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1 Mein Weg in ein Leben wie ich es mir wünsche - SPZ Remscheid

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SPZ-Nachrichten 2. Ausgabe August 2014
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Mein Weg in ein Leben
wie ich es mir wünsche
und wie mir das SPZ dabei geholfen hat
Von Michael Neubert
Nach einer neunmonatigen stationären Behandlung
in Bad Berleburg wurden meine vielfältigen Probleme, die mich von Kind auf beschäftigen und mir immer wieder Knüppel zwischen die Beine warfen, mit
der Diagnose ADHS erklärt. Spätestens da wurde mir
klar, wie schwierig es werden würde, mir meinen
Wunsch nach einem „normalen“ Leben zu erfüllen.
Nach meiner Entlassung aus der Klinik haben sich
meine Mutter und ich ans SPZ Remscheid gewandt,
da wir dringend Hilfe brauchten. Vor allen Dingen ich.
Ich bekam nichts selber geregelt. Egal ob ich meine
kleine Wohnung gemütlich halten, mit meinen Eltern
eine vernünftige Beziehung haben, mit meinem Geld
klar kommen, endlich ein paar Leute (Freunde?) kennen lernen, eine berufliche Zukunft planen oder mit
den Beeinträchtigungen meiner Erkrankung gut umgehen wollte (große innere Unruhe, konnte mich auf
nichts konzentrieren, konnte mir nichts merken,
konnte nicht von heute auf morgen planen, konnte
schlecht auf Leute zugehen, hatte Schwindelanfälle
bei Stress u.a.), immer hatte ich das Gefühl absolutes
Chaos zu erzeugen. Nichts habe ich durch- oder ausgehalten. Da ich nichts mehr selber geregelt bekam,
brauchte ich ständig Hilfe, was mich noch mehr
durcheinander brachte.
Ambulant Betreutes Wohnen gestellt und bekam vom
SPZ eine Bezugstherapeutin zur Seite gestellt. Am
Anfang war es für mich schwer die Hilfe anzunehmen,
warum weiß ich selber nicht. Ich glaube, ich habe es
meiner Bezugstherapeutin sehr schwer gemacht und
immer mehr Chaos verursacht. Warum weiß ich bis
heute nicht. Zum Beispiel konnte mich nicht an Absprachen oder Termine halten. Ich ließ mich zu viel
von Leuten beeinflussen, von denen ich glaubte, es
wären meine Freunde, bei denen es sich aber nach
einer kurzen Zeit rausstellte, dass es falsche Freunde
Inhalt:
Mein Weg in ein Leben
wie ich es mir wünsche
von Michael Neubert
1-3
Das Jahr 2013 – SPZ in Zahlen
von Willi Vögeli
3
Mittagstisch
der Cafeteriagruppe im Café Elling
von Melanie Blank
6
Café Elling Team –
Empowerment at its best
von Andrea Orf
6
Der Schrebergarten des SPZ –
Ganz normal und doch etwas
ganz Besonderes
von Simone Ortwein
7
Auswertung der Nutzerbefragung 2013
von Heidi Isik
8
„Seelisch fit in der Schule“ – raus gehen
und das Tabu brechen
von Simone Ortwein
9
Fitforlife – in der Gruppe lernen, sich
mehr zu trauen
von R. Baumgardt, Ramona Blank
und Willi Vögeli
10
Integriertes Psychologisches Therapieprogramm
für Menschen mit schizophrener Erkrankung – IPT
ein Angebot der Tagesstätte
von Willi Vögeli
Ein neuer Bus für Ausflüge und mehr
11
Impressum
11
Erste Remscheider Wochen
der seelischen Gesundheit
12
Der mit der Stones-Zunge bin ich
Im November 2008, ich war gerade mal 22 Jahre alt,
habe ich mit Unterstützung des SPZ einen Antrag auf
1
Einkäufe nicht richtig strukturiert bekommen habe.
Später habe ich mit Unterstützung meiner Bezugstherapeutin noch eine gesetzliche Betreuerin ins Boot
geholt, da ich dringend Hilfe bei meinen finanziellen
Schwierigkeiten brauchte, weil ich immer wieder
unabsichtlich neue Baustellen aufmachte ohne eine
andere abzuschließen und dadurch ich immer mehr
Chaos verursachte.
2
Liebe Leserinnen und Leser,
ein wichtiger Baustein bei der Entwicklung und Sicherung
von Qualität in der Arbeit des Sozialpsychiatrischen Zentrums ist die Antwort auf die Frage nach der Wirkung dessen was wir tun. Helfen unsere Angebote den Nutzerinnen
und Nutzern wirklich, oder sind es – wie uns einige psychiatriekritische Aktivisten immer mal wieder vorwerfen - nur
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Sozialarbeiter, Krankenschwestern, Ergotherapeuten, Heilerziehungspfleger
oder Hauswirtschaftskräfte. Verschiedene Beiträge in
diesem Heft, nicht zuletzt die Ergebnisse der Nutzerbefragung 2013, belegen eindrucksvoll, dass ersteres der Fall
ist.
Gerade aber die Ergebnisse der Nutzerbefragung zeigen
uns, dass wir uns nie ganz zufrieden geben dürfen. Aus
dem einen oder anderen Ergebnis ergeben sich immer
wieder Hinweise darauf, was wir noch besser machen
können. Im Rahmen unseres Qualitätsmanagementverfahrens ProPsychiatrieQualität nehmen wir diese Anregungen auf und diskutieren Vorschläge, wie wir einzelne
Ideen umsetzen können.
Wir wünschen allen NutzerInnen, MitarbeiterInnen,
Helfern und FreundInnen des SPZ noch einen tollen
Spätsommer.
Willi Vögeli
Werner Mütherig
Geschäftsführung
….Mein Weg in ein Leben… Fortsetzung
waren. Oft wusste ich gar nicht ob das alles so richtig
war, wie ich mich verhielt.
Am Anfang hatte ich regelmäßige Gespräche und
bekam Hilfe bei dem ganzen Behördenkram, bei der
Klärung meiner Behandlung (Medikamente) und beim
Umgang mit Geld. Später, als ich es zulassen konnte,
bekam ich auch Unterstützung bei mir zuhause in
meiner Wohnung, da ich selber immer ein absolutes
Chaos hatte und von alleine den Haushalt und die
Durch die jeweilige Unterstützung bekam ich nach
und nach Ordnung in mein Chaos. Heute übersehe ich
auch schon mal was, aber im Großen und Ganzen
habe ich meinen Alltag im Griff. Inzwischen habe ich
auch einen kleinen Freundeskreis und bin Mitglied in
einem Verein für Bogenschießen.
