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Die Nutzung von Waldökosystemen – Wie viel (Green) Economy

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Forum Umwelt und Entwicklung
Chair‘s Summary des Workshop:
Foto:StephanTeckert/pixelio.de
Die Nutzung von Waldökosystemen –
Wie viel (Green) Economy verträgt die Biosphäre?
Ansprechpartnerinnen:
KathrinBlaufuss,k.blaufuss@forumue.de
ClaudiaKabel,c.kabel@forumue.de
Die Nutzung von Waldökosystemen –
Wie viel (Green) Economy verträgt die Biosphäre?
I. Wie kann die Green Economy innerhalb
ökologischer Leitplanken funktionieren?
ZusammenfassungderDiskussionundderSchwerpunkte
derKeynotevonBentenBrink(PBL)
Können wir den Verlust an Biodiversität aufhalten?
Eine quantitative Analyse
Der Vortrag bezog sich auf die Studie „Rethinking Biodiversity Strategies“ der Netherlands Environmental Assessment Agency (PBL). Hintergründe und Methodik der Studie
(z.B. der Messung der Biodiversität) wurden während des Vortrages erläutert. Die folgende Zusammenfassung konzentriert sich auf die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der
Studie und greift Fragen der Methodik nur auf, wenn dies zum Verständnis der Schlussfolgerungen unerlässlich ist. Vertiefende Informationen der Studie:
http://www.rivm.nl/bibliotheek/rapporten/500197001.pdf.
DiePBL-ModellierungsstudiezuStrategienzumSchutzderBiodiversitätkommtzu
folgendenSchlussfolgerungen:
1. Halbierung des Verlusts an Biodiversität
LediglicheinHalbierungderVerlustratenvonbiologischerVielfaltwärenmit
intensivenAnstrengungenmöglich.EinAufhaltenderEntwicklungistderzeitnicht
erreichbar.(„possibletohalfloss,nothaltloss“)
2. Sozioökonomische Wachstum
DieenormenWachstumsratennivellierenvieleTeilerfolgeundsindschwerinden
Griffzubekommen.
3. Produkte und Produktion
EffizienteProdukteundProduktionmüssenzentralePunktejedereffektivenLösungsstrategiesein.
4. Biodiversitätsschutz
DerSchutzderbiologischenVielfaltistalleinmitSchutzgebietennichtzuschaffen,
sondernmussimRahmenandererZielsetzungenintegriertwerden.
5. Suche nach Alternativen
DieSuchenachneuenLösungswegenistdringenderforderlich.
LautBaselineSzenarioderStudiewirdderBiodiversitätsverlustinallenBiomen,
insbesondereindenbesondersartenreichenWald-undGraslandschaftenbis2050
verheerendzunehmen.AlsUrsachenwurdenLandwirtschaft,zugeringeLebensmittelproduktivität,VereinzelungvonLebensräumen(Fragmentation),Übernutzungvon
WäldernundMeeren,EutrophierungundinzunehmendemMaßeauchinfrastrukturelleMaßnahmenunddieAuswirkungendesKlimawandelsidentifiziert.
UmdieseUrsachenanzugehenundsodenBiodiversitätsverlusteinzudämmen,geht
dieStudievonachtOptionenfürEinzelmaßnahmenaus(zurEinschätzungderBedeu-
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Die Nutzung von Waldökosystemen –
Wie viel (Green) Economy verträgt die Biosphäre?
tungdereinzelnenOptionenistinKlammerneineProzentzahlangegeben,dieeinen
„verhindertenBiodiversitätsrückgang“wiederspiegelt,den„PreventedLoss“,PL):
1. SteigerungderLebensmittelproduktivität(„Closingtheyieldgap“),(PL30%);
2. ReduzierungvonNahrungs-undLebensmittelverschwendung,(PL5%);
3. VeränderungvonEssgewohnheiten,(fleischarmeDiät:PL40%,ohneFleisch:55%);
4. VerbesserungdesökologischenZustandsvonWäldern,(PL10%);
5. ReduzierungvonEntwaldung,(PL10%);
6. MitigateClimateChange,(ohneBiofuels:PL10%,mit25%Biofuels:PL-10%);
7. AusweitungvonSchutzgebietenallerBiomeum20%(PL10%),um50%(PL50%);
8. WiederherstellungundErholungderFischbeständederMeere,Aquakultur.
InderStudiewurdenmehrereKombinationendieserOptionenmitSchwerpunktauf
realistischumzusetzendeMaßnahmeninverschiedenmöglichenSzenarienuntersucht.DasErgebniszeigtfolgendeSchlussfolgerungen:
AuchdiegünstigstenrealistischenSzenarienführenmaximalzueinerHalbierungder
VerlustratenvonbiologischerVielfalt.
