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Drei Stunden ohne Strom: „Wie eine Ewigkeit“ - Diakonische

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Region Hannover
NR. 249 · DIENSTAG, 25. OKTOBER 2011
NEUE PRESSE · SEITE 13
Drei Stunden ohne Strom: „Wie eine Ewigkeit“
Ampeln fielen aus, Läden blieben
dunkel, im Krankenhaus Friederikenstift sprang der Notstrom an –
drei Stunden war gestern Vormittag in weiten Teilen der Calenberger Neustadt Stromausfall. Laut
Stadtwerken war ein unglücklicher
Zufall für die Störung verantwortlich. Während an einem Teil des
Netzes ein Trafo erneuert wurde,
ging an anderer Stelle ein Kabel
kaputt. Somit konnte der ganze
Abschnitt des Stromnetzes nicht
mehr mit Energie versorgt werden.
LEERE THEKE BEIM FLEISCHER: Verkäuferin
Andrea Mattner musste ausräumen.
NOTSTROM IM FRIEDERIKENSTIFT: Christel
Suppa kann dem Aggregat vertrauen.
KERZENSCHEIN IM PIU: Dorota Brzóska
konnte nicht weiter backen.
DIESELKRAFT FÜR DIE FEUERWEHR: Bei
Techniker Dirk Werz lief alles glatt.
ICH KANN DOCH NICHTS DAFÜR: Ihr blieb nichts anderes übrig, als ihre Kunden zu vertrösten – Puroshat Moghaddam vom „La Favola“.
Fotos: Dröse, Elsner
n Einzelhandel mit Umsatzeinbußen n Sparkasse macht dicht n Krankenhaus und Feuerwehr laufen mit Notstrom
VON ERIC ZIMMER
UND HARALD GRUBE
HANNOVER. „Die Schnitzel musste
ich in die Tonne werfen.“ Für Andrea
Mattner, Verkäuferin in der Fleischerei Handke, war der Stromausfall in
der Calenberger Neustadt eine kleine
Katastrophe. Sie musste ihre Waren
vor steigenden Temperaturen retten:
„Um 12 Uhr waren es zehn Grad in der
Theke. Das geht natürlich gar nicht.“
Einzige Lösung: Alles raus aus der Auslage im Verkaufsraum an der Calenberger Straße und rein ins Kühlhaus.
Das war zwar auch ausgefallen, aber
die Temperatur konnte dort immerhin
länger gehalten werden.
Der Stromausfall erwischte den Einzelhandel zum denkbar schlechtesten
Zeitpunkt: mittags, wenn viele auf eine
Mahlzeit oder einen Kaffee aus ihren
Büros kommen. Aber: Kein Strom
bedeutet kalte Küchen – und leere
Kassen. „Belegte Brötchen konnte ich
noch verkaufen“, sagte Mattner. Mehr
war für sie nicht drin.
Glück im Unglück hatte Anja Ludwig aus der Bäckerei Kranz. „Die
Bäcker hatten ja schon alles fertig,
fangen frühmorgens an. Da gab es
noch Strom. Jetzt können wir noch
Kuchen verkaufen. Trotzdem ärgert es
mich“, sagte Ludwig. Immerhin: „Wir
kommen ans Geld. Die Kasse war im
Moment des Ausfalls offen. Wäre sie
zu gewesen, hätten wir ein Problem.“
Richtig wütend war Antonino Piu,
Besitzer einer Espresso-Bar (Goethestraße). „Wer zahlt eine Entschädigung? Furchtbar. Ich muss mein Personal bezahlen, das nichts machen
kann“, schimpfte Piu. Verzweifelt war berger Straße musste sogar schließen.
Puroshat Moghaddam, Chefin im Res- „Viele Filialen haben ein Notstromtaurant „La Favola“ an der Calenber- aggregat. Diese wohl nicht. Somit
ger Straße: „Es ist Montag und Super- war die Arbeit nicht möglich“, sagte
SparkassensprecheWetter. Schande –
rin Renate Schmidtdas Mittagsgeschäft
Temmelmann.
geht uns total verloitat
So ein Szenario
ren, mein Koch kann
wäre im Friederikennichts
machen.“
stift in der HumboldtSchließen
wollte
Schande – das Mitstraße fatal gewesen.
Moghaddam nicht.
tagsgeschäft geht uns
Aber das Kranken„Ich bleibe, sage den
total verloren.
haus war gut vorbeKunden, warum es
reitet: „Um 10 Uhr
nichts gibt. Es geht
Puroshat Moghaddam,
gingen bei uns die
nicht, Gäste vor der
La-Favola-Chefin
Lichter aus, innerhalb
Tür stehen zu lasvon wenigen Sekunsen. Ich muss erkläden sprang dann
ren, dass wir schuldunser Notstromaglos sind“, so Moghaddam frustriert. Auch die Großen gregat an“, sagte Sprecherin Chriswaren betroffen: Die Sparkasse Calen- tel Suppa. Und das hätte auch noch
Z
lange durchgehalten: „Dieser Schiffsdiesel kann locker drei Tage ohne
Nachtanken durchlaufen“, betonte
Sicherheitstechniker Michael Krause.