Vor meiner stationären Behandlung in Bad Berleburg
habe ich eine Ausbildung zum Koch angefangen, die
ich aber nach 1 Jahr abbrechen musste, da ich psychosomatisch am Ende war. Zu dem Zeitpunkt waren
bei mir keine Diagnosen bekannt und keiner wusste,
was mit mir los ist. Vor allem ich selbst wusste es
nicht.
Zu Beginn der Unterstützung durch das SPZ Remscheid befand ich mich in einer arbeitstherapeutischen Maßnahme (LT 24) in der psychiatrischen Klinik
der evangelischen Stiftung Tannenhof Remscheid, da
es immer mein Wunsch war arbeiten zu gehen. Die
regelmäßige Teilnahme fiel mir schwer. Ich konnte
mich nicht immer aufraffen dahin zu fahren oder
telefonisch Bescheid zu geben, dass es mir nicht gut
ging. Dadurch fiel es mir aber immer schwerer hinzufahren. Dann habe ich erfahren, dass das SPZ Remscheid auch eine LT 24 Maßnahme eröffnen will. Ich
habe mich sofort dafür bereit erklärt dahin zu wollen,
um auch beim Aufbau der Werkstatt zu helfen. Mit
dem Ergotherapeuten und anderen Klienten zusammen haben wir die Werkstatt eingerichtet, Regale
aufgebaut und die Räume gestrichen. Wir wurden
dann in der Werkstatt beschäftigt um eine Tagesstrukturierung zu haben. Am Anfang war es langweilig
aber man hatte was zu tun. Nachdem dann aber Arbeitsaufträge von anderen Firmen dazu kamen,
machte die Arbeit im LT24 Spaß und ich bin dann
gerne dahin gegangen.
Nach einer langen und regelmäßigen Teilnahme an
der Arbeit im LT 24, inzwischen arbeitete ich von
Montag bis Freitag 6 Stunden, kam 2011 der Vorschlag von meiner Bezugstherapeutin und dem Ergotherapeuten ich könne mich ja mal in einem Praktikum versuchen. Mit großer Begeisterung nahm ich
den Vorschlag an, da ich langsam das Gefühl hatte, es
gehe nicht mehr weiter und dreht sich trotz der für
mich großen Vorschritte (von hin und wieder mal
ankommen auf 5 x 6 Stunden) immer nur im Kreis.
Daraufhin habe ich mich mit Begeisterung auf die
Suche nach einer Firma gemacht, bei der ich ein Betriebspraktikum machen könnte. Mein erstes 6 wöchiges Praktikum war bei der Firma Keiper. Das habe
ich gut durchgehalten und mit sehr guten Rückmel-
SPZ-Nachrichten 2. Ausgabe August 2014
dungen beendet. Ein wenig später erfolgte ein Betriebspraktikum bei der Firma ASRE. Danach setzte
sich mein Ergotherapeut mit der Rentenkasse in Verbindung und wir bekamen einen Gesprächstermin. In
dem Gespräch versuchten wir eine Lösung zu finden,
wie ich trotz meiner Handicaps eine Arbeit finden
bzw. eine Ausbildung machen kann. Der Vorschlag
des Reha-Beraters war, eine berufliche RehaMaßnahme – REHALOG, bei der Dekra Akademie in
Wuppertal auszuprobieren.
Von Mai 2012- Mai 2013 nahm ich an der Maßnahme
teil. Am Anfang war es etwas problematisch für mich,
da ich mich auf einen komplett anderen - weil anstrengender und viel länger - Tagesablauf einstellen
musste. Aber ich habe es geschafft. In der Dekra
durchlief ich 3 Bereiche. Angefangen habe ich einer
klein besetzten Klasse, in der noch mal etwas Schulstoff durchgegangen wurde. In der Phase habe ich, da
ich bei einigen Aufgabenstellungen aufgrund meines
geringen Schulwissens noch starke Probleme hatte,
auch des Öfteren ans Aufgeben gedacht. Der starke
Zusammenhalt und die Unterstützung meiner Klasse,
die regelmäßigen begleitenden Gespräche meines
Bezugstherapeuten bei der Dekra und die regelmäßigen Gespräche mit meiner Bezugstherapeutin beim
SPZ haben mich immer wieder aufgebaut. Nach 4
Monaten wechselte ich in die hauseigene Werkstatt,
in der ich mehrere Werkstücke selbständig aus Holz
gefertigt habe. Nach weiteren 3 Monaten wechselte
ich in das sogenannte Lerncenter, wo ich mehrere
Computerkurse mir großem Erfolg beendet habe.
«Recovery ist ein zutiefst persönlicher, einzigartiger Veränderungsprozess der Haltung,
Werte, Gefühle, Ziele, Fertigkeiten und Rollen. Es ist ein Weg, um trotz der durch die
psychische Krankheit verursachten Einschränkungen ein befriedigendes, hoffnungsvolles und konstruktives Leben zu leben. Recovery beinhaltet die Entwicklung
eines neuen Sinns und einer neuen Aufgabe
im Leben, während man gleichzeitig über die
katastrophalen Auswirkungen von psychischer Krankheit hinauswächst.» William
Anthony (1993)
Darauf begann die sogenannte Praktikumsphase, mit
dem Ziel, direkt im Praktikum von einem Betrieb
übernommen zu werden. Ich begann selbständig
Praktika zu suchen. Zuerst habe ich mit großer Zufriedenheit und guten Rückmeldungen ein Praktikum bei
der Firma Cimco in Remscheid absolviert, aber leider
bestand da keine Möglichkeit eingestellt zu werden.
Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt bei der Dekra
absolvierte ich dann ein Praktikum bei der Firma
Bernstein in Remscheid, was ich auch mit großem Lob
beendet habe. Aber leider gab es aufgrund einer
Betriebsverkleinerung wieder keine Möglichkeit zur
Einstellung. Etwas später absolvierte ich bei der Firma
Bauer und Böcker in Remscheid ein weiteres 4 wöchiges Praktikum, was aufgrund der Zufriedenheit meiner Vorgesetzten auf 8 Wochen verlängert wurde. Da
man sich wegen einer Anstellung noch beraten wollte, die Dekra Maßnahme aber zu Ende war, bin ich
erst mal zurück in den LT24 des SPZ gegangen. Dieses
Mal in die Küche, da mein Wunschberuf immer noch
Koch ist. Kurze Zeit später meldete sich die Firma
Bauer und Böcker bei mir und teilte mir mit, sie wollen mir eine Chance geben und mir, trotz meiner
Handicaps, erst mal einen 3 monatigen Vertrag auf
400 Euro anbieten, der sich nach den 3 Monaten auf
unbefristet verlängert. Ich bin immer noch dort tätig
und sehe optimistisch in die Zukunft. Auch wenn es
mit meinem Wunschberuf Koch bisher nicht geklappt
hat.