> WegenWechselwirkungendereinzelnenOptionenführenKombinationender
OptionenzueineminderSumme(zumTeildeutlichen)geringeren„vermiedenen
Verslustraten“alsreinrechnerischnachdenWertendereinzelnenOptionenzu
erwartenwäre.
> DerSchutzvonArtenundÖkosystemenkannnichtalleindurcheinenSchutzgebietsansatzgewährleistetwerden.
> SehrintensiveNutzungin„Nutzungsgebieten“einerseitsundstarkerSchutzin
SchutzgebietenandererseitsversprechenlautStudiedasbesteErgebnisfürden
Biodiversitätsschutz.
> EswirdgrundsätzlicheÄnderungenimBereichProduktionundKonsumverhalten
gebenmüssen.
> ProduktivitätssteigerungenimBereichLandwirtschaftvongrundlegenderBedeutung.
> BiodiversitätsschutzmussmitKlimaschutz,MDGssowieAgrarpolitikundErnährung(FoodPolicy),Wald-undEnergiepolitikabgestimmtwerden.
> WeitereergänzendeOptionenwerdendringendbenötigt!
DieanschließendeDiskussionhattevorallemdieNutzungsintensitätlandwirtschaftlichgenutzterFlächenzumThema.SowurdeetwadieFragegestellt,obnichtder
nachweislichhöhereArtenreichtumvonnachhaltigbewirtschaftetenAgrarflächen,
stärkerineinesolcheBerechnungvonLösungsstrategieneinfließenmüsste,auch
wennmehrFlächefürdieselbeMengeNahrungsmittelbenötigtwird.PositiveEffekte
trotzdiesesZusammenhangswurdenvorallemfürvieleFlächeninAfrikagesehen,
diedurchdieseMethodesowohlproduktiveralsauchartenreicherwerdenwürden.
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Die Nutzung von Waldökosystemen –
Wie viel (Green) Economy verträgt die Biosphäre?
GroßeSchwierigkeitenfüreineneffektivenBiodiversitäts-undKlimaschutzwurdenin
derDiskussionindemrasantenBevölkerungswachstumbzw.indenUrsachendafür
gesehen.AlleindurchdieinvielenLändernschnellwachsendeBevölkerungwirdes
undmussesinvielenLändernzueinemWirtschaftswachstumkommen.Diesich
darausergebendensozialenImplikationen,wenngleichzeitigderSchutzartenreicher
Biomeausgeweitetwerdensollundmusssindenorm.
GroßesPotentialfüreinemöglicheTeil-LösungwurdeinderRestaurationdegradierter
Flächengesehen.Diese„grauenFlächen“könntenzusätzlichzurNahrungsmittelproduktiongenutztwerden,ohnedasseinzusätzlicherVerlustvonBiodiversitätzu
befürchtenist.
Schlussfolgerungen
> ZuspezifischangesetztesektoraleoderaufeinThemafokussierteLösungsstrategien,diezurLösungeinesProblemsdieVerschlechterungandererProblemeignorierenoderinKaufnehmen,stelleninsicheinProblemdar.SietragenzurLösung
komplexerProblemewiederBekämpfungdesdramatischenVerlustsanBiodiversitätnurwenigbei.
> KomplexeProblemzusammenhängeerforderninsbesonderebeipolitischen
AkteureneinschließlichderUmwelt-undEntwicklungsorganisationeneinerseits
cross-sektoralesWissenandererseitsauchdieverstärkteErkenntnis,dassparallele
politischeForderungennachverbessertenKlima-,Umwelt-undNaturschutznicht
inKonkurrenzzueigenenForderungen,sondernVoraussetzungderLösungdes
Gesamtproblemssind.
