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Auf einem Tepui ins neue Jahrtausend - oder Wie wir den

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Auf einem Tepui ins neue Jahrtausend - oder
Wie wir den Weltuntergang in Venezuela überlebten!
Ein Bericht über Reisen, Intuition und über
Erfahrungen mit „Reisebüros“
von Dr. Karl Werner Ehrhardt
Prolog - es gibt immer eine Vorgeschichte!
Der Jahreswechsel ist für mich schon immer ein
mystisches Ereignis. Ich ziehe Bilanz, reinige mich
von dem mentalen Müll des Jahres, definiere meine
Ziele neu und begehe den Wechsel des Jahres
bewußt. Meine Frau Barbara hat sich hier gerne
angeschlossen, und so haben wir schon sehr schöne
Feiern gestaltet und erlebt.
Seit 1993 spukte es in unserem Kopf herum, der
Jahrtausendwechsel ist etwas ganz besonderes, und deshalb müssen wir hier auch besonders
sorgfältig auswählen. Seit 1993 liefen die Gedankenspiele: Feiern wir den Tanz der Nationen
auf den Straßen von New York, oder wäre es besser in der Wüste mit dem Sternenhimmel zu
verschmelzen. Fahren wir in die Wüste von Californien zum spektakulärsten Fünf-TageRockfestival aller Zeiten, um unser Fehlen beim Woodstock Festival auszugleichen? Oder
sollten wir mit unseren Freunden unter dem Brandenburger Tor das „Neue-Deutsch-Sein“
verankern?
Das Ziel - die Erlösung aus einem Entscheidungsdilemma
Die konkrete Idee zu dieser Reise kam im Dezember 1998 von unserem Freund Tom, als wir
im „Hotel zur Post“ in Holzkirchen beim Bier zusammen saßen. Er sprach so begeistert von
einem traumhaften Luxus-Boot mit eigener Tauchstation auf den British Virgin Islands, daß
unsere Phantasie sofort „Hurra“ schrie. Der Skipper und die exzellente Köchin würden
deutsch sprechen, und sie seien so etwas von lieb, kompetent und herzlich! Klar, gediegener
Luxus und echte Verwöhnung: Ein gutes Symbol für die zweite Hälfte unseres Lebens.
Wir waren 1994 schon mal auf den British Virgin Islands, damals allerdings mit den falschen
Leuten auf dem falschen Boot, so daß das Ganze als Horrortrip endete.
Dazu kam, daß unser erster Versuch von 1992, die „verlorene Welt“ der Tepuis (Tafelberge)
in Venezuela zu erleben, gescheitert war. „Das ließe sich doch gut verbinden.“ Von unseren
Schwärmereien waren nun wieder unsere Freunde so begeistert, daß wir spontan die Entscheidung fällten: Es gilt.
Die Aktionen – es muß Spaß machen
Gesagt – getan. Tom kümmerte sich sofort um Ausrüstungsgegenstände der verschiedensten
Art. Er ist Urwaldspezialist. Dank seiner „Connections“ konnten wir wunderbarste TrekkingKlamotten zum Einkaufspreis kaufen. Daß wir das Super-Luxus-Schiff dann nicht mehr zu
Sylvester 1999 chartern konnten, nahmen wir hin. Also zuerst auf den Tafelberg und dann zur
Erholung zum Segeln.
1
Unser Part war es, das beste Reisebüro für Venezuela ausfindig zu machen. Wir landeten bei
Herrn Dr. Schiegg im Allgäu, einem Mann mit einer sympathischen Stimme. Nach eigenen
Angaben verbringt er die Hälfte des Jahres in Südamerika, weil er dort verheiratet ist. Er
schien der Richtige zu sein
Wie sich erst später herausstellte, ist seine Frau
allerdings Chilenin und nicht Venezolanerin.
Wir studierten sämtliche Reiseführer und die
Angebote von Herrn Dr. Schiegg. Diese Reise sollte
für uns eine angemessene Belohnung nach einem
intensiven Geschäftsjahr sein. Das Beste von
Venezuela. Aus den Highlights von Dr.Schiegg,
stellten wir uns ein maßgeschneidertes Programm zusammen.
Das Schicksal meldet sich !
Dabei stellte sich dann heraus, daß unsere Freunde, Tom und Andrea, in ihrem Zeitplan nicht
ganz so frei waren wie wir. Und daß Andrea bereits über negative Urwalderfahrungen verfügte. Nach einigem Hin und Her, ob wir nun mit dem Hubschrauber auf den Roraima fliegen
oder nicht, durften wir dann zur Kenntnis nehmen, daß sie an dieser Reise überhaupt nicht
teilnehmen werden. Sie waren, aufgrund der offensichtlich sehr dramatischen Berichte eines
russischen EDV- und Atomexperten, zu der Einsicht gekommen, daß um die Jahrtausendwende mehrere russische Atomkraftwerke in die Luft gehen werden. Diesen Atomsupergau wollten die beiden dann aber lieber in Ruhe auf ihrer Ranch in Argentinien erleben.
O.K. Toleranz und Akzeptanz gehören zu unseren Grundwerten. Nach der Erlebnisverarbeitung dieses Schocks dachten wir darüber nach, mit wem wir gerne auf einem wunderschönen
Boot in einer wunderschönen Landschaft sein möchten. Barbara und mir fielen spontan die
gleichen Leute ein: Rolf und Manuela. Die beiden stimmten begeistert zu, so daß dieser Teil
der Reise bereits gerettet war.
Danach organisierten wir die Venezuela-Reise noch zweimal nach unseren Bedürfnissen um.
Nach wie vor waren fast alle High-Lights aus dem Angebot des Dr. Schiegg zusammengestellt. Da die Kosten explodierten, nahmen wir die Kavac Tour wieder raus. Der letztlich
maßgeschneiderte Reiseverlauf war so:
Der Traum als Vertrag
15. Dezember 1999: Abflug Deutschland – Ankunft Caracas abends. Übernachtung in Caracas. Am nächsten Morgen sofortiger Weiterflug nach Puerto Ajacucho. Das ist am Oberlauf
des Orinoco, in die Orinoco-Lodge. Dort anderthalb Tage Programm, dann Fahrt mit einem
Privatfahrzeug (so stand es im Programm) zum Rio Cauras Camp. Dann mit dem Einbaum
fünf Tage 130 Kilometer auf dem Rio Caura in das Indianer-Dschungel-Gebiet von Venezuela hinein. Danach sollte es nach Ciudad Bolivar gehen, wo wir einen Tag lang Aufenthalt hatten. Von dort mit dem Flugzeug ins Canaima Camp, wo wir Weihnachten erleben wollten.
Nach Angaben von Reisehandbüchern, das schönste und teuerste Camp Venezuelas. Danach
mit dem Flieger zurück nach Puerto Ordaz. Von dort weiter mit einem Fahrzeug ins Gebiet
des Roraima Tafelberges. Sylvester und Happy New Year .
Am 3.1. 2000 zurück über Caracas und San Juan nach Beef Island, dem Flughafen der Britsh
Virgin Islands, und dann ab auf die „Hitauk“, unser Luxusschiff. Rückkehr nach Germany am
2
13. Januar 2000. Was für ein herrliche Reise. Da macht doch schon das Visualisieren Spaß
oder?
Vorsicht Realität
Wir hatten in Deutschland keine Karten von Venezuela bekommen und keinerlei Übersicht
wie groß die ganzen Entfernungen voneinander sein könnten. Ich hatte immer irgendwie das
Gefühl, das ist alles „so einen halben Tag um die Ecke“. Aber genau das, stellte sich als großer Irrtum heraus. Lediglich die vielen Tage für Transfers waren für mich etwas komisch. auf
alle konkreten Anfragen bei Dr. Schiegg, gelang es ihm wieder, mich mit seiner sympathischen Stimme auf sein Lieblingsthema abzulenken: Ob wir denn schon genug für das Roraima
Trekking trainiert hätten?
Die Aufregung unserer Vorbereitungen bezog sich darauf, welches Expeditionsstück man
weglassen konnte. Unser Wohnzimmer war seit Anfang Dezember zum Vorratslager umfunktioniert worden. Täglich wurde diskutiert was wir brauchen und was nicht.
Schon Gretel fragte den Faust: „Wie hältst du‘s mit der Religion?“
Schon Monate vorher hatten wir uns mit dem Thema Malaria Propyhlaxe Ja oder Nein beschäftigt. Lariam ist nach wie vor „In“. Einige Bekannte berichteten uns darüber, daß sie das
Zeug wegen der Nebenwirkungen abgesetzt hätten. Andere meinten, es wäre ertragbar, Malaria wäre schlimmer. In der Reisebeschreibung stand es aber eindeutig: Der Dschungel Venezuelas ist dickstes Malaria Gebiet. Das Tropeninstitut testete gerade neue Medikamente, kostenlos natürlich. Wir bedachten noch mal unsere Erfahrungen mit Placebos, Krebs und anderen Krankheiten. Als wir unsere Gelbfieber- und sonstigen Spritzen im Tropeninstitut „drin“
hatten, entschieden wir uns spontan für Lariam. Außer intensiven Träumen sollte es keine
Nebenwirkungen geben. Und das war für uns eher ein Vorteil.
Was wird uns die Reise wirklich bringen?
Schließlich wurden es zwei Rucksäcke und ein Seesack. Wir hatten vieles weggelassen und
waren stolz darauf.
Die Frage, die mich die ganze Zeit beschäftigte war: „Welches psychologische und mystische
Motto, wird unsere Reise zu einem mystischen Berg, dem heiligen Berg der Indianer, zu einem mystischen Anlaß, dem Jahrtausendwechsel, wohl wirklich haben“. Die Vermutung lag
damals schon nahe, irgend etwas mit „vertraue Deiner Intuition und gehe über Deine bisherigen Grenzen hinaus“. Dazu kam, daß unsere persönliche Bilanz nach unserer Flucht aus dem
Osten am 31. August 1989, dem wirtschaftlichen Neuanfang bei Null am 12. September 1989,
und nach 10 Jahren Marktwirtschaft, sehr gut war. Wir haben alle unsere materiellen Ziele
erreicht. Jetzt geht es nur noch um das eine Thema: Lebensqualität in jede Alltagsminute hineinzubekommen. „Lebensqualitäts–Awareness“. Da wir noch große Steigerungsmöglichkeiten haben, war ich gespannt auf die Botschaften dieser Reise.
15. Dezember 1999 - Endlich
Am 15. Dezember 1999 hatte es mal wieder richtig geschneit im Oberland. Bianca wollte uns
zum Flughafen bringen. Ich fragte nach, ob sie überhaupt durchkäme von Lenggries nach
Holzkirchen. Sie war bereits im Auto. Die Fahrt zum Flughafen war ganz lustig und fröhlich.
Ein eigentlich unbedeutender Zwischenfall weckte mein Interesse. Bianca war der Meinung
Lufthansa Flieger gehen vom Terminal A ab, wogegen ich genau wußte, sie gehen von Ter3
minal B. Ich habe mich nicht durchgesetzt und so durften wir unser Gepäck ein paar hundert
Meter weiter schleppen. Sicherlich eine wertvolle Fitness-Übung. Aber meine innere Stimme
sagte: „He hör mehr auf mich!“
Der Lufthansa-Flug über die ganzen zehn Stunden war angenehm, es wurden sehr oft Getränke gereicht, so daß man wirklich auf seine zwei Liter Flüssigkeit kommen konnte. Die Filme
waren gut, der Flieger nicht ganz gefüllt, so daß man sich seinen Platz aussuchen konnte. Die
Ankunft in Caracas gegen 23:00 Uhr war angenehm, es ging schnell durch den Zoll. Wir erwarteten, wie uns versprochen war, (dafür hatten wir auch viel Geld bezahlt) einen deutschen
Guide mit einem Taxi. Der Guide war ein älterer, schlecht englisch sprechender Pfiffikus, mit
einem ungefähr acht Meter langen amerikanischen Auto. Er war ganz fröhlich. Wir fuhren auf
einer unendlich langen Serpentine den Berg hoch. Er erklärte uns, daß Caracas 1.000 m hoch
liegt, daß keiner weiß, warum es hier in der Trockenzeit schon fünf Tage regnet und daß sie
seit heute eine neue Verfassung hätten. Kurz vor Caracas drückte er mir ein Handy in die
Hand, und mich begrüßte eine sehr angenehme deutsche Stimme, Frau Annette Bauer. Sie
erzählte mir, daß aufgrund des nunmehr schon tagelangen Regens, an den Hängen der Berge
von Caracas zum Meer, die Welt unterginge. Dort würden die Häuser zusammenrutschen und
die Straßen unter Wasser stehen. Es wäre Notstand und es hätte schon Tote gegeben. Unser
deutscher Guide aus Maputo, der all unsere Vouchers hätte, wäre nicht mehr zu erreichen.
Aus diesem Grunde würden wir nach Caracas gefahren werden, ins Hotel „Los Americas“.
Das war ein sehr trauriger Schuppen, das Zimmer wie eine Zelle, war in einem olivfarbenen
Ölanstrich gehalten. Ich mußte noch die Säcke umpacken. Alles was wir für den Segeltörn
brauchten, haben wir jetzt in den Seesack gepackt, und die selbstaufblasbaren Luftmatratzen
an den Wanderrucksack hinten dran. Danach gingen wir noch in den achten Stock, ein Bier
trinken. Ein extrem selbstbewußter und komödiantischer Kellner servierte mir „uno Cervesa
por favour“ (mein einziger Spanisch-Wortschatz) und Barbara einen Campari Orange. Das
kostete dann 7.000 Bolivares. Ich hatte gerade 20 Dollar in 12.000 Bolivares umgetauscht und
gehofft, mit 2.000 Bolivares die Rechnung bezahlen zu können. Die wurde aber auf‘s Zimmer
geschrieben, und die 2.000 Bolivares nahm der Kellner und verschwand glücklich. Meine
innere Stimme sagte: „He, paß auf. Egal ob du spanisch kannst oder nicht, erkundige dich
vorher nach den Preisen.“
16. Dezember 1999 - Das Chaos ist da.
Wir konnten nicht richtig schlafen. Es goß wie aus Kannen, ständig jaulten Hunde, Alarmanlagen von Autos sprangen an. Danach war natürlich alles wach und schaute aus den Fenstern.
Wie wir später erfuhren ist in jener Nacht der Regen von fünf Monaten auf einmal herunter
gekommen.
Wir sollten um 5:00 Uhr bereit stehen
und standen auch
bereit. Wer nicht kam, war Anja von der
Firma Cacao-Travel.
Gegen 5:45 Uhr weckte ich dann über die
„Notfall-Nummer“
Frau Bauer, die sich das nicht erklären
konnte.
Aber
immerhin, nach zehn Minuten war Anja
dann
zutiefst
verschlafen, da. Mit einem wunderbaren
„hochbeinigen“ Jeep.
Mittlerweile hatte uns der Portier klar
gemacht, daß der
Weg zum Flughafen gesperrt sei wegen
der Regenfälle, und er
verwies immer wieder auf das 24Stunden-DauerKatastrophen-Fernsehen auf drei Kanälen. Wir verstanden
zwar kein spanisch, aber die Bilder waren
entsetzlich. Es waren
ganze Hänge weggerutscht und das
Wasser flutete die
Straßen hinunter. Anja meinte, wir
würden schon noch
durchkommen. Es gibt nur eine einzige Straße von Caracas zum Flughafen und das ist eine
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lebenswichtige Ader. Die erste Auffahrt zur Stadtautobahn war nicht mehr passierbar, aber
Anna hatte schon den Weg zu einer zweiten gefunden, wo wir mit diesem „hochbeinigen“
Jeep, es war ca. ½ Meter Wasserstand, gerade noch durchkamen. Dann düsten wir auf der
Autobahn und waren glücklich darüber, daß wir jetzt gleich in den Urwald fliegen durften.
Nach 15 Kilometern war Ruhe - Stau, alles stand. Anja ging einen Taxifahrer fragen, die ja
über Funk miteinander verbunden waren, und erfuhr, daß der Weg zum Flughafen seit gestern
abend 23:00 Uhr dicht ist. Es würden ca. 300 PKW in einem überfluteten Tunnel stecken und
niemand würde mehr rauskommen. Sie würde uns deshalb lieber zum Hotel zurückfahren.
Wir wollten aber erstmal mit ihr frühstücken. So lernten wir diese herrlichen „Nalepas“ (gefüllte gebratene Maismehltaschen) kennen und tranken diese herrlichen Fruchtsäfte.
