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Herz-Kreislauf in Not INHALTSVERZEICHNIS: Blutwerte: wie werden

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Herz-Kreislauf in Not
(Sendungen im deutschen TV)
Bitte auch in den Dateien „herz.doc“ und „herz-vitamine.doc“ nachsehen !
INHALTSVERZEICHNIS:
Blutwerte
Bluthochdruk
Blutdruckmeßgeräte
Arteriosklerose
Erektionsstörungen und Arteriosklerose
Krampfadern entfernen
Minifräse gegen verstopfte Gefäße
Halsschlagader-OP
Brustschmerzen
Durchblutungsstörungen
Aneurysma
Thrombosen
Schaufensterkrankheit
NACHTRÄGE:
Gestörte Durchblutung (MDR)
Risikofaktoren vermeiden
Venöse Durchblutungssstörungen
Nordic Walking für Ampitierte
Thrombose: Tabletten statt Spritzen
Thrombose im Flugzeug
Blutvergiftung (NDR)
Frauenherzen- TakoTsubo (RBB 24.4.2011)
Herzinfarkt und Schlaganfall
Rolle der Pharmakartelle
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Blutwerte: wie werden sie analysiert ?
Ein kleiner Pieks und wenige Milliliter Blut strömen in verschiedene Röhrchen - Routine beim
Arztbesuch. Jeder Mensch hat eine Gesamtblutmenge von vier bis sechs Litern in sich. Anhand der
Blutwerte wird überprüft, ob Stoffwechselvorgänge normal ablaufen und Organe richtig funktionieren.
Der Arzt kann mit ihrer Hilfe außerdem den Verlauf von Krankheiten abschätzen und kontrollieren, ob
ein Medikament die erwünschte Wirkung zeigt.
Die Analyse der Blutwerte läuft heute vollautomatisch ab. Besonders in großen Kliniken durchlaufen
die Blutproben regelrechte Laborstraßen. Auf diese Weise wird immer weniger Blut und auch Zeit für
die Untersuchungen benötigt. Den ersten Stopp auf seinem Weg durch die Laborstraße legt das
Röhrchen beim Scanner ein, der den individuellen Strichcode abliest. Darauf sind die Daten des
Patienten und die angeforderten Werte verzeichnet.
Wichtige Bestandteile des Blutes
Anschließend wird das Blut in einer Zentrifuge in seine festen und flüssigen Bestandteile getrennt.
Beim Blutbild wird dann die Anzahl der Blutzellen gezählt. Die Menge der roten Blutkörperchen
(Erythrozyten) ist beispielsweise zur Diagnose von Blutarmut (Anämie) nötig. Eine der häufigsten
Formen der Anämie entsteht infolge eines Mangels an Eisen, seltener auch an Vitamin B12 oder
Folsäure.
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Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sagen etwas über den Zustand des Abwehrsystems aus.
Abweichungen der Leukozytenzahlen hängen oft mit Entzündungen im Körper zusammen. Die
sogenannten Blutplättchen (Thrombozyten) werden bei Verdacht auf Blutgerinnungsstörungen
bestimmt. Zu einer Vermehrung der Thrombozytenanzahl kommt es nach schweren Infektionen oder
Tumorerkrankungen, Ursache für verminderteThrombozytenbildung kann eine Vitamin-B12-Mangel
sein.
Aus dem flüssigen Blutplasma lassen sich unter anderem Blutzuckerwert, Hormone, Cholesterin,
Leber- und Nierenwerte und eine Vielzahl weiterer wichtiger Stoffwechselfaktoren ermitteln. Dazu
entnehmen automatisch gesteuerte Greifarme und Pipetten wenige Tropfen aus der Probe und
vermischen sie mit chemischen Substanzen. Nachgeschaltete Lesegeräte können anschließend
blitzschnell die Lichtbrechung, Färbung oder Trübung der Flüssigkeit messen. Daraus lassen sich die
gesuchten Werte elektronisch errechnen. In Notfällen stehen den Klinkärzten alle erforderlichen
Blutwerte mittlerweile nach rund 20 Minuten zur Verfügung - Geschwindigkeit, die nicht selten über
Leben und Tod entscheidet.
Bluthochdruck – wahre Ursache oft unerkannt !
Die idealen Blutdruckwerte sind 120/80 Millimeter-Quecksilbersäule (mmHG). Doch etwa jeder dritte
Deutsche liegt über dieser Norm. Bluthochdruck gilt als Volkskrankheit. Und besonders bei Menschen
im höheren Alter gefährdet der Hochdruck langsam und schleichend die Blutgefäße. Dadurch drohen
Schäden an lebenswichtigen Organen. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen können die
dramatischen Folgen sein.
In den meisten Fällen kann man die Hypertonie, so der medizinische Fachausdruck, nur durch eine
gesunde Lebensweise und Medikamente unter Kontrolle halten, aber nicht kurieren. Doch ist das
Hormon Aldosteron für den Bluthochdruck verantwortlich, gibt es eine Chance auf Heilung. Aldosteron
wird in den Nebennieren gebildet und sorgt dafür, dass Kochsalz (Natrium) und Wasser im Körper
zurückgehalten werden. Das führt zu einer höheren Flüssigkeitsmenge im Gefäßsystem und der
Blutdruck steigt. Normalerweise unterliegt die Aldosteronproduktion einem komplexen
Regelmechanismus. Doch hat sich an den Nebennieren ein hormonproduzierender gutartiger Tumor
gebildet, wird das Aldosteron unkontrolliert ausgeschüttet und der Blutdruck steigt in kritische Höhen.
Mediziner sprechen in diesen Fällen vom sogenannten Conn-Syndrom, von dem auch junge Patienten
betroffen sei können. Neben einem erhöhten Blutdruck können dabei durch einen Kaliummangel auch
Muskelschwäche, Krämpfe oder sogar Herzrhythmusstörungen auftreten. Und unter diesem riskanten
Hormonungleichgewicht leiden mehr Hochdruckpatienten als bisher gedacht.
Behandlungsmöglichkeiten
Etwa jeder zehnte Hypertonie-Patient hat eine zu hohe Aldosteron-Konzentration im Blut. Doch oft
bleibt ein Conn-Syndrom unerkannt, denn nicht alle Ärzte führen bei der Hypertonie-Untersuchung
eine Hormonbestimmung durch. Dabei ist die Diagnostik nicht schwierig. Aldosteron lässt sich im Blut
und im Urin bestimmen und gibt zusammen mit Kalium und Natrium sowie den Nierenwerten
Aufschluss über das Vorliegen eines Conn-Syndroms.
Um verfälschte Ergebnisse zu vermeiden, sollte die Blutentnahme morgens erfolgen und bestimmte
Medikamente wie ACE-Hemmer und wassertreibende Mittel (Diuretika) rechtzeitig abgesetzt werden.
Sind die Laborwerte auffällig, kann man in einem Drittel der Fälle durch die Computertomographie
einen Nebennierentumor nachweisen werden. Zur Behandlung des Conn-Syndroms reicht es nicht
aus, die Salzzufuhr zu reduzieren. Medikamente wie der Aldosteron-Antagonist Spironolacton können
den Blutdruck in Schach halten, müssen aber lebenslang eingenommen werden. Therapie der Wahl
ist daher eine operative Entfernung des hormonproduzierenden Nebennierenknotens. Dies ist heute in
den meisten Fällen über kleine Schnitte in Schlüsselloch-Technik möglich. Anschließend sind die
meisten Conn-Syndrom-Patienten dauerhaft vom Bluthochdruck geheilt.
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Blutdruckmeßgeräte: optimal mit Prüfsiegel
Jeder fünfte Deutsche hat einen zu hohen Blutdruck, doch nur die wenigsten wissen, dass ihre Werte
zu hoch sind. Dabei ist der ständig erhöhte Druck gefährlich: Bleibt die Hypertonie, so der medizini^sche Fachbegriff, unentdeckt und unbehandelt, kann sie die Wände der Blutgefäße schädigen und so
die Entstehung von Arterienverkalkung (Arteriosklerose) begünstigen. Mögliche Folgen der verkalkten
Blutgefäße: Schlaganfall oder Herzinfarkt.
Prüfsiegel beachten
Um den "stillen Killer" Bluthochdruck aufzuhalten, empfiehlt sich spätestens ab dem 35. Lebensjahr
alle sechs Monate eine Kontrolle beim Hausarzt. Unabhängig vom Alter gilt ein Blutdruck von bis zu
120/80 mmHg (Millimeter-Quecksilbersäule) als optimal. Mit einem eigenen Blutdruckmessgerät kann
man auch zu Hause regelmäßige kontrollieren. Dies ist sinnvoll, denn bei der Blutdruckmessung in der
Arztpraxis ergeben sich oft unbrauchbare Werte. Wenn der Blutdruck dort vor Aufregung in die Höhe
steigt, entsteht der sogenannte Weißkittel-Bluthochdruck, auch Weißkittelhypertonie genannt.
Praktische Geräte gibt es in großer Auswahl und zu niedrigen Preisen. Doch auf das richtige Gerät
und die richtige Anwendung kommt es an: Bei der Auswahl hilft das Prüfsiegel der Hochdruckliga.
Geräte, die dieses Zeichen tragen, sind von Hochdruckspezialisten unter realistischen Bedingungen
auf ihre Messgenauigkeit getestet. Jedes zweite Gerät besteht den Test nicht - und das gilt nicht nur
für billige Geräte.
Wie messe ich richtig?
Sogenannte Oberarm-Messgeräte bestehen aus einer elektrischen Pumpe, die über einen Schlauch
mit der Manschette verbunden ist. Sie ergeben genauere Werte, sind aber größer und etwas
umständlicher zu handhaben. Wer besonders dünne oder kräftige Oberarme hat, sollte eine spezielle
Manschette benutzen, sonst kommt es zu falschen Messergebnissen. Modelle für das Handgelenk
sind zwar klein und praktisch, liefern aber meistens weniger genaue Messwerte. Am besten lässt man
sich von seinem Arzt die Anwendung des Gerätes erklären. Damit die Messwerte stimmen, sollte man
Folgendes beachten:
 Vor der Messung fünf Minuten entspannen.
 Die Blutdruckmanschette muss sich Herzhöhe befinden. Das ist vor allem bei Handgeräten
wichtig.
 Immer im Sitzen und angelehnt, den Arm auf dem Tisch ruhend messen.
 Beim Messen nicht bewegen und reden.
 Morgens und abends messen, immer zur gleichen Zeit. Morgens vor der Einnahme blutdrucksenkender Mittel messen, damit auch der Blutdruck in den frühen Morgenstunden erfasst wird.
 Ergebnisse dokumentieren (falls kein Datenspeicher im Gerät vorhanden ist). Der Arzt kann
dann sehen, ob die Behandlung optimal ist oder ob eine Behandlung sinnvoll wäre .
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Arteriosklerose – eine Krankheit, viele Leiden
Keine andere Erkrankung fordert in den westlichen Industrienationen so viele Menschenleben wie die
Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Allein in Deutschland leiden rund acht Millionen Menschen an der
heimtückischen Krankheit. Dabei lagern sich über Jahre unbemerkt Fett, kleine Blutgerinnsel,
Bindegewebe und Kalk in der Gefäßwand der Schlagadern ab. Dort verursachen sie eine langsam
fortschreitende Verengung und Verhärtung der betroffenen Gefäße. Besonders häufig tritt Arteriosklerose in Gefäßabschnitten auf, in denen der Blutstrom durch eine Besonderheit wie eine Abzweigung oder Aufspaltung des Gefäßes gestört ist. Dazu gehören unter anderem die Halsschlagadern
und auch die Leistenarterien, die sich in die Beinschlagadern verzweigen. Nach Jahren oder
Jahrzehnten ohne Beschwerden macht die Arteriosklerose oft erst durch schwere Folgeerkrankungen
wie Herzinfarkt, Herzenge (Angina pectoris), Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen an den
Beinen auf sich aufmerksam.
Schlaganfall, Herzinfarkt und pAVK
Besonders häufig sind Hirnarterien betroffen: Bei einem kompletten Verschluss einer größeren Arterie
wird das dahinter gelegene Nervengewebe nicht mehr mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Es
kommt zum Hirninfarkt, also zum Schlaganfall. Bei einem vorübergehenden Verschluss durch ein
kleines Gerinnsel sprechen Ärzte von einer Transitorischen Ischämischen Attacke (TIA). Dabei
verschwinden die Symptome innerhalb weniger Minuten oder gar Sekunden wieder, sodass viele
Betroffene die TIA nicht ernst nehmen. Dabei kann sie ein Vorbote eines schweren Schlaganfalls in
den nächsten Stunden oder Tagen sein, der sich bei schneller Behandlung oft noch verhindern lässt.
Deshalb sollte auch nach einer TIA sofort der Notarzt gerufen werden. Durch viele kleine Infarkte tief
im Gehirn kann auch eine Demenz ausgelöst werden.
Engt eine Arteriosklerose die Herzkranzgefäße ein, führt das zu einer Angina pectoris (Herzenge).
Verschließt sie das Gefäß, ist ein Herzinfarkt die Folge. Eine Verengung der Beingefäße führt zur
sogenannten Schaufensterkrankheit: Die Beinmuskulatur wird so schlecht mit Blut versorgt, dass sie
bereits nach wenigen Schritten schmerzt und die Betroffenen wie bei einem Schaufensterbummel alle
paar Meter stehen bleiben müssen. Schreitet diese von den Medizinern periphere Arterielle
Verschlusskrankheit (pAVK) genannte Erkrankung weiter fort, drohen Geschwüre am Unterschenkel
und schließlich die Amputation. Schlaganfall, Herzinfarkt und pAVK sind unterschiedliche
Ausprägungen ein und derselben Grundkrankheit: Arteriosklerose.
Intensive Forschung
Zwar sind eine Reihe von Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Fett- und
Zuckerstoffwechselstörungen, erbliche Faktoren, Übergewicht und Bewegungsmangel bekannt, die
eigentliche Ursache der Arteriosklerose ist aber noch immer Gegenstand intensiver Forschungen.
Vermutlich führt eine winzige Schädigung oder Verletzung des sogenannten Endothels, der inneren
Auskleidung der Gefäßwand, zu einer Wucherung von Muskelzellen in der Gefäßwand (Intima) und
zur Einlagerung bestimmter Fette (LDL-Cholesterin) in Form sogenannter Schaumzellen. Mit der Zeit
entstehen an dieser Stelle Entzündungsherde, sogenannte Plaques. Sie können jederzeit aufreißen
und dann das Blut gerinnen lassen - es kommt zum gefährlichen Gefäßverschluss.
Medikamente gegen Arteriosklerose
Reichen Änderungen des Lebensstils mit viel Bewegung und gesunder Ernährung nicht aus, um die
Risikofaktoren der Arteriosklerose in den Griff zu bekommen, steht den Ärzten viele wirksame
Medikamente zur Verfügung, die die Entstehung einer Arteriosklerose bremsen können. Dazu
gehören zum Beispiel Blutdrucksenker wie Kalziumantagonisten, Betablocker, ACE-Hemmer, AT1Antagonisten (Sartane) sowie entwässernde Diuretika. Gegen Fettstoffwechselstörungen werden
HMG-CoA-Reduktasehemmer (Statine), Fibrinsäure-Derivate (Fibrate), Triglyceridlipasehemmer
(Nikotinsäure),
Anionenaustauscherharze
(Cholestyramin),
Cholesterin-Resorptionshemmer
(Ezetimib) und Lipase-Hemmstoffe (Orlistat) eingesetzt.
