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GEWINNUNG Eine Großbohrlochsprengung wie aus dem Lehrbuch

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GEWINNUNG
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DEUTSCHES BAUBLATT
Nr. 364, September/Oktober 2012
Eine Großbohrlochsprengung wie aus dem Lehrbuch
Mit 10 300 Kilogramm Sprengstoff werden am Basaltwerk Billstein 78 000 Tonnen Rohstoff gelöst
FULDA, EHRENBERG (SR). Sie ist fester Bestandteil der Arbeiten, die in
einem Steinbruch der Größe des Basaltwerks Billstein bei Ehrenberg in der
Rhön anfallen: die Großbohrlochsprengung. Anfang Juli war es so weit, als
Sprengmeister Alois Spiegel wieder die Zündmaschine betätigte. Eine Reporterin des Deutschen Baublatts war in sicherem Abstand mit dabei, um sich vom
Sprengergebnis in Höhe von 78 000 Tonnen Gestein zu überzeugen. Sie werden
von dem Steinbruch, der zu der Franz Carl Nüdling Basaltwerke GmbH + Co.
KG gehört, verladen und innerhalb von wenigen Wochen zu Splitten und Edelsplitten für den Straßenbau und die Betonproduktion verarbeitet.
Vor der Sprengung wurden die Baumaschinen in sichere Entfernung gebracht.
Auch wenn eine Großbohrlochsprengung
ein bis zweimal im Monat am Billstein ansteht, wäre es fatal, würde sie Routine werden. Schließlich geht es um hochexplosiven
Sprengstoff. Mit der nötigen Akribie trafen
Sprengmeister Alois Spiegel und Sprengberechtigter Rainer Kerber, der am Billstein
zuständige Geschäftsbereichsleiter Technik
und Handlungsbevollmächtigte, zusammen mit einem Team von Sprenghelfern
die nötigen Vorbereitungen. Diesmal fand
die Gewinnungssprengung auf der zweiten Tiefsohle statt. Dazu wurden vorab im
Abstand von 4,50 Meter 64 Bohrlöcher
in das Basaltgestein getrieben. „Für unsere
Verhältnisse haben wir es hier schon mit
einer vergleichsweise großen Sprengung zu
tun“, machte Rainer Kerber deutlich. Bis
zur Sprengung mussten am Billstein umfassende Vorarbeiten erledigt werden. Dabei
zeigte sich schon beim Herstellen der Bohrlöcher, dass erfahrene Sprengprofis mit Unwägbarkeiten umgehen müssen.
Steinflug vermeiden
Mit dem eingesetzten Bohrgerät lassen sich
Löcher in bis zu 36 Metern Tiefe bohren,
doch ganz so tief muss man am Billstein
gar nicht gehen – die Wandhöhe beträgt
23 Meter, dementsprechend liegt die Bohrlochlänge bei 24,50 Metern. In einem
Winkel von 70 Grad wurde der Bohrer
angesetzt. Noch in den ersten zwei Metern
kann die Bohrlafette nachjustiert werden,
um die Bohrgenauigkeit zu erhöhen. Bis
dahin sind Korrekturen möglich – tiefer
nicht mehr. Wie das Bohrloch verläuft,
kann die Sprengung und deren Ergebnis erheblich beeinflussen. Kommt es zu Abweichungen, steigt die Gefahr von Steinflug
- und den gilt es unter allen Umständen zu
verhindern.
Beeinträchtigungen ergeben sich etwa bei
Neigungsfehlern, wenn der Bohrverlauf
nach vorne und hinten abweicht, wenn das
Bohrloch nicht bis ganz nach unten reicht
oder wenn das Bohrloch aus der Wand
kommt. Bohrlöcher gelten als verloren,
wenn sie nicht mehr offen sind. Alles in
allem hatten die Bohrlöcher für die anstehende Großbohrlochsprengung das ganze
Programm an solchen Abweichungen aufzuweisen. „Das macht die Sprengung umso
spannender. Denn umso mehr kommt es
auf die richtige Dosierung des Sprengstoffs
an, die Alois Spiegel festlegen muss. Dazu
ist viel Erfahrung nötig“, so Kerber. Erfahrung hat sein Sprengmeister in 30 Jahren
reichlich gesammelt. Doch jede Sprengung
ist anders.