> KlimaschutzundSchutzderBiodiversitätmüssenalsQuerschnittsproblemein
sämtlichenWirtschafts-undSozialplänenund-strategienmitbedachtundumgesetztwerden.
> DieWiederherstellungdegradierterFlächenbirgtenormes,bisherzuweniggenutztesPotentialdieNahrungsmittelproduktionerhöhenzukönnen,ohnenegativeUmweltfolgenundeinenVerlustvonBiodiversitätbefürchtenzumüssen.
II. Wie groß ist der Holzbedarf einer Green Economy?
ZusammenfassungderSchwerpunkteundderDiskussionzumVortrag
vonLaszloMaraz,ForumUmweltundEntwicklung„Grenzender
HolznutzungineinerGreenEconomy“
IndenIndustrieländernwirdinzwischeneinfastsogroßerAnteildesHolzesfürenergetischeZweckeverwendet,wieinEntwicklungsländern.Brennholzwirdaberdort
vorallemzurBefriedigungprimärerBedürfnisse(Kochen)benötigt,währendeshier
zurDeckungunsereshohenEnergieverbrauchesbeitragensoll.
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Die Nutzung von Waldökosystemen –
Wie viel (Green) Economy verträgt die Biosphäre?
AusSichtdesWaldschutzesundderForstwirtschaftistbeiderFragedesHolzverbrauchseinerGreenEconomynebendemSchutzderBiodiversitätundderBeachtung
sozialökonomischerKriterienvorallemdieabsoluteVerbrauchsmengeentscheidend..
EsgehtummehralsnurRohstoff-undEnergiepolitik:DasKonsumverhalteninsbesonderebeimHolzverbrauchmusssichandenökologischenGegebenheitenorientieren
umnachhaltigzusein.DieWaldnutzungamsteigendenVerbrauchauszurichten,um
immerweitereBegehrlichkeitenzubefriedigen,istnichtnachhaltig!
WürdemandenheutigenEnergiebedarfDeutschlandsausschließlichmitHolzdecken,gäbeesin2-3JahrenkeineWäldermehr.Deutschlandhatetwa11Mio.ha.Waldfläche,dieeinejährlichverwertbareHolzmengevonetwa70,5Mio.m3Holzergibt.
DerHolzverbrauchliegtfürdiestofflicheNutzungbei72Mio.m3undfürdieenergetischeNutzungbei53Mio.m3Holz,wobeieinbedeutenderTeildesHolzaufkommens
(nebendemHolzeinschlag)ausderNutzungvonAltpapierstammt.DieVerbrauchstendenzistinsbesonderefürdieenergetischeNutzungsteigend.
AndiesenZahlenwirddeutlich,dassdieFragewiedersteigendeHolzbedarfgedeckt
werdenkann,eineenormeHerausforderungdarstellt,wennmandenohnehinenormenRaubbauderWäldervonBrasilienüberSchwedenbisRusslandundSüdostasien
nichtnochweiterverstärkenwill.
KlareökologischeGrenzenderHolznutzungaucheinerGreenEconomysind:
1. Der Schutz der Biologischen Vielfalt:
ÖkologischgesundeWälderbenötigenBiotopholzundmüssendurchSchutzgebietegegenansteigendeNutzungsansprüchegeschütztwerden.
DarüberhinausmüssenökologischeundNaturschutzkriterienauchindenanderen
Wälderneingehaltenwerden.
2. Bodenschutz:
OhneTotholzistderNährstoffhaushaltnichtnurdesWaldesgefährdet,auchBodenstrukturundWasserhaushaltverschlechternsich.
3. Erhalt der Produktionsgrundlagen:
VorratsanreicherungunderhöhterZuwachs,derzumindestteilweiseimWaldverbleibtkönnendarüberhinausdenKohlenstoffspeicherdauerhafterhöhen.