Wenn ich jetzt den ganzen Text noch mal durchgehe
und darüber noch mal nachdenke, was alles passiert
ist, bin ich erst einmal sehr stolz auf das was ich geschafft habe und dankbar für die Unterstützung und
die Zusammenarbeit mit meiner Bezugstherapeutin
beim SPZ. Vor 2 Jahren hätte ich selber nicht einmal
im Traum daran gedacht, dass ich das alles schaffen
könnte. Auch wenn der Arbeitsweg am Anfang etwas
problematisch gewesen ist, muss ich doch sagen, dass
ich selber stolz auf meine Leistung bin. Es hat zwar
etwas länger gedauert das einzusehen, aber auch mit
einer psychischen Erkrankung kann man seinen eigenen Weg gehen. Man darf nur nicht aufgeben und
man braucht Leute, die an einen glauben und die
einen unterstützen. An dieser Stelle nochmal ein
großes Dankeschön an das SPZ und vor allem an meine Bezugstherapeutin.
Das Jahr 2013 – SPZ in Zahlen
von Willi Vögeli
Seit 1982 unterstützt das Sozialpsychiatrische Zentrum Remscheider Bürger, die an einer schweren psychischen Erkrankung leiden. Ziel aller Bemühungen ist
es, den Menschen zu helfen, möglichst selbstbestimmt zu leben und am gesellschaftlichen Leben der
Stadt teilnehmen zu können. Selbstbestimmtes Wohnen, sinnvolle Beschäftigung, die Erfahrung gebraucht
und akzeptiert zu werden/nützlich zu sein und (lebens)wichtige soziale Kontakte sind grundlegende
Zielsetzungen für die Arbeit des SPZ.
2013 nutzten wieder rund 600 Remscheider
Bürgerinnen und Bürger die Angebote des
Sozialpsychiatrischen Zentrums
3
Die Möglichkeit verschiedene Hilfen aus einer Hand
zu bekommen ist für viele Menschen mit psychischer
Erkrankung eine große Erleichterung. Wem schon das
Verlassen der Wohnung schwer fällt, dem gelingt es
oft nicht, sich die für ihn notwendigen Hilfen an verschiedenen Stellen zu organisieren.
Beratungsstelle - Altersstruktur 2013
3%
18-25
24%
39%
26-40
41-65
34%
Auch Angehörigen von Remscheidern mit psychischer
Erkrankung bietet das SPZ Rat und Unterstützung an.
65-
Begegnungszentrum Café Elling
4
Mit dem Café Elling bietet das SPZ einen zentral gelegenen Treffpunkt für sonderbare und wunderbare,
außerordentliche und normale, alte und junge, männliche und weibliche Menschen an, wo jeder sein darf
wie er ist. Das „Café Elling“ will kein „normales“ Café
sein, was letztlich auch an den Preisen erkennbar
wird. Knapp 150 Remscheider besuchten 2013 wenigstens einmal in der Woche unsere Gruppen oder
das Café.
Beratungsstelle - Anlässe 2013
Behörden
Finanzen
21%
25%
19%
35%
Beziehungs
probleme
Psychische
Probleme
Tagesstrukt
ur/Freizeit
Das Angebot ist vielfältig:
‡
Offener Cafébetrieb mit täglichem Mittagstisch
‡ Freizeitgruppen: Kegelgruppe, Stammtische, Ausflüge, Aktivitäten für Junggebliebene (ÜAIs),
Filmclub, Kochgruppe, Freizeitgruppe, Nähgruppe,
Kulturtreff u.a.
‡ Therapienahe Gruppen: Fitforlife, PEGASUS, Alltagsgruppe, Gesprächsgruppe, Entspannungsgruppe u.a.
‡ Bewegungsgruppen: Qi Gong, Tanz und Bewegung, Eutonie u.a.
Öffnungszeiten: Montags von 11 – 13 Uhr, dienstags,
mittwochs und donnerstags von 11 – 18 Uhr, freitags
11 – 13 Uhr, unregelmäßig an den anderen Tagen
(siehe Programm).
Beratungsstelle
Auch wenn man noch gar nicht so genau weiß, wie
man das, was einem das Leben so schwer macht,
beschreiben soll, ist das SPZ die richtige Anlaufstelle
für Menschen mit psychischer Erkrankung und deren
Angehörige. 2013 suchten 166 Remscheider Bürger
(90 weiblich / 76 männlich) unsere Beratungsstelle
auf. 270 Gespräche wurden geführt. 15 Ratsuchende
waren Angehörige.
Ambulant betreutes Wohnen
Jede Unterstützung im Ambulanten Betreuten Wohnen hat zum Ziel, den hilfesuchenden Remscheidern
trotz schwerer psychischer Erkrankung ein weitgehend selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen. Die individuelle Unterstützung
wurde von SozialarbeiterInnen, Krankenschwestern,
Hauswirtschafterinnen, Heilerziehungspflegern und
einer Sporttherapeutin erbracht. Schwerpunkte waren auch in 2013 die praktische Unterstützung bei der
Bewältigung des Alltags, Verbesserung des Verständnisses und des Umgangs mit krankheitsbedingten
Einschränkungen und die Unterstützung bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben der Stadt Remscheid. Im Verlaufe des Jahres 2013 betreute das SPZ
134 Remscheider Bürger (88 weiblich/46 männlich).
32 Aufnahmen standen 27 Entlassungen gegenüber.
BeWo - Altersstruktur 2013
4%
19%
18 - 27
18%
28 - 39
25%
34%
40 - 54
55 - 65
65 -
SPZ-Nachrichten 2. Ausgabe August 2014
BeWo . Diagnosen 2013
2%
4%
F1
2%
Tagesstätte - Diagnosen 2013
2%
F2
13%
13%
17%
F2
4%
13%
F3
49%
F1
2%
F3
13%
F4
F5
F4
49%
F5
17%
F6
F6
F7
F7
Diagnoseschlüssel ICD-10
F 0 organ. begr. psych. Störungen
F1 psych. Störungen durch psychotr. Subst.
F2 schizophrene, wahnhafte Störungen
F3 affektive Störungen
F4 neurot., Belastungs- und somatoforme St.
F5 Verhaltensauffälligkeiten mit körperl. St.
F6 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F7 Intelligenzminderung
F8 Entwicklungsstörungen
F9 Verhaltens- und emot. Stö. mit Beg. in Ki und JuAlter
Bei einem Drittel der Remscheider Bürger, die am
Programm der Tagesstätte teilnahmen, waren zwei
und mehr Diagnosen gestellt worden.