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Schließlich gibt es noch eine Reihe von Blutverdünnern, die bei schon bestehender Arteriosklerose
das Risiko schwerer Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall senken. Dazu gehören die
Gerinnungshemmer Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®), Clopidogrel und Dipyridamol, die allein oder
miteinander kombiniert die Verklumpung der Blutplättchen erschweren und so vor gefährlichen
Gerinnseln schützen. Außerdem sollten Erkrankungen wie Diabetes mellitus, die das
Arterioskleroserisiko erhöhen, bestmöglich behandelt werden .
„Wundermittel“ bei Arteriosklerose ?
Es klingt nach einem Wunder: L-Arginin, eine Aminosäure, soll Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
stoppen oder sogar rückgängig machen. Tatsächlich wird L-Arginin durch ein Enzym in Stickstoffmonoxid (NO) umgewandelt, das die Muskulatur der Gefäßwände erschlaffen lassen kann. Für diese
Entdeckung bekamen drei US-Wissenschaftler 1998 sogar den Nobelpreis. Außerdem soll NO die
Blutgerinnung hemmen. Doch dass eine erhöhte Zufuhr der auch vom Körper selbst produzierten
Aminosäure tatsächlich einen deutlichen Effekt auf die Bildung arteriosklerotischer Plaques hat,
konnte wissenschaftlich nie belegt werden. Bereits Mitte der 90er-Jahre kam Arginin als Arzneimittel
auf den Markt, verschwand aber wegen nicht erwiesener Wirksamkeit wieder.
Handel mit Knoblauchpillen und Folsäure floriert
Nun ist es als Nahrungsergänzungsmittel wieder im Handel, soll die Durchblutung verbessern und
sogar bei Erektionsstörungen helfen. Doch langfristige Studien zeigen, dass eindeutige Kriterien wie
Herzinfarkt und Plaquebildung sich dadurch nicht beeinflussen lassen. Dennoch floriert das Geschäft
mit den Mitteln: Auch Knoblauchpillen sollen die Gefäße stabilisieren, sie frei von Ablagerungen halten
und sogar weiten. Doch auch hier zeigen klinische Studien keinen messbaren Effekt. Lange galt
Folsäure, ein B-Vitamin, als Hoffnungsträger vieler Wissenschaftler im Kampf gegen Arteriosklerose.
Sie soll das schädliche Homocystein in Schach halten. Doch während Folsäure in anderen Bereichen, wie zum Beispiel Schwangerschaften wichtig und sinnvoll ist, hat sie bei Arteriosklerose keine
nachgewiesene Wirkung. Auch wenn die Hersteller dieser Produkte fest an ihre Wirksamkeit glauben
und diese für Arginin, Knoblauchpillen und Folsäure auch für belegt halten - der wissenschaftliche
Beweis durch Langzeitstudien fehlt für diese Präparate.
Arteriosklerose: welcher Arzt hilft wann ?
Bei Anzeichen von einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall nicht zögern, sondern den Notarzt
rufen. Hier zählt jede Minute. Welche Spezialisten in welchem Bereich helfen können - ein Überblick.
Die Liste kann Arteriosklerose-Patienten zur ersten Orientierung dienen. Sie erhebt keinen Anspruch
auf Vollständigkeit. Die Facharztbezeichnungen sind angelehnt an die Weiterbildungsordnung der
Ärztekammer Niedersachsen mit dem Stand vom 1. Februar 2009.
Die Weiterbildungsordnungen zum Erlangen verschiedener Facharztqualifikationen und damit die
Einteilungen nach Fachgebieten, Zusätzen und Schwerpunkten können in den verschiedenen
Bundesländern abweichen.
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Im Notfall
112 (Notarzt, Rettungsdienst, Feuerwehr)
19222 (Rettungsdienst, Krankentransport)
Bei Anzeichen von einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall nicht zögern, sondern den Notarzt
rufen. Hier zählt jede Minute.
Im Alltag
Hausarzt: Der Hausarzt ist der erste Ansprechpartner möglichst nah am Wohnort. Er sollte ihre
individuelle Krankengeschichte, ihre Lebensumstände und Lebensgewohnheiten gut kennen. Einzelne
Untersuchungsergebnisse von Fachärzten und Klinken trägt er zusammen und sollte in der
Zusammenschau daraus ableiten, welche Medikamente und andere Behandlungen er vorschlägt.
Viele Hausärzte sind Allgemeinmediziner oder Internisten.
Facharzt für Allgemeinmedizin (Allgemeinmediziner): Dieser Mediziner hat meist große Erfahrung
in der langfristigen und ganzheitlichen Betreuung seiner Patienten.
Der Facharzt für Innere Medizin (Internist): Der Facharzt für Innere Medizin bringt durch seine
Facharztausbildung spezielles Wissen mit, dass für die Behandlung von Arteriosklerose-Patienten
wichtig ist. Er kennt sich insbesondere mit allen Erkrankungen der inneren Organe, also auch mit den
Gefäßen und dem Herzen, aus und versteht sich insbesondere auf die Behandlung mit
Medikamenten.
Kardiologe (Herzmediziner): Der Kardiologe ist Facharzt für Innere Medizin und zusätzlich Facharzt
für Kardiologie, dass heißt, er hat noch weiterführende Kenntnisse in der Behandlung von
Herzerkrankungen und betreut Patienten mit Verkalkungen der Herzkrankgefäße, also mit der
koronaren Herzkrankheit, Patienten mit Brustenge (Angina Pectoris), Herzinfarkt und seinen Folgen
(Rhythmusstörungen und Herzschwäche). Viele Kardiologen bieten spezielle Untersuchungsverfahren
an - wie EKG-Untersuchung bei sportlicher Belastung (Fahrradergometrie) und Herzultraschall
(Herzecho) an. Ein interventionell arbeitender Kardiologe führt zusätzlich in einem Katheterlabor auch
Herzkatheteruntersuchungen durch.
Nephrologe (Nierenspezialist): Der Nephrologe ist Facharzt für Innere Medizin und zusätzlich
Facharzt für Nierenheilkunde. Er hat noch weiterführende Kenntnisse in der Behandlung von Nieren
und Hochdruckkrankheiten. Er hilft weiter, wenn die Verkalkung der Nierenarterien zu Nierenschäden
geführt hat, bei der Dialyse (Blutwäsche) und kümmert sich um spezielle Probleme mit dem
Bluthochdruck.
Angiologe (Gefäßspezialist): Der Angiologe ist Facharzt für Innere Medizin und zusätzlich Facharzt
für Gefäßleiden, dass heißt, er hat noch weiterführende Kenntnisse in der Behandlung von verkalkten
Arterien. Er kümmert sich um Patienten mit der "Schaufensterkrankheit" - medizinisch AVK (arterielle
Verschlusskrankheit) genannt. Den Durchblutungsstörungen im Becken und in den Beinen kommt er
meist mit dem Gefäßultraschall (Gefäßdoppler) auf die Spur.
Diabetologe und Endokrinologe (Spezialist für Zuckerkrankheit und Hormone): Der Diabetologe
oder Endokrinologe ist Facharzt für Innere Medizin und zusätzlich Facharzt für Diabetologie und
Endokrinologe, dass heißt, er ist Spezialist für Zuckerkrankheit und Erkrankungen des
Hormonstoffwechsels. Er kümmert sich um die Einstellung von Diabetes-Patienten mit
Ernährungsberatung, Tabletten und Insulin-Spritzen. Außerdem hilft der Mediziner Patienten, deren
Bluthochdruck durch hormonelle Störungen bedingt ist (zum Beispiel beim Conn-Syndrom, CushingSyndrom, Phäochromozytom, Schilddrüsenüberfunktion).
Hypertensiologe DHL ® (Hochdruckspezialist): Die Deutsche Hochdruckliga vergibt diese
Zusatzqualifikation an Ärzte, die sich im Rahmen einer Fortbildung mit der Behandlung von
Bluthochdruckpatienten speziell auseinandergesetzt haben. Bei der Bezeichnung "Hypertensiologin
DHL® / Hypertensiologe DHL®" handelt es sich nicht um eine nach den Berufsordnungen
grundsätzlich führungsfähige Bezeichnung für Ärzte, sondern um eine nach dem entsprechenden
ärztlichen Berufsrecht einzuordnende Bezeichnung (z.B. nach der Musterberufsordnung der
deutschen Ärzte als „Tätigkeitsschwerpunkt" beziehungsweise nach den Berufsordnungen der
Landesärztekammern).
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Radiologie (Röntgenarzt): Der Facharzt für Radiologie bietet verschiedene Möglichkeiten an, Herz
und Gefäße überall im Körper durch verschiedene bildgebende Verfahren sichtbar zu machen. Im
klassischem Röntgenbild des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) können Hinweise auf eine Herzschwäche
abgelesen werden. Die Darstellung von Gefäßen gelingt meist am besten durch Gabe von
Kontrastmittel, das dem Patienten kurz vor oder während der Untersuchung gespritzt wird. Immer
mehr moderne Verfahren der Tomographie, der Untersuchung "in der Röhre", ermöglichen heute eine
aussagekräftige Darstellung von Gefäßen aller Körperregionen (zum Beispiel von, Nierenarterien,
Becken- und Beinarterien). Bei der Darstellung der Herzkranzgefäße ist wichtig, dass das Gerät die
Signale des schlagenden, sich bewegenden Herzens gut verarbeiten kann. Die MagnetresonanzTomographie (MRT oder Kernspin) arbeitet ohne Strahlenbelastung nur durch starke Magnetkräfte.
Die Computer-Tomographie (CT) arbeitet mit klassischen Röntgenstrahlen, die Stahlenbelastung bei
neueren Geräten ist im Vergleich zu älteren deutlich gesunken. Ein interventionell arbeitender
Radiologe behandelt die Adern auch mit Hilfe von Kathetereingriffen (Aufdehnung mit dem Ballon,
Einsetzten von Stents).
Neuroradiologe (Röntgenarzt für das Nervensystem): Der Neuroradiologe ist Facharzt für
Radiologie und hat eine Zusatzausbildung in Neuroradiologie (Schwerpunkt), das heißt, er hat
besondere Kenntnisse zur Untersuchung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark).
Damit ist er auch auf die Untersuchung von Hals- und Kopfarterien spezialisiert und Experte für die
Darstellung der Durchblutung im Gehirn, zum Beispiel für Patienten mit TIA oder Schlaganfall. Aber
auch Patienten, bei denen eine Durchblutungsstörung des Rückenmarks vermutet wird, bekommen
hier Spezial-Untersuchungen. Dafür benutzt der Neuroradiologe alle Möglichkeiten der Bildgebung,
insbesondere CT und MRT. Ein interventionell arbeitender Neuroradiologe behandelt die sensiblen
Adern im Gehirn auch mit Hilfe von Kathetereingriffen (Aufdehnung mit dem Ballon, Einsetzten von
Stents).
Neurologe: Der Facharzt für Neurologie ist Spezialist für alle Erkrankungen von Gehirn und Nerven
und damit Schlaganfall-Spezialist. Er ist der Experte, um drohende Durchblutungsstörungen, zum
Beispiel bei vorübergehenden Sehstörungen, Schwäche oder Sprachstörungen zu erkennen und eine
Verschlimmerung zu stoppen. Außerdem behandelt er die Folgen eines Schlaganfalls, das heißt,
wenn es zu Lähmungen, Sprachstörungen oder Gedächtnisproblemen durch den Schlaganfall
gekommen ist. Ein besonderes Augenmerk setzt er auf die frühe Reha-Behandlung nach dem
Ereignis, in den Klinken stehen die sogenannten Stroke Units (Schlaganfall-Spezialstationen) meist
unter der Leitung von Neurologen.
Gefäßchirurg: Der Facharzt für Gefäßchirurgie hat über die Ausbildung zum Chirurgen hinaus
spezielle Kenntnisse für Gefäßoperationen erworben. Er ist Spezialist für die Operation von
arteriosklerotischen Adern. Mit Hilfe von verschiedenen Eingriffen kann er zum Beispiel im Becken
und an den Beinen Umgehungskreisläufe herstellen, wenn Adern komplett verschlossen sind. Dafür
werden oftmals Gefäßprothesen aus Kunststoff verwendet. In sein Fachgebiet fallen auch die
Operation einer erweiterten Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma) oder Eingriffe an der
Halsschlagader, um sie vom Kalk zu befreien (Ausschälung der Carotis).
Herzchirurg: Der Facharzt für Herzchirurgie hat über die Ausbildung zum Chirurgen hinaus spezielle
Kenntnisse für Herzoperationen erworben. Bei verkalkten Herzkranzgefäßen, also bei der koronaren
Herzkrankheit, legt er während der Operation Umgehungsadern (Bypässe), die die verengten
Abschnitte überbrücken. Dafür werden heute meistens die kräftigen Brustwand-Arterien des Patienten
verwendet. Der Herzchirurg nimmt außerdem Herzklappen-Operationen vor, wenn sie in der Folge
von Arteriosklerose geschädigt sind. Eine Erweiterung der Brustschlagader (ein sogenanntes
thorakales Aortenaneurysma) wird meist in Abteilungen für Herz- und Thoraxchirurgie operiert.
Spezialeinrichtungen
Gefäßzentren: Kooperation zwischen Angiologen, Radiologen und Gefäßchirurgen. Hier werden
Patienten mit Arteriosklerose von Experten verschiedener Fachgebiete betreut.
Stroke unit: Schlaganfalleinheit mit einer spezielle Betreuung für akute Schlaganfälle im Notfall.
Lipidambulanz: Stoffwechselexperten beraten Patienten, wenn ihre Blutfettwerte (Lipid-Werte wie
Cholesterin, LDL-Colesterin, Triglyceride) deutlich erhöht und schwer zu behandeln sind.
Herzzentren: Hier kooperieren Kardiologen und Herzchirurgen. Herzpatienten werden von Internisten
und Chirurgen gemeinsam betreut, sodass gemeinsam entschieden wird, welches die individuell beste
Therapie ist. Behandelt werden zum Beispiel Patienten mit Herzenge (Angina Pectoris), Herzinfarkt,
chronischer koronarer Herzkrankheit (verengten Herzkranzgefäßen), aber auch mit Herzleiden, die in
Folge der Arteriosklerose entstanden sind (Herzklappenerkrankungen oder Herzschwäche).
Rehaklinken: Reh-Kliniken betreuen Patienten nach einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall, nach
einer Herz- oder Gefäßoperation, wenn der Aufenthalt in der Akut-Klinik abgeschlossen ist (AHB,
Anschluss-Heil-Behandlung). In der Reha nach Schlaganfall arbeiten verschiedene Therapeuten
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zusammen, die die unterschiedlichen Störungen nach einem Schlaganfall zielgerichtet behandeln. In
der
Physiotherapie
arbeiten
Bewegungstherapeuten,
die
Lähmungen
und
Bewegungseinschränkungen durch Übungen und Trainingsanleitung verbessern wollen.
Ergotherapeuten kümmern sich zum Beispiel um die Wiederherstellung verlorener Bewegungsabläufe
für Tätigkeiten im Alltag - zum Beispiel Training mit Besteck oder Anziehhilfen. Logopäden helfen
Patienten mit Sprech- und Sprachstörungen nach einem Schlaganfall, sich wieder besser verständlich
zu machen.
