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Als der Krieg brutale Kunst war - Ev. Jugendheim Gersbach

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s ch o p f h ei m
sam s tag, 21. j ul i 2007
badische zeitung
33
„Schopfheim
International“
Integrations-Aktionsreihe
SCHOPFHEIM (BZ). Der Arbeitskreis Integration, der sich in Schopfheim gebildet
hat, plant im Herbst unter dem Motto
„Schopfheim International“ eine Veranstaltungsreihe, um die Begegnung der
Kulturen in der Stadt zu unterstützen.Die
Veranstaltungen, die von der Volkshochschule, der Caritas Landkreis Lörrach,
dem Integrationszentrum für Russlanddeutsche, dem Landratsam, dem WestÖstlichen Diwan und anderen Trägern organisiert werden, sollen als Forum dienen, um das Miteinander der Menschen
und das Verständnis zwischen den Kulturen zu fördern. Bürgermeister Christof
Nitz hat seine Bereitschaft erklärt, die
Schirmherrschaft über diese Veranstaltungsreihe zu übernehmen. Erste Veranstaltung in dieser Reihe ist ein Tag der der
Offenen Tür der Volkshochschule Schopfheimam 16. September, wo auch Vertreter des Arbeitskreises Integration anwesend sein werden.
Inzwischen hat sich ein Lenkungsausschuss formiert, der die Arbeit koordiniert. Diesem gehören Viktoria Buss, Rita
Russo, Ibtissam Younes und Dr. Jost F. Noller an. Der Arbeitskreis ist offen für Anregungen aus der Bevölkerung. Er tagt einmal monatlich. Die nächste Sitzung findet
am Dienstag, 4. September ab 18 Uhr im
Kulturcafé in der Kulturfabrik statt. Kontakt: t 07622-62225 (Dr. Noller).
STADTNOTIZEN
Kurse bei Marek Puk
Neue Open-Air-Kurse bietet Marek Puk
an: Vom 26. bis 28. Juli , jeweils von
10 bis 12 Uhr, großflächiges Malen mit
Acrylfarben für Kinder ab dem ersten
Schuljahr und vom 26. bis zum 28. Juli,
jeweils von 14 bis 17 Uhr, ein Specksteinfiguren-Kurs für Kinder ab dem
ersten Schuljahr. Die Kurse finden bei
trockenem Wetter am Hotel Hohe Flum
in Schopfheim-Wiechs statt. Info und
Anmeldung bis 24. Juli unter
t 01746289903.
Fotofreunde treffen sich
Am Montag, 23. Juli, treffen sich die
Fotofreunde Schopfheim um 19.30
Uhr im Keller der „Sonne“. Wer Bilder
von der 1200-Jahr-Feier hat, sollte diese
bitte mitbringen. Außerdem wollen
die Fotofreunde „Experimentieren mit
digitaler Schwarz-Weiss-Fotografie“.
Bildbeispiele sollten mitgebracht werden.
Pfiffiges mit Salat
Tourismus Gersbach hat für die Ferienzeit wieder ein ansprechendes Veranstaltungsprogramm auf die Beine
gestellt. Am Montag, 23. Juli, heißt es
„Da haben wir den Salat“. Um 16 Uhr
wird in der Küche des Hotels „Mühle“
in Gersbach „Pfiffiges von Frischkäse
bis Rindfleisch“ zubereitet. Anmeldung
unter t 07620/90400 ist erforderlich.
Brotbacken mit Merk
Zu einer Brotbachaktion im Rahmen
ihrer Sommeraktion „Und was essen
wir morgen?“ vom 23. bis 27. Juli lädt
die Bundestagsabgeordnete Marion
Caspers-Merk (SPD) auf den Reif-Hof
in Wiechs ein. Unter der Anleitung von
Cornelia Reif wird am Donnerstag, 26.
Juli Brot gebacken. Dabei werden auch
die Chancen für den Absatz von Bauernund Fabrikbrot beleuchtet. Auch die
Herstellung von Apfelsaft von Streuobstwiesen will sich Caspers-Merk
zeigen lassen.Mit dabei ist auch Ortsvorsteher Ino Hodapp und Vertreter
des SPD-Ortsvereins. Wer mitbacken
will: Es gibt es noch begrenzt freie
Plätze. Interessierte Bürger können
sich im Bürgerbüro von Marion Caspers-Merk telefonisch anmelden,t
07621-87447.Treff: 8.30 Uhr Reif-Hof,
Dinkelbergstr. 9, Ende: 10.30 Uhr.
