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Hornung Werke Übersicht - Sprachinselverein

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Die wissenschaftlichen Arbeiten von Maria Hornung reichen von A wie Althochdeutsch bis Z
wie Zimbrisch.
Und dazwischen liegen die vielfältigsten Themenkreise, doch zum zentralen Thema wurde die
Beschäftigung mit den Mundarten im weitesten Sinn.
Die Jubilarin liebte es aber auch immer wieder gekonnte Seitensprünge zu machen, so in die
Namenkunde, in die Mundartdichtung, in die Volkskunde, auch in die Literaturgeschichte. Sie
kennt auch sprachlich kaum Grenzen, das beweist am besten das Wiener Wörterbuch, wo die
verschiedensten Herkunftssprachen auftauchen.
Versuchen wir den wissenschaftlichen Werdegang von Beginn an auf zu rollen.
Für ihre Dissertation wählte Maria Hornung ein literarisches Thema, sie beschreibt die
Aufarbeitung der Nachkriegszeit in der deutschen Frauendichtung.
Doch nur wenig später wird durch die Arbeit bei Prof. Kranzmayer das Interesse an der
Mundartkunde immer stärker. Die Arbeiten der fünfziger Jahre drehen sich fast
ausschließlich um Mundartthemen.
1958 besucht Maria Hornung erstmals die älteste der bairisch-österr. Sprachinseln, die
Sieben Gemeinden / Sette Comuni in Oberitalien. Damit war der Grundstein gelegt für eine
jahrzehnte lange Forschungsarbeit an den oberitalienischen Sprachinseln. Mehr als 80
Arbeiten in einschlägigen Publikationsorganen, sowie das 1972 erschienene Wörterbuch der
Sprachinselmundart von Pladen belegen diese einzigartige Hingabe an dieses Thema.
Weitere Beweise dafür sind 1981 die Gründung der Reihe Beiträge zur Sprachinselforschung
(2009 erschien der 19.Band), und 1982 die Errichtung des Sprachinselmuseums in Wien. Es
ist der Dokumentation der im Mittelalter von Österreich aus gegründeten Sprachinseln
gewidmet. Dazu erstellten Maria und Herwig Hornung 1986 einen Führer, Deutsche
Sprachinseln aus Altösterreich, ein Wegweiser.
Nachdem also 1958 der Anstoß für die Sprachinseln gekommen war, setzte M. Hornung 1964
einen weiteren Höhepunkt für die Mundartforschung mit ihrer Habilitationsschrift
Mundartkunde Osttirols, eine dialektgeographische Darstellung mit volkskundlichen
Einblicken in die altbäuerliche Lebenswelt. In ihrer Arbeitsweise ist M. Hornung der
sprachwissenschaftlichen Schule von Schuchardt+Meringer „Wörter und Sachen“ verbunden.
Nachdem wir nun die beiden großen Leidenschaften von Maria - Sprachinseln und Mundart kennen gelernt haben, möchte ich versuchen, ihre Arbeiten in verschiedene Themenkreise
zu gliedern, um nochmals die ungeheure Vielfalt hervor zu heben. Wobei nur eine kleine
Auswahl an prägnanten Titeln getroffen werden kann. Zur Wahl stehen ca. 200 Aufsätze,
20 Arbeiten als Autorin bzw. Co-Autorin, 10 Bände als Herausgeberin (+20 Bände der
Beiträge zur Sprachinselforschung) und ca. 130 Rezensionsaufsätze.
Beginnen wir mit der Mundartkunde:
1950 zusammen mit Franz Roitinger: Unsere Mundarten. Eine dialektkundliche Wanderung
durch Österreich. 2000 neubearbeitet wieder aufgelegt.
1963, Alte und neue Wege der Mundartforschung
1964, Mundartkunde Osttirols. Habilschrift, mit 39 laut- und wortkundl. Karten u. 61 Abb.
1968, Dialektgeographische Kleinräumigkeit im hochalpinen Raum von Osttirol
1968, Die Mundart des oberen und mittleren Mölltales
1971, Zur Wortgeographie des Lesachtales in Kärnten.
1976, Altertümliches Wortgut in den Mundarten von Oberkärnten
1998, Wörterbuch der Wiener Mundart, Mitarbeiter Leopold Swossil, 2.Aufl.2002
unter Mitarbeit von Sigmar Grüner
1999, Die heanzischen Mundarten des Burgenlandes im Wandel unseres Jahrhunderts
Die Mundart der Heanzen ist nach Maria Hornung ein uralter ostmittelbairischer
Dialekt. Dazu auch 2006 „Die Hianzsprache“
1999, Mundartwörterbücher als Ausdruck der Identitätssuche sprachlicher Minderheiten
2000 Lud Maria Hornung im ORF- Studio Eisenstadt zu einem Symposion zum Thema „Der
ui-Dialekt in Mitteleuropa“. Es ging um die Entstehung und Verbreitung dieser besonderen
Lautung, die nicht nur in NOE und im Burgenland vorhanden ist, sondern die sich in
Westungarn und in Süd- und Osttirol findet.
