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Enttäuscht wie Weltmeister - Heinzer, Max

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Neuö Zürcör Zäitung
26 SPORT
Montag, 12. August 2013
Enttäuscht wie Weltmeister
APROPOS
Die favorisierten Schweizer Degenfechter belegen im WM-Teamwettkampf nur den neunten Rang
Nach der deutlichen Niederlage
gegen Tschechien zeigen die
Schweizer Degenfechter wenigstens Charakter und erreichen
den neunten Schlussrang.
Das entspricht aber überhaupt
nicht den hohen Erwartungen.
weiterging, der damit «Platz» zur grossen Aufholjagd hatte. Doch der Schwyzer traf nur dreimal, wurde seinerseits
aber siebenmal getroffen. Damit schlich
sich im letzten Drittel zusehends Resignation in die Gefechte der Schweizer
ein, die nie führten, nie das Heft in die
Hand nehmen konnten. Sie verloren mit
14 Treffern Differenz. Alle hatten sie
eine negative Bilanz; Kauter minus 3,
Heinzer minus 7, Steffen minus 4. Es war
das ganze Team, das versagte, nicht ein
einzelner Fechter.
Weshalb das Trio ausgerechnet in
einem wichtigen Moment das technische Rendement nicht abzurufen vermochte, zu nervös und ungenau war,
müssen vertiefte Analysen zeigen. Auffällig gegen die Tschechen, die den
Schweizern heuer im Weltcup dreimal
unterlegen waren, war der immergleiche Rhythmus der Favoriten. Stets im
Angriff, setzten sie bloss einen oder
zwei Treffer, ehe sie selber getroffen
wurden. Es gelang keine Serie, die den
Gegner hätte verunsichern und aus
dem Konzept bringen können. Auch
wechselte der Coach Mazzoni den vierten Mann nicht ein – offensichtlich
glaubte er nicht daran, damit ein entscheidend anderes Tempo in das Gefecht bringen zu können.
Peter Jegen, Budapest
Zumindest die Enttäuschung war von
weltmeisterlichem Format, und die Ratlosigkeit war Fabian Kauter, Benjamin
Steffen sowie Max Heinzer ins Gesicht
geschrieben. Als Setznummer 1 waren
die Europameister und Weltranglistenersten in Budapest zum WM-Teamwettkampf der Degenfechter angetreten,
bereits in den Achtelfinals schieden sie
aber gegen die Tschechen sang- und
klanglos aus – 31:45. Dass die Mannschaft mit Ersatz Florian Staub hernach
in den Klassierungsgefechten noch die
Russen, Rumänen und vor allem die
Amerikaner (Nummer 2 des Turniers)
schlug, deutlich bessere Teams als die an
16. Stelle gesetzten Tschechen, sprach
für ihren Charakter. Mehr nicht. Rang
neun war keine Genugtuung.
Ratloses Trio
Was soll der aussenstehende Betrachter
festhalten, wenn selbst die Protagonisten ratlos sind? Erst einmal den Weg in
die Niederlage: Nach einem erwartungsgemäss gewonnenen Gefecht gegen Kolumbien (45:21) bahnte sich die
Ernüchterung gegen Tschechien bereits
im ersten Assaut an. Statt wie üblich
einen Vorsprung von zwei, drei Treffern
zu erzielen, kam Fabian Kauter mit
einem 0:3-Rückstand vom Gefecht gegen Jiri Beran von der Bahn. Der körperlich angeschlagene Max Heinzer, der
im Normalfall in weniger als drei Minuten fünf Treffer aufholt, machte gegen
Martin Capek bloss eine Touche wett.
Und diese büsste Benjamin Steffen,
sonst der starke Rückhalt im Team,
gegen Richard Pokorny wieder ein.
Im zweiten Umgang der drei Fechter
versuchte der Nationaltrainer Angelo
Mazzoni mit einer taktischen Massnahme, Einfluss auf das Gefecht zu nehmen. Steffen setzte auf Passivität, womit
das Duell nach einer Minute an Heinzer
Die Swiss Connection
unter Druck
Federer und Wawrinka in Ohio
gel. Am herausragend besetzten ATP1000-Turnier (Cut-off bei Rang 47) in
Cincinnati (Ohio) stehen die Schweizer
Tennisprofis Roger Federer und Stanislas Wawrinka unter Druck. Beide müssen auf dem Belag Deco-Turf viele Wertungspunkte ersetzen: Federer als Titelhalter deren 1000, Wawrinka als Vorjahres-Halbfinalist 360. Nach einem
Freilos beginnt Federer gegen den Sieger aus der Partie Philipp Kohlschreiber - John Isner, Wawrinka (Setzung 9,
kein Bye) beginnt gegen Andreas Seppi.
