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Der zweite Rundbrief: Wie sieht Deutschland nochmal aus - Eirene

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Der zweite Rundbrief: Wie sieht Deutschland nochmal aus?
Sehr geehrte Spender und Spenderinnen. Nun lebe ich ein halbes Jahr in Frankreich und
habe mich sehr gut eingelebt. Manchmal weiß ich gar nicht mehr wie es in meiner
Heimatstaat Aurich so aussieht.
Hier ist der zweite Rundbrief. Viel Spaß beim Lesen. Auch dieses Mal habe ich, aufgrund der
hohen Preise, auf Farbkopien verzichtet.
Weihnachten in Frankreich
Die erste große Veränderung, die mir aufgefallen ist an Weihnachten in Frankreich, war die
Tatsache, dass ich ohne meine Familie und ohne meine Freunde aus Deutschland gefeiert
habe. Da ich aber viele neue Freunde in Frankreich gefunden habe, den es zum Teil auch
genauso ergangen ist, wie mir, konnte ich über die traurige Situation gut hinwegkommen.
Ein weiterer Unterscheid zu Weihnachten in Deutschland war, wie viel Wert die Franzosen
auf ein gutes Essen legen. Es gab Schnecken, Austern, Enten, Suppen, leckeren Nachtisch,
Rotwein und sogar Champagner.
Bis wir erstmal gelernt haben wie man Austern mit dem Austernmesser richtig öffnet hat es
schon eine Weile gedauert. Mein Fazit zu Austern: „Sie schmecken wie Salatgurken mit
Zitronengeschmack“.
In der Weihnachtszeit habe ich unter anderem auch eine Krippe für unser Foyer gebaut.
Nach langer Observation französischer Krippen, wurde mir klar, dass es eher einer „Grotte“
ähneln muss.
Die französische Krippe.
Nachdem wir ausgiebig in Compiegne gefeiert haben. Sind wir in Kleingruppen in Urlaub
gefahren. Die drei Kleingruppen wurden bunt zusammengemischt. Eine Gruppe blieb in
einem Foyer, die anderen sind jeweils nach Ambleteuse und nach Beauvais gefahren. Ich
war in der „Beauvaisgruppe“. Beauvais liegt ungefähr 60 km nordwestlich von Compiègne.
Durch die Mischung der Gruppen, hatte man dann auch mal die Chance gehabt, die
Bewohner aus anderen Foyers näher kennen zu lernen.
Schon die Hinfahrt nach Beauvais war sehr interessant. Auf dem Hinweg haben wir mehrere
ausgebrannte Autos an verschiedenen Stellen auf den Seitenstreifen gesehen. Mit wurde
erklärt, dass es hier viele Leute gibt, die die Autos klauen, ein wenig mit ihnen herumfahren
und sie anschließend in Brand stecken.
In Beauvais sind wir in einem Foyer der „ Arche à Beauvais“ untergekommen. Das Erste
was wir getan haben, nachdem wir das Gepäck auf die Zimmer gebracht hatten, war es
einen Großeinkauf für die Woche zu machen. In der einen Woche haben wir viel erlebt.
Zum Beispiel waren wir Schlittschuhlaufen mit den Behinderten. Dies war gar nicht so
leicht, da viele Behinderte starke Unterstützung brauchten, so wohl körperliche als auch
mentale, um sich auf dein Beinen zu halten. Dennoch hat es allen einen riesigen Spaß
gemacht.
Außerdem haben wir dir Kathedrale in Beauvais besichtigt. Wie sich später herausstellte,
war es die größte gotische Kathedrale der Welt und wir haben das Schloss von Chantilly
besichtigt. Aus Chantilly kommt auch die berühmte „Crème Chantilly“ (Schlagsahne).