Zumeistwirdangenommen,dassdieEnergiewendeautomatischzueinemsteigendenBiomassebedarfführt,ohnedassdieFragegestelltwird,wiehochdasEinsparpotentialdurchKonsumeinschränkungenund-verzichtwäre.AußerdemistHolzals
intensivgenutzternachwachsenderRohstoffauchausökologischerSichtzuhinterfragen:ImÖkosystemWaldgibteskein„Restholz“.ImGleichgewichtd.h.gleichmäßig
produktivbleibenWäldernurbeimaßvollerNutzung.
DerstofflicheRohholzverbrauchinDeutschlandhältsichbezogenaufmitImporten
undExportenderzeitdieWaage.DergesamtedeutscheHolzbedarfwäreaberohne
RaubbauanandererStellenichtzudecken.GreenEconomybezogenaufdieHolzverwertungbedeutetsichaufdieeigenenReservenzubeschränken,seinenWohlstand
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Die Nutzung von Waldökosystemen –
Wie viel (Green) Economy verträgt die Biosphäre?
nichtaufRaubbauzugründenundnurmöglichstgeringe,nachhaltigerzeugbareund
fairgehandelteHolzmengenzuimportieren.
Heutesindetwa1,5-2%derWaldflächeDeutschlandsunterSchutzgestellt.Die
NationaleBiodiversitätsstrategiefordert5%geschützteWaldflächenbis2020,UmweltverbändewiederBUNDfordern10%umdenSchutzderBiodiversitätlangfristig
zugewährleisten.KurzumtriebsplantagenzurHolzgewinnungsindkeineWälder,
sondernsindalslandwirtschaftlichgenutzteFlächenzuverstehen–inökologisch
verarmtenAgrarsteppen(Maisäcker)könnensieaberdurchausverbesserndwirken
unddenHolzertragsteigern.
InderanschließendenDiskussionwurdebetont,dassinsbesondereinBezugauf
WaldnutzungGreenEconomyvielstärkermitNachhaltigkeitsprinzipienverbunden
werdenmuss.HolzplantagenproduzierenzwareinennachwachsendenRohstoff,
hinterlassenunterUmständen,wieamBeispielBrasilienszusehen,in20-30Jahren
degradierteBöden.DerenWiederherstellungmussfinanziertwerdenodereswirdzu
einererneutenLandnahmebisherungenutzterFlächenkommen.
AmBeispielPelletheizungenistzusehen,dasskomplexeProblemzusammenhänge
zupolitischunvorhergesehenenAuswirkungenführenkönnenundsichdementsprechendEinschätzungenundpolitischeForderungenverändern(müssten).DerBoom
beidenPelletheizungenlagu.a.auchanderFörderungderPelletheizungendurchden
Staat.EinerseitskämpfendieNGOsfürdieEnergiewendeundinderenRahmengegen
dieStreichungderFörderungfürPelletheizungen,andererseitstretenwiraberauch
fürdenSchutzderWälderundverminderteHolzentnahmeein.
AberauchanderegesellschaftlicheGruppenstehenvorneuenHerausforderungen.
Wenngefordertwird,dassetwa20%derErneuerbarenEnergiendurchBiomasse
gedecktwirdunddiessichnichtalleindurchlandwirtschaftlicheKurzumtriebsplantagengeleistetwerdenkann,ergebensichfürForstleutefolgendeFragen:SindForstwirteals„Dienstleister“inersterLiniedafürzuständig,diegesellschaftlicheNachfrage
nachHolzzudecken?OderbestehtihreeigentlicheAufgabenichtdarin,alsWaldwirtschaftsexpertendeutlichzumachen,wohinaktuellePläneundEntwicklungen
imWaldökosystemenmitseinenlangjährigenEntwicklungszyklenführenwerden,
bzw.welcheHolzmengendauerhaftundnachhaltigerzeugtwerdenkönnenundwo
letztlichdiemaximalnutzbareHolzmengeliegt?
Einweitererwichtiger,oftzuwenigbeachteter,EinflussfaktoraufdenZustandder
WälderistdieFinanznotderKommunen.DasichvieleWälderinkommunalenBesitz
befindenundaufgrundderSteuereinnahmesituationuntergroßerFinanzierungsnot
leiden,istesfürKommuneninsbesonderebeihohenHolzpreisenfinanziellbesonders
schmerzhaftaufkurzfristigeEinnahmenausderWaldnutzungzuverzichten.Eine
LösungkönntenunabhängigeStiftungensein,dieauchbeiknappenöffentlichenKassen,langfristigeEinnahmeentwicklungenimAugebehaltenkönnen.