Und dann begann das, was ich als die Hölle von Caracas erlebte. Die Bilder im Fernsehen, die
wir später sahen, waren schlimmer als alle Abenteuer- und Katastrophenfilme die ich je gesehen habe. Wir erfuhren drei Wochen später, daß der Guide der uns in Empfang nehmen sollte,
in jener Nacht zwölf Stunden mit seinen Kindern und seinen Eltern über sich bewegende
Moore und durch fließende Ströme das Leben seiner Familie gerettet hat. Sie hätten Arme und
Beine gesehen, die aus den Steinen rausguckten und wären über Flächen gelaufen, und wußten daß einen Meter darunter die Menschen in ihren Autos gerade ersticken. Sie sind um ihr
Leben gelaufen. Wenn wir in diesem Hotel in Maputo gewesen wären, so erfuhren wir ebenfalls nach drei Wochen, dann wäre, wenn überhaupt, Rettung nur noch auf dem Seeweg möglich gewesen.
Wir aber saßen beim Frühstück und wollten, daß Anja uns wieder in Urlaubsstimmung bringt.
Sie machte das ganz gut. Die 15 % der Bevölkerung, die kein Einkommen haben und von
Diebstahl und Totschlag leben, ließ sie weg und beschrieb uns anhand einer sehr lebenslustigen Dame, die eben mit zwei Herren aus einer Bar kam, und neben uns das Leben genoß, die
Lebensfreude der Venezolaner und die Qualitäten des Nachtlebens von Caracas.
Sie meinte, die Straße zum Flughafen wird bestimmt bald wieder geräumt sein und sie wollte
erstmal Kontakt aufnehmen mit der Agentur. Dies hat sie dann vom Hotel aus gemacht, und
die von der Agentur meinten, sie müßten erstmal mit dem Flughafen telefonieren. Wir sollten
alle Stunde anrufen, was wir dann auch taten. Die Bilder im Fernsehen verschlimmerten sich
dramatisch.
Ab 11:00 Uhr hatte das Reisebüro keine Verbindung mehr zum Flughafen.
Um 12:00 Uhr wurde im Fernsehen bekanntgegeben, daß der internationale und der nationale Flughafen ab sofort gesperrt wären. Es ging auch kein
Inlandsflug mehr. Die Straße war, wie sich später herausstellte, tatsächlich
um die Hälfte abgerutscht. Weg, einfach so weg. Ich hatte das mal im Himalaja gesehen. Eine Straße die am Hang liegt und einfach weggespült
wird, das dauert Monate, bis die wieder aufgeschüttet, befestigt und befahrbar ist.
Prost Mahlzeit ! Wir wollten hier Urlaub machen und keine Katastrophen
live erleben.
Wir lagen also in diesem traurigen „Hotelzellenzimmer“, glotzten auf den Fernseher, sahen
auf allen drei Kanälen immer schlimmer werdende Horrorbilder und im Reisebüro teilte man
uns mit wohltönender „Pressesprecherstimme “ mit, daß man sich bemühen würde.
Wir sollten in einer Stunde wieder anrufen.
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Meine innere Stimme sagte: „Ihr müßt hier raus. Heute noch.“
Dann verlangte ich den Chef zu sprechen. Unser Vorschlag, uns mit dem Auto über die Straßen die noch funktionieren sofort hier rauszubringen, war langsam aufgegriffen worden. Aber
es ginge frühestens morgen früh.
Ich wußte nur eines: Draußen regnet es weiter und im Fernsehen zeigten sie aus immer mehr
Orten, daß die Straßen und die Hänge mit den ganzen Häusern den Berg runter rutschen.
Ich verlangte, daß man uns sofort aus dem Hotel rausholte. Das Hotel war in der Innenstadt
und das Reisebüro war in einem Privathaus, hoch oben in den „Beverly Hills“ von Caracas,
20 km weiter. Dort regnete es übrigens nicht. Und Fernsehen guckten sie in ihren Arbeitsräumen da oben auch nicht.
Deshalb beschrieb ich ausführlich was sich vor meinen Augen abspielte: Die abschüssigen
Straßen vor dem Hotel waren bereits 10 cm dauerüberflutet und es wurde immer mehr. Dazu
die Bilder im Fernsehen. Erst als Herr Kröning von seinen Geschäftspartner erfuhr, daß diese
bereits größere Summen Geld gespendet hätten, dämmerte ihm, daß meine Berichte nicht nur
die Panik eines einzelnen Urlaubers seien, sondern bitterer Ernst. Er schickte uns ein Taxi und
ließ uns zu sich nach oben in die Berge fahren. Das war gegen 15:00 Uhr.
Es war eine sehr vornehme Villengegend. Was uns am meisten beeindruckte, waren die extremen Sicherheitsmaßnahmen in Form von Elektrozäunen und Videokameras. Bernd Kröning, der Inhaber der Cacao-Travel-Group, machte auf uns im ersten repräsentativen Selbstdarstellungs?? einen sehr angenehmen Eindruck. Nach eigenen Aussagen seien sie die
führende Reiseagentur in Venezuela überhaupt. Sie arbeiten für viele führende deutsche Reiseunternehmen. Der Laden wird vorwiegend von deutschsprachigen oder deutschstämmigen
Mitarbeitern betrieben. Wenn er seine sehr aussagekräftige, auch deutschprachige Website
(siehe Ende des Artikels), ordentlich in den Suchmaschinen angemeldet hätte, hätten wir ihn
auch selber herausgefunden. Und damit viel Geld gespart.
Wir haben dann unseren Seesack mit den Sachen zum Segeln, sowie einen Umschlag mit
1.000 $ und 1.000 DM dagelassen und wußten, hier sind wir gut aufgehoben.
Gegen 17 Uhr fuhren wir mit Hugo, einem Fahrer von Cacao Travel, und einer riesigen Fuhre
Gepäck für die Caura Logde in Richtung Süden. Und zwar mit einem GMC-Van, ein Auto
das wir sehr lieben weil wir es selber fahren.
Wie wir später erfuhren sind alle anderen Leute, die in Caracas gelandet waren, die nächsten
fünf bis sieben Tage nicht mehr aus Caracas rausgekommen und mußten in ihren sehr teuren
oder sehr schlechten Hotels bleiben.
Nach drei Stunden Fahrt durch strömenden Regen, waren wir aus der Gefahrenzone raus. Wir
hatten südlich von Caracas noch zwei kleine Gebirgszüge durchfahren, dann waren wir in der
Pampa der Llanos. Wir wurden bei jeder Rast zu einem „Cafe Grande con leche“ eingeladen,
einem sehr guten Mokka mit geschäumter Milch. Ausgezeichnet.
Urlaubsgefühle kamen wieder auf.
Gegen 20:00 Uhr bezogen wir - in einem langweiligen Ort irgend- und nirgendwo - ein Zimmer in einem „italienischen“ Hotel. Für 20 Dollar die Nacht. Wir konnten die „HöllenlärmMaschine“ von Klimaanlage ausschalten und schwitzten dafür natürlich dann die ganze
Nacht. Es war ein sehr sehr einfaches Zimmer aber wir waren ja froh, aus der Hölle von Cara6
cas entronnen zu sein. Die Horrorbilder aus dem Fernsehen wirkten im Unterbewußtsein. Am
nächsten Morgen pünktlich um 5:45 Uhr standen wir mit gepackten Rucksäcken „bei Fuß“.
Hugo freute sich. Punkt 6:00 Uhr nahmen wir irgendwo unterwegs schon unseren ersten „Cafe Grande con leche“ und fuhren weiter Richtung Süden durch die
Llanos. Wir sahen riesige Rinderherden die an den Straßenrändern
vorbeigetrieben wurden.
Hugo war offensichtlich ein Formel-1-Fan. Jedes Auto, das er vor
sich sah, wurde innerhalb von 20 bis 140 Sekunden überholt.
Gnadenlos.
17. Dezember 1999 - und plötzlich ist man in seiner eigenen
Welt: Endlich Urlaub.
Viele Menschen haben im Urlaub das Problem, nicht so schnell
von der Arbeitswelt abschalten zu können. Mit dem existentiellen
Schock: „Hier könnte ich drauf gehen!“ und dem Umschalten auf
Elementarkategorien wie „Ich will überleben!“ waren wir mental
sehr schnell raus aus unserem Alltag.
Wir waren schlagartig in der neuen Welt des Hier und Jetzt von Venezuela. Und wir waren
plötzlich mittendrin in der Exotik und der Geschichte dieses Landes. Wir waren noch niemals
in Südamerika und wir sind schon immer „Weltenreisende“ gewesen. Keine innere und keine
äußere Welt ist vor uns sicher. Wir wollen sie alle erleben, erfahren und verstehen.
Um 11:30 Uhr waren wir am Orinoco angelangt. Wir wußten, diese einzige Fähre könnte für
uns sehr lange Wartezeiten bedeuten und stellten uns auf die neuen Außentemperaturen von
35 - 40 Grad Celsius im Schatten ein.
Aufgrund irgendwelchen „Verhandlungsverhaltens“ von Hugo und seinem Partner kamen wir
bereits mit der nächsten Fähre davon. Wir wußten, daß Venezuela ein durch und durch korruptes Land ist. Und wir reflektierten darüber, daß die Korruption im Grunde genommen das
sicherste, überlebensfähigste, verbreitetste und bewährteste Gesellschaftssystem aller Zeiten
war und ist.
Die Fähre schipperte so ca. 12 – 20 km flußabwärts auf die andere Seite nach Maracaito. Ich
stand ganz vorn in der Mitte der Fähre, breitbeinig. Es störte mich nicht, daß meine Füße immer wieder mal naß wurden. Ich fühlte mich wie Alexander von Humboldt, einer der großen
Erforscher von Venezuela, als er den Orinoco überquerte.
Ein junger Mann mit FBI-Mütze sprach mich an, ob wir denn Dollars in Bolivares tauschen
wollten. Wir hatten ja in Caracas keine Dollars tauschen können, weil die Banken wegen Katastrophenalarm geschlossen hatten. Einfach so, weil es so stark geregnet hatte. Und weil der
Präsident angeordnet hatte: „Wer zuhause bleiben will, soll zuhause bleiben“. Daß trotzdem
viele Leute vor den Banken standen und Geld brauchten, und die Mitarbeiter in den Banken
drin saßen und Kaffee tranken, das war egal. Wir waren in einem anderen Land. Wie wir später erfuhren, lebt der Durchschnittsvenezolaner sowieso von Gelegenheitsarbeiten. Er arbeitet
wenn er Geld braucht. Ansonsten genießt er den Tag. Und wenn er auf einer Fähre ein Geschäft machen kann, dann tut er es. Der offizielle Dollarkurs betrug 1 Dollar = 640 Bolivares,
wir waren also glücklich 100 Dollar zu 550 Bolivares bei zwei jungen, sehr netten Gaunern
auf dieser Fähre, tauschen zu können. Als ich mir ausrechnete, daß wir da wohl 15 Pfennig
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pro D-Mark Verlust gemacht hatten, wurde mir leicht schlecht aber ich sagte mir „Werner du
willst Urlaub machen und dich nicht ärgern“.
Dieses mentale Umschalten klappte sehr gut. Wir erreichten die andere Seite des Orinoco und
waren nach wiederum drei Stunden in der Caura-Lodge, dem letzten Ort der Zivilisation im
Rio Cauras Gebiet. Die Lodge war uns als ein ästhetisch sehr schöner Luxus-Ort geschildert
worden, in welchem wir erwartet wurden. Das stimmte nun überhaupt nicht, denn der Koch,
der sowieso krank war, wurde aus dem Tiefschlaf gerissen und wußte von nichts.
Er besänftigte uns sofort mit einem Cervesa und zeigte uns dann unsere sehr kleine und niedliche Unterbringungshütte. Wir bezogen sie und wußten erst mal nicht was passiert, denn nach
20 Minuten war Hugo wieder weg und das war‘s dann.
Auf der Lodge, die mit Cacao-Travel angeblich in ständigem Funk-Kontakt stand, verlangte
ich auf „Nicht-Spanisch“, daß ich mit Caracas verbunden werden will. Und siehe da, ich wurde dann irgendwann wieder mit dem freundlichen Bernd Kröning verbunden.
Der meinte er hätte jetzt (!) mit den Leuten gesprochen, wir würden heute noch einen Ausflug
machen und morgen würde ein deutschsprachiger Guide auf uns zukommen, dann wäre alles
gut und die Rio Cauras Tour würde planmäßig stattfinden.
18. Dezember –Adventure-Time
Ein finster aussehender Seeräuber, der in seinem jetzigen Leben Indianer war und wie sich
später herausstellte Santiago hieß, schöpfte
ungefähr 30 Minuten lang, sein vom Regen gefülltes Boot leer.
Dann jagte er mit uns, nicht in einem Einbaum sondern in einem Aluboot mit einem 85-PS Motor, den
Rio Cauras hoch. Es war eine einzige Wohltat.
Rings um uns herum Dschungel, Wildnis,
Regenwald, undurchdringbar, wilde Tiere. Die
Mission. Der Smaragdwald. Hurra wir kommen.
Wir wußten wir sind hier endgültig in einem
Paradies angelangt.
Wir wurden zu einer Stelle geführt wo eigentlich Flußdelfine sein sollten, aber man sah nur
sehr wenig davon. Dann düsten wir wieder zurück. Der Rio Caura ist voller Steine, deshalb
konnte er nie beschifft werden und deshalb war Las Trincheras, der Ort wo unser Camp stand,
die letzte Bastion der Zivilisation. Dahinter ist reines
Indianergebiet. Und dort gilt, im Gegensatz zu den USA, reines
uraltes Indianerrecht.
Am Nachmittag des 18. Dezember 1999 kam dann plötzlich ein
gut gebauter, gut aussehender junger deutscher Mann auf uns zu
und meinte, er wäre der Kai. Er wäre von der Orinoco-Lodge
abkommandiert worden. Nur für uns sei er jetzt da und ab
morgen wäre alles gut. Da würden wir nämlich die Rio Cauras
Tour machen. Wir waren sehr erfreut, kamen gut in Kontakt und
sprachen auch den halben Abend noch zusammen. Es gab bereits
das zweite mal Hühnchen.
8
19. Dezember 1999 – Der Urwald nimmt uns auf
Mittlerweile hatten wir mit einigen Mücken Bekanntschaft gemacht. Kai erzählte uns sehr viel
und gern von dem Land Venezuela. Daß es dort so gut wie keine Steuern gibt, keine Krankenversicherung notwendig ist, weil der Staat die Grundversorgung für jedermann übernommen hat. Daß man dort seit einiger Zeit „Kommunismus spielt“, weil die Einnahmen aus den
Erdölraffinerien dem Staat gehören und neben dem, was für die Korruption abgezweigt wird,
einiges dem Volke zugute kommen soll. Daß hier in Venezuela die persönliche Freiheit größer als in dem „Beamtenstaat“ Deutschland wäre. Warum er nur hier leben wolle und vieles
andere mehr. Es war spannender als auf Premiere.
Es wurde uns noch die Köchin für die Tour, namens Tequillia (oder so ähnlich), vorgestellt,
eine Indianerin von einem Stamm, die früher Menschen gefressen haben. Sie sei eine sehr
gute Köchin. Toll !
Dann sprachen wir ca. 50 Minuten von den
Hunden des Camps. Wir fanden sie furchtbar.
Verlaust und stinkend. Die Hängematte in der sie
sich suhlten, war nicht benutzbar. (Außer für den
Koch!). Für Kai waren sie eine eigene Welt. Er
liebte sie, kannte ihre Vorfahren und Geschwister
und lobte ihre angeblichen Vorzüge. Sie tollten
den ganzen Tag und leider auch die halbe Nacht,
direkt vor unserer Hütte.
Als wir dann losfuhren war erstens die Köchin
nicht verfügbar, zweitens wurde ruck-zuck ein neuer Koch organisiert und drittens stieg dann
die „nicht mehr menschenfressende“ Tequillia mit vier Kindern auch noch ein und wurde in
ihr Heimatdorf zurückgefahren. Die ursprünglich acht Stunden dauernde Tour den Rio Cauras
hoch dauerte, dadurch daß wir nicht im Einbaum sondern in diesem Aluboot fuhren, was der
Romantik natürlich einigen Abbruch tat, nur 4,5 Stunden.
Wir besuchten ein Indianerdorf und dort konnten wir Schmuck kaufen und überall in die Hütten rein gucken. Die Indianer leben von nichts anderem, als von dem was sie jagen und fischen und was sie durch die Touristen hinzuverdienen.
