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Eine Selbsthilfegruppe startet durch – und wie! - International Golf

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SWISS SCENE Golf Junioren Kader Innerschweiz
Eine Selbsthilfegruppe
startet durch – und wie!
Aus einer privaten Initiative heraus entstand vor gut einem Jahr das «Golf Junioren
Kader Innerschweiz». Hier sollen junge Talente gefördert werden – nicht in
Konkurrenz zum, sondern in Kooperation mit dem Schweizerischen Golfverband.
Von Franco Carabelli
DIE AFFICHE Follow the Future Stars!
DREI SCHWEIZERMEISTERTITEL!
Ein besseres Timing hätten wir uns für
die Geschichte über das «Golf Junioren
Kader Innerschweiz» nicht wünschen
können: In den Tagen zwischen unserem
Trainingsbesuch am 8. Juli im Golf Sempachersee und dem Redaktionsschluss
dieser Ausgabe von G & C stellten die
Spielerinnen und Spieler des GJKI nämlich mit einer Serie von Erfolgen unter
Beweis, dass sie ein wahres Elite-Kader
sind!
Vom 9. bis 11. Juli standen in den Golfclubs Ennetsee, Sempachersee und
Lucerne die Innerschweizer Meisterschaften auf dem Programm. Bei den
Damen siegte Olivia Birrer souverän
(kurz zuvor hatte sie schon das Championnat de Suisse Centrale in Oberkirch
gewonnen). Rafael Aregger belegte bei
den Herren – knapp geschlagen – den
zweiten Schlussrang.
16
GOLF & COUNTRY 8/2010
Aber so richtig ins Abräumen kam das
GJKI dann vom 13. bis 17. Juli bei den
Schweizermeisterschaften der Girls und
der Boys im GC Basel: In fünf der insgesamt sechs Kategorien (U14, U16
und U18, jeweils Girls und Boys) waren
GJKI-Mitglieder am Start – und eroberten drei Meistertitel und mehrere weitere Topresultate. Für die drei Titelgewinne zeichneten Valentina Müller (U14),
Virginia Birrer (U16) und Zeno Felder
(U18). Ausserdem belegte das GJKI
einen zweiten, einen dritten und einen
fünften Platz.
Nach Redaktionsschluss vertraten drei
GJKI-Spielerinnen die Schweiz im Ausland: Valentina Müller am U14 Evian
Junior Masters, Virginia Birrer am
Young Masters in Ungarn und Olivia Birrer an den EM im Einzel Strokeplay.
WWW.GJKI.CH
fegruppe: Die acht Mitglieder, fünf Jungs
und drei Mädchen, sind zwischen 14 und
20 Jahre alt und haben Handicaps zwischen
+0.4 und 3.8. Und weil sie (oder ihre Eltern …) glaubten, in einer klassischen Juniorenabteilung nicht wirklich weiterzukommen, gründeten ein paar engagierte
Väter im Herbst 2008 das «Golf Junioren
Kader Innerschweiz».
Blut ist dicker als Wasser …
Philipp Müller (47) und Thomas Birrer
(50), die Initianten des GJKI, schildern die
zwei aus ihrer Sicht grössten Schwachstellen im Schweizer Förder- und Trainingssystem – und wie sie mit dem Projekt GJKI
Gegensteuer geben wollen: «Erstens hat
der Verband die Anzahl und die Grösse der
Juniorenkader stark reduziert», sagt Müller. «Dabei kam es natürlich zu einem Auswahlprozess, und der beinhaltete neben einigen harten auch viele weiche Kriterien.
Deshalb sind Spielerinnen und Spieler auf
der Strecke geblieben, die man durchaus
noch nicht hätte abschreiben dürfen.»
Müller und Birrer sind keine Traumtänzer. Die beiden erfolgreichen Geschäftsmänner sind sich bewusst, dass es bei diesen «Ausmusterungen» auch subjektives
Unverständnis gegeben hat. Schliesslich ist
Blut auch in der Innerschweiz immer noch
dicker als Wasser, und sowohl Müller als
auch Birrer haben selbst je zwei Kinder, die
ins GJKI aufgenommen wurden. Aber letztlich tun diese persönlichen Betupftheiten
nichts zur Sache. Entscheidend ist, was
sich aus der Unzufriedenheit mit den diversen Verbandsentscheidungen entwickeln
konnte.