Erektionsstörungen - Liebeskiller Arteriosklerose
Rund 4,5 Millionen Männer in Deutschland leiden an Erektionsstörungen. Oft stecken Stress,
Versagensängste oder Partnerschaftsprobleme dahinter, aber bei jedem zweiten Betroffenen gibt es
organische Ursachen. Oft treten Erektionsstörungen allmählich immer häufiger auf, bis schließlich gar
nichts mehr geht. Die häufigste körperliche Ursache ist eine Arteriosklerose, die zum Beispiel durch
Rauchen, Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen gefördert wird.
Füllung der Schwellkörper erschwert
Im Normalzustand fließt nur eine geringe Menge Blut über die Arterien in den Penis. Durch sexuelle
Reize vergrößern sich die Hohlräume im Penis, es fließt mehr Blut hinein, der Penis erigiert.
Durchblutungsstörungen durch Arterienverkalkung erschweren die Füllung der Schwellkörper, eine
Erektion ist kaum noch möglich. Das kann auch ein rettendes Warnzeichen sein, denn die
Arteriosklerose gefährdet nicht nur die Potenz sondern auch Herz und Gehirn.
Um die Ursache der Erektionsstörung zu finden, setzt der Arzt neben einer gründlichen Befragung und
körperlichen Untersuchung des Patienten sowie Labortests auch Ultraschalluntersuchungen
(Gefäßdoppler) ein. Damit werden zunächst die Ruheflusswerte der Penisgefäße im nichterigierten
Zustand ermittelt. Dann wird ein Medikament gegeben, das die Penisdurchblutung steigert und so zu
einer unwillkürlichen Erektion führt. Per Ultraschall wird nun auch der maximale Blutfluss im erigierten
Zustand gemessen. Die für die Erektion erforderliche Dosis des Medikaments, der erreichte
Erektionsgrad und die Geschwindigkeit, mit der das Blut in den Schwellkörper einströmt, liefern
wichtige Informationen über den Zustand der Blutgefäße und der Schwellkörper.
Meist helfen Medikamente
In den meisten Fällen helfen Medikamente, die Erektionsstörung zu beheben. Am bekanntesten sind
die sogenannten Phosphodiesterase-V(PDE-5)-Hemmer Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) und
Vardenafil (Levitra®). Abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung verhelfen sie rund 80 Prozent der Betroffenen wieder zu einer befriedigenden Sexualität. Nicht geeignet sind diese Wirkstoffe
aber für Männer, die bestimmte blutdrucksenkende Herzmedikamente (Nitrate) einnehmen müssen,
hier drohen lebensbedrohliche Nebenwirkungen.
Nicht selten sind die Erektionsstörungen auch selbst durch Medikamente verursacht, denn zahlreiche
Arzneien beeinträchtigen die Durchblutung des Penis. Das trifft oft gerade Arteriosklerosepatienten,
denn vor allem bestimmte Blutdrucksenker wie Betablocker und Kalziumantagonisten lassen nicht nur
die Blutdruckwerte sinken sondern auch das sexuelle Verlangen und die Potenz. Keinesfalls sollten
Patienten ihre Medikamente aber eigenmächtig reduzieren oder absetzen, denn dadurch kann die
gesamte Therapie zunichte gemacht werden und der Blutdruck gefährlich entgleisen. Sie sollten aber
mit dem Arzt über ihre Probleme sprechen, damit der die tatsächliche Ursache klären und
gegebenenfalls ein anderes Medikament ohne diese Nebenwirkung verordnen kann.
Krampfadern entfernen – nicht jede Methode ist geeignet
Etwa die Hälfte aller Deutschen leiden unter Krampfadern an den Beinen. Bei rund einem Viertel ist im
Laufe des Lebens eine Therapie erforderlich. Täglich strömen mehrere tausend Liter Blut durch das
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kilometerlange Venensystem unseres Körpers. Eine erhebliche Belastung, der die Beinvenen oft nicht
standhalten, denn hier wirkt die Schwerkraft am stärksten auf das verbrauchte Blut, das durch die
Venen zum Herzen zurücktransportiert werden muss. Besteht hier eine Bindegewebsschwäche, ist die
unterstützende Ventilfunktion der Venenklappen gestört und das Blut staut sich in den Beingefäßen.
Die dünnen Gefäßwände dehnen sich und sogenannte Besenreiser und Krampfadern sind die Folgen.
Begünstigt wird dies zusätzlich durch Bewegungsmangel, Übergewicht oder auch eine
Schwangerschaft.
Varizen, so der medizinische Fachausdruck, sind nicht nur ein rein ästhetischer Makel: Nicht selten
leiden die Betroffenen unter ständig geschwollenen Beinen, einem quälenden Schweregefühl oder
nächtlichen Wadenkrämpfen. Schreitet das chronische Venenleiden fort, können Entzündungen,
juckende Hautveränderungen oder gar offene Wunden an den Beinen (Ulcera cruris) die Folge sein.
Entwickelt sich eine Thrombose, kann dies sogar lebensgefährlich werden, denn wenn dieses
Gerinnsel in den tiefen Beinvenen nicht effektiv mit blutverdünnenden Heparinen behandelt wird,
können kleine Blutgerinsel oder Blutklumpen (Blutkoagel) die Lungengefäße verschließen und zu
einer bedrohlichen Lungenembolie führen. Wer Venenbeschwerden nicht ernst nimmt, riskiert also
schwerwiegende Komplikationen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Eine eingehende körperliche Untersuchung beim Fachmann ist zur Diagnosestellung unerlässlich.
Eine Ultraschalluntersuchung oder eine Röntgenuntersuchung der Beinvenen (Phlebographie) geben
den Medizinern Aufschluss über den Zustand der sensiblen Gefäße. Kompressionsstrümpfe bilden
nach wie vor die Basis der Venentherapie. Werden sie frühzeitig getragen, kann das Fortschreiten der
Erkrankung verlangsamt oder sogar aufgehalten werden. Damit die Strümpfe perfekt und faltenfrei
sitzen, müssen die Beine exakt per Hand oder durch eine moderne digitale 3D-Technik vermessen
werden. Durch die Verwendung von hauchdünnen Mikrofasern sind die modernen
Kompressionstrümpfe modisch und bieten einen hohen Tragekomfort. Eine in den Stoff integrierte
Hautpflege kann die Beine zusätzlich geschmeidig halten.
In manchen Fällen können injizierte Sklerosierungsmittel die erweiterten Äderchen, die sich zu
Krampfadern entwickeln können, veröden und so verschwinden lassen. Auch Lasertherapie oder die
Radiofrequenztherapie verschließen erweiterte Gefäße komplett.
Ist das Leiden jedoch schon weiter fortgeschritten, helfen oft nur operative Maßnahmen. Beim
klassischen Venenstripping werden die kranken Venen komplett entfernt. Ein neuer Trend sind
mikrochirurgische Eingriffe, bei denen über kleine Schnitte dünne Kabel in die schwachen Gefäße
eingeführt werden und die kranken Venen durch Laser oder Radiowellen zerstören. Diese
Therapieform muss sehr gründlich durchgeführt werden, denn verbleiben Reste der erweiterten Adern,
steigt das Risiko für erneute Krampfadern erheblich.
Methoden die Venenmaterial erhalten
Die Schattenseite all dieser Methoden ist, dass Venenmaterial verloren geht, dass etwa für
lebensrettende Bypass-Operationen am Herzen genutzt werden könnte. Daher versuchen die
Mediziner besonders bei kardialen Risikopatienten möglichst eine venenerhaltende Valvuloplastie
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durchzuführen. Dabei wird die erweiterte Venen über einen kleinen Schnitt mit einem Kunststoffmantel
umhüllt und so wieder auf einen normalen Durchmesser gebracht. Dieser Mantel wirkt wie ein innerer
Kompressionsstrumpf und die wichtigen Venenklappen schließen wieder. Auch bei der sogenanten
CHIVA-Methode können Venenteile durch gezieltes Unterbinden erhalten bleiben. CHIVA ist die
französische Abkürzung für "ambulante, venenerhaltende, Blutfluss korrigierende Behandlung von
Krampfadern". An bestimmten Stellen werden die Krampfadern dabei durchtrennt, so kann das Blut
nicht mehr zurückfließen. Das Blut aus den gesunden Seitenästen kann dagegen in den vorhandenen
Venen abfließen.
Welche Therapie die richtige ist, muss für jeden Patienten individuell entschieden werden. Denn wird
nicht fachgerecht operiert, ist das Risiko für ein erneutes Venenleiden deutlich erhöht. So haben
Studien gezeigt, dass bei rund zwei Drittel aller Patienten mit erneut aufgetretenen Krampfadern, die
kranken Venen zuvor nicht komplett entfernt worden waren.
Vorbeugung
Um das Risiko für Venenerkrankungen zu verringern, ist eine optimale Vorbeugung entscheidend.
Eine gesunde Ernährung ist unerlässlich für gesunde Venen. Und mit jedem Kilo, das ein
Übergewichtiger abnimmt, reduziert sich der Druck auf die Gefäßwände zusätzlich. Spezielle
Venengymnastik fördert zudem über die Betätigung der Wadenmuskulatur den Blutabfluss.
Insbesondere bei langen Reisen sind regelmäßige Bewegung und eine ausreichende Trinkmenge
wichtig. Auch häufiges Hochlagern der Beine und kalte Wassergüsse zeigen einen positiven Effekt auf
das Venensystem. Sind die Beine abends regelmäßig geschwollen, ist insbesondere bei Berufen, bei
denen überwiegend im Stehen oder im Sitzen gearbeitet wird, ein vorbeugendes Tragen von
Kompressionsstrümpfen sinnvoll.
Minifräse gegen verstopfte Gefäße
Die unerträglichen, krampfartigen Schmerzen in der Wadenmuskulatur treten immer nach einer
bestimmten Gehstrecke auf, oft verweilen die Betroffenen vor den Auslagen der Geschäfte, um ihre
Beschwerden zu verbergen. Was im Volksmund als "Schaufensterkrankheit" so harmlos klingt, ist in
Wirklichkeit eine schwere Durchblutungsstörung, die periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK).
Dabei verengen Gefäßverkalkungen die Arterien im Extremfall bis zum völligen Verschluss. Bei
Belastungen wie langem Gehen können die Muskeln nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und
Nährstoffen versorgt werden. Das führt zu den typischen Schmerzen.
Meist werden die Gefäßverschlüsse mit winzigen Ballonkathetern aufgesprengt oder Bypässe
implantiert. Beides sind jedoch belastende Eingriffe. Bei den Katheterbehandlungen kommt es oft zu
Verletzungen der Gefäßwand, an der sich neue Verschlüsse bilden können. Eine Bypass-Operation ist
an den Beinen sehr schwierig, weil das künstliche Material nur schlecht einwächst. Eleganter ist eine
andere Methode: Eine Minifräse raspelt schonend die Kalkablagerungen von der Gefäßwand, ohne
sie zu verletzen. Ein integrierter Sauger befördert das Material nach außen. Dazu schieben die
Chirurgen den winzigen Apparat durch die Leistenarterie bis zum Engpass im Bein. Der Eingriff dauert
nicht länger als 20 Minuten und findet unter örtlicher Betäubung statt .
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Halsschlagader-OP – gefährlich, überflüssig und teuer ?
In Deutschland erleiden jährlich etwa 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Sprachstörungen,
Lähmungserscheinungen und lebenslange Behinderungen können die Folgen sein. Ausgelöst werden
kann diese lebensgefährliche Erkrankung durch eine Stenose der Arteria carotis - durch eine
Verengung der Halsschlagader. Mit zunehmendem Alter lagert sich besonders bei Rauchern,
Diabetikern und Patienten mit Bluthochdruck Kalk an den Wänden der Blutgefäße ab. Lösen sich
diesen Kalkablagerungen und gelangen durch die Blutbahnen in das Gehirn, kann ein Schlaganfall
ausgelöst werden.
Eingriff mit Risiken
Bei einer Operation können die Ablagerungen in den Halsgefäßen ausgeschält und so die Engstellen
behoben werden. Doch die Entscheidung zu einem chirurgischen Eingriff muss sorgfältig getroffen
werden, denn die OP ist nicht ohne Risiken. So können Nerven und Blutgefäße verletzt werden.
Außerdem besteht die Gefahr, dass sich durch den Eingriff die Kalkplaques in den Arterien lösen,
dann droht ein Schlaganfall während der Operation.
Experten warnen: Aktuellen Studien zufolge werden diese Carotisstenosen in Deutschland zu häufig
operiert. Nur Patienten mit fortgeschrittenen Gefäßverkalkungen und Verengungen von mindestens 70
bis 80 Prozent oder bereits aufgetretenen Beschwerden wie vorübergehender Sehschwäche oder
Lähmungserscheinungen können entscheidend von einem Eingriff an der Halsschlagader profitieren.
Abhängig von der Erfahrung des Chirurgen sind in vielen anderen Fällen aber die Risiken dieser
vorbeugenden Operation größer als der erhoffte Nutzen des Eingriffs.
Daher raten die Mediziner beschwerdefreien Patienten in den meisten Fällen von einer vorbeugenden
Operation ab. Denn bei über 90 Prozent der Menschen mit einer verengten Halsschlagader können
eine gesündere Lebensweise und Medikamente das Schlaganfall-Risiko entscheidend senken.
Brustschmerzen: Schlagader in Gefahr
Bei stechenden Schmerzen in der Brust denken die meisten Betroffenen zunächst an einen
Herzinfarkt. Dabei können auch Erkrankungen der Hauptschlagader (Aorta) oft unterschätzte und
lebensbedrohliche Ursachen von Brustschmerzen sein. Die Zahl der Todesfälle durch
Beschädigungen der Aorta hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.
Die Aorta leitet das Blut durch den Körper. Sie entspringt bogenförmig aus der linken Herzkammer,
verläuft durch Brust- und Bauchraum, bevor sie sich im Unterbauch für die Versorgung der Beine
verzweigt. Kleinere Blutgefäße verlassen auf diesem Weg die Hauptstrombahn zur Versorgung der
Organe.
Aneurysma wird häufig zufällig entdeckt
Normalerweise hat die Aorta einen Durchmesser von etwa zwei Zentimetern. Bei einem sogenannten
Aortenaneurysma handelt es sich um eine Ausweitung der Hauptschlagader. Die häufigsten Ursachen
für erworbene Aneurysmen sind Bluthochdruck und Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Auch eine
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genetische Veranlagung oder eine allgemeine Bindegewebsschwäche können die Gefäßerweiterung
verursachen. Normalerweise verursacht ein Aortenaneurysma keinerlei Beschwerden und wird nur
zufällig entdeckt - etwa bei einer Ultraschalluntersuchung. Doch mit der Zeit wächst ein Aneurysma
nicht selten zu einer gefährlichen Zeitbombe im Körper des Betroffenen heran. Platzt die geschädigte
Gefäßwand, kann der Patient innerhalb kürzester Zeit verbluten.
Riss an der Aortenwand - Aortendissektion
Ein weiteres Krankheitsbild ist die Aortendissektion. Dabei reißt die Innenwand der Aorta an einer
Stelle ein und das Blut wird durch den Druck des Herzens in die Gefäßinnenwand gedrückt. Diese
weitet sich, gleichzeitig verengt sich aber die Schlagader, sodass, je nachdem, wo der Einriss liegt,
bestimmte Körperregionen nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden.