Die Indianer waren allerdings alle mit T-Shirts und modernen Hosen oder Jeans - zum Teil
auch sehr verschlampt – angezogen. Das führte leider zu dem Eindruck, daß es sich hier nicht
mehr um ein stolzes Naturvolk handelt, sondern daß auch diese Indianer in die Zivilisation
wollen und damit letztlich u.a. die Almosen,
Brosamen und „dreckigen Überreste“ der Anderen
aufnehmen.
Der Höhepunkt des Tages war das Erreichen von
La Playon. Kai, unser Guide, hatte diesen Namen
so oft so liebevoll vorgesprochen, daß wir selbst
schon liebevoll daran dachten wenn wir nur den
Namen hörten. Und siehe da, am Ende lag
wirklich ein wunderbarer weißer Sandstrand mit
sehr schönen, nur für Touristen gebauten ganz
neuen Indianer-Rund-Hütten, vor uns.
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Einige waren für die Hängematten, andere zum Essen mit Bänken drin, und eine war zum
Kochen. Vier Reiseveranstalter hatten ihre eigenen Hütten. Die Indianer hatten einen Verwalter namens Franziskus. Er sah mindestens so gut aus wie Leonardo di Caprio, hatte eine feine
Designer-Uhr von Casio und die besten Strandklamotten die man sich vorstellen konnte. Er
lächelte immer, nahm gerne die Essensreste der Touristen und trug sie hinter ins Dorf.
Für uns gab es wieder Hühnchen und wir konnten Cervesa trinken soviel wir wollten, gekühlt.
Der Koch, der nur für uns da war, begeisterte uns. Wir hatten einen Koch, einen Bootsführer
und einen Guide nur für uns alleine. Kai zeigte uns wie man in einer Hängematte schläft. Man
muß sich so ein bißchen quer reinlegen, und es war schlicht und einfach eine wunderbare
Nacht.
20. Dezember 1999 - das Gottesurteil
Am nächsten Tag war die Wanderung durch den Urwald angekündigt. Eine 2 ½-stündige
Wanderung wenn es gut ginge, zurück noch mal 2 Stunden, zu den
Para Wasserfällen. Wir wurden darüber belehrt, daß wir
Filzgamaschen zu tragen hätten wegen der Schlangen, und wir
hatten eigentlich überhaupt nur noch Angst vor Schlangen. Im
Gegensatz dazu erlebten wir allerdings, daß die Indianer, die
reihenweise in ihren langen Einbäumen aus dem Unterland zurück
kamen, entweder barfuß oder in Badelatschen gingen. So kamen wir
uns doch ein wenig komisch vor mit unseren Gamaschen. Zumal die
Leute von anderen Reiseunternehmen natürlich auch in kurzen
Hosen, T-Shirts und beinfrei diese Wanderung machten.
Kai erklärte uns, daß zur Zeit fast alle der 20 – 30 Indianerstämme
vom Oberlauf des Rio Caura in die Zivilisation gekommen wären.
Wegen der Wahl der neuen Verfassung hätte die Regierung, für die
Indianer die zur Wahl kommen, für jeden soundsoviel Liter
Diesel spendiert, den sie sonst nie bekommen hätten. Ob die
damit auch zur Befürwortung der neuen Verfassung bestochen
worden wären, haben wir dann gar nicht mehr gefragt. Das
Verfahren ist aus dem alten Rom bekannt. Brot und Spiele.
Man muß es nur anwenden.
Wir wurden ständig von Indianern mit Benzinfässern überholt.
Jeder hatte durchschnittlich ein bis zwei auf dem Rücken, alle
anderen, Kinder, Frauen und sonstige, trugen auch etwas.
Man konnte auch mal schnell erschrecken, wenn plötzlich
neben einem ein Indianer auftauchte, den man nicht gehört
hatte, grimmig aussehend mit einer Winchester-Büchse und
einer Machete in der Hand. Wobei sie alle ganz freundlich
grüßten. Die älteren grüßten mit „Buena“, die Abkürzung von
Buenos Dias, und die Jungen mit „Ola“ was soviel heißt wie Hallo.
Kai erklärte uns sehr viele Pflanzen und viele Geräusche des Urwaldes. U.a. sahen wir die
zweitgiftigste Schlange des Landes. Sie war zwar nur einen halben Finger stark und 20 cm
lang, aber sie war die Schlange, die Malaria überträgt. Und wenn sie uns gebissen hätte, oh
oh. So waren wir doch ganz stolz aufgrund des gefährlichen Abenteuers.
10
Der tropische Regenwald brachte uns ziemlich zum schwitzen. Ich kam einige Male an die
Grenzen meines Kreislaufs. Es ging also bergauf, durch den Dschungel-Regenwald. Es war
wirklich sehr sehr feucht. 95% Luftfeuchtigkeit. Unsere
Spezialhosen und -hemden bewährten sich. Man schwitzte und
schwitzte und alles verdunstete sofort wieder. Allein der
Schweißgeruch blieb, und nach Tagen hatten wir dann so einen
säuerlichen Grundgeruch in allem.
Irgendwann am oberen Wasserfall machten wir ein Picknick
und aßen das, was der Kai in seinem Rucksack mitgebracht
hatte. Dort trafen wir auch einige Engländer und Argentinier
wieder, die wir unterwegs auf dem Fluß überholt hatten.
Am Ende des
Tages, als wir
wieder unten in
El Playon waren, waren wir stolz und glücklich
über unsere körperliche Leistung. Wir waren
knapp fünf Stunden im Regenwald bergauf
bergab gelaufen und hatten es geschafft. Jetzt
war klar: Wir werden auch den Roraima schaffen.
Denn da geht es ja drei Tage lang hoch, und
zum Teil auch durch den tropischen Regenwald. Wir verbrachten dann noch einen Abend am
Strand. Uns wurde angeboten, so einen indianischen hausgemachten Yucca-Wein zu probieren, der sollte 2.500 Bolivar kosten, kostete aber dann am Ende 3.000 Bolivar. Wir waren
auch gefragt worden, ob man für uns ein Feuer machen sollte, da würde man immer 1.000
Bolivar geben, weil das Holz von
der anderen Seite geholt werden
müßte, es kostete dann 2.000
Bolivar. Dafür war das Feuer auch 1
½ m groß, sehr sehr schön und auch
nur für uns, uns zu ehren, was wir
ganz toll fanden.
Gesamteindruck: Auch im tiefsten
„Regenwald-Dschungel“ kehrt der
ganz normale Touristennepp ein je
mehr Touristen auftauchen. Und
trotzdem war es für uns einfach wunderwunderschön jenseits der Zivilisation indianisch zu
leben, zu schlafen, zu essen, zu trinken, zu baden.
21. Dezember 1999 – Alles fließt und leuchtet.
Auf der Rückfahrt hatten Barbara und ich die gleiche Idee. Wir müssen uns unbedingt den
Film „Die Mission“ noch mal anschauen. Dank der „Droge“ Lariam träumten wir jede Nacht
sehr intensiv. Die Inhalte waren aufschlußreich und erläuterten uns sehr anschaulich, was wir
nächstes Jahr anders machen werden.
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Die 130 Kilometer lange Rückfahrt mit dem 85 PS Yamaha-Motor, verging ruckzuck. Die
Umwelt zog an uns vorüber. Wir genossen es einfach zu fahren und verwöhnt zu werden.
Wenn ein Regen kam zogen wir uns kurz was über, der war nach fünf Minuten wieder vorbei,
dann schien wieder die Sonne und man mußte sich eincremen. Im Nachhinein können wir
sagen, daß sich der Schutzfaktor 20 bewährt hat. Wir hatten niemals einen ernsthaften Sonnenbrand.
Im Cauras Camp wurden wir mit einem
venezolanischen Nationalgericht verwöhnt, irgendwelche dunkle Bohnen, gefasertes Fleisch und dazu
Nalepas, es schmeckte köstlich.
Als wir dann die Endabrechnung mit dem Bier
machten und 64 Dollar für die ganzen drei Tage zu
zahlen hatten, wußten wir: Auch hier wird dem
„gemeinen Urlauber“ ganz gemein in die Tasche gefaßt. Wir hatten aber beschlossen nur zu
genießen und gaben das Geld gerne, plus einem Trinkgeld, wie es sich gehört.
22. Dezember – und Weihnachten gibt’s ja auch noch
Am nächsten Tag fuhren wir ca. 190 Kilometer nach Ciudad Bolivar in einem Jeep hintendrin, gnadenlos eingepfercht. Wir verbuchten das Ganze unter „Abenteuerurlaub“. Die
Landschaft veränderte sich wieder.
Ciudad Bolivar ist eine Großstadt. Das Hotel Playa Real, direkt am Flughafen, gilt als Luxushotel. Wir empfanden sowohl die kleine, diesmal gelblich ölfarben angestrichene Zelle, und
auch den furchtbaren Lärm der Klimaanlage, als unerträglich und nahmen die Herausforderung an (mit Ohrstöpsel).
Das uns versprochene Telefonat mit Cacao-Travel kam relativ schnell zustande. Es hatten sich
noch keinerlei Neuigkeiten ergeben. Die internationalen Flüge waren auf die verschiedenen
Flughäfen umgeleitet worden, und die nationalen Flüge gingen einigermaßen wieder. Die
Straße zwischen Caracas und Maracaito war nach wie vor dicht. Es bestand wohl noch eine
Spur und da durften nur Militärbusse fahren.
Allerdings hatte Frau Bauer Kontakt mit Frau Verres, der „Weltweit-Flugplan-Künstlerin“,
aufgenommen und die beiden waren sich einig, daß sie nach dem 27. Dezember 1999 sehen
wollten, was machbar ist. Das hat uns sehr beruhigt und wir nahmen das nächste Taxi für
1.500 Bolivar. Das Auto wäre in Deutschland nicht nur „durch keinen TÜV gekommen“,
sondern nicht mal mehr zur Verschrottung freigegeben worden, aber der dunkelhäutige Fahrer
war sehr freundlich, und brachte uns wirklich genau vor das Hotel „Caracas“, wo sich angeblich ein Internet-Cafe befinden sollte. Hinter verschiedenen Gittern gab es das tatsächlich und
so setzten wir, über meine Yahoo-Ersatz-E-Mail-Adresse, eine Nachricht nach Deutschland
ab. Wir teilten mit, daß es uns gut ginge und an wen diese Nachricht alles weitergeleitet werden sollte, so daß wir da auch wieder Ruhe hatten. Mein Vater hatte nämlich schon über das
Reisebüro Dr. Schiegg nachgefragt ob wir überhaupt noch lebten. Ein Loblied auf’s Internet.
In der Stadt herrschte eine rege Betriebsamkeit, wie man sie aus asiatischen und anderen Entwicklungsländern kennt. Auf der Straße verkauft jeder alles. Es ist furchtbar eng und furchtbar laut und jede Hot-Dog-Bude hatte Hochbetrieb. Wir wollten nichts kaufen, sondern unsere
Ruhe und nahmen das nächste Taxi nach Hause. Das Hotel hatte ein Schwimmbad, dort verbrachten wir den Nachmittag. In zwei Straßencafés am Rande nahmen wir in einem davon
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unseren Café Grande und im anderen Parillia, das gegrillte Fleisch, nett preiswert und einfach.
Barbara holte sich einen Floh, der sie dann noch die ganze Nacht peinigte.
23. Dezember 1999 – Gott hat uns verlassen.
Am nächsten Tag wurden wir von Ingo abgeholt, einem Venezolaner deutscher Herkunft, der
ebenfalls wieder ein Reisebüro betrieb. Er hatte seinen 5-jährigen Sohn dabei und kam mit
ihm überhaupt nicht zurecht. Was er für Erziehung hielt, erlebten wir als grandioses „auf dem
Kopf des Vaters rumtanzen“, ich gab mich allerdings nicht als Psychologe zu erkennen.
Ingo schleifte uns durch drei Museen, die wir dann alle doch sehr interessant fanden. Das erste war das Hauptquartier von Simon Bolivar, dem Befreier von Venezuela, Equador, Brasilien
und noch zwei anderen Staaten. Man stand vor seinem Bett und dem Baum, an dem er immer
sein Pferd angebunden hatte. Es war ein schönes Haus im Kolonialstil, gepflegt mit einem
schönen Garten. Einem hochinteressanten Museum für moderne Kunst, das einem Künstler
namens Jesus Toto gewidmet war, der mit einfachen geometrischen Figuren verblüffende,
räumliche Effekte darzustellen wußte. Wir fühlten uns gebildet und gingen dann noch in das
Museum in welchem die erste Zeitung gedruckt worden war, - nachdem Simon Bolivar die
fünf Staaten befreite - die dort auch noch hing und fühlten uns schon wieder historisch berührt.
Nach einem Guavendrink besichtigten wir die Regierungsgebäude, an denen Simon Bolivar
seinen heftigsten Widersacher erschießen ließ. Das wurde damals als Volksfest gefeiert, die
Kugel soll heute noch in der Wand sein.
Unterwegs, etwas außerhalb, wurden wir als langsamfahrende Sightseeing-Touristen von hinten furchtbar angehupt. In dem Auto, das uns dann überholte, saßen drei junge Männer mit
einer Pump-Gun und zwei Pistolen. Wir glaubten das, was unsere Augen gesehen hatten, allerdings erst eine Minute später. Da rasten nämlich zwei Polizeiwagen mit „tatütata“ genauso
schnell in die gleiche Richtung. „Ach, die verfolgen einen Überfall!“ sagte Ingo und erklärte
uns weiter die Gegend. Jetzt hatten wir auch mehr Verständnis dafür, daß er bei jedem Verlassen des Autos automatisch drei verschiedene Sicherungen anbrachte. Eine Kette an der Lenkung, ein Eisen zwischen Kupplung und Gas und etwas geheimnisvolles an der Elektrik. Für
ihn war das total normal, wir staunten. In unseren Reiseführern stand, daß man in bestimmten
Gegenden als Tourist niemals alleine, geschweige denn überhaupt hingehen sollte. Man sollte
auch auf der Straße niemals wie ein Tourist aussehen. Also stimmte das mit der hohen Kriminalitätsrate doch. „Gut, daß wir alles von Dritten hatten organisieren lassen!“ Wir hatten diese
Stadtrundfahrt und -führung gar nicht bestellt. Der geschäftstüchtige Dr. Schiegg hatte sie uns
einfach auf‘s Auge gedrückt. Jetzt weiß ich, wo immer ich hinkomme gönne ich mir eine
Stadtrundfahrt, mit einem dort lebenden Deutschen. Es könnte interessant werden.
Wir wußten, das ist Ciudad Bolivar, klein und häßlich. Großartig war die Brücke, die nach
dem Stil der Golden Gate von San Francisco die
einzige Brücke über den Orinoco ist. Wir fühlten
uns „good“. Nachdem wir im Hotel wieder
abgeliefert wurden, schliefen wir erst mal eine
Runde. Im Fernsehen liefen weiter die
Horrornachrichten auf drei Kanälen. Wie alles
abgesoffen, abgebrochen und abgerutscht war. Es
war grausig. Besonders berührt hat uns die Hilfe
der Venezolaner, die selbst oft nicht genug haben.
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Wir gingen abends wieder in jenes kleine Restaurant, in welchem sämtliche Sehenswürdigkeiten von Venezuela an der Wand in Ölfarbe gemalt waren. Diesmal setzten wir uns an einen
anderen Tisch, ohne Floh, aßen einen venezolanischen Grillfleisch-Hamburger, und tranken
Cervesa.
Mit großem Interesse stellte ich fest, daß meine einfache EC-Card, von meinem Konto bei der
HypoVereinsbank in Holzkirchen, mir in Ciudad Bolivar an einem Automaten, da sie das
„Maestro-Zeichen“ führte, 5.000 Bolivar ausspuckte. Vielleicht hätte sie mir auch mehr gegeben, aber ich konnte die spanischen Worte des Menüs nicht verstehen. Dafür wurden mir am
29.12. in Holzkirchen bereits 23,61 DM abgebucht. Ist schon toll, wenn die EDV funktioniert.
Wir tauschten im Hotel noch 100 Dollar in Bolivares und fühlten uns gerüstet für die nächsten
Tage.
24. Dezember 1999 – Gott ist mit uns
Pünktlich um 7:00 Uhr sollten wir am Flughafen sein - auf der anderen Straßenseite. Deshalb
verzichteten wir auf das langweilige Hotel-Frühstück.