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Die Nutzung von Waldökosystemen –
Wie viel (Green) Economy verträgt die Biosphäre?
III. Zwischenfazit
DieErkenntnissedererstenWorkshop-HälftewurdenvonGünterMitlacher,Leiter
BiologischeVielfaltdesWWF,wiefolgtzusammengefasst:
> Es besteht dringender Handlungsbedarf:
DerNutzungsdruckaufdieWäldersteigt,dieZerstörungderWäldergehtweiter.
> Die Verbesserung der Lebensbedingungen
fürBauernundLandbevölkerungisteineMöglichkeit,teilweiseunnachhaltige
Produktionsweisen,wieinvielenFormenderSubsistenzwirtschaft,eindämmenzu
können.
> Nachhaltige Produktion von Biomasse und Lebensmitteln:
ObderwachsendeBedarf,auchwennmannurvoneinemGrundbedarfausgeht,
durchökologischenLebensmittelproduktionoderFSCzertifizierteWälderzudeckenist,mussmiteinemgroßenFragezeichenversehenwerden.
> Die Nutzung degradierter Flächen birgteinhohesPotential.
> Energiewende, energetische Holznutzung und Raubbau
Diesogenannte„Holzlücke“wirdvorallemdurchdenhohenHolzbedarfder
„Energiewende“verursacht.JemehrHolzfürdieenergetischeNutzungvonHolz
genutztwird,destostärkerwirdderRaubbauvorangetrieben.
> Nutzen von Wäldern
NebenderGewinnungvonHolzhabenWälderingutemökologischenZustand
einen„Nutzen“alsKohlenstoff-Senke,alswichtigerFaktorimWasserhaushalt
ganzerLandschaftenusw.ZustarkeNutzungderWälderdagegenführtzueiner
VerringerungihrerKohlenstoffvorräte.BiotopholzinWäldernistvonherausragenderBedeutung.
Schlussfolgerungen:
> Ökologische Leitplanken
IneinerGreenEconomymussdieHolzgewinnungdieökologischenLeitplanken
einhaltenunddarfkeinVorwandfürRaubbausein.KurzfristigeErtragssteigerung
dürfennichtmitlangfristigenErtragseinbrüchenerkauftwerden.DieZieleder
NationalenBiodiversitätsstrategiesindeinzuhalten.
> Verknüpfung von Green Economy mit Nachhaltigkeitsprinzipien
AufgabeinsbesonderederNGOistes,nochviellauterundstringenterNachhaltigkeitsprinzipienindieDefinitionundvorallembeiderUmsetzungvonGreen
Economyeinzufordern.
> Wirtschaftlichen Produktionsgrundlagen
NachhaltigeHolzbewirtschaftungistkeinökologischerLuxus,sondernsichertdie
zukünftigenwirtschaftlichenProduktionsgrundlagen.EinausgeglichenerNähr-
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Die Nutzung von Waldökosystemen –
Wie viel (Green) Economy verträgt die Biosphäre?
stoffhaushalt,einegeeigneteBodenstrukturundeinstabilerWasserhaushalt
sindVoraussetzungfüreinenstabilenHolzertragauchinderZukunft.Grundlage
hierfürsindhoheBiotopholzvorräte,dieauchingenutztenWäldernverbleiben
müssen.
> Wohlstand, Verbrauch und Raubbau
DerHolzbedarfeinerGreenEconomyorientiertsichmöglichstandeneigenen
nationalenReservenundgründetdeneigenenWohlstandnichtaufdenRaubbau
derReservenanderer:EinsparungenundRecyclingsindVoraussetzungenhierfür.
UnnachhaltigerVerbrauchlässtsichweltweitnichtaufeinenachhaltigeArtund
Weisedecken.