Typische Symptome beider Krankheitsbilder sind stark stechende Schmerzen je nach Lokalisation des
Defektes im Bereich der Brust oder des Bauches sowie eine plötzliche Bewusstlosigkeit .
Zwei Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung der beiden Krankheitsbilder erfolgt in spezialisierten Gefäßzentren. Zwei
verschiedene Therapieverfahren stehen zur Verfügung. Sie richten sich vor allem nach der Lage des
Defektes. Im Rahmen einer großen Operation am offenen Bauch können Gefäßchirurgen eine
Gefäßprothese aus Kunstfasern in den betroffenen Gefäßabschnitt einsetzen.
Seit etwa zehn Jahren steht eine weitere, schonendere Methode zur Verfügung, die sich besonders
für ältere und geschwächte Patienten eignet. Dabei bringen Ärzte eine kunststoffummantelte Prothese
über einen kleinen Schnitt in der Leiste mit Hilfe eines Katheters in das betroffene Gefäß ein. Dieser
sogenannte Stent entfaltet sich beim Zurückziehen des Katheters und kleidet die beschädigte
Schlagader von innen aus. Das Blut kann nun wieder ungehindert fließen und die Gefahr eines
Einrisses der Gefäßwand ist gebannt.
Im weiteren Therapieverlauf sind eine konsequente Kontrolle des Blutdrucks sowie die Beseitigung
von Risikofaktoren (Übergewicht und Rauchen) für die Bildung von Arteriosklerose erforderlich .
Durchblutungsstörungen: Diagnose schützt vor Herzinfarkt
In Deutschland leiden rund acht Millionen Menschen unter Arterienverkalkungen, auch Arteriosklerose
oder Atherosklerose genannt. Die meisten ahnen lange nichts davon, völlig unbemerkt lagern sich im
ganzen Körper Kalk und Fett an den Gefäßwänden ab und bilden gefährliche Engen in den
Schlagadern. Vor allem Rauchen, hohe Blutfettwerte und Bluthochdruck erhöhen dieses
Gesundheitsrisiko. Sind auch die Beinarterien von dieser heimtückischen Erkrankung befallen, spricht
man von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) oder auch Schaufensterkrankheit.
Immer wieder müssen die Betroffenen wegen der mangelnden Durchblutung beim Gehen Pausen
machen, bis der stechende Schmerz in den Waden nachlässt.
Bundesweites pAVK-Screening gefordert
Aktuelle Studien haben gezeigt, dass auch bei beschwerdefreien Patienten mit einer pAVK immer
Kalkablagerungen in Herz- und Kopfgefäßen zu finden sind und dass Betroffene ein noch höheres
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Risiko für einen lebensgefährlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall haben als Übergewichtige oder
Diabetiker. Daher fordern Mediziner ein bundesweites pAVK-Screening, denn die periphere arterielle
Verschlusskrankheit lässt sich ganz einfach nachweisen: Bei der regelmäßigen Blutdruckkontrolle wird
nicht nur am Arm, sondern zusätzlich auch an den Fußgelenken gemessen. Teilt man dann den am
Bein ermittelten Wert durch den am Arm gemessenen Blutdruck, erhält man den sogenannten
Knöchel-Arm-Index. Liegt dieser unter 0,9, leidet der Patient unter einer pAVK. Mit gezielt
eingesetzten Medikamenten und einer gesunden Lebensweise kann dann dem Fortschreiten der
Arteriosklerose entgegengewirkt werden. So bleiben nicht nur die Beingefäße geschmeidig, auch das
Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt wird deutlich reduziert.
Bauchaorten-Aneurysma: operieren oder nicht ?
Bei einem Aneurysma der Bauchaorta handelt es sich um eine Aussackung der Hauptschlagader im
Bauchbereich. Normalerweise hat die Aorta dort einen Durchmesser von etwa zwei bis drei
Zentimetern. Weitet sich die Aorta, kann sie mehr als doppelt so dick werden. Sie entspringt
bogenförmig aus dem linken Herzen, verläuft durch den Brust- und Bauchraum, bevor sie sich im
Unterbauch für die Versorgung der Beine aufzweigt. Kleinere Blutgefäße verlassen auf dem Weg die
Hauptblutbahn zur Versorgung der Organe.
Aussackung häufig nicht bemerkt
Die Hauptursache für Aneurysmen sind Bluthochdruck sowie Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Am
häufigsten tritt es im Alter zwischen 60 und 80 Jahren auf. Männer sind vier- bis sechsmal häufiger
betroffen als Frauen. In Deutschland leben etwa 300.000 Patienten mit einem Aneurysma. In den
meisten Fällen bleibt die Entwicklung der Gefäßaussackung zunächst unbemerkt, da sie keine
wesentlichen Beschwerden verursacht. Rücken- und Bauchschmerzen können ein Zeichen für ein
wachsendes Bauchaortenaneurysma sein. Häufig handelt es sich jedoch um Zufallsbefunde im
Rahmen von Ultraschall- oder Computertomographie-Untersuchungen des Bauches.
Lebensgefahr, wenn Aneurysma platzt
Mit zunehmender Größe der Aussackung steigt das Risiko, dass die aufgeweitete Hauptschlagader
platzt. Sehr starke Schmerzen im Bereich von Rücken, Bauch oder den Seiten sind dann typische
Symptome. Infolge des massiven Blutverlustes kann es zu einem lebensgefährlichen Kreislaufschock
kommen. Lediglich zehn Prozent der Betroffenen erreichen lebend das Krankenhaus. Trotz sofortiger
Notoperation versterben weitere 50 Prozent der Patienten im Krankenhaus.
Verschiedene Therapieverfahren
Zur Behandlung eines Bauchaorten-Aneurysmas stehen verschiedene Therapieverfahren zur
Verfügung. Sie richten sich vor allem nach der Lage und der Größe der Aussackung. Im Rahmen
einer großen Operation am offenen Bauch in Vollnarkose können Gefäßchirurgen eine Gefäßprothese
aus Kunstfasern in den betroffenen Gefäßabschnitt einsetzen. Seit etwa zehn Jahren steht eine neue,
schonendere Methode zur Verfügung. Unter einer örtlichen Betäubung bringen Ärzte dabei die
Prothese über einen kleinen Schnitt in der Leiste mit Hilfe eines Katheters in die Hauptschlagader ein.
Unter Röntgenkontrolle wird ein sogenannter Stent an der aufgeweiteten Gefäßstelle platziert. Beim
Zurückziehen des Katheters entfaltet sich der Stent, kleidet die beschädigte Schlagader von innen aus
und stabilisiert so die Aussackung.
Im weiteren Verlauf werden die Patienten in ein Nachsorgeprogramm aufgenommen. Engmaschige
Ultraschallkontrollen sowie eine konsequente Blutdrucktherapie sowie die Beseitigung von
Risikofaktoren (Übergewicht und Rauchen) sind dringend erforderlich.
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Thrombose: was schützt, was hilft ?
Eine Schwellung am Bein oder am Arm, ziehende Schmerzen und Hitzegefühl: Was sich zunächst wie
ein Muskelkater anfühlt, kann eine gefährliche Thrombose sein. Wird sie nicht rasch erkannt, kann es
zu lebensgefährlichen Komplikationen wie einer Lungenembolie kommen.
In unserem Körper sorgen viele biochemische Prozesse dafür, dass sich Blutgerinnung und das
Fließen des Blutes in einem Gleichgewicht befinden. Doch manchmal stockt das Blut, wenn durch
Bewegungsmangel, zum Beispiel durch langes Sitzen oder Liegen, die Zirkulation des Blutes
behindert wird. Vor allem in den tiefen Beinvenen staut sich das Blut, Blutgerinnsel (Thromben)
entstehen und können ein Gefäß verschließen.
Bei Schwangeren und Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen, bei Tumorpatienten sowie bei
Menschen mit einer Venenschwäche (zum Beispiel Krampfadern) und bei Rauchern ist die
Thrombosegefahr erhöht. Manchmal ist eine erhöhte Gerinnungsneigung erblich bedingt. Auch
Operationen erhöhen das Thromboserisiko, denn jeder operative Eingriff aktiviert die Blutgerinnung.
Um das Risiko nach Operationen zu senken, verordnen Ärzte Heparinspritzen. Wie lange sie nach
dem Eingriff eingesetzt werden müssen, hängt von der Art der Operation sowie weiteren
Risikofaktoren ab. In vielen Fällen müssen sich Patienten auch nach der Entlassung aus dem
Krankenhaus noch eine Zeit lang Heparin in die Bauchfalte spritzen. Als Alternative sind seit Kurzem
zwei neue Wirkstoffe auf dem Markt, die als Tablette eingenommen werden können: Dabigatran
(Pradaxa ®) und Rivaroxaban (Xarelto ®). Beide sind bislang nur zur Thromboseprophylaxe nach
Knie- oder Hüftgelenkersatz zugelassen. Derzeit wird geprüft, ob sie in Zukunft eventuell auch als
Alternative zu Phenprocoumon (zum Beispiel Marcumar®)
bei der längerfristigen
Blutverdünnertherapie eingesetzt werden können .
Wie entsteht eine Thrombose?
Stockt das Blut an einer Stelle, kann sich dort ein Blutpfropf (Thrombus) bilden, der die Blutversorgung
an dieser Stelle behindert und im Extremfall das Gefäß völlig verschließt. Besonders gefährlich wird
es, wenn sich ein solcher Thrombus löst und vom Blutstrom mitgerissen wird. Wird er in die Lunge
gespült und verstopft dort ein Gefäß, kommt es zur oft tödlichen Lungenembolie. In Ausnahmefällen
kann der Thrombus auch ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall verursachen. Auch ein
Herzinfarkt kann durch ein Blutgerinnsel entstehen.
Da die Symptome einer Thrombose nicht eindeutig sind, müssen schnelle Untersuchungen Aufschluss
geben, um den Thrombus mit Medikamenten aufzulösen und lebensgefährliche Komplikationen zu
vermeiden: Der sogenannte Wells-Test besteht aus einer gründlichen Befragung über mögliche
Risikofaktoren sowie einer Untersuchung der Beine. Gibt es eine Differenz beim Umfang der
Unterschenkel von mehr als drei Zentimetern? Ist die Haut am betroffenen Bein eindrückbar? Mit dem
D-Dimere-Test werden bei Gerinnungsprozessen entstehende Abbauprodukte im Blut bestimmt. Eine
Ultraschall-Untersuchung, die sogenannte Farb-Duplexsonographie, kann Thromben schließlich
genau lokalisieren. Manchmal gelingt es, das Gerinnsel mit Heparinspritzen aufzulösen .
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Thrombosen vorbeugen
Patienten mit einer Störung der Blutgerinnung können sich in einer Gerinnungsambulanz regelmäßig
untersuchen lassen. Mit einigen Vorbeugungsmaßnahmen lässt sich das Thromboserisiko senken:
langes Sitzen und Stehen vermeiden, lieber viel laufen und liegen. Flugreisende sollten auf langen
Strecken Kompressionsstrümpfe tragen und viel trinken, pro Flugstunde etwa 250 Milliliter alkoholfreie
Getränke. Sie halten das Blut flüssig. Außerdem sollten sich Reisende so oft wie möglich bewegen
und im Sitzen die Füße heben und senken. Damit wird die Muskelpumpe aktiviert und die Gefahr von
Thrombosen verhindert.
Schaufensterkrankheit: Hilfe mit Mini-Katheter und Gentherapie
Rund acht Millionen Deutsche leiden unter Verkalkungen der Schlagadern, auch Arteriosklerose oder
Atherosklerose genannt. Doch viele wissen nichts von ihrem Gesundheitsrisiko, denn Kalk und Fett
lagern sich zunächst völlig unbemerkt an den Gefäßwänden ab. Im ganzen Körper schwindet dann
allmählich die Elastizität der Adern und der Gefäßdurchmesser verengt sich bis zum vollständigen
Verschluss sein. Sind die Beinarterien von dieser heimtückischen Erkrankung befallen, spricht man
von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Immer wieder müssen die Betroffenen
wegen der mangelnden Durchblutung beim Gehen Pausen machen, bis der stechende Schmerz in
den Waden nachlässt. Deshalb wird die Erkrankung im Volksmund auch „Schaufensterkrankheit“
genannt. Doch der harmlose Begriff täuscht: die Patienten haben ein sehr hohes Risiko, einen
Herzinfarkt zu erleiden und daran zu sterben.
Frühes erkennen wichtig
Zunächst verläuft die Krankheit ohne Symptome. Sie wird daher häufig erst erkannt, wenn sie schon
weit fortgeschritten ist. Manchmal ist die Erkrankung sogar schon so ausgeprägt, dass die Schmerzen
bereits in Ruhesituationen auftreten, vor allem nachts, wenn die Beine waagerecht liegen und die
Muskulatur nicht ausreichend durchblutet wird. Um die Diagnose zu stellen, ertastet der Arzt zunächst
den Puls an den Füßen, in den Kniekehlen und Leisten. Zur weiteren Diagnostik gehören Ultraschalluntersuchungen sowie die Röntgenaufnahme der Beinarterien mit Kontrastmittel (Angiographie).
Doch je früher eine Arteriosklerose erkannt und behandelt wird, desto besser kann das Fortschreiten
der Erkrankung gebremst werden. Daher fordern Mediziner ein bundesweites pAVK-Screening, denn
die periphere arterielle Verschlusskrankheit lässt sich ganz einfach nachweisen: Bei der regelmäßigen
Blutdruckkontrolle wird nicht nur am Arm, sondern zusätzlich auch an den Fußgelenken gemessen.
Teilt man dann den am Bein ermittelten Wert durch den am Arm gemessenen Blutdruck, erhält man
den sogenannten Knöchel-Arm-Index. Liegt dieser unter 0,9, leidet der Patient unter einer pAVK. Mit
gezielt eingesetzten Medikamenten und einer gesunden Lebensweise kann dann dem Fortschreiten
der Arteriosklerose entgegengewirkt werden. So bleiben nicht nur die Beingefäße geschmeidig, auch
das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt wird deutlich reduzier t.
Gehtraining
Für eine Therapie empfehlen Experten eine Kombination aus Medikamenten und Bewegung. Für die
medikamentöse Therapie der arteriellen Verschlusskrankheit stehen verschiedene gerinnungshemSeite 15 von 30
mende und durchblutungsfördernde Substanzen zur Verfügung. Im frühen Stadium der Arteriosklerose
kann die Ausbildung von Ersatzblutgefäßen um die Engstelle durch regelmäßiges Gehtraining gefördert werden. Dabei geht der Patient immer so weit, bis die Schmerzen in den Beinen einsetzen.
Anschließend pausiert er für zwei bis drei Minuten und geht dann wieder bis knapp an die Schmerzgrenze. Nach einigen Wochen regelmäßigen Trainings wird das Pensum allmählich gesteigert.
Wichtig: Nur bis an die Schmerzgrenze und nicht darüber hinausgehen. In vielen Städten gibt es
sogenannte Gefäßsportgruppen. Hier üben die Betroffenen unter professioneller Anleitung. Informationen über solche speziellen Sportgruppen erhalten Interessierte über den Arzt oder die
Krankenkasse.