Zu unserer großen Freude stellten wir beim Gang zum Flugzeug fest, daß wir die einzigen
Fluggäste in Richtung Canaima waren. Eine Cessna, geflogen von einem Busch-Piloten, der
genauso aussah wie alle Busch-Piloten in südamerikanischen Abenteuerfilmen, verlottert,
versoffen, verkifft, aber intelligent. Die Sorte Mensch, die überall runterkommt und der letztlich nie was passiert. Diesmal war er im Piloten-Look verkleidet.
Das Flugzeug war bis an die Decke beladen mit Lebensmitteln und anderen Gütern, ich saß
zwischen tiefgefrorenen Pollos und vielen Kartons und konnte mich trotzdem noch irgendwie
bewegen. Die meisten technischen Geräte im Cockpit waren außer Betrieb. Als Ausgleich
dafür hatte er eine hochmoderne Navigationsanlage über Satellit an seinem Steuerknüppel. Er
stellte auf Autopilot und hörte über Handy seine Mailbox ab. Wir fühlten uns sicher, denn wir
hatten Urlaub. Der Schutzengel, den manche Gott nennen, war bei uns.
Wir flogen genau 60
Minuten über die Pampa.
Wir hatten gute Sicht und
waren glücklich. Endlich
mal ein Flugzeug nur für
uns alleine. Die Gegend
bestand aus viel Wasser
und Land, alles nicht
bewohnt und irgendwann
sahen wir die ersten
Tepuis.
Da war dann plötzlich in
einer Flußkurve ein See mit
einem Sandstrand und drei
Wasserfällen. Canaima der
schönste Ort der Republik
Venezuela.
Als
wir
landeten und die beiden
Tepuis dahinter sahen
wußten wir, das ist wirklich
paradiesisch schön.
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Ein äußerst hilfsbereiter Mensch namens Andrew nahm uns in Empfang. Es stellte sich heraus, daß er der Organisator für alles mögliche und unmögliche in dieser Gegend war. Er
brachte uns erst mal bei, daß wir 8.000 Bolivar Canaima-Park-Beitrag zu entrichten hätten
(Einheimische zahlen nur 1.500 Bolivar). Dann nahm er einen unserer Rucksäcke, schleppte
uns ins Canaima-Camp, klärte mit der Dame am Empfang alles was auf unserem Voucher
stand und meinte, wir sollten so schnell als möglich unsere Leistungen absolvieren. Wir wären seit über einer Woche wieder die ersten Gäste, was dann auch wirklich stimmte. Dafür
bekamen wir die schönste Hütte, die am nächsten am Strand lag, alles sehr angenehm ausgestattet. Eine Übernachtung pro Nase kostete wohl auch 200 Dollar mit Vollpension.
Das Restaurant lag oben auf einem Hügel, von wo man eine wunderbare Aussicht auf die Lagune und die dahinter liegenden Tepuis hatte.
Wir tranken unser Cervesa und fühlten uns wohl. Als wir unsere Lagunenrundfahrt mit dem Einbaum antreten wollten, war natürlich
niemand da. Barbara ging los und machte Terror, ohne den wäre auch
nichts gegangen. In unserer Reisebeschreibung stand 40 Minuten.
Der Führer erklärte uns, daß es sich nur um 20 Minuten handelte.
Dann wurden wir unterhalb der Wasserfälle „gekarrt“, durften Fotos
machen und wurden wieder zurückgefahren.
Am Mittag tauchte dann noch eine Familie „in deutsch“ auf, mit der wir uns abends zusammensetzten, es war schließlich der 24. Dezember 1999 und Weihnachten. Dann stellte ich fest,
daß man unseren „Willkommens-Drink“ nicht an uns ausgeschenkt hatte und holte ihn mir
noch nach. Das führte zum Ausfüllen eines
umfangreichen Schriftstückes, das ich dann an
der Bar einlösen konnte. Bürokratie schafft
Arbeitsplätze.
Tatsächlich wurde dann an diesem Abend ein
warmes Buffet aufgebaut. Wir hielten alle den
Atem an und es wurde immer mehr. Wir waren
doch, zusammen mit dem eben eingetroffenen
belgischen Honeymoon-Pärchen, nur 7 Gäste.
„Unglaublich“.
Die Mannschaft machte ungefähr 20 Minuten lang Fotos, von sich und dem Buffet. Denn es
gab sehr sehr viel Personal.
Der Professor Schorlemmer, der sich nicht als Professor vorstellte, aber in jedem deutschen
Film als solcher durchgegangen wäre, dozierte pausenlos. Und das in einem wunderbaren
Deutsch,
wir
fühlten
plötzlich
Entzugserscheinungen. Er war vermutlich
Pharmazeut oder Mediziner, denn er sprach über
Dinge, die ich nicht mal in meiner Zeit an der
Medizinischen Akademie so detailliert hören
durfte.
Seine Frau sprach spanisch, die 14-jährige
Tochter, die wie 21 aussah, auch etwas. Von
ihnen erfuhren wir, daß sie über sechs Tage in
Caracas im Hilton-Hotel festgehalten worden
waren. Sie konnten nicht mal zu Fuß raus,
wegen der Überschwemmungen.
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Sie hatten direkt bei Cacao-Travel gebucht. Sie wären mit dem ersten wieder möglichen Inlandsflug nach Puerto Ordaz gebracht worden. Von dort waren sie mit dem Auto nach St. Elena und zurück gefahren und hatten sich jeden einzelnen Wasserfall angeschaut.
Die Schilderung begeisterte uns, es war ja genau unsere Strecke. Der Professor dozierte inbrünstig und wenn wir wieder etwas sagten, begann seine Antwort immer mit „aber“.
25. Dezember - der schönste Tag für „Weihnachtsflüchtlinge“
Es war warm, zwischen 30 und 40 Grad. Wir
konnten uns nicht satt sehen an der Schönheit der
Natur. Die Familie Schorlemmer machte heute
einen selbst bezahlten „Aus-Flug“, für 130 Dollar
die Nase. Es ging direkt am Salto Angel vorbei und
dann zu Fuß und schwimmend in die Kavac
Schlucht. Wir hörten abends gerne zu, diese 540
Mark hätten uns, in Deutschland gebucht, 1.390
DM gekostet.
Wir erholten uns den ganzen Tag am Strand und waren aus Trainingsgründen, trotz der Hitze,
drei Stunden laufend unterwegs, ein kleines Aufbautraining. Am Abend gab es die Reste vom
Vortag. Es waren ja nur sieben Gäste da.
26. Dezember - das Gefühl, beschissen zu werden, ist dem Unterbewußtsein gut bekannt
Und als wir dann am 26. Dezember 1999 Punkt 9:00 Uhr unseren Salto Angel Flug - den wir
ja schon in Deutschland bezahlt hatten - antreten wollten, stellte sich das heraus was wir
schon kannten: Touristen-Nepp. Damals am 1. Januar in Sibirien, als die Fahrer alle besoffen
waren, hieß es: „Bei 43 Grad Minus könnte man mit den Pferden keine Troika-Fahrt machen,
es wäre zu kalt“. Hier hatte man uns anständigerweise gesagt, daß die Piloten am 25. nicht
fliegen, weil sie zu Weihnachten eine Party machen. Am 24. Dezember, als wir angekommen
waren, hatten sie keine Lust und am 26. war natürlich schlechtes Wetter. Man bedauerte das
vielfach und wortreich.
Dafür flog der Flieger nach Puerto Ordaz eine Stunde früher. Der Pilot sollte zwar noch eine
Schleife um den Salto Angel drehen, aber auch er erklärte, daß das wegen schlechten Wetters
nicht möglich wäre. Wir hatten beschlossen uns nicht zu ärgern und wurden in Puerto Ordaz
dann auch pünktlich von einem Menschen, namens Uwe Neumann, abgeholt. Uwe Neumann
gehört zu Bagheera-Tours, er ist nach der Platin-Regel ein Direktor-Typ.
Wir hatten nach 30 Sekunden einen guten Draht zueinander. Er erklärte uns, daß er Spezialist
für alle Tepui-Trekkings, mit und ohne Helikopter, und alle Expeditionen sei, und in diesem
Dezember und Januar den größten materiellen Verlust seines Lebens erleiden würde. Wir waren kurz vor den Tränen. Es war aber nur die psychologische Vorbereitung dafür, daß er uns
dann mit der einzigen Gruppe, die am nächsten Tag doch noch auftauchen sollte, einer japanischen Gruppe, in einen „Sack“ steckte. Allerdings erläuterte er umfangreich, daß die Japaner
sehr empfindlich seien und daß sie Unsummen an Dollars für dieses Trekking bezahlt hätten.
Wir hätten davon nur Vorteile, bessere Zelte, mehrere Führer und besseres Essen. Außerdem
empfahl er uns, die ersten zwei Tage Anmarsch zum Roraima mit dem Hubschrauber der Japaner zu fliegen. Diese Qual sollten wir uns schenken, aber den Aufstieg auf den Berg sollten
wir uns als Erfolgserlebnis nicht entgehen lassen. Mit dem Hubschrauberpiloten würde unser
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Guide Franklin verhandeln, acht Minuten wären 130 Dollar. Aber das würde er dem Franklin
alles noch selber erzählen.
Wir verbrachten den Nachmittag und Abend in einer furchtbaren Hütte, genannt“ Posada“,
wurden allerdings wieder freundlich bewirtet und verließen das Haus nicht. Uwe hatte uns vor
Kriminellen gewarnt und wir wollten unseren Seelenfrieden behalten.
28. Dezember 1999 - es geht endlich los
Die „Zelle“ roch muffig, die Klimaanlage ließ sich ausschalten. Wir ließen sie jedoch an und
nahmen unsere Ohrstöpsel. Gegen 9:30 Uhr kam dann unser Führer Franklin, der auch wieder
sehr freundlich war, sich allerdings erst noch ein paar Schuhe kaufen mußte. Um 10:30 Uhr
nahmen wir dann am Flughafen die Japaner in Empfang. Es war eine Frauengruppe von „Old
Ladies“, die älteste war 72 Jahre alt die jüngste etwas unter 40, mit ihrem Führer, Herrn Ichihashi. Der hatte mich sofort als Hauptfeind erkannt. Ich saß in seinem Jeep auf seinem Platz
und war in seiner Gruppe, die er exklusiv organisiert und bezahlt hatte. Das konnte ja heiter
werden. Gott sei Dank hatte ich meinen Sitzplatz schon vorn, neben dem Führer Franklin,
festgemacht.
In unserem Auto saßen dann noch mehrere Japanerinnen, die viel lachten und sich mit Barbara sofort verstanden. Dann düsten wir die 630 Kilometer nach Süden. Hinten in dem einen
Jeep sechs Personen, darunter Barbara fest eingepfercht, die anderen in einem anderen Auto.
In El Doradao konnten wir nicht einmal ein Foto
machen, da wir ja zu spät losgefahren waren. Das
wurde uns dann für die Rückreise versprochen.
Unterwegs gab es gegrilltes Rindfleisch vom
Feinsten. Um 19:00 Uhr wurde am Kilometer 88,
einem legendären Ort, das Auto gewechselt und
unser zweiter Guide, David, ein gut aussehender
und großer Farbiger, übernahm das Gepäck und
die zweite „Japan-Crew“. Es ging weiter in den
Nationalpark Canaima zu dem mittlerweile eine
gut ausgebaute Straße führt. Aber leider war es
schon dunkel und wir bekamen davon nicht mehr viel mit. Irgendwann nach 21:00 Uhr, völlig
kaputt, kamen wir auf einem Camping-Platz an. Es war ein Ort kurz vor dem Roraima Tepui,
es regnete und die angeblich hervorragenden Zelte waren klein und naß.
Wir sollten etwas essen und dann, bei dem Scheinwerferlicht von einer Autobatterie, unsere
Sachen umpacken, denn morgen früh sollte es so schnell als möglich losgehen. Trotz meines
Protestes, daß mir das Tageslicht besser täte und ich sehr schnell wäre, wurde ich mit freundlichen Worten genötigt, wie alle anderen umzupacken. Beschäftigungstherapie, wie sich herausstellte, denn am nächsten Morgen hatten wir über 1,5 Stunden nichts zu tun.
Franklin erklärte uns was wir wirklich brauchen und das beruhigte mich. Allerdings wurde
klar, daß wir nicht die Wanderung machen sollten, auf die wir uns nun über ein Jahr lang
mental vorbereitet hatten: Erster Tag vom Parai-Tepui bis zum Rio Tec, elf Kilometer HärteTest, zweiter Tag bis zum Base-Camp, elf Kilometer Härte-Test, dritter Tag Aufstieg, so daß
wir am 31. Dezember 1999 den Tag für uns auf dem Tepui Roraima gehabt hätten. Nein wir
sollten mit der japanischen Crew von Parai-Tepui auf den Roraima geflogen werden. Wir
fühlten uns um unsere Herausforderungen und ein Erfolgserlebnis betrogen. Franklin sollte
mit Uwe telefonieren, der war jedoch nicht erreichbar. Die ständige Erreichbarkeit war uns
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schriftlich und mündlich zugesichert worden und steht auch, wie wir heute wissen, in den
Unterlagen von Venezuela.web. Außerdem war da noch die Sache mit den Kosten. Wir fragten Franklin nach dem Preis für den Hubschrauberflug, der bespricht sich mit David und siehe
da: Die Japaner haben schon alles bezahlt. Na gut. Es ist eben jeden Tag alles anders.
29. Dezember – wir lassen uns überrumpeln
Nun, das Fleisch war willig, nur der Geist war schwach und so
willigten wir doch ein, mit dem Hubschrauber hochzufliegen. Der
letzte Hubschrauber den ich gesehen hatte, war der 32-Sitzer vom
Rundflug über New York. Den hatte ich erwartet. Hier handelte
es sich jedoch um einen Hubschrauber für nur vier Personen. Und
der kam auch erst nachmittags gegen 16:00 Uhr.
Wir fuhren allerdings früh, so schnell als möglich, also so gegen
9.30 Uhr die Strecke nach Parai-Tepui. Das war keine Straße
mehr, sondern Off-Road.
Ich wußte bis dahin nicht was Off-Road wirklich bedeutet. Die
Fahrt ging ca. zwei Stunden und hätte gut als Werbefilm für
Lebensversicherungen gefilmt werden können. Solche Hänge und solche Löcher in den Straßen überhaupt befahren zu wollen, hielt ich für absolut unmöglich. Franklin und mehrere andere Fahrzeuge nahmen sie jedoch souverän.
In Parai-Tepui, dem letzten Ort der Zivilisation vor
dem Roraima-Tepui, erwartete ich indianische
Rundbauten und etwas indianisches Flair, so wie am
Rio Caura. Was uns erwartete, war ein „verlottertes“
und dreckiges Dorf mit viereckigen Hütten und
Wellblechdächern - wie überall in Venezuela - und
natürlich sehr netten Menschen. Die gesamte
Bevölkerung lebt davon ab und an, also mehrfach pro
Monat, als Träger angeheuert zu werden, zumindest
die Männer. Die Frauen versorgen die Kinder. Wir
wußten schon von einem deutsch sprechenden Indianer in dem Indianerdorf hinter Canaima,
daß jede Familie zwischen zehn und elf Kindern hat. Sie leben letztlich alle nur noch vom
Tourismus. Sie arbeiten wenn sie mal wieder Geld brauchen und genießen ihr Gelegenheitsarbeiter-Dasein.
Die „Japan-Girlie-Group“, die immer sehr viel miteinander lachten, und wie sich später herausstellte ein „Freundinnen-Kreis“ war, hatte uns mittlerweile vollständig eingemeindet. Mister Ichihashi wollte mich irgendwann brüskieren und fragte mich nach meinem Gewicht. (Ich
habe im Moment Übergewicht und wiege 115 kg.) Er erzählte, daß er 65 kg wiegen würde
und alles brüllte. Ich hatte nun schon einen Tag auf meine Stunde gewartet und wußte wie ich
ihn kriegen würde. Zunächst sagte ich, daß ich auch gerne 65 kg wiegen würde und daß ich es
beim Bergsteigen schwerer haben würde als er. Dann wies ich auf meinen Fersenbeinbruch
vor fünf Jahren hin und, daß ich die Folgen noch nicht ganz bewältigt hätte. Er übersetzte, und
die Ladies entwickelten Muttergefühle. Dann gab ich ihm meine Visitenkarte. Er hatte seine
nicht griffbereit und war schwer im Nachteil. Deshalb las er meine Karte vor und die „Japanladies“ kreischten wieder, weil sie mit einem „Doktor“ zusammen waren. Nun ist meine Visi18
tenkarte keine einfache Visitenkarte, sondern ein Faltprospekt in Form eines umfangreichen
Leporellos. Er lies sich den Inhalt meiner Firma, die Bedeutung von Adler, Löwe, Delfin und
Hamster erklären und übersetzte es den Ladies. Beim Hamster im Laufrad kam ihm die Idee,
daß ja fast alle „Japanese People“ so leben. Ich bejahte und meinte, die Deutschen seien ähnlich. Seitdem waren wir Freunde. Und ich mußte auf alle Gruppenfotos mit drauf. Ohne den
„German Doktor“ ging nichts mehr.
