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gibt Empfehlungen, wie sieht das Freizeitverhalten aus etc - FSF

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Johannes Fromme/
Norbert Meder/Nikolaus
Vollmer:
Computerspiele in der
Kinderkultur. Opladen:
Leske + Budrich 2000.
36,00 DM, 251 Seiten.
tv diskurs 14
L I T E R AT U R
94
„Folgenloses Probehandeln“ –
In ihrem gemeinsam mit dem
gibt Empfehlungen, wie sieht
Studie über Computerspiele
Informatiker Norbert Meder
das Freizeitverhalten aus etc.
in der Kinderkultur
verfassten Buch Computerspie-
Der enorme Informationsge-
le in der Kinderkultur appellie-
winn umfasst nicht nur Zahlen
Angeblich wurde bereits im
ren die Wissenschaftler zu mehr
zu Nutzungshäufigkeit und
Jahr 1951 das erste Computer-
Gelassenheit gerade bei den
Spielevorlieben. Es ergaben
spiel entwickelt, eine Version
gewalttätigen Spielen. Erwach-
sich auch verschiedene Spieler-
des Dame-Brettspiels. Doch es
sene seien zwar in der Regel
typen sowie Unterschiede (aber
dauerte weitere gut zwanzig
abgestoßen (oder spüren zu
auch Übereinstimmungen) zwi-
Jahre bis zur ersten Verbreitung
ihrem Unbehagen, dass sie
schen Jungen und Mädchen,
der neuen Freizeitform. 1972
selbst fasziniert sind), weil die
und jüngeren Kindern, In- und
gründete Nolan Bushnell die
oftmals brutalen Inhalte sämtli-
Ausländern, Hauptschülern und
Firma Atari und brachte das
chen pädagogischen Intentio-
Gymnasiasten. Nur ein Stadt/
Spiel Pong auf den Markt, eine
nen zuwiderlaufen. Die Ergeb-
Land-Gefälle wurde nicht fest-
für heutige Ansprüche geradezu
nisse einer Untersuchung von
gestellt. Natürlich decken sich
infantile Herausforderung: In
Fromme/Meder/Vollmer relati-
viele der Ergebnisse mit den Er-
dieser Tennis-Variation muss der
vieren die Befürchtungen der
wartungen (Jungen bevorzugen
Spieler verhindern, dass ein
Eltern jedoch. Mit ihrer Studie
Jump-and-Run-Spiele). Oft ist
Lichtpunkt den Bildschirmrand
Evaluation der Computerspiel-
es aber gerade der Kontext, der
erreicht. Weitere rund dreißig
kultur bei Heranwachsenden
neue Erkenntnisse vermittelt:
Jahre später haben sich Com-
erforschten sie, wie die spieleri-
Der Anteil der Hauptschüler an
puterspiele längst in der Kin-
schen Aneignungsprozesse ver-
jener Gruppe, die auf Prügel-
derkultur etabliert. Weit über
laufen und wie die Spielenden
und Ballerspiele steht, ist nicht
90 % aller Jungen und circa
selbst sie deuten.
zuletzt deshalb so hoch, weil
80 % aller Mädchen unter 15
Der Ansatz von Fromme und
Hauptschüler – wie auch Kinder
Jahren nennen Bildschirmspiele
seinen Kollegen ist von jener
von Aussiedlern oder aus dem
als Freizeitbeschäftigung. Die
Haltung geprägt, die auch die
moslemischen Kulturkreis –
meisten von ihnen machen nicht
Forschung etwa von G M K oder
überwiegend an Konsolen spie-
den Eindruck, als litten sie unter
J F F -Institut auszeichnet: Kinder
len; viele Strategiespiele aber
den Symptomen, die Technik-
werden als Subjekte betrachtet,
gibt es nur in Versionen für den
kritiker in den achtziger Jahren
als Handelnde, sie sind den Me-
Computer.