> Komplexe Zusammenhänge und klare Forderungen
DiefürNGOssowichtigeneinfachzumerkendenklarenForderungen,umsichim
politischenGeschehenGehörzuverschaffen,sindnichtimmergeeignet,dieerforderlichedosierbareSteuerungvonwirtschaftlichenMechanismenjenachSituationunddiebestmöglicheLösungsstrategienkorrektwiderzugeben.
IV. Eckpfeiler einer ökologisch vertretbaren Waldbewirtschaftung in einer Green Economy
„Auf die Bewirtschaftung kommt es an –
Wie viel Holz können ökologisch bewirtschaftete Wälder liefern?“
EingangsstatementLutzFähser,Forstwirt
DieNaturalsMaßstabfürjeglicheWaldnutzungistdieBasisallerÜberlegungen.Je
mehrdieWaldnutzungdennatürlichenProzessenimWaldähnelt,destobesser.LetztendlichistdasnatürlicheLeistungspotentialnichtnurvonWäldernzuakzeptieren.
SuffizienzstattderForderungnachimmermehr.
JenachArtderWaldnutzungwirdeinunterschiedlichhoherHolzertragerreicht.
DabeiistnaturnaheHolzwirtschaftnichtgleichnaturnaherHolzwirtschaft,aberdie
vomBMELValserforderlichangesetzten120Mio.m3/awerdenbeikeinernaturnahen
Wirtschaftsweiseerreicht.Dasbedeutet,dasssichdieZeiträumeindeneneinvormals
naturnaherWalddurchzustarkeNutzungineinennaturfernenWaldüberführtwird
weiterverkürzenundesbestehenwenigerChancenfürdasWaldökosystemsichund
seineHolzvorrätezuerholen.
„Der Wert des Holzes – Nur zur Energiegewinnung viel zu schade!“
EingangsstatementPeterSauerwein,VHI
WieistHolzverantwortungsvollzunutzen?EinwichtigesPrinzipistdieKaskadennutzung:StofflicheNutzunggehtvorenergetischerNutzung.Holzproduktesindwichtige
CO2-Speicher.EineverstärkteKaskadennnutzungwürdeauchzueinerverstärkten
CO2-Speicherungführen.
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Die Nutzung von Waldökosystemen –
Wie viel (Green) Economy verträgt die Biosphäre?
DerzeitwirdnachdemEEGgefördert,dassHolz,dasstofflichverwertetwerden
könntedirektenergetischgenutztwird.GleichzeitigspülenhoheHolzpreiseGeldin
dieleerenKassenderKommunen.Dasentsprichtnichteinerverantwortungsvollen
NutzungvonHolzalswertvollemRohstoff.
„Alles hat seinen Preis! – Wie groß ist der Holzbedarf für die energetische
Holznutzung einer Green Economy?“
InputHeikoStubner,BEE
EsgibtökologischeGrenzen,dieeinzuhaltensind-auchbeiderUmsetzungder
Energiewende.WenneskeinesimplenLösungengibt,sindletztendlichgesellschaftlicheInteressenabzuwägen.LetztlichwerdenganzpraktischEntscheidungen
getroffenwerden:NutzeichFlächenzurEnergiegewinnungoderzumBeispielzur
Nahrungsmittel¬produktion?WenndieEntscheidungzuGunstenderEnergieerzeugungfällt–fürSolarparksoderfürHolzplantagen?EsgehtumdieAbwägungvon
Konflikten.WasistunswichtigerWindenergieoderWaldschutz?UndwennEntscheidungengefälltwurden,müssenanderegesellschaftlicheInteressenzurückstehen.
100%ErneuerbareEnergien?DazubenötigtmanRessourcen,WaldflächenundintensiveBewirtschaftung.SchlimmstenfallswerdenWälderwegenderdarunterliegenden
Ressourcenzerstört.
EsistwichtigstattinGrabenkämpfeninOptionenzudenken:Jazu100%Erneuerbare
Energien,aberwennintensiveHolznutzungzugroßeProblemeverursacht,dannmüssenAlternativenaktivgesuchtwerdenundaufeinenausgeglichenenMixgeachtet
werden.
AußerdemmüssenpolitischeMaßnahmenwieeineSteigerungderEffizienzimGebäudesektorpolitischangegangenwerden,umKonflikteanandererStellezuentschärfen–auchwennsie„unsexy“undschwervermittelbarsind.