Die Japaner bestätigten alle Vorurteile, die man bezüglich Foto- und Video-Aufnahmen von
ihnen hat. Über die unmöglichsten Details freuten sie sich lautstark und kindlich, und dann
wurde es aufgenommen. Klick, klick, surr. Sie hatten keine Scheu in jede Hütte reinzugehen,
freundlich Kontakt aufzunehmen, und sich über alles zu freuen. So hatten wir für ein bis zwei
Stunden Unterhaltung und lernten das Dorf
kennen. Einer hatte eine Yamaha–Musik–Orgel
und spielte Pop und Rock aus aller Welt. Eine
Japanerin trällerte schon wieder „Am schönsten
Wiesengrunde“ durch das Dorf. Ich fragte mich
kurzzeitig, woher ein Pemon-Indianer in dieser
abgeschiedenen Gegend Venezuelas eine
Yamaha-Orgel herbekommt und wie er sich die
leisten konnte. Dann war es mir aber wieder
egal.
Warten mußten wir allerdings über acht Stunden, was zu nervöser Gereiztheit bei allen führte.
Der Helikopter konnte angeblich nicht kommen weil es bewölkt war. Als es nicht mehr bewölkt war konnte er nicht kommen, weil er unterwegs war. Als er nochmals gemahnt wurde
konnte er nicht kommen, weil er tanken mußte.
Irgendwann war er dann doch da und sämtliche Gepäckstücke wurden als „erste Füllung“ in
den Hubschrauber geladen. Er sollte nach 20 Minuten wieder da sein, war es allerdings nach
40 Minuten noch nicht. Unsere Guides behielten die Nerven und meinten, „es wäre wohl
schwer, da oben einen Platz zu finden, es wäre ja Hochbetrieb“. Wir hatten mittlerweile noch
mehrere andere Crews kommen sehen. Sie mußten zuerst unten, auf einem eingezäunten Gelände, ihre Rucksäcke zeigen und in einer Hütte ihren Roraima-Zoll bezahlen. Alle hatten
irgendwie einen venezolanischen Führer und mußten noch einen Indianer als Führer mitnehmen.
Mittlerweile wissen wir warum, denn in dieser Mondlandschaft auf dem Roraima kann man
sich nur verlaufen. Wir sahen zwei brasilianische Gruppen
losziehen und eine deutsche verwilderte Gruppe mit ein
paar Schweizern dabei. Dann kam noch der japanische„Einzelkämpfer“ dazu. Unterwegs hatten wir ihn
schon getroffen und die „Japan Girls“ hatten nach langen
Freudenkreischen noch jede Menge Fotos mit ihm
gemacht. Er war mit seinem Motorrad schon seit einem
Jahr unterwegs. In Canada hatte er angefangen und jetzt,
nach 14 Monaten, war er in Venezuela. Er hatte sich dem
deutsch-schweizerischen Team angeschlossen. Die trugen ihre Rucksäcke und die Verpflegung alle selber und fanden den Gedanken den wir äußerten, nämlich mit dem Helikopter
hochzufliegen, sehr verlockend.
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Irgendwann mußte es dann plötzlich ganz schnell gehen. Ich
wurde zum Hubschrauber gerufen, durfte vorne sitzen und
dann ging es ab nach oben. Es war absolut unfaßbar. Wir
flogen die Strecke, für die wir ansonsten drei Tage gebraucht
hätten, tatsächlich in knapp zehn Minuten, dann waren wir auf
dem Roraima. Daß der zusätzliche Träger für unseren
Rucksack, der uns 5 mal 44 Dollar gleich 440 DM gekostet
hatte, auch noch mit dem Helikopter und unserem Rucksack
auf den Roraima geflogen wurde, fand dieser natürlich
großartig.
Vor sechs Jahren wollten wir schon hier sein und seitdem
hatten sich Erwartungen aller Art in unserem Unterbewußtsein
breit gemacht. Wir erwarteten, nach den Beschreibungen, eine
völlig andere Welt. So wie in „Jurassic Park“ von Steven
Spielberg.
Die Überraschung – Wir erleben den Mond – wie er
irgendwann mal sein wird
Der Roraima ist die älteste bekannte Formation der Erde. Das
Gebiet ist etwa 800 Millionen Jahre alt und hat sich seitdem
nicht verändert. Hier gibt es eine Vegetation, die es nirgendwo
anders gibt und ständig kommen Forscher hierher um Neues
zu entdecken oder auszuprobieren. Z.B. eine pflanzliche Substanz die Zucker auffrißt, und die in der Zahnpasta eine
Weltrevolution gegen den Karies einleiten würde. Der
Tafelberg ist 5km breit und 18 km lang. Ein sehr großes Gelände..
Es sieht aus wie auf dem Mond. Vom Wetter abgewetzte
Steine, wenig Pflanzen, seltsamste Gesteinsformationen.
Surreal und irreal. Alles was man sieht ist hier etwas anders.
Nachdem man die Verwunderung verkraftet hat, bekommt
man ein anderes Verhältnis zu unserer üppigen Vegetation.
Liebe zu jeder Grünpflanze.
Untergebracht ist man in sogenannten „Hotels“. Das sind
Felsvorsprünge
unter
denen,
auf
trockenen
Quadratzentimetern, die Zelte aufgebaut werden. Wir mußten
weit laufen, weil es auf dem Roraima so voll war. In
anderthalb Meter Höhe war ein anderer Vorsprung und da
ging es noch mal einen dreiviertel Meter hoch. Dort stellten
die Köche das Küchenzeugs ab und dort entdeckte ich zwei
einigermaßen gerade Flächen, tief hinten im Fels. Man mußte
ziemlich reinkrabbeln und würde sich oft den Kopf stoßen.
Ich wußte sofort: Hier werden wir schlafen. Nur nicht wieder
in so ein „Scheißzelt“, wo frühmorgens alles, aber auch alles,
naß ist. Franklin bestätigte mir später: The best Place. Dort
schlief er sonst immer. Ich war der zahlende Kunde und sein
Honorar kam ja von mir. Um 18.30 Uhr war es dunkel, mitt20
lerweile waren alle eingetroffen, die Wolken waren wieder dicht, es regnete. Mr. Ichihashi
ging auch nicht mehr in die Zelte, er schlief zwischen den Eiern, dem Benzin und den Kochern. Nachts um vier saß er in seinem Schlafsack und
rauchte eine. Ich machte eine Foto und wir lachten. Ich
versprach ihm, das Foto per eMail nach Japan zu schikken.
29. und 30. Dezember 1999 – wir sind in der
„Verlorenen Welt“
Für die Pemon-Indianer sind die Tepuis die Sitze der
Götter. Und zwar der bösen Götter „Canaima“ und
„Cramaima“. Wenn die Menschen auf der Erde
wieder mal zu viel quasseln, reden und schnattern,
unrecht tun und böse zueinander sind, schicken die
Götter ihnen den Regen. Zuviel Regen, damit sie zur
Besinnung kommen. Seitdem wir in Venezuela
waren, regnete es pausenlos. Obwohl wir ja
eigentlich Winterzeit hatten, in der es sonst überhaupt nicht regnet. In Caracas sprach man
von Langzeitauswirkungen der letzten Klimaphänomene. Für Franklin und seine Crew ist das
ganze Mystic. Auf dem Roraima gibt es seltsame Lichterscheinungen. Auch als wir oben waren haben Barbara, David und ein Träger mehrere
langanhaltende, intensive Lichtpunkte gesehen. Die
einen sprechen von Ufo‘s, die anderen von Göttern,
die dritten von Mystic. Deshalb waren wir gekommen.
Wir wollten herausfinden, welche Botschaften uns das
Schicksal sendet. Wir träumten wieder intensiv und
werteten gemeinsam aus. Es ging in die gleiche
Richtung wie am Rio Cauras. Uns selber noch
liebevoller
zu
behandeln.
Täglich.
Stündlich. Nicht nur Wöchentlich.
Für mich waren die Botschaften des
Roraima höchst irdischer Natur. 1995 habe
ich mir, sechs Wochen nach Reinhold
Messmer, bei einem freien Fall aus 3,50 m
Höhe auf Stein, die rechte Ferse zerschmettert.
Erst der dritte Chirurg konnte es damals richten,
er
war
ein
Künstler seines Fachs, die „guten Handwerker“
hatten das Handtuch geworfen. Ich ging viele
Monate an Krücken und fast zwei Jahre regelmäßig zur Krankengymnastik. Die Ärzte hatten sich
von allem Druck befreit und mir gesagt, es sei
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sehr fragwürdig ob ich jemals überhaupt wieder normal laufen könne. Solche Sätze gehen als
negative Glaubenssätze direkt ins Unterbewußtsein. Fortan war das für mich ein Lebensthema. Mit vielen Aktivitäten, Visualisierungen aber auch Gegentendenzen wie: Zuviel Essen als
Kompensation für den Verlust einer Elementarfunktion. Ich walke und jogge, benutze meine
Polaruhr um mich nicht zu überfordern. Und als
ich im Sommer 1999 mit Hannelore und Karl
Heinz einen mittleren Berg am Tegernsee bestiegen hatte, wußte ich: Alles ist wieder gut. Jetzt
liegt es an mir. Der Roraima sollte der endgültige
Beweis sein. Mehr vor mir selbst, als vor der
Welt. Ich kann wieder gehen, auch auf Berge, rauf
und runter.
Der Aufstieg war mir zwar verwehrt geblieben, aber die zwei Expeditionstage mit den Japanern auf dem Roraima waren der bessere Deal.
Es gibt dort die tollsten Sehenswürdigkeiten. Wir liefen zweimal durch ein „Crystal Valley“.
Über 30 bis 40 Meter nur
Bergkristalle, lose und
in größeren Formationen. Eine
Orgie für die Sinne, eine
Herausforderung
für
den
Verstand. Es geht erst
30 m runter, dann wieder 40
hoch, von einem Weg
keine Spur. Man rutscht und
hangelt sich an Felsen
hoch und runter, glatten und
eckigen. Das Auge
schaut nach hier und dort, und die
Gefahr lauert auf jedem
Schritt. Ein Fehltritt kann das
Ende sein. David hat
eine Japanerin gerade noch an
einem Arm erwischt, als
sie in eine sechs Meter tiefe Felsspalte rutschte. Er zog sie raus und kugelte sich den Arm aus.
Wir mußten durch einen Fluß, in welchem fast
die Hälfte rein fiel. Aber wer würde bei einer
Expedition auf dem Mond zuerst auf die
Gefahren achten. Wir waren besessen zu
sehen, zu erforschen zu betasten, zu
fotografieren und weiterzugehen. Ich war
zusätzlich noch beseelt davon, keinen falschen
Schritt zu machen. Am 30. Dezember sind wir
zum sogenannten „Triple Point“ gelaufen. Der
Grenzpunkt
zwischen
Venezuela, Brasilien und Guayana. Es waren Luftlinie 18
Kilometer. Mit den vielen hoch und runter waren es etwa mehr.
Eine Japanerin ist die letzten Meter auf allen Vieren gekrochen. Es
war nicht die 72-jährige, sondern die Dickste. Die 72-jährige war
mein Ansporn wenn es nicht mehr ging. Ich bin 48 Jahre alt und
fühle mich wie 33. Mein Körper sehe aus wie 55 hatte Franklin
geschätzt. Das war die Botschaft: Hol dir die Gesundheit und die
Jugend in den Körper zurück. Mache jeden Schritt bewußt und
immer wieder neu. Die Erfolgsstrategie Nr. 3. Das „Step by Step“
von Whitney Houston. Ich sollte es noch modifizieren. Am 1.
Januar des neuen Jahrtausends. Ich sprach mit mir und
kommentierte fast jeden Schritt. Noch nie im Leben hat mit mir
jemand so lange so liebevoll geredet, wie ich mit mir an diesem 30. Dezember des letzten
Jahrtausends. Ich habe verstanden. Hugh.
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31. 12. 1999 der Abschluß – die Sylvesterfeier
Die Japaner stiegen am 31. Dezember 1999 ab. Wir blieben mit Führer, Koch und Träger alleine. Erholung und Besinnung war angesagt. Mal regnete es, dann schien wieder die Sonne.
Wir wagten einen kleinen Ausflug in die nähere Umgebung.
Ohne indianischen Guide würde man sich hoffnungslos verlaufen. Wenn die Wolken kommen und man in 100 % Luftfeuchtigkeit versinkt, ist alles zu spät. Die Nebel von Avalon
sind nichts dagegen. Als wir zu unserem Hotel zurückkamen,
hatte sich eine lebenslustige Gruppe aus Französinnen, Amerikanerinnen und Canadiern eingefunden.
Sie waren ausgelassen
und redeten über den
großen Augenblick.
Paolo unser Koch
begehrte ab sofort
Laura, sie flirteten mit
Worten. Die Franzosen wollten wie wir,
um 19:00 Uhr Ortszeit - der Zeit des Jahreswechsels in Deutschland - feiern.
Wir haben unsere Ziele neu definiert und erwarteten die bewußte Minute in Stille und Glückseligkeit. Als die Gruppe unter uns Happy New Year schreit, und uns ein Schluck Champagner hochgereicht wird, zünden wir unsere Zigarren an. Seit dem Film „Independence Day“ ist
die „Fat Mary“, oder wie immer sie heißt, das Symbol des Sieges. Sie wird erst nach der
Schlacht geraucht, wenn alles erreicht ist. In Deutschland kann man „Independence-Zigarren“
in einer eigens dazu angefertigten Alu-Hülle kaufen .Auf der natürlich auch „Independence“
drauf steht. Wir geben sie in unseren Führungscoachings immer aus, wenn das Problem erkannt, die maßgeschneiderte Lösung gefunden und verabschiedet ist. Ich habe seit meinem
Abitur nie mehr geraucht. Diesmal hatten wir zwei Zigarren für uns gekauft. IndependenceZigarren. Und wir haben sie geraucht. Null Uhr eins im neuen Jahrtausend. Auf unsere finanzielle und die emotionale Unabhängigkeit. Es war gigantisch. Für ca. 40 Minuten glimmte es
im Dunkeln und wir wußten was wir tun. Wir schliefen sehr glücklich ein. In dieser Nacht
habe ich mich nicht am Kopf gestoßen.
In dieser Nacht passierten noch merkwürdige Dinge
Um 24:00 Uhr Ortszeit schrie es von unterhalb des Roraima auf. Da war aber niemand, und
das nächste Dorf, Pari Tepui, war 20 Horizonte weiter. Danach kamen einige Indianer mit
Stirnlampen und gingen von „Hotel zu Hotel“, um ihren Stammesbrüdern zu gratulieren. Im
Stockdunkeln, zum Teil schon wieder in den Wolken der vollkommenen Nebel, fanden sie
ihren Weg. Ich verbuchte es auf das Konto: Mystische Botschaften. Barbara träumte, daß sie
ein Wasserkraftwerk erbte. Am nächsten Morgen war Sonnenschein.
Der 1. Januar 2000 – wenn ich gehe, gehe ich.
Der Abstieg war der absolute Hammer. Als ich da runter sah wußte ich: Da kommt keiner
lebendig runter. Dann ging Tarzan, unser Pemon-Indiander-Scout, los und siehe da es fand
sich immer irgendwo ein kleines Stück Stein, wo er drauftreten oder sich festhalten konnte.
Ein Tafelberg hat eigentlich nur hundert Meter hohe, glatte Felsen. Und doch gab es diesen
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Weg, und wir gingen ihn. Nach zwei Stunden im Fels und unter Wasserfällen hindurch, kamen wir in den tropischen Regenwald. Es ging hoch und runter. Irgendwann mußte das Basislager ja mal kommen. Meine wichtigsten Sätze waren: Es
gibt nur einen einzigen wichtigen Schritt: Den nächsten.