>>
Fotos: Elisabeth Carabelli
E
s ist heiss, und auf dem Parkplatz
von Golf Sempachersee flattern
die Fahnen nur zögerlich. Umso
besser kann man lesen, was auf ihnen geschrieben steht: «Follow the Future Stars!»,
heisst es da, zu übersetzen etwa mit «Schau
den Stars von morgen zu!» So lautet der Slogan der Challenge Tour, die nächste Woche
hier gastieren wird. Aber wer weiss, vielleicht hat dieses «Follow the Future Stars!»
schon heute seine Berechtigung, einem
ganz gewöhnlichen Donnerstagnachmittag Anfang Juli.
Im Golf Sempachersee trainiert heute
das «Golf Junioren Kader Innerschweiz»,
kurz GJKI. Das ist auf den ersten Blick eine
spannende Mischung aus einem Talentschuppen und einer innovativen Selbsthil-
Golf Junioren Kader Innerschweiz SWISS SCENE
DAS ZIEL KLAR
VOR AUGEN Die
Spielerinnen und
Spieler des GJKI
(Zeno Felder war
im EM-Einsatz).
8/2010 GOLF & COUNTRY
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SWISS SCENE Golf Junioren Kader Innerschweiz
Das zweite grosse Problem orten Müller
und Birrer in der Verfügbarkeit der Schweizer Pros, also der wichtigsten Ausbildner in
den Juniorenabteilungen. «Den Winter verbringen unsere Golflehrer ja meistens im
Süden», sagt Philipp Müller. «Und wenn sie
dann irgendwann im April zurückkommen, ist schon viel wertvolle Trainingszeit
ungenutzt verstrichen. Das darf nicht sein.»
Philipp Müller und Thomas Birrer engagierten deshalb für ihre Schützlinge zuerst
einmal eigene, möglichst ganzjährig verfügbare Trainer. Seither kümmern sich der
Neuseeländer Dave Brough und der Eng-
«Wir sehen uns nicht
als Konkurrenz, sondern als Ergänzung.»
länder Martin Thompson (vgl. Seite 19) in
einer Art Mandat durchs ganze Jahr hindurch um die Spielerinnen und Spieler des
GJKI. Im Winter stehen entweder IndoorÜbungseinheiten auf dem Programm, oder
die ganze Truppe weicht immer mal wieder
für ein paar Tage nach Spanien aus, in die
Gegend rund um Alicante.
Spätestens an dieser Stelle werden geneigte Leserinnen und Leser fragend die
Augenbrauen hochziehen und mit Daumen
und Zeigefinger der rechten Hand eine typische Geste machen. «5000 Franken»,
sagt Müller, so viel koste die Eltern eine Jahresmitgliedschaft ihres Kindes im GJKI. Bei
Auslandtrainings kommen natürlich noch
die Kosten für Reise, Unterkunft und Ver-
TEAM SPIRIT Das GJKI ist auch eine gut funktionierende soziale Gemeinschaft.
Fotos: Elisabeth Carabelli
Philipp Müller
Golf Junioren Kader Innerschweiz SWISS SCENE
pflegung dazu, aber der kostenintensivste
Part, die Trainer, sind inklusive.
Klare Kriterien, klare Strukturen
Die Aufnahmekriterien fürs GJKI sind bewusst einfach gehalten: ein einstelliges
Handicap, Alter ab U14. Wichtiger als diese
Eckdaten sind ohnehin die Motivation, besser zu werden, Fleiss und Leistungswille sowie die Fähigkeit, sich in eine Gemeinschaft
zu integrieren. Idealerweise bewerben sich
Juniorinnen und Junioren mit einer Empfehlung ihres Clubpros, über die definitive
Aufnahme entscheidet dann ein Ausschuss.
Der besteht aus den Projekleitern Müller
und Birrer, Pro Brough und einem Vertreter
des Schweizerischen Golfverbandes ASG.
Eine Position im Organigramm, die zurzeit
allerdings nicht besetzt ist.
Das mag auf den ersten Blick etwas gar
viel Formalität sein für einen Platz in einem
Junioren-Förderkader. Aber so klar und
sauber strukturiert wie die Abläufe bei einer
Aufnahme sind zum Beispiel auch die Trainings- und Finanzpläne oder die Dokumentationen für interessierte Eltern beziehungsweise Sponsoren. Gerade in dieser
Beziehung kann das GJKI weitere Unterstützung brauchen. Grösster «Sponsor» ist
vorderhand immer noch Daniel Weber, der
Betreiber der Golfanlagen Sempachersee
und Kyburg. Er stellt dem GJKI im Golf
Sempachersee die Trainings-Infrastruktur
gratis zur Verfügung, und auch den Platz
dürfen die maximal acht Mitglieder des
GJKI ohne Kostenfolge bespielen. Zudem
beteiligt sich der eine oder andere Heimclub eines Spielers oder einer Spielerin im
kleineren Rahmen an den Kosten.