Neue Therapiemethoden
Befindet sich der Patient im fortgeschrittenen Stadium der Arteriosklerose, können die Gefäße in einer
Operation ausgeschält werden (Thrombenarteriektomie) oder die Engen mittels Bypass aus Vene
oder aus Kunststoff umgangen werden. Abhängig von der Ausdehnung und Sitz der Gefäßverengung
kann auch die weniger belastende Perkutane Transluminale Angioplastie (PTA) eingesetzt werden.
Dabei wird ein dünner Katheter durch das betroffene Gefäß geschoben, die Engstelle mittels Ballon
aufgedehnt und gegebenenfalls durch einen Stent zusätzlich gestützt. Für eine ganz neue
Therapiemethode haben sich die Mediziner die Selbstheilungsmethoden des menschlichen Körpers
abgeschaut: die Ausbildung von Ersatzblutgefäßen um die Engstelle. Durch gentechnisch hergestellte
Medikamente soll nun das Entstehen dieser neuen Adern zusätzlich angeregt werden. Die
Wirksamkeit dieses Verfahrens ist bereits wissenschaftlich erwiesen. Doch bis die letzten
Untersuchungen abgeschlossen sind, wird das Arzneimittel nur im Rahmen von Studien eingesetzt .
Amputationen vermeiden
Da Patienten mit schweren Durchblutungsstörungen ein hohes Risiko für Infektionen und
Verletzungen haben, können sich offene Stellen an den Beinen bilden, die sich entzünden können.
Rund 30.000 Mal im Jahr müssen deutsche Ärzte den Betroffenen einen Teil des Beines amputieren,
damit lebensgefährliche Bakterien und Giftstoffe nicht in die Blutbahn gelangen. Sorgfältige
Fußpflege ist deshalb für Betroffenen besonders wichtig. Die Füße sollten täglich mit lauwarmem
Wasser gewaschen und vorsichtig abgetrocknet werden. Eine Fettsalbe pflegt die empfindliche Haut
und schützt vor Rissen. Beim Kürzen der Nägel sollte nur gefeilt und alles andere der medizinischen
Fußpflege überlassen werden. Barfuss laufen ist wegen der Verletzungsgefahr zu gefährlich, Strümpfe
und bequeme Schuhe verhindern Druckstellen und Blasen.
Konsequente Bekämpfung der Risikofaktoren
Der wichtigste Schlüssel zum dauerhaften Erfolg gegen die pAVK liegt in der konsequenten
Bekämpfung der Risikofaktoren. Neben dem Alter und der erblichen Veranlagung schadet vor allem
ein ungesunder Lebensstil dem Gefäßsystem. Dazu gehören Rauchen, Bewegungsmangel und
Übergewicht. Zudem sollte der Blutdruck in Ruhe nicht höher als 140/80 mmHg liegen. So bleiben
nicht nur die Beingefäße geschmeidig, sondern auch das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko geringer.
Alarmzeichen Schaufensterkrankheit
(Sendung im RBB)
Wenn die Durchblutung in den Beinarterien gestört ist, bleiben Betroffene wegen starker
Schmerzen unfreiwillig alle paar Meter stehen. Experten sprechen von der so genannten
peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK). Wird sie nicht umgehend behandelt, droht
die Amputation.
Der Volksmund spricht von der Schaufensterkrankheit, weil die Betroffenen wie bei einem Schaufensterbummel alle paar Meter stehenbleiben. Was viele Patienten nicht wissen: Schon in diesem Stadium
ist ihre Lebenserwartung deutlich reduziert. Setzen sie sich über die Frühsymptome hinweg, wird das
Gewebe im gesamten Bein geschädigt. Im schlimmsten Fall stirbt die gesamte Gliedmaße ab und
muss amputiert werden. Dieses Schicksal erleiden in Deutschland circa 30 000 Menschen pro Jahr.
Hohes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
Außerdem ist die PAVK ein Warnsignal: Bei 60 Prozent der Patienten kommt auch in anderen
Gefäßen des Körpers wie zum Beispiel den Hirn- oder Herzarterien Arteriosklerose vor. Sie haben
somit ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt
Bei der PAVK liegen in den Arterien des Beckens und der Beine arteriosklerotische Engstellen vor.
Das bedeutet, dass sich Fett-, Kalk- und Eiweißbestandteile in der Gefäßwand ablagern. Die so
genannten Plaques verengen das Gefäßrohr und schränken den Blutfluss ein. Erschwerend kommt
hinzu, dass die Adern mit zunehmendem Alter an Elastizität verlieren.
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Anfangs merken die Patienten davon noch nichts. Es fließt noch genug Blut durch die Gefäße, das
Gewebe im Bein oder dem Becken ist ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Wird eine
Arterie jedoch zunehmend enger, nimmt die Blut- und damit Sauerstoffversorgung ab. Der Patient
kann vor Schmerzen nicht mehr laufen, er muss nach 20 bis 30 Metern eine Pause einlegen.
Wer entsprechende Beschwerden hat, sollte zunächst versuchen, seine Lebensweise zu ändern und
so die Risiken für die Entstehung und Verschlimmerung einer PAVK zu minimieren: Dazu gehören vor
allem Rauchen, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Übergewicht.
Bei Beschwerden den Arzt aufsuchen
Außerdem sollten Betroffene umgehend zum Arzt gehen. Er tastet zunächst die Pulse in der Leiste,
Kniekehle und am Fuß. Danach misst er oder die Arzthelferin mit einer Blutdruckmanschette und einer
Dopplersonde den Blutdruck an den Oberarmen und an den Fußknöcheln. Anhand der Blutdruckwerte
bestimmt er den so genannten Knöchel-Arm-Index (siehe Infotext Knöchel-Arm-Index).
Dann kontrolliert er den Blutfluss im Bein zunächst per Ultraschall. Leidet der Patient an einer PAVK,
ist der Blutfluss stark reduziert oder tendiert sogar gegen Null. Dann sind wichtige Beinarterien
vollständig verkalkt oder regelrecht verschlossen. Genauer lässt sich der Befund anhand einer
Gefäßdarstellung (Angiographie) beurteilen. Es gibt verschiedene invasive und digitale Techniken. Die
Magnetresonanztomographie (MRT) zum Beispiel ermöglicht eine Gefäßdarstellung ohne Röntgenstrahlenbelastung.
Verschiedene Verfahren für unterschiedliche Befunde
Je nach Ausmaß des Befundes beschließen die Experten, mit welchem Therapieverfahren das Gefäß
wieder durchgängig gemacht wird. Meist aber setzen sie den so genannten Ballonkatheter ein. In der
Fachsprache wird das Verfahren auch Perkutane Transluminale Angioplastie genannt, kurz PTA.
Dabei schiebt der Arzt unter ständiger Röntgenkontrolle einen dünnen Draht von der Leiste aus durch
die Arterie bis zu dem Ort des Verschlusses. Entlang des Drahtes führt er dann einen Ballon und bläst
diesen am der verengten Stelle auf. Kalk und Plaquematerial werden so in die Arterienwand gedrückt,
das Gefäß ist wieder frei. Die Ballon-Dilatation wird bei kurzen, einzelnen Verengungen oder
Verschlüssen der großen Becken- und Beinarterien eingesetzt.
Nicht selten aber ist mit dem Ballonkatheter kein Durchkommen. Dann ist die Plaque im Gefäß so alt
und hart, dass sich der Arzt anderweitig einen Weg durch Gefäß bahnen muss. Hier kann eine
perkutane transluminale Laser-Angioplastie (PTLA) helfen. Übliche Indikationen des Verfahrens:
Plaques, die bereits lange bestehen und besonders hartnäckig sind sowie Strecken länger als fünf
Zentimeter.
Die Laser-Angioplastie setzt hochenergetisches Laserlicht ein, das das arteriosklerotische Material
verdampft. Das Gefäß wird dabei nicht verletzt. Meist stabilisieren die Spezialisten das Gefäß
hinterher noch zusätzlich, indem sie einen Stent in die Arterie einlegen. Das winzige Metallgitter hält
die Arterie über lange Zeit offen.
Bei Plaques, die nicht länger als sechs Monate alt sind sowie bei erneuten Verschlüssen arbeiten die
Spezialisten hingegen mit der so genannten Rotationsthrombektomie. Dabei sprengt oder bohrt der
Arzt das Material mit einer winzigen Fräsmaschine von den Gefäßwänden und saugt die gelösten
Plaques direkt gründlich ab. So können sie nicht an anderen Stellen zu neuen Verschlüssen führen.
Gleichgültig ob Ballonkatheter, Laser-Angioplastie oder Rotationsthrombektomie: Alle Verfahren
haben ihre Berechtigung, für jeden Patienten muss nur die passende Methode gefunden werden.
Manchmal ist die richtige Lösung auch die Bypass-Operation, bei der neue Umgehungswege gelegt
werden, die das verengte Gefäß entlasten.
Gestörte Durchblutung
Bei Schnee und Kälte sind warme Füße ein Segen. Wenn sie sich jedoch schon nach wenigen
hundert Metern kalt anfühlen und Schmerzen in den Beinen auftreten, kann es sich auch um
Durchblutungsstörungen handeln. Zu den häufigsten zählt die periphere arterielle Verschlusskrankheit.
Herzinfarkt, Schlaganfall, Venenentzündungen, offene Wunden – all diese lebensgefährlichen
Erkrankungen können Folge einer Durchblutungsstörung sein. Das Tückische: unzureichend
durchblutete Gefäße machen sich erst bemerkbar, wenn sie schon sehr stark geschädigt sind. Doch
woran erkennt man Durchblutungsstörungen? Wie kann man ihnen vorbeugen? Und welche
Therapiemaßnahmen greifen, wenn die Gefäße schon stark verengt sind? Hauptsache Gesund zeigt,
welche Möglichkeiten die moderne Gefäßmedizin heute hat, warum Diabetiker besonders gefährdet
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sind und wie schon ein leichtes Gehtraining helfen kann, die Schmerzen bei einer peripheren
Verschlusskrankheit zu lindern.
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit - PAVK
Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) ist die Durchblutung der nicht zentral
liegenden (peripheren) Arterien, die die Extremitäten, also Beine und Arme bzw. das Becken
versorgen, eingeschränkt. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Komplettverschluss (Okklusion).
Am häufigsten sind Beine und Becken betroffen. Es wird zwischen einem Becken-, Oberschenkeloder Unterschenkeltyp unterschieden, je nachdem in welcher Höhe der chronische Arterienverschluss
liegt. Die häufigste Ursache dafür ist die Arterienverkalkung. Über die Hälfte aller Deutschen stirbt an
den Folgen der Gefäßverkalkung, zu denen neben der PAVK auch Herzinfarkt und Schlaganfall
zählen. Bluthochdruck, langjähriges Rauchen oder eine Fettstoffwechselstörung fördern eine
Arteriosklerose. Es gibt auch seltenere Ursachen von Gefäßverengungen wie Entzündungen oder
Krämpfe in der Gefäßmuskulatur, sogenannte vasomotorische Spasmen (z.B. bei Morbus Raynaud).
Diabetes mellitus ist ebenfalls ein bedeutender Risikofaktor für einen chronischen Gefäßverschluss.
Insbesondere am Unterschenkel können dabei kleine und große Arterien befallen sein, die Schmerzen
und Brennen im Fußbereich verursachen und auch kleinere Verletzungen schlechter heilen lassen.
Bei den bekannten Empfindungsstörungen von Diabetikern (diabetische Neuropathie) ist das eine
unheilvolle Kombination.
Ein häufig unterschätztes Risiko
Die Bedeutung der PAVK wird häufig unterschätzt. Die Diagnose wird meist erst gestellt, wenn die
Patienten beim Gehen Schmerzen verspüren. Im Volksmund wird die Krankheit auch verharmlosend
Schaufensterkrankheit genannt. Im Gegensatz zu einem Stadtbummel, bei dem Pausen wegen der
Schaufensterauslagen gemacht werden, muss bei der PAVK jedoch wegen der schmerzenden Beine
angehalten werden. Je nach Lokalisation der Gefäßverengung können Schmerzen in der Gesäßregion, der Oberschenkel-, Waden- oder Fußmuskulatur auftreten. Auch Rückenschmerzen oder
Beschwerden wie bei einer Reizung des Ischiasnervs können auftreten und zusammen mit
Missempfindungen der Haut mit einer Wirbelsäulenerkrankung verwechselt werden.
Akute Warnsignale: Ruheschmerzen und Hautschädigungen
Ist das Gefäß nahezu verschlossen, sind Ruheschmerzen typisch oder bereits Haut- und
Gewebeschädigungen sichtbar. Die Ursache ist eine Minderversorgung der Muskulatur mit Sauerstoff
und Nährstoffen. Häufig treten Verengungen an Gabelungen großer Gefäße, in geschlängelten oder
mechanisch besonders beanspruchten Gefäßen auf. So kann es vorkommen, dass eine Einengung
der Hauptschlagader im Bauch an der Gabelung zu den Beckenarterien zu einer Erektionsstörung
führt, die ein wichtiges Indiz darstellt und im Arztgespräch erwähnt werden sollte. Auch
Durchblutungsstörungen im Gehirn bis hin zum Schlaganfall oder Herzinfarkt sind Auswirkungen einer
chronischen Verschlusskrankheit und lediglich unterschiedliche Formen ein und derselben
Erkrankung. Patienten mit PAVK haben ein deutlich höheres Risiko an einem Herzinfarkt oder
Schlaganfall zu erleiden.
Bei einer Verengung werden Organe oder Gewebe schlechter durchblutet. Die Restdurchblutung
hängt von der "Dicke" des Blutes und von der Menge der Ersatzgefäße (Kollateralgefäße) ab. Eine
Ersatzblutbahn bildet sich, wenn sich ein Blutgefäß über viele Monate langsam verengt.
Zur Gefäßschädigung kommt es durch Einlagerung von Fetten. Zusätzlich greifen freie Radikale und
andere Zellgifte (Stichwort: Rauchen) vor allem die Gefäßinnenwand an. Die Mikroverletzungen
locken im Blut kreisende Zellen an, die eine Entzündungsreaktion hervorrufen. In die Gefäßwand
eingedrungene "Fresszellen" versuchen die Fette aufzunehmen und abzubauen. Dadurch bilden sich
an der Gefäßinnenwand Ablagerungen (sogenannte Plaques).
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Die zunächst gallertartige Plaque kann später verkalken, an Größe zunehmen und so langsam zur
chronischen Gefäßverengung führen. Als die gefährlichsten Veränderungen haben sich in
wissenschaftlichen Studien mittelgradige Einengungen (ca. 40-50 Prozent des Durchmessers)
erwiesen, die besonders tückisch sind, da sie keine Warnsymptome auslösen. Die Plaque kann aber
auch sehr plötzlich aufbrechen und zu einem akuten Verschluss einer Arterie führen. Konnten sich bis
zu diesem Zeitpunkt nicht genügend Ersatzgefäße bilden, ist die Blutversorgung des Gewebes
gefährdet. Wie sensibel ein Gewebe auf den Sauerstoffmangel reagiert, hängt von der Beschaffenheit
eines jeden Organs ab. Das Gehirn toleriert Durchblutungsstörungen nur sehr schlecht, Extremitäten
sind weniger empfindlich. Trotzdem kann es auch hier zum Untergang von Zellen kommen. So können
im fortgeschrittenen Stadium einzelne Zehen oder die ganze Extremität absterben.
