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Lernen – fast – wie im Schlaf - derStandard.at

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12 der Standard
FORSCHUNG SPEZIAL
Montag, 7. November 2005
Lernen – fast – wie im Schlaf
Theo Hug, wissenschaftlicher Leiter des Studio
eLearning Environments in Innsbruck, ist seiner
Wunscherfindung schon sehr nahe. Er möchte
„die Welt lesbar machen“ durch Medienkompetenz für alle. Die Tools dazu – Lernen per
SMS oder im Auto – sind schon in Fertigung.
Teil 6
Patent
Erziehungs- und Medienwissenschafter Theo Hug.
Jutta Berger
Die neuen Medientechnologien haben für den Innsbrucker Erziehungs- und Medienwissenschafter Theo Hug
nicht nur neue Formen des
Lernens und Lehrens gebracht, sondern auch eine große
gesellschaftspolitische
Herausforderung: „Der Umgang mit der Teilung der Gesellschaft in Programmierer
und Programmierte.“ Seine
Zukunftsvision heißt Überwindung der bildungsbedingten Klüfte und diskursiven
Zwänge durch Medienkompetenz für alle. Der Weg dazu ist
jener der kleinen Schritte.
Abgekürzt werden könnte
er durch die Umsetzung seiner
„Technofantasie“ von den
kleinen Lerneinheiten, die
automatisch zu den Lernenden kommen – am Kaffee- oder
FANTASIEN
Bankautomat, im Auto oder in
der U-Bahn, über das Handy
und den Fernseher. Microlearning potenziell immer und
überall. Integration des Lernens in den Alltag. „Dazu hat
man dann einfach eine Karte,
einen Code und erhält überall,
wo kleine Lerneinheiten eingebaut werden können, Zugang zu seinen individuellen
Lernprogrammen.“
Das Schlagwort der Medienkompetenz werde zwar in allen Disziplinen und Branchen
diskutiert, „aber jeder versteht
was anderes darunter“, sagt
Theo Hug. Im schulischen Bereich beschränke man sich auf
das Erlernen technischer
Kompetenzen, es müsse aber
darum gehen „die Welt lesbar
zu machen“. Indem man die
großen
Zusammenhänge
transparent und damit nachvollziehbar mache, die Ent-
Kleine Lerneinheiten per SMS, am Bildschirmschoner oder im Auto – so sieht Erziehungs- und Medienwissenschafter Theo Hug
Foto: Renée Cuhaj
die Zukunft des E-Learnings. Die Voraussetzung dafür ist Medienkompetenz für alle.
wicklungen aufzeige. Das Ziel
des Universitätsprofessors ist
Selbstbewusstsein und Eigenkompetenz der Lernenden, ihr
Mitgestalten. Im Rahmen der
Research Studios Austria sind
Hug und sein WissenschafterTeam der Umsetzung der
Technofantasie schon recht
nahe. Ihr Innsbrucker Studio
eLearning Environments hat
ein Patent zum Lernen entwickelt. Knowledge Pulse®
ist ein innovatives Produkt,
das an die unterschiedlichsten Lernsituationen gezielt
angepasst werden kann. Vom
eLearning im herkömmlichen
Sinn, das traditionelle Lernund Trainingsmethoden auf
neue
Medientechnologien
überträgt, wolle man sich klar
TERMINE
DER STANDARD und ECAustria präsentieren
d a s [ Te c h n o l o g i e g e s p r ä c h ] :
Österreichische
Forschungslandschaft –
notwendige Vielfalt
oder unkoordinierter
Wildwuchs ?
Henrietta Egerth:
Geschäftsführung
Forschungsförderungsgesellschaft
Peter Kowalski:
Sektionschef
Forschung, BM
für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Martin Bittner:
Geschäftsführung
SolveDirect.com
Peter A. Bruck:
Gesamtleitung
Research Studios
Austria der ARC
Seibersdorf Research
GmbH
Mittwoch, 9.11.2005
18.30 Uhr
Wirtschaftskammer Wien
Stubenring 8–10
1010 Wien
Armin Sumesgutner: Moderation
Leitung Strategisches Michael Freund:
Produkt- und Inno- DER STANDARD
vationsmanagement
Telekom Austria
Freier Eintritt mit
Anmeldung unter:
christian.czaak@ecaustria.at
Q Förderprogramm
Mit 8. November 2005
setzt die Forschungsförderungsgesellschaft
(FFG) die Programmlinie
2 „Netzwerke und Vertrauensbildung“ im Rahmen der Nano-Initiative
fort. Gefördert werden
Kooperationen
von
Unternehmen und Forschungseinrichtungen
im Bereich Nanowissenschaften und Nanotechnologien.
Insgesamt
wird eine Million Euro
für die Sondierung neuer
Ideen, den Aufbau von
Netzwerken oder die
Durchführung von Veranstaltungen vergeben.