Bemerkenswert am Konzept des GJKI
ist auch die Tatsache, dass die Organisatoren ihr Angebot nicht als Alternative son-
dern als Ergänzung zum Juniorenprogramm der ASG sehen. «Wir arbeiten eng
zusammen», sagt Thomas Birrer. «Dazu
gehören nebst regelmässigen Sitzungen im
Vorstand auch solche mit Repräsentanten
der ASG. In diesen Meetings analysieren
wir die Fortschritte unserer Juniorinnen
und Junioren und können bei Bedarf sehr
vertieft auf Einzelfälle eingehen.».
Müller verschweigt nicht, dass ihm ein
unbelastetes Verhältnis zum Verband auch
aus ganz pragmatischen Gründen nicht unwichtig ist. «Wir haben uns kürzlich um finanzielle Unterstützung beworben, die der
Verband offenbar verschiedenen Nachwuchsprojekten zukommen lässt», erzählt
Müller. «Und jetzt hoffen wir natürlich,
dass sich die Verbandsfunktionäre durch
unser Konzept und die erzielten Erfolge
überzeugen lassen.»
RELAX Ein Teil des GJKI verbringt die Pause im kühlenden Schatten eines Baumes.
DIE PROS
Der Neuseeländer Dave Brough (links,
48) und sein Partner, der Engländer
Martin Thompson (46), kennen das
Golflehrer-Geschäft aus dem Effeff.
Thompson war 1982 britischer Amateurmeister, was ihm im Folgejahr eine
Einladung ans Masters eintrug. Zudem
spielte er zwei Mal am British Open mit
(1982 und 1983). Und auch Brough
hat einen Major-Einsatz vorzuweisen:
Er nahm an der US PGA Championship
1980 in Oak Hill teil (Sieger: Jack Nicklaus).
Brough und Thompson versuchten sich
mit mässigem Erfolg als Playing Pros,
bevor sie sich dem Coaching Business
zuwandten. Brough ist eher ein Technik- und Schwung-Allrounder geblieben,
Thompson hat sich aufs Kurze Spiel,
das Putten und das Course Management spezialisiert.
Zurzeit planen die beiden Freunde, ihre
eigene Golf Academy an den Start zu
bringen, die «Masters International
Golf Academy». Dabei zieht Thompson,
der für seine GJKI-Einsätze jeweils eingeflogen wird, die Fäden von England
aus, Brough hat seine Basis im GC
Rastenmoos. Was den beiden Golfunternehmern bei ihrem Projekt vor allem
noch fehlt, ist ein möglichst zentral gelegener Golfclub oder eine Driving Range, die der Academy als Schweizer Fixpunkt dienen könnte.
Relativ weit fortgeschritten sind die
Verhandlungen mit Hotels und Golfplätzen in Spanien, wo das Wintertraining
und die Saisonvorbereitung stattfinden
sollen.
WWW.MIGOLFACADEMY.COM
>>
SWISS SCENE Golf Junioren Kader Innerschweiz
«Wer lernen will,
Wenn das GJKI trainiert, herrscht
Freude. Und diese positive Grundstimmung motiviert sowohl die Pros
als auch die Schülerinnen und Schüler.
Von Franco Carabelli
D
ie Spielerinnen und Spieler des
GJKI haben sich über die verschiedenen Übungsanlagen im
Golf Sempachersee verteilt, pro Station
sind maximal drei Kids im Einsatz. Die
Stimmung ist aufgeräumt und locker, auch
wenn nie Zweifel aufkommen, wer hier die
Lehrer und wer die Schüler sind – und wer
von ihnen das Sagen hat. Die ganze Ambiance ist geprägt von einer Art gegenseitigem Respekt. «Dave und Martin machen
das super», sagen die Kids. «Wer etwas lernen will, kann hier nur profitieren. Dave
gibt die Blumen zurück: «Es macht wirklich
Freude, mit diesen Boys und Girls zu arbeiten», sagt der Neuseeländer in seinem etwas gewöhnungsbedürftigen Englisch.
«Denn als Lehrer bekommt man etwas zurück, und bei allen spüre ich deutlich die
Liebe zu diesem grossartigen Spiel.»
