Logisch war ebenso, dass
er damals schon (und bis heute!) Ausstellungen mit
Ysebähnli besuchte. Eine solche war 1978 in der
Mustermesse zu sehen. ’Modell und Vorbild’ hiess sie.
An dieser Schau begegnete er Helmut Beltrami, der
in der Spalenvorstadt Nrn. 18 und 22 ein Geschäft
für Modelleisenbahnen führte. Baumann war dort
seit Jahren Kunde. Beltramis Geschäfte gingen nicht
mehr gut. Darum wollte er die beiden Läden dem
sachverständigen Baumann verkaufen. Die Baumanns aber bedingten sich ein Jahr Zeit aus, um abzuklären, ob ihnen eine solche berufliche Neuorientierung zusagen würde.
Im Februar 1979 stand Sonja Baumann erstmals
hinter dem Ladentisch und am 1. April nahm Ruedi
seine Tätigkeit in der Spale auf. Er war Spezialist für
Dampflokomotiven, die mit Sprit bzw. Kisag-Gas betrieben wurden. Die grossen Modelle (Spur 1) seines
Sortiments, die er erfolgreich verkaufte, waren im
kleinen Geschäft ausgestellt, die kleinen wurden im
grösseren angeboten. In beiden Läden war auch ein
reiches Zubehör zu den Modellen erhältlich. Marktleader sei damals die Fa. Märklin gewesen. 70% des
Umsatzes habe diese gemacht, berichtet Ruedi Baumann. Die Schweizer Firma Fulgurex habe für teures
Geld Kleinserien aus Messing hergestellt. Heute sei
Kunststoff das meistverwendete Material.
Wenn auch bei den Jüngeren das Interesse an
Modelleisenbahnen gering ist, kann Ruedi Baumann
auf seine „treuen AHV-Teenager“ zählen und mit seinem grossen Fachwissen begeistern.
Herzliche Gratulation zum Geschäftsjubiläum! (bt.)
Seite 11
Schlusspunkt
SpaleZytig
Die Spalenvorstadt im Bild
Hieronymus Hess malt 1831 Niggi Münch und Boppi Keller
in der Spalenvorstadt
Im Strassenbild des alten Basel waren – häufiger als
heute – Sonderlinge, skurrile Männer und Frauen anzutreffen. Die Erwachsenen belächelten sie, die Kinder und
Halbwüchsigen hänselten oder plagten sie. Die Obrigkeit
kümmerte sich wenig um diese Randfiguren der Gesellschaft. Sie schaute lediglich dafür, dass offensichtlich
Schwachsinnige versorgt wurden, etwa im Irrenhaus am
Steinenberg oder im Pfrundhaus des Bürgerspitals an
der Freien Strasse.
Unter den Insassen der ’Pfruend’ scheinen in der 1.
Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei besonders kinderfreundlich gewesen zu sein: Niggi Münch und Boppi Keller. Der Zeitgenosse Pfarrer Johann Jakob Uebelin hat
gelegentlich einige der Spitalpfründer beschrieben, so
auch die beiden erwähnten:
„Das eigenartige Paar taucht recht unvermittelt vor
uns auf, zur Zeit, als unser Bürgerspital noch an der
Freie Strasse stand. Dort waren die beiden späten Nachfahren guter Basler Geschlechter als Pfründer zu Hause, durften ausgehen und ihre Stadt durchstreifen. Schwachsinnig und etwas grotesk in
Gewandung, Aufmachung und Gehaben waren sie alle beide. Ein Wunder ist es daher
kaum, dass der Künstler Hieronymus Hess im Jahre 1829 darauf verfiel, sie zu malen...
Die Rute (Reisbesen ohne Stiel?) und der Fliegenwedel aus langen Pferdeschweifhaaren
sind die Wahrzeichen geblieben, an denen man den Niggi Münch und den Boppi Keller
auf den Gassen und Plätzen erkannte.“
Der Vater des Zeichners und Malers Hieronymus Hess (1799-1850) war aus
Maisprach BL als Kornmesser im Kornhaus am Marktplatz nach Basel gekommen. Seine
Ausbildung erhielt der jüngste seiner vier Söhne zunächst bei Maximilian Neustück und
Peter Birmann. In Rom studierte er bei Joseph Anton Koch und Bertel Thorvaldsen.
Hess unterrichtete 1831-1835 als Zeichenlehrer in Basel. Er ist vor allen durch seine
zeitkritischen Karikaturen und Vorlagen für Zizenhausener Terrakotten bekannt geblieben. Über Johann Rudolf Brenner, Bildhändler am Blumenrain, gelangten seine Vorlagen zum Kunsthandwerker Anton Sohn nach Zizenhausen (Baden-Württemberg). Das
Historische Museum Basel (Kirschgarten) besitzt eine grosse Sammlung von Zizenhausener Terrakotten. Auch Niggi Münch und Boppi Keller wurden nach einer Vorlage von
Hess in diese Technik umgesetzt. Exemplare der Zweiergruppe sind heute noch in Privatbesitz anzutreffen. (ur.)
Impressum
Herausgeber
IG Spalenvorstadt
IG Spalentor
Redaktionsadresse
Beat Trachsler
Spalenvorstadt 37
4051 Basel
www.
spalenvorstadt.ch
Redaktionsteam
Hans Bögli (hb.)
Markus Burger (bu.)
Ulrike Breuer (ub.)
Hedi Glasstetter-Granert
(hg-g.)
Ursula Rogg (ur.)
Beat Trachsler (bt.)
Frédéric Ch. Währen
(waf.)
Fotos
Beat Trachsler (wenn
nicht anders vermerkt)
Layout
Ulrike Breuer
Druck
CopyQuick AG, Basel
Die SpaleZytig
erscheint im
September
Dezember
März
Juni
Auflage
2300
Nauenstrasse 49
CH - 4052 Basel
Ausgabe 13 / September 2010
T. 061 270 99 88
F. 061 270 99 89
bs@copyquick-basel.ch
www.copyquick.com
© Nachdruck, auch
einzelner Beiträge,
nur mit Erlaubnis
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Seele and Geist
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