Tagesstätte - Altersstruktur 2013
4%
Bei 55 % der Remscheider Bürger, die Ambulant betreutes Wohnen in Anspruch nahmen, waren zwei
und mehr Diagnosen gestellt worden. Jeder Sechste
litt neben einer oder mehr allgemeinpsychiatrischen
Diagnosen auch an einer Suchterkrankung.
18 - 27
17%
28 - 39
33%
40 - 54
46%
55 - 65
65 -
Tagesstätte LT 22
Das tagesstrukturierende Angebot der Tagesstätte LT
22 hat sich auch 2013 gut bewährt. Besonders stabilisierend wirkt es bei psychisch erkrankten Remscheidern, die viel Unterstützung im Sinne enger Begleitung brauchen. Unter anderem mit dem Angebot des
Integrierten psychologischen Therapieprogramms IPT
profiliert sich das Angebot zunehmend mehr zu einem wirksamen Angebot für Remscheider mit schwerer schizophrener Erkrankung.
Das gelingt vor allem auch durch das Angebot kleinerer Gruppen mit höchstens 6 Teilnehmern und der
Gestaltung eines besonders beschützenden Umfeldes.
Allein die regelmäßige Teilnahme führt bei vielen
Teilnehmern schon zu einer deutlichen Stabilisierung
ihres psychischen Befindens. Im Verlauf des Jahres
nahmen 24 Remscheider Bürger (17 weiblich / 7
männlich) teil.
Tagesstrukturierendes Angebot LT 24
Das tagesstrukturierende Angebot des LT 24 bietet
selbstverständlich auch individuelle Betreuung. Bewährt hat sich das Angebot vor allem für psychisch
erkrankte Remscheider, für die mehr eine arbeitsnahe Betätigung und Beschäftigung im Mittelpunkt ihrer
Zukunftsplanung steht. Im Verlauf des Jahres 2013
nahmen 47 Remscheider Bürger (31 weiblich / 16
männlich) an dem Programm teil. 16 Aufnahmen
standen 15 Entlassungen gegenüber.
Zwei Klienten gelang es, ihre Belastbarkeit so zu steigern und zu stabilisieren, dass sie im Rahmen von
Betriebspraktika ihre Erwerbsfähigkeit ausprobieren
konnten.
Die Angebote in der Tagesstätte:
‡ Feste Bezugsperson
‡ Ergotherapeutische Angebote in den Bereichen
Hauswirtschaft, Kreativ und EDV
‡ Gartentherapie (Gemüse- und Blumenanbau,
allgemeine Gartenpflege im Schrebergarten
‡ Integriertes Psychologisches Therapieprogramm
für Menschen mit schizophrener Erkrankung IPT
‡ Konzentrationstraining (Computer oder andere)
‡ Nutzung des Internets und EDV-Grundlagen
‡ lebenspraktisches Training (Einkaufen, Kochen,
Ämter- und Behörden, Orientierungstraining im
Wohngebiet u.a.)
‡ freizeitorientierte Gruppenangebote
LT 24 - Diagnosen 2013
5% 3%
8%
F1
F2
17%
19%
F3
F4
5%
14%
29%
F5
F6
F7
5
LT 24 - Altersstruktur 2013
13%
0%
IFD Aufgabenstruktur 2013
18 - 27
25%
14%
28 - 39
Berufsbegleitung
47%
40 - 54
34%
28%
55 - 65
Beratung
39%
Übergang Schule - Beruf
65 -
6
Ein Klient hat erfolgreich eine berufliche RehaMaßnahme abgeschlossen. Nach Jahren der Grundsicherung steht er wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und hat inzwischen über ein weiteres Praktikum
eine unbefristete Anstellung auf 400 € Basis gefunden
(siehe auch Leitartikel „Mein Weg in ein Leben…)
Inhalte neben der Beratung, Begleitung und Vermittlung am und zum Arbeitsplatz: fachliche Stellungnahmen, Schuldenregulierung, Krisenintervention,
Begleitung von Arbeitsgerichtsverfahren und die
Vermittlung von Informationen zu den Leistungen des
IFD bei Betrieben, WfbMs und Schulen.
Die Angebote im LT 24:
‡ Werkstattbereich: Montage- und Verpackungsarbeiten
‡ Kreativbereich: Papier-, Holz- und Töpferprojekte
‡ Cafeteria: Lebensmitteleinkauf, Zubereitung von
15 – 20 Tellergerichten, eindecken und abräumen,
Gäste bedienen, Thekendienst, Reinigungsarbeiten
‡ Handwerksarbeiten: Pflegearbeiten Hofgelände
(Rabatten anlegen und pflegen, kehren u.a.), kleinere Renovierungsarbeiten
‡ freizeitorientierte Gruppenaktivitäten
Bei knapp der Hälfte der Remscheider Bürger, die am
ergotherapeutischen Angebot des LT 24 teilnahmen,
waren zwei und mehr Diagnosen gestellt worden.
Jeder Achte litt neben einer oder mehreren allgemeinpsychiatrischen Diagnosen auch an einer
Suchterkrankung.
Integrationsfachdienst - IFD
2013 wurden 109 Remscheider Bürger mit Behinderungen (60 männlich / 49 weiblich) mit dem Ziel des
Arbeitsplatzerhalts oder der Vermittlung in Arbeit
durch den IFD beraten und begleitet. Der IFD unterstützt
‡ Arbeitnehmer bei krankheitsbedingten Problemen
am Arbeitsplatz, Rückkehr zum alten Arbeitsplatz
und bei der Suche nach einem passenden neuen
Arbeitsplatz,
‡ Förderschüler beim Übergang von der Schule in
den Beruf, beratend Eltern und Lehrer
‡ Beschäftigte bei einer Werkstatt für behinderte
Menschen auf dem Weg in den Arbeitsmarkt und
‡ Unternehmen bei der Gestaltung behindertengerechter Arbeitsplätze, der Beantragung von Fördermitteln und allgemein zum Umgang mit psychisch erkrankten MitarbeiterInnen
IFD - Altersstruktur 2013
29%
39%
unter 30
31 - 50
32%
über 50
Mittagstisch
der Cafeteriagruppe im Café Elling
von Melanie Blank
Die Cafeteriagruppe im Café Elling ist ein tagesstrukturierendes Angebot im Rahmen des LT 24, das seit
dem 2. Januar 2010 im SPZ angeboten wird. Die regelmäßige Mitarbeit gibt der Woche Struktur und
bietet eine sinnvolle Beschäftigung in angenehmer
Atmosphäre. Einige Klienten nutzen es außerdem zur
Verbesserung ihrer Belastbarkeit um mittelfristig
wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß fassen
zu können (siehe Leitartikel „Mein Weg in…).
