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AG COACHING – Wie eine VDD-Mitgliedschaft für Nachwuchsautoren zum
Sprungbrett werden kann
Von Dinah Marte Golch
Das Coaching-Projekt
Jeder Jungautor, Filmschulabgänger oder Drehbuchwerkstattabsolvent, der Mitglied im VDD
wird, bekommt für ein Jahr einen gestandenen Drehbuchautoren aus unserem Verband an die
Seite gestellt, der ihn darin unterstützt, sich in dem Haifischbecken Film- und Fernsehwelt
zurecht zu finden.
Als wir noch jung waren…
Wisst Ihr noch, wie das war, als wir ganz frisch mit geschwommen sind in diesem
Haifischbecken Film- und Fernsehwelt? Als wir noch jung und schön waren und voller
Träume (jetzt sind wir faltig, dafür verdienen wir Geld und haben Traumjobs), als wir noch
hin und her gerissen waren zwischen dem Drang, ganz großes Kino zu schreiben und der
Frage, ob wir überhaupt schreiben können? Da war das Entlanghangeln an dem
Handwerkszeug, das man sich mit Linda Seeger und Syd Field angeeignet hatte und dem
kreativen Ideenfluss, der einfach nur aufs Papier wollte – und wiederum das Starren auf das
weiße Blatt, während man im Geiste schon die Dankesrede formulierte für den Oskar in der
Kategorie „Bester ausländischer Film“ (Hauptbestandteil der Dankesrede: alle Produzenten,
die bisher nicht die Größe hatten, die junge Autorengröße zu erkennen, eine Absage für die
nächsten Jahre zu erteilen.)
Was hätten wir damals gebraucht? Noch einen Kaffee? Noch ne Zigarette? Eine
Mitgliedschaft im VDD? Ich erinnere mich, dass es mir viel Arbeit und Stress erspart hätte,
von einem gestandenen Autoren zu hören: „Dinah, ich bin zwar jetzt echt schwer im Stress
mit den ganzen Tatorten, aber vor zehn Jahren ging es mir wie dir. Bevor du dein fünftes 90er-Exposé einreichst, magst du es nicht erst mal mit einer Serie versuchen, um ein bisschen
Übung zu bekommen?“
Die Absicht dahinter
In erster Linie geht es darum, unseren Nachwuchs zu fördern und damit dem Jungautoren
einen gewaltigen Anreiz zu geben, sich dem Verband anzuschließen – und somit unsere
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Mitgliedszahlen und den VDD zu stärken. Durch dieses Coaching-Projekt machen wir den
VDD zu einer Institution mit (noch mehr) Mehrwert.
Außerdem soll das Projekt irgendwann aus sich selber leben, sprich: wer heute gecoachter
Jungautor ist, wird vielleicht in ein paar Jahren selber seine Erfahrung an einen Neuling in
unserem Verband weiter geben können und wollen.
Was bringt es dem Jungautoren
Das mit Sicherheit Wertvollste, was ein Neuling durch diese Mitgliedschaft mit CoachingMehrwert bekommt, ist die Erfahrung eines alten Hasen. Er bekommt jenseits der Kritik von
Produzenten und Redakteuren echte Unterstützung, die ihm nicht vermittelt, dass er zu jung,
unerfahren und zu unbegabt ist, sondern der Jungautor bekommt professionelles,
uneigennütziges Feedback in Fragen wie: Soll ich lieber noch länger Daily-Soap schreiben
oder bringt es schon etwas, 90-er-Stoffe einzureichen? Bis wann muss ich in Vorleistung
gehen und ohne Honorar Exposés umschreiben und ab wann darf ich einen Produzenten in die
finanzielle Pflicht nehmen? Was kann ich tun, um mich weiter zu entwickeln? Welche Bücher
sind empfehlenswert? Zu welchem Produzenten kann ich mit meinen Stoffen gehen? Wie
kann ich aus einer frustrierenden Besprechung Nutzen für mich ziehen? (…mussten wir nicht
alle lernen, hinter den Anmerkungen eines weniger wortgewandten Redakteurs „Da ist schon
viel Schönes drin, aber das muss emotionaler…“ nicht persönliche Kritik zu hören, sondern
die deutsche Übersetzung „Ich mache mir Sorgen, ob die Geschichte, so wie sie jetzt
geschrieben ist, den Zuschauer wirklich anspricht und mir ist es wichtig, eine ergreifende
Story über Menschen zu erzählen. Wie, lieber Jungautor, können wir es schaffen, gemeinsam
einen Weg zu finden, Figuren zu finden, die uns berühren?“)
Dem Jungautor bringt es sicher eine zusätzliche Portion Selbstbewusstsein im Umgang mit
Produzenten und Redakteuren. Und auch mehr Respekt, denn er wird sicherlich ganz anders
wahrgenommen, wenn seine Gesprächspartner wissen, dass er einen guten Coach im Rücken
hat.
Und im Endeffekt ist das Geld des Jungautoren in eine Mitgliedschaft beim VDD so viel
besser investiert, als bei einem Therapeuten, um die Schäden zu begrenzen, die die letzte
Exposébesprechung verursacht hat…
Was bringt es dem Coach
In erster Linie Spaß und Bereicherung. In den letzten Jahren habe ich drei Jungautoren
gecoacht, jeweils für ca. ein Jahr und ich kann somit aus eigener Erfahrung weitergeben, dass
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diese Mentorenfunktion weder dazu geführt hat, dass ich weniger Zeit für meine Arbeit hatte,
noch dazu, dass mir einer der Jungautoren einen Auftrag weggeschnappt hat. Es hat mir Spaß
gemacht, Autoren wachsen zu sehen. Es war eine Bereicherung für mich, dass Nachwuchs so
viel annehmen kann von meinen Erfahrungen. Es hat mich daran erinnert, wie wichtig es ist,
sich auf die Freude am Schreiben und auf den kreativen Prozess zu besinnen und sich nicht
allzulang damit zu beschäftigen, was Redakteure über einen denken.