Eine schwere Schufterei war der Schanzenbau für die Schwarzwaldbauern – das wird in der Ausstellung „Der Türkenlouis und seine Schanzen“ anschaulich gezeigt. Oben links: Schanzen gab es in allen möglichen geometrischen Formen – vom Vier- bis zum Sechseck.
FOTOS: ANDRÉ HÖNIG
Als der Krieg brutale Kunst war
Sonderausstellung „Der Türkenlouis und seine Schanzen“ der Minifossi AG / Einblicke in die Verteidigungstechnik der Barockzeit
Vo n u n s e r e m R e d a k t e u r
André Hönig
SCHOPFHEIM. „Kriegskunst“: Das
Wort klingt pervers. Und doch trifft es
auf das militärische Denken im 16. und
17. Jahrhundert voll zu. Krieg, das verstanden die Feldherren jener Zeit als
berechenbare Ingenieur- und Mathematikeraufgabe. Die Verteidigungsanlagen des Markgrafen Ludwig Wilhelm
von Baden alias „Türkenlouis“ zeigen
das eindrücklich. Im Schwarzwald wurden sie von der Minifossi AG erforscht.
Diese präsentiert ihre Erkenntnisse
nun ab Sonntag in einer in dieser Form
einmaligen Sonderausstellung.
Krieg und Frieden – in der Ausstellung liegen sie nur Zentimeter auseinander.
Links Schwarzwaldidylle pur. Kühe grasen friedlich, eine Frau hängt seelenruhig
Wäsche auf, reife rote Äpfel hängen zuhauf an den Bäumen, das Schwarzwaldhaus hat einladend alle Türen geöffnet,
unten im Tal plätschert ein Bach munter
vor sich hin. Rechts daneben die gleiche
Landschaft – aber jetzt sind die Kühe hoch
auf abgelegene, unzugängliche Höhen getrieben, das Haus ist vernagelt und menschenleer. Unten kommen sie schon –
schwedische Truppen. Doch der Weg
durch das Schwarzwaldtal wird kein Spaziergang. Gefällte Bäume versperren bereits den Weg. Doch das ist nichts zu dem,
was sie erwartet, wenn sie das Tal betreten: Baumlawinen, Steine, aufgestautes
Wasser. All das wird auf sie einstürzen.
Die Falle ist schon vorbereitet.
Es sind nur zwei von vielen DioramaModellen, die – von Schopfheimer Hauptschülern mit viel Liebe zum Detail und
historischer Genauigkeit angefertigt – in
der Ausstellung zu sehen sind und diese
zu einer „fantastischen, einzigartigen
und höchst sehenswerten“ machen. So
jedenfalls fasste gestern ein schwer beeindruckter Bertram Jenisch vom Landesdenkmalamt seine Eindrücke zusammen,
nachdem Minifossi-Leiter Werner Störk
ihm und seiner ebenfalls faszinierten Lörracher Kollegin Jutta Klug-Treppe („eine
riesige Leistung“) die Ausstellung präsentierte. Eine Fülle von historischen
Schanzwerkzeugen, Waffen, maßstabgetreuen Schanzenmodellen, Kupferstichen von Merian, Seutter und Bodenehr
und viele andere seltene bis einmalige
Funde und Rekonstruktionen,
der Region jener Zeit. Der Gevom nachgebauten Schanzendanke dabei: Erst soll der Besukorb, über Reste einer Pallisade
cher in diese Zeit eintauchen.
bis zu Kanonenkugeln, verwendet
Dann erst, wenn er angekomin der Schlacht bei Friedlingen
men ist im 16./17. Jahrhun1702. Insgesamt 300 Exponate,
dert, geht es zu den Schanzen
150 Illustrationen und 20 Raumselbst.
Modelle mit über 1000 Figuren.
Gezeigt wird etwa, wie eine
Doch speziell diese zwei MoSchanze in mühsamer Arbeit
delle von der Schwarzwaldlandentstand und welche verschieschaft zeigen mit am besten, was
denen Formen und Arten es
Krieg bedeutete und wen er traf:
gab, um den Feind aufzuhalten
die einfachen Menschen. Sie wa– Wolfsgruben, Krähenfüße,
ren es, die in Frondiensten die AnBaumfallen, Letzen, Hage, Gatlagen und Wälle bauen, anlegen
ter und Haue. So mancher Ortsund pflegen mussten – meist geraoder Gewanname, wie etwa im
de dann, wenn sie eigentlich zur
Wiesental Hinterhag, lässt sich
Ernte auf dem Feld sein sollten.
darauf zurückführen.