Gespielt wird auf dem gleichen Untergrund wie am US Open; Cincinnati
markiert den zuverlässigen Formtest
fürs vierte Major der Saison. Nach völlig
missglückter Etappe auf Sand in Hamburg und Gstaad kurierte Federer eine
Rückenverletzung aus. In Ohio hat er
mit Rafael Nadal (Viertelfinal), Tomas
Berdych oder Andy Murray (Halbfinal)
stärkstmögliche Gegner in seiner Tableauhälfte. Vor dem Turnier deutete
Federer selbstkritisch an, der Wechsel
auf den neuen Schläger-Prototyp sei
«nicht zum idealen Zeitpunkt erfolgt».
Im Circuit herrscht zudem wenig Verständnis dafür, dass Federer vor der USEtappe in Europa überhaupt noch auf
Sand antrat; viel konsequenter wäre
ein Warm-up in Washington gewesen.
Wawrinka wird bemüht sein, den Rang
in den Top Ten (10) gegen den formstarken, noch 500 Punkte zurückliegenden
Japaner Kei Nishikori zu behaupten.
Schweizerinnen 13.
Max Heinzer (hinten) tritt mit dem Team vorzeitig ab, der Tscheche jubelt.
TIBOR ILLYES / EPA
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Erster Titel für die Gastgeber
jeg. Am vorletzten Tag der WM in
Budapest haben die Gastgeber den ersten Titel gewonnen – nach Bronze im
Einzel-Degen Frauen und Einzel-Säbel
Männer die dritte Medaille der Titelkämpfe. Im Final des Mannschaftswettkampfes der Degenfechter setzten
sich die Ungarn gegen die Equipe der
Ukraine allerdings erst nach hartem
Kampf 42:38 durch, obschon sie früh in
Führung gegangen waren. Die Degen-
fechter Frankreichs, in jüngster Vergangenheit geradezu auf den Titelgewinn
«abonniert», sicherten sich Bronze – im
Gegensatz zum Einzel wird im Team
Platz drei ausgefochten. Polen, Venezuela und Tschechien belegten die
nächsten Ränge. Bei den Frauen dagegen unterlagen die Französinnen im
Gefecht um Platz drei den Rumäninnen.
Im Final behaupteten sich danach die
Russinnen gegen die Chinesinnen 34:28.
Wie schon im Einzel, wo Fabian Kauter
am Donnerstag als Dritter einen möglichen Final-Einzug verpasst hatte, blieb
nun nach dem Teamwettkampf ebenso
ein bitterer Nachgeschmack. Zumal
auch die Schweizer Degenfechterinnen
nicht über sich hinauswuchsen und bloss
Rang 13 erreichten. Auf ein 45:42 gewonnenes Gefecht gegen Kasachstan
folgte die Niederlage gegen die Chinesinnen – 20:31. In der Klassierungsrunde
gab es sodann noch 45:41-Siege gegen
die Equipen aus Polen und Venezuela.
«Ein wichtiges Gefecht war schlecht,
deshalb müssen wir aber nicht alles infrage stellen», bilanzierte letztlich der
Team-Senior Benjamin Steffen. Im Wissen um die grosse Leistungsdichte im
Degenfechten ist dieses Fazit sicherlich
nicht falsch, aber auch nicht das erhoffte. Es ist ein Glück für das Team,
dass die WM in Budapest die lange Saison abschliesst. Das gibt nun Zeit zur
Regeneration. Für Körper und Geist.
Tie-Break im Doppel bringt die Entscheidung
Cologny Genf zum zweiten Mal Interclub-Schweizer-Meister im Tennis
gel. Winterthur
Der Tennis-Club
Cologny Genf hat im Final der Schweizer Interclub-Meisterschaft in Winterthur nach 2011 den zweiten Meistertitel
geholt. Die Entscheidung gegen Titelhalter TC Ried Wollerau fiel im Championship-Tie-Break des Doppels Nummer 1, das die Genfer mit 10:8 Punkten gewannen. Der neue Meister hatte
dabei nach den Einzeln 4:2 geführt.
