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2. Wie kann das selbstständige, aktive Arbeiten der Schüler den

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Individuell fördern
Lernpsychologische Grundlagen
2.
Wie kann das selbstständige, aktive Arbeiten der Schüler den Lernerfolg
verbessern?
(Lern-Psychologie: Ansgar A. Plassmann & Prof. Dr. Günter Schmitt, Universität Duisburg-Essen)
Sage es mir –
Erkläre es mir –
Lass es mich selber tun –
3
Ich werde es vergessen!
Ich werde mich erinnern!
Ich werde verstehen!
Konfuzius
Der in der früheren Forschung verbreitete Ansatz, Lernen als rezeptives, eher passives Aufnehmen
kulturell genormten Gedächtnismaterials zu begreifen, ist von der Auffassung des Lernens als einer
eher aktiven Auseinandersetzung mit konkreten Lebenssituationen abgelöst worden.
"Das Gedächtnis ist kein passiver Informationsspeicher. Die Behaltensleistung ist in hohem Maße
4
abhängig von der Aktivität des Lerners bei der Aneignung."
Das menschliche Gedächtnis kann in sehr vereinfachter Weise wie nachfolgend abgebildet werden:
in: http://www.lern-psychologie.de/
Menüpunkt Neurobiologie
Alle durch die Sinnesorgane wahrgenommenen Informationen kreisen als Impulse zunächst in Form
elektrischer Ströme und Schwingungen im Gehirn, wo sie nach 10 - 20 Sekunden wieder abklingen.
Sobald einer Information innerhalb dieser Zeitspanne Aufmerksamkeit gewidmet wird, gelangt sie in
das sensorische Register (auch 'Ultrakurzzeitgedächtnis'). Die Informationen werden hier für einige
Sekunden verfügbar gemacht und können durch die Aufmerksamkeit des Individuums weiterverarbeitet werden. Richtet sich die Aufmerksamkeit nicht auf den entsprechenden Reiz, so wird es
umgehend 'gelöscht' (Ausnahme: Gewohnheiten).
Bei bestehender Aufmerksamkeit gelangt die Information in den Kurzzeitspeicher (auch 'Kurzzeitgedächtnis'). Die Kapazität des Kurzzeitspeichers ist im Vergleich zum sensorischen Register (auch
'Ultrakurzzeitgedächtnis') deutlich geringer (das Volumen der gespeicherten Informationen entsprechend begrenzt). Auch das Kurzzeitgedächtnis hat eine zeitliche Begrenzung bei der Informationsverarbeitung: Nach wenigen Minuten sind die Inhalte verloren, wenn sie nicht wiederholt werden.
Diese Wiederholung kann durch lautes Aufsagen oder durch die gedankliche Beschäftigung mit dem
Inhalt erfolgen.
5
Das eigentliche Gedächtnis bilden Kurzzeitspeicher und Langzeitspeicher.
In der Literatur ist man sich uneinig, wie lange der jeweilige Speicher die Informationen aufbewahrt:
3
http://www.edit.uni-essen.de/lernen/
Edelmann, Walter: Lernpsychologie. Weinheim 2000.
5
Spornitz, Udo M.: Anatomie und Physiologie. Berlin, Heidelberg1996.
4
Sächsisches Staatsinstitut für Bildung und Schulentwicklung
Comenius-Institut - 2006
1
Individuell fördern
Lernpsychologische Grundlagen
a
sensorisches Register /
Ultrakurzzeitgedächtnis
200-300 Millisekunden, Oerter & Montada (1998, S. 655)
b
knapp eine Sekunde, Mietzel (1998 b, 248)
c
0,5 bis 2 Sekunden, Zimbardo & Gerrig (1999, S. 236)
d
weniger als 1 Sekunde, Spornitz (1996, S. 219)
e
250 Millisekunden, Seel (2000, S. 41)
f
20 Sekunden, Otto (1995, S. 68)
Kurzzeitspeicher /
Kurzzeitgedächtnis
etwa 30 Sekunden, Oerter & Montada (1998, S. 655)
18 Sekunden, Mietzel (1998 b, S. 252)
bis zu 20 Sekunden, Zimbardo & Gerrig (1999, S. 236)
wenige Minuten, Spornitz (1996, S. 219)
1-4 Minuten, Seel (2000, S. 41)
1-2 Stunden, Otto (1995, 68)
Langzeitgedächtnis
Dauerhafte Speicherung (vgl. z.B. Otto, 1995, S. 68)
Inhalte des Langzeitspeichers bleiben 'lange' erhalten,
wobei über die zeitliche Beschränkung der Informationsspeicherung noch keine exakten Ergebnisse bekannt
sind.
in: http://www.lern-psychologie.de/ (Menüpunkt Neurobiologie, 13.02.2006)
Bei der Speicherung von Informationen spielt die Aufmerksamkeit eine große Rolle. Man kann eine
Telefonnummer hundert Mal aufsagen und 'vergisst' sie sofort - oder man setzt sich mit der Zahlenkombination aufmerksam auseinander (z.B. durch einordnen oder verknüpfen mit vorhandenem
Wissen [mein Geburtsjahr, Vaters Geburtstag, letzten beiden Stellen meiner PIN-Nummer]) und behält
sie.
6
Die Aufmerksamkeit lässt sich durch folgende Faktoren aktivieren:
Verfremdung, Humor, Übertreibung, Überraschung und das Auslösen von persönlicher Betroffenheit.
Bei einer bewussten Auseinandersetzung mit dem Inhalt oder einer erhöhten Aufmerksamkeit gelangt
die Information schließlich in den Langzeitspeicher (auch Langzeitgedächtnis).
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass man am besten lernt, wenn man sich aufmerksam und
bewusst mit den Inhalten beschäftigt und diese in logische Zusammenhänge bringt, damit sie auch mit
Sicherheit abgespeichert werden.
Grundsätzlich gilt: Je mehr Sinnesorgane an der Informationsaufnahme beteiligt sind, desto sicherer
ist die Informationsspeicherung.
Dieser Erkenntnis wird in der Methodik des Unterrichts Rechnung getragen durch:
•
offene Unterrichtsformen, die dem Schüler selbstständiges Arbeiten ermöglichen.
•
individuelle Lernmöglichkeiten für den Schüler, der die Informationsaufnahme durch seine
individuellen Gegebenheiten steuern kann.
•
Individuelle Unterstützung durch den Lehrer, wobei die Lernsituation jeden Schülers berücksichtigt wird.
a
Oerter, R., Montada, L. (Hg.): Entwicklungspsychologie, 4., korrigierte Auflage 1998.
Mietzel, G.: Pädagogische Psychologie des Lernens und Lehrens. Göttingen1998.
Zimbardo, P.G.& Gerrig, R.J.: Ziele, Ansätze und Methoden der modernen Psychologie. Berlin 1999.
d
Spornitz, Udo M.: Anatomie und Physiologie. Berlin, Heidelberg 1996.
e
Seel, Norbert M.: Psychologie des Lernens. München, Basel 2000.
f
Otto, B. : Ist Bildung Schicksal? Gehirnforschung und Pädagogik. Weinheim 1995.
6
Heineken, Edgar & Habermann, Thomas: Lernpsychologie für den beruflichen Alltag. Heidelberg 1994.
b
c
Sächsisches Staatsinstitut für Bildung und Schulentwicklung
Comenius-Institut - 2006
2
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Bildung
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