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12.10.2007 Bildung als Ressource! - offen für alle! - Wie es einem

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12.10.2007
Bildung als Ressource!
- offen für alle! Wie es einem Fachsymposium gelingt, Wort zu halten.
Zwei Tage und ein großer Topf aus Kunst, Reflexion, wohnen, leben, zur Schule gehen,
einkaufen und staunen: Bildung über den Hinterhof.
Sollte Kunst und Kultur tatsächlich ein von der großen Mehrheit ungenutztes Terrain
sein, bringen wir sie dort hin, wo sie hin gehört. Das inzwischen vierte landesweite
Fachsymposium der Kinder- und Jugendkunstschulen platzierte sich im Hochhausbereich des Würzburger Heuchelhofes. Das war zunächst Idee, Anspruch und Ausgang
der Planungen. Nicht immer gelingt ein solches Experiment. Altweibersommer, 300
Kinder, 70 Fachleute, profunde Referenten und nicht gezählte Väter, Mütter, Großmütter, Zuschauer, Interessierte, Passanten, Kunstliebhaber und Skeptiker trugen am
ersten Oktoberwochenende zum Gelingen bei.
Sichtbar sind zum Beispiel einfach nur Fahnen, die über die Wege gespannt sind. Sie
sind beinahe sinnbildlich für das, was hier für kurze Zeit im Stadtteil passiert ist: Denn,
um Fahnen aufzuhängen, muss man an Türen klingeln, Bewohner einweihen und die
Erlaubnis erhalten, durch ihre Wohnungen zum Balkongeländer zu gehen. Ist das (eine)
Kunst?
Der Stadtteil Heuchelhof ist in den 60er Jahren auf dem Reißbrett entstanden. Er ist
eine Trabantenstadt. Heute leben hier Menschen aus 40 Nationen.
Der Stadtteil hat in seiner internen Struktur erstaunlich überlebt und ist im wahrsten
Sinn des Wortes ein öffentlicher Raum: Über einen Aktivtag , über einen ProjekteParcours und über zwei im Stadtteil verteilte Tagungsorte war die Bildungsmesse mit
dem Leben im Stadtteil verzahnt.
Es geht um Kinder, es geht um alle Kinder, es geht um Bildung, es geht um Kunst - und
es geht um Zukunft - als Praxis und nicht als Vision. Bildung verschafft Zugang zum
Arbeitsmarkt, sie verschafft Zugang zum Gemeinwesen überhaupt. Sie ermöglicht
Teilhabe und Gestaltung.
Was im Heuchelhof an einem geballten Wochenende geschah, hat mit ganz
Bayern zu tun.
Der Auftrag kultureller Bildung rückt sichtbar und notwendigerweise aus einem rein
schulischen Kontext heraus. Zu deutlich ist die Erkenntnis, dass sich Lernen und
Bildung im hohen Maß im informellen Raum ereignet (und außerdem lebenslang!) und
dass hier gesellschaftliche Verantwortung für gerechte Teilhabe liegt. Vertreter aus
Kommune, Landkreis und Bezirk, vom Städtetag und vom Landesministerium machten
deutlich, dass sie sich in eben diesem Auftrag verstehen.
400 Kinder- und Jugendkunstschulen gibt es bundesweit. Bayern schneidet da mit 40
Einrichtungen ganz gut ab - vor allem vor dem Hintergrund, dass es sich meist um
freie, eigenfinanzierte Träger handelt: sie sind stark - vor allem im Seiltanzen ohne Netz,
so Mechthild Eickhoff vom Bundesverband Kinder- und Jugendkunstschulen / BJKE.
Erkennt man Kunst und Kultur als ein Wesenselement der menschlichen Gesellschaft,
braucht es keine Begründung. Aber: Kunst braucht Publikum. Und wie entsteht Publikum?
Dr. Dieter Rossmeissl, der Vorsitzende des Kulturausschusses des bayerischen
Städtetages, formulierte gerade hier die Notwendigkeit, einzugreifen und maßgebliche
Rahmenbedingungen zu schaffen. Soziale Vernetzung, Ganztagsschule, Staats, Stadt-,
Bildungs-, Kultur- und nicht zuletzt Finanzpolitik sind im Fokus! Gönnen wir uns hier
einen Blick über die Landesgrenzen hinweg: Das Landesprogramm Kultur und Schule in
Nordrhein-Westfalen zeigt sowohl einen inhaltlichen Anspruch und in der Bereitstellung von Ressourcen auch politischen Willen.
Das macht Sinn und das macht Appetit!
Haben Sie jetzt noch Lust auf mehr?!
Zum Beispiel auf die Projekte, die aus ganz Bayern zum Thema Natur und Konstruktion
angereist waren oder zum Beispiel einfach nur auf Luft - und was man damit machen
kann?: einen fliegenden Teppich, eine Orgelsäule, einen Pneu-Haufen, eine
Einkaufstütenorgel, die Quadratur eines Schlauchs und aus all dem ein außergewöhnliches Museum! - oder die Luft-Blas-Trötmaschine, die schließlich auf einem
Handkarren durch die Hochhaussiedlung gezogen wurde. Luft kann man erleben und
sichtbar machen. Und Lernen heißt erleben. Wilhelm Koch war einer der Referenten
für die Spezialisten aus der Kulturpädagogik. Er ist Mediendesigner, Künstler,
Museumsleiter und Kurator.
Laterales Denken heißt, auf Umwegen denken. Helmut Broichhagen wusste von der
Technik, den geraden Weg zu verlassen und Irrungen zuzulassen oder gar zu
provozieren: das sind künstlerische Wege und es sind Bildungswege.
Andre Wülfing hat ein Förderprogramm für ausbildungslose Jugendliche gegründet, das
inzwischen Vorbild für ähnliche Initiativen an anderen Theaterhäusern ist. !Stage, das
sind 10 Monate Unterricht und Arbeit am Consol Theater in Gelsenkirchen - das sind
10 Monate Kunst und ein Sprungbrett in ein eigenverantwortliches Leben.
(www.consoltheater.de / zu !Stage)
Wie macht sich das im Heuchelhof?
Ermöglicht wurde die Praxis mit den Kindern und Jugendlichen und das Symposium
durch Mittel aus dem Fonds Soziokultur, Zuschüsse aus den Referaten der Stadt
Würzburg und Mittel aus dem Bezirk Unterfranken und dem Bezirk Oberbayern.
Veranstalter sind die Landesarbeitsgemeinschaft Spiel und Kulturelle Jugendbildung und
die Kinder- und Jugendkunstwerkstatt vor Ort, die JuKuKarawane .
Ohne die inhaltlich und personell großzügige Unterstützung durch die städtischen
MitarbeiterInnen und KollegInnen vom Projekt Soziale Stadt im Quartier wäre die
Integration in den Stadtteil kaum so gelungen!
Wir freuen uns über Ihr Interesse!
Mit freundlichem Gruß - für das gesamte Team
Katharina Steppe
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Kunst und Fotos
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