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Gestohlen wie die Raben

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Thema der Woche
Wiler Nachrichten, 18. Mai 2012
Seite 3
Gestohlen wie die Raben
WIL/UZWIL/OBERBÜREN Man kann nur noch staunen über die absolute Unverfrorenheit lokaler Diebe und ihre saufrechen Ausreden
Völlig bewusst liessen wir uns
bestehlen. Mit Grund: Uns interessierte, wie lange ein vermeintlich verlorenes oder vergessenes Objekt von gewissem
Wert auf öffentlichem Platz
liegen bleiben würde, ohne
gestohlen zu werden.
Die ausrangierten Minolta-, Canon-Nikon- und antiquierten Pentax-Kameras samt zwei kaputten
Laptop einfach so am Wiler und
Uzwiler Bahnhof aufs Wagendach
unseres knallroten «Mini Cooper»
der Ausgabe «Roary Sixties» zu legen und wegzugehen, tat in der
Seele weh. Die Präzisionsgeräte
hatten uns jahrelang beste Dienste geleistet im hektischen Reporterdasein. Denn wir ahnten, ach
was, wir wussten, gleich würden sie
gestohlen sein. Die Hoffnung, dass
vielleicht doch ein ehrlicher Finder ein Objekt am örtlichen Fundbüro abgeben würde, hatte sich bereits zerschlagen. Mehrere alte,
aber optisch gut präsentierende
Fotoapparate hatten wir nämlich
schon in den Tagen zuvor in Wil,
Uzwil, Bütschwil und Oberbüren
als «Köder» ausgelegt. Fazit: kein
dem Polizeigebäude bestohlen
werde heutzutage. Polizist M.
Landolt, ein ungemein sympathischer Herr, lächelnd: «Ja, glaube ich
gerne, dass die davor nicht mal direkt vor dem Polizeiposten zurückschrecken.War aber auch ein
lohnendes Objekt. Wieso lassen Sie
es unbeaufsichtigt auf der Kühlerhaube?» Wo er recht hat, er recht.
Bild:pic
Der Asylbewerber bringt den «verlorenen» Laptop zurück
einziges Objekt war via Fundbüro
wiedergekommen. Zur Ergänzung:
einige der Diebe konnten wir abpassen und stellen. Die uns aufgetischten Ausreden waren zum
Schreien skurril oder zum Heulen
dumm. Es dauerte jeweils nur zwischen 4 und 19 Minuten, dann war
der «Köder» weg. Am helllichten
Bild: pic
Auch diese Dame legt wie die andere, recht zügiges Handeln an den Tag. Wir hätten hier die Kamera zurückholen können, aber wir wollten ja «bestohlen» werden, also liessen wir sie unbehelligt ziehen.
Tag unter Hunderten von Passanten einfach gestohlen!
Tatort Wiler Bahnhof /
4 Minuten
Die Wiler Taxifahrer Hans Marti,
Häne-Taxi und Karin Schaffner,
Seiler-Taxi, hatten uns vorgewarnt: «Laptop und Kameras werden in höchstens 10 bis 25 Minuten gestohlen sein!» Irrtum, es ging
schneller! Das junge Paar fackelte
nicht lange. Ein Blick auf den aufgeklappten Laptop auf dem Wagendach des Mini, ein zweiter in die
Runde. Er stürmt los, sie hinterher und weg ist das Gerät.
Bahnhof Uzwil / 12 Minuten
Hier schlagen gleich zwei Frauen
innert 12 Minuten zu. Eine sieht
die herrenlose Fototasche samt danebenliegenden Fotoapparat und
greift blitzschnell zu. Nach zehn
Metern treten wir ihr in den Weg:
«Wieso nehmen Sie einfach ungefragt diese Kameras hier mit?» Verblüffende Antwort: «Was? Ach, ich
dachte, das sei zum Wegwerfen bestimmtes Gerümpel!» Auf dem Wa-
gendach? Sie nickt und grinst.
Tatort Mc Donalds / 7 Minuten
Der Mann mittleren Alters erblickte den Laptop in einem Blumenkübel direkt am «Drive In»
beim Vorüberfahren. Fünf Meter
weiter stoppt er abrupt, steigt mit
affenartiger Wendigkeit aus dem
Auto, schnappt den Laptop und ist
innert Sekunden wieder im Wagen
mit TG-er Nummernschild und abgefahren. Die Chance zum Disput
gab es nicht, er war zu schnell.