Die Cafeteriagruppe bietet einen täglich wechselnden
und gesunden 2-Gänge-Mittagstisch an, der für 2,50 €
(3,50 € für Verdienende) auch sehr kostengünstig ist.
Es besteht auch das Angebot eine Viererkarte für 9 €
anstatt 10 € zu kaufen. Allerdings ist das Mittagessen
nur für die Nutzer des SPZ vorgesehen. Essenswünsche können gerne geäußert werden und sind willkommen. Jedes Essen wird frisch zubereitet und benötigt viel Vorbereitungszeit, zum Beispiel durch das
Schneiden von Gemüse. Die Zutaten werden am selben Tag frisch eingekauft.
Aktuell wirken acht Frauen und ein Mann in der Cafeteriagruppe mit, wobei pro Tag höchstens 4-5 Teilnehmer in der Küche arbeiten. Neben dem Kochen
wird eingekauft, ein- und abgedeckt, Geschirr gespült
SPZ-Nachrichten 2. Ausgabe August 2014
und Küche und Tische gereinigt. Voraussetzungen für
die Teilnahme sind, dass man aktuell nicht erwerbsfähig ist, eine fachärztliche Stellungnahme vorliegt
und man in der Lage ist, nach einer bestimmten Einarbeitungszeit, mindestens zwei Stunden an drei
Tagen in der Woche teilzunehmen. Geduldige Anleitung und Unterstützung bekommen alle Teilnehmer
von Frau Rawe und Frau Schmalfeldt, die ihnen auch
über die Arbeit hinaus immer mit Rat und Tat zur
Seite stehen.
In den Anfängen gab es noch nicht viele Anmeldungen zum Essen. Jedoch hat sich das Angebot mittlerweile so etabliert, dass bis 25 Gäste pro Tag inzwischen normal ist.
Die Mitarbeit in der Cafeteriagruppe wird von Nutzern des SPZ sehr gerne wahrgenommen, aus verschiedenen Gründen:
- durch die überschaubare Größe der Gruppe entsteht wenig Hektik und Stress
- die Arbeitsatmosphäre ist, wie eine Klientin sie
beschrieb, sehr "menschlich"; das bedeutet, dass
auf die Bedürfnisse der psychisch erkrankten Teilnehmer sehr individuell eingegangen und Rücksicht genommen wird
- durch die regelmäßige Teilnahme an der Gruppe
bekommt die Woche eine Struktur und Sinn
- Lob und Anerkennung stärken das Selbstbewusstsein
- durch die gute Zusammenarbeit entstehen wichtige soziale Kontakte und teilweise sogar Freundschaften
- alles zusammen schafft ein angenehmes Arbeitsklima, sodass man sich durchaus wohlfühlen kann.
Ich selbst kann nur Positives berichten. Nähme ich
nicht regelmäßig teil, wäre ich niemals dort angelangt, wo ich heute bin. Und hätte nicht den Mut
darüber nachzudenken, wie ich vielleicht noch in
diesem Jahr eine Ausbildung beginnen kann.
Auf einen Nenner gebracht: Ich kann die Gruppe nur
empfehlen!
Café Elling Team – Empowerment at its best
von Andrea Orf
Empowerment meint alle Initiativen und Maßnahmen die dazu führen, dass man die eigenen Interessen eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt vertreten kann. At its best meint einfach nur:
vom Feinsten.
Das Café Elling Team (10 – 12 Leute) organisiert den
offenen Bereich des Cafés (Di - Do 13 – 18 Uhr),
kümmert sich um Kuchen und Snacks und bedient die
Gäste des Cafés. Dies geschieht in Diensteinheiten
von wenigstens 1,5 – Stunden. Jedes neue Teammitglied wird eingearbeitet. Frau Wagner, sie kennt das
Café seit vielen Jahren, ist fast immer dabei. Alle
Teammitglieder treffen sich einmal im Monat und
besprechen bei Kaffee und Keksen die Dienstpläne,
neue Ideen für die Speisekarte und schöne und
schwierige Erlebnisse im Café Elling. Vier Mal im Jahr
kommt ein Coach ins Café Elling Team und trainiert
mit allen z.B. den Umgang mit schwierigen Kunden.
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Da die Arbeit im Café Elling Team ehrenamtlich ist,
sind während des Dienstes ein Getränk und ein Snack
frei. Zwei Mal im Jahr finanziert das SPZ einen Ausflug, den das Café Elling Team selbst organisiert.
Und was hat das jetzt mit Empowerment zu tun?
Über die Zusammenarbeit im Team, den Umgang mit
den Gästen und nicht zuletzt durch das Coaching
berichten alle Café Elling Team Mitglieder, dass sie
selbstsicherer und selbstbewusster geworden sind.
Neben der Tatsache, dass das alles auch noch Spaß
macht, ist es ein überzeugender Beweis, dass sich
ehrenamtliche Arbeit lohnt.
Der Schrebergarten des SPZ- ganz normal
und doch etwas ganz Besonderes
von Simone Ortwein
Tritt man durch das Gartentor der Kleingartenanlage
Neuland, nahe dem Stadtpark, hört man Vogelgezwitscher, Wasser plätschern, kann hier und da das Tuckern eines Rasenmähers vernehmen und sieht Gärtner mit Hacke, Spaten oder Schere in ihren Gärten
wirken. Einer der Pächter heißt nicht Müller oder
Meier, sondern SPZ. Wer nicht weiß, dass in diesem
einen Garten Remscheider mit psychischer Behinderung arbeiten, wird es nicht merken.
2009 hat das SPZ in der Kleingartenanlage eine Parzelle gemietet, um so die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben mit einem therapeutischen Programm zu
verknüpfen. Das alles fern ab vom geschützten Rahmen einer ergotherapeutische Werkstatt, mittendrin
im Leben.
7
Pflanzen, spricht alle Sinne an und stellt immer wieder neue Herausforderungen an die Gärtner.
Drei Mal pro Woche bewirtschaften Gruppen des SPZ
in Begleitung von Ergotherapeuten den Garten. Für
die sechs bis acht Teilnehmer ist der Garten fester
Bestandteil ihres Alltags geworden. Gemeinsam werden Arbeiten geplant und umgesetzt. Zur Gartennutzung gehört es auch, mal Pausen einzulegen und den
Garten ohne Arbeit zu genießen.