Seit 1963 ist die Jubilarin Mitarbeiterin am „Wörterbuch der bairischen Mundarten in
Österreich“.
Daran schließen sich an Arbeiten über die Mundartdichtung:
1957, Heinrich Micko, ein neuer Mundartdichter des Böhmerwaldes.
1962, bairisch-österr. Mundartdichtung, in Reallexikon der Deutschen Literaturgeschichte
1967, Stellung und Bedeutung der österr. Mundartdichtung in Vergangenheit und Gegenwart.
1978, Geschichte de Mundartdichtung in Österreich
1980, Der Aufbruch der deutschen Mundartdichtung in Ungarn,
1985, Die Funktion des Dialektes in der traditionellen Mundartdichtung und in der modernen
Dialektliteratur des bairisch-österr. Raumes.
Die 1966 entstandene Artikelserie: „Mundart und Volkskunde auf gemeinsamen
Forschungswegen in Osttirol“ führt uns zur Themengruppe: Volkskunde.
1957, Treue Helfer im Alltag, eine Kulturgeschichte der kleinen Dinge.
1958, Aus dem Sprachschatz der Berufsstände.
1958, Zur Verwendung des Lehms im burgenländischen Hausbau.
1959, Aberglaube ernst und heiter, eine Artikelserie In den Wiener Monatsheften
1964, Rauchküche und Rauchstube in Osttirol
1965, Perchtenglauben und Perchtenbrauch im mittleren Mölltal.
1968, Dämonische Sagengestalten in burgenländischer Volksüberlieferung.
1983, Die mündlich tradierte Volkserzählung im Österreich unserer Zeit und in den altösterr.
Sprachinseln
1961, Halge Gasang. Alte Kirchengesänge aus der deutschen Sprachinsel der Sieben
Gemeinden.
1963, Zwei alte Liebeslieder aus der deutschen Sprachinsel Zahre in Friaul.
1966, Proben lebendigen Gottscheer Volksliedgutes
Auch bei der Namenkunde macht eine kleine Artikelserie in den Wiener Monatsheften den
Anfang:
1955, Was unsere Taufnamen bedeuten, insgesamt entstehen 12 Artikel unter diesem Titel
1969, Familien- und Übernamen in der deutschen Sprachinsel Pladen
1984, Der Familienname Breu
1986, Die Ausbildung der Familiennamen in den deutschsprachigen Ländern
1988, Die richtige Aussprache von Namen in Österreich
1989, Lexikon der österreichischen Familiennamen, dieser Band enthält eine Auswahl von
über 2500 der wichtigsten Familiennamen Österreichs.
1999, Die Herkunft des Familiennamens Goethe
An die Namenkunde schließt sich die Ortsnamenforschung an.
1967, Orts- und Flussnamen im Wienerwald
1968 Ortsnamen in der Steiermark
1969, Orts- und Siedlungsnamen im Lande Salzburg
1970, Bergnamengebung im romanisch-deutschen Durchdringungsgebiet Karniens
1971, Die Flurnamen in Währing,
1973, 1974 Das Zeugnis der Ortsnamen für die Siedlungsgeschichte Österreichs
1986, Die Flurnamenforschung in Niederösterreich
Ein weiteres Arbeitsfeld war unsere deutsche Muttersprache.
1968, Sprachpflege in Österreich
1973, Besonderheiten der deutschen Hochsprache in Österreich
1972 Die Arbeit der Österr. Kommission für Orthographiereform
1977, Versuche zur deutschen Rechtschreibung, Häufigkeit der verschiedenen Arten von
Rechtschreibfehlern anhand von Schulheften, daraus resultiert eine Rechtschreibstatistik,
1977 untersucht Hornung zusammen mit Erich Vanecek und Eugen Wüster die Vor- und
Nachteile der Groß- und Kleinschreibung in dem Buch „ Die Großschreibung im
Kreuzverhör“. Die Ergebnisse haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Großschreibung
nach langen Kämpfen beibehalten wurde.
1979, Zurück zum Mittelalter? Zum Wiener Kolloquium über die deutsche Rechtschreibung.