Ein Teil des Schlosses von Chantilly
An Sylvester haben wir zusammen Raclette gegessen. Gegen Mitternacht schaute ich
gespannt aus dem Fenster, um das französische Feuerwerk zu bestaunen. Doch das einzige
was ich sah, war eine sternklarer Himmel und keine einzige Feuerwerksrakete. In
Frankreich ist die Tradition des Feuerwerks an Sylvester nicht so stark ausgeprägt, wie in
Deutschland. Ich hatte aber für den Abend vorgesorgt, da ich in der Stadt im letzten Laden
im Hinterhof doch noch ein Päckchen Knaller ergattern konnte. Zwar war ich wahrscheinlich
die einzige Person in ganz Beauvais, die an diesem Abend ein bisschen „geknallert“ hatte,
aber dafür hat es den Behinderten und den Assistenten gefallen.
In meiner Freizeit
In meiner Freizeit bin ich weiterhin viel in Paris unterwegs und das nächste Konzert steht
auch schon bevor.
An meinem freien Wochenende im Januar bin ich mit einem Assistenten aus einem anderen
Foyer nach London gefahren. Wir sind vom Gare du Nord in Paris mit dem Eurostar direkt
nach London durch den Tunnel gefahren. Schon nach circa drei Stunden sind wir
angekommen. Dann haben wir die Wohnung eines Bekannten von dem Assistenten gesucht.
Am nächsten Tag sind wir mit einem netten englischen Frühstück überrascht worden, nach
welchem ich meinen Gürtel etwas lockern musste. In der Frühe ging es dann los, um die
Stadt zu besichtigen. Besonders gut hat mir das London Eye, Camden Town und der
legendäre Zebrastreifen in der Abbeyroad, auf dem die Beatles gelaufen sind, um das Foto
für das Cover des Albums „ Abbey Road“ zu machen, gefallen. Außerdem haben wir die
ehemalige Wohnung von Jimi Hendrix gesehen, die direkt neben der Wohnung von Georg
Friedrich Händel war.
An einem anderen Tag bin ich nach Amiens gefahren. Amiens ist die Hauptstaat der
Picardie und liegt im Departément „ Somme“ nordwestlich von Compiègne. In Amiens habe
ich unter anderem die Kathedrale „Notre Dame d’Amiens“ besichtigt. Sie ist doppelt so groß
wie Notre Dame in Paris und ist die größte Kathedrale Frankreichs.
London Eye /Abbeyroad
Camden Town/ nette Polizisten
Notre dame d’Amiens
Arbeit im Moulin
Seit kurzem mache ich mit den Behinderten im Moulin, dem Atelier unter unserem Foyer,
Musik. Dies macht mir viel Spaß und man merkt, wie sehr die Musik doch die Personen
anspricht und sie aus sich herauskommen, anfangen zu tanzen und zu singen. Am Anfang
der Aktivität im Moulin hören wir uns ein Lied gemeinsam an. Dann werden Gesangs- und
Rhymthmusübungen gemacht. Anschließend versucht man an einem Lied weiterzuarbeiten,
dass später in der Messe, wenn die Personen es wollen, vorgeführt werden kann. Die
Personen spielen meistens Perkussionsinstrumente, ich spiele Gitarre und andere
Assistenten spielen ebenfalls Gitarre oder begleiten den Gesang. Am Ende der Sitzung gibt
jede Person ihr Feedback ab, wodurch man spätere Aktivitäten immer verbessern kann.
Arbeit im Foyer
Vor kurzem bin an einem Abend mit zwei Behinderten zu einem Ice-Hockey Spiel in
Compiègne gefahren. Es spielte Compiègne gegen Nantes. Leider hat Compiègne verloren,
dennoch waren beide Personen voll dabei ihre Stadt anzufeuern.
Die Assistenten
Im Februar gab es ein Wochenende der Assistenten. Das bedeutet, dass alle Behinderten
der Foyers zu ihren Verwandten gehen oder, dass sie von anderen Leuten für ein
Wochenende betreut werden. Das ermöglicht es, dass man ein Wochenende nur mit den
Assistenten verbringen kann. Das Thema des Wochenende war: „Sei ein Zeichen für die
Anderen“. Dieser Satz bezieht sich auf die verschiedenen Ansichtsweisen bezüglich der
Arbeit mit Behinderten. Vor allem soll man die tollen Erfahrungen in die Gesellschaft
hinaustragen, da viele Menschen sich gar nicht vorstellen können mit behinderten Personen
zusammen in einem Haushalt, wie in einer großen Familie zu leben. An dem Wochenende
wurde in Kleingruppen über dieses Thema diskutiert und viel zusammen gegessen. Am
Abend wurde gefeiert und die Assistenten haben alle zusammen in einem freien Foyer
übernachtet.