Unfälle passieren nur dann wenn man glaubt: Jetzt geht es
von alleine, die Gefahr sei vorbei. Ich sprach laut mit mir
und liebevoll. Ich wollte überleben. Ich lebte mein neues
positives Selbstbild. „Hey Werner, mein bester Freund, paß
auf, stell den Fuß dorthin, jetzt abstützen auf allen fünf
Druckpunkten. Ja sehr gut machst du das, siehst du, es ist
leicht. Schau mal nach oben, schau mal ins Land. Ist das
nicht einmalig? Ja es ist so geil, es ist absolut einmalig, du
hast es dir verdient, es ist zum genießen da.“
Nach vier Stunden waren wir am Basislager. Ich schrieb
schon das Jahr 2001. Nach dem Mittagessen ging es noch
mal 4,5 Stunden durch die große Savanne. Eigentlich bergab,
aber es ging immer nur bis zum nächsten Horizont. Barbara
und ich schritten gemeinsam durch‘s Leben. Wie immer. Wir
beschlossen, erst mal zwei Jahre auf Expeditionen zu
verzichten und uns wieder in Robinson-Clubs verwöhnen zu
lassen. Wir lachten über unsere Gedanken und Gespräche. Als wir uns bewußt vom Roaraima
verabschiedeten und bedankten, rollten uns beiden die Tränen. Wir haben die Himalayas gesehen und sie haben uns verändert. Damals habe ich Demut in reinster Form erfahren. Der
Roraima, das älteste Gestein der Erde, hatte uns die Achtung vor dem ganz kleinen Detail
gelehrt. Ein Tag wie zwei Lebensjahre. Danke Roraima.
Danke Franklin und
Danke Tarzan.
Nachdem wir ca. 1.800
Höhenmeter abwärts in
unsere Knochen und
Gelenke gepackt hatten,
waren wir müde. Es ging
noch durch zwei Flüsse,
den Rio Kukenan und
den Rio Tec. Im zweiten
wurde
gebadet
und
geschwommen, um etwas
gegen den drohenden
Muskelkater zu tun. Die
„Deutsch-Schwyzerische
Crew“ war mit uns abgestiegen, einer war zurückgeblieben.
Er hatte kein Gefühl mehr in beiden Beinen. Heute hatte es
nicht geregnet, es war sogar etwas windig, ansonsten knallte die Sonne gnadenlos auf meinen
Hut.
Es wurde noch mal gezeltet, morgen sollte es die letzten elf Kilometer nach Parai Tepui gehen, wo unser Jeep stand.
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2. Januar 2000 – die Abenteuer gehen weiter
Wir hatten beschlossen zeitig aufzustehen, um kurz nach 6:00 Uhr loszulaufen. Damit wir vor
der schlimmsten Hitze ankommen. Über Nacht war unser zusätzlicher Träger Tarzan verschwunden. Er hatte zwar das alkoholfreie Sylvester auf dem Berg akzeptiert, aber jetzt wollte
er sein Bier. Wir trafen ihn in Parai Tepui wieder, da war dann schon
ziemlich „high-ter“. Als Indianer kannte er den Weg und war einfach
die Nacht durchgelaufen. Franklin war krachsauer, jetzt mußten er
und Paolo das Gepäck von Tarzan mittragen. Die Folge war, daß
beide mit zwei Stunden Verspätung, nach uns in Parai Tepui
ankamen. Franklin hatte sich die Füße blutig gelaufen und Paolo
hatte sich wohl einen Bänderriß geholt. Jeder mit knapp 20 kg auf
dem Rücken. Es war die Gran Sabana und stellenweise ging es durch
Graslandschaften von Horizont zu Horizont. Dort wo Wasser war, da
war sofort wieder tropischer Regenwald. Für uns beide war es eine
schöne Tour. Immer wieder schauten wir zurück auf den Roraima.
Ein beeindruckender Berg. Majestätisch und erhaben. Uralt und
weise. Mit seiner eigenen Welt. Er wurde kleiner und kleiner.
Am Ortsrand von Parai Tepui, ca. 100 Meter vor dem offiziellen Wachturmpunkt der Parkranger, saß ein Indianer vor seiner Hütte und grinste uns an. Er verkaufte gekühltes Bier in
Büchsen. Klar, daß wir sofort begeistert zulangten. Und jetzt war auch klar warum er der
reichste Mann des Dorfes war, mit seiner Yamaha-Computer-Orgel.
Tarzan, glücklich als er uns sah, spendierte oben im Dorf ein Bier nach dem anderen. Als
Franklin und Paolo ankamen, wurde er aus der „Company“ gefeuert und wir zogen mit dem
Jeep davon. Das Trinkgeld von 20 Dollar konnten wir ihm gerade noch zustecken. Immerhin
hatte er uns gut geführt und Barbara ihren Niguawurm aus dem Fuß „operiert“ (siehe hinten
bei Krankheiten). Wir fuhren nach St. Elena, und schlüpften - auf eigenes Geld - in einem
Motel unter. Endlich wieder ein Bett. Franklin konnte zu seiner Familie, und wir gingen noch
fürstlich ein Steak mit Salat essen und Caipirinha trinken.
3. Januar 2000 – wir begeben uns in die Hände von wildesten Gesellen.
Langsam wurde es spannend. Wie kommen wir aus dem Land wieder raus? Ist der internationale Flughafen wieder offen? Welche Fluggesellschaften fliegen wieder? Zu welchem Flughafen werden wir uns durchschlagen müssen? Wie kommen wir zu unserem Seesack und zu
unserem Geld? Haben Frau Verres und Frau Bauer einen Fluchtweg organisiert? Unsere inneren Stimmen sagten: „Es ist alles o.k.“. Denn über dem Roraima hatten wir unseren Regenbogen gesehen.
Wir fuhren um 6:00 Uhr los. Es sollte 630 Kilometer nach Puerto Ordaz gehen, von dort dann
im Flieger weiter. Am Kilometer 88 kam Franklin dann wieder telefonisch durch. Uwe meinte, es wäre alles o.k. Wir würden um 18.40 Uhr nach Caracas fliegen. Und 200 Kilometer
weiter erreichte ich auch Frau Bauer. Ja Lacsa, unsere Fluggesellschaft, würde wieder fliegen,
sogar planmäßig und es gäbe auch einen Weg zum Flughafen. Hugo würde uns heute abend in
Valenzia abholen und nach Caracas fahren. Na bitte, alles bestens. Wir machten unsere Fotos
in Eldorado. Ursprünglich wollte ich ja noch bis an eine Goldmine ranfahren, um mir live
anzuschauen wie die Mineros leben. In der Gegend von Eldorado bis St. Elana gibt es unzählige Gold- und Diamantenminen. Klondike ist da, hier und heute. Aber es verdienen nur wenige etwas. Alle arbeiten und schuften, und sowie jemand etwas gefunden und verkauft hat,
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wird es ins Wirtshaus und ins Freudenhaus getragen. In unserem Reiseführer stand: Wer einen
großen Nugget findet, lebt noch gefährlicher als vorher. Das Originalgefängnis aus dem Film
„Papillon“ mit Steve Mc Queen ist genau
hier in der Gegend, und es wäre zur Zeit
voller als je zuvor. Und Professor
Schorlemmer hatte uns ausführlich
berichtet, wie es in so einer Goldmine und
in so einer Goldgräberstadt zugeht. Das
mußte ich sehen. Die ganzen Western von
vor hundert Jahren. Kokolores. Hier war
alles live – das mußte ich sehen. Franklin
hatte
einen
kleinen
Vorsprung
herausgefahren und so hatten wir etwas
Zeit. Der Flieger ging ja erst um 18.40 Uhr.
Es kam dann doch etwas anders. Als wir in Eldorado durch die „Hauptstraße“ fuhren und ich
überall die Goldhändlerbuden sah und die Leute, da wurde mir doch etwas mulmig. Ein Western im Fernsehen ist doch etwas anderes, als dreckige und sehr sehr finster drein blickende
Männer mit Waffen. Ich dachte an die schönen Jahre die ich mit Barbara noch erleben wollte.
Als Franklin mal stoppen mußte, weil einer der Leute irgendwie vor unserem Wagen zum
fallen kam, da hatten wir alle drei die gleiche Idee. An der nächsten Querstraße links ab und
dann zurück. Nix wie weg hier. Wir wußten es jetzt persönlich: Tombstone ist in Eldorado. In
Venezuela. Und in Bayern da regiert die CSU, da herrscht Ordnung, da laufen die Leute sauber angezogen rum, haben ihr regelmäßiges Einkommen und tragen keine Waffen auf offener
Straße.
Als wir gegen 17.30 Uhr in Puerto Ordaz auf dem Flughafen ankamen und einchecken wollten, hieß es: Alle Inlandsflüge nach Caracas sind gecancelt. Der nächste Flieger geht morgen
früh. Eventuell. „Hallo Schock, alter Freund, da bist du ja wieder.“ Wir mußten am nächsten
Morgen um 11:00 Uhr in Caracas in einem bestimmten Hotel einchecken. Da blieben noch 16
Stunden. Der Anruf bei Cacao-Travel ergab blankes Entsetzen. „Die hatten uns doch heute
früh noch gesagt, daß alle Inlandsflüge planmäßig gehen.“ Na gut wir sind in Venezuela. Wir
sollten den Nachtbus nehmen. Nur diese Idee hatten schon viele Leute vor uns. No Chance.
Am Ende organisierten wir, in Kooperation mit mehreren Taxifahrern am Flughafen, einen
„Verrückten“ mit Taxifahrerlizenz der bereit war, jetzt sofort die 850 Kilometer nach Caracas
zu fahren. Eine Strecke die er nicht kannte, weil es die Küstenstraße ja nicht mehr gab. Er
mußte über die Dörfer durch die Llanos. Wobei er sein Geld erst in Caracas, vom Chef von
Cacao-Travel Bernd Kröning persönlich in Empfang nehmen könnte. Einen solchen Verrückten mußte man erst mal finden. Und zwar schnell. Klar, daß so etwas nur über Geld zu regeln
war. Am Ende, nach mehreren Verhandlungsrunden, kostete der Trip 240.000 Bolivar, das
waren umgerechnet knapp 800 DM. Für den Taxifahrer das Geschäft seines Lebens. Franklin
freute sich über die 50 Dollar Trinkgeld. Er hat uns super betreut und ohne ihn wären wir vielleicht nicht mehr. Danke Franklin, alles Gute für Dich und Deine Familie.
Flughafen Puerto Ordaz. Es war dunkel. Wir waren gerade 650 Kilometer im Jeep gefahren.
Etwas müde und kaputt von den Wanderungen der letzten Tage. Bis morgen 10:00 Uhr müssen wir in Caracas sein. Wir stehen zwei verwegenen älteren Gesellen gegenüber. Sie haben
eben den Preis noch mal „hochgehandelt“. Das Auto ist ein alter verlotterter Buick. Wir sprechen kein spanisch. Es gibt zwei Möglichkeiten: Sie fahren uns in die Pampa und hauen uns
etwas über den Schädel, weil sie bei uns mehr Bares und Besitz vermuten als das, was sie für
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die Fahrt bekommen. Oder: Sie fahren uns nach Caracas. Sie werden sich abwechseln und wir
werden unser Schiff in Beef Island erreichen, und noch eine Woche segeln können. Wir steigen ein und fahren los. Barbara spürt die ganzen 850 Kilometer. Jede Schaltung, jede Rechtsund Linkskurve, jeden Überholvorgang, jede Bremsung wird sie mitmachen. Manchmal wird
sie laut kreischen, denn hier fährt man auch nachts über 120 km/h und auch auf der Landstraße wenn da große Löcher sind. Und auch wenn man Busse überholt und wenn LKWs entgegenkommen. Sie wird viel Adrenalin ausschütten und morgen wunderbar erschöpft sein.
Ich werde versuchen zu schlafen. Pro „Versuchs-Sitz-Position“ brauche ich bis zu drei Minuten. Ich werde genervt sein und erschöpft. Wir werden ankommen.
Nach ca. 150 Kilometer wissen wir, daß sie in die richtige Richtung fahren. Wir überqueren
den Orinoco auf der Brücke bei Ciudad Bolivar. 30 Kilometer später wurde das erste Mal
gelacht und 56 Kilometer später haben sie uns den ersten „Cafe grande“ spendiert. Der gehörte nach ihrem Verständnis, offensichtlich zu den 240.000 Bolivares dazu. Ich freue mich auf‘s
Segeln und über mein Urvertrauen. Mein bester Freund sagt: „Was für ein Abenteuer.“
4. Januar 2000 - Sonnenaufgang in den Bergen vor Caracas
Wir kommen bei Cacao-Travel, in der Luxusgegend von Caracas, gegen 7.30 Uhr an. Die
verrückten „Jungs“, (der Fahrer hieß übrigens Pablo Morales) waren trotz heftiger Müdigkeit
durchgefahren! Sie wußten ungefähr 20 mal nicht mehr wo sie waren und wie es weiter geht.
Sie sind gefahren und gefahren. Barbara hat sie umarmt. Ob Bernd Kröning die volle Summe
bezahlt hat, wissen wir nicht. Er hat jedenfalls getrickst. Mit uns hat er auf faire Weise die
ausgefallenen Leistungen mit dieser Sonderleistung verrechnet.
Spätestens hier hatte ich es begriffen. In einem korrupten Land gelten die Spielregeln des freien Marktes für alle. Auch und gerade für Touristen. Das sollten wir heute noch einmal erfahren. Bernd drängte uns den Angstschweiß der Nacht abzuduschen. Wir nehmen dankbar an.
Eigentlich hätten wir heute noch eine Stadtführung durch Caracas und einen persönlichen
Transfer zum Flughafen. Wir wollten jedoch nichts weiter, als bei der Fluggesellschaft Lacsa
einchecken, unser Gepäck aufgeben und raus aus diesem Land.
Wir werden wiederum von einer deutschsprachigen Cacao-Travel-Mitarbeiterin, deren Name
uns entfallen ist, nennen wir sie Iris, geführt. Sie erzählt uns die letzten Greueldetails der Katastrophe, und ist eher etwas umständlich. Aber lieb. Auch sie läßt sich von uns gerne zum
Frühstück einladen. Wir checken bei Lacsa ein und sind vergnügt. 11:00 Uhr geht’s los.
Aber es sollte noch nicht vorbei sein. Uwe Neumann rief über Iris‘ Handy an und wollte sofort 360 Dollar haben. Für den Hubschrauberflug. Ich war sehr verwundert. Seine Guides hatten ja gesagt alles wäre bezahlt. Bisher war er nicht erreichbar, jetzt machte er Druck. O.k.
seine Geschäfte waren schlecht gelaufen. Jetzt sucht er den Doppelverdienst. Er sagte, er hätte
die Rechnung des Piloten vorliegen und da wären 360 Dollar auf unseren Namen ausgestellt.
Wir sagten ihm, daß wir die Rechnung von Deutschland aus überweisen werden wenn wir sie
vorliegen haben. Er fing an laut zu werden. Iris solle uns das Geld sofort abknöpfen oder uns
auf keinen Fall in den Bus steigen lassen. Sie weigerte sich, weil sie nicht seine Angestellte ist
und keine Rechnung kennt. Sie rief Bernd an, der hörte sich unsere Variante an und entdeckte
Unterschiede zu der von Uwe Neumann.
Erst war es freiwillig und dann mußten wir, weil es schon abgesprochen war. Wir wollten
zum Basislager und wurden nach oben geflogen. Der Pilot wußte von nichts, wollte kein Geld
und für die Guides war auch alles klar. Bezahlt von den Japanern, hatten sie gesagt. Jetzt hatte
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sich Uwe an uns erinnert und wollte noch 360Dollar, Verdienstausfall quasi. Von den „doofen
Touristen“. (Natürlich haben wir bis heute keine Rechnung gesehen obwohl wir ihn mehrfach
angemailt und angefaxt haben).
Auch Bernd hatte den Verdacht, daß Uwe doppelt kassieren will, wollte aber Ärger vermeiden. Er fand die Idee mit der gefaxten Rechnung und der Überweisung aus Deutschland gut.
Er will aber auch keinen Ärger mit Bagheera. Klar wir sind ja auch quitt.
Es war 11:45 Uhr. Wir saßen im „Lacsa-Bus“ und warteten. Ein „Lacsa-Beamter“ kam herein
und drückte uns ein Handy in die Hand. Uwe verlangte sofort sein Geld. Solange wir nicht
außer Landes wären, wären wir in seiner Hand. Ansonsten läßt er uns von der Guardia National aus dem Bus holen. Die hätten ja sowieso überall Straßensperren. Wir müßten dem „Lacsa-Beamten“ sofort die 360 Dollar geben. Ich fühlte mich wie bei der Stasi. Eingeschüchert,
am Leben bedroht.
