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Hermann Hesse: Stufen Wie jede Blüte welkt - TSV Waldenbuch

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Hermann Hesse:
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
(Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!)
Neujahr
„Ein Rauch verweht,/ Ein Wasser verrinnt,/ Eine Zeit vergeht,/ Eine neue beginnt.“
Joachim Ringelnatz (1883-1934),
Hausrezept:
„Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie
und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so daß der Vorrat für ein Jahr reicht. Jeder Tag
wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor. Man
füge 3 gehäufte Eßlöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie
und 1 Prise Takt. Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen. Das fertige
Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es
täglich mit Heiterkeit.
von: Katharina Elisabeth Goethe (1731-1808), Mutter v. Johann Wolfgang von
Goethe
Gute Vorsätze ... sind Schecks,
auf eine Bank gezogen,
bei der man kein Konto hat.
(Oscar Wilde)
"Wird's besser? Wird's schlimmer?"/ fragt man alljährlich./ Seien wir ehrlich:/ Leben
ist immer/ lebensgefährlich.
(Erich Kästner)
Und zum Abschluss: Aus der Ferne diesen Wunsch…
Aus der Ferne diesen Wunsch:
Glückliche Sterne und guten Punsch!
Jene für immer, diesen für heut und nimm nichts schlimmer als Gott es beut.
Raffe dich, sammle dich, eins, zwei, drei,
und verrammle dich gegen Hirnschlepperei.
Brich, was nicht halten will, brich es entzwei!
Aber hältst du still – ist es vorbei.
WELTLAUF
(Eugen Roth)
Ein Mensch, erst zwanzig Jahre alt,
Beurteilt Greise ziemlich kalt
Und hält sie für verkalkte Deppen,
Die zwecklos sich durchs Dasein schleppen.
Der Mensch, der junge, wird nicht jünger:
Nun, was wuchs denn auf seinem Dünger?
Auch er sieht, dass trotz Sturm und Drang,
Was er erstrebt, zumeist misslang,
Dass, auf der Welt als Mensch und Christ
Zu leben nicht ganz einfach ist,
Hingegen leicht, an Herrn mit Titeln
Und Würden schnöd herum zu kritteln.
Der Mensch, nunmehr bedeutend älter,
Beurteilt jetzt die Jugend kälter,
Vergessend frühres Sich-Erdreisten:
"Die Rotzer sollen erst was leisten!"
Die neue Jugend wiederum hält ...
Genug - das ist der Lauf der Welt!
In Eile
Kaum warst Du Kind, schon bist du alt,
Du stirbst – und man vergisst dich bald.
Da hilft kein Beten und kein Lästern:
Was heute ist, ist morgen gestern.
(Heinz Erhardt)
Zeit und Ewigkeit
Vom Winde getragen
die Stimmen des Bachs…
Der Wellen Gespräch
auf dem Atem der Nacht…
Mein kleiner Wecker tickt und tickt..
O, Zeit und Ewigkeit!
Am Bergeshang auf moosigem Stein,
den nie noch traf der Sonne Strahl,
rast ich; vor mit ein Wässerlein
-
der Regen schuf es – rinnt zu Tal.
Es gleitet leis, unhörbar sacht,
und doch dabei voll Eil und Hast,
als ließe eine dunkle Macht
es nirgends finden Halt und Rast.
Die Kronen flüstern ernst im Wind:
So rinnt die Zeit, so rinnt die Zeit –
so schnell, so still, bis sie verrinnt
dereinst im Meer der Ewigkeit.
(Christian Morgenstern)
Kindsein ist süß?
Tu dies! Tu das!
Und dieses lass!
Beeil dich doch!
Heb die Füße hoch!
Sitz nicht so krumm!
Mein Gott, bist du dumm!
Stopf’s nicht in dich rein!
Lass das Singen sein!
Du kannst dich nur mopsen!
Hör auf zu hopsen!
Du machst mich verrückt!
Nie wird sich gebückt!
Schon wieder ‘ne Vier!
Hol doch endlich Bier!
Sau dich nicht so ein!
Das schaffst du allein!
Mach dich nicht so breit!
Hab jetzt keine Zeit!
Lass das Geklecker!
Fall mir nicht auf den Wecker!
Mach die Tür leise zu!
Lass mich in Ruh!
Kindsein ist süß?
Kindsein ist mies!
(Susanne Kilian)
Neues vom Rumpelstilzchen
Dem Rumpelstilzchen geht`s nicht gut,
ihm ist so zweierlei zumut.
Jähzornig ist es von Natur,
von Selbstbeherrschung keine Spur.
Noch gestern war es quicklebendig,
doch heut hat es sich eigenhändig
der Länge nach entzweigerissen,
drum geht es ihm gar so beschissen.
Da liegt es nun im Krankenhaus
Und sieht nicht sehr erfreulich aus.
Die Schwestern sind dort wirklich nett
Und geben ihm ein Doppelbett.
Aus dieser leidigen Affäre
Zieht es nun hoffentlich die Lehre,
sich zweimal erst zu überlegen,
ob es sich lohnt, sich aufzuregen.
(Richard Bletschacher)
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