close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Die Shoa – wie gehen die Israelis mit ihr um? - Harold Bob Stiftung

EinbettenHerunterladen
Die Shoa – wie gehen die Israelis mit ihr um?
von Patricia Lößner
Die Zeit des Nationalsozialismus – ein für uns Deutsche enorm wichtiges Thema, das nicht oft
genug kritisch hinterfragt und als grausames und düsteres Kapitel unserer Geschichte gewertet
werden muss.
In Deutschland wird versucht diese Zeit aufzuarbeiten, sich intensiv mit ihr zu beschäftigen, um zu
erkennen, dass alles getan werden muss gegen den in bestimmten Kreisen immer noch
herrschenden Rassismus. Schüler beschäftigen sich im Unterricht damit, besuchen Ausstellungen
und Gedenkstätten, arbeiten in Projekten zu diesem Thema. Auch in den Medien ist der
Nationalsozialismus, in Israel die Shoa genannt, immer wieder präsent. Wie wird in Israel, dem
Land, in dem viele verfolgte Juden Zuflucht suchten, mit diesem Thema umgegangen? Die
israelische Bevölkerung ist genauso Betroffener des Nationalsozialismus wie wir Deutschen. Sie
befindet sich in der Rolle des Opfers, wir (bzw. unsere Vorfahren) in der Rolle des Täters.
Auf unserer diesjährigen Israelreise konnten wir erleben, wie Israel den Nationalsozialismus
aufarbeitet.
Direkt konfrontiert mit diesem Thema wurden wir in zwei Museen, dem Ghetto – Fighter Museum
im Norden Israel und der Yad Vashem Gedenkstätte in Jerusalem.
Beide führten uns die Grausamkeit und die Sinnlosigkeit des Nationalsozialismus auf sehr
unterschiedliche, beeindruckende und emotionale Weise vor Augen.
Ein Rundgang durch den Kinderturm des Ghetto – Fighter Museums brachte uns alle zum
Schweigen. Dort war auf leicht verständ liche und sehr anschauliche Art der Nationalsozialismus
aus der Sichtweise eines betroffenen Kindes dargestellt. Weinende Kinder mit Teddybären in der
Hand werden in schmutzige Zugwagen verfrachtet, um in den Tod zu fahren, Kinder stehen allein
und verlassen mit einem Bündel Gepäck auf der Straße und wissen nicht wohin, sie verstehen die
so ungerechte Grausamkeit, die ihnen entgegengebracht wird, nicht, werden als unschuldige, kleine
Geschöpfe Opfer einer fanatischen Ideologie. Es waren grausame und herzzerreißende Bilder.
Auch die übrigen Ausstellungsräume des Ghetto – Fighter Museums brachten uns zum
Nachdenken, gaben uns teilweise neue Informationen oder festigten die alten.
Zum Ende unserer Führung stellten wir alle fest, dass dieses Museum eines der eindrucksvollsten
und besten zum Thema Nationalsozialismus ist. Einen Teil dazu bei trug auch der Guide Tamir
Porter, der alles sehr verständlich erläuterte und darauf bedacht war, dass wir trotz der englischen
Sprache alles verstanden. Wichtig für ihn war außerdem, uns jegliche Schuldzuweisungen
abzusprechen. Diese Museum ist also sehr empfehlenswert für jeden, der eine Israelreise
unternimmt und sich in Nordisrael aufhält!!!!
Selbstverständlich möchten wir auch Yad Vashem nicht unerwähnt lassen. Diese sehr viel
bekanntere Gedenkstätte bietet in einem großen Umfang Berichte über persönliche Schicksale, in
ihr sind viele, viele Namen von Opfern des Nationalsozialismus zu finden. Doch es wird auch von
der anderen Seite aus berichtet. Von Menschen, die vielleic ht unsere Vorfahren waren und die den
verfolgten Minderheiten das Leben zur Hölle gemacht haben. Die sich von der machtbesessenen
„Obrigkeit“ führen ließen ohne sich selbst Gedanken über die Folgen ihres Handelns zu machen.
Ergreifende Schicksale, sowohl auf der einen Seite, als auch auf der anderen Seite.
Eine große Aufgabe hat Yad Vashem sich darin gestellt, möglichst alle Namen von Betroffenen des
Nationalsozialismus zu finden und aufzuschreiben. Hinter den Namen verstecken sich die vielen
verschiedenen, ganz unterschiedlichen persönlichen Schicksale, die die Erinnerung an die grausame
Zeit aufrecht erhalten sollen, damit sie neuen Menschen vor Augen geführt werden kann und nichts
in Vergessenheit gerät.
In Vergessenheit geraten sollen diese Erinnerunge n auch bei den jungen Israelis nicht. In den
Museen begegneten uns ständig große Gruppen uniformierter Soldaten und Soldatinnen –
wehrdienstleistende Israelis. Teilprogramm ihrer Ausbildung sind Besuche in den Museen, die
über die Shoa berichten. An der fröhlichen Stimmung, in der wir diese Gruppen meistens antrafen
ist zu beobachten, dass sie sich nicht mehr als direkt Betroffene des Nationalsozialismus sehen, sie
sind eine neue Generation.
In Israel ist man, wie an der Darstellung der Museen hoffentlich schon deutlich geworden ist,
bemüht darum die Erinnerung an den Nationalsozialismus wach zu halten. Besonders die jungen
Menschen sollen über ihn informiert werden, er soll als Teil ihrer Geschichte gelten.
Für uns war es schön zu beobachten, dass der Großteil der Israelis nicht mehr uns für die
Gräueltaten des Nationalsozialismus verantwortlich macht. Auch wir sind eine neue Generation
und blicken voller Unverständnis auf die Zeit zwischen 1933 und 1945.
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
25
Dateigröße
85 KB
Tags
1/--Seiten
melden