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Mangelware akzeptanz? wie Man Vertrauen Verspielt – oder gewinnt.

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Dienstag, 14. Mai 2013, Clouds, Zürich
Mangelware Akzeptanz?
Wie man Vertrauen verspielt –
oder gewinnt.
Nicht erst seit Stuttgart 21 schaut man aus
Deutschland mindestens in einer Hinsicht neidvoll auf die Schweiz: bei der öffentlichen Unterstützung für gesellschaftliche Grossprojekte. In
der Schweiz scheint alles zu gehen: Hier wird
der längste Eisenbahntunnel der Welt gebohrt
– und noch vor dem ursprünglich geplanten Eröffnungstermin und unter den veranschlagten
Kosten fertiggestellt! Und während da noch gegraben wird, werden dort schon unter dem Motto
«Cargo Sous Terrain» weitere visionäre Pläne für
eine Verlegung des Güterverkehrs unter die Erde
geschmiedet.
Was also ist das Erfolgsrezept der Schweiz? Wird
das so bleiben? Oder werden die enormen Aufgaben – Verkehr, Energie, Bildung und zahllose weitere –, die auf uns zukommen, die Gesellschaft
und deren Unterstützungsbereitschaft überfordern?
Schon heute sind die Zeichen nicht nur ermutigend, wenn man etwa an den anstehenden
Umbau des Energiesystems denkt: Notwendige
Stromnetzausbauten sind seit Jahrzehnten blockiert, einzelne Windkraftanlagen und erst recht
Windparks werden aus unterschiedlichen Richtungen bekämpft, der Ausbau der Photovoltaik
wird gebremst, Wasserkraftanlagen mit Einsprachen überzogen und und und...
Akzeptanz entscheidet über den Erfolg
Großprojekte wie der Bau von Flughäfen, Hochspannungstrassen und Autobahnen oder kleine
lokale Vorhaben, wie die Errichtung von Kinderspielplätzen, Windkraftanlagen oder Umgehungsstraßen, – vor der öffentlichen Meinung
sind sie alle gleich. Denn ohne breite Akzeptanz
geraten Projekte schnell in Schieflage, zeitlich
wie finanziell. Die Projektkosten steigen und
die Fertigstellung verzögert sich. Nicht selten
scheitern Projekte komplett.
Bei der Planung und Umsetzung von Vorhaben
ist Akzeptanz ein Faktor, der für Führungskräfte mit Projektverantwortung am schwersten zu
handhaben ist. Akzeptanz kann man weder kaufen noch auf Knopfdruck erzeugen. Denn Akzeptanz beruht auf Freiwilligkeit. Erschwerend hinzu
kommt, dass Akzeptanz oft keine objektive, auf
der reinen Faktenlage basierende Haltung ist.
Vielmehr sind Emotionen, Erfahrungen, Vorurteile und Meinungen Dritter im Spiel, wenn sich
Menschen für oder gegen etwas wenden. Bei unmittelbarer Betroffenheit ist das Aktionspotenzial
besonders hoch.
Die Sicherung bzw. Schaffung von Akzeptanz stellt
Unternehmen, Politik und öffentliche Hand vor
neue Herausforderungen. Denn der Partizipationswille und die Aktionsbereitschaft bindet bei
allen Akteuren des Prozesses zusätzliche Ressourcen: Geld, Zeit, Managementkapazität und
Know-how. Es ist schwer vorstellbar, dass sich das
Bedürfnis nach mehr Teilhabe an gesellschaftlichen Belangen als temporäre Modeerscheinung
erweist. Vielmehr erleben wir gerade einen dauerhaften Wertewandel in unserer Gesellschaft.
Unternehmen, Politik und öffentliche Verwaltung
sind deshalb gut beraten, sich diesem Thema zu
öffnen. Die Akteure sind gut beraten öffentliche
Akzeptanz in den eigenen Wertekanon zu übernehmen und die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Dabei sollten in einem ehrlichen Kommunikationsprozess die Bedürfnisse
der Betroffenen identifiziert und mit den eigenen
Interessen in Einklang gebracht werden.
Für projektbegleitendes Akzeptanzmanagement
haben wir das Instrumentarium Public Consensus
Engineering, kurz PCE, entwickelt. PCE gliedert sich
in drei Phasen: Die 1. Phase umfasst die Analyse
von Stakeholdern und Medien sowie eine umfassende qualitative und quantitative Meinungsforschung. In der 2. Phase planen wir auf Grundlage
der Analyseergebnisse Inhalt, Zeit, Budget und
Maßnahmen der Projektkommunikation. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt in der 3. Phase.
