close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Eine etwas verwunderliche Geschichte, aber wahr! Wie aus grauen

EinbettenHerunterladen
Eine etwas verwunderliche Geschichte, aber wahr!
Wie aus grauen Mäusen feuerrote Cichliden
wurden.
Klaus Lahme
Vor einiger Zeit rief mich jemand an, jemand, den ich nicht kannte, und sagte, er habe erfahren,
ich sei Vorsitzender im Lüdenscheider Aquarienverein: Ob ich sechs Buntbarsche übernehmen
könne.
Er wolle sie nicht mehr haben und wisse auch
nicht, wohin damit. Derzeit schwämmen sie mit
seinen Diskusfischen zusammen in einem reinen
Cichlidenaquarium – aber wie gesagt, er wolle sie
nicht mehr haben. Ich fragte zurück, um was für
eine Cichlidenart es sich denn handele. Er sagte,
genau wisse er das nicht, auch nicht ob es amerikanische oder afrikanische Buntbarsche seien. Er
solle sie doch mal beschreiben, bat ich ihn. Sie
seien grau-rosa gefärbt und hätten seitlich auf der
Körpermitte einen dunkleren Punkt, und auch
einen kleinen Punkt am Kiemendeckel, beschrieb
er die Tiere. Als er sie damals vor Monaten
276
gekauft hatte, seien sie aber schöner und voller
kleiner heller Punkte gewesen, auch in den Flossen. Ich dachte sofort an Amerikaner, die ich
allerdings selbst nicht gebrauchen konnte, vielleicht eine Thorichthys-Art. Dennoch machte ich
den Vorschlag, die Tiere doch mal vorbei zu bringen – irgendwie würde ich in unserem Verein
schon einen Abnehmer finden.
Am nächsten Tag kam der Diskusfreund nun
und hatte die Fische dabei. Es waren sechs graue
Mäuse, die ich von oben im Eimer nicht bestimmen konnte. Darum sah ich sie mir beim Herausnehmen genauer von der Seite an. Ja, die glaubte
DCG-Informationen 43 (12): 276-280
ich zu erkennen, das waren keine amerikanische
Cichliden. Das musste eine Hemichromis-Art aus
Westafrika sein. Diese Tiere waren aber äußerst
unscheinbar, hatte weder eine kontrastreiche
Zeichnung noch Farbe. Sie waren gut sechs Zentimeter lang. Gesund schienen sie mir aber zu
sein. Ich beschloss, die genaue Artzugehörigkeit
später noch zu ermitteln. Zunächst nahm ich also
die Tiere an und erkundigte mich noch nach dem
Wasser im Eimer. Ich erfuhr, dass es weder
Mischwasser noch Frischwasser sei, sondern das
Aquarienwasser, in dem die Cichliden schon einige Zeit lebten.
Nach der Verabschiedung maß ich den pHWert im Eimer. Die Messung ergab 4,6 pH! Don-
nerwetter, sagte ich mir, was machst Du jetzt? In
allen meinen Aquarien habe ich für meine afrikanischen Cichliden pH-Werte etwa zwischen 7,2
und 7,8 pH. Mir blieb nichts anderes übrig, als ein
separates Behältnis einzurichten und die Tiere
übergangsweise dort unterzubringen. Das Wasser
stellte ich durch Mischen mit meinem Aquarienwasser zunächst auf etwa pH 5,5 ein, einen Tag
später auf etwa 6,3. Die Tiere schwammen ruhig,
es gab keine Auffälligkeiten. Am dritten Tag hatte
ich dann durch weiteres Mischen ein Wasser, dass
etwa dem in meinen anderen Aquarien entsprach,
also etwa pH 7,2. Die Tiere bekamen jetzt eine
stärkere Zeichnung, waren immer noch sehr
blass, aber ich konnte schon die kleinen himmel-
Gegenüber: Die volle Farbenpracht von Hemichromis guttatus zeigt sich während der Brutpflege.
Unten: Jungtiere wie dieses sind meist blasser gefärbt.
DCG-Informationen 43 (12): 276-280
277
Auch hier kann man gut vergleichen: Oben ein Paar in Normalfärbung, unten während des
Ablaichens. Diese und die vorhergehenden vergleichenden Fotos wurden nicht farblich
nachbearbeitet.
278
DCG-Informationen 43 (12): 276-280
Oben: Ebenfalls ein roter Cichlide aus Westafrika: Tilapia snyderae: zeigt ein verhalteneres
Rot, aber eine sehr aparte Unterlippe...
blauen Pünktchen (Iridophoren) erkennen. Am
vierten Tag setzte ich die Tiere dann in ein Aquarium, in denen sich meine Tilapia snyderae befanden. Die Hemichromis waren immer noch blass
und wurden auch von den Tilapia snyderae in
Ruhe gelassen. Es brauchte noch einige wenige
Tage, bis die Neuen deutlichere Farbe zeigten.
Dann war ich mir ziemlich sicher, das mussten
Hemichromis lifalili oder Hemichromis guttatus
sein. Ich machte einige Fotos und fragte einige
renommierte Hemichromis-Kenner. Alle waren
sich einig, es war definitiv Hemichromis guttatus.
DCG-Informationen 43 (12): 276-280
Die Tiere wurden von Tag zu Tag schöner in der
Farbe, bald waren sie ziemlich rot.
Ich beschloss, diese Tiere nicht weiter anzubieten, sondern sie selbst zu behalten – ein weiser
Entschluss, wie sich später herausstellen sollte.
Als ich nach etwa vier Monaten ein erstes Gelege bemerkte, waren die Tiere – jedenfalls das
Brutpärchen – feuerrot geworden und so schön,
wie ich noch nie eine Hemichromis-Art gesehen
hatte.
Diese sechs Tiere habe ich dann etwa drei Jahre
gepflegt, bis sie mir für mein ein Meter langes
279
Oben: T. snyderae stammen wie Hemichromis aus Westafrika. Sie sind jedoch nicht so durchsetzungsfähig, bei einer Vergesellschaftung sollte man deshalb ein wachsames Auge offen
halten.
Aquarium zu groß wurden – die größten Männchen maßen nun gut zwölf Zentimeter und hatten
sogar einen leichten Stirnbuckel. Ja, so groß und
imposant wird Hemichromis guttatus. Mittlerweile hatten sie auch gegenüber den Tilapia snyderae
die Führung im Aquarium übernommen.
Nun, ist das für Hemichromis-Kenner ja nichts
Neues, aber dennoch habe ich mich zur Veröffentlichung dieser kleinen Geschichte entschlossen, um auch anderen Cichlidenliebhabern einen
kleinen Einblick in die Welt der westafrikanischen Buntbarsche zu geben. Schaut Euch die
280
Fotos an. Die ersten Bilder zeigen die Tiere bei
mir in Normalfärbung, natürlich nach dem Eingewöhnen. Von den grauen Mäusen habe ich leider kein Foto. Die letzten Fotos habe ich von dem
Pärchen in Brutstimmung gemacht. Alle Bilder
sind ohne farbliche Bearbeitung entstanden.
Wenn jemand Gefallen an Hemichromis guttatus
gefunden hat – besorgt sie Euch, sie sind nicht selten.
Fotos: Klaus Lahme
DCG-Informationen 43 (12): 276-280
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
1
Dateigröße
436 KB
Tags
1/--Seiten
melden