1985, Gedanken zum Grimm-Jahr
1992, Das österr. Deutsch in Vergangenheit und Gegenwart
Mitarbeit an etlichen Auflagen des Österreichischen Wörterbuches.
Von den 50ger Jahren bis Ende der 70ger Jahre tauchen Arbeitstitel über die Sprachinseln
noch sporadisch auf, dann aber werden sie immer häufiger und in den
letzten Schaffensjahren sind sie eindeutig in der Überzahl.
Maria Hornung beleuchtet anhand der Sprachinselidiome allgemeine und sehr detaillierte
Sprachfragen.
1958, Alte österr. Mundarten in oberitalienischen Sprachinseln (Ergebnis der ersten
Erkundungsfahrt)
1959, Tiroler Mundart in Oberkarniens Bergwelt. Die deutschen Sprachinseln Pladen und
Zahre.
1965, Die Bedeutung der Sprachinselkunde für die Erforschung der mundartlichen
Verhältnisse im binnendeutschen Raum.
1967, Romanische Entlehnungen in der deutschen Sprachinselmundart von Pladen.
1972, Wörterbuch der deutschen Sprachinselmundart von Pladen/Sappada in Karnien
(Italien). 1995 erscheint die italienische Fassung dazu, sie wurde von Anna Gasser bearbeitet
1979, Die deutsche Sprachinsel Lusern
1982, Die deutsche Sprachinsel Tischelwang am Südfuß des Plöckenpasses und der „Alte
Gott“.
1983, Die ehemalige deutsche Sprachinsel Gottschee in Oberkrain.
1985, Besonderheiten im Wortschatz der deutschen Mundart des Fersentales im Trentino.
1986, Die Zarzer, slowenisierte Alttiroler in Oberkrain
1987, Ist die zimbrische Mundart der Sieben Gemeinden althochdeutsch?
1994, Die sogenannten zimbrischen Mundarten der Sieben und Dreizehn Gemeinden in
Oberitalien
1992, Die deutschen Sprachinseln Altösterreichs in den Südalpen.
1994, Die Mundart von Zarz und Deutschrut in Oberkrain
2000, Deutsch-slowenische Interferenzerscheinungen bei der Ausbildung der Gottscheer
Familiennamen.
2004, Osttirol und die Gottschee. Ein wortkundlicher Rückblick auf Walter Tschinkels
dialektologische Untersuchungen.
Ich habe eingangs erwähnt, dass die Jubilarin gerne kleine Seitensprünge gewagt hat, und so
möchte ich noch Arbeiten erwähnen wie: Die Bedeutung des Ladinischen für die Germansitik
(1986), Deutsch-ladinische sprachliche Interferenzen (1989), Die Verehrung des hl. Nonosus
in Sappada /Pladen (2001).
Soweit ein Querschnitt durch die abwechslungsreichen wissenschaftlichen Tätigkeiten von
Maria Hornung, der aber nicht vollständig ist ohne die Hinweise einerseits auf die Mitarbeit
an zahlreichen Sammelwerken (Wörterbuch der bair. Mundarten in Österreich, Österr.
Biographisches Lexikon, Wiener Sprachblätter, Tonaufnahmen für das Phonogrammarchiv
der Österr. Akad.d.wiss.), andererseits die Funktion als Herausgeberin verschiedener
einschlägiger Werke (FS für Eberhard Kranzmayer, Bacher, die deutsche Sprachinsel Lusern,
Tschinkel Wörterbuch der Gottscheer Mundart, und der Reihe Beiträge zur
Sprachinselforschung, z.Z. ist Bd. 20 in Vorbereitung), und nicht zu letzt die Betreuung
zahlreicher Diplomarbeiten und Dissertationen.
Maria Hornung war auch die Initiatorin des Films von Peter Schreiner mit dem Titel
„Heimat als Schicksal“ über Pladen, der Streifen wurde 2006/07 als bester Dokumentarfilm
ausgezeichnet.
Und zum Schluss möchte ich noch auf eine fast unbekannte Seite von Maria Hornung
aufmerksam machen. Der Begeisterung für ihre geliebten Sprachinseln hat sie auch
literarisch Ausdruck verliehen.
Mit Gottes offene Hand schuf Maria Hornung einen Bilderbogen aus der Geschichte des
Gottscheer Volkes,
und in Heimat in fremdem Land erzählt sie das Schicksal der Sprachinsel Pladen.
Und in Gottes offene Hand möchte ich auch das weitere Schicksal von Maria legen.
Danke!
Anmerkung:
Mit dem Titel „Wörter und Sachen“ überschreibt Rudolf meringer 1904 eine Artikelfolge in
der erörtert wird, wie etymologische und sachkundliche Studien zu verbinden sind
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