Wir hatten ein beschissenes Gefühl. Natürlich sind wir mit dem Hubschrauber geflogen und
wir wollten ja auch bezahlen. Vor Ort, wie vereinbart, an den Piloten. Wenn es eine Rechnung
gibt, dann kann er sie uns doch faxen. Er weiß doch, daß wir dankbare Kunden sind. Und er
weiß auch, daß wir großzügig und ehrlich sind. Erst waren es 130 Dollar jetzt sind es 360
Dollar. Da stimmt doch was nicht.
Ich gebe dem „Lacsa-Beamten“ das Handy zurück, weil Uwe mit ihm reden wollte. Der
klappt es zu und geht. Zwei Minuten später kommt ein anderer „Lacsa-Beamter“ und holt uns
aus dem Bus. Er schreit uns an und die anderen murren. Ich verstehe nur etwas von Dollars.
Dann drückt er mir sein Handy in die Hand. Uwe Neumann ist dran, schreit nur noch und
lacht dabei: „Du siehst, wir kriegen dich überall!“. Ich bin erfolgreich eingeschüchtert und
gebe dem „Lacsa-Beamten“ 360 Dollar. Fühle mich scheiße, will hier raus. Wie damals aus
der DDR. Natürlich weigert sich der „Lacsa-Beamte“ mir eine Quittung zu geben. Wir steigen
in den Bus und fahren zum Flughafen.
Wir sehen die abgestürzte Straße und einige Verwüstungen. Es ist noch schlimmer als im
Fernsehen. Barbara meint, da hätten wir drunterliegen können. Ich schalte um. Gauner wie
Uwe treffen lebenslänglich immer wieder auf Gauner. Und vielleicht gibt es ja doch diese
Rechnung für uns, dann wäre ja alles rechtens. (Es ist bis heute keine Rechnung bei uns angekommen! )
Im Flughafen gibt es kein Wasser. Die Toiletten stinken. Alles
andere funktioniert. Venezuela braucht seinen internationalen
Flughafen. Als die Maschine in der Luft ist, entweichen mir
reichlichst Darmwinde. Es ist mir peinlich, aber ich kann es
nicht verhindern. Die Aircondition verschluckt sie. Ich bin
froh in Deutschland zu leben. Abenteuer, ich akzeptiere Dich.
„Hosiannah“ und Frohlocken
In San Juan, der Hauptstadt von Puerto Rico, einem Bundesland der USA angekommen, dürfen wir wieder mal an den Immigrationsmanagern vorbei. „Sag nicht falsches Baby!“. Beim
einchecken in die Connecting Flights erleben wir amerikanisches Chaos. Ca. 200 Leute und
drei Schalter mit vier Beamten, die Dienst nach Vorschrift machen. Und bei allen Wartenden
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tickte die Uhr. Als die schwarze Volksseele überkochte, das war schön. Da wurde geschrien
und zurückgeschrien, die Lautstärke erhöht und nach dem General Manager verlangt und der
kam dann auch. Einfach so, dabeisein. Mittendrin. Geil.
Dann kamen andere Beamte, die sortierten jeweils 10 Familien aus. Wir waren auch dabei,
weil ein „Denzel-Washington-Typ“ mich einfach reinschob und ab ging’s, in eine andere Halle, zu anderen Schaltern und plötzlich flutschte es. Wir gaben uns „zwei mal five“ und lachten
und ich wußte, „Werner alter Urlauber, Du bist wieder mental fit!“.
Rolf und Manuela tauchten auch gleich auf. Und ab ging‘s auf die British Virgin Islands. Um
21.30 Uhr waren wir da. Unsere Skipper, Petra und Arno, empfingen uns. Der Funke sprühte
sofort und nach fünf Minuten Weg waren wir auf unserem Luxusschiff. Ein nettes Mahl und
zwei Rumpunsch vollendeten das Glücksgefühl.
5. Januar 2000 - traue nur der Statistik die Du selbst gefälscht hast
Die Luxuskabine vom Prospekt ist mit der kleinen Fläche, auf der wir die Nacht verbringen,
identisch. Wir freuen uns über die Gemütlichkeit und kuscheln gründlich. Frühmorgens springe ich das türkisfarbene Wasser und schwimme um die Yachten herum. Ich will dem lieben
Gott „Guten Morgen“ sagen. Planmäßig und mit großer Dankbarkeit versenke ich meine Casio-Uhr in der Bucht. Sie hat mir fünf Jahre lang den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang in Juliushammer, sowie den Stand des Mondes angezeigt. Jetzt beim Batteriewechsel
war sie undicht geworden. Eine Neue ist schon ausgesucht. Nur wo Altes vergeht kann Neues
entstehen.
Das Frühstück ist absolut sensationell. Wir zahlen auf diesem Boot zu zweit 1.200 DM pro
Tag. Für‘s Wohnen und Segeln, für‘s Essen und Trinken und für‘s Verwöhnen. Wir leben
zwar wieder mal über unsere Verhältnisse, aber immer noch nicht standesgemäß. Außer der
gerne etwas herzhaft lachenden Petra (36 Jahre, Deutsch) und dem Gefühlsmenschen Arno
(35 Jahre und Schweizer ), ist noch die dralle
Christiane an Bord. Sie ist an die 30Jahre,
Deutsch und will mal sehen ob ihr das
Aussteigerleben an Bord gefällt. Die Crew legt
ab und wir segeln nach Virgin Gorda zum
„Bitter End Yachthafenclub“. Einem der
schönsten Orte der Welt. Wir liegen vorn an
Bord, genießen es ständig gefragt zu werden
was wir trinken möchten, und lassen es uns mit
einem kühlen Heineken gut gehen.
Das Schiff ist ein liebevoll und aufwendig restauriertes, 60 Jahre altes Vollholzboot. Fast alle
Technik,die man sich nur denken kann, ist an Bord. Ich bin Technikfan und schwer begeistert.
Satellitennavigationssystem, Computer, Radar und Echolot mit optischer Anzeige, auch von
Fischschwärmen, geil, geil, geil. Waschmaschine, große Küche mit Eismaker und Espressomaschine, Tiefkühltruhe. Tja das lassen wir uns doch gefallen, oder?
Wer das alles selber sehen will, schaue nach unter www.bestsailing.com. Wir hatten weder diese
Internetseite gesehen, noch die Preisliste der Nebenkosten, wir hatten einfach dem Schwärmen von Tom und Andrea vertraut. Bloß die waren vor fünf Jahren da. Damals waren Petra
und Arno Existenzgründer. Heute müssen sie vom Chartergeschäft leben, und sie überleben
immerhin. Petra ist eine ausgezeichnete Köchin, sie hatte früher zwei Restaurants und war
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Auktionärin. Daher die rauhe und immer erotische Stimme. Arno ist Sohn einer Schweizer
Unternehmerfamilie, die jetzt in der Dominikanischen Republik lebt. Arno ist zwar sehr lieb
und einfühlsam, nett und freundlich, aber zwei Dinge erschweren ihm das Leben als Dienstleister: Er hat eine „Sandallergie“ und eine „Gleich-geht-wieder-irgendetwas-kaputt-Phobie“.
Obwohl er niemals laut wird, geht es ihm so tief zu Herzen wenn man mal mit nassen Füßen
ins Boot kommt, wenn irgendwo etwas im Gebälk der Ankerkette knirscht, oder wenn draußen starker Wind geht. Wenn die Frauen nicht sofort das machen was er angeordnet oder z.T.
oder
z.T.
auch
nur
angedacht hat, dann
wird er hektisch und rennt
über das Boot wie eine
Tarantel. Das alles wurde
uns erst nach dem
fünften Tag zuviel. Aber
sensitive
Menschen
wie wir, die immer alle
Gefühle
und
Gedanken
anderer
mitbekommen,
kriegen dann natürlich auch
die
ganzen
Schwingungen ab. Wir
wollten
nun
aber
endlich
Erholungsurlaub
machen. Also betrachteten wir das Ganze als das
was es war: Ein
Kabarett zu unseren Ehren.
Das ging auch ganz gut. Wenn Arno, zutiefst in Andacht versunken, dem Wetterbericht
lauschte war Stille im Schiff. Sogar die Holzwürmer machten einen auf Winterschlaf. Erst
danach brachte Petra wieder einen geilen Lacher. Dann ging das Leben weiter. Wobei der
Wetterbericht wirklich das Wichtigste beim Segeln und in der Karibik ist.
Der Mittag brachte einen leichten Salat, danach Espresso, dazu die Sonne traumhaft. Arno
brachte mich ans Riff zum Schnorcheln, allerdings hatte er große Sorgenfalten. Es war Wind.
Für mich war das ungünstig, weil ich nicht auf die Außenseite des Riffs konnte. Dort hatte ich
vor fünf Jahren die wunderbarsten Taucherfahrungen meines Lebens. Ich war ein Teil des
Schwarms und schwamm mit ihm. Oder der Schwarm schwamm mit mir. Diesmal war heftige
Strömung, kaum Fische und auch die anderen Schnorchler waren schnell wieder in ihren Booten. Reingefallen. Kann ja keiner was dafür. Auf an Land. Rolf wollte walken, Petra, auch.
Wir schlossen uns an und ließen sie vorneweg sausen. Herrlichste Blumen und Kakteen, Architektur und noch schönere Häuser. Schau es dir selber an, mit der „Slide show“ von
http://www.beyc.com/. Wer noch nicht dort war, hat es noch vor sich. Mindestens eine Woche.
Der Abend brachte gegrillten Lachs mit Weißwein. Einfach gut. Caribian Night.
6. Januar 2000 – wir sind im Paradies
Was gibt es schöneres als nachts
im Warmen zu schlafen und früh
morgens ins türkisfarbene Wasser
zu springen. In die Bucht vom
„Bitter End Yacht Hafen Club“?
(Anträge und Hinweise werden
jederzeit gerne entgegengenommen
!) Danach duschen und ein
Frühstück mit Säften und Kaffee
und Eiern und Beagle und Lachen.
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Wir wollten einkaufen gehen. In der Leverick Bay 3.000 Meter weiter ist ein Hauptgeschäft
von Pussers. Pussers ist der Rum der British Navy (ein ziemlich starker Rum). Seit mehreren
hundert Jahren. Wer gut ist macht Merchandising und so ist Pussers zu einem Markennamen
auf den British Virgin Islands geworden. Vor fünf Jahren hatte ich dort ein Segler-Polo-Hemd
der feinsten Qualität gekauft, das trotz fünf Jahren tragen und waschen, immer noch saugut
aussieht und sich saugut anfühlt. Diesmal bekam ich in meiner Größe gar nichts, die anderen
schlugen richtig zu und waren begeistert. Petra war die ganz coole Geschäftsfrau, wir durften
mit ihrer „Capitan-Pusser-Card“ einkaufen, das brachte 15 % Rabatt. Immerhin 101 Dollar.
(Obwohl die „Tussie“ von Pussers das durchschaut hatte und ziemlich sauer war!)
Dann ging es, wegen angedrohten schlechten Wetters, in der Hafen von Virgin Gorda. Rolf
versuchte mit seiner 20-Dollar-Telefoncard nach Deutschland zu telefonieren. Kein Durchkommen. Ich schickte eine eMail für fünf Dollar an Bianca, diese beruhigte dann die Leube‘sche Schwiegermutter und am nächsten Tag hatten wir eine eMail aus Deutschland, aus
meinem Büro. Das haben wir dann gleich mal mit ein paar Drinks gefeiert.
Barbara, ich und Rolf hatten uns schon seit Monaten auf unseren frisch gegrillten karibischen
Riesen-Lobster gefreut. Laut Internetangebot von www.bestsailing.com, ist der auch in dem täglichen „1.200-DM-Verwöhnprogramm“ enthalten. Wir erfuhren, daß Petra aus ethischen
Gründen keinen Hummer töten kann - essen schon - aber ihre Freundin Monica, hätte das
beste Restaurant in Virgin Gorda und den besten Hummer der Karibik. Ob sie uns telefonisch
anmelden sollte?
Ihr Fax ging angeblich nicht aber das Telefon ging immer. Na gut. Wir warfen uns in Schale
und freuten uns auf den besten Lobster der Karibik. Wir trafen Morgan Freeman und die
Frauen ließen sich Autogramme geben. Lobster gab es keinen. Wegen schlechten Wetters.
Wir aßen etwas anderes. Unsere Skipper waren in einer anderer Kneipe um sich mit ihren
Freunden zu treffen. Leider war der empfohlene „Wharhooo“ oder so ähnlich weder zart noch
wohlschmeckend. Als wir beim Bezahlen der 252 Dollar dann auch noch entdeckten, daß man
uns die zwei Flaschen Perrier 0,7 mit 32 Dollar berechnet hatte, war die Lust zum Weiterfeiern plötzlich gegen Null gegangen. Der Drink an Bord schmeckte dann auch nicht mehr, wir
gingen schlafen.
7. Januar 2000 – Wir wollen nicht mehr im Hafen bleiben
Petra, Arno und Christiane hatten mit ihren Freunden bis früh um drei gefeiert, dafür war unser Frühstück etwas langweiliger. Unser Bericht wurde zwar mit Bedauern zur Kenntnis genommen, aber es wäre nun mal so teuer in der Karibik. Und Lobster hätte es bisher immer
gegeben. Wir sprachen darüber, daß ein gutes Geschäft ja nur von der persönlichen Weiterempfehlung lebe und daß da natürlich alles stimmen müsse. Aber die 252 Dollar waren auch
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der Familie Hess zu heiß. Sie wechselten das Thema. Heute könnten wir auf keinen Fall auslaufen, es wäre zu starker Wind. Sturm sozusagen. Da würde man sich nur in Gefahr begeben,
und Arno als Kapitän sei ja schließlich für unsere Sicherheit verantwortlich. Das klang gut in
unseren Ohren und wir hatten ja auch das Vertrauen noch nicht verloren.
Also liefen wir nachmittags über die heißen Straßen von Virgin Gourda, hin zu dem berühmten „Bath“. Das ist ein Felsenlabyrinth, ähnlich dem von Wunsiedel, aber im Wasser. Man
kann da durchlaufen und Fotos machen, oder irgendwo abtauchen oder sich, wo immer man
will, an einen kleinen Strand legen. Wir krabbelten bis zum Ende durch und schnorchelten
nach Herzenslust. Am Ende schwamm ich außenrum zurück, durch alle Windungen und Felsen, und war wieder mal eins mit der Unterwasserwelt. Abends gab es Pasta. Sehr lecker und
sehr preiswert.
8. Januar 2000 – der Tag der Glückstränen
Wir segeln früh los. Die Sonne scheint und auf unseren Wunsch wird aus der großen CDSammlung (über 200 Stück) Rod Steward‘s „Sailing“ aufgelegt. Wenn Träume wahr werden
fließen bei mir die Tränen. Die Zeit steht still. Wir müssen uns um nichts kümmern.
Wir ankern in einer kleinen Bay auf Peter Island. Wir kennen sie noch nicht. Ich und Manuela
schnorcheln fast den ganzen Tag. Es ist traumhaft. Das Essen wird einfacher. Wenn der Generator nicht läuft gibt es kein Espresso. Arno verlangt für das Ausleihen von Schnorchelgeräten
extra Geld. Das kommt davon, wenn man das kleingedruckte vorher nicht gelesen hat. Wir
hatten‘s ja auch nicht vorliegen. Vor fünf Jahren war sicherlich alles noch anders. Wir wollen
nicht
an
unseren
Freunden
und
deren
All-Inclusive-Aussage
zweifeln.
Arno erzählt uns, was wir alles beim Schnorcheln falsch machen. Und daß der Schnorchelkurs
auch Geld kostet. Rolf, Manuela und Barbara verzichteten auf den Schnorchelkurs. Und ich
will auch nicht mehr tauchen. Kann ich Gott sei Dank sowieso nicht, weil meine Ohrenschmerzen immer noch sehr stark sind.
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Das einzige an Lieblingsgetränken und Lieblingsspeisen, das wir vorher über Frau Verres
indirekt durchgegeben hatten, war der Caipirinha. Das war auch zu Petra durchgedrungen
aber dazu hatte sie wieder Crash-Eis noch „Cachassa“. Der „Caipiroska“, mit Wodka und
normalen Eiswürfeln, war so stark, daß ich nach ersten Drink hinüber war.
