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(Protektionismus: Wie Argentinien deutsche - Jebsen & Co.

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Protektionismus: Wie Argentinien deutsche Unternehmen gängelt - Ausla...
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27.06.2012
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Protektionismus
Wie Argentinien deutsche Unternehmen gängelt
von Alexander Busch
Deutsche Unternehmen in dem südamerikanischen Land müssen sich Skurriles einfallen
lassen, um Importverboten und den Schikanen der Regierung zu entgehen.
Kontrollanruf von Operador Número 6 - Containerschiff auf dem Rio de la Plata
Quelle: Laif
Der Anruf kommt unerwartet. Er wirkt unheimlich, weil sich der Anrufer am anderen Ende der
Leitung nicht mit Namen meldet, sondern nur eine Nummer nennt.
Spätestens jetzt weiß der Angerufene, dass er mit einem Vertreter des Staatssekretariats für
Binnenhandel spricht. Die argentinische Regierungsbehörde sitzt in der Hauptstadt Buenos Aires
und ist zuständig für die Erteilung von Importlizenzen. Diese müssen alle Unternehmen beantragen,
die Güter einführen wollen, die mit Devisen bezahlt werden. Weil Devisen in dem
südamerikanischen Land chronisch fehlen, sind auch Importlizenzen knapp.
„Operador Número 6“, sagt die namenlose Stimme. Sie erteilt keinen Bescheid, keine ImportGenehmigungen. Die gibt es sowieso nur selten und wenn, dann allenfalls mündlich. Meist werden
die Anträge sowieso abgelehnt. Auch „Operador Número 6“ sagt, es werde noch geprüft.
Begründungen gibt er ohnehin nicht, auch Nachfragen bleiben unbeantwortet. Ein Freizeichen ertönt,
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Nummer 6 hat aufgelegt.
"Zwischen Kafka und Mafia"
Das Gebaren ist typisch für das gestörte Verhältnis zwischen Regierung und Wirtschaft in
Argentinien. Besonders Unternehmen aus dem Ausland fühlen sich drangsaliert. „Wir arbeiten in
einem Klima irgendwo zwischen Kafka und Mafia“, sagt Martin Jebsen, einer der führenden
Wirtschaftsanwälte für deutsche Unternehmen in Buenos Aires. Der Jurist ist einer der wenigen, der
sich noch zitieren lässt. Die Unternehmer, Manager und offiziellen Vertreter der deutschen Wirtschaft
selbst reden nur anonym über ihr Verhältnis zur Regierung.
Denn wer deren Mitglieder öffentlich kritisiert, muss mit Bestrafung rechnen. Zuständig für solche
Strafaktionen ist Guillermo Moreno, der Staatssekretär für den Binnenhandel in der Regierung von
Präsidentin Cristina Kirchner. Gern staucht das schnauzbärtige Regierungsmitglied
Wirtschaftsvertreter persönlich zusammen, ausländischen Managern droht er gelegentlich mit dem
Rausschmiss aus dem Land. Seine Spezialität sind Handyanrufe morgens um sechs oder nach
Mitternacht, um Unternehmen Preissenkungen abzuverlangen oder um sie aufzufordern, fällige
Rechnungen für Importe erst später zu begleichen, weil das Devisen spart.
Wer sich nicht an die Anweisungen Morenos oder seiner Telefonboten hält, bekommt Ärger:
Entweder werden Anträge auf Importlizenzen immer wieder abgelehnt, schlimmstenfalls schickt der
Staatssekretär aufsässigen Managern auch schon mal Steuerprüfer auf den Hals. Morenos
Präferenz für Brachialmethoden auch bei Kleinigkeiten sind legendär: Als ihm etwa vor einiger Zeit
der Salat auf dem Großmarkt zu teuer schien, setzte er Beamte vom Gesundheitsamt in Marsch, die
den Verkauf so lange verboten, bis den Händlern nichts anderes übrig blieb, als ihre Ware zu
Ramschpreisen zu verschleudern.
Unternehmerfeindliche Wirtschaftspolitik
Die Verstaatlichung von YPF, der argentinischen Tochter des spanischen Ölkonzerns Repsol, vor
einem Monat war der letzte Höhepunkt der ausländer- und unternehmerfeindlichen
Wirtschaftspolitik. Seit eineinhalb Jahren kontrolliert die Regierung von Präsidentin Kirchner den
Devisenhandel. Seit Februar müssen Unternehmen sich jeden Import und jede Überweisung, die in
Devisen erfolgen soll, einzeln genehmigen lassen. Die Gängelei geht so weit, dass argentinische
Manager, die eine Geschäftsreise ins Ausland planen, vorher bei der Steuerbehörde Dollar
beantragen müssen. Bearbeitet wird der Devisenantrag nur, wenn gleichzeitig die Steuererklärung
vorgelegt wird.
Deutschland braucht Argentinien
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Auch deutsche Unternehmen sind immer stärker von der staatlichen Reglementierungswut betroffen.
