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Brahms wie Verdi - Neumarkter Konzertfreunde

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Neumarkter Nachrichten Freitag, den 03. April 2009
Brahms wie Verdi
Quatuor Ebene spielt mitreißend bei Konzertfreunden
NEUMARKT - Allegro, Scherzo, "nur" diesen Streichsextett-Brahms
Rondo, noch dazu im idyllischen Bade- zu offerieren, dann kann die Rechort kom!.'oniert: das klingt schrecklich nung nur mit dieser Dramatik, dieser
konventlOnell, und auch die Attribute spätromantischen Gefühlsfülle aufgeaus der gängigen Literatur - "köstli- hen. Alles das meinte man bisher nur
cher Wohllaut, jUl\endfrisch strö- aus seiner Kammermusik mit Klavier,
mend, Wohlbehagen' - machen nur vielleicht dem Horntrio zu kennen,
misstrauisch.
aber das Quatuor Ebene macht aus
Zurecht, denn die Kammermusik den beiden Sextetten genauso ein Pulvon Johannes Brahms hat einen ganz verfass der Emotionen. Deren Amplitrügerischen doppelten Boden (wie tude schlägt allein in dem langen Alle-
auch seine 2. Symphonie): zwischen gro von op.18 nach allen Richtungen
schwungvoller Lebenslust und tragi- hin weit aus, bis am Ende der gut elf
schen Abgründen. Besonders dann, Minuten nur ein Verglühen übrig
wenn man eine so ausführliche und bleibt.
tief gehende Probe aufs Exempel
macht wie an diesem "Konzert- Frappierende Einzelheiten
freunde li-Abend das durch Wolfram
Frappierende Einzelheiten aus dieChrist und Patrick Demenga aufgerüs- sen acht Sätzen, die das Quatuor
tete Quatuor Ebene, dem im Moment Ebene entdeckt: Da wird aus den
führenden französischen Streichquar- Variationen des Andantes von op.18
tett. Soviel vorweg: mit Christ und plöWich ein verwegenes "alla zingaDemenga hatte man zwei Herren aus resel< mit einer sich über alle Streidem deutschsprachigen Raum ins cherfülle empor schwingenden ersten
Boot genommen, die sich in Klang Geige (mit unbeschränkter Kraft:
und Auffassung bestens integrierten Pierre Colombet); man spielt keine
und für die Franzosen vielleicht eine sanften Cello-Wellen sondern wahre
Spur rechtsrheinischen Ernst ins Klang-Brecher, die an die Kaimauern
Spiel brachten.
der beiden Geigen anstürmen, kleine
Jedenfalls durfte Demen~as Celio bukolische Szenen werden zu Sinnbildas erste Thema von Brahms Streich- dern von Einsamkeit, der streng aufsextett op. 18 vortragen, und als nach trumpfende Beginn des ersten Scherwenigen Tönen das Quartett einsetzte, zos löst sich in wilde Ausgelassenheit
wusste man, worauf sich diese musi- auf.
kalischen Ebenisten geeinigt hatten:
einen Brahms der romantisdien Sehns,ucht, der hart dazwischen fahrenden
Pizzicati, des schmerzlichen Aufschreis, der mitreißenden Crescendi,
des Zurückfallens in resignative Ver-
Auf Einladung der Konzertfreunde Neumarkt spielte das Quatuor Ebene im Reitstadel.
themas im Allegro aus op. 36 von
Foto: Etzold
Zugaben - die man hätte spielen sol-
den Energie der Klangfarben: purer
Richard Strauss. Und mit dem
zeigt sich, dass sich das Ebene-SexAls ganz stimmigen Beginn, in dem fabelhaften Quatuor Ebene samt Gästett nicht mit braven Halbheiten sich durchaus Spuren von Brahms ten die schönst denkbare Einstimzufrieden gibt, sondern immer das befinden, hatte man das "Capric- mung. Mit solchen Auftritten gehört
Optimale will an Leidenschaft, kam- cio" -Vorspiel in der Sextettfassung es zu den heißesten Anwärtern auf
Raphael Merlin gehört. Auch hier len.
Aufs Intensivste hat das Ebene-Sex- mermusikalischer Dramatik, abrup- von Richard Strauss gespielt: nicht den Streichquartett-Thron, den das
diese beiden Brahms-Stücke ten Abstürzen: furios, faszinierend - nur als Piano-Exerzitium, sondern Alban-Berg-Quartett frei gemacht
UWE MITSCHING
umgegraben und lodernde Leiden- auch anstrengend.
mit einer wunderbar nuancierten hat.
tett
schaft wie bei Verdi zutage gefördert.
Nichts ist geblieben von dem etwas
blässlichen "nur schönen", vom blassblau Heiteren. Am liebsten hätte man
haltenheit.
Wenn man sich auf das W.a gnis ein- ohne Pause gleich weiter mitgelitten
lässt, dem Publikum über 70 Minuten oder die mitreißende Kraft des Cello-
Und man kann Daniel Barenboim
nur zustimmen. "Und das ist so theatralisch, dass es man eigentlich bedauern muss, dass Brahms keine Oper
geschrieben hat." Am Ende lang
dynamischen Palette.
Darauf gibt es nicht nur die resignative Schönheit des Hauptthemas,
sondern auch den aufbrausenden
Streit der Kunst-Kombattanten Flaanhaltender Applaus, trotzdem keine mand und Olivier in einer pulsieren-
•
•
CD Letzter "Konzertfreunde"-Termin:
am 28. April spielen (jer Cellist
Heinrich Schiff und Martin Heimchen am Klavier; Karten unter rzt
(09181) 28474
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Kategorie
Seele and Geist
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