8
Seit vier Jahren läuft das Projekt Therapiegarten erfolgreich. Unter den Angeboten der Gemeindepsychiatrie ist es noch immer eine Besonderheit, unter den
anderen Kleingärtnern der Anlage Neuland ist es
etwas völlig Normales. In spontanen und ungezwungenen Gesprächen über den Gartenzaun, den Austausch von Sämereien, der Beteiligung an Gemeinschaftsaufgaben und Festen erfahren die SPZKleingärtner Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Es
findet gelebte Nachbarschaft statt, die die Klienten
einbezieht, der Garten ist das gemeinsame Thema,
die gemeinsame Leidenschaft. Die Klienten verlassen
die Rolle der Hilfeempfänger und können sich wieder
als Teil der „normalen“ Gesellschaft erleben.
Nicht nur während der regelmäßigen Gruppeneinsätze haben die Klienten die Möglichkeit sich als Teil der
Gartengemeinschaft zu erleben, auch an den Wochenenden und Nachmittagen kann der Garten eigenständig als Freizeitmöglichkeit genutzt werden, so
dass sich die Gelegenheit bietet soziale Kontakte
aufzubauen und den Umgang mit anderen Menschen
zu üben.
In den Therapieangeboten werden die besonderen
Gegebenheiten des Gartens genutzt. Die Klienten
werden in gärtnerischen Tätigkeiten angelernt und
unterstützt. Häufig bei Arbeiten die bereits aus vergangenen Tagen bekannt sind und an die angeknüpft
werden kann. Viele Klienten bringen eigene Erfahrungen mit, die sie nutzen um die Gruppe zu unterstützen. Der Garten stellt nicht nur Anforderung an Körper, Kraft und Motorik, er ermöglicht über die Gartenplanung auch das Training kognitiver Fähigkeiten.
Der Garten zeigt sich als vielfältiges Arbeitsfeld, in
dem die Möglichkeiten gegeben sind alltägliche Fähigkeiten, die aufgrund der Erkrankung verloren gegangen oder eingeschränkt sind, wieder herzustellen
oder zu verbessern. Die Arbeit im Freien steigert die
Stimmung und das Wohlbefinden, die Menschen
werden freier und ungezwungener im Umgang mit
anderen
Menschen.
Im Garten findet Wachstum, aber auch Sterben statt.
Ernte bringt Erfolge, kann aber auch Misserfolge
hervorbringen. So spiegelt der Garten nicht nur alle
Prozesse im Leben der Menschen die darin arbeiten,
er befördert auch die Auseinandersetzung damit.
Der Garten fordert Verantwortung für Tiere und
In den Wintermonaten werden Pläne für die nächste
Gartensaison geschmiedet und kleine Projekte für die
Ausstattung des Gartens durchgeführt. Im vergangenen Winter wurden zum Beispiel eine Eckbank für die
Gartenlaube und ein Insektenhotel gebaut.
In jedem Frühjahr gibt es eine „Gartenwoche“, in der
mit vereinten Kräften der Garten „auf Vordermann“
gebracht wird und Projektideen wie zum Beispiel der
Bau einer Kräuterschnecke umgesetzt werden.
Im vergangenen Herbst war es durch eine Spende der
Stadtsparkasse Remscheid möglich eine neue Gartenlaube auf dem Grundstück zu errichten. Im Mai dieses
Jahres haben wir diese zusammen mit den Gartennachbarn mit einem Richtfest eingeweiht.
Mit diesem ungewöhnlichen Konzept der Therapie im
Kleingarten ermöglicht das SPZ Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, betreibt also im besten Sinne des
Wortes Gemeindepsychiatrie. Dass Klienten von diesem Konzept profitieren, beschreiben ihre Rückmeldungen und immer wieder neue Interessenten, die
sich für die Mitarbeit in der Gartengruppe interessieren.
Auswertung der Nutzerbefragung 2013
von Heidi Isik
Zum Qualitätsmanagement eines Sozialpsychiatrischen Zentrums gehört auch die regelmäßige Befragung derer, die die angebotenen Hilfen nutzen. Mitte
des Jahres 2013 wurde eine solche Befragung durchgeführt. Wir danken allen NutzerInnen, die uns mit
der Rücksendung der Fragebögen unterstützt haben.
SPZ-Nachrichten 2. Ausgabe August 2014
Die Ergebnisse der Nutzerbefragung ergeben sich aus
den Rückmeldungen von 36 weiblichen Nutzerinnen
(24 bis 68 Jahre) und 21 männlichen Nutzern (18 bis
58 Jahre). Die Auswertung berücksichtigte insbesondere Fragestellungen in Bezug auf die Zufriedenheit
der Nutzerinnen mit
- der Qualität der Angebote des SPZ
- der Qualität der Zusammenarbeit zwischen den
BetreuerInnen/AnleiterInnen und NutzerInnen.
Die Angaben der Auswertung erfolgt in Prozent und
sind gerundet, wobei sich die an 100 fehlenden Prozente aus dem Fehlen von Angaben oder “Ich weiß
nicht “ ergeben.
Qualität der Zusammenarbeit zwischen den BetreuerInnen/AnleiterInnen und NutzerInnen:
94% der weiblichen Nutzerinnen spüren eine gute
Vertrauensbasis mit den Betreuerinnen / AnleiterInnen, während 6% keine besondere Vertrauensbasis
spüren, aber dennoch gut zusammen arbeiten können.
81 % der männlichen Befragten gaben an, dass sie ein
gutes Vertrauensverhältnis zu ihren BetreuerInnen /
AnleiterInnen spüren.
Alle männlichen und weiblichen NutzerInnen gaben
an, dass sie sich von den BetreuerInnen / AnleiterInnen des SPZ Remscheid ernst genommen fühlen.
Nichtsdestotrotz fühlen sich 19% der weiblichen Nutzer und 5% der männlichen Nutzer von ihren BetreuerInnen / AnleiterInnen nicht richtig verstanden.
25% der weiblichen Nutzer und 10% der männlichen
Nutzer haben das Gefühl, dass sie die Anforderungen
der MitarbeiterInnen des SPZ unter Druck setzten.
Obwohl, oder vielleicht gerade weil 91% der männlichen Nutzer und 88% der weiblichen Nutzinnen mit
der Gestaltung der Gespräche mit den BetreuerInnen/ AnleiterInnen zufrieden sind, wünschen sich
10% der männlichen und 22% der weiblichen NutzerInnen mehr Gespräche mit ihren BetreuerInnen.
Qualität der Angebote:
57% der männlichen Nutzer sind mit den Angeboten
des SPZ zufrieden, während 10% angaben, dass ihnen
Angebote fehlen.
75% der weiblichen Nutzerinnen sind mit den Angeboten zufrieden.
Ergänzende Angaben der NutzerInnen beinhalten in
Bezug auf offene Angebote des SPZ den Wunsch nach
häufigeren Ausflügen in andere Städte.