„Schützen bedeutet Nutzen! – Ökosystemleistungen des Waldes sind
insbesondere für den Klimaschutz unersetzlich!“
GünterMitlacher,WWF
WäldersindnichtnurRohstofflieferantfürHolzprodukteoderzurenergetischen
Nutzung,sondernerbringendarüberhinausvielfältigeökologischeLeistungenund
FunktionenfürdieGesellschaft.DieÖkosystemleistungenvonWäldernumfassen
z.B.Kohlenstoffbindung,Erosionsschutz,WasserrückhaltungundGrundwasserregenerationsowieLebensraumfürwildlebendeTiereundPflanzen.DurchdieStudiezur
ÖkonomievonÖkosystemenundBiodiversität(TEEB–TheEconomicsofEcosystems
andBiodiversity)wirdderBlickaufdieökonomischeBedeutungvonÖkosystemleistungenfürdieGesellschaftgerichtet.Momentanistdiesbesondersrelevantinder
Klimaschutzdiskussion,denndieEntwaldungträgtglobalzurund15-20%zudenCO2Emissionenbei.
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Die Nutzung von Waldökosystemen –
Wie viel (Green) Economy verträgt die Biosphäre?
Darausfolgt,dasseinerseitsgroßflächigeWaldkomplexe,insbesondereUrwälder
indentropischenRegionen,erhaltenundvoreinerweiterenEntwaldunggeschützt
werdenmüssen.AusKlimaschutzgründenmussdieEntwaldungdrastischreduziert
undbis2020gestopptwerden.MitdemSchutzdieserUrwälderwerdengroßeMengenanKohlenstoffgespeichertundgleichzeitigdiegefährdetebiologischerVielfalt
gesichert.AndererseitsmüssendegradierteoderverwüsteteWaldgebietewieder
renaturiertwerden,umdieWald-undHolzflächezuvermehrenundneueKohlenstoffspeicherindennächstenJahrzehntenwiederaufzubauen.Bis2010sollenlautStrategischemPlanderKonventionüberbiologischeVielfalt15%degradierterÖkosysteme
renaturiertwerdenunddazuzähleninsbesondereWaldflächen.Dieswäresowohlein
ökologischeralsaucheingroßerökonomischerVorteilundeinwichtigerBeitragzu
einerGreenEconomy.
Zusammenfassung der Schwerpunkte und der Diskussionsrunde mit
Günter Mitlacher,(WWF), Heiko Stubner (BEE), Peter Sauerwein (VHI) und
Lutz Fähser (Forstwirt)
KonsequenteEntscheidungenkönntenauchbedeuten:Stattallesaufdie„Karte“
Holzverwertungzusetzen,ließesichdieEnergiewendeauchverwirklichen,wenn
mandieKlima-undEnergiebilanzdesVerkehrssektorsangehenwürde.Holzbietetin
dieserHinsichtkeinenAusweg.
EsmussauchstrenggeschützteWaldgebietegeben,dieeinenWertansichhabenund
nichtfürdennächstenPlaneinesPumpspeicherwerkessofortgeopfertwerden.Die
CO2-SpeicherfähigkeitalterWäldergehtmitihrerhohenBiodiversitäteinher.
WaldistdarüberhinausimSinnederÖkosystemleistungenauchjenseitsseines
Holzbestandesein„Rohstofflieferant“.MehrHolzließesichauchdurchAufforstungen
erreichen.DieAufforstungdieserFlächenfindetnichtstatt,weilesz.B.durchSubventionenoderdurchProjektunterstützungderGIZlukrativeristanandererStelle
Kurzumtriebsplantagenzubewirtschaften.
DabeikönntegeradedieAufforstungdegradierterFlächennichtnureinökologischer
Gewinn,sondernvorallemaucheingroßersozioökonomischerGewinnsein.
AuchdieFSC-ZertifizierungvonHolzwurdeintensivdiskutiert:Wohersolldergroße
BedarfanFSC-zertifiziertenHolzfürdiestofflicheNutzungineinerGreenEconomy
kommen?WielassensicheinehoheProduktivitätinderHolzgewinnungundgroßflächigeFSC-zertifizierteWaldflächenineinerGreenEconomyvereinbaren?