Was bringt es dem VDD
Zum einen ganz klar neue Mitglieder und somit eine Stärkung des Verbandes. Und anderen
ein Plus im Bereich „Image“. In der Außenwahrnehmung wird der VDD gewinnen, wenn wir
nicht als eine Vereinigung von Einzelnkämpfern wahrgenommen werden, sondern als eine
Organisation, die bereit ist, ihre Kompetenz untereinander weiter zu geben. Kurz: wer im
VDD ist, bringt mehr Kompetenz mit, als jemand, der im Alleinewurschtlerverein ist.
Was das Coachingsystem kann
Erfahrung und Kompetenz weiter geben, die Autorenschaft stärken und Neuen, die sich einen
Platz auf dem Markt erschreiben und erkämpfen wollen, die ein oder andere schlechte
Erfahrung ersparen.
Was das Coachingsystem nicht sein soll
Wir sind keine Therapeuten, keine Schreibschule und kein Arbeitsamt. Wir wollen
unterstützen und begleiten, wir müssen aber keine Verantwortung für den Werdegang eines
Jungautoren übernehmen. Das Coaching-Projekt ist auch kein Baukastensystem mit dem
Motto „In einem Jahr zum Deutschen Fernsehpreis“. Wir drängen keine Konzepte auf, wie es
zu funktionieren hat, wir unterstützen nur, indem wir unsere eigene Erfahrung weiter geben.
Was ein Coach mitbringen sollte
Erfahrung. Und die Bereitschaft, ein bisschen Zeit für einen Jungautoren aufzubringen. So
individuell wie wir alle sind, so individuell werden die Coaching-Beziehungen sein. Ob der
Kontakt rein über das Telefon geht, über Mail oder über persönliche Treffen, ob die Kontakt
monatlich oder wöchentlich oder völlig unregelmäßig nach Bedarf entsteht, hängt von Coach
und Jungautor ab. Hauptsache, beide fühlen sich wohl mit der Übereinkunft. Der Coach sollte
bereit sein, auch mal etwas zu lesen und dem Jungautoren seine ehrliche und sachliche
Einschätzung dazu zu geben.
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Erfahrungen austauschen
Da dieses Projekt in der Form zum ersten Mal startet, rege ich einen Austausch von Coaches
und Nachwuchsautoren auf der Internetseite an: wer macht welche Erfahrungen mit dem
Projekt? Was bereichert und hilft? Auch werden Anregungen, das Projekt zu optimieren gerne
angenommen!
Bitte melden und unser Projekt bereichern
Ich bitte alle VDD-Mitglieder mit einer gewissen Erfahrung, die bereit sind, sich erst mal für
ein Jahr in die AG Coaching einzubringen, sich per Mail bei mir zu melden (
Dinah.Marte.Golch@vodafone.de), bitte den Wohnort mit angeben, da ich es für sinnvoll
halte, Coach und Jungautor ortsnah zu vermitteln, damit persönliche Treffen, falls gewünscht,
einfach zu organisieren sind. Auch bitte einen kurzen Hinweis, ob Ihr einverstanden seid, dass
Euer Name auf Werbeflyern o.ä. für dieses Projekt als potentieller Coach genannt wird.
Wenn ich einen Überblick habe, wie viele Mitglieder bereit sind, den Verband und den
Nachwuchs auf diese Weise zu unterstützen, gehen wir mit entsprechenden Flyern
Filmhochschulen etc an und stellen einen Text für Nachwuchsautoren ins Internet. In
Absprache mit der Geschäftsstelle suchen wir dann für neue Mitglieder einen Coach aus.
Erfahrungsbericht Coaching, Josefine Klemm, selbstständige Autorin, 25
Seit fünf Jahren arbeite ich nun schon als Autorin. Den Sprung ins kalte Wasser hätte ich
mich ohne die Beratung von Dinah Golch vor eben diesen fünf Jahren wahrscheinlich nicht
getraut. Sie war es, die mir damals dazu geraten hat, meinem Interesse einfach nachzugehen
und ein Praktikum zu machen. Es war unglaublich hilfreich von einer erfahrenen Autorin
Tipps und Tricks zu bekommen, zu hören, wie sie zum Schreiben gekommen ist, von ihren
Erfahrungen zu lernen. Schließlich gab sie mir den Anstoß, erst einmal bei einer täglichen
Serie Erfahrungen zu sammeln, um die Grundlagen der Dramaturgie etc. kennen zu lernen
und ein Gespür für die Materie Drehbuch zu bekommen. Die Gespräche haben mir den
Sprung ins das Geschäft sicherlich erleichtert und mir auch die Angst vor dem großen
Unbekannten genommen. Aber nicht nur die Gespräche, sondern auch die Buch- und
Filmtipps waren eine absolute Hilfe - denn woher soll man als Anfänger wissen, welche der
vielen Drehbuchratgeber tatsächlich von Nutzen ist?
Langfristig ist es mir gelungen, den Sprung von der unerfahrenen Praktikantin zur
selbstständigen Autorin (u.a. für Constantin Film, Hurricane Tv, Grundy Ufa) zu schaffen.
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Und daran ist das Coaching sicher nicht ganz unschuldig. Bisher hatte mir der definitive
Anreiz gefehlt, dem VDD beizutreten - aber das hat sich mit diesem Projekt wohl geändert!
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Seele and Geist
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