Auch wurde der Wunsch nach gruppenübergreifenden Angeboten in den Vormittagsstunden geäußert.
Klientinnen mit Kindern wünschen sich Betreuungsmöglichkeiten für Ihren Nachwuchs, um an Ausflügen
teilnehmen zu können.
6% der KlientInnen wünschen sich innerhalb der Einrichtung räumliche Rückzugsmöglichkeiten, die in den
Pausen bzw. vor Arbeitsbeginn aufgesucht werden
können.
3% der KlientInnen wünschen sich seitens der MitarbeiterInnen des ambulant betreuten Wohnens
„Hausaufgaben“, die in der nächsten Zusammenkunft
besprochen werden.
9
Sind Sie zufrieden mit:
- den Gesprächen mit den BetreuerInnen:
m: Ja: 91%
w: Ja : 88%, zum Teil: 6%, Nein: 3%,
- der Ereichbarkeit der BetreuerInnen:
m: Ja: 81%, zum Teil: 10 %
w: Ja: 86%, zum Teil: 8%, Nein: 3%
- der Arbeits- und Ausbildungsperspektive:
m: Ja: 48%, zum Teil: 24%, ist mir nicht wichtig: 14%,
w: Ja: 56%, ist mir nicht wichtig: 31%
- der Unterstützung in Krisen:
m: Ja: 76%, zum Teil: 10%
w: Ja: 50%, zum Teil: 17%
- dem Tagesstrukturangebot:
m: Ja: 71%, zum Teil: 10%, ist mir nicht wichtig: 5%
w: Ja: 61%, Zum Teil: 17%, Ist mir nicht wichtig: 8%
- der Unterstützung im Alltag:
m: Ja: 81%, zum Teil: 5%, Nein: 5%,
w: Ja: 75%, zum Teil: k. Ang., ist mir nicht wichtig: 8%
- dem Zusammensein mit anderen NutzerInnen:
m: Ja: 57%, zum Teil: 19%, ist mir nicht wichtig: 10%
w: Ja 58%, z. T.: 25%, ist mir n. wichtig: 6%, Nein: 5%
Die Ergebnisse der Nutzerbefragung fließen in die
Arbeit des Zentralen Qualitätszirkels des SPZ ein, in
dem auch zwei Vertreterinnen der Nutzer vertreten
sind.
Seelisch fit in der Schule - Raus gehen und
das Tabu brechen
von Simone Ortwein, im Auftrag der Experten aus
eigener Erfahrung
Psychische Erkrankungen betreffen immer mehr
Menschen. Untersuchungen zeigen, dass jeder Dritte
wenigstens einmal in seinem Leben psychisch erkrankt und die Hilfe eines Psychiaters oder einer
psychiatrischen Klinik braucht. Aber niemand spricht
darüber. Menschen mit psychischen Erkrankungen
10
werden aufgrund ihrer Krankheit nach wie vor stigmatisiert und ausgegrenzt. Für die frühzeitige und
erfolgreiche Behandlung psychischer Erkrankungen
hat dies wenigstens zwei schwerwiegende Folgen:
- Psychisch zu erkranken ist in so hohem Maße mit
Scham besetzt, dass insbesondere Ersterkrankungen so lange wie möglich verborgen, damit viel zu
spät erkannt und oft erst nach langer Leidenszeit
akzeptiert und behandelt werden.
- Über die Ausgrenzung wird psychisch erkrankten
Menschen ihr „normales“ Umfeld entzogen. Für
eine weitestgehende Gesundung wichtige soziale
Übungsfelder für Selbstwirksamkeit und soziale
Anerkennung stehen nicht, oder nur wenig belastbar zur Verfügung. Chronifizierung wird befördert.
Wir, das sind Menschen, die Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen haben, wollen das Tabu brechen
und in Gesprächen mit anderen Menschen etwas von
unseren Erfahrungen weitergeben. Unter dem Motto:
Eine psychische Erkrankung vermeiden ist allemal
besser als eine zu behandeln, ist es uns im letzten
Jahr gelungen, Schulleiter und Lehrer des GertrudBäumer-Gymnasiums für ein gemeinsames Projekt zu
gewinnen.
rung des persönlichen Kontaktes und damit auch
ein
- Beitrag zur Persönlichkeitsbildung der Schüler
Im letzten Jahr wurden wir zum ersten Mal in eine
Klasse eingeladen und haben über unsere Erfahrungen berichtet. Schüler und Lehrer waren gleichermaßen beeindruckt und gefesselt und haben sich auch
noch lange nach unseren Gesprächen mit dem Thema
beschäftigt. Es soll ein langfristiges Projekt werden,
dass war danach für alle Beteiligten klar und so wurden wir noch weitere Male eingeladen.
Beteiligt an dem Projekt waren bisher Schüler und
Schülerinnen der Jahrgangsstufen 11 und 12, 3 Lehrerinnen und Lehrer aus dem Fachbereich Pädagogik, 5
Psychiatrieerfahrene mit unterschiedlichen Erkrankungen und eine Mitarbeiterin des SPZ.
Seit dem Start Mitte 2013 fanden vier Besuche in vier
verschiedenen Kursen statt, eine Projektwoche ist
noch in Planung.
Am 30. September werden sich das Gertrud-BäumerGymnasium und das SPZ mit einer gemeinsamen
Veranstaltung am Monat der seelischen Gesundheit
beteiligen. Das Thema der Veranstaltung, die in der
Mensa der Schule stattfindet ist: "Psychisch gesund
durch die Schulzeit - Ein Gesprächsabend für Eltern,
Lehrer und Schüler".
)LWIRUOLIH – in der Gruppe lernen, sich
mehr zu trauen
von R. Baumgardt, Melanie Blank und Willi Vögeli
Die Grundidee ist schlicht. Wir erzählen Schülern wie
unsere psychische Erkrankung entstanden ist, was
man unserer Erfahrung nach tun kann und wie man
versuchen kann, trotz psychischer Erkrankung ein
gutes Leben zu leben. Diese Gespräche haben verschiedene Zielsetzungen:
- Wir Psychiatrieerfahrenen haben die Möglichkeit,
unsere eigenen Erfahrungen und eigenes Erleben
zur Aufklärung zu nutzen und werden damit zu
Experten aus eigenem Erleben. Wir geben hilfreiche Erfahrungen weiter und erleben damit unsere
Lebensgeschichte als wichtig und wertvoll.