Einreichschluss ist der
25. September 2006. Interessierte können die
Möglichkeit einer Beratung mit dem ProgrammManagement der Österreichischen Nano Initiative in Anspruch nehmen.
der Standard Webtipp:
www.nanoinitiative.at/pl2
www.ffg.at
Q Prämierung
Das Bundesministerium
für Verkehr, Innovation
und Technologie vergibt
im Rahmen des Technologieförderprogramms
für Informationstechnologien FIT-IT Förderungen an inländische Firmen und Forschungseinrichtungen. Am 15. November werden die besten Projektvorschläge im
Grand Hotel Wien prämiert. Die Teilnehmer
konnten Projekte in den
drei Kategorien Systems
on Chip, Semantische
Systeme und Dienste
und Embedded Systems
einreichen. Für die Veranstaltung ist eine Anmeldung notwendig.
der Standard Webtipp:
www.fit-it.at
abheben. Wie funktioniert
nun das Innsbrucker Patent?
Portioniert lernen
Nicht ganz wie „Lernen im
Schlaf“, aber fast. Kleinste
Lerneinheiten kommen automatisch zum Lernenden und
zwar über den PC, das Handy
oder den Bildschirmschoner.
Der Knowledge Pulse®, 2003
zum Patent angemeldet, initiiert regelmäßig Lernsituationen bei den Lernenden, das
Lernen wird mühelos in den
Alltag eingebaut. Da werden
den Wissbegierigen Phrasen
oder Vokabeln zum Übersetzen serviert, Lehrsätze oder
Formeln abgefragt, das Pausenbild des PCs wird zum
„Lernschoner“.
Über den Tag verteilt ergeben sich etwa 20 Lernaktivitäten so ganz nebenbei. Theo
Hug: „Durch Mikrolernen
wird der Lernprozess unterstützt. Man kommt leichter in
den Prozess hinein, und man
bleibt dann auch im Lern-
fluss.“ Wenn der Prozess gelingt, entsteht ein „Learning
flow“. Der jeweils nächste
Lernschritt wird vom Microstep Manager® vorgeschlagen, der aufgrund der Antworten den Wissensstand speichert und mit einem speziellen Lernalgorithmus verarbeitet. Das Lerntempo wird so individuell abgestimmt.
Mit integriertem Mikrolernen lassen sich nicht nur „lose
Puzzelsteinchen“ lernen, sondern auch abstrakte Inhalte,
sagt Hug. So könne man die
Lernmethode den Bedürfnissen von Firmen anpassen –
etwa um Inhalte zu neuen Produkten oder rechtliche Änderungen zu vermitteln. „Für
manche Politiker wäre integriertes Lernen auch nicht
schlecht“, so Hug. Aber da wären wir wieder bei der Erfinder-Fantasie.
der Standard Webtipp:
www.schonendlernen.at
www.researchstudio.at
NAMEN
Preis für jungen RNA-Forscher
Der Jungforscher Ronald Micura (35)
wurde von der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit dem Ignaz-Lieben-Preis ausgezeichnet. Der ÖAW
verlieh dem in Innsbruck lehrenden
Chemiker den mit rund 15.000 Euro
dotierten Preis „in Anerkennung seiner Leistungen auf dem Gebiet der
RNA-Chemie“. Micura forscht vor allem im Bereich der chemischen Biologie von Nukleinsäuren. Sein besonderes Interesse gilt dem Einfluss von modifizierten Nukleosiden, den Grundbausteinen von Nukleinsäuren, auf Ribonukleinsäuren (RNA). Micuras Forschungsergebnisse, wie innovative RNA-Synthesemethoden, kommen beispielsweise bei der Entwicklung von NukleinsäureTherapeutika zum Einsatz. Micura studierte technische Chemie an der Universität Linz. Danach arbeitete der Jungforscher zwei Jahre lang als Schrödinger-Stipendiat im Laboratorium für Organische Chemie der ETH Zürich. Für seine Habilitation forschte Micura am Scripps Research Institute in La
Jolla und der Universität Linz. 2004 wurde er als jüngster Professor an die Universität Innsbruck berufen. Ein Jahr davor
erhielt der den Novartis-Preis für seine Arbeiten zur Chemie
modifizierter Ribonukleinsäuren (RNA).
Der von der Bankiersfamilie Lieben gestiftete Lieben-Preis
galt in der ehemaligen Donaumonarchie und Zwischenkriegszeit als „österreichischer Nobelpreis“ und wurde unter
anderem an den Biologen Karl von Frisch verliehen. Erster
Preisträger war 1865 der Physiker Josef Stefan. Wegen der
Verfolgung der jüdischen Stifterfamilie wurde der Preis ab
1938 nicht mehr vergeben. 2004 fanden sich mit dem amerikanischen Ehepaar Alfred und Isabel Bader neue Stifter.
Seit einem Jahr wird er wieder an junge Wissenschafter aus
Bosnien-Herzegowina, Kroatien, der Slowakei, Slowenien,
Tschechien, Ungarn und Österreich „für herausragende
Arbeiten auf dem Gebiet der Molekularbiologie, Chemie und
Physik“ vergeben. 2004 erhielt der ungarische Neurowissenschafter Zoltan Nusser die Auszeichnung. (APA)
Foto: Universität Innsbruck
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