Darum musste Bohrloch für Bohrloch penibel überprüft werden. Den Verlauf der
Bohrlöcher hatte Sprengingenieur Joachim
Goldhahn von der Firma Maxam vermessen. So wurde etwa festgestellt, ob sich
beim Bohren Hohlräume gebildet hatten.
Sprengmeister Alois Spiegel nahm Maß
von der Tiefe und Neigung der Bohrlöcher,
um die Lademenge zu bestimmen. Auf was
er achten muss, ist der Wasserstand in den
Bohrlöchern. Zuvor gab es heftige Niederschläge, was den Verlauf der Sprengung zusätzlich erschwerte.
Während im feuchten Bereich in die
Löcher Sprengstoff-Patronen eingefüllt
wurden, wurde im oberen Bereich loses
Granulat eingesetzt. Gesprengt wurde am
Billstein – wie immer – mit einer redundanten Zündung. Das bedeutete, dass im
Bohrloch zwei Zünder vorhanden sind.
Die Sprengung wird mit Zeitverzögerung
und jeweils vier Bohrlöchern pro Zeitstufe gezündet. Zuerst wurde die Fußladung
gezündet. Dafür musste der Sprengstoff
hohe Energie freisetzen, um das Haufwerk
nach vorn zu drücken. Bei der Oberladung,
deren Zündung 20 Millisekunden später erfolgte, war weitaus weniger Energie
vonnöten. Aufgabe von Alois Spiegel war
es, nicht nur die Sprengstoffmenge zu definieren, sondern auch die Reihenfolge der
Zündung festzulegen, von welcher Seite
aus, die Sprengung ihren Verlauf nimmt.
Die durchgeführte Großbohrlochsprengung erfolgte von rechts nach links.
Zündung bei null
Der Sprengstoff wurde am Tag der Sprengung um fünf Uhr morgens angeliefert
und direkt in die Bohrlöcher gepumpt –
in Summe waren es 10 300 Kilogramm.
Der von Spiegel und Kerber ausgearbeitete
Sprengplan sah vor, dass die Schlagpatrone
mit Zünder und Sprengschnur versehen,
die Verbindung zu den Bohrlöchern hergestellt und die Zünder installiert wurde.
Um zu prüfen, dass die Verbindung nicht
unterbrochen war, wurde der Widerstand
der Zünder gemessen. Bei einer Unterbre-
Die Sprengung in Zeitlupe.
Auf Zeichen des Sprengmeisters machen sich die Baumaschinen an die Arbeit.
chung hätte der Sprengmeister die Fehlerquelle suchen müssen, was den Ablauf
verzögerte hätte. Doch das war nicht der
Fall. So konnte wie geplant um zwei Uhr
nachmittags die Sprengung eingeläutet
werden. Dazu wurden die zur Gewinnung
des Basalts eingesetzten Baumaschinen in
sicherem Abstand geparkt. Die Sprenghelfer nahmen ihre Position ein und sicherten
den Zugang zum Steinbruch, damit sich
niemand mehr der Gefahrenstelle nähern
konnte. Von einem Schutzbunker aus 300
Metern Entfernung durfte die Reporterin
die Sprengung verfolgen. Bevor Spiegel die
Fotos: Zeppelin
Sprengung einläutete, ertönte ein Signalhorn. Das signalisierte den Mitarbeitern
des Basaltwerks am Billstein: noch fünf Minuten. Darauf erschallte das zweite Signal.
Der Sprengmeister hatte vorab mitgeteilt,
dass er dann von fünf auf null herunterzählen würde. Bei null wollte er zünden. Und
genau das tat er dann auch.
Bevor die Schallwellen das menschliche
Ohr erreichten, war zuerst eine weiße
Staubwolke zu sehen. Zwischen der Staubwolke hindurch konnte man erkennen, wie
das Gestein wie bei einem Wasserfall aus
der Wand nach unten stürzte. Dann erst
wurde ein dumpfer Knall vernommen. Als
sich der Staub verzogen hatte, gab Spiegel
das Signal zur Entwarnung. Schon eilte er
zum gelösten Gestein, um das Ergebnis der
Sprengung in Augenschein zu nehmen.
„Ich hätte nicht gedacht, dass das Haufwerk so gut daliegt. Besser geht es nicht“,
bewertete Alois Spiegel die Lage. Auf sein
Zeichen hin rückten die Baumaschinen an,
wie ein Cat Tieflöffelbagger 374D, der sich
an die Arbeit machte, das gewonnene Material auf einen Muldenkipper vom Typ Cat
775G zu verladen.
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Seele and Geist
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