- Lehrer und insbesondere Schülern werden sensibilisiert und ermutigt, frühzeitig Veränderungen
bei sich selbst oder bei Anderen im Freundeskreis
oder Klassenverband anzusprechen
- Informationen über Möglichkeiten und Adressen,
wo mann/frau schnell und gezielt Unterstützung
findet werden vermittelt
- Verständnis für die alltägliche Anstrengung, sich
trotz seelischer Behinderung im Leben nicht nur
zurechtzufinden, sondern auch Freude und Anerkennung (Schule/Arbeit, Familie/Bekanntenkreis,
Freizeit) zu erleben
- Abbau von Ängsten mit psychisch erkrankten
Menschen in Kontakt zu treten, über die Erfah-
Wer in der Kindheit und Jugend - egal aus welchen
Gründen - nicht die Chance hatte, ein gesundes
Selbstbewusstsein, eine zu ihm passende schulische
und berufliche Perspektive und die zu deren Umsetzung notwendige Ausdauer zu entwickeln, hat es
schwer im Leben. Das Gruppenprogramm von Fitforlife soll den Teilnehmerinnen helfen, die zu einer
erfolgreichen Lebensplanung notwendigen eigenen
sozialen Fähigkeiten zu erkennen und zu verbessern.
Die Gruppe wird speziell für junge Menschen zwischen 16 und 27 angeboten.
Die erste Gruppe mit zehn Teilnehmerinnen und
Teilnehmern traf sich im Januar 2013 im Raum
„Schöne Aussicht“ der Jugendfreizeiteinrichtung Gelbe Villa. Der Name des Raumes hatte erst einmal mit
der Gruppe nichts zu tun, passte aber trotzdem sehr
gut zu dem, was die TeilnehmerInnen für sich erreichen wollten.
In einem Gespräch berichten zwei Teilnehmerinnen,
dass es ihnen geholfen hat, dass sie in der Gruppe
SPZ-Nachrichten 2. Ausgabe August 2014
aktuell Situationen besprechen konnten, die sie als
sehr schwierig und Angst machend erlebt haben. Fast
noch wichtiger war, dass in der Gruppe gemeinsam
überlegt werden konnte, wie man sich souveräner
verhalten kann und wie genau man das dann im richtigen Leben hinkriegen kann. Dabei halfen vor allem
die Rollenspiele, in denen man sich ausprobieren
konnte und die kleinen Aufgaben, die jeder bis zur
nächsten Gruppe ausprobieren sollte. Die Erfahrungen und Ratschläge der anderen Gruppenteilnehmer
waren dabei hilfreicher, als die vielen Ratschläge von
Eltern und Betreuer. Gut war, dass sich die Gruppenleitung weitgehend mit Erklärungen und Ratschlägen
zurückgehalten und sich auf die Moderation der
Gruppe konzentriert hat.
Einhellig berichteten beide jungen Frauen, dass sie
sich heute viel mehr trauen als vor der Gruppe. Sie
können sich eher auf Konflikte einlassen als früher.
Da in der Zeit ihres Gruppenbesuches ja noch viel
mehr passiert ist als Fitforlife, kann man ihre Erfolge
nicht allein auf die Gruppe zurückführen, aber eine
große Hilfe sei Fitforlife schon gewesen. Sie können
sich viel besser behaupten und ihre Bedürfnisse
durchsetzen als vor der Gruppenteilnahme. Insgesamt, sagen beide, können sie besser für sich einstehen als vor der Gruppenteilnahme.
Eine neue Gruppe startet am 27. August. Wenn die
Gruppengröße es zulässt, kann man auch später einsteigen.
Integriertes Psychologisches Therapieprogramm für Menschen mit schizophrener
Erkrankung – IPT
ein Angebot der Tagesstätte
von Willi Vögeli
Bei der Entstehung schizophrener Erkrankungen greifen biologische, psychologische und soziale Faktoren
ineinander. Daher orientiert sich das IPT am sogenannten Vulnerabilitäts-Stress-Modell, das heißt
starker Stress in Verbindung mit hoher Vulnerabilität
erhöhen die Anfälligkeit für die Erkrankung. Dabei ist
unter beiden Faktoren folgendes zu verstehen:
Vulnerabilität/Verletzlichkeit:
- besondere Persönlichkeitseigenschaften
- mangelnde soziale Kompetenz
- gestörtes Informationsverarbeitungssystem (Reizverarbeitung )
- genetische, neuroanatomische, neurochemische
Faktoren
- labiles psychophysiologisches System
Stress:
- kritische Lebensereignisse
- alltägliche Dauerbelastungen
Das IPT wird in der Tagesstätte
zwei Mal in der Woche
für eine kleine Gruppe (4 – 6 Teilnehmer)
angeboten.
Schizophren erkrankte Menschen leiden an:
Veränderungen im Denken, wie z. B.
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Ideenflüchtigkeit
- Gedankenkreisen
- das Gefühl, keine Gedanken mehr im Kopf zu
haben
- das Gefühl tausend Gedanken auf einmal im Kopf
zu haben
- Denken, man werde verfolgt, oder andere wollen
etwas böses
- u.v.m
Veränderungen der Gefühle, wie z.B.
- Gefühle intensiver empfinden
- Sich leer und ausgebrannt fühlen
- Starke Ängste, Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung, ohne realen Grund
- Starkes Glücksgefühl und Freude, ohne realen
Grund
- Keine Gefühle mehr empfinden
Veränderungen in der Wahrnehmung, wie z.B.
- etwas sehen, hören, riechen oder fühlen, was
nicht da ist (Halluzinationen)
- Personen oder Dinge nicht mehr richtig erkennen
(„verkennen“)
- Intensiver wahrnehmen als sonst
Veränderungen im Verhalten, wie z.B.
- nichts mehr tun können
- nicht mehr schlafen können
- sich völlig abkapseln und zurückziehen
- 100 Dinge gleichzeitig tun
- seltsame oder „verrückte“ Sachen machen
- Verarmung von Sprache und Kommunikation
Veränderungen am Körper empfinden, wie z.B.
- Starkes Schwitzen oder Kälteempfinden
- Kribbeln in einzelnen Körperteilen
- Teile des Körpers als fremd oder verändert erleben
Die Teilnehmer können erreichen, dass sich Besserungen einstellen in den Bereichen:
- Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, verstandesmäßige Weiterverarbeitung von inneren und äußeren
Sinneseindrücken und daraus resultierende Störungen in der Urteilsbildung
- Erleben und Ausdruck von Emotionen sowie offenes Verhalten und Verhalten gegenüber Anderen
- planvolle Bewältigung von Alltagsproblemen
Diese Fortschritte tragen zu einer verbesserten Lebensqualität beitragen.
Ein neuer Bus für Ausflüge und mehr
Café Elling, Bewo, Tagesstruktur und die Geschäftsführung freuen sich über die Anschaffung eines neuen Transporters. Aktion Mensch hat geholfen.
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Impressum:
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