Ein Königs-Transfer
Der Erfolg der Leute von Cologny illustriert den Trend zu Transfers aus aller
Welt im Interclub der NLA. Die Genfer
verfügten über das höchste Budget, verkörperten aber grosse spielerische Klasse dank drei Protagonisten aus den Besten 110 des ATP-Rankings. Die Wollerauer, die im Vorjahr den gleichen Gegner im Final 5:1 nach den Einzeln niedergerungen hatten, wehrten sich verbissen.
Im gesamten Mosaik gelang Cologny
Genf mit dem Zuzug von Alexander Sadecky ein Königs-Transfer. Der frühere
GC-Mann und Sohn des ehemaligen
Tischtennis-Spitzenspielers Thomas Sadecky verdiente am Lac Leman
´
5000
Franken mehr und errang im Final auf
der 6. Position nach einem abgewehrten
Satzball gegen Robin Roshardt einen
«goldenen» Punkt. Im Interclub werden
sechs Einzel plus drei Doppel gespielt
und wird jeder Punkt voll gewertet.
Ein beachtlicher Besucheraufmarsch
an der Finalpoule in Winterthur bestä-
tigte die These, der NLA-Interclub bilde
im Wettkampf der Klubs eine starke
Klammer, auch über die Sprachgrenzen
hinweg. Gleichzeitig stellt die Elite
mehr denn je einen Zwitter dar. Die
oberste Spielklasse wird von ausländischen Berufsspielern aus der ATP-Tour
beherrscht, gleichzeitig ist die NLA im
Verband im Ressort Breitensport angesiedelt. Die Klubs selber haben Mühe,
dem Interclub an der Spitze immer eine
Identität zu geben. Da und dort herrscht
latentes internes Desinteresse; ein Fingerzeig, wenn vom Rekordmeister GC
das Männerteam heuer erstmals die
Finalrunde verpasste; lasches sportliches Management trug mit zum GCMisserfolg bei. Gleichzeitig vermengen
sich in den Vereinen oft Amateur-Denken mit Profi-Standards, wenn der sonst
so positiv auffallende TC Solothurn im
Final ohne seine drei besten Ausländer
antrat, weil die gleichzeitig in Deutschland spielen mussten und die Ambassadoren auf der 6. Teamposition einen
N-4-Klassierten nachnominierten.
2014 neue Ausländer-Regel
Die übertriebene Reisläuferei spielstarker Ausländer, welche die Unkosten antreibt, soll ab 2014 eingedämmt werden
mit einer Änderung im Reglement, auf
die sich Verband und Klubs mündlich
geeinigt haben. Wie bisher dürfen demnach pro Match drei freie Ausländer
aufgestellt werden plus drei Schweizer,
Nr. 184
die – das ist neu – aber über den Schweizer Pass verfügen müssen. Damit werden Söldner, die aus fiskalischen Gründen in der Schweiz Wohnsitz haben und
bisher spielberechtigt waren, zurückgebunden. Um ihre Arbeitnehmer nicht
zu diskriminieren, gilt eine Übergangsfrist für bisherige Import-Spieler von
zwei Jahren, das heisst, eingesetzte Aktive aus den Saisons 2012 und 2013 sind
weiter spielberechtigt.
Ein Hintergedanke der ganzen Reglemente-Bastelei ist, vermehrt jungen
Schweizern wieder Arbeitsplätze in der
NLA anzubieten. Allerdings dürfte diese Revision die besten Einheimischen
noch teurer machen und das bisherige
Salär für Ranglistenspieler von etwa
25 000 Franken für zwei Wochen weiter
in die Höhe treiben.
Jean-Pierre Hufschmid, im TC EauxVives Genf angesehener Teamchef mit
der Erfahrung aus 30 Jahren, sieht in
Zukunft die Löhne jedenfalls nicht sinken. Der Routinier verhehlt nicht, dass
sich auch in seinem Grossverein (2400
Mitglieder) früher oder später die Sinnfrage für die NLA stellen könnte. Nicht
zu vergessen ist der Entscheid des TC
Ried Wollerau, trotz einem Talent wie
Belinda Bencic in den eigenen Reihen
das Frauenteam heuer zurückzuziehen.
Das mangelnde Interesse für die Ladys
und die Kosten bewogen die Schwyzer
zu diesem Schritt. Das Frauenteam von
Mail Neuenburg holte so nach 45 Jahren
Pause gegen GC (4:2) wieder den Titel.