prophezeit haben (Vereinsa-
dien keineswegs hilflos ausge-
Fromme/Meder/Vollmer relati-
mung, mangelnde Kreativität,
liefert. Gerade für Computer-
vieren auch den Einfluss der
Aggressivität). Ohnehin war und
spiele reichten konventionelle
Spiele auf die Kinder. Für die
ist die Diskussion in der Öffent-
Spieltheorien ohnehin nicht aus,
meisten sind Konsole und Com-
lichkeit (wie bei vielen techni-
denn hier handle es sich um die
puter bloß Medien zweiter
schen Neuerungen) geprägt von
Kombination von Medium und
Wahl, ein Lückenfüller bei
Unkenntnis, Kulturpessimismus
Spielzeug; der interaktive Um-
schlechtem Wetter oder Lange-
und Bewahrpädagogik. Compu-
gang sei gleichbedeutend mit
weile; die Mehrheit der Kinder
terspiele sind für Kinder, wie an-
einem „folgenlosen Probehan-
nennt als bevorzugte Freizeit-
deres Spielzeug auch, Vermittler
deln“.
beschäftigungen das Spielen
zwischen innerer und äußerer
Mit ihrer Studie wollen Fromme
mit Freunden, Musik hören,
Welt, zwischen der Welt der
und Co. „das reflexive Verhal-
Sport treiben und Lesen. Auch
Wünsche und der Welt der Ge-
ten der Heranwachsenden zu
dies deckt sich also nicht mit
genstände (und Mitmenschen).
ihrer eigenen Spielekultur“ ana-
dem Vorurteil, Bildschirmspiele
Selbst „Ballerspiele“ haben ihr
lysieren. Im Mittelpunkt stand
würden andere Aktivitäten
Gutes: Auch sie sind eine mög-
u. a. die Frage, wie die Jugend-
verdrängen. Für 30 % der
liche Form, sich die Welt anzu-
lichen die verschiedenen Di-
befragten Jungen und 18 % der
eignen. „Umgangslernen“ nen-
mensionen von Video- und
Mädchen haben die Geräte al-
nen dies der Pädagoge Johan-
Computerspielen beurteilen.
lerdings eine größere Bedeu-
nes Fromme und der Soziologe
Erforscht wurde bei der Gele-
tung; diese Kinder verbringen
Nikolaus Vollmer: ein „Aneig-
genheit mit Fragebögen und In-
auch mehr Zeit vor dem Fern-
nungsprozess“, der sich durch
terviews das komplette Umfeld:
seher als der Durchschnitt. Die
Pädagogik nicht vermitteln lasse.
Wer sind die Spielpartner, wer
Autoren lassen offen, ob es sich
L I T E R AT U R
dabei um eine Phase handelt;
Digitales TV
Näheres ließe sich nur mit einer
anhand von sechs Themenfeldern dargestellt (S. 60):
Langzeituntersuchung heraus-
Die Einführung des digitalen
1) Programm- und Angebots-
finden.
Bezahlfernsehens stand bisher
strategien, 2) technische Ver-
Wem die gesamte Thematik
in Deutschland unter einem
breitungswege und Decoder-
eher fremd ist, kann in diesem
schlechten Stern. Prognosen
Standard, 3) medien- und kar-
Buch auch über die Spiele
und Erwartungen wurden nicht
tellrechtliche Rahmenbedingun-
selbst einiges lernen; die diver-
erfüllt, die Marketingstrategien
gen, 4) Nutzungspräferenzen
sen Spielgenres werden genau
ließen zu wünschen übrig,
des Publikums, 5) Konvergenz
beschrieben. Und Skeptikern
zugleich wurden Milliarden in
und Konkurrenz von digitalem
halten Fromme und seine Kolle-
Programmrechte investiert. Nun
Pay-T V und Online-Angeboten
gen die positiven Lerneffekte
liegt erneut eine Studie vor, die
und schließlich 6) Finanzie-
entgegen: Kinder werden früh
sich mit dem Potential und den
rungs- und Marktpotentiale.