So strukturiert dieses Vorgehen auch ist: Einen
Königsweg für erfolgversprechendes Akzeptanzmanagement gibt es nicht. Zu unterschiedlich sind
Rahmenbedingungen und Interessenslagen der
Akteure. Deswegen setzen wir auf einen individuellen, projektspezifischen Zuschnitt des Akzeptanzmanagements.
Hintergrund
Hitschfeld Büro für strategische Beratung arbeitet seit mehr als 15 Jahren an der Schnittstelle
von Politik, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Seit vielen Jahren beschäftigt sich die
Leipziger Unternehmensberatung auch mit dem
Thema Erwerb und Sicherung von Akzeptanz.
Weitere Informationen zum Unternehmen unter
www.hitschfeld.de
Uwe Hitschfeld
Geschäftsführender Gesellschafter von Hitschfeld Büro für
strategische Beratung
Hitschfeld Büro für strategische Beratung GmbH
Feuerbachstraße 1a, D-04105 Leipzig
Tel.: +49 341 30558511 / Fax: +49 341 30558517
E-Mail: info@hitschfeld.de, www.hitschfeld.de
Finanzielle Bürgerbeteiligung als
Instrument des Akzeptanz-Managements
Die Schweizer Energieversorger stehen vor grossen Herausforderungen: Die Ausweitung der
Marktöffnung ist geplant. Dabei scheint selbst
der Preismechanismus (z.B. Kapazitätsmarkt)
des «freien Marktes» unklar. Die Förderung der
Erneuerbaren Energien brachte tiefe Marktpreise und einen unklaren Ausblick. Die Politik verlangt verstärkte Investitionen im Bereich Stromproduktion und Netzausbau. Dazu fehlt jedoch
oftmals die Akzeptanz in der Bevölkerung.
Finanzielle Bürgerbeteiligungen sind ein Instrument, mit diesen Herausforderungen umzugehen. Sie schaffen mit bilateralen Verträgen
zwischen Energieversorger und Kunden klare
Rahmenbedingungen und Kundenbindung, sind
eine alternative Finanzierungsquelle und können die Akzeptanz verbessern.
Jede Form direkter finanzieller Partizipation von
Bürgern an einem Projekt kann unter dem Begriff
finanzielle Bürgerbeteiligung subsumiert werden.
Grob gliedern sich die Modelle in Fremdkapital,
Eigenkapital und Übertragung - mit unterschiedlicher Eignung für die Ziele Planungssicherheit,
Finanzierungsquelle und Akzeptanz.
Bürgerbeteiligungsmodelle
•Fremdkapitalmodelle beinhalten Darlehen zur
Finanzierung von Projektinvestitionen. Der
Bürger und Investor hat keine oder geringe
Mitsprachemöglichkeiten auf Projektebene und
trägt meist keine Verlustrisiken.
•Eigenkapitalmodelle führen zu einer unternehmerischen Beteiligung des Bürgers mit entsprechenden Risiken und Mitsprachemöglichkeiten.
•Übertragungsmodelle sehen den Erwerb einer
Anlage oder den Kauf von Strom durch den
Bürger vor.
Ziele
Die Planungssicherheit wird hauptsächlich durch
Übertragung oder Eigenkapital verbessert. Wird
dem Bürger beispielsweise für seine Investition in
ein Wasserkraftwerk Strom zu Selbstkosten übertragen, verringert sich die Unsicherheit für den
Energieversorger und den Bürger, da sich beide
vom volatilen Marktpreis lösen. Bei Eigenkapitaleinlagen trägt der Bürger das Risiko sinkender
Strompreise oder erschwerter Regulierung über
potentiell sinkende Dividenden mit. Beispiele sind
Aktienbeteiligungen an Energieversorgungsunternehmen und geschlossene Windpark-Fonds.
Als Finanzierungsquelle sind grundsätzlich alle
drei Modelle geeignet, wobei Fremdkapital sicherlich die einfachste Form darstellt. Stehen
die Finanzierungskosten im Vordergrund, dürften finanzielle Bürgerbeteiligungen insbesondere bei grösseren Volumina Vorteile aufweisen.
Dann nämlich, wenn die relativ hohen und fixen
Strukturierungskosten durch tiefe Zinsen überkompensiert werden. Als Beispiel bieten sich die
Anleihen grosser Energieversorger an.
Felix ab Egg
Partner Finadvice FAA Financial Advisory AG
Finadvice FAA Financial Advisory AG
Soodstrasse 55, CH-8134 Adliswil
Tel.: +41 43 377 10 01 / Fax: +41 43 377 10 05
Mobile: +41 76 534 5875
E-Mail: f.ab.egg@finadvice.ch, www.finadvice.ch
Um Akzeptanz zu fördern, sind nebst finanziellen Anreizen vor allem die Information und Mitbestimmung der Bürger entscheidend. Dementsprechend sind Eigenkapital-Modelle besonders
geeignet, welche dem Investor gesetzliche Informations- und Mitspracherechte garantieren. Als
(Extrem-)Beispiel bieten sich Bürger-Genossenschaften an. In dieser Rechtsform steht jedem
Genossenschafter unabhängig von der Höhe seiner
Einlage eine Stimme zu.