Der Engstelle auf der Spur
Wer nur noch höchstens 200 Meter ohne Schmerzen laufen kann, sollte sich dringend vom Arzt
untersuchen lassen. Zunächst werden obligatorisch der Blutdruck gemessen und der Puls in der
Leiste und an den Beinen getastet. Wird hier eine Verdachtsdiagnose gestellt, weil beispielsweise auf
einer Seite die Beinpulse sehr schwach oder gar nicht zu tasten sind, kann mit einer einfachen
Lagerungsprobe eine PAVK festgestellt werden. Dabei werden die Beine angehoben. Wird die Haut
an einer Extremität blass und kühl bzw. treten Schmerzen auf und tritt anschließend eine Rötung des
betroffenen Beines auf, spricht das für eine PAVK. Zur Basisuntersuchung zählt auch der so genannte
Knöchel-Arm-Index (ABI). Dabei wird zusätzlich zum Blutdruck am Oberarm der systolische Blutdruck
an den Knöchelarterien bestimmt, der mit Blutdruckmanschette und einem kleinen Ultraschall-Gerätes
(Taschengefäßdoppler) möglich ist. Das Verhältnis von Druck im Fuß zum Druck des Armes ergibt
den Knöchel-Arm-Index. Ein Wert unter 0,9 zeigt eine PAVK an. Der Test eignet sich zur
Früherkennung. Bewährt hat sich die Doppler- oder Duplexsonographie, eine Ultraschalluntersuchung,
bei der der Blutfluss optisch und akustisch dargestellt wird. Zu den invasiven Untersuchungsmethoden
gehört die Angiographie, bei der über die Leistenarterie ein Kontrastmittel ins Gefäßsystem gespritzt
wird und anschließend durch Röntgenaufnahmen in den Arterien sichtbar gemacht wird. Das ist auch
mit Hilfe der Computertomographie oder Magnetresonanztomographie (CT- oder MR-Angiographie)
möglich. Mit der Angiographie lässt sich die verengte Stelle aufspüren und gegebenenfalls gleich
behandeln.
Verschlossene Gefäße wieder öffnen
Chirurgische Gefäßreparaturen bei PAVK helfen zwar das geschlossene Gefäß wieder zu öffnen,
lösen das Grundproblem der voranschreitenden Gefäßverkalkung nicht. Daher sollte ein Kompromiss
zwischen Aufwand, Risiko und Nutzen gefunden werden. Chirurgische Maßnahmen sollten erst bei
Patienten mit starken Beschwerden und hohem Leidensdruck eingesetzt werden.
Die perkutane transluminale Ballonangioplastie (PTA) ist eine Behandlungsmethode zur Öffnung von
verengten Blutgefäßen in den Beinen mittels Ballon-Katheter. Die Methode ist wenig eingreifend
(minimal-invasiv), für den Patienten kaum zu spüren und in der Regel ohne größere Nebenwirkungen.
Das Verfahren hat jedoch den Nachteil, dass bei einem erheblichen Teil der behandelten Patienten im
Verlauf eine erneute Gefäßeinengung auftritt. Diese ist oftmals Folge einer Gewebereaktion des
behandelten Gefäßabschnitts auf die mechanische Reizung. Der Ausweg: Mit Medikamenten
beschichtete Ballonkatheter. Sie werden am Universitätsklinikum Magdeburg seit vergangenem
Sommer im Rahmen einer groß angelegten Studie bei verschlossenen Beingefäßen eingesetzt. Der
neuartige Ballonkatheter ist mit einem Medikament beschichtet, das die Gewebereaktion verhindert.
Das Team der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin erwartet, dass mit dem Einsatz der neuen
Technik die Rate des Wiederauftretens der Arterienverschlüsse deutlich gesenkt wird. Im Ergebnis
versprechen sich die Magdeburger eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität der Patienten
und langfristig eine Verminderung von Amputationsraten. Da langfristige Studien fehlen, ist jedoch die
Bedeutung Medikamenten beschichteter Ballon-Katheter noch offen.
Risikofaktoren vermeiden und aktiv bleiben

Rauchen führt durch die gefäßverengende und gerinnungsfördernde Wirkung des Nikotins
zur Verschlechterung der Gefäßkrankheit. Wird das Rauchen gestoppt, sinken die Risiken
(beispielsweise auch einen Herzinfarkt zu erleiden) innerhalb weniger Wochen. Gegenüber dem
Nichtraucher bleibt das Risiko auch weiterhin erhöht. Das Krebsrisiko hingegen geht erst nach
Jahren zurück.

Hoher Blutdruck fördert die Arteriosklerose. Blutdrucksenkende Medikamente sind deshalb
bei Hochdruckpatienten fast immer ein Muss, um den optimalen Blutdruckwerten von 120/80 mmHg
möglichst nah zu kommen. Bei der Einstellung des Blutdrucks wird auf Medikamente
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zurückgegriffen, die neben blutdrucksenkender Wirkung auch entzündungshemmende
Eigenschaften haben (z.B. ACE-Hemmer). Sie spielen eine zentrale Rolle in der Behandlung der
Arteriosklerose, da sie auch das Wachstum der Plaque verhindern können (z.B. Betablocker) .

Fette, insbesondere das "schlechte" LDL-Cholesterin, lagern sich in Gefäßwänden ab und
führen zu gefäßverengenden Plaques. Cholesterinsenker hemmen durch Senkung des LDLCholesterins (oder durch Erhöhung des Gegenspielers HDL-Cholesterin) das Größenwachstum der
Plaque. Bei der Ernährung sollte der Verzehr tierischer Fette eingeschränkt werden. Günstig
hingegen Gemüse und Fisch.

Diabetes mellitus führt unter anderem durch eine direkte Wirkung des "Zuckers" zur
Schädigung der Arterien.
Gehtraining fördert die Durchblutung
Jeder Mensch hat von Geburt an ein Netz an Nebengefäßen (Kollateralen), die in der Nähe der
Schlagadern liegen und deren Funktion übernehmen können, wenn die benachbarte Arterie verstopft
ist. Wie funktionstüchtig diese natürlichen Bypässe sind, hängt von erblichen Bedingungen,
Risikofaktoren und dem Trainingszustand des Patienten ab. Bei der PAVK kommt es wegen der
bereits bestehenden Gefäßverengung unter körperlicher Belastung zu immer wieder kehrender
Sauerstoff-Mangelversorgung. Das ist ein starker Reiz für die Bildung neuer Blutgefäße, die den
Patienten vor einem Gewebeuntergang schützen können. Bewegung erhöht den Herzschlag,
beschleunigt den Blutstrom und damit die Schubspannung. Durch regelmäßiges Gehtraining
verbessert sich das Wachstum der Umgehungsgefäße. Bei Patienten in frühen bis mittelschweren
Stadien der Schaufensterkrankheit sind überwachte Übungsprogramme zur Verlängerung der
schmerzfreien Gehstrecke ähnlich effektiv wie gefäßchirurgische Maßnahmen. Bereits mit einer
einzigen Kontraktion kann der Muskel einen faszinierenden „Sofort-Effekt“ auslösen: Unmittelbar nach
dem Absenken des Fußes gegen geringen Widerstand kommt es beispielsweise zu einem steilen
Anstieg der Beindurchblutung. Erst nach etwa 15 bis 20 Sekunden wird der Ausgangswert wieder
erreicht. Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit können daher von einer intervallartig
aufgebauten Bewegungstherapie mit kurzer und geringer Belastungsintensität und der daraus
resultierenden Durchblutungssteigerung profitieren. Der Therapieerfolg beruht auf einer direkten
Verbesserung der Funktion der Gefäßinnenhaut sowie einer Stoffwechselanpassung der Muskulatur .
"Herzhose" lässt neue Gefäße sprießen
Für Patienten mit Durchblutungsstörungen, die kein regelmäßiges Gefäßtraining absolvieren können,
wird derzeit der Einsatz einer sogenannten "Herzhose" geprüft. Damit kann Bewegung simuliert
werden. Ursprünglich wurde sie für Herzpatienten entwickelt. Der Berliner Wissenschaftler und Arzt
Dr. Ivo Buschmann, der am Zentrum für kardiovaskuläre Forschung deren Wirkung untersucht, erklärt
das Prinzip folgendermaßen: "Die Herzhose ist ein Verfahren, bei der das Blut aus den Beinen
ruckartig nach oben transportiert wird. Und das ist in gewisser Weise ähnlich wie beim Laufen." Der
Effekt entsteht durch sechs aufblasbare Manschetten, die paarweise um Unter- und Oberschenkel
gelegt werden. Sie blähen sich im Rhythmus der Herzaktion auf und entlüften sich wieder. Damit wird
das Blut aus den Beinen in Richtung Herz gestoßen. Dieses "passive Training" ahmt Bewegung nach
und regt die Erweiterung von Gefäßen in Umgehungskreisläufen nicht nur des Herzens, sondern auch
der Beine an. Warum diese Wechselwirkung so wichtig ist erklärt Ivo Buschmann so: "Viele Patienten,
die unter Durchblutungsstörungen leiden, haben ein sehr hohes Risiko, einen Schlaganfall oder
Herzinfarkt zu bekommen." Die bisherigen Untersuchungen machen Mut. Der Blutfluss nahm
durchschnittlich um das Doppelte zu und die Beschwerden wurden gelindert .
Venöse Durchblutungsstörungen
Die Venen in unseren Beinen müssen ständig gegen die Schwerkraft arbeiten. Um das Blut in
Richtung Herz zu transportieren, werden sie durch die Wadenmuskulatur und die Venenklappen
unterstützt. Spannen sich die Muskeln an, wird Druck auf die Venenwände ausgeübt und das Blut
nach oben gepresst. Über das tiefe Venennetz kann das Blut dann abtransportiert werden. Die
geschlossenen Venenklappen halten das Blut zurück, damit es nicht wieder nach unten fließt. Bei der
Venenschwäche (chronisch venöse Insuffizienz), verursacht durch Übergewicht, erblich bedingte
Bindegewebsschwäche oder einen beinbelastenden Beruf, erweitern sich die Venen und die Klappen
können nicht mehr richtig schließen.
Krampfadern an den Beinen sind weit mehr als ein kosmetisches Problem. Wenn die Venenklappen
nicht mehr schließen, versackt das Blut in den Unterschenkeln und kann dort Schmerzen,
Thrombosen oder sogar offene Beine hervorrufen. Die Krampfadertherapie zielt darauf ab, krankhaft
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veränderte Venen stillzulegen (mit Laser, Radiofrequenztherapie oder Schaumsklerosierung) oder
herauszuoperieren (zu strippen). Einerseits können dabei Rückfälle auftreten, andererseits geht
Venenmaterial verloren, das durchaus einmal lebensrettend sein könnte. Die oberflächlichen Venen
können nämlich als Bypassmaterial dienen, auf das bei Gefäßverschlüssen am Herzen oder anderen
Organen zurückgegriffen werden muss.
Neue OP-Technik verspricht Hilfe: "Innere Kompressionsstrümpfe"
Am Venenzentrum des Klinikums der Ruhr-Universität Bochum operieren Gefäßchirurgen und
Dermatologen seit Jahren mit einer venenerhaltenden Methode. Das Verfahren beruht auf der
Reparatur der defekten Venenklappen. Über einen kleinen Schnitt in der Leistenregion wird die
bindegewebsschwache Vene freigelegt, mit einem Kunststoffmantel umnäht und so auf den normalen
Durchmesser gebracht. Damit nähern sich die Venenklappen wieder an und dichten sicher ab. Das
Einsetzen des Materials erfordert viel Erfahrung und Präzision und war mit dem bisherigen Hüllstoff
nicht immer einfach. Seit einiger Zeit können die Ärzte nun ein besseres, flexibleres und dünneres
Material einsetzen, das wie ein "innerer Kompressionstrumpf" die Vene stützt.
Venengymnastik und Gefäßtraining
Bei der Venengymnastik kommt es auf die Bewegung der Bein-, insbesondere der Wadenmuskulatur
an. Wadentraining ist in verschiedenen Schwierigkeitsstufen an jedem Ort möglich. Im Liegen werden
die Beine angehoben und die Füße gegen ein Handtuch, einen Schal oder ein Theraband gedrückt.
Nun werden abwechselnd die Beine gestreckt bzw. an den Körper herangezogen. Mit dieser Übung
erreicht man eine Durchblutung, bevor die Schwerkraft wirkt und die Venenklappen sind "vorbereitet"
für den Tag. Natürlich funktioniert diese Übung auch im Sitzen mit und ohne Widerstand und im Stand
oder an einer Treppe. Je nach Muskelzustand muss jeder für sich die richtige Position finden. Für eine
gute Durchblutung des Muskels empfiehlt sich ein Belastungsintervall von ca. 30 Sekunden.
Dazwischen kann eine kurze Pause von 15 bis 20 Sekunden eingelegt werden. Für alle Übungen gilt:
zehn Wiederholungen, wenn möglich zwei- bis dreimal täglich. Ein gute Ergänzung zum Gefäßtraining
sind kalte Güsse nach Kneipp. Geeignet sind kalte Wadengüsse oder warm-kaltes Wechselduschen,
auch Tau oder Schneetreten. Sehr starke Kältereize wie Gehen im Schnee sollten nur wenige
Sekunden einwirken. Danach die Füße unbedingt in warme Socken stecken. Bei fortgeschrittener
arterieller Durchblutungsstörung oder Gefäßkrämpfen ist Schneetreten allerdings ungeeignet.
Überhaupt sollte so oft wie möglich versucht werden Barfuß zu laufen. Und nicht nur die
Gefäßmuskulatur wird beim Venenwalking (Abrollen des Fußes bis zur Zehenspitze) oder durch
Zehen- und Hackengang trainiert, sondern auch die Koordination.
Kompressionstherapie
Etwa die Hälfte der verordneten Kompressionsstrümpfe wird nicht getragen. Dabei sind sie für den
Patienten besonders nach Operationen und zur Vorbeugung von Thrombosen wichtig. Die Akzeptanz
wird jedoch häufig durch den medizinisch notwendigen straffen Sitz der Strümpfe verhindert.
Spannungsgefühle, gereizte, juckende und trockene Haut sind die Folge. Moderne
Kompressionsstrümpfe müssen jedoch nichts mehr mit dem dicken braunen Strümpfen von einst zu
tun haben. Dank neuer Materialien und Strickverfahren, bei denen z.B. pflegende Extrakten im Garn
verarbeitet sind, wird der Haut Feuchtigkeit zugeführt und zudem das Anziehen erleichtert.
Verschiedene Farben und modische Muster machen die Strümpfe tragbar. Für das mitunter
zeitraubende Anziehen gibt es viele Hilfsmittel, die verordnet werden können. Lassen Sie sich von
Ihrem Arzt oder im Sanitätshaus beraten.