Toni Polster ist
wieder zu haben
Benjamin Steffen Bei Toni Polster erschloss sich nie so richtig, was er ernst
meinte. Ob ihm Worte mit Absicht oder
versehentlich über die Lippen gingen,
ob er selbstverliebt oder selbstironisch
war. Einmal soll der österreichische
Fussballer gesagt haben: «Solange ich
da bin, bin ich der Chef.» Ein andermal:
«Ich tue das, was ich schon in den letzten 20 Jahren gemacht habe. Mich wichtig machen und deppert reden.» Mit den
Toren ging’s Polster ähnlich: Niemand
wusste so recht, ob er sie mit Absicht
oder versehentlich schoss. Aber zwischen 1982 und 2000 traf Polster, wo
immer er auch spielte: in Österreich,
Italien, Spanien, Deutschland.
Als YB im Frühling einen Trainer
suchte, begab sich Polster wieder einmal
auf den Grat zwischen Selbstverliebtheit und Selbstironie. Obwohl in Bern
höchste Geheimhaltungsstufe herrschte,
sickerte durch, wen YB zum Wunschkandidaten erkoren hatte: Marcel Koller, Österreichs Nationalcoach. Als Österreich vom Interesse am liebgewonnenen Schweizer vernahm, sandte das
halbe Land abschmetternde Grussworte
nach Bern. Bloss Polster erbarmte sich
der Young Boys. Er schrieb im «Blick»:
«Holt doch mich! Ich werde nun mit
meinem Klub Viktoria Wien zum zweiten Mal aufsteigen. Ein Engagement in
der Schweiz würde mich reizen!»
Entweder übersah der YB-Sportchef
Fredy Bickel die Boulevard-Bewerbung
– oder er kam nach gründlichem Aktenstudium zum abschlägigen Bescheid. So
fand er wohl heraus, dass Polsters
Grosserfolge aus dem Untergrund
stammen. Viktoria war zuerst in die
Wiener Stadtliga promoviert, danach in
die Regionalliga. Den YB-Zuschlag erhielt Uli Forte, der zwar nicht zweimal
in Serie aufgestiegen war, aber mit GC
den Cup gewonnen hatte, immerhin.
Aber auch Polster lachte das Glück:
Admira Wacker Mödling aus der österreichischen Bundesliga engagierte ihn.
Am Samstag feierte YB im fünften
Meisterschaftsspiel den fünften Sieg.
Am selben Tag gab Mödling die Trennung von Polster bekannt, nach drei
Niederlagen in drei Spielen mit einem
Torverhältnis von 2:11. Unter Polsters
Nachfolger sicherte sich Mödling wenige Stunden später den ersten Punkt.
Zur Erinnerung: Ein Engagement in
der Schweiz würde Polster reizen.
Schwedische Segler
blicken in die Zukunft
Chancenlos gegen Luna Rossa
wr. Nach nur vier Rennen und vier
Niederlagen im Halbfinal der Challenger-Serie gegen die italienische Luna
Rossa muss Artemis die Heimreise antreten. Doch die Schweden wollen wiederkommen: Artemis-Eigner Torbjörn
Törnqvist meinte nach dem Aus seines
Teams, er habe diese erste Teilnahme
nie als seine letzte gesehen. Doch er
machte Einschränkungen: «Es sind
spektakuläre Boote, und der America’s
Cup hat eine Tradition mit spektakulären Booten. Ich denke aber, dass die
AC72 speziell und in vielen Aspekten
kontrovers sind.» Es sei aber noch zu
früh für eine abschliessende Bilanz.
Die Italiener dominierten die Schweden, die sich verbessert haben, auch im
letzten Match Race. Sie boten am Samstag ihre beste Leistung. Doch im LouisVuitton-Cup-Final gegen Team New
Zealand sind sie die klaren Aussenseiter, sie werden kaum in der Lage sein,
den Favoriten in der Best-of-ThirteenSerie siebenmal zu schlagen. Das sieht
auch Steuermann Chris Traper so: «Sicher, wir haben uns stark verbessert.
Aber wir haben alle gesehen, dass die
Kiwis sehr, sehr solid sind.» Eigner
Patrizio Bertelli erklärte, das Erreichen
des Challenger-Finals sei das Ziel von
Luna Rossa gewesen. Er beklagte die
verlorene Zeit, verursacht durch ein ungenügendes Design. Am nächsten Wochenende finden die vier ersten Rennen
zwischen Neuseeland und Italien statt.
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