Für sie ist Argentinien traditionell einer der wichtigsten Standorte in Lateinamerika. Nach den
neuesten Angaben der Deutschen Bundesbank gibt es in Argentinien 152 deutsche Unternehmen,
die zusammen 32.000 Mitarbeiter beschäftigten und 2010 einen Gesamtumsatz von 8,4 Milliarden
Euro erzielten. Dazu gehören Multis wie die Autobauer Volkswagen und Daimler oder
Chemiekonzerne wie Bayer, BASF und Lanxess. Doch auch viele mittelständische Unternehmen
sind in Argentinien aktiv. Sie trifft die Willkür der Regierung besonders hart.
„Wir waren uns eigentlich sicher, dass wir von den Maßnahmen nicht betroffen sein würden“, sagt
der Geschäftsführer eines deutschen Sanitärgeräteherstellers. „Unsere Geräte sind in der
Lebensmittelverarbeitung ohne Alternative, darum blieben wir den Importbeschränkungen lange
verschont.“ Noch bis vor wenigen Wochen konnte die argentinische Niederlassung problemlos die
Erzeugnisse des Mutterhauses in Süddeutschland einführen – für den lokalen Markt ebenso wie für
den Weiterexport in die umliegenden Staaten wie Bolivien, Paraguay oder Uruguay. Inzwischen ist
es damit vorbei, auch der Sanitärgerätehersteller muss für jede Einfuhr eine Genehmigung einholen,
dadurch hat sich die Frist zwischen Auftragseingang und Auslieferung von durchschnittlich 40 auf
rund 100 Tage mehr als verdoppelt.
Spiel mit eckigem Ball
Auslöser für die panischen Reaktionen der Regierung in Buenos Aires ist die chronische
Devisenknappheit des Landes. Um weitere Abflüsse zu stoppen, ist ihr fast jedes Mittel recht.
„Bisher betrieb Argentinien eine Art Isolationspolitik gegenüber der Welt, jetzt tritt es feindlich auf
gegenüber dem Ausland“, kritisiert der argentinische Ökonom Miguel Ángel Broda. Für das Land ist
die Devisenknappheit ein existenzielles Problem. Denn die Volkswirtschaft ist seit dem
Zahlungsstopp auf seine Auslandsschulden vor mehr als zehn Jahren abgekoppelt von den
internationalen Finanzmärkten.
Deutsche Unternehmen harren aus
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Präferenz für Brachialmethoden - Argentiniens Staatssekretär Guillermo Moreno
Quelle: Reuters
Die deutschen Konzerne wollen trotz der schwierigen Lage ausharren. Denn Argentinien mit seinen
rund 40 Millionen Einwohnern ist ein wichtiger Markt. „Die meisten verdienen hier immer noch gutes
Geld“, sagt Wirtschaftsanwalt Jebsen. „Einige drohen damit, ihre Tochtergesellschaften zu schließen
– aber bisher hat das noch niemand wahr gemacht.“ Im Gegenteil: Die BASF-Tochter Wintershall,
die mit Partnerunternehmen im südargentinischen Patagonien Erdgas fördert, hat gerade neue
Explorationslizenzen erworben. Und der Gipsplattenhersteller Knauf investiert für 20 Millionen Dollar
in den Ausbau seiner Fabrik bei Mendoza in den Anden. Der Baustoffhersteller aus dem fränkischen
Iphofen startete die Produktion in Argentinien während der schweren Krise 2002. Heute ist das
Unternehmen Marktführer, die Bauindustrie des Landes boomt. Knauf hat auch keine Probleme mit
der strengen Devisenbewirtschaftung. Bisher wurde noch kein einziger Importantrag für Vorprodukte
abgelehnt, weil das Unternehmen mehr in die Nachbarstaaten exportiert als importiert.
Improvisationstalente
Wer nur importiert, hat es schwerer. Einige Unternehmen mit negativer Außenhandelsbilanz
versuchen inzwischen ihre Einfuhren mit Exporten zu kompensieren. Dazu gehören Autobauer wie
BMW oder Porsche, die keine eigene Produktion am Rio de la Plata unterhalten. Um an die nötigen
Devisen zu kommen, ist BMW zum größten Reisexporteur Argentiniens geworden. Und der
argentinische Porsche-Importeur Pulenta’s Nordenwagen führt Wein und Olivenöl aus, um für den
Gegenwert Autos ins Land einführen zu können.
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Globalisierung
Deutschland tickt nicht global
genug
Argentinien
Repsol klagt gegen
Verstaatlichung von YPF
Krisen-Vergleich
Argentinien - die Warnung für
Griechenland
Etliche Mittelständler überlegen außerdem, ob es sich lohnt, im
Land zu produzieren, was bisher importiert werden musste.
Dazu gehört etwa der Automatisierungstechniker Phoenix
Contact aus Blomberg in Ostwestfalen-Lippe. Geschäftsführer
Nelson Visioli hat auf einem Grundstück hinter der
Firmenzentrale drei Fertigungslinien aus dem Mutterhaus
installieren lassen. Dort sollen bald Teile hergestellt werden, die
bisher aus Deutschland kamen: „Wir könnten diese Teile in
Deutschland zwar billiger produzieren, aber mit der Herstellung
in Argentinien kann ich meinen Marktanteil hier halten“, sagt
Visioli. „Wir müssen das Spiel auch spielen, wenn der Ball eckig
ist.“
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