In den acht Operationssälen konnten alle Eingriffe ohne Unterbrechung
weitergeführt und beendet werden
– bis der Notstrom nach wenigen
Sekunden fließen konnte, zeigten die
Geräte in den OP-Sälen an, dass sie
über Batterien und Akkus mit Energie versorgt werden: „Trotzdem kam
mir diese kurze Zeit vor wie eine Ewigkeit“, schilderte ein Unfallchirurg nach
der OP. Nachfolgende Operationen,
die nicht lebensnotwendig waren,
mussten verschoben werden. „Die
betroffenen Patienten waren natürlich frustriert, hatten aber Verständnis
für die Situation“, erklärte Sprecherin
Suppa.
Auch bei der benachbarten Einsatzleitstelle der Feuerwehr startete das
Notaggregat bereits ein paar Sekunden nach dem Stromausfall. „Hier lief
alles glatt“, sagte Dirk Werz vom Team
Funk- und Nachrichtentechnik. Nur
zweimal musste die Feuerwehr wegen
des Stromausfalls ausrücken, so Sprecher Nils Beneke. Eine Brandmeldeanlage hatte einen Fehlalarm ausgelöst, außerdem wurde ein Altenheim
vorsorglich mit einem Stromerzeuger
unterstützt.
An der Kreuzung Goethestraße/
Brühlstraße fiel die Ampel aus, laut
Polizei gab es aber keine größeren
Verkehrsbehinderungen. Die Üstra war
von dem Stromausfall nicht betroffen:
„Alle Stadtbahnen fuhren ohne Probleme weiter“, so Sprecher Udo Iwannek.
Unglücklicher Zufall – so lief gestern die Störung ab
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HANNOVER. Von 10.08 Uhr
bis 13 Uhr waren gestern weite
Teile der Calenberger Neustadt (siehe Grafik) ohne Strom
– rund 2600 Kunden hatten
laut Stadtwerken keinen Saft.
Grund sei ein unglücklicher
Zufall.
Laut Sprecherin Bianca Bartels würden die Teilnetze in
den Stadtteilen sicherheitshalber von zwei Punkten aus mit
Strom versorgt. Komme es zu
einer Unterbrechung der Leitung, könne der Strom normalerweise umgeleitet werden.
Gestern sei der Bereich Calenberger Neustadt aber an beiden Enden von der Versorgung abgeschnitten worden,
so konnte kein Strom mehr fließen.
Im Detail spielte sich das
so ab: Am Innenministerium
wurde am Morgen ein
Trafo abgeschaltet, der
durch ein moderneres Modell
ersetzt werden soll. Zur Überbrückung sollte der Strom während der Arbeiten über eine
mobile Anlage fließen. „Das ist
Alltagsgeschäft“, so Bartels.
getrennt gewesen seien, am
anderen Ende des Teilnetzes
ein Kabel kaputtgegangen.
Allerdings sei ausgerechnet in der Zeit, als die Leitungen am Innenministerium noch
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VON DIRK ALTWIG
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Stadtwerke zahlen nicht für Schäden: „Das ist höhere Gewalt“
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„Materialermüdung“, sagt die
Sprecherin.
Weil dieser Schaden an der
Kreuzung
Braunstraße/
Königsworther Straße
relativ dicht am Lindener
Kraftwerk
aufgetreten sei, sei das Teilnetz
Calenberger Neustadt an beiden Seiten unterbrochen worden, es konnte kein Strom mehr
eingespeist werden.
An zwei Stellen begannen
die Techniker mit Hochdruck zu
arbeiten: Stadtwerker machten
sich auf die Suche nach dem
defekten Kabel, das ersetzt werden musste. Die Spezialisten
am Mobil-Trafo waren schneller,
um 13.08 Uhr ging das Ersatzgerät in Betrieb – zwei Stunden
früher als geplant.
Schäden, die durch den
Stromausfall entstanden sind,
erstatten die Stadtwerke nicht,
so Bartels: „Das ist höhere
Gewalt.“ Sie betonte, die gestrige Störung sei technisch mit
dem großen Stromausfall vom
Juli nicht zu vergleichen. Das
Netzsystem in Hannover, das
für die Stadtteile eine doppelte
Absicherung biete, entspreche
deutschem Standard.
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Der grosse Blackout
E
s war der große Stromausfall: Über eine Stunde
lag Hannover in der Nacht
vom 13. auf den 14. Juli im
Dunkeln. Aufzüge blieben
stecken, Bahnen blieben
stehen, in Kliniken sprangen
Notstromaggregate an. Bei
Conti und VWN ruhte die
Produktion.
Knapp zwei Wochen
forschten die Stadtwerke,
bis die genaue Ursache feststand – es war die zufällige
Kombination zweier Pannen. Ein durchgebrannter
Kondensator im Umspannwerk Mehrum (Peine) und
ein defektes elektronisches Steuerteil einer Kohlemühle im Gemeinschaftskraftwerk Stöcken ließen
bei rund 600 000 Menschen
den Strom ausfallen.
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