Fazit
Bürgerbeteiligungen sind ein äusserst flexibles Instrument. Die Strukturierung solcher Beteiligungen
entsprechend den Ansprüchen des Projekteigners
ist deshalb anspruchsvoll. Es gilt dabei, finanzielle,
juristische und marketingtechnische Aspekte zu
berücksichtigen und die jeweiligen Vor- und Nachteile projektbezogen abzuwägen.
Akzeptanz braucht gute Argumente –
und Geduld
Die Schweiz macht sich auf den Weg in ein neues
Energiezeitalter. Technisch und wirtschaftlich
ist das möglich. Gesellschaftlich fordert das
von der Bevölkerung Veränderungsbereitschaft.
Alltagserfahrungen müssen sich an neue Realitäten anpassen. Das ist anspruchsvoll für die
Betroffenen, aber auch für die Projektanten
neuer Energievorhaben. Akzeptanz entwickelt
sich dabei zu einem zentralen Faktor und ihr
Entstehen fordert viel Geduld.
Oft wird die Machbarkeit grösserer Infrastrukturprojekte einseitig reduziert auf die Frage nach der
technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit.
Im besten Fall spielen politische Rahmenbedingungen eine begleitende Rolle. Nur wenig diskutiert wurden in der Vergangenheit die Fragen der
sozialen Akzeptanz. Ohne die Zustimmung der
Bevölkerung, sind alle Pläne nichts. Zustimmung
lässt sich aber nicht erkaufen. Begeisterung für
das Neue muss erarbeitet werden.
Die Schweiz funktioniert als direktdemokratisches
System mit gewachsenen und institutionalisierten
Formen der Beteiligung. Als Schweizer/in ist man
gewohnt mitzureden und mitzuentscheiden. Wer
Projekte realisieren will, muss die Bevölkerung
von seinen Plänen überzeugen und für seine Anliegen mobilisieren. Dabei gilt es Hürden zu überwinden.
Das «magische Dreieck» der
Akzeptanz
Grundsätzlich ist die Schweizer Bevölkerung
nämlich zufrieden mit dem, was sie hat. Veränderungen sind anspruchsvoll, da im Ergebnis ungewiss. Etwas überspitzt formuliert: Im Zweifelsfalle
entscheidet sich der Schweizer für den Spatz in
der Hand. Trotzdem sind Veränderungen möglich. Auch grössere Projekte können begeistern
und Mehrheiten gewinnen. Bahnprojekte sind
dafür das beste Beispiel. Damit sich Neues realisieren lässt, ist gewachsene Akzeptanz auf der
Basis einer kontinuierlichen Meinungsbildung
und unter Berücksichtigung politischer Entscheidungsprozesse zentral. Wer diese Spielwiese beherrscht, wird reüssieren.
Politik und Kommunikation sind siamesische
Zwillinge und Grundlage für das Erreichen von
sozialer Akzeptanz. Der Werkzeugkasten dazu
setzt sich aus dem Zusammenspiel von Information, Partizipation und Koalition zusammen. In
diesem magischen Dreieck entscheidet sich die
Realisierungs-Chance von Projekten. Wer Erfolg
haben will, muss diese drei Parameter aktiv und
frühzeitig bespielen. Beziehungsnetze, relevante
Akteure, Entscheidungsprozesse, Schlüsselargumente, regionale Sensibilitäten und anderes
Stefan Batzli
Mitinhaber der cR Kommunikation AG und Geschäftsführer der
A EE Agentur für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz
cR Kommunikation AG
Falkenplatz 11, CH-3001 Bern
Tel.: +41 31 313 33 39 / Fax: +41 31 313 33 22
E-Mail: stefan.batzli@crkom.ch, www.crkom.ch
mehr sind als System zu begreifen. Das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren ist überlegt
zu orchestrieren. Im idealen Mix entsteht Akzeptanz. Nicht sofort von heute auf morgen, aber im
Zuge einer schrittweisen Gewöhnung an neue
Realitäten, vermittelt über vertrauenswürdige
Akteure und abgesichert im politischen Prozess.
Anders als etwa der Ausbau und der Unterhalt
der Bahninfrastrukturen, die in den nächsten
Monaten und Jahren ebenfalls richtungsweisende Entscheide benötigen, haben Energieprojekte
keine über Jahre bewirtschaftete und gewachsene Akzeptanz in der Bevölkerung. Im Gewinnen
und Sichern dieser Unterstützung werden sich
somit das Tempo und der Erfolg der Energiewende entscheiden.
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