Für das Wochenende haben wir in wochenlanger Vorarbeit eine Dekoration für den
Aufenthaltsraum gestaltet.
Den Leuchtturm habe ich gebastelt und in der
Kabine in der Spitze gab es Lichter, die leuchten. Der Leuchtturm steht als ein Objekt, das
einem den Weg zeigt. Das blaue Papier an der Wand symbolisiert einen Fluss mit Fischen,
auf denen Wörter geschrieben sind, die das Leben der Arche beschreiben. Die schwarzen
Silhouetten über dem Papier sollen Personen in der Gesellschaft darstellen, die außerhalb
dieses Flusses stehen. Das Boot ist das Symbol der Arche.
Im Vordergrund hängen Brillen von der Decke mit gefärbten Gläsern. Die gefärbten Gläser
präsentieren verschiedene Ansichten auf das Leben der Arche und sie sagen auch aus, dass
sich oft in der Realität etwas anderes verbirgt, wenn man die Brille abnimmt, sprich sein
durch Vorurteile belasteter Blick. Das Papier der Brillengläser war zusätzlich etwas matt,
wodurch eine verschwommene Sicht erzeugt wurde. Um das Leben in der Arche also klar
zu sehen, muss man seine Brille abnehmen.
An einem Abend haben wir uns alle verkleidet unter dem Thema „ Zirkus“. Ich habe selten
so herzhaft gelacht, wie an diesem Wochenende.
leider kommen durch die schwarz-weißen Fotos,
die schrillen Farben nicht durch. Achja ich war als Hase eines Zauberers verkleidet.
Rolle als Ausländer
Vor einiger Zeit habe ich eine behinderte Person, die aber relativ autonom war, nach Hause
begleitet. Auf dem Weg kamen wir ein wenig ins Gespräch über meine Herkunft. Die Person
fragte mich, ob ich nicht manchmal Lust hätte alle Franzosen zu töten, da die Deutschen es
ja auch im zweiten Weltkrieg getan haben. Ich war geschockt über diese Frage, konnte ihn
aber letztendlich davon überzeugen, dass ich da keine Lust zu habe und dass wir schon
längst in einer anderen Generation leben. Dennoch hatte ich gemerkt, dass
generationsübergreifende Geschichtskonflikte immer wieder mit einem konfrontiert werden.
Auf der anderen Seite schwärmen die Franzosen von deutschen Autos und ihrer Qualität.
Hier konnte ich wieder sehr stolz auf meine Heimat sein.
Kontakt nach Deutschland
Am ersten Märzwochenende haben mich meine Eltern in Compiègne besucht. Es war
schon ein ungewohntes Gefühl seine Eltern nach einem halben Jahr wieder zu sehen. Wir
waren in Paris, ich habe ihnen ein bisschen Compiègne gezeigt und am Sonntag sind wir
nach Etretat in die Normandie gefahren. Insgesamt war es ein sehr schönes Wochenende.
Die Steilküste in Etretat
EIRENE
Anfang Mai findet ein Zwischenseminar von EIRENE in Nogaret in Südfrankreich statt. Ich
versuche mit drei weiteren Freiwilligen von EIRENE aus Compiègne und Paris, zusammen
mit dem Zug nach unten zu fahren. Das Seminar dient vor allem dem Austausch der
vielseitigen Erfahrungen bei der Projektarbeit und dem Leben in einer neuen Umgebung. Ich
hoffe, dass es im Mai dann auch schön warm in Südfrankreich ist.
Mit freundlichen Grüßen Hans Filbrandt und bis zum nächsten Mal
Salut 
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Seele and Geist
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