Thromboseschutz ohne Spritzen
Nach Operationen werden zur Vorbeugung vor Thrombose Medikamente eingesetzt. Bisher waren
das ein oder zwei Spritzen pro Tag, die je nach Operationsart über zwei bis sechs Wochen verabreicht
werden mussten. So mancher Patientenbauch war danach blau-gefleckt, denn die Spritzen werden
unter die Bauchhaut appliziert und verursachen Blutergüsse. Seit 2008 ist ein neues Medikament für
die Thromboseprophylaxe zugelassen: Es ist eine Tablette, die die Spritzen ersetzen kann. Eine
patientenfreundliche Methode, mit der Infektionen und andere Komplikationen vermieden werden
können. Für ein Medikament aus dieser Substanzgruppe wurde den Entwicklern im vergangenen Jahr
der deutsche Zukunftspreis verliehen. Das Medikament ist für die Thromboseprophylaxe nach Hüftbzw. Kniegelenkersatzoperationen zugelassen. Diese Operationen bergen ein hohes Risiko für eine
Thrombose oder Embolie. Der Wirkstoff ist genauso effektiv wie die Spritzen und hemmt ein Enzym im
Gerinnungssystem, welches für die Bildung eines Gerinnsels von entscheidender Bedeutung ist. Im
Unterschied zur herkömmlichen Prophylaxe muss beim eingenommenen Medikament nicht wie bisher
das Blutbild kontrolliert werden, da Veränderungen der Blutplättchenanzahl, wie sie bei Spritzen
möglich sind, sicher ausgeschlossen werden können.
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Projekt Nordic Walking für Amputierte
Jährlich werden 35.000 Menschen in Deutschland wegen einer Durchblutungsstörung amputiert. Das
Leben mit einer Prothese ist nicht einfach. Neues Selbstvertrauen schenken Selbsthilfegruppen, wie
die Amputierten-Nordic-Walking-Gruppe (Ampu Nowa) aus Plauen. Beinamputierte treffen sich am
Sanitätshaus Schöne einmal wöchentlich mit einem speziell ausgebildeten Trainer zum Nordic
Walking.
Nordic Walking ist gerade für Amputierte gut geeignet, da Auftrittsbelastungen abgeschwächt werden
und damit weniger Schmerzen am Stumpf auftreten. Außerdem wird das Gleichgewicht verbessert.
Der Trainer muss auf die speziellen Probleme der Prothesenträger Rücksicht nehmen. Amputierte
haben beispielsweise Angst, dass sie ausrutschen oder die Prothese einknickt. Bei der Ausbildung
wird Wissen um die Streckenauswahl, die Wegbeschaffenheit und die Gehstrecke vermittelt. Diese
Informationen sind wichtig, da ein Amputierter für einen Weg doppelt so viel Energie verbraucht wie
ein Mensch mit zwei Beinen. Aber die Anstrengung lohnt sich. Durch die Muskelkräftigung des ganzen
Körpers werden Beschwerden des gesamten Bewegungsapparates gelindert, wie z.B.
Rückenschmerzen. Die Walker werden belastbarer und können eine längere Gehstrecke mit weniger
Pausen zurücklegen. Letzten Endes gibt das neu gewonnene Körpergefühl mehr Selbstsicherheit im
Alltag und Kraft, die schwere Erkrankung besser und nicht allein zu bewältigen.
Thrombose: Tabletten statt Spritzen
Von Sabine Winter
Stand: 21.07.2009
Nach Operationen müssen Patienten oft wochenlang Heparin spritzen, um Thrombosen
vorzubeugen. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch zu schmerzhaften blauen
Flecken führen. Seit kurzem gibt es Tabletten zum Einnehmen: Sind diese für alle Patienten
geeignet? Was muss beachtet werden?
Eine Spritze bekommt niemand gern. Und trotzdem gehört sie zum Alltag eines jeden Patienten, der
sich - zum Beispiel nach einer Operation - länger nicht bewegen kann. Denn mit ihr wird
blutverdünnendes, niedermolekulares Heparin injiziert. Und das soll Thrombosen, also gefährliche
Gerinnsel in den Venen, verhindern.
Thrombose
Verschließt ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß, so spricht man von einer Thrombose. Am häufigsten
treten Thrombosen innerhalb der tiefen Bein- und Beckenvenen auf. Gefährlich sind sie, wenn sich
ein Teil des Blutgerinnsels löst und mit dem Blutstrom in die Lunge gelangt. Denn dann droht eine
Lungenembolie. Und die kann tödlich enden.
Doch nun gibt es einen anderen Weg, um dem drohenden Blutpfropf vorzubeugen: Anti-ThromboseTabletten und -Kapseln. Für Patienten, die ein neues Knie- oder Hüftgelenk bekommen haben und
deswegen besonders thrombosegefährdet sind, sind sie bereits zugelassen.
Dr. Matthias Zurstegge, Chefarzt der Orthopädie in der Asklepios Stadtklinik Bad Tölz, nutzt seit
Anfang des Jahres die Möglichkeit, seinen Patienten eine Alternative zu den Heparin-Spritzen bieten
zu können:
Dr. Matthias Zurstegge, Chefarzt der Orthopädie, Asklepios Stadtklinik Bad Tölz:
"Es ist einfacher eine Tablette zu schlucken, als sich selbst eine Spritze in die Bauchdecke zu
stechen oder stechen zu lassen. Die Spritze verursacht zwangsläufig Blutergüsse unter der Haut und
ruft bei den Patienten eine gewisse Abneigung hervor. Und die Tablette ist so harmlos einzunehmen
wie eine Kopfschmerztablette."
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Die Behandlung mit Tabletten ist zweifelsohne angenehmer als die mit Spritzen. Aber was genau hat
es mit der neuen Art der Thrombose-Vorbeugung auf sich?
Wirksamkeit
Die Anti-Thrombose Pille zielt darauf ab, die Blutgerinnung zu hemmen. Aber wirkt sie auch genau so
gut wie die seit Jahren bewährte Heparin-Spritze?
Eine Frage, mit der sich auch Dr. Michael Spannagl vom Klinikum der Universität München
beschäftigt. Als Facharzt für Hämatologie, also für Blutkrankheiten, verfolgt er die Entwicklung der
Tabletten seit Anfang an.
Dr. Michael Spannagl, Klinikum der Universität München:
"Wir können im Blut die Wirkstoffe messen, die dann auftauchen, wenn die Tablette über den Magen
aufgenommen wird oder die Spritze unter die Haut verabreicht wird. Und wenn wir diese Wirkstoffe im
Blut untersuchen, dann finden wir, dass die von der Tablette und die von der Spritze gleichermaßen
auftauchen. Die Wirkung gegen die Blutgerinnung ist deshalb vergleichbar."
Hinsichtlich der Wirksamkeit der Tabletten müssen sich Patienten also keine Sorgen machen.
Dr. Michael Spannagl, Klinikum der Universität München:
"Wenn wir gegen Thrombosen arbeiten, dann arbeiten wir gegen die Blutgerinnung. Und wenn wir
gegen die Blutgerinnung arbeiten, dann haben wir Blutungskomplikationen. Diese
Blutungskomplikationen können auch bei den neuen Tabletten auftreten."
Bildunterschrift: Pille oder Kompressionsstrumpf - bald könnte man die Wahl haben zur Vorbeugung
von Reisethrombosen.
Nebenwirkungen
Für Menschen, deren Blutgerinnung gestört ist - wie zum Beispiel Bluter - sind die Thrombosemittel
deshalb tabu. Bei anderen Patienten sind bisher keine medizinisch relevanten Nebenwirkungen
aufgetreten. Es wird deshalb bereits angedacht, die Pillen flächendeckend einzusetzen.
Doch bevor das möglich ist, müssen die Tabletten beweisen, dass sie auch in anderen Bereichen als
nach Hüft- und Knie-Operationen wirksam und gesundheitlich unbedenklich sind. Um das zu
überprüfen, führen Wissenschaftler derzeit auf der ganzen Welt klinische Studien durch.
Sollte es den Pillen wirklich gelingen, weitere Marktzulassungen zu bekommen und in Langzeitstudien
von sich zu überzeugen, dann könnte sich die Thrombose-Vorbeugung grundlegend ändern.
Weitgehend überflüssig wären dann nämlich nicht nur die von vielen Patienten als unangenehm
empfundenen Heparin-Spritzen. Sondern auch Fluggäste hätten die Wahl, ob sie einer
Reisethrombose lieber mit einem Kompressionsstrumpf, einer Spritze oder einer Anti-ThromboseTablette vorbeugen.
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Thrombose im Flugzeug – was tun ?
Sendung im BR 29.4.2009
Von Emel Ugurcan
Finanzkrise hin, Lebenslust her. Auch dieses Jahr werden Sonnenhungrige wieder ins
Flugzeug steigen, um in den exotischsten Ländern die vier schönsten Wochen des Jahres zu
verbringen. Bali oder die Malediven liegen hoch in Kurs. Doch gerade bei Langstreckenflügen
droht das "Economy-Class-Syndrom" - die Thrombose. Mit ein paar einfachen Maßnahmen
kann man das verhindern!
Ein Langstreckenflug heißt in der Regel stundenlanges Sitzen auf dem gleichen Fleck und kaum
Bewegungsmöglichkeiten. Der enge Sitzabstand zum Vordermann lässt es kaum zu, die Beine in
Bewegung zu halten. Und das ist eine ideale Voraussetzung für eine Thrombose.
Bildunterschrift: Die Arbeit der Venen
Gefahr Lungenembolie
Solange der Mensch in Bewegung ist, unterstützen die Beinmuskeln den Bluttransport zurück zum
Herzen. Doch kommt er zum Stillstand – wie beim stundenlangen Fliegen mit abgeknickten Beinen hat es das Blut schwer, wieder nach oben zum Herzen zu kommen. Es können sich Blutgerinnsel
bilden, die die Venen verstopfen. Es kann eine Thrombose entstehen. Wenn sich eine Verstopfung
löst, kann der Pfropfen mit dem Blutkreislauf in die Lunge kommen. Die Folge ist eine Lungenembolie,
die zum Tod führen kann.
Wer ist besonders gefährdet?
Gefährdet sind Frauen, die die Pille nehmen und zusätzlich rauchen. Übergewicht, Bluthochdruck und
Herzleiden steigern ebenfalls das Risiko. In der Regel sind ältere Menschen mit chronischen
Erkrankungen betroffen - das heißt Passagiere, die schon eine Gefäßerkrankung haben. Wer
besonders gefährdet ist, bekommt vor dem Flug eine verschreibungspflichtige Heparin-Spritze. Doch
das Schreckgespenst Thrombose lässt sich nicht nur mit einem kleinen "Pieks" in die Flucht schlagen.
Bildunterschrift: Pille und Zigaretten - eine gefährliche Kombination
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Bewegung: Der Feind der Thrombose
Ihr größter Feind ist Bewegung. Schon kleine Turnübungen im Flugzeug sind effektiv. Zum Beispiel
die Füße kreisen, auf den Boden stapfen, Füße abwechselnd nach oben und unten bewegen. Auch
sollte man versuchen, öfters die Sitzposition zu wechseln und ab und an – wenn möglich – vom Platz
aufstehen. Denn durch die Muskelbewegungen kommt auch das Blut wieder in Schwung. Die VenenKlappen in den Waden werden aktiv, verhindern einen Blutstau. Das Blut kann dadurch wieder besser
zurück zum Herzen gelangen.
Bildunterschrift: Am besten Wasser trinken
Viel trinken
Doch nicht nur Bewegung ist wichtig. Durch die trockene Luft im Flugzeug verliert der Körper
Flüssigkeit. Die Folge: Das Blut wird dicker und schwerer, so dass es sich nicht mehr so leicht
transportieren lässt. Deshalb viel Wasser oder Fruchtsaftschorlen trinken. Auf Alkohol und Kaffee
sollte am besten verzichtet werden.
Bildunterschrift: Stützstrümpfe - man kann auch lange Hosen darüber tragen ..
Stützstrümpfe fördern den Blutfluss
Eine weitere Möglichkeit, den Blutrückfluss zu unterstützen, sind Stützstrümpfe. Zu bekommen sind
sie auch kurz vor dem Flug in jeder Apotheke. Enge Kleidung und unbequeme Schuhe sollten bei
einem Langstreckenflug lieber im Schrank bleiben. Stattdessen sind lockere und bequeme Kleidung
und Schuhe gefragt. Ihre Beine werden es Ihnen beim nächsten Langstreckenflug sicherlich danken!
Mehr Informationen:
Flughafenklinik München
AirportClinicM
MediCare Flughafen München
Medizinisches Zentrum GmbH
Terminalstraße West, Terminal 1, Modul E, Ebene 03
85356 München-Flughafen
Internet: www.munich-airport.de
Fit for travel - Service der LMU
Wartburgplatz 11
80804 München
Tel.: 089 / 308 97 51
Fax: 089 / 30 65 99 53
Internet: http://www.fit-for-travel.de/
Blutvergiftung - erkennen und behandeln
Sendung auf NDR
Autor: Gerd Schubert
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Ein Schnitt mit einem Küchenmesser, ein Dorn an einem Busch im Garten oder ein Nagel beim
Heimwerken - eine kurze Unaufmerksamkeit und schon hat man sich verletzt. Die Wunde fängt an zu
bluten. Das kann schlimme oder zumindest sehr unangenehme Folgen haben - wie bei einem
Patienten des Hamburger Allgemeinmediziners Dr. Stephan Hofmeister: "Der Patient hat entrümpelt
und Bretter aussortiert. Dabei ist er mit dem Finger am Nagel hängen geblieben. Er hat sich diesen
leicht eingerissen und im Verlauf von zwei bis drei Tagen ist es zu einer Entzündung gekommen. Der
Finger wurde rot, heiß und dick. Die Rötung zog sich in die Hand hinein." Der Heimwerker klagte dann
über Schmerzen, obwohl er die Wunde gereinigt und ein Pflaster darauf geklebt hatte .
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Die Rötung kommt von der an der Wunde entstehenden Wundrose, einer örtlich begrenzten
Entzündung der Lymphgefäße, über die schädliche Produkte im Körper abfließen. Weil die
Entzündung bei diesem Patienten schon tiefer in die Haut vorgedrungen war, musste sie mit einem
kleinen Schnitt geöffnet und desinfiziert werden. "Wenn es tiefere Wunden sind, vor allem
Stichwunden, Bissverletzungen von Mensch oder Tier oder Verletzungen mit grobem Schmutzeintrag,
sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Auch wenn es in Folge von irgendwelchen Verletzungen
zu Überhitzungen, Rötungen oder Schwellungen im Bereich der Stelle der Verletzung kommt", sagt
Dr. Stephan Hofmeister.
Wenn sich eine Wunde entzündet, liegt das meistens an Bakterien. Ein Antibiotikum kann dann
schnell helfen. Bei Verletzungen im Garten können auch Pilze oder seltene Bakterien in die Wunde
gelangen, gegen die ein Standard-Antibiotikum machtlos ist. Wenn nach gut zwei Tagen noch keine
Besserung eintritt, sollte der Patient unbedingt noch einmal den Arzt aufsuchen. Geht es ihm sogar
deutlich schlechter, sollte er so schnell wie möglich ins Krankenhaus, rät Dr. Stephan Kluge vom
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. "Anzeichen sind eine Rötung der betroffenen Stelle,
Krankheitsgefühl, hohes Fieber und Benommenheit. Dann kann es sein, dass sich dieser bakterielle
Infekt an der lokalen Stelle auf den gesamten Körper ausgeweitet hat. Dann sprechen wir von einer
Blutvergiftung, beziehungsweise Sepsis."