9. Januar 2000 – das Ozeanische Glücksgefühl
Wir segeln nach Norman Island, die Bucht an der Insel die Robert Louis Stevenson als Vorlage für „Die Schatzinsel“ diente. Das mittelalterliche Seeräuberschiff mit Kneipe von vor fünf
Jahren war versunken. Das Neue ist nicht ganz so schön, aber es laufen heiße Klänge. Zu Mittag gibt es einen Hamburger. Er schmeckt zwar gut, aber wir fragen uns ob Tom auf dem
gleichen Schiff war. Rolf und ich fahren mit dem Kajak durch die Bucht. Auch das Schnorcheln in den Klippen vor der Bay war gut. Abends gibt es einen Turkey. Im Rohr gegart. Wir
sind verzückt.
Immer wenn wir wieder an Bord kommen duscht Christiane uns die Füße ab. Das finden wir
eine tolle Geste. Lediglich Arnos ängstliche Kontrollblicke irritieren. Es gibt schon den zweiten Tag den gleichen Rotwein. Ähnlich war es mit dem Weißwein. Abends gehen wir wieder
nach dem dritten Drink schlafen. Petra, Arno und Christiane fahren aufs Seeräuberboot. Sie
haben überall Freunde und sind gerne gesellig. Ich denke an Rüdiger Hoffmann: „Es ist ja
schade, daß das jetzt so auseinander geht, mit der Ulla und dem Jochen.“ Wir wollen uns den
Urlaub nicht verderben und genießen jeden Augenblick. Die Entspannung funktioniert gut.
Ich verschmelze mit den verschiedensten Dingen in den verschiedensten Dimensionen. Mit
Rolf und Manuela gibt es viel Austausch und viel Spaß.
10. Januar 2000 – wir haben guten Wind
Das Frühstück hat keine Abwechslung mehr. Wir segeln bei herrlichstem Wind zu der Insel
Jost van Dyck. Zu Mittag gibt es Pasta und abends aufgewärmten Truthahn. Er schmeckt uns
nicht so richtig, dafür hauen wir voll in den frisch gebackenen Käsekuchen rein. Wieder wandern wir über die Insel, in eine andere Bucht. Vor fünf Jahren sind wir hier immer mit dem
Boot gefahren und dann zum Ankern in die große Bucht. Arno will immer früh da sein, um
den seiner Meinung nach, besten Ankerplatz zu bekommen. In der anderen Badebucht ist es
traumhaft. Fünf Pelikane liefern uns stundenlang Vorführungen vom Fischfang aus der Luft.
Rolf joggt über die Insel bis er von seiner Polaruhr acht Bonuspunkte erhält. Ich finde eine
Fünf- Dollarnote am Wegesrand. Auf der Insel gibt s vielleicht 200 Bewohner und 500 wilde
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Ziegen. Wir treffen uns mit Petra bei Roxy, dem Entertainer. Ihm gehört hier fast alles. Er
singt bereits nachmittags, nicht ganz nüchtern aber irgendwie richtig gut. Er fragt jeden woher
er kommt und „improvisiert“ dann ein Lied über dessen Land. Darin sind viele Gags und
schon fühlt man sich gemocht und mag ihn auch. Roxy’s Bar gilt als die größte Partymeile auf
den British Virgin Islands. Ich kaufe eine Kassette von ihm. Leider hat uns Petra zu spät gesagt, daß man sich gegen die Sandflöhe eine Tinktur an der Theke holen muß, bevor die Flöhe
kommen. Nun ist es zu spät.
11. Februar 2000 – der letzte Tag
Wir hatten einen schönen Urlaub und freuen uns auch wieder auf zu Hause. Wir tuckern nach
Westend und kaufen in dem dortigen Pussers noch mal richtig ein. Hier gib es auch XXL und
ich kaufe drei wunderschöne Poloshirts. Arno hat etwas von „zuviel Wind“ gehört und beschwört uns im Hafen zu bleiben, und morgen ganz früh mit dem Taxi zum Flughafen zu fahren. Wir fühlen uns verarscht und bestehen auf die Rückfahrt. Arno könnte jetzt in der geschützen Innenbucht nach Beef Island „zurücktuckern“, oder außen die größere aber windigere Strecke nehmen. Er fährt los und nach einer Stunde beginnt es zu regnen. Als die erste große Welle kommt, fährt er in den nächsten Hafen. Ich erinnere mich, daß wir damals bei noch
größerem Wind, erst richtig gesegelt sind. Als Ausgleich serviert Petra erst mal vier exzellente Pinacolada. Sie schafft es immer wieder jede Situation zu entkrampfen. Wir erleben einen
großen Regenbogen und ein Delfin schwimmt acht mal um unser Schiff. Als Abschluß gibt es
eine auf dem Barbecue vollendete Rinderlende, zartrosa, für die ich vier Sterne und zwei goldene Kochlöffel gebe. In dieser Nacht träumte ich wieder sehr intensiv.
12. Februar 2000 – es geht nach Hause
Als ich meinen vollen Seesack aus dem Untergeschoß an Deck wuchte, bekommt Arno fast
einen Herzanfall. Der Lack könnte beschädigt werden. Dafür fliegen die anderen beiden
Rucksäcke noch heftiger durch die Gegend. Ich wünsche Arno mehr gutes Wetter und bedanke mich bei Petra, daß ich sie kennenlernen durfte. Das Taxi ist pünktlich, der Flieger nach
San Juan auch, das Umsteigen in Newark klappt easy. Wir kreisen drei mal um unser geliebtes New York und waren um 6:00 Uhr in München Es ist schön zu reisen und unterwegs zu
sein.
Willkommen dahoam
Deutschland begrüßte uns mit Kälte und Winter. Bianca holte uns vom Flughafen ab. Das
Gepäck war verloren gegangen und wurde einen Tag später von Lufthansa vorgefahren. Vor
unserer Haustür stand ein Kasten Bier. Begleittext: „Willkommen Dahoam Servus 2000. (Die
Wölfe im Januar Anno Domini 2000)“. Unsere lieben Nachbarn, die Familie Wolf meinte,
gutes Bier hätten wir wohl meisten vermißt in Südamerika. Stimmt.
Erhaltene Zeichen
150 km hinter der Zivilisation habe ich, im Sandstrand des Rio Cauras, eine 100 BolivarMünze gefunden. Sie wanderte sofort in meinen Glückstalismanbeutel. Auf der Insel Jost van Dijk, wo die wilden
Ziegen überall rumlaufen, fand ich am Wegesrand einer
„Straße“ eine Fünf-Dollar-Note. Die braune Verfärbung war
leicht wasserlöslich. Ich habe sie zu meinem „Bodo Schäfer
1.000-DM-Schein“ gepackt. Am Strand von „Cane Garden“, am letzten Abend unserer Reise
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nach einem Gewitter, zog ein Delfin acht Runden um unser Boot. Danach kam ein Regenbogen. Seitdem an unserer Hochzeit ein doppelter Regenbogen unser Wegzeichen ist wissen
wir: Unsere Reise ins neue Jahrtausend war eine gute Reise.
Krankheiten
Wir hatten Angst vor Malaria und haben unser Lariam
genauso brav eingenommen, wir wie uns gegen Typhus,
Hepatitis A und B impfen ließen. Das Lariam hat bei uns
beiden zu wunderbaren Klarträumen in DVD-Qualität
geführt. Da wir erfahrene Traumdeuter sind, und diesen
bereits im Traum selbst deuten, war das Psychohygiene
pur. Barbara hat durch die Lariam ständig Sodbrennen
gehabt. Die reale Wahrscheinlichkeit, von einem mit
Malaria infizierten weiblichen Enzophalessmoskito gestochen zu werden, ist zwar sehr sehr
klein aber man kann ja mit Leuten zu tun bekommen, die Malaria haben.
Im Dschungel von Venezuela gibt es eine bestimmte Art von Sandflöhen. Nigua. Sie bohren
sich in den Fuß, sind zunächst nur ein kleiner schwarzer Punkt und werden nach 3-5 Tagen zu
einem Wurm der Eier legt. Wenn man den nicht erwischt, verteilen sich diese Eier im ganzen
Körper und das kann dann zu einem Lebensthema werden. Barbara hatte so einen im Zeh. Das
war sehr schmerzhaft und wir haben ihn durch Tarzan, unseren Pemon-Indianischen Führer,
entfernen lassen. Das war sehr schmerzhaft. Er war immerhin schon vier Millimeter im
Fleisch und drei Millimeter über der Haut zu sehen. Es war ein großes Loch und ist gut verheilt.
Ich habe mir, bei acht Stunden Autofahrt von Puerto Ordaz nach San Ignacio, bei offenem
Fenster und venezolanischer Wärme, eine schmerzhafte, wenn auch medizinisch nur „leichte“
Mittelohrentzündung geholt. Dagegen hatte ich nichts dabei und der Indianer, der mir die einheimische Pflanze „columbiana“ empfahl, war uns dann leider, als wir wieder in der Savanne
waren, davongelaufen. So daß ich danach nicht tauchen konnte und das Ganze jetzt hier in
Holzkirchen auskuriere.
Der Durchfall im Ausland ist eigentlich eine sinnvolle Reinigungsreaktion des Organismus,
ich habe das Immodium gar nicht gebraucht.
Gegen die Moskitos und die Puri Puri Fliegen ist das venezolanische Anti-Mückenspray besser als unser Autan. Worüber wir unendlich dankbar waren, sind die neuen Autan-Stifte für
die Beruhigung der Haut nach dem Moskitostich. Die haben sich ausgezeichnet bewährt. Ich
werde sie für den Rest meines Lebens immer in meinen Utensilien bei mir haben.
Das Schlimmste waren die karibischen Sandflöhe. Wir saßen nur 15 Minuten bei Foxy, dem
berühmten Entertainer auf Jost van Dyck, und haben uns nicht sofort an der Theke das kostenlose Wässerchen geholt. Wir wurden gnadenlos erwischt und haben alle Vier heute noch unsere 30 bis 60 Wunden pro Bein. Das entzündet sich dann und braucht etwas aus einer deutschen Apotheke.
Alles in allem: Diese kleineren Verletzungen sind dafür, daß wir noch leben und noch laufen
können, ja nun wirklich ertragbar.
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Tipps zum Umgang mit den von uns gebuchten Reiseveranstaltern
Das Reisebüro Dr. Schiegg - www.lateinamerika.de - können wir für Expeditionen nicht weiter
empfehlen. Hier werden Reisen verkauft, die man selber nicht gemacht hat. Er war nicht in
der Lage, die tatsächlichen Schwierigkeiten und Schönheiten des Roraima Trekkings zu vermitteln. Geschweige denn die lebenserhaltenden Informationen zu vermitteln.
Wir hatten demzufolge keinen Null-Grad-Schlafsack dabei und wußten nicht, daß jedes Kleidungsstück in einem extra wasserdichten Beutel verpackt werden muß. Wenn es auf dem Roraima regnet kann es tagelang regnen. Da man zwei mal unter Wasserfällen durch muß, läuft
man quasi wie „unter Wasser“. Danach ist alles durchnäßt, der Schlafsack, die Ersatzklamotten und die Handtücher. Bei der Luftfeuchtigkeit da oben - man ist sozusagen ja zu 60% des
Tages immer in den Wolken - trocknet nichts. Wer da gesundheitlich nicht sehr robust ist, den
erwischt es. Und das haben wir erlebt, bei einer anderen Crew.
Dazu kommt, daß ja jedes Reisebüro seine 10 % auf die Reise draufschlägt. In unserem Fall
waren drei Reisebüros beteiligt. Das ist wirtschaftlich ungünstig. Insbesondere bei dem Transfer von der Ajacucho Logde zu Caura Logde wurden uns 666 DM berechnet. Das waren ca.
450 Kilometer und die Strecke wurde im hauseigenen Jeep gefahren. Der Liter Benzin kostet
in Venezuela 20 Pfennige. Der obige Preis war der deutsche Taxipreis. Solcherart Aufschläge
sind etwas unverschämt. Dr. Schiegg hat zwar das venezolanische Reisebüro Cacao-Travel
für den Preis verantwortlich gemacht, aber meine Gespräche mit Bernd Kröning, dem Inhaber
von Cacao-Travel ergaben deutliche Abgrenzungen zu den Preisen vom Dr. Schiegg. Spannend wurde es, als ich dann noch die tatsächlichen Inlandspreise erfuhr die Cacao-Travel für
die Hotels und die Inlandsflüge bezahlt hatte.
O.K. Das ist nun mal der Preis wenn man nicht spanisch spricht und nicht alles selber organisieren will. Wir wollten alles organisiert haben und es wurde uns alles organisiert.
Wer also in Venezuela bucht, sollte bei Cacao-Travel www.cacaotravel.com direkt buchen. Das
Büro sitzt voll von deutschsprachigen Mitarbeitern. Die Firma hat eine deutschsprachige
Website. Wir waren ja nun in einer Ausnahmesituation. Wenn in einem Land plötzlich ganze
Landschaften verschüttet werden, es 50 bis 150.000 Tote gibt, der internationale Flughafen
und diverse Binnenflughäfen gesperrt werden, und die Hauptverbindungsader des Landes, die
Straße von Caracas zum Flughafen unpassierbar wird, dann ist das schon ein Ausnahmezustand. Aber genau so gut, wie man in einer Krise den Wert einer Freundschaft erkennt, erkennt man im lebensbedrohlichen Zustand den Wert eines Reisebüros. Wir sind menschlich
von Frau Bauer und Herrn Kröning 1A betreut worden. Es gab viele Telefonate hin und her
und es wurden Sonderlösungen für uns arrangiert. Daß wir die letzte Idee dafür immer selber
geliefert haben, ist eine andere Sache. Wir sind aus der Hölle von Caracas noch am 16. Dezember rausgefahren worden, und die risikoreiche telefonische Absprache zwischen Herrn
Kröning und dem Taxifahrer Pablo Morales, der uns in der Nacht vom 3. zum 4. Januar 2000
über 800 Kilometer von Puerto Ordaz nach Caracas für umgerechnet 800 DM gefahren hat,
halte ich auch nicht für alltagsüblich. Wir machten zwei mal kurz in seinem Privathaus Station und wurden nach durchfahrener Nacht auch in die hauseigene Dusche „gedrängt“. Natürlich haben wir von anderen deutschen Touristen erfahren, daß sie sieben Tage in Caracas festhingen und daß für sie keine Extrabrötchgen gebacken wurden. Und sicherlich habe ich, als
kommunikationserfahrener Mensch, auch etwas anders argumentiert. Trotzdem Danke Cacao!
Allen Mitarbeitern !
Das dritte Reisebüro war Bagheera-Tours bhageera@telnec.net.ve in Puerto Ordaz. Geleitet von
einem Deutschen namens Uwe Neumann. Nach eigenen Angaben dem Spezialisten für Expe36
ditionen aller Art auf alle Tepuis in Venezuela. Seine beiden Guides, Franklin und David,
sowie die Köche und Träger waren wirklich professionell in allen Angelegenheiten. Ohne
seine sofortige Frage nach der Art unseres (Sommer-)Schlafsacks und seiner Aushilfe mit
einem Null-Grad-Schlafsack wären unsere vier Nächte in 2.800 Meter Höhe anders verlaufen.
Er ist ein eiskalter Geschäftsmann. Gewaschen mit allen Wassern der Tepuis und der venezolanischen Korruption. Genauso „professionell“ hat er uns geraten für 130 Dollar mit dem Helikopter der Japaner zu fliegen, um uns dann zusätzlich mit mafiösen Methoden 360 Dollar
abzuknöpfen. Ein Mann, dem man sich kein zweites Mal anvertraut.
Das vierte Reisebüro ist ein Geheimtip: Frau Verres, (089 988 368) sie macht Spezialarrangements für V.I.P.‘s und ist ein Wunder im Organisieren von Flug- und Weltreisen aller Art.
Wobei ihr Bequemlichkeit und Komfort des Kunden wichtiger sind als die Reise selbst. Ich
habe schon einige Reisebüros beim Herausfinden von Flugreisen aufgeben sehen. Frau Verres
fand immer wieder eine neue Möglichkeit für eigentlich Unmögliches. Und vor allem es
klappte alles.
WKE 2000
Dieser Reisebericht war
die 1. Arbeit von Dr. Karl
Werner
Ehrhardt
im
neuen Jahrtausend.
Jetzt ist der Urlaub vorbei.
„Ich bin bereit!“
Für Feedback’s aller Art
freue ich mich über eine
eMail an
Dr.Ehrhardt@mentalfit.de
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Seele and Geist
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