Tatort Polizeistützpunkt Oberbüren / 9 Minuten
«Wieso nehmen Sie diese Gegenstände von unserem Autodach?»,
fragen wir das ältere Paar, das gerade mit dem Verladen unserer anmächelig drapierten Fototasche 350 Franken Neuwert - in den Kofferraum beschäftigt ist. Der Fahrer sagt kein Wort, reagiert unerwartet - er gibt Vollgas. Wir betreten den Polizeistützpunkt Oberbüren und konfrontieren den Polizeibeamten Markus Landolt mit
dem Tatbestand, dass man sogar vor
Tatort Asylzentrum Thurhof,
Oberbüren / Spezialfall
Hier werden unsere Lachmuskeln
strapaziert - und wie! Wir legen den
inzwischen schon zweiten (defekten) Laptop nahe dem Asylzentrum Thurhof in Oberbüren ab. Mit
dem nicht ganz fairen Hintergedanken, hier werde bestimmt alles
sofort gestohlen. Falsch und sorry! Zwei schwarze Asylbewerber
schlendern kurz darauf über die
nahe Thurbrücke. Einer sieht den
Laptop, nimmt ihn vom Dach unseres Mini-Coopers, blickt sich um,
steuert völlig überraschend auf uns
zu (wie hier im nachgestellten Szenenbild) und radebrecht freundlich grinsend: «Gehört dir, du das
hier verloren?» Wir sind so perplex wie tief beschämt. Wir melden uns augenblicklich beim AsylZentrums-Teamleiter
Christian
Bössow und berichten ihm vom
überraschenden Vorfall. Der strahlt
vor Freude: «Sehen Sie, nicht alle
Asylbewerber klauen. Neulich
brachte einer ein Portemonnaie mit
80 Franken zum Polizei-Fundbüro, und Sie selbst erhielten soeben
Ihren Laptop zurück. Schreiben Sie
das hin, damit Ihre Leser endlich
eine bessere Meinung von den
Thurhof-Migranten kriegen!» Wir
versprechen es hoch und heilig,
kehren zu unserem vor dem Asylzentrum parkierten Mini zurück
und prusten los vor Lachen - der
Laptop wurde unterdessen prompt
und wohl endgültig gestohlen...!
Charly Pichler
pic@zehnder.ch
Rund um die Uhr einkaufen?
Natalie Janssen, Wil
Manuela Sauter, Wil
Daniel Müller, Oberbüren
Sascha Bruderer, Münchwilen
Philipp Holenstein, Wil
«In Kanada sind durchgehend Öffnungszeiten üblich. Aber hier in der
Schweiz braucht man das – meiner Meinung nach – nicht wirklich. Zudem ist es für die Angestellten auch nicht gerade angenehm, mitten in der Nacht in solch
einem Shop zu arbeiten und vielleicht sogar Betrunkenen zu begegnen.»
«Weder für uns Konsumenten noch
für die Arbeitnehmer/innen wären
durchgehende
Öffnungszeiten
sinnvoll. Es gibt ja genug Möglichkeiten einkaufen zu gehen. Mir
selbst wäre es nicht geheuer, nachts
in einem Tankestellenshop arbeiten zu müssen, trotz der meist vorhandenen
VideoüberwachungsKameras.»
«Ich wäre absolut für 24 Stunden
Öffnungszeiten in Tankstellenshops. Vor allem für Schichtarbeiter bietet es eine gute Möglichkeit einkaufen zu gehen, da sie
sonst kaum Zeit dazu haben. In anderen Ländern sind Tankstellenshops ja auch schon durchgehend
geöffnet. Warum also nicht auch bei
uns?»
«Durchgehende Öffnungszeiten in «Zwar bin ich für durchgehende
Tankstellenshops müssten nicht Öffnungszeiten, aber nicht alle
unbedingt sein, bis 24.00 Uhr wur- Shops müssten das anbieten, eide genügend. Bei einem 24 Stun- nige würden reichen. Damit die
den Shop müsste man zumindest Angestellten aber keine 14 Stunmehr Angestellte einstellen und den Schichten schieben müssen,
nachts nicht gerade eine kleine, müsste man mehr Leute einstelzierliche Frau, sondern einen gros- len. Vor allem für junge Leute wäsen, starken Mann - der Sicherheit re solch ein Job eine gute Möglichkeit etwas dazu zu verdienen.»
wegen.»
Für Sie war unterwegs: Gaby Stucki / Tamara Barbi
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