Und sie waren es auch, die dann
Überhaupt war das Wiesenim Ernstfall selber die Anlagen betal ein wesentlicher Eckpfeiler
setzen und verteidigen mussten.
in der Verteidigungsstrategie
Und da gab es allerlei entlang
des Markgrafen, führten doch
der Linie, die der vor 300 Jahren
„von Schopfheim aus drei Wege
gestorbene Markgraf Ludwig Wilin den Schwarzwald“ .
helm von Baden von Bad SäckinDie Verteidigungsanlage des
gen bis Heidelberg bauen ließ. GeTürkenlouis bildet denn auch
rade die Schanzen aber verkörden Schwerpunkt der Ausstelpern geradezu sinnbildlich das Wunsch und Wirklichkeit – oben die optimale Vor- lung – doch endet der RundDenken jener Epoche. Klare Lini- stellung der Feldherren von Krieg: klare Linien und gang damit keineswegs. So eren und Strukturen prägen im Ba- Formationen. Unten die Realität: Tod und Chaos. fährt der Besucher auch vieles
rock militärische Strategie wie Ar- Der passende Titel dieser Vitrine: „Der Mensch ist über Schanzentechniken genechitektur gleichermaßen. In den des Menschen Feind.“
rell bis in die Zeit des Zweiten
Schanzen – konzipiert als Vier-,
Weltkriegs.
Fünf- oder Sechseck – fließt beides inein- gang konzipiert und steigt bewusst mit
Keine Frage: Militärisches überwiegt
ander. 126 dieser Schanzen haben die Mi- Einblicken in die politisch-gesellschaftli- in der Ausstellung – und doch gibt es auch
nifossis in den vergangenen fünf Jahren chen Verhältnisse jener Zeit ein – mit den Friedliches zu entdecken, auch Augenhier in der Region erforscht – „vorher wa- letzten Kreuzzügen und der Schlacht am zwinkerndes. Was etwa hat Kaffee, Meerren gerade mal acht bekannt“, so Störk. Kahlenberg vor Wien gegen die Türken rettich oder die Tulpe mit dem MarkgraDamit zählt der Schwarzwald zu den 1683. Weiter geht es zu Details zum Le- fen zu tun? Wer das wissen will, wird da„best erforschten Regionen auf diesem ben des legendären Türkenlouis und zahl- zu ebenfalls n der Ausstellung Antworten
Gebiet.“
reichen Stadt- und Festungsansichten aus finden.
Die Erkenntnisse zu präsentieren ist
ein wesentliches Motiv der Ausstellung.
Mindestens ebenso sehr geht es Störk und
den Minifossis aber auch darum, aufzuKontakt: Friedrich-Ebert-Schule, Rogzeigen, wie das wahre Leben der MenDIE AUSSTELLUNG
genbachstr. 11, t 07622 – 7091 oder
schen damals aussah. „Vom Barock hat
ist vom 22. Juli bis 23. September im
minifossi@mail.pcom.de
man immer das Bild vom feudalen, luxuMuseum der Stadt zu sehen.
Spenden: Die Minifossi AG ist existenriösen Leben an Fürstenhäusern.“ VerÖffnungszeiten: Mittwochs 14 bis
gessen aber werde dabei, dass der einfa17 Uhr; samstags 14 bis 17 Uhr; sonntags ziell auf Sponsoren, Spenden und andere
Einnahmen angewiesen. Spenden auf
che Mensch ein furchtsames und mühsa10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr.
das Konto „Freundeskreis der Friedrichmes Leben führte.
Die Minifossi AG bietet auch SonderEbert-Schule“; Sparkasse Schopfheim;
„Man redet immer hier vom Dreißigführungen durchs Museum und ExkurVerwendungszweck: „AG MINIFOSSI“;
jährigen Krieg. Aber dass anschließend
sionen zu den Schanzen sowie Vorträge
BLZ 683 515 57; Konto 3 15 90 50.
weitere 200 Jahre Kriege das Leben der
über die Fortifikationselemente und
Interessierte können außerdem einige
Menschen bedrohten, prägten und beeinExkursionen nach Gersbach an, wo eine
der gezeigten Exponate erwerben.
flussten, ist wenig bekannt.“ Die AusstelBarockschanze rekonstruiert wird.
lung ist deshalb als didaktischer Rund-
Die Schau im Museum der Stadt widmet sich sehr intensiv der Person des Markgrafen.
INFOBOX
Stiche, Karten und Funde aller Art
werden präsentiert.
Mit ihm sind die Verteidigungsanlagen untrennbar verknüpft: Der Türkenlouis.
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