mit dem P C vertraut, ent-
Perspektiven des Pay-TV be-
Während in den Studien zum
wickeln räumliche Vorstellungs-
fasst. Im Auftrag der Universal
digitalen Pay-T V vor allem das
kraft und visuelle Intelligenz;
Studios Networks Deutschland
große Free-T V -Angebot für den
außerdem wird ihre Leistungs-
GmbH wertete das Adolf Grim-
bisher geringen Erfolg verant-
bereitschaft angestachelt – und
me Institut zwischen Januar
wortlich gemacht wird und von
all dies völlig unabhängig von
1998 und Oktober 1999 die
den Veranstaltern medien- und
den jeweiligen Inhalten der
Berichte in Fachpublikationen,
kartellrechtliche Einschränkun-
Spiele. Das Fazit der Autoren:
Zeitungen und Zeitschriften aus
gen ins Feld geführt werden,
Sie empfehlen eine „neue
sowie Marktdaten und Studien,
sehen die befragten Experten
pädagogische Bescheidenheit“;
die sich in unterschiedlicher
die Gründe der mangelnden
professionelle Pädagogen
Weise der Entwicklung des Me-
Verbreitung in zu hohen Abon-
müssten Abschied nehmen vom
dienmarkts widmeten. Ergänzt
nementgebühren (62,0 %), dem
Ideal, Entwicklungs- und Lern-
wurde diese Auswertung durch
Fehlen eines einheitlichen
prozesse des ganzen Menschen
eine schriftliche und telefoni-
Decodersystems (58,9 %), der
steuern zu wollen.
sche Befragung von insgesamt
geringen Attraktivität des
292 Experten aus den Berei-
Programms (36,3 %) und den zu
chen Telekommunikation/Netz-
hohen Decoder-Kosten (33,2 %).
betreiber, Mediaplanung, Wer-
Damit nennen sie hauptsächlich
bung/Vermarkter, Verlagswesen
Gründe, die man unter dem
sowie Fachpublizisten und
Gesichtspunkt der Kunden-
Vertretern aus einschlägigen
freundlichkeit zusammenfassen
wissenschaftlichen Disziplinen.
könnte. Wenn man den Kampf
Das Buch beginnt mit einer Be-
um Sportübertragungsrechte
standsaufnahme des digitalen
und die Preise, die dafür
Tilmann P. Gangloff
95
Pay-T V in Deutschland und
gezahlt wurden, verfolgt hat,
blickt dabei auch über die
verwundert es doch, dass die
Grenzen, denn es wird kurz die
Experten den Sport erst an
Entwicklung in Frankreich,
vierter Stelle (43,5 %) der Pro-
Großbritannien, Spanien und
grammangebote nennen, die
Italien dargestellt – ein nützli-
dem digitalen Pay-T V zum
ches Unterfangen, bedenkt man
Durchbruch verhelfen könnten.
die Verflechtungen im Medien-
An erster Stelle stehen interna-
und Telekommunikationsbe-
tionale Ereignisse (79,8 %), vor
reich in Europa. Daneben wer-
Erotik (64,4 %) und Kinofilmen
den die medienpolitischen,
(61,3 %). Allerdings ist im Hin-
rechtlichen, technischen und
blick auf den Sport einschrän-
wirtschaftlichen Rahmenbedin-
kend zu sagen, dass die befrag-
gungen sowie die Medienaus-
ten Experten zu den Ereignis-
stattung und -nutzung beleuch-
sen auch internationale Sport-
tet. Schließlich werden die Ent-
ereignisse zählen. Auf alle Fälle
wicklungspotentiale des Pay-T V
sind genügend attraktive Pro-
Hans Paukens/Andreas
Schümchen:
Digitales Fernsehen in
Deutschland. Explorative
Studie zur Entwicklung digitaler Pay-TV-Angebote.
(Edition Grimme 2).
München: Verlag Reinhard
Fischer 2000.
30,00 DM, 131 Seiten
m.Tab.
tv diskurs 14
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