DieHolzmenge,dieausFSC-zertifiziertenWälderngewonnenwerdenkönnen,liegtin
Deutschlandnochnichtbeidenwünschenswerten80Mio.m3/a,istaberaufeinem
gutenWegdorthin.DiesliegtnichtzuletztaneinerzunehmendenUnterstützung
seitensderPolitik.
AuchdieSubstitutionenergieintensiverProduktewurdealsmöglicheTeil-Lösung
angesprochen,dieökologischeundCO2-Einsparzielemiteinanderverbindenkann.
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Die Nutzung von Waldökosystemen –
Wie viel (Green) Economy verträgt die Biosphäre?
AußerdemkamdieKritikauf,dassinsbesondereinDeutschlanddieRechnungimmer
Energiewende=Wind+Solarlautet.EnergieeinsparungenbeiderGebäudesanierung
hingegenbleibenungenutzt.
Außerdemwurdeangeregt,dassvermehrtüberbisherigeDenkmusterhinausgedachtwerdenmuss:EsgibtnebenWind-undSolarenergieeinenBedarfEnergieaus
Biomassezudecken?WarumnichtBiogasgewinnen?Warumnicht„Biogas“durch
nichtaktuellbenötigteWindenergiegewinnen,als„Speicher“?
AuchdieseDiskussionliefamEndeaufdieEinsichthinaus,dassesohneeineBegrenzungdesWachstumsnichtgehenwird,wennnichtZiele,wieArten-undBiotopschutz
geopfertwerdensollen.
Oderandersgesagt,EnergiewendeheißtnichtnurdenStromversorgerwechseln,
sondernauch:FSC-Produktekaufen,AluminiumproduktedurchHolzoderZellstoffproduktezuersetzen,sichkeinePelletheizungenanzuschaffen,denWaldalsErholungsgebietzunutzenundzuschätzen,ineinekleinerWohnungzuziehenundauchmal
Dingezulernenwiez.B.Käferzubestimmen,umsichstärkermitdemLebensraum
Waldidentifizierenzukönnen.
Gesamtfazit der Veranstaltung
> Nachhaltigkeit und Konsum
EinunnachhaltighohesVerbrauchsniveaulässtsichnichtaufeinenachhaltigeArt
undWeisedecken.
> Ökologische Leitplanken
AuchzurBewahrungderlangfristigenökonomischenGrundlagensinddieökologischenGrenzenderNutzungvonÖkosystemeneinzuhalten.
> Optionen zum Schutz von Biodiversität
WichtigeOptionenzumSchutzderBiodiversitätsinddieAusweitungderSchutzgebiete;Landwirtschaft,dienichtnuramfinanziellenGewinnundökologischen
Zielwerten,sondernauchaneffizienterBereitstellungvonNahrung,dortwosie
benötigtwird,gemessenwird;KonsumbeschränkungeninreichenLändern/bei
reichenBevölkerungsteilenzumBeispieldurchfleischloseundfleischarmeErnährungsweise;sowiedieRenaturierungvondegradiertenFlächen.
> Sektorale Lösungsansätze
BeiLösungsansätzennureinenTeilbereichkomplexerProblemeinBetrachtziehen,
führtzueinerVerschlimmerungandererProblemeundistnichtakzeptabel.
> Soziale Dimension
DiesozialeDimensionvonökologischenProblemenunddiesozialenAuswirkungenvonLösungsstrategienökologischerProblemewirdnochimmerunterschätzt.
Insbesonderesozial-ökonomischeRealitätenhabenstarkenEinflussauchauf
ökologischeProbl
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Dieser Workshop fand im Rahmen des vom Umweltbundesamt
(UBA)mitMittelndesBundesministeriumsfürUmwelt,Naturschutz
und Reaktorsicherheit (BMU) geförderten Projekts des Forum Umwelt&Entwicklung„Rio+20-Vorbereitung“statt.
DieVerantwortung für den Inhalt dieserVeröffentlichung liegt bei
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