Rafael «Rafi» Aregger (20) arbeitet auf
dem Puttinggreen. Wie sein Kollege Zeno
ALLES KLAR? Virginia Birrer beim Putting
Drill, überwacht von Pro Dave Brough.
20
GOLF & COUNTRY 8/2010
Fotos: Elisabeth Carabelli
MOTIVIERT
Auch Valentina
Müller schätzt
die gute
Stimmung in
der Gruppe.
Golf Junioren Kader Innerschweiz SWISS SCENE
kann hier nur profitieren»
SO GEHTS! Pro Thompson, Gianluca Müller.
CALL ME SANDY Olivia Birrer demonstriert den perfekten Bunkerschlag.
Felder (18), der heute nicht hier sein kann,
weil er in der Türkei mit den Boys im EMEinsatz steht, ist auch Aregger eines der Paradebeispiele für den positiven Schub, den
das GJKI offenbar verleihen kann: Zu Anfang 2009 stagnierten sowohl «Rafi» als
auch Zeno in den Juniorenabteilungen ihrer
Clubs. Beide hatten ein Handicap um die 4
herum, und auf ihren Bags schien zu stehen: «Rien ne vas plus!». Dann wurden beide ins GJKI aufgenommen, und nun kam
Bewegung in die Sache: Noch Ende 2009
war «Rafi» bei Scratch angelangt, heute hat
er Hcp. +0.1. Zeno spielte sich runter auf
+0.4, ist Mitglied der Schweizer Juniorennationalmannschaft und dominiert die Orders of Merit.
in ein National- oder ein Regionalkader der
ASG geschafft: Zeno Felder und Olivia Birrer (18) spielen in nationalen Auswahlen,
Virginia Birrer (16) und Valentina Müller in
regionalen. Damit haben also 50 Prozent
der Mitglieder des GJKI die nächste Hürde
bereits genommen.
«Im Schnitt sind Schweizer Kids für
Golf genauso talentiert wie die Girls und
Boys in anderen Nationen», sagt Dave
Brough. «Der grösste Unterschied liegt
meiner Meinung nach darin, dass sie hier
zu wenig oft auf dem Platz ‹richtige› Runden spielen. Das muss man unbedingt verbessern.» Erste Massnahmen hat das GJKI
Das GJKI gab neuen Schub
Doch «Rafi» und Zeno sind nicht die einzigen wandelnden Leistungsausweise des
GJKI und der beiden Pros Dave Brough und
Martin Thompson. Alle Kadermitglieder
haben seit Anfang 2009 ihr Golf rein handicapmässig deutlich verbessert. Den
grössten Sprung machte – rein mathematisch gesehen – Valentina Müller (14), die
Tochter eines der GJKI-Initianten: Anfang
2009 stand sie noch mit Hcp. 13.4 zu Buche, heute liegt sie bei 3.5. Vier der insgesamt acht Kids des Förderteams Innerschweiz haben übrigens bereits den Sprung
STILSICHER
Janik Zgraggen schlägt
ein Eisen 7.
bereits getroffen: Auf den Proberunden zu
regionalen oder nationalen Meisterschaften werden die Spielerinnen und Spieler
durch «ihre» beiden Pros begleitet und betreut.
Das Angebot stimmt
«Das macht sehr viel Spass, weil man die
Fortschritte live miterleben kann», sagt
Martin Thompson, der Fachmann fürs
Course Management. «Ausserdem ist es
natürlich spannender, als stundenlang an
einem technischen Detail zu arbeiten.»
Rund acht Stunden arbeiten die Kids jede
Woche mit Dave und Martin – zusätzlich zu
ihrem «normalen» Juniorentraining in den
Clubs.
Da der Ansatz des GJKI-Förderkonzepts
ein ganzheitlicher ist, kommen zu diesen
klassischen Trainingseinheiten noch Aufgaben in anderen Disziplinen hinzu: Die
Golf-Physiotherapeutin Gabi Tobler kümmert sich um die Fitness der Juniorentruppe, die auf Golf spezialisierte Sportpsychologin Liliane Morell steht für mentales Training zur Verfügung.
«Ja, ich denke, wir können schon ein
bisschen stolz sein auf unser Angebot», sagen Philipp Müller und Thomas Birrer unisono. «Jetzt geht es nur noch darum, dass
unsere Junioren ihr Talent und die Infratrukturen in gute Resultate umsetzen.»
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