Blutung schnell stillen
Kommt es tatsächlich zu einer Blutvergiftung, ist das lebensbedrohlich: Mehr als jeder dritte Betroffene
stirbt. Besonders gefährdet sind Patienten mit Lungenentzündung, Blinddarmdurchbruch und
intensivmedizinisch behandelte Patienten. Eine Blutvergiftung durch sogenannte BagatellVerletzungen, Nägel, Küchenmesser oder Gartendornen, kommen aber immer wieder vor. Damit es
nicht so weit kommt, ist es wichtig, möglichst sofort richtig reagieren: "Grundsätzlich sollte zunächst
die Blutung gestillt werden. Mit einem sauberen Leinentuch oder Baumwolltuch kann man wenig
falsch machen. Wer alkoholische Desinfektionsmittel zu Hause hat, kann diese gegebenenfalls
einsetzen. Diese sollten aber mit Vorsicht geschehen, denn sie können brennen, was besonders für
Kinder äußerst unangenehm sein kann", erklärt Dr. Stephan Kluge.
Ist die Verletzung klein und nur an der Oberfläche, reicht es, die Wunde mit frischem Leitungswasser
auszuspülen. Nur bei größeren Wunden oder wenn Schmutz in die Wunde gekommen ist, ist es
besser auf Nummer sicher zu gehen, zu desinfizieren und die Wunde steril abzudecken, damit sie sich
nicht entzündet.
Frauenherzen – Tako Tsubo
RBB 20.4.2011
Infotext: Beate Wagner
Herzinfarkte galten lange Zeit als Männersache. Und man ging davon aus, dass Frauen, die
einen Infarkt erleiden, seltener als Männer die typischen Infarktsymptome aufweisen. Die
Wirklichkeit sieht anders aus. Auch bei Frauen sind Herzinfarkte jetzt eine der führenden
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Todesursachen und inzwischen weiß man, dass sich die Anzeichen für einen Herzinfarkt bei
Frauen und Männer doch ähneln.
Tatsache ist auch, dass eher Frauen von einer besonderen Form des Herzinfarktes betroffen sind, bei
der nicht das Verstopfen eines Herzkranz-gefäßes Ursache ist, sondern Stresshormone die
Pumpfunktion des Herzens lahmlegen.
Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit – nicht nur medizinische Laien denken bei diesen
Beschwerden eher an einer Magenreizung als an einen Herzinfarkt. Vor allem für Frauen kann
dadurch kostbare Überlebenszeit verloren gehen. Denn zwei Drittel aller weiblichen
Herzinfarktpatienten schildern erst auf gezielte Nachfragen die "typischen" Herzinfarkt-Symptome wie
plötzliche Schmerzen in der linken Brust.
Im Vordergrund stehen für sie Symptome wie Erbrechen, Übelkeit, Rückenschmerzen oder verstärkte
Atemnot. Folge: Der behandelnde Arzt verkennt die dringende Situation, Frauen ereichen die Klinik zu
spät.
Noch vor 20 Jahren galt der Herzinfarkt weitgehend als Männerkrankheit. Einer EMNID-Umfrage
zufolge hat sich daran bis heute nur wenig geändert: 61 Prozent der befragten Frauen glauben heute
immer noch, dass der Herzinfarkt vor allem Männer bedroht. Auch einer Umfrage der Charité zufolge
wusste nur ein Drittel der Befragten, dass Herzkreislauferkrankungen auch bei Frauen weit verbreitet
sind und der Herzinfarkt zu den führenden Todesursachen zählt – noch vor Krebs.
Herzinfarkt ist auch Frauensache
Besonders gefährdet sind Frauen nach der Menopause, die stark übergewichtig sind und/oder
Diabetes mellitus haben. Studien haben gezeigt, dass die Zuckerkrankheit bei Frauen mit einem
dreifach höheren Herzinfarkt-Risiko einhergeht. Doch auch bei jüngeren Frauen ist der Herzinfarkt
keine Seltenheit.
Im Unterschied zu Männern:
• tritt der Herzinfarkt bei Frauen rund zehn Jahre später auf. Der Grund sind die Geschlechtshormone.
Bis zu der Hormonumstellung in den Wechseljahren wirken Östrogene schützend auf das weibliche
Gefäßsystem. Ist die Hormonumstellung abgeschlossen, gleicht sich das Herzinfarktrisiko beider
Geschlechter an.
• geht er oft mit Symptomen wie Oberbauchbeschwerden, Schmerzen zwischen den Schulterblättern
oder im Kiefer, Müdigkeit oder Übelkeit einher.
• werden Frauen durch die unklaren Beschwerden häufig später behandelt. Laut dem Berliner
Herzinfarktregister werden Frauen mit Herzinfarkt etwa 30 Minuten später in eine Klinik eingeliefert, oft
sind sie älter und schwerer erkrankt als männliche Patienten. Sie leiden häufiger an Diabetes mellitus,
arterieller Hypertonie, Herzinsuffizienz und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung.
• entspricht die Behandlung der Patientinnen seltener der offiziellen Leitlinie. So wird nur bei der Hälfte
der Patientinnen nach einem Herzinfarkt das verschlossene Herzkranzgefäß mit einem Ballonkatheter
wieder eröffnet. Bei Männern wird der Katheter bei 69 Prozent angewendet.
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• erhalten Frauen nach Entlassung aus der Klinik seltener Betablocker oder Statine, um einem
erneuten Herzinfarkt vorzubeugen.
• sinkt die Rate der Todesfälle durch Herz-Kreislauferkrankungen bei Frauen weniger. Zwischen 40
und 55 Jahren steigt sie sogar an. Experten führen das unter anderem darauf zurück, dass sich die
Lebensstile der Geschlechter angleichen. Frauen, die unter 50 Jahren einen Herzinfarkt erleiden, sind
zu 80 Prozent Raucherinnen. Besonders gefährlich ist die Kombination von Rauchen und
Antibabypille – betroffene Frauen haben ein vierfach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt.
• führt Stress bei Frauen häufiger zum Herzinfarkt oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Jedes Jahr sterben rund 30.000 Frauen an dem akuten Verschluss der Herzkranzgefäße. Das sind 36
Prozent aller Patientinnen. Männer überleben einen Herzinfarkt zu 44 Prozent. Gründe für die
schlechtere Überlebenschance von Frauen sind neben der unterschiedlichen Symptomatik auch die
Diagnostik. So weiß man, dass bestimmte Untersuchungsmethoden bei Frauen eher versagen als bei
Männern.
Klar wird das beim so genannten Elektrokardiogramm (EKG). Mit der Routinemethode misst der Arzt
die elektrische Aktivität der Nerven im Bereich des Herzens. Schnell und einfach lässt sich so die
Herzfunktion beurteilen, zumindest beim Mann. Bei Frauen hingegen ist das EKG weniger
aussagekräftig, ihre Herzen sind besser mithilfe der sogenannten Echokardiografie, eine
Ultraschalluntersuchung, durchschaubar. Mediziner setzen jedoch diesen sehr viel ergiebigeren
Ultraschall bei Frauen seltener ein als bei Männern.
Ähnlich ist die Situation mit der Herzkatheteruntersuchung. Ärzte schieben dabei einen dünnen
Schlauch durch das Gefäßsystem bis in das Herz und prüfen die Funktion der Herzkranzgefäße, des
Herzmuskels und der Herzklappen. Bei Frauen wird die Untersuchung immer noch sehr viel seltener
eingesetzt als bei Männern.
Bei Frauen mit auffälligem Befund sind jedoch unbedingt weitere Untersuchungen wie zum Beispiel
die Stress-Echokardiografie angezeigt. Hier erhöht der Arzt die Pumpleistung des Herzens
medikamentös und analysiert sie dann mithilfe von Ultraschall. Das Echo stellt also die Bewegungen
der Herzwände unter Belastung dar. Außerdem kann die Myokard-Szintigraphie helfen. Sie stellt die
Durchblutung des Herzens mit Hilfe radioaktiver Marker fest.
Der weibliche Organismus folgt eigenen Regeln
Studien zeigen, dass die Geschlechter auch genetisch und hormonell unterschiedlich ausgestattet
sind, ihr Stoffwechsel und die Immunabwehr nach eigenen Regeln funktionieren. Darüber hinaus sind
weibliche Herzkranzgefäße kleiner und zierlicher. Sie verlaufen häufiger geschlängelt und neigen
dazu, schneller zu reißen. Dadurch lassen sie sich schlechter mit einem Stent versorgen. Dieses
Drahtgeflecht, das Herzkranzgefäße öffnet und stabilisiert, lässt sich jedoch leichter in großen Adern
fixieren.
Problematisch ist zudem, dass Frauen und Männer die gleichen Medikamente in der gleichen
Dosierung nehmen – obwohl Frauen im Schnitt kleiner, leichter und weniger muskulös sind. Häufige
Folge: mehr Nebenwirkungen, Komplikationen und Überdosierungen. Hintergrund ist, dass Frauen
auch in der klinischen Forschung lange Zeit unterrepräsentiert waren. Vor zehn Jahren war gerade
mal jeder vierte Teilnehmer großer Studien weiblich. Heute wird etwa ein Drittel der Studien auch mit
Frauen durchgeführt.
Im deutschen Arzneimittelgesetz ist ein klar definierter Frauenanteil in klinischen Studien erst seit
wenigen Jahren verankert. Denn lange sah man es als zu hohes Risiko an, Frauen im gebärfähigen
Alter in klinische Tests einzubinden, weil diese jederzeit schwanger werden und die Gefahr einer
Schädigung des Ungeborenen nicht ausgeschlossen werden konnten.
Broken Heart Syndrom: auch typisch Frau
Doch nicht nur der akute Gefäßverschluss kann das weibliche Herz gefährden. Wenn Menschen
beispielweise ein seelisch oder körperlich stressiges Ereignis durchleben, schüttet der Körper extrem
viele Stresshormone aus. Das führt dazu, dass die Patienten – meistens sind es Frauen – starke
Herzschmerzen, Luftnot und Todesangst bekommen. Die Symptome sind also ganz ähnlich einem
"echten" Herzinfarkt.
Zwar ist bei der auch Tako-Tsubo-Syndrom genannten Erkrankung auch die Pumpfunktion des
Herzmuskels gestört. Ursache ist jedoch nicht eine verstopfte Herzkranzarterie, sondern der Effekt der
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Stresshormone auf das Herz. Es kommt zu Rhythmusstörungen, die Betroffenen befinden sich in einer
akut lebensbedrohlichen Situation.
Bis heute kennen Experten den genauen Mechanismus dabei noch nicht. Entdeckt wurde das
Krankheitsbild überdies erst Anfang der 90iger Jahre. Seinen Namen verdankt es dem Röntgenbild.
Da bei dem Broken Heart Syndrom vor allem die Herzspitze nicht mitpumpt, sieht das Herz im
Röntgenbild aus wie eine japanische Tintenfischfalle (Tako Tsubo).
Behandelt werden die Patientinnen wie bei einer starken Herzschwäche, ihr Zustand wird stabilisiert,
sie werden überwacht. In den meisten Fällen bildet sich die eingeschränkte Pumpfunktion zurück, so
dass die Patientinnen keine bleibende Herzschwäche zurückbehalten. Dafür aber ist es wichtig, dass
Ärzte das Tako-Tsubo-Syndrom immer als mögliche Differentialdiagnose im Hinterkopf haben.
Nachbehandlung auch für Frauen wichtig
Wenn Frauen einen Herzinfarkt oder eine andere schwere Herzerkrankung durchlebt haben, ist es
zudem wichtig, dass Ärzte sie auch in der anschließenden Rehabilitation angemessen behandeln.
Bisher gibt es auch hier eine klare Geschlechterverteilung.
Die meisten Rehabilitationskonzepte sind auf jüngere, berufstätige Männer ausgerichtet, sie nehmen
die Angebote auch deutlich häufiger wahr. Unter den weiblichen Patientinnen nutzen diese Chance
nur rund 20 Prozent.
Zum einen liegt das daran, dass Frauen nach dem Krankenhausaufenthalt eher wieder ihren
familiären Pflichten nachgehen. Zum anderen haben sie auch andere Bedürfnisse. Frauen
verarbeiteten ihre Erkrankung anders als Männer. Sie wünschen sich mehr psychische und soziale
Betreuung und möchten bei den sportlichen Übungen intensiver überwacht werden. Frauen suchen
auch in der Nachbetreuung öfter als Männer das persönliche Gespräch mit dem Arzt und
Therapeuten.
Herzinfarkt und Schlaganfall
(Thesen des Mediziners Dr. Mathias RATH)
Frage: weshalb bekommen Tiere keinen Herzinfarkt ? Weil sie im allg. (außer dem
Meerschweinchen) in ihrer Leber große Mengen an körpereigenem Vitamin C produzieren und damit
ihre Arterienwände stabilisieren.
Früher bekamen die Seefahrer wegen des Mangels an frischem Obst und Gemüse SKORBUT, was
ein inneres Verbluten bedeutete, da die Wände des Herzens, der Blutgefäße und auch des Magens
aufbrachen. Der Blutkreislauf unterliegt ja wegen der Pulse des Herzens einer starken Dauerbelastung.
Physiologie
Jede Zelle benötigt zur Funktion Biokatalysatoren d.h. Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und
bestimmte Aminosäuren, welche nur zum Teil selbst hergestellt werden.
Vitamin C ist der Zement des Körpers und der Blutgefäße, weil es die Produktion von Kollagen, Elastin
und anderer Stabilitätsmoleküle im Körper ermöglicht, welche auch das Bindegewebe bilden. Bei
Fehlen dieses Vitamins kommt es zur ATHEROSKLEROSE. Wenn ausreichend Vitamin C fehlt
versucht der Körper mit dem Ersatzmaterial Cholesterin allfällige Risse zu kitten. Wenn dies über
Jahre geschieht kommt es zu artheriosklerotischen Ablagerungen, welche die Gefäße verengen und
zum Herzinfarkt oder Gehirnschlag führen können.
Es wurden Versuche an Meerschweinchen angestellt, wobei die obigen Thesen bewiesen werden
konnten: hohe Dosen an Vitamin C erhielten die Gesundheit der Tiere.
In USA wurde beobachtet, dass durch den erhöhten Vitaminverbrauch Herzinfarkt und Schlaganfall
als Todesursache um die Hälfte reduziert wurden.
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Die empfohlene Dosis von 60 mg als Tagesdosis scheint zu niedrig zu sein, denn im Tierreich werden
pro Tag zwischen 2 und 20 g eigenes Vitamin C produziert.
Durch industrielle Anbaumethoden und die folgende Verarbeitung wird der Gehalt an lebenswichtigen
Stoffen minimiert. Auch haben sich die Essgewohnheiten geändert oder - deutlicher gesagt – verschlechtert. Zusätzlich werden durch die vielen Umweltbelastungen mehr Vitamine gebraucht.
Rauchen führt zu einer Oxydation der Gefäßwände („Raucherbein“).
Mit gezielter Vitamingabe können Angina pectoris, Koronarsklerose, Bluthochdruck, Augenprobleme,
Bypass-Operationen und ähnliches abgewendet werden.
Studien:
Dr. Rath konnte mittels Ultra Fast CT nachweisen, dass die Ablagerungen bei falscher Ernährung
jedes Jahr um 44 % zunahmen. Auch wurde festgestellt, dass sich die Koronarsklerose im Frühstadium wieder vollkommen rückbildete.
Die New Yorker Akademie der Wissenschaften hat 1992 einen umfassenden Bericht veröffentlicht,
dass kein einziger Fall belegt ist, wo ein Mensch an einer Überdosis